Chapter 27
"Essex. So sei es gewagt!--Frisch! Sie ermuntert mich selbst. Warum will ich an der Krankheit sterben, wenn ich an dem Hilfsmittel sterben kann? Was fürchte ich noch?--Königin, wann denn also,--
Blanca. Der Herzog, Ihre Majestät,--
Essex. Blanca könnte nicht ungelegener kommen.
Blanca. Wartet in dem Vorzimmer,--
Die Königin. Ah! Himmel!
Blanca. Auf Erlaubnis,--
Die Königin. Was erblicke ich?
Blanca. Hereintreten zu dürfen.
Die Königin. Sag ihm--Was seh' ich!--Sag ihm, er soll warten.--Ich komme von Sinnen!--Geh, sag ihm das.
Blanca. Ich gehorche.
Die Königin. Bleib! Komm her! näher!
Blanca. Was befehlen Ihro Majestät?--
Die Königin. Oh, ganz gewiß!--Sage ihm--Es ist kein Zweifel mehr!-- Geh, unterhalte ihn einen Augenblick,--Weh, mir!--Bis ich selbst zu ihm herauskomme. Geh, laß mich!
Blanca. Was ist das?--Ich gehe.
Essex. Blanca ist weg. Ich kann nun wieder fortfahren,--
Die Königin. Ha, Eifersucht!
Essex. Mich zu erklären.--Was ich wage, wage ich auf ihre eigene Überredung.
Die Königin. Mein Geschenk in fremden Händen! Bei Gott!--Aber ich muß mich schämen, daß eine Leidenschaft so viel über mich vermag!
Essex. Wenn denn also,--wie Ihre Majestät gesagt, und wie ich einräumen muß,--das Glück, welches man durch Furcht erkauft,--sehr teuer zu stehen kömmt; wenn man viel edler stirbt:--so will auch ich,--
Die Königin. Warum sagen Sie das, Graf?
Essex. Weil ich hoffe, daß, wann ich--Warum fürchte ich mich noch?-- wann ich Ihre Majestät meine Leidenschaft bekannte,--daß einige Liebe--
Die Königin. Was sagen Sie da, Graf? An mich richtet sich das? Wie? Tor! Unsinniger! Kennen Sie mich auch? Wissen Sie, wer ich bin? Und wer Sie sind? Ich muß glauben, daß Sie den Verstand verloren.--"
Und so fahren Ihre Majestät fort, den armen Grafen auszufenstern, daß es eine Art hat! Sie fragt ihn, ob er nicht wisse, wie weit der Himmel über alle menschliche Erfrechungen erhaben sei? Ob er nicht wisse, daß der Sturmwind, der in den Olymp dringen wolle, auf halbem Wege zurückbrausen müsse? Ob er nicht wisse, daß die Dünste, welche sich zur Sonne erhüben, von ihren Strahlen zerstreuet würden?--Wer vom Himmel gefallen zu sein glaubt, ist Essex. Er zieht sich beschämt zurück und bittet um Verzeihung. Die Königin befiehlt ihm, ihr Angesicht zu meiden, nie ihren Palast wieder zu betreten und sich glücklich zu schätzen, daß sie ihm den Kopf lasse, in welchem sich so eitle Gedanken erzeugen können.[3] Er entfernt sich; und die Königin geht gleichfalls ab, nicht ohne uns merken zu lassen, wie wenig ihr Herz mit ihren Reden übereinstimme.
Blanca und der Herzog kommen an ihrer Statt, die Bühne zu füllen. Blanca hat dem Herzog es frei gestanden, auf welchem Fuße sie mit dem Grafen stehe; daß er notwendig ihr Gemahl werden müsse, oder ihre Ehre sei verloren. Der Herzog faßt den Entschluß, den er wohl fassen muß; er will sich seiner Liebe entschlagen: und ihr Vertrauen zu vergelten, verspricht er sogar, sich bei der Königin ihrer anzunehmen, wenn sie ihr die Verbindlichkeit, die der Graf gegen sie habe, entdecken wolle.
Die Königin kommt bald, in tiefen Gedanken, wieder zurück. Sie ist mit sich selbst im Streit, ob der Graf auch wohl so schuldig sei, als er scheine. Vielleicht, daß es eine andere Schärpe war, die der ihrigen nur so ähnlich ist.--Der Herzog tritt sie an. Er sagt, er komme, sie um eine Gnade zu bitten, um welche sie auch zugleich Blanca bitte. Blanca werde sich näher darüber erklären; er wolle sie zusammen allein lassen: und so läßt er sie.
Die Königin wird neugierig, und Blanca verwirrt. Endlich entschließt sich Blanca, zu reden. Sie will nicht länger von dem veränderlichen Willen eines Mannes abhangen; sie will es seiner Rechtschaffenheit nicht länger anheimstellen, was sie durch Gewalt erhalten kann. Sie flehet die Elisabeth um Mitleid an: die Elisabeth, die Frau, nicht die Königin. Denn da sie eine Schwachheit ihres Geschlechts bekennen müsse: so suche sie in ihr nicht die Königin, sondern nur die Frau.[4]
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[1] --El más verdadero amor Es el que en sí mismo quieto Descansa, sin atender A más paga, o más intento: La correspondencia es paga, Y tener por blanco el precio Es querer per granjeria.-- ------ Dentro está del silencio, y del respeto Mi amor, y así mi dicha está segura, Presumiendo tal vez (dulce locura!) Que es admitido del mayor suieto. Dejándome engañar de este concepto, Dura mi bien, porque mi engaño dura; Necia será la lengua, si aventura Un bien que está seguro en el secreto.-- Que es feliz quien no siendo venturoso Nunca llega á saber, que es desdichado.
[2] Por no morir de mal, cuando Puedo morir de remedio, Digo pues, ea, osadía, Ella me alentó, qué temo?-- Que será bien que a tu Alteza-- (Sale Blanca con la banda puesta.) Bl. Señora, el duque--Cond. A mal tiempo Viene Blanca. Bl. Está aguardando En la antecámara--Rein. Ay, cielo! Bl. Para entrar--Rein. Qué es lo que miro! Bl. Licencia. Rein. Decid;--qué veo!-- Decid que espere;--estoy loca! Decid, andad. Bl. Ya obedezco. Rein. Venid acá, volved. Bl. Qué manda Vuestra Alteza? Rein. Ei daño es cierto. Decidle--no hay que dudar-- Entretenedle un momento-- Ay de mí!--miéntras yo salgo-- Y dejadme. Bl. Qué es aquesto? Y voy. Cond. Ya Blanca se fué, Quiero pues volver--Rein. Ha celos! Cond. A declararme atrevido, Pues si me atrevo, me atrevo En fé de sus pretensiones. Rein. Mi prenda en poder ajeno? Vive Dios, pero es vergüenza Que pueda tanto un afecto En mí. Cond. Según lo que dijo Vuestra Alteza aquí, y supuesto, Que cuesta cara la dicha, Que se compra con el miedo, Quiero morir noblemente. Rein. Porqué lo decís? Cond. Qué espero Si á vuestra Alteza (que dudo!) Le declarase mi afecto, Algun amor--Rein. Que decís? A mí? cómo, loco, necio, Conoceisme? Quien soy yo? Decid, quién soy? que sospecho, Que se os huyó la memoria.--
[3] --No me veais, Y agradeced el que os dejo Cabeza, en que se engendraron Tan livianos pensamientos.
[4] --Ya estoy resuelta; No a la voluntad mudable De un hombre esté yo sujeta, Que aunque no sé que me olvide, Es necedad, que yo quiera Dejar á su cortesía Lo que puede hacer la fuerza. Gran Isabela, escuchadme, Y al escucharme tu Alteza, Ponga aun más que la atención, La piedad con las orejas. Isabela os he llamado En esta ocasión, no Reina, Que cuando vengo a deciros Del honor una flaqueza Que he hecho como mujer, Porque mejor os parezca, No Reina, mujer os busco. Sólo mujer os quisiera.--
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Fünfundsechzigstes Stück Den 15. Dezember 1767
Du? mir eine Schwachheit? fragt die Königin.
"Blanca. Schmeicheleien, Seufzer, Liebkosungen, und besonders Tränen, sind vermögend, auch die reinste Tugend zu untergraben. Wie teuer kömmt mir diese Erfahrung zu stehen! Der Graf--
Die Königin. Der Graf? Was für ein Graf?--
Blanca. Von Essex.
Die Königin. Was höre ich?
Blanca. Seine verführerische Zärtlichkeit--
Die Königin. Der Graf von Essex?
Blanca. Er selbst, Königin.--
Die Königin (beiseite). Ich bin des Todes!--Nun? weiter!
Blanca. Ich zittere.--Nein, ich darf es nicht wagen--"
Die Königin macht ihr Mut und lockt ihr nach und nach mehr ab, als Blanca zu sagen brauchte; weit mehr, als sie selbst zu hören wünscht. Sie höret, wo und wie der Graf glücklich gewesen;[1] und als sie endlich auch höret, daß er ihr die Ehe versprochen, und daß Blanca auf die Erfüllung dieses Versprechens dringe: so bricht der so lange zurückgehaltene Sturm auf einmal aus. Sie verhöhnet das leichtgläubige Mädchen auf das empfindlichste und verbietet ihr schlechterdings, an den Grafen weiter zu denken. Blanca errät ohne Mühe, daß dieser Eifer der Königin Eifersucht sein müsse: und gibt es ihr zu verstehen.
"Die Königin. Eifersucht?--Nein; bloß deine Aufführung entrüstet mich. --Und gesetzt,--ja gesetzt, ich liebte den Grafen. Wenn ich,--ich ihn liebte, und eine andere wäre so vermessen, so töricht, ihn neben mir zu lieben,--was sage ich, zu lieben?--ihn nur anzusehen,--was sage ich, anzusehen?--sich nur eine Gedanke von ihm in den Sinn kommen zu lassen: das sollte dieser andern nicht das Leben kosten?--Du siehest, wie sehr mich eine bloß vorausgesetzte, erdichtete Eifersucht aufbringt: urteile daraus, was ich bei einer wahren tun würde. Itzt stelle ich mich nur eifersüchtig. Hüte dich, mich es wirklich zu machen!"[2]
Mit dieser Drohung geht die Königin ab und läßt die Blanca in der äußersten Verzweiflung. Dieses fehlte noch zu den Beleidigungen, über die sich Blanca bereits zu beklagen hatte. Die Königin hat ihr Vater und Bruder und Vermögen genommen: und nun will sie ihr auch den Grafen nehmen. Die Rache war schon beschlossen: aber warum soll Blanca noch erst warten, bis sie ein anderer für sie vollzieht? Sie will sie selbst bewerkstelligen, und noch diesen Abend. Als Kammerfrau der Königin muß sie sie auskleiden helfen; da ist sie mit ihr allein; und es kann ihr an Gelegenheit nicht fehlen.--Sie sieht die Königin mit dem Kanzler wiederkommen und geht, sich zu ihrem Vorhaben gefaßt zu machen.
Der Kanzler hält verschiedne Briefschaften, die ihm die Königin nur auf einen Tisch zu legen befiehlt; sie will sie vor Schlafengehen noch durchsehen. Der Kanzler erhebt die außerordentliche Wachsamkeit, mit der sie ihren Reichsgeschäften obliege; die Königin erkennt es für ihre Pflicht und beurlaubet den Kanzler. Nun ist sie allein und setzt sich zu den Papieren. Sie will sich ihres verliebten Kummers entschlagen und anständigern Sorgen überlassen. Aber das erste Papier, was sie in die Hände nimmt, ist die Bittschrift eines Grafen Felix. Eines Grafen! "Muß es denn eben", sagt sie, "von einem Grafen sein, was mir zuerst vorkömmt!" Dieser Zug ist vortrefflich. Auf einmal ist sie wieder mit ihrer ganzen Seele bei demjenigen Grafen, an den sie itzt nicht denken wollte. Seine Liebe zu Blanca ist ein Stachel in ihrem Herzen, der ihr das Leben zur Last macht. Bis sie der Tod von dieser Marter befreie, will sie bei dem Bruder des Todes Linderung suchen: und so fällt sie in Schlaf.
Indem tritt Blanca herein und hat eine von den Pistolen des Grafen, die sie in ihrem Zimmer gefunden. (Der Dichter hatte sie, zu Anfange dieses Akts, nicht vergebens dahin tragen lassen.) Sie findet die Königin allein und entschlafen: was für einen bequemem Augenblick könnte sie sich wünschen? Aber eben hat der Graf die Blanca gesucht und sie in ihrem Zimmer nicht getroffen. Ohne Zweifel errät man, was nun geschieht. Er kömmt also, sie hier zu suchen; und kömmt eben noch zurecht, der Blanca in den mörderischen Arm zu fallen und ihr die Pistole, die sie auf die Königin schon gespannt hat, zu entreißen. Indem er aber mit ihr ringt, geht der Schuß los: die Königin erwacht, und alles kömmt aus dem Schlosse herzugelaufen.
"Die Königin (im Erwachen). Ha! Was ist das?
Der Kanzler. Herbei, herbei! Was war das für ein Knall in dem Zimmer der Königin? Was geschieht hier?
Essex (mit der Pistole in der Hand). Grausamer Zufall!
Die Königin. Was ist das, Graf?
Essex. Was soll ich tun?
Die Königin. Blanca, was ist das?
Blanca. Mein Tod ist gewiß!
Essex. In welcher Verwirrung befinde ich mich!
Der Kanzler. Wie? der Graf ein Verräter?
Essex (beiseite). Wozu soll ich mich entschließen? Schweige ich: so fällt das Verbrechen auf mich. Sage ich die Wahrheit: so werde ich der nichtswürdige Verkläger meiner Geliebten, meiner Blanca, meiner teuersten Blanca.
Die Königin. Sind Sie der Verräter, Graf? Bist du es, Blanca? Wer von euch war mein Retter? wer mein Mörder? Mich dünkt, ich hörte im Schlafe euch beide rufen: Verräterin! Verräter! Und doch kann nur eines von euch diesen Namen verdienen. Wenn eines von euch mein Leben suchte, so bin ich es dem andern schuldig. Wem bin ich es schuldig, Graf? Wer suchte es, Blanca? Ihr schweigt?--Wohl, schweigt nur! Ich will in dieser Ungewißheit bleiben; ich will den Unschuldigen nicht wissen, um den Schuldigen nicht zu kennen. Vielleicht dürfte es mich ebensosehr schmerzen, meinen Beschützer zu erfahren, als meinen Feind. Ich will der Blanca gern ihre Verräterei vergeben, ich will sie ihr verdanken: wenn dafür der Graf nur unschuldig war."[3]
Aber der Kanzler sagt: wenn es die Königin schon hierbei wolle bewenden lassen, so dürfe er es doch nicht; das Verbrechen sei zu groß; sein Amt erfodere, es zu ergründen; besonders da aller Anschein sich wider den Grafen erkläre.
"Die Königin. Der Kanzler hat recht; man muß es untersuchen.--Graf,--
Essex. Königin!--
Die Königin. Bekennen Sie die Wahrheit.--(Beiseite.) Aber wie sehr fürchtet meine Liebe, sie zu hören! War es Blanca?
Essex. Ich Unglücklicher!
Die Königin. War es Blanca, die meinen Tod wollte?
Essex. Nein, Königin; Blanca war es nicht.
Die Königin. Sie waren es also?
Essex. Schreckliches Schicksal!--Ich weiß nicht.
Die Königin. Sie wissen es nicht?--Und wie kömmt dieses mörderische Werkzeug in Ihre Hand?--"
Der Graf schweigt, und die Königin befiehlt, ihn nach dem Tower zu bringen. Blanca, bis sich die Sache mehr aufhellet, soll in ihrem Zimmer bewacht werden. Sie werden abgeführt, und der zweite Aufzug schließt.
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[1] bl. le llamé una noche obscura-- rein. y vino a verte? bl. pluguiera a dios, que no fuera tanta mi desdicha, y su fineza. vino más galán que nunca, y yo que dos veces ciega, por mi mal, estaba entónces del amor, y las tinieblas--
[2] rein. este es celo, blanca. bl. celos, añadiéndole una letra. rein. qué decis? bl. señora, que si acaso posible fuera, a no ser vos la que dice esas palabras, dijera, que eran celos. rein. qué son celos? no son celos, es ofensa que me estais haciendo vos. supongamos, que quisiera al conde en esta ocasión; pues si yo al conde quisiera y alguna atrevida, loca presumida, descompuesta le quisiera, qué es querer? que le mirara, o le viera; qué es verle? no sé que diga. no hay cosa que ménos sea-- no la quitara la vida? la sangre no le bebiera?-- los celos, aunque fingidos, me arrebataron la lengua, y dispararon mi enojo-- mirad que no me deis celos, que si fingidos se altera tanto mi enojo, ved vos, si fuera verdad, qué hiciera-- escarmentad en las burlas, no me deis celos de veras.
conde, vos traidor? vos, blanca? el juicio está indiferente, cual me libra, cual me mata. conde, bianca, respondedme! tu á la reina? tu á la reina? oid, aunque confusamente: ha, traidora, dijo el conde. blanca, dijo: traidor eres. estas razones de entrambos a entrambas cosas convienen: uno de los dos me libra, otro de los me ofende. conde, cuál me daba vida? blanca, cuál me daba muerte? decidme!--no lo digais, que neutral mi valor quiere, per no saber el traidor, no saber el inocente. mejor es quedar confusa, en duda mi juicio quede, porque cuando mire a alguno, y de la traición me acuerde, a pensar, que es el traidor, que es el leal también piense. yo le agradeciera á blanca, que ella la traidora fuese, solo á trueque de que el conde fuera él, que estaba inocente.--
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Sechsundsechzigstes Stück Den 18. Dezember 1767
Der dritte Aufzug fängt sich mit einer langen Monologe der Königin an, die allen Scharfsinn der Liebe aufbietet, den Grafen unschuldig zu finden. Die Vielleicht werden nicht gesparet, um ihn weder als ihren Mörder, noch als den Liebhaber der Blanca denken zu dürfen. Besonders geht sie mit den Voraussetzungen wider die Blanca ein wenig sehr weit; sie denkt über diesen Punkt überhaupt lange so zärtlich und sittsam nicht, als wir es wohl wünschen möchten, und als sie auf unsern Theatern denken müßte.[1]
Es kommen der Herzog und der Kanzler: jener, ihr seine Freude über die glückliche Erhaltung ihres Lebens zu bezeigen; dieser, ihr einen neuen Beweis, der sich wider den Essex äußert, vorzulegen. Auf der Pistole, die man ihm aus der Hand genommen, steht sein Name; sie gehört ihm; und wem sie gehört, der hat sie unstreitig auch brauchen wollen.
Doch nichts scheinet den Essex unwidersprechlicher zu verdammen, als was nun erfolgt. Cosme hat, bei anbrechendem Tage, mit dem bewußten Briefe nach Schottland abgehen wollen und ist angehalten worden. Seine Reise sieht einer Flucht sehr ähnlich, und solche Flucht läßt vermuten, daß er an dem Verbrechen seines Herrn Anteil könne gehabt haben. Er wird also vor den Kanzler gebracht, und die Königin befiehlt, ihn in ihrer Gegenwart zu verhören. Den Ton, in welchem sich Cosme rechtfertiget, kann man leicht erraten. Er weiß von nichts; und als er sagen soll, wo er hingewollt, läßt er sich um die Wahrheit nicht lange nötigen. Er zeigt den Brief, den ihm sein Graf an einen andern Grafen nach Schottland zu überbringen befohlen: und man weiß, was dieser Brief enthält. Er wird gelesen, und Cosme erstaunt nicht wenig, als er hört, wohin es damit abgesehen gewesen. Aber noch mehr erstaunt er über den Schluß desselben, worin der Überbringer ein Vertrauter heißt, durch den Roberto seine Antwort sicher bestellen könne. "Was höre ich?" ruft Cosme. "Ich ein Vertrauter? Bei diesem und jenem! ich bin kein Vertrauter; ich bin niemals einer gewesen, und will auch in meinem Leben keiner sein.--Habe ich wohl das Ansehen zu einem Vertrauten? Ich möchte doch wissen, was mein Herr an mir gefunden hätte, um mich dafür zu nehmen. Ich, ein Vertrauter, ich, dem das geringste Geheimnis zur Last wird? Ich weiß zum Exempel, daß Blanca und mein Herr einander lieben, und daß sie heimlich miteinander verheiratet sind: es hat mir schon lange das Herz abdrücken wollen; und nun will ich es nur sagen, damit Sie hübsch sehen, meine Herren, was für ein Vertrauter ich bin. Schade, daß es nicht etwas viel Wichtigeres ist: ich würde es ebensowohl sagen."[2] Diese Nachricht schmerzt die Königin nicht weniger, als die Überzeugung, zu der sie durch den unglücklichen Brief von der Verräterei des Grafen gelangt. Der Herzog glaubt, nun auch sein Stillschweigen brechen zu müssen und der Königin nicht länger zu verbergen, was er in dem Zimmer der Blanca zufälligerweise angehört habe. Der Kanzler dringt auf die Bestrafung des Verräters, und sobald die Königin wieder allein ist, reizen sie sowohl beleidigte Majestät, als gekränkte Liebe, des Grafen Tod zu beschließen.
Nunmehr bringt uns der Dichter zu ihm in das Gefängnis. Der Kanzler kömmt und eröffnet dem Grafen, daß ihn das Parlament für schuldig erkannt und zum Tode verurteilet habe, welches Urteil morgen des Tages vollzogen werden solle. Der Graf beteuert seine Unschuld.
"Der Kanzler. Ihre Unschuld, Mylord, wollte ich gern glauben: aber so viele Beweise wider Sie!--Haben Sie den Brief an den Roberto nicht geschrieben? Ist es nicht Ihr eigenhändiger Name?
Essex. Allerdings ist er es.
Der Kanzler. Hat der Herzog von Alanzon Sie, in dem Zimmer der Blanca, nicht ausdrücklich den Tod der Königin beschließen hören?
Essex. Was er gehört hat, hat er freilich gehört.
Der Kanzler. Sahe die Königin, als sie erwachte, nicht die Pistole in Ihrer Hand? Gehört die Pistole, auf der Ihr Name gestochen, nicht Ihnen?
Essex. Ich kann es nicht leugnen.
Der Kanzler. So sind Sie ja schuldig.
Essex. Das leugne ich.
Der Kanzler. Nun, wie kamen Sie denn dazu, daß Sie den Brief an den Roberto schrieben?
Essex. Ich weiß nicht.
Der Kanzler. Wie kam es denn, daß der Herzog den verräterischen Vorsatz aus Ihrem eignen Munde vernehmen mußte?
Essex. Weil es der Himmel so wollte.
Der Kanzler. Wie kam es denn, daß sich das mörderische Werkzeug in Ihren Händen fand?
Essex. Weil ich viel Unglück habe.
Der Kanzler. Wenn alles das Unglück, und nicht Schuld ist: wahrlich, Freund, so spielst Ihnen Ihr Schicksal einen harten Streich. Sie werden ihn mit Ihrem Kopfe bezahlen müssen.
Essex. Schlimm genug."[3]
"Wissen Ihre Gnaden nicht", fragt Cosme, der dabei ist, "ob sie mich etwa mit hängen werden?" Der Kanzler antwortet Nein, weil ihn sein Herr hinlänglich gerechtfertiget habe; und der Graf ersucht den Kanzler, zu verstatten, daß er die Blanca noch vor seinem Tode sprechen dürfe. Der Kanzler bedauert, daß er, als Richter, ihm diese Bitte versagen müsse; weil beschlossen worden, seine Hinrichtung so heimlich, als möglich, geschehen zu lassen, aus Furcht vor den Mitverschwornen, die er vielleicht sowohl unter den Großen, als unter dem Pöbel in Menge haben möchte. Er ermahnt ihn, sich zum Tode zu bereiten, und geht ab. Der Graf wünschte bloß deswegen die Blanca noch einmal zu sprechen, um sie zu ermahnen, von ihrem Vorhaben abzustehen. Da er es nicht mündlich tun dürfen, so will er es schriftlich tun. Ehre und Liebe verbinden ihn, sein Leben für sie hinzugeben; bei diesem Opfer, das die Verliebten alle auf der Zunge führen, das aber nur bei ihm zur Wirklichkeit gelangt, will er sie beschwören, es nicht fruchtlos bleiben zu lassen. Es ist Nacht; er setzt sich nieder zu schreiben, und befiehlt Cosmen, den Brief, den er ihm hernach geben werde, sogleich nach seinem Tode der Blanca einzuhändigen. Cosme geht ab, um indes erst auszuschlafen.
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[1] No pudo ser que mintiera Blanca en lo que me contó De gozarla el Conde? No, Que Blanca no lo fingiera: No pudo haberla gozado, Sin estar enamorado, Y cuando tierno y rendido, Entónces la haya querido, No puede haberla olvidado? No le vieron mis antoios Entre acogimientos sabios, Muy callando con los labios, Muy bachiller con los ojos, Cuando al decir sus enojos Yo su despecho reñí?
[2] Qué escucho? Señores míos, Dos mil demonios me lleven, Si yo confidente soy, Si lo he sido, o si lo fuere, Ni tengo intención de serlo. --Tengo yo Cara de ser confidente? Yo no sé que ha visto en mi Mi amo para tenerme En esta opinion; y á fe, Que me holgara de que fuese Cosa de más importancia Un secretillo muy leve, Que rabio ya per decirlo, Que es que el Conde a Blanca quiere, Que están casados los dos En secreto--
[3] Con. Sólo el descargo que tengo Es el estar inocente. Senescal. Aunque yo quiera creerlo No me dejan los indicios, Y advertid, que ya no es tiempo De dilación, que mañana Habeis de morir. Con. Yo muero Inocente. Sen. Pues decid: No escribísteis a Roberto Esta carta? Aquesta firma No es la vuestra? Con. No lo niego. Sen. El gran duque de Alanzón No os oyó en el aposento De Blanca trazar la muerte De la Reina? Con. Aqueso es cierto. Sen. Cuando despertó la Reina No os halló, Conde, a vos mesmo Con la pistola en la mano? Y la pistola que vemos Vuestro nombre allí gravado No es vuestro? Con. Os lo concedo. Sen. Luego vos estais culpado. Con. Eso solamente niego. Sen. Pues como escribísteis, Conde, La carta al traidor Roberto? Con. No lo sè. Sen. Pues cómo el Duque, Que escuchó vuestros intentos, Os convence en la traición? Con. Porque así lo quiso el cielo. Sen. Cómo hallado en vuestra mano Os culpa el vil instrumento? Con. Porque tengo poca dicha.-- Sen. Pues sabed, que si es desdicha Y no culpa, en tanto aprieto Os pone vuestra fortuna, Conde amigo, que supuesto Que no dais otro descargo, En fe de indicios tan ciertos, Mañana vuestra cabeza Ha de pagar--
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Siebenundsechzigstes Stück Den 22. Dezember 1767