Hamburgische Dramaturgie

Chapter 26

Chapter 263,868 wordsPublic domain

Essex setzt sich nieder, an ihren Oheim zu schreiben, und indem tritt der Herzog aus der Galerie näher. Er ist neugierig, zu sehen, wer sich mit der Blanca so lange unterhält; und erstaunt, den Grafen von Essex zu erblicken. Aber noch mehr erstaunt er über das, was er gleich darauf zu hören bekömmt. Essex hat an den Roberto geschrieben und sagt der Blanca den Inhalt seines Schreibens, das er sofort durch den Cosme abschicken will. Roberto soll mit allen seinen Freunden einzeln nach London kommen; Essex will ihn mit seinen Leuten unterstützen; Essex hat die Gunst des Volks; nichts wird leichter sein, als sich der Königin zu bemächtigen; sie ist schon so gut als tot.--"Erst müßt' ich sterben!" ruft auf einmal der Herzog und kömmt auf sie los. Blanca und der Graf erstaunen über diese plötzliche Erscheinung; und das Erstaunen des letztern ist nicht ohne Eifersucht. Er glaubt, daß Blanca den Herzog bei sich verborgen gehalten. Der Herzog rechtfertiget die Blanca und versichert, daß sie von seiner Anwesenheit nichts gewußt; er habe die Galerie offen gefunden und sei von selbst hereingegangen, die Gemälde darin zu betrachten.[3]

"Der Herzog. Bei dem Leben meines Bruders, bei dem mir noch kostbarern Leben der Königin, bei--Aber genug, daß ich es sage: Blanca ist unschuldig. Und nur ihr, Mylord, haben Sie diese Erklärung zu danken. Auf Sie ist im geringsten nicht dabei gesehen. Denn mit Leuten, wie Sie, machen Leute, wie ich--

Der Graf. Prinz, Sie kennen mich ohne Zweifel nicht recht?--

Der Herzog. Freilich habe ich Sie nicht recht gekannt. Aber ich kenne Sie nun. Ich hielt Sie für einen ganz andern Mann: und ich finde, Sie sind ein Verräter.

Der Graf. Wer darf das sagen?

Der Herzog. Ich!--Nicht ein Wort mehr! Ich will kein Wort mehr hören, Graf!

Der Graf. Meine Absicht mag auch gewesen sein--

Der Herzog. Denn kurz: ich bin überzeugt, daß ein Verräter kein Herz hat. Ich treffe Sie als einen Verräter: ich muß Sie für einen Mann ohne Herz halten. Aber um so weniger darf ich mich dieses Vorteils über Sie bedienen. Meine Ehre verzeiht Ihnen, weil Sie der Ihrigen verlustig sind. Wären Sie so unbescholten, als ich Sie sonst geglaubt, so würde ich Sie zu züchtigen wissen.

Der Graf. Ich bin der Graf von Essex. So hat mir noch niemand begegnen dürfen, als der Bruder des Königs von Frankreich.

Der Herzog. Wenn ich auch der nicht wäre, der ich bin; wenn nur Sie der wären, der Sie nicht sind, ein Mann von Ehre: so sollten Sie wohl empfinden, mit wem Sie zu tun hätten.--Sie, der Graf von Essex? Wenn Sie dieser berufene Krieger sind: wie können Sie so viele große Taten durch eine so unwürdige Tat vernichten wollen?--"

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[1] Ay tal traición! vive el Cielo, Que de amarla estoy corrido. Blanca, que es mi dulce dueño, Blanca, a quien quiero, y estimo, Me propone tal traición! Que haré, porque si ofendido, Respondiendo, como es justo, Contra su traición me irrito, No por eso ha de evitar So resuelto desatino. Pues darle cuenta a la Reina Es imposible, pues quiso Mi suerte, que tenga parte Blanca en aqueste delito. Pues si procuro con ruegos Disuadirla, es desvarío, Que es una mujer resuelta Animal tan vengativo, Que no se dobla a los riesgos: Antes con afecto impío, En el mismo rendimiento Suelen aguzar los filos; Y quizá desesperada De mi enojo, o mi desvío, Se declarará con otro Menos leal, menos fino, Que quizá por ella intente Lo que yo hacer no he querido.

[2] Si estás consultando, Conde, Allá dentro de tí mismo Lo que has de hacer, no me quieres, Ya el dudarlo fué delito. Vive Dios, que eres ingrato!

[3] Por vida del Rey mi hermano, Y por la que más estimo, De la Reina mi señora, Y por--pero yo lo digo, Que en mí es el mayor empeño De la verdad del decirlo, Que no tiene Blanca parte De estar yo aquí-- ------ Y estad muy agradecido A Blanca, de que yo os dé, No satisfacción, aviso De esta verdad, porque a vos, Hombres como yo--Cond. Imagino Que no me conoceis bien. Duq. No os había conocido Hasta aquí; mas ya os conozco, Pues ya tan otro os he visto Que os reconozco traidor. Cond. Quien dijere--Duq. Yo lo digo No pronuncieis algo, Conde, Que ya no puedo sufriros. Cond. Cualquier cosa que yo intente-- Duq. Mirad que estoy persuadido Que hace la traición cobardes; Y así cuando os he cogido En un lance que me da De que sois cobarde indicios, No he de aprovecharme de esto, Y así os perdona mi brío Ese rato que teneis El valor desminuído; Que a estar todo vos entero, Supiera daros castigo. Cond. Yo soy el Conde de Sex Y nadie se me ha atrevido Sino el hermano del Rey De Francia. Duq. Yo tengo brío Para que sin ser quien soy, Pueda mi valor invicto Castigar, no digo yo Sólo a vos, mas a vos mismo, Siendo leal, que es lo más Con que queda encarecido. Y pues sois tan gran Soldado, No echeis a perder, os pido Tantas heroicas hazañas Con un hecho tan indigno--

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Zweiundsechzigstes Stück Den 4. Dezember 1767

Der Herzog fährt hierauf fort, ihm sein Unrecht in einem etwas gelindern Tone vorzuhalten. Er ermahnt ihn, sich eines Bessern zu besinnen; er will es vergessen, was er gehört habe; er ist versichert, daß Blanca mit dem Grafen nicht einstimmen und daß sie selbst ihm eben das würde gesagt haben, wenn er, der Herzog, ihr nicht zuvorgekommen wäre. Er schließt endlich: "Noch einmal, Graf; gehen Sie in sich! Stehen Sie von einem so schändlichen Vorhaben ab! Werden Sie wieder Sie selbst! Wollen Sie aber meinem Rate nicht folgen: so erinnern Sie sich, daß Sie einen Kopf haben, und London einen Henker!"[1]--Hiermit entfernt sich der Herzog. Essex ist in der äußersten Verwirrung; es schmerzt ihn, sich für einen Verräter gehalten zu wissen; gleichwohl darf er es itzt nicht wagen, sich gegen den Herzog zu rechtfertigen; er muß sich gedulden, bis es der Ausgang lehre, daß er da seiner Königin am getreuesten gewesen sei, als er es am wenigsten zu sein geschienen.[2] So spricht er mit sich selbst: zur Blanca aber sagt er, daß er den Brief sogleich an ihren Oheim senden wolle, und geht ab. Blanca desgleichen; nachdem sie ihren Unstern verwünscht, sich aber noch damit getröstet, daß es kein Schlimmerer als der Herzog sei, welcher von dem Anschlage des Grafen wisse.

Die Königin erscheinet mit ihrem Kanzler, dem sie es vertrauet hat, was ihr in dem Garten begegnet. Sie befiehlt, daß ihre Leibwache alle Zugänge wohl besetzt; und morgen will sie nach London zurückkehren. Der Kanzler ist der Meinung, die Meuchelmörder aufsuchen zu lassen und durch ein öffentliches Edikt demjenigen, der sie anzeigen werde, eine ansehnliche Belohnung zu verheißen, sollte er auch selbst ein Mitschuldiger sein. "Denn da es ihrer zwei waren", sagt er, "die den Anfall taten, so kann leicht einer davon ein ebenso treuloser Freund sein, als er ein treuloser Untertan ist."[3] Aber die Königin mißbilliget diesen Rat; sie hält es für besser, den ganzen Vorfall zu unterdrücken und es gar nicht bekannt werden zu lassen, daß es Menschen gegeben, die sich einer solchen Tat erkühnen dürfen. "Man muß", sagt sie, "die Welt glauben machen, daß die Könige so wohl bewacht werden, daß es der Verräterei unmöglich ist, an sie zu kommen. Außerordentliche Verbrechen werden besser verschwiegen, als bestraft. Denn das Beispiel der Strafe ist von dem Beispiele der Sünde unzertrennlich; und dieses kann oft ebensosehr anreizen, als jenes abschrecken."[4]

Indem wird Essex gemeldet und vorgelassen. Der Bericht, den er von dem glücklichen Erfolge seiner Expedition abstattet, ist kurz. Die Königin sagt ihm auf eine sehr verbindliche Weise: "Da ich Euch wieder erblicke, weiß ich von dem Ausgange des Krieges schon genug."[5] Sie will von keinen nähern Umständen hören, bevor sie seine Dienste nicht belohnt, und befiehlt dem Kanzler, dem Grafen sogleich das Patent als Admiral von England auszufertigen. Der Kanzler geht; die Königin und Essex sind allein; das Gespräch wird vertraulicher; Essex hat die Schärpe um; die Königin bemerkt sie, und Essex würde es aus dieser bloßen Bemerkung schließen, daß er sie von ihr habe, wenn er es aus den Reden der Blanca nicht schon geschlossen hätte. Die Königin hat den Grafen schon längst heimlich geliebt; und nun ist sie ihm sogar das Leben schuldig.[6] Es kostet ihr alle Mühe, ihre Neigung zu verbergen. Sie tut verschiedne Fragen, ihn auszulocken und zu hören, ob sein Herz schon eingenommen, und ob er es vermute, wem er das Leben in dem Garten gerettet. Das letzte gibt er ihr durch seine Antworten gewissermaßen zu verstehen, und zugleich, daß er für ebendiese Person mehr empfinde, als er derselben zu entdecken sich erkühnen dürfe. Die Königin ist auf dem Punkte, sich ihm zu erkennen zu geben: doch siegt noch ihr Stolz über ihre Liebe. Ebensosehr hat der Graf mit seinem Stolze zu kämpfen: er kann sich des Gedankens nicht entwehren, daß ihn die Königin liebe, ob er schon die Vermessenheit dieses Gedankens erkennet. (Daß diese Szene größtenteils aus Reden bestehen müsse, die jedes seitab führet, ist leicht zu erachten.) Sie heißt ihn gehen und heißt ihn wieder so lange warten, bis der Kanzler ihm das Patent bringe. Er bringt es; sie überreicht es ihm; er bedankt sich, und das Seitab fängt mit neuem Feuer an.

"Die Königin. Törichte Liebe!--

Essex. Eitler Wahnsinn!--

Die Königin. Wie blind!--

Essex. Wie verwegen!--

Die Königin. So tief willst du, daß ich mich herabsetze?--

Essex. So hoch willst Du, daß ich mich versteige?--

Die Königin. Bedenke, daß ich Königin bin!

Essex. Bedenke, daß ich Untertan bin!

Die Königin. Du stürzest mich bis in den Abgrund,--

Essex. Du erhebest mich bis zur Sonne,--

Die Königin. Ohne auf meine Hoheit zu achten.

Essex. Ohne meine Niedrigkeit zu erwägen.

Die Königin. Aber, weil du meines Herzens dich bemeistert:--

Essex. Aber, weil Du meiner Seele Dich bemächtiget:--

Die Königin. So stirb da, und komm' nie auf die Zunge!

Essex. So stirb da, und komm' nie über die Lippen!"[7]

(Ist das nicht eine sonderbare Art von Unterhaltung? Sie reden miteinander und reden auch nicht miteinander. Der eine hört, was der andere nicht sagt, und antwortet auf das, was er nicht gehört hat. Sie nehmen einander die Worte nicht aus dem Munde, sondern aus der Seele. Man sage jedoch nicht, daß man ein Spanier sein muß, um an solchen unnatürlichen Künsteleien Geschmack zu finden. Noch vor einige dreißig Jahre fanden wir Deutsche ebensoviel Geschmack daran; denn unsere Staats-und Heldenaktionen wimmelten davon, die in allem nach den spanischen Mustern zugeschnitten waren.)

Nachdem die Königin den Essex beurlaubet und ihm befohlen, ihr bald wieder aufzuwarten, gehen beide auf verschiedene Seiten ab und machen dem ersten Aufzuge ein Ende.--Die Stücke der Spanier, wie bekannt, haben deren nur drei, welche sie Jornadas, Tagewerke, nennen. Ihre allerältesten Stücke hatten viere: sie krochen, sagt Lope de Vega, auf allen vieren, wie Kinder; denn es waren auch wirklich noch Kinder von Komödien. Virves war der erste, welcher die vier Aufzüge auf drei brachte; und Lope folgte ihm darin, ob er schon die ersten Stücke seiner Jugend, oder vielmehr seiner Kindheit, ebenfalls in vieren gemacht hatte. Wir lernen dieses aus einer Stelle in des letztern "Neuen Kunst, Komödien zu machen"[8]; mit der ich aber eine Stelle des Cervantes in Widerspruch finde[9], wo sich dieser den Ruhm anmaßt, die spanische Komödie von fünf Akten, aus welchen sie sonst bestanden, auf drei gebracht zu haben. Der spanische Literator mag diesen Widerspruch entscheiden; ich will mich dabei nicht aufhalten.

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[1] Miradlo mejor, dejad Un intento tan indigno, Corresponded a quien sois, Y sino bastan avisos, Mirad que hay Verdugo en Londres, Y en vos cabeza, harto os digo.

[2] No he de responder al Duque Hasta que el suceso mismo Muestre como fueron falsos De mi traición los indicios, Y que soy más leal, cuando Más traidor he parecido.

[3] Y pues son dos los culpados Podrá ser, que alguno de ellos Entregue al otro; que es llano, Que será traidor amigo Quien fué desleal vasallo.

[4] Y es gran materia de estado Dar a entender, que los Reyes Están en sí tan guardados Que aunque la traición los busque, Nunca ha de poder hallarlos; Y así el secreto averigüe Enormes delitos, cuando Más que el castigo, escarmientos Dé ejemplares el pecado.

[5] Que ya sólo con miraros Sé el suceso de la guerra.

[6] No bastaba, amor tírano, Una inclinación tan fuerte, Sin que te hayas ayudado Del deberle yo la vida?

[7] Rein. Loco Amor--Cond. Necio imposible-- Rein. Qué ciego--Cond. Qué temerario-- Rein. Me abates a tal bajeza-- Cond. Me quieres subir tan alto-- Rein. Advierte, que soy la Reina-- Cond. Advierte, que soy vasallo-- Rein. Pues me humillas al abismo-- Cond. Pues me acercas a los rayos-- Rein. Sin reparar mi grandeza-- Cond. Sin mirar mi humilde estado-- Rein. Ya que te miro acá dentro-- Cond. Ya que en mí te vas entrando-- Rein. Muere entre el pecho, y la voz. Cond. Muere entre el alma, y los labios.

[8] "Arte nuevo de hazer Comedias", die sich hinter des Lope "Rimas" befindet. El Capitán Virués; insigne ingenio, Puso en tres actos la Comedia, que antes Andaba en cuatro, como pies de niño, Que eran entonces niñas las Comedias, Y yo las escribí de once, y doce años, De a cuatro actos, y de a cuatro pliegos, Porque cada acto un pliego contenia.

[9] In der Vorrede zu seinen Komödien: Donde me atreví a reducir las Comedias a tres Jornadas, de cinco que tenían.

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Dreiundsechzigstes Stück Den 8. Dezember 1767

Die Königin ist von dem Landgute zurückgekommen; und Essex gleichfalls. Sobald er in London angelangt, eilte er nach Hofe, um sich keinen Augenblick vermissen zu lassen. Er eröffnet mit seinem Cosme den zweiten Akt, der in dem königlichen Schlosse spielt. Cosme hat, auf Befehl des Grafen, sich mit Pistolen versehen müssen; der Graf hat heimliche Feinde; er besorgt, wenn er des Nachts spät vom Schlosse gehe, überfallen zu werden. Er heißt den Cosme, die Pistolen nur indes in das Zimmer der Blanca zu tragen und sie von Floren aufheben zu lassen. Zugleich bindet er die Schärpe los, weil er zur Blanca gehen will. Blanca ist eifersüchtig; die Schärpe könnte ihr Gedanken machen; sie könnte sie haben wollen; und er würde sie ihr abschlagen müssen. Indem er sie dem Cosme zur Verwahrung übergibt, kömmt Blanca dazu. Cosme will sie geschwind verstecken: aber es kann so geschwind nicht geschehen, daß es Blanca nicht merken sollte. Blanca nimmt den Grafen mit sich zur Königin; und Essex ermahnt im Abgehen den Cosme, wegen der Schärpe reinen Mund zu halten und sie niemanden zu zeigen.

Cosme hat, unter seinen andern guten Eigenschaften, auch diese, daß er ein Erzplauderer ist. Er kann kein Geheimnis eine Stunde bewahren; er fürchtet ein Geschwär im Leibe davon zu bekommen; und das Verbot des Grafen hat ihn zu rechter Zeit erinnert, daß er sich dieser Gefahr bereits sechsunddreißig Stunden ausgesetzt habe.[1] Er gibt Floren die Pistolen und hat den Mund schon auf, ihr auch die ganze Geschichte von der maskierten Dame und der Schärpe zu erzählen. Doch eben besinnt er sich, daß es wohl eine würdigere Person sein müsse, der er sein Geheimnis zuerst mitteile. Es würde nicht lassen, wenn sich Flora rühmen könnte, ihn dessen defloriert zu haben.[2] (Ich muß von allerlei Art des spanischen Witzes eine kleine Probe einzuflechten suchen.)

Cosme darf auf diese würdigere Person nicht lange warten. Blanca wird von ihrer Neugierde viel zu sehr gequält, daß sie sich nicht, sobald als möglich, von dem Grafen losmachen sollen, um zu erfahren, was Cosme vorhin so hastig vor ihr zu verbergen gesucht. Sie kömmt also sogleich zurück, und nachdem sie ihn zuerst gefragt, warum er nicht schon nach Schottland abgegangen, wohin ihn der Graf schicken wollen, und er ihr geantwortet, daß er mit anbrechendem Tage abreisen werde: verlangt sie zu wissen, was er da versteckt halte? Sie dringt in ihn; doch Cosme läßt nicht lange in sich dringen. Er sagt ihr alles, was er von der Schärpe weiß; und Blanca nimmt sie ihm ab. Die Art, mit der er sich seines Geheimnisses entlediget, ist äußerst ekel. Sein Magen will es nicht länger bei sich behalten; es stößt ihm auf; es kneipt ihn; er steckt den Finger in den Hals; er gibt es von sich, und um einen bessern Geschmack wieder in den Mund zu bekommen, läuft er geschwind ab, eine Quitte oder Olive darauf zu kauen.[3] Blanca kann aus seinem verwirrten Geschwätze zwar nicht recht klug werden: sie versteht aber doch so viel daraus, daß die Schärpe das Geschenk einer Dame ist, in die Essex verliebt werden könnte, wenn er es nicht schon sei. "Denn er ist doch nur ein Mann", sagt sie. "Und wehe der, die ihre Ehre einem Manne anvertrauet hat! Der beste ist noch so schlimm! "[4]--Um seiner Untreue also zuvorzukommen, will sie ihn je eher je lieber heiraten.

Die Königin tritt herein und ist äußerst niedergeschlagen. Blanca fragt, ob sie die übrigen Hofdamen rufen soll: aber die Königin will lieber allein sein; nur Irene soll kommen und vor dem Zimmer singen. Blanca geht auf der einen Seite nach Irenen ab, und von der andern kömmt der Graf.

Essex liebt die Blanca: aber er ist ehrgeizig genug, auch der Liebhaber der Königin sein zu wollen. Er wirft sich diesen Ehrgeiz selbst vor; er bestraft sich deswegen; sein Herz gehört der Blanca; eigennützige Absichten müssen es ihr nicht entziehen wollen; unechte Konvenienz muß keinen echten Affekt besiegen.[5] Er will sich also lieber wieder entfernen, als er die Königin gewahr wird: und die Königin, als sie ihn erblickt, will ihm gleichfalls ausweichen. Aber sie bleiben beide. Indem fängt Irene vor dem Zimmer an zu singen. Sie singt eine Redondilla, ein kleines Lied von vier Zeilen, dessen Sinn dieser ist: "Sollten meine verliebten Klagen zu deiner Kenntnis gelangen: oh, so laß das Mitleid, welches sie verdienen, den Unwillen überwältigen, den du darüber empfindest, daß ich es bin, der sie führet." Der Königin gefällt das Lied; und Essex findet es bequem, ihr durch dasselbe, auf eine versteckte Weise, seine Liebe zu erklären. Er sagt, er habe es glossieret[6] und bittet um Erlaubnis, ihr seine Glosse vorsagen zu dürfen. In dieser Glosse beschreibt er sich als den zärtlichsten Liebhaber, dem es aber die Ehrfurcht verbiete, sich dem geliebten Gegenstande zu entdecken. Die Königin lobt seine Poesie: aber sie mißbilliget seine Art zu lieben. "Eine Liebe", sagt sie unter andern, "die man verschweigt, kann nicht groß sein; denn Liebe wächst nur durch Gegenliebe, und der Gegenliebe macht man sich durch das Schweigen mutwillig verlustig."

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[1] --Yo no me acordaba De decirlo, y lo callaba. Y como me lo entregó, Ya por decirlo reviento, Que tengo tal propiedad, Que en un hora, o la mitad, Se me hace postema un cuento.

[2] Allá va Flora; mas no, Será persona más grave-- No es bien que Flora se alabe Que el cuento me desfloró.

[3] Ya se me viene a la boca La purga.-- O que regüeldos tan secos Me vienen! terrible aprieto.-- Mi estómago no lo lleva; Protesto que es gran trabajo, Meto los dedos.-- Y pues la purga he trocado, Y el secreto he vomitado Desde el principio hasta el fin, Y sin dejar cosa alguna, Tal asco me dió al decillo, Voy a probar de en membrillo, O a morder de una accituna.--

[4] Es hombre al fin, y ay! de aquella Que a un hombre fiò su honor, Siendo tan malo, el mejor.

[5] Abate, abate las alas No subas tanto, busquemos Más proporcionada esfera A tan limitado vuelo. Blanca me quiere, y a Blanca Adoro yo ya en mi dueño; Pues cómo de amor tan noble Por una ambición me alejo? No conveniencia bastarda Venza un legítimo afecto.

[6] Die Spanier haben eine Art von Gedichten, welche sie Glosas nennen. Sie nehmen eine oder mehrere Zeilen gleichsam zum Texte und erklären oder umschreiben diesen Text so, daß sie die Zeilen selbst in diese Erklärung oder Umschreibung wiederum einflechten. Den Text heißen sie Mote oder Letra, und die Auslegung insbesondere Glosa, welches denn aber auch der Name des Gedichts überhaupt ist. Hier läßt der Dichter den Essex das Lied der Irene zum Mote machen, das aus vier Zeilen besteht, deren jede er in einer besondern Stanze umschreibt, die sich mit der umschriebenen Zeile schließt. Das Ganze sieht so aus:

Mote.

Si acaso mis desvaríos Llegaren a tus umbrales, La lástima de ser males Quite el horror de ser míos.

Glosa.

Aunque el dolor me provoca Decir mis quejas no puedo, Que es mi osadía tan poca, Que entre el respeto, y el miedo Se me mueren en la boca; Y así no llegan tan míos Mis males a tus orejas, Porque no han de ser oídos Si acaso digo mis quejas, Si acaso mis desvaríos. El ser tan mal explicados Sea su mayor indicio, Que trocando en mis cuidados El silencio, y vos su oficio, Quedarán más ponderados: Desde hoy por estas señales Sean de tí conocidos, Que sin duda son mis males Si algunos mal repetidos Llegaren a tus umbrales. Mas ay Dies! que mis cuidados De tu crueldad conocidos, Aunque más acreditados, Serán menos adquiridos. Que con los otros mezclados: Porque no sabiendo a cuales Más tu ingratitud se deba Viéndolos todos iguales Fuerza es que en común te mueva La lástima de ser males. En mi este afecto violento Tu hermoso desdén le causa; Tuyo, y mío es mi tormento; Tuyo, porque eres la causa; Y mío, porque yo le siento: Sepan, Laura, tus desvíos Que mis males son tan suyos, Y en mis cuerdos desvaríos Esto que tienen de tuyos Quite el horror de ser míos.

Es müssen aber eben nicht alle Glossen so symmetrisch sein als diese. Man hat alle Freiheit, die Stanzen, die man mit den Zeilen des Mote schließt, so ungleich zu machen, als man will. Man braucht auch nicht alle Zeilen einzuflechten; man kann sich auf eine einzige einschränken und diese mehr als einmal wiederholen. übrigens gehören diese Glossen unter die älteren Gattungen der spanischen Poesie, die nach dem Boscan und Garcilasso ziemlich aus der Mode gekommen.

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Vierundsechzigstes Stück Den 11. Dezember 1767

Der Graf versetzt, daß die vollkommenste Liebe die sei, welche keine Belohnung erwarte; und Gegenliebe sei Belohnung. Sein Stillschweigen selbst mache sein Glück: denn solange er seine Liebe verschweige, sei sie noch unverworfen, könne er sich noch von der süßen Vorstellung täuschen lassen, daß sie vielleicht dürfe genehmiget werden. Der Unglückliche sei glücklich, solange er noch nicht wisse, wie unglücklich er sei.[1] Die Königin widerlegt diese Sophistereien als eine Person, der selbst daran gelegen ist, daß Essex nicht länger darnach handle: und Essex, durch diese Widerlegung erdreistet, ist im Begriff, das Bekenntnis zu wagen, von welchem die Königin behauptet, daß es ein Liebhaber auf alle Weise wagen müsse; als Blanca hereintritt, den Herzog anzumelden. Diese Erscheinung der Blanca bewirkt einen von den sonderbarsten Theaterstreichen. Denn Blanca hat die Schärpe um, die sie dem Cosme abgenommen, welches zwar die Königin, aber nicht Essex gewahr wird.[2]