Geflügelte Worte: Der Citatenschatz des deutschen Volkes

Part 7

Chapter 73,641 wordsPublic domain

*Was wird* (_eigentlich: will_) *aus dem Kindlein werden!*

aus Luk. 2, 13:

*Die Menge der himmlischen Heerscharen;*

aus Luk. 2, 52:

*Zunehmen an Alter und Weisheit;*

und aus Luk. 6, 38:

*Gebet, so wird euch gegeben.*

*Ein voll, gedrückt, gerüttelt und überflüssig Mass* (_wird man in euren Schoss geben: denn eben_) *mit dem Mass, da ihr* (_mit_) *messet, wird man euch wieder messen.*

(vrgl. Matth. 7, 2 u. Mark. 4, 24.)--

Nach Luk. 9, 55: "Welches Geistes Kinder" citiert man:

*Wess Geistes Kind.--*

Luk. 10, 7 und 1. Tim. 5, 18 heisst es:

(_Denn_) *ein Arbeiter ist seines Lohnes wert,*

während es Matth. 10, 10 "seiner Speise" lautet.--

Das Gleichnis vom

*barmherzigen Samariter,*

Luk. 10, 30-37, schliesst Jesus:

(_So_) *gehe hin und thue desgleichen.*

Wir reden danach auch von einem

*Samariterdienst.--*

Nach Luk. 10, 34 citieren wir:

*Öl in die Wunden giessen,*

und nach 10, 40 und 41 sprechen wir von der

*geschäftigen Martha.--*

Wenn wir sagen, dass wir

*das bessere Teil erwählt haben,*

so gestalten wir den Ausdruck in Luk. 10, 42 um: "Maria hat das gute Theil erwählet".--

Luk. 10, 42 steht:

*Eins aber ist not.--*

Aus Luk. 12, 19: "Liebe Seele..., habe nun Ruhe" ist abgeleitet:

*Nun hat die liebe Seele Ruh'.--*

Das "Nötige sie, hereinzukommen", Luk. 14, 23, übersetzt die Vulgata mit:

*Compelle intrare.*

In dieser Form wurde es zur Rechtfertigung der gegen die Ketzer angewendeten Gewalt gebraucht und dient noch heute dazu, um die Ausübung irgend eines Zwanges auszudrücken. Viel wird auch citiert das sich unmittelbar an diese Worte anschliessende:

*auf dass mein Haus voll werde.--*

Auf Luk. 15, 11-32 beruht:

*der verlorene Sohn,--*

welcher V. 18 heimzukehren und zum Vater zu sagen beschliesst:

*pater, peccavi*[12]

(Vater, ich habe gesündiget).

[Fußnote 12: So ruft schon der goldgequälte Midas bei ~Ovid~ ("Met." 11, 132) zum Bacchus:

"Da veniam, Lenaee pater; peccavimus . . ."

"Vater Lenaeus, verzeih'; ich habe gesündiget . . ."]

V. 21 führt er diesen Vorsatz aus, worauf der verzeihende Vater

*ein fettes Kalb*

(wörtlich: "ein gemästetes" V. 23) zu Ehren des Wiedergefundenen schlachten lässt.--

Aus Lukas 16, 8 (vrgl. 20, 34): "... die Kinder dieser Welt sind klüger, denn die Kinder des Lichts..." leiten wir die Worte her:

*Kinder der Welt,* *Weltkind,* *Weltklug* _und_ *Weltklugheit.--*

Lukas 16, 9 und 11 bietet das Wort:

*Ungerechter Mammon.--*

Aus Lukas 16, 19 ist:

*Herrlich und in Freuden leben;*

aus Lukas 16, 20:

*Arm wie Lazarus*

(dessen Name in "Lazareth" und "Lazzaroni" verewigt ist);

aus Lukas 16, 22 und 23:

*In Abrahams Schoss.--*

Lukas 16, 26 sagt Abraham, den Lazarus im Schoss liegend, vom Himmel herab zu dem aus der Hölle emporflehenden Reichen: "... über das Alles ist zwischen uns und euch

*eine grosse Kluft*

befestiget, dass die da wollten von hinnen hinab fahren zu euch, können nicht, und auch nicht von dannen zu uns herüber fahren".--

*Moses und die Propheten haben*

dient uns als scherzhafte Hindeutung auf den Geldbesitz der Juden. Luk. 16, 29 sagt nämlich Abraham zu dem aus der Hölle für seine fünf Brüder bittenden Reichen: "Sie haben Moses und die Propheten; lass sie dieselbigen hören". Hieraus ist das Wort entlehnt und dessen falsche Anwendung mag daher rühren, dass "Moos haben" für "Geld haben" damit verquickt wurde.

Das jüdische Wort "Moos" für "Geld" ist der schlecht gesprochene Pluralis eines nur im Junghebräischen der Mischna vorkommenden Wortes, welches im Singularis eine kleine Münze = 1/6 Denar bedeutet (Buxtorf, Lexikon Talmud. S. 1236).--

Auf Grund der Evangelien überhaupt und besonders nach Lukas 18, 10ff. ist uns der

*Pharisäer*

zum Typus der Selbstgerechtigkeit geworden, dessen Gebet Lukas 18, 11:

*Ich danke dir Gott, dass ich nicht bin wie andre Leute*

wir solchen Selbstgerechten gern ironisch in den Mund legen; während das Gebet des Zöllners, Lukas 18, 13:

*Gott sei mir Sünder gnädig!*

noch heut mit bescheidenem Ernst aus dem Herzen des Demütigen quillt. Aus demselben Verse citieren wir im Sinne des zerknirscht Insichgehens das Wort:

*an seine Brust schlagen,*

das Nahum 2,8, wie bei den Griechen und Römern, im Sinne der Betrübnis, Luk. 2, 3. 48 in dem der Verwunderung vorkommt.--

Man pflegt einen Menschen, den man bei allen öffentlichen Lustbarkeiten findet:

*Zachäus auf allen Kirchweihen*

zu nennen, weil der kleine Zachäus, der aus Drang, Jesum zu sehen, auf einen Baum steigt, im Evangelium des Tages der Kirchweihung, Luk. 19, 1-10, vorkommt, also regelmässig am Kirchweihtage genannt wird.--

Aus dem Gleichnis Luk. 19, 12-23 "Von vertrauten Pfunden" schöpfen wir die nicht unmittelbar darin enthaltenen Worte:

*anvertrautes Pfund,*

was für "Geistesgaben" angewendet wird (s. oben "Talent"), und:

*Mit seinem Pfunde wuchern.--*

Luk. 19, 40 (s. Habakuk 2, 11) spricht Jesus von den Jüngern:

*Wo diese* (_werden_) *schweigen,* (_so_) *werden die Steine schreien.*

In der "Legenda aurea" des ~Jacobus a Voragine~ (2. Hälfte des 13. Jahrh.), Cap. 181 "De sancto Pelagio papa" (S. 833, Graesses Ausg.) wird von Beda Venerabilis († 735) erzählt, er habe sich im hohen Alter, als er blind geworden, führen lassen, und sein Führer habe ihm in einem steinigen Thale vorgeredet, es harre dort eine grosse Menschenmenge seiner Predigt. Am Ende derselben hätten die Steine Amen gerufen. Diese Legende erzählt L. Th. ~Kosegarten~ unter dem Titel: "Das Amen der Steine" ("Legenden", neue Aufl., Berl. 1810, 1. Bd., 1. Bch., XVII), darinnen es heisst:

*Wenn Menschen schweigen, werden Steine schrei'n.--*

Luk. 21, 26 steht:

*Warten der Dinge, die* (_da_) *kommen sollen.--*

Luk. 21, 35 (vrgl. Hiob 43, 19) spricht Jesus: "wie ein

*Fallstrick*

wird er kommen über alle, die auf Erden wohnen".--

Luk. 22, 6 (vrgl. Apostelg. 24, 68) steht:

*Ohne Rumor.--*

Aus Luk. 23, 6-12 erklärt sich die Redensart:

*von* _Herodes (fälschlich:_ *Pontius) zu Pilatus schicken* _oder_ *laufen.--*

Das Luk. 23, 16 und 22 enthaltene:

*Züchtigen und loslassen*

ist ein den Handwerkern gewöhnlicher Ausdruck geworden. Der Küfer sagt, er könne züchtigen und loslassen, d.h. zum Wein Wasser zusetzen oder nicht; der Schuhmacher, wenn er Schuhe mit Riemen gemacht hat, er könne sie züchtigen und loslassen, d.h. zubinden und aufbinden u.s.w.--

*Denn so man das thut am grünen Holz, was will am dürren werden!*

steht Lukas 23, 31.--

Lukas 24, 36 und Joh. 30, 19. 21. 26 spricht Jesus:

*Friede sei mit euch!*

*Pax vobiscum!--*

* * * * *

*Johannes* 1, 46 spricht Nathanael zum Philippus:

*Was kann von Nazareth Gutes kommen?--*

Joh. 1, 51 (vrgl. Hesekiel 1, 1, Apostelgesch. 7, 55 und 10, 11) finden wir:

*Den Himmel offen sehen.--*

Joh. 2, 15 (vrgl. Matth. 21, 12; Mark. 11, 15 und Luk. 19, 45) heisst es von Jesus: "... er machte eine Geissel aus Stricken und ~trieb~ sie alle ~zum Tempel hinaus~", nämlich die Viehhändler und Wechsler. Daher

*zum Tempel hinaus treiben*

uns für "unsanft entfernen" üblich wurde.--

*Wie Nikodemus kommen bei der Nacht*

beruht auf Joh. 3, 2 wo erzählt wird, dass der Pharisäer Nikodemus, "ein Oberster unter den Juden", zu Jesu kam "bey der Nacht" (s. auch 7, 50 und 19, 39), der mit ihm redete vom Wege zum ewigen Leben, der Wiedergeburt im Geiste. "Wie mag solches zugehen?" fragt Nikodemus, und (V. 10): "Jesus antwortete und sprach zu ihm:

*Bist Du ein Meister in Israel und weisst das nicht?"--*

Auf Joh. 8, 7, wo Jesus spricht: "Wer unter euch ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein auf sie" beruht:

*Den ersten Stein auf jemanden werfen.--*

Nach Joh. 8, 57: "Da sprachen die Juden zu ihm: Du bist noch nicht fünfzig Jahr alt und hast Abraham gesehen?" wurde die Redeweise

*Er hat schon Vater Abraham gesehen*

in den Rheinlanden gebräuchlich für "er ist über fünfzig Jahre alt".--

Joh. 9, 4 steht: "Ich muss wirken die Werke dess, der mich gesandt hat, so lange es Tag ist;

*es kommt die Nacht, da niemand wirken kann".*

(vrgl. Goethes "Noch ist es Tag" u.s.w.).--

*Was du thust, das thue bald*

spricht Joh. 13, 27 Jesus zu Judas Ischarioth.--

Joh. 18, 38 enthält die Frage des Pilatus:

*Was ist Wahrheit?--*

Der Ausruf des Pilatus, Joh. 19, 5: "Sehet, welch ein Mensch!" ist in lateinischer Form:

Ecce homo!

ein Wort geworden, womit man in der Kunst die Darstellung eines leidenden Christus mit der Dornenkrone bezeichnet.--

Joh. 19, 22 steht des Pilatus Grundsatz:

*Was ich geschrieben habe, das habe ich geschrieben.--*

Die Worte des auferstandenen Jesu zu Maria aus Joh. 20, 17 lauten in der Vulgata:

*Noli me tangere!*

(Rühre mich nicht an!).--

*Ungläubiger Thomas*

ist aus Joh. 20, 24-29 entwickelt, wo der Jünger Thomas nicht eher an die Auferstehung Jesu glauben mag, als bis er dessen Wunden betastet hat.--

Joh. 21, 23 sagen die anderen Jünger von dem Johannes:

*Dieser Jünger stirbt nicht.--*

* * * * *

Aus der *Apostelgeschichte S. Lucae* 2, 5 und 10, 35 ist entlehnt:

*Allerlei Volk,*

aus 2, 11:

*Juden und Judengenossen;*

aus 2, 12:

*Was will das werden?*

und aus 2, 13:

*voll süssen Weines sein.--*

Apost. 4, 20 steht:

*Non possumus*

"~wir können es ja nicht~ lassen, dass wir nicht reden sollten, was wir gesehen und gehöret haben".

ebenda 4, 32:

*Ein Herz und eine Seele.--*

Nach dem Zauberer Simon (Apost. 8, 9-24), der die Gabe der Mitteilung des Geistes durch Händeauflegen von den Aposteln für Geld erhandeln zu können glaubte, nennen wir Schacher mit geistlichen Ämtern

*Simonie.--*

Apost. 9, 5 und 26, 14 steht der bei den vorchristlichen Griechen und Römern schon übliche[13] Vergleich:

*Wider den Stachel löcken.*

[Fußnote 13: "πρὸς κέντρον λακτίζειν"--Aeschyl. "Agam." 1624; Eurip. "Bakch." 795; s. auch Plaut. "Truc." 4, 2, 55 u. Terent. "Phorm." 1, 2, 28: "contra stimulum calcare".]

"Löcken" ist so viel als "mit den Beinen ausschlagen", und das dem Ausdrucke zu Grunde liegende Bild ist das eines vor den Pflug gespannten Rindes, welches gegen den Stachelstock des Treibers eigensinnig ausschlägt.--

*Aus einem Saulus ein Paulus werden*

oder:

*Seinen Tag von Damaskus erleben*

erläutert sich aus dem Anfange des 9. Kap. der Apostelgeschichte. Apost. 9, 15 spricht der Herr von Saulus: "Dieser ist mir

*ein auserwähltes Rüstzeug".--*

Der Bekehrung des Saulus Apost. 9, 18 ist entlehnt:

*Wie Schuppen von den Augen fallen.--*

Apost. 18, 21 steht geschrieben: "*τοῦ θεοῦ θέλοντος ...*" ("will's Gott ..."), ebenso 1. Kor. 4, 19 ("So der Herr will ..."), Ebr. 6, 3 ("So es Gott anders zulässt ...") und ähnlich Jak. 4, 15 ("So der Herr will ..."). Danach sprechen wir:

"*Will's Gott*" oder: "*So Gott will*".--

Apost. 20, 35 bringt:

*Geben ist seliger denn Nehmen.*

Nach ~Plutarchs~ "Sprüchen von Königen und Feldherren" hat ~Artaxerxes~ gesagt: "Geben ist königlicher denn Nehmen" (τὸ προσθεῖναι τοῦ ἀφελεῖν βασιλικώτερόν ἐστι).--

Wenn wir sagen:

*zu den Füssen eines Lehrers sitzen,*

so citieren wir Paulus, der Apost. 22, 8 berichtet: "Ich bin ein jüdischer Mann, geboren zu Tarsen in Cilicien, und erzogen in dieser Stadt, zu den Füssen Gamaliels, gelehret mit allem Fleiss im väterlichen Gesetz ..."--

Apost. 26, 24 enthält:

*Paule, du rasest,*

und:

*Die grosse Kunst macht Dich rasen(d).--*

* * * * *

Aus dem *Römerbrief* citieren wir:

1, 20:

*Also dass sie keine Entschuldigung haben;*

3, 23: "Denn es ist hier kein Unterschied; sie sind allzumal Sünder..." wird gewöhnlich so citiert:

*Wir sind Sünder allzumal.--*

5, 5:

*Hoffnung* (_aber_) *lässt nicht zu Schanden werden.--*

Nach Römer 6, 6, Epheser 4, 22, Kolosser 3, 9, wo "der alte Mensch" gebraucht wird, ist

*der alte Adam*

gebildet, ein Wort, das auf der Anschauung und Sprachweise des Paulus beruht (Römer 5, 14 ff. und 1. Korinth. 15, 45), wonach dem ersten Adam als Urheber der Sünde und des Todes in Christus der zweite Adam als Urheber des Lebens und der Unsterblichkeit gegenübergestellt wird. Das hebräische Wort "Adam" heisst auf deutsch "Mensch". Ist "alter Adam" zuerst von Luther gebraucht worden?

Es kommt im 4. Hauptstück des Katechismus vor; in seiner Predigt am Sonntag Lätare, die andere Predigt; in der 9. Passionspredigt; in der anderen Predigt am Tage der heiligen Dreifaltigkeit; in der Predigt am 16. Sonntag und in der am 19. Sonntag nach der Dreifaltigkeit.--

Nach Römer 7, 18: "... Wollen habe ich wohl, aber Vollbringen das Gute habe ich nicht" und nach Philipper 2, 13: "Gott ist es, der in euch wirket beides, das Wollen und das Vollbringen nach seinem Wohlgefallen" reden wir vom

*Wollen und Vollbringen.--*

Nach Röm. 7, 22 und Ephes. 3, 16 sagen wir:

*der inwendige Mensch.--*

Röm. 10, 2: "ich gebe ihnen das Zeugnis, dass sie eifern um Gott, aber mit Unverstand", bietet uns das Wort:

*eifern mit Unverstand.--*

*Heidenblindheit* _und_ *blinder Heide*

stammt aus Röm. 11, 25: "Blindheit ist Israel eines Teils widerfahren, so lange, bis die Fülle der Heiden eingegangen sei"; und noch deutlicher aus Eph. 4, 17: "So sage ich..., dass ihr nicht mehr wandelt, wie die andern Heiden ...", 18: "welcher Verstand verfinstert ist und sind entfremdet von dem Leben, das aus Gott ist, durch ... die Blindheit ihres Herzens".--

Röm. 12, 11 steht:

*Schicket euch in die Zeit;*

auch Eph. 5, 16 und Koloss. 4, 5 lautet es bei Luther ebenso, während Bunsen hier strenger übersetzt: "Kaufet die Zeit aus", d.h. "wendet die Zeit gescheidt an".--

Röm. 12, 15: "Freuet euch mit den Fröhlichen und weinet mit den Weinenden" liefert uns die Wendung:

*Sich freuen mit den Fröhlichen.--*

Römer 13, 7 bietet:

*Ehre, dem* (_die_) *Ehre gebühret.--*

Aus Röm. 14, 22: "... Selig ist, der sich selbst kein Gewissen macht in dem, das er annimmt" schöpfen wir:

*Sich kein* (oder ein) *Gewissen aus Etwas machen.--*

* * * * *

Im *1. Korintherbrief* heisst es: 1, 19 (s. Jesaias 29, 14), dass Gott verwerfen will

*Den Verstand der Verständigen*

(s. Schillers "Die Worte des Glaubens" 1798).--

1. Kor. 1, 23 lautet: "Wir aber predigen den gekreuzigten Christum,

*den Juden ein Ärgernis und den Griechen eine Thorheit".*

Dem griechischen Text nach:

*Ἰουδαίοις μὲν σκάνδαλον, Ἕλλησι δὲ μωρίαν.*

Hiernach sagen wir von einem anstössigen Ärgernis, es sei

*Ein Skandal.--*

1. Kor. 3, 8 lautet: "Der aber pflanzet und der da begiesset, ist

*einer wie der andere.*

Ein jeglicher aber wird seinen Lohn empfangen nach seiner Arbeit". Man bezieht aber heute "Es ist einer wie der andere" auf die Schlechtigkeit.--

1. Kor. 3, 10 (vrgl. 15, 10) bietet das demutsvolle

*Von Gottes Gnade(n).*

*Dei gratia,*

was schon im 5. Jahrhundert Kirchenfürsten und vom 6. Jahrhundert an auch weltliche Herrscher im Sinne der Demut vor ihren Titel setzten.

Als Theodolinde (592) nach ihrer zweiten Vermählung zu Monza eine, Johannes dem Täufer geweihte, Basilica bauen liess, legte sie in deren Schatz eine goldene Krone nieder mit der Umschrift: "Agilulf, von Gottes Gnaden König von Italien u.s.w."--

1. Kor. 5, 6 heisst es:

*Euer Ruhm ist nicht fein.--*

Aus 1. Kor. 5, 7 und 8 entnehmen wir

"*den alten Sauerteig*

der Bosheit und Schalkheit", dem der "Süssteig der Lauterkeit und der Wahrheit" gegenübergestellt ist.--

1. Kor. 7, 38 steht:

*Welcher verheiratet, der thut wohl: welcher aber nicht verheiratet, der thut besser;*

1. Kor. 11, 3 und Ephes. 5, 23:

*Der Mann ist des Weibes Haupt;*

1. Kor. 13, 1: "Wenn ich mit Menschen- und mit Engelzungen redete, und hätte der Liebe nicht; so wäre ich

*ein tönend*(_es_) *Erz oder eine klingende Schelle".--*

Nach 1. Kor. 13, 2 (vrgl. Matth. 17, 20; 21, 21 und Mark. 11, 23) wird citiert:

*Der Glaube versetzt Berge.*

Das "Berge versetzen" stammt aus Hiob 9, 5, vrgl. 14, 18; 18, 4.--

1. Kor. 13, 9 bietet:

(_Denn_) *unser Wissen ist Stückwerk.--*

Aus 1. Kor. 13, 11: "Da ich ein Kind war, da redete ich wie ein Kind und war klug wie ein Kind und hatte kindische Anschläge" ... entsprang der Vers:

*Sunt pueri pueri, pueri puerilia tractant,*

Kinder sind Kinder doch stets, und Kindisches treiben die Kinder; doch welcher Klosterschulmann ihn aus dieser Quelle schöpfte, ist noch eine offene Frage.--

1. Kor. 13, 13:

*Glaube, Hoffnung, Liebe*

wird gewöhnlich in der Form:

*Glaube, Liebe, Hoffnung*

citiert (vrgl. 1. Thessalonicher 1, 3; 5, 8).--

Nach 1. Kor. 14, 9 sagen wir:

*In den Wind reden* (_oder_ *sprechen,* _oder_ *schwatzen).--*

Es heisst 1. Kor. 14, 34:

Mulieres in ecclesiis taceant,

Eure Weiber lasset schweigen unter der Gemeine,

was mit Umänderung in die Einzahl so citiert wird:

*Mulier taceat in ecclesia*

(vrgl. 1. Timoth. 2, 12). Eine Gnome ~Menanders~ (s. Meineke: "Fragm. Com. Graec." 4, 347) lautet schon: Ἱστοὶ γυναικῶν ἔργα, κοὐκ ἐκκλησίαι (Webstühle sind Frauenwerk, Gemeindeversammlungen nicht).--

Nach 1. Kor. 15, 33: "Böse Geschwätze verderben gute Sitten", oder wie ~Bunsen~ übersetzt: "Schlechter Umgang verdirbt (besser: "verderbt") gute Sitten", sagen wir:

*Böse Beispiele verderben gute Sitten,*

(*Φθείρουσιν ἤθη χρήσθ' ὁμιλίαι κακαί*),

~Hausrath~ ("Neutestamentliche Zeitgeschichte", II, S. 398) sagt darüber etwas schulmeisternd:

"So sehr ~Paulus~ die Citate liebte, die aus den griechischen Schriftstellern sind sparsam und bestehen ausschliesslich aus allgemeinen, sprichwörtlich gewordenen Citaten griechischer Dichter. 1. Kor. 15, 33 recitiert Paulus einen iambischen Trimeter aus der "Thaïs" des Menander (Menander, ed. Meineke, S. 75); aber er verfehlt das Versmass und lässt sich einen üblen Hiatus zu Schulden kommen, der nur zu deutlich verrät, wie sein Ohr an den Wohlklang griechischer Prosodie nicht gewöhnt ist. Der Spruch selbst aber: "schlechter Umgang verdirbt gute Sitten", ist ein hellenischer Gemeinplatz, den niemand aus Büchern lernte. Vielmehr hat sich Paulus denselben wohl gelegentlich auf der Strasse aufgelesen, wie den unmittelbar vorhergehenden Satz seines Briefes: "Lasset uns essen und trinken, denn morgen sind wir tot", den er auf dem Sockel der Sandansäule des benachbarten Anchiale gesehen haben dürfte".

vrgl. Weisheit Salomos 4, 12: "Denn die bösen Exempel verführen und verderben einem das Gute".--

1. Kor. 15, 55 lesen wir:

*Tod, wo ist dein Stachel!*

(_Hölle, wo ist dein Sieg!_)

und 16, 22 nach der Vulgata, wo jedoch "sit anathema" steht:

*Anathema sit* (_er sei verflucht_)!

Bei Luther heisst es: "Der sei Anathema".--

* * * * *

Der *2. Korintherbrief* bietet 3, 6:

(_Denn_) *der Buchstabe tötet, aber der Geist machet lebendig;*

daher wir auch, vom eigentlichen Sinne abweichend, sagen:

*Der tote Buchstabe.--*

2. Kor. 9, 7 steht:

*Einen fröhlichen Geber hat Gott lieb.--*

11, 11 und 12, 2 (vrgl. Galater 1, 20) steht:

*Gott weiss es.--*

Aus 2. Kor. 11, 26 (vrgl. Galater 2, 4) citieren wir:

*Falsche Brüder.--*

Mit aus 2. Kor. 12, 2 "derselbige ward entzückt bis in den dritten Himmel" mag der Ausdruck für den höchsten Grad freudiger Erregung herrühren:

*Im siebenten Himmel sein.*

Aber er fliesst auch noch aus anderen Quellen. Abraham Geiger sagt in seiner gekrönten Preisschrift "Was hat Mohammed aus dem Judentum aufgenommen?" (Bonn 1833, S. 65-66): "Die Anzahl der Himmel wurde ihm wohl von den Juden überliefert, und ihre Ansicht von sieben Himmeln, welche durch die verschiedenen Namen, die vom Himmel angegeben sind, herrührt, ging auch auf ihn über". Diese "sieben Himmel" werden im Koran Sure 2, 17, 40, 65, 67, 71 erwähnt, werden Sure 23 "sieben Wege" und Sure 78 "sieben Vesten" genannt, und es wird angenommen, dass in der Nacht Alkadar, vom 23. zum 24. des Monats Rhamadan der Koran durch den Engel Gabriel aus dem siebenten Himmel herabgebracht wurde.--

2 Kor. 12, 7 lautet: "... auf dass ich mich nicht der hohen Offenbarung überhebe, ist mir gegeben ein Pfahl in's Fleisch, nämlich des Satans Engel, der mich mit Fäusten schlage ...--" Daher sagen wir:

*ein Pfahl im Fleisch.--*

* * * * *

Nach *Galater* 6, 9 (vrgl. 2. Thess. 3, 13): "Lasset uns aber Gutes thun und nicht müde werden", sagen wir:

*Nicht müde werden, Gutes zu thun.--*

* * * * *

*Epheser* 4, 23: "Erneuert euch aber im Geist eures Gemüths"; 24: "Und ziehet den neuen Menschen an ..." (vrgl. Colosser 3, 9-10) verdanken wir das Wort:

*Einen neuen Menschen anziehen.--*

Aus Epheser 6, 6: "(Ihr Knechte, seid gehorsam) nicht mit Dienst allein vor Augen, als den Menschen zu gefallen, sondern als die Knechte Christi" stammt

*Augendienerei.--*

Epheser 6, 16 u. 17 entnehmen wir den

*Schild des Glaubens*

und das

*Schwert des Geistes.--*

* * * * *

*Philipper* 2, 14 (vrgl. 1. Petri 4, 9 "ohne Murmeln") lesen wir:

(_Thut alles_) *ohne Murren* (_und ohne Zweifel_).--

Philipper 4, 3 schreibt ~Paulus~ von seinen Gehülfen, "welcher Namen sind in dem

*Buch des Lebens".*

Hiermit ist das 2. Mos. 32, 32 erwähnte "Buch" gemeint, in dem der Herr die Gerechten anschreibt und aus dem er die Sünder tilgt (vrgl. Psalm 69, 29; Daniel 12, 1; Luk. 10, 20; Offenb. 3, 5; 13, 8; 17, 8; 20, 12 u. 15; 21, 27). Ebräer 12, 23 spricht mit Bezug auf dieses "Buch" von "der Gemeine der Erstgebornen, die im Himmel angeschrieben sind", daher uns die Wendung kommt:

*Gut* (_oder schlecht_) *angeschrieben sein.--*

* * * * *

Nach *1. Thessalonicher* 5, 2 (vrgl. Matth. 24, 42-44; Luk. 12, 39 und 2. Petri 3, 10) soll der Tag des Herrn

*Wie ein Dieb in der Nacht kommen.--*

1. Thess. 5, 21: "Prüfet aber alles, und das Gute behaltet" wird citiert in der Form:

*Prüfet alles, und behaltet das Beste.--*

Auf 1. Thess. 5, 22: "Meidet allen bösen Schein" beruht:

*Den Schein vermeiden.--*

* * * * *

Der *2.* Brief an die *Thessalonicher* enthält 3, 10:

*So jemand nicht will arbeiten, der soll auch nicht essen.--*

* * * * *

Im *1.* Briefe an *Timotheus* steht

1, 19:

*am Glauben Schiffbruch erlitten haben;*

5, 6:

*lebendig todt,*

6, 5:

*Schulgezänk(e),*

womit Luther *παραδιατριβαί* übersetzt;

6, 10:

*Geiz ist eine Wurzel alles Übels;*

6, 12 (vrgl. unt. "Goethe": "Dieser ist ein Mensch gewesen" u.s.w.): "Kämpfe den guten Kampf des Glaubens", wonach wir von

*Glaubenskämpfen*

reden und davon, dass wir

*Einen guten Kampf kämpfen*

oder (nach 2. Tim. 4, 7 s. unter "Dieser ist ein Mensch gewesen ...")

*Einen guten Kampf gekämpft haben.--*

* * * * *

Im Briefe an *Titus* 1, 15 schreibt ~Paulus~:

*Den Reinen ist alles rein.*

(2. Samuelis 22, 27 und Psalm 18, 27 heisst es: "Bei den Reinen bist du rein".)--

* * * * *

*1. Petri* 4, 7 steht: "Das Ende aller Dinge" und Sirach 40, 25 (vrgl. Jes. 62, 11; 49, 6; Jer. 25, 30; Sacharja 9, 10; Matth. 28, 20): "Bis ans Ende der Welt" und Apostelg. 13, 47; "Bis an's Ende der Erde". Hiernach sagen wir mit König Georgs V. von Hannover Proklamation von 1865 aus Anlass des fünfzigjährigen Besitzes von Ostfriesland:

*Bis an's Ende aller Dinge.--*

1. Petri 5, 8 heisst es:

(_Der Teufel_) *gehet umher wie ein brüllender Löwe,* (_und suchet, welchen er verschlinge_).--

* * * * *

Nach *2. Petri* 2, 18: "... sie reden stolze Worte, da nichts hinter ist ..." sagen wir:

*Es ist Nichts dahinter.--*

* * * * *

*1. Johannes* 2, 18; 4, 3; 2. Joh. 7 wird im griechischen Text der Bösewicht

*ὁ ἀντίχριστος,*

_der_ *Antichrist,*

genannt. Luther übersetzt "Widerchrist", doch giebt er Daniel 12 die Überschrift "Vom Antichrist" und Off. Joh. 17: "eine Beschreibung des antichristlichen Reichs".--

1. Joh. 2, 19 steht:

*Sie sind von uns ausgegangen, aber sie waren nicht von uns;*

und 5, 19: *Die* (_ganze_) *Welt lieget im Argen.--*

* * * * *

*Ebräer* 1, 14 finden wir:

*Dienstbare Geister.--*