Geflügelte Worte: Der Citatenschatz des deutschen Volkes

Part 6

Chapter 63,814 wordsPublic domain

(I, 4), dass ein Philosoph aus Athen diese Weisheit für tausend Goldstücke zu Rom dem Kaiser Domitianus verkauft habe, und glaubt irrtümlich, diese Geschichte sei im Sueton zu finden. Im "Kurtzweiligen Zeitvertreiber" von 1666, S. 50 wird erzählt, dass der Tyrann Dionysius einst einen Philosophen unter den Kaufleuten sitzen sah und ihn fragte, was er zu verkaufen hätte. Er antwortete: "Weisheit" und bestimmte den Preis dafür auf 400 Gulden. Dionys bezahlte den Preis, und der Philosoph sagte ihm unsern Spruch her.--

Sirach 9, 24 steht:

*Das Werk lobt den Meister.--*

Auf Sirach 10, 12 "Heute König, morgen tot" beruht

*Heute rot, morgen tot.--*

Aus Sirach 11, 29 stellen wir um:

*Du sollst niemand rühmen vor seinem Ende.*

vrgl. auch: nemo ante mortem beatus.--

Aus Sirach 11, 34 citieren wir:

*Nichts Gutes im Sinne haben.--*

Sirach 13, 1 steht:

*Wer Pech angreift,* (_der_) *besudelt sich* (_damit_).--

Aus Sirach 18, 20: "Hilf dir zuvor selber, ehe du andere arzneiest" entsprang:

*Arzt, hilf dir selber!*

Lukas 4, 23 wird es schon als Sprichwort angeführt.--

*Seine Worte auf der Goldwage wägen*

stützt sich auf Sirach 21, 27: "Die unnützen Wäscher plaudern, das nichts zur Sache dienet; die Weisen aber wägen ihre Worte mit der Goldwage" und 28, 29: "Du wägest dein Gold und Silber ein; warum wägest du nicht auch deine Worte auf der Goldwage?"

In einem Fragmente des Varro aus der Satire Περίπλους (Buch 2 περὶ φιλοσοφίας) kommt der Ausdruck in der Form "unum quodque verbum statera aeraria pendere" ebenfalls vor. (Ausg. v. Bücheler, No. 419.)--

*Eine sitzen lassen*

sagen wir nach Sirach 22, 4: "Eine vernünftige Tochter kriegt wohl einen Mann, aber eine ungerathene Tochter lässt man sitzen und sie bekümmert ihren Vater".--

Mit ~Bürger~ ("Die Weiber von Weinsberg" Strophe 6) reden wir von

*Weiberlist*

nach Sirach 25, 18: "Es ist keine List über Frauen List".--

*Einem den Rücken bläuen*

entnehmen wir aus Sirach 30, 12: "bläue ihm den Rücken, weil er noch klein ist, auf dass er nicht halsstarrig und dir ungehorsam werde".--

*Heute mir, morgen dir*

stammt wohl aus Sirach 38, 23: "Gedenke an ihn wie er gestorben, so musst du auch sterben. Gestern war es an mir, heute ist es an dir".--

*Früh aufstehen*

für "gescheidt sein" sagen wir nach Sirach 39, 5, wo es von dem ~Gelehrten~ und ~Weisen~ heisst: "und denkt, wie er früh aufstehe, den Herrn zu suchen, der ihn geschaffen hat, und betet vor dem Höchsten".--

*Nichts Besseres zu hoffen, noch zu erwarten haben*

citieren wir aus Sirach 41, 3: "O Tod, wie wohl thust du dem Dürftigen, 4: Der da schwach und alt ist, der in allen Sorgen steckt und nichts Besseres zu hoffen, noch zu erwarten hat!"--

Sirach 41, 26 steht:

*Gut machet Mut.--*

Sirach 42, 4:

*Rechtes Maß und Gewicht halten.--*

Sirach 50, 24:

*Nun danket alle Gott,*

was als der Anfang eines 1644 verfassten Kirchenliedes von Martin ~Rinckhart~ (1585-1649) am bekanntesten ist.--

* * * * *

Nach *Baruch* 2, 25 sagen wir:

*jämmerlich umkommen.--*

* * * * *

*1. Maccabäer* 10, 18 und 11, 30 wird Jonathan, des Mathathias Sohn, in den Briefen der Könige Demetrius und Alexander

*Bruder Jonathan*

angeredet, womit jetzt scherzend die Nordamerikaner bezeichnet werden. Der bibelfeste ~Washington~ nämlich soll nach einem ergebnislosen Kriegsrat, auf seinen Freund ~Jonathan Trumbull~, den Gouverneur von Connecticut zielend, ausgerufen haben: "da müssen wir Bruder Jonathan zu Rate ziehen", und diese Bezeichnung soll dann, sprichwörtlich geworden, auf die Nordamerikaner überhaupt angewandt worden sein. Oder meinte Washington jenen anderen Jonathan, den Sohn Sauls, der (s. oben 2. Sam. 1, 26) von seinem Freunde David "Bruder Jonathan" genannt wird?--

Es giebt Petschafte mit der Inschrift "1. Maccabäer 12, 18" weil daselbst steht:

*Und bitten um Antwort.--*

Aus 2. Maccabäer 3, 38 schöpfen wir das Wort:

*Mit dem Leben davon kommen.--*

2. Maccabäer 4, 11 heißt es vom Hohenpriester Jason: "die guten löblichen Sitten, von den alten Königen geordnet, that er gar ab ...", daher wir sagen:

*Eine löbliche Sitte.--*

2. Maccabäer 7, 28 ist die Quelle des Wortes:

*Aus Nichts hat Gott die Welt erschaffen;*

denn es heisst da: "Siehe an Himmel und Erde, und alles, was darinnen ist: dies hat Gott alles aus nichts gemacht, und wir Menschen sind auch so gemacht".--

* * * * *

Auf der *Historie von der Susanne und Daniel* beruht der Ausdruck

*Daniel*

für "weiser Richter", welcher durch ~Shakespeares~ "Kaufmann von Venedig" (4, 1) volkstümlich geworden ist. Shylock nennt dort die in Gestalt eines Richters auftretende Porzia einen Daniel, und Graziano wiederholt das Wort, den Shylock verhöhnend.--

* * * * *

Auf *Matthäus* 3, 10 (vrgl. Luk. 3, 9): "Es ist schon die Axt den Bäumen an die Wurzel gelegt. Darum, welcher Baum nicht gute Frucht bringet, wird abgehauen und ins Feuer geworfen ..." beruht:

*die Axt an die Wurzel legen.--*

Matth. 3, 11 (vrgl. Luk. 3, 16) heisst es: "Ich taufe euch mit Wasser zur Busse: der aber nach mir kommt....., der wird euch mit dem heiligen Geist und mit Feuer taufen". Daher reden wir, jedoch ohne den Sinn festzuhalten, von einer

*Feuertaufe.--*

Aus Matth. 3, 12: "Und er hat seine Wurfschaufel in seiner Hand; er wird seine Tenne fegen und den Weizen in seine Scheune sammeln; aber die Spreu wird er verbrennen mit ewigem Feuer", citiert man:

*Die Spreu vom Weizen sondern.--*

Matth. 3, 17 lesen wir:

*Dies ist mein lieber Sohn, an welchem ich Wohlgefallen habe;*

(vrgl. Jesaias 42, 1; Matth. 17, 5; Mark, 1, 11; Luk. 3, 22; 2. Petri 1, 17).--

Matth. 4, 10, sowie Luk. 4, 8 steht das Wort Jesu zum Teufel:

*Hebe dich weg von mir, Satan!*

*Apage, Satana!*

(In ähnlicher Weise redet Christus den Petrus an: Matth. 16, 23 und Mark. 8, 33.)--

Matth. 5, 3: "Μακάριοι οἱ πτωχοὶ τῷ πνεύματι" ("Selig sind die am Geiste Armen") übersetzte Luther: "Selig sind, die da geistlich (veraltet für "geistig") arm sind", woraus wir die Worte gebildet haben:

*arm an Geist,*

*geistesarm* _und_ *Geistesarmut.--*

Matth. 5, 14 spricht Jesus zu den Jüngern: "Ihr seid das Licht der Welt", nach der Vulgata: "Vos estis lux mundi", woraus uns wohl für einen bedeutenden Geist die Bezeichnung "ein

*lumen mundi"*

entsprang. "Lumina civitatis" (Staatsleuchten) nannte ~Cicero~ ("Catil." 3, 10, 24) berühmte Männer.--

*Sein Licht unter den Scheffel stellen*

und

*Sein Licht vor den Leuten leuchten lassen*

stammt aus Matth. 5, 15 und 16: "Man zündet auch nicht ein Licht an und setzt es unter einen Scheffel, sondern auf einen Leuchter, so leuchtet es denen allen, die im Hause sind. Also lasset euer Licht leuchten vor den Leuten" u.s.w. (vrgl. Mark. 4, 21; Luk. 8, 16 und 11, 33.)--

*Kein Jota,* _oder_ *nicht ein Jota*

beruht auf Matth. 5, 18. Der griechische Text hat dort statt des Lutherischen "--wird nicht zergehen der kleinste Buchstabe": "ἰῶτα ἕν--οὐ μὴ παρέλθῃ" (in der Vulgata: "iota unum--non praeteribit" d.h. "~nicht ein Jota~ wird zergehen"). Der ganze Satz (vrgl. Luk. 16, 17) lautet: "Bis dass Himmel und Erde zergehe, wird nicht zergehen der kleinste Buchstabe, noch Ein Titel vom Gesetz, bis dass es alles geschehe". Daher auch unser:

*Kein Titel,* _oder_ *Tütel,* _oder_ *Tittel,* _oder_ *Tittelchen.--*

Nach Matth. 5, 26 sagen wir:

*der letzte Heller.--*

Matth. 5, 37 steht:

*Eure Rede aber sei, ja, ja, nein, nein; was drüber ist, das ist vom Übel.--*

Matth. 5, 45: "... er lässt seine Sonne aufgehen über die Bösen und über die Guten und lässt regnen über Gerechte und Ungerechte" giebt uns das Wort:

*Seine Sonne scheinen lassen über Gerechte und Ungerechte.--*

Giebt jemand prahlerisch aller Welt etwas kund, so tadeln wir, dass er es

*ausposaune,*

nach Matth. 6, 2: "Wenn du nun Almosen giebst, sollst du nicht lassen vor dir posaunen, wie die Heuchler thun in den Schulen und auf den Gassen".--

*Lass deine linke Hand nicht wissen, was die rechte thut*

lesen wir Matth. 6, 3.--

Matth. 6, 9-13 (vrgl. Luk. 11, 2. 4) steht das

*Vaterunser,* _lateinisch:_ *Paternoster,*

dessen vierte Bitte

*das tägliche Brot*

und dessen siebente Bitte das "Erlöse uns von dem Übel" bietet. Hiernach sagt man im Volke von einem bösen Weibe: "Sie ist aus der siebenten Bitte", oder man nennt sie kurzweg:

*Böse Sieben.*

Nach Andern soll dieser Ausdruck von den sieben Todsünden entlehnt sein. Auch werden an manchen Stellen der heiligen Schrift böse Sieben angeführt. So heisst es:

Sprüche 26, 25: "Denn es sind sieben Gräuel in seinem Herzen"; Matth. 12, 45: "So gehet er hin und nimmt zu sich sieben andere Geister, die ärger sind, denn er selbst" (Luk. 11, 26);--Mark. 16, 9: "Jesus aber, da er auferstanden war frühe am ersten Tage der Sabbather, erschien er am ersten der Maria Magdalena, von welcher er sieben Teufel ausgetrieben hatte";--Luk. 8, 2: "Maria, die da Magdalena heisset, von welcher waren sieben Teufel ausgefahren".

Andere wiederum leiten "böse Sieben" von einem im 15. Jahrh. erwähnten Kartenspiele, Karnüffel, Karnöffel, Karnuffel oder Karnoffel genannt, her. Darin war die siebente Karte von oben der Teufel, der alle anderen Karten stach. Man nannte diese Karte die "böse Sieben". (Cyriacus ~Spangenberg~ veröffentlichte: "Wider die bösen Sieben ins Teufels Karnöffelspiel". Jena 1562; Eisl. 1562; Frankf. 1562.)--

Aus Matth. 6, 20 schöpfen wir das Wort:

*Schätze sammeln, die weder Motten noch Rost fressen.--*

Matth. 6, 21 (vrgl. Luk. 12, 34) steht geschrieben:

*Denn wo euer Schatz ist, da ist auch euer Herz.--*

Der Spruch Matth. 6, 24:

*Niemand kann zween Herrn dienen*

hat in Luk. 16, 13 die Form erhalten: "Kein Hausknecht kann zween Herrn dienen".--

Aus Matth. 6, 24 ist auch:

*Mammon* _und_ *Mammonsdiener*

für "Reichtum" und "Geldmensch" entnommen. Es heisst daselbst: "Ihr könnet nicht Gott dienen und dem Mammon" (d.h. dem syrischen Gott des Reichtums). Der Mammon wird auch erwähnt Luk. 16, 9. 11. und 13.--

Matth. 6, 27 (vrgl. Luk. 12, 25) lautet: "Wer ist unter euch, der

*seiner Länge ~Eine~ Elle zusetzen*

möge, ob er gleich darum sorget?"--

Matth. 6, 34, lesen wir:

*Es ist genug, dass ein jeglicher Tag seine Plage habe,*

was wir gewöhnlich verkürzen in:

*Jeder Tag hat seine Plage.--*

Matth. 7, 1 (vrgl. Luk. 6, 37) steht:

*Richtet nicht, auf das ihr nicht gerichtet werdet.--*

Den Ausdruck:

*Splitterrichter*

bilden wir aus Matth. 7, 3-5: "Was siehest du aber den Splitter in deines Bruders Auge und wirst nicht gewahr des Balkens in deinem Auge?" u.s.w. (vrgl. Luk. 6, 41). Doch ist nach Dr. Zunz ("ges. Schrift." III, 294. Berl. 1876) der Priester und Mischnalehrer ~Tarfon~ der wahre Urheber dieses Spruches.--

*Die Perlen vor die Säue werfen*

ist gebildet nach Matth. 7, 6: "Ihr sollt das Heiligtum nicht den Hunden geben, und eure Perlen sollt ihr nicht vor die Säue werfen".--

*Suchet, so werdet ihr finden*

steht Matth. 7, 7 und Luk. 11, 9 (Sprüche Sal. 2, 4-5 ist wohl die Quelle).--

Aus Matth. 7, 9: "Welcher ist unter euch Menschen, so ihn sein Sohn bittet um Brot, der ihm einen Stein biete?" entnehmen wir:

*einen Stein statt Brot geben.--*

Auf Matth. 7, 15: "Sehet euch vor vor den falschen Propheten, die in Schafskleidern zu Euch kommen, inwendig aber sind sie reissende Wölfe" beruht:

*Wölfe in Schafskleidern.--*

Matth. 7, 16 und 20 (vrgl. 12, 33 und Luk. 6, 44) steht:

*an ihren Früchten sollt ihr sie erkennen.*

Ein griechisches Sprichwort (Paroemiogr. Graeci. 1, 252, ed. Leutsch.) ist: ἐκ τοῦ καρποῦ τὸ δένδρονἐκ τοῦ καρποῦ τὸ δένδρον.--

Matth. 7, 26 lesen wir Jesu Gleichnis von dem "thörichten Manne", der

*Sein Haus auf den Sand bauete,*

so dass Regen und Wind es zu Falle brachten.--

Matth. 8, 12; 13, 42. 50; 22, 13; 24, 51; 25, 30 und Luk. 13, 28 steht, dass in der Hölle, in "der äussersten Finsternis", sein wird

*Heulen und Zähnklappen.--*

Aus Matth. 8, 20 oder aus Lukas 9, 58, wo Jesus von sich spricht: "Die Füchse haben Gruben und die Vögel unter dem Himmel haben Nester, aber des Menschen Sohn hat nicht, da er sein Haupt hinlege", entnehmen wir zur Bezeichnung äusserster Armut das Wort:

*Nicht haben, wo man sein Haupt hinlege.--*

Matth. 8, 22, sowie Luk. 9, 60 bietet Jesu Wort:

*Lass die Toten ihre Toten begraben.--*

Matth. 9, 12 und fast ebenso Mark. 2, 17 und Luk. 5, 31 spricht Jesus:

*Die Starken* (_d.h._ *die Gesunden) bedürfen des Arztes nicht, sondern die Kranken.--*

Matth. 10, 14 (sowie Mark. 6, 11; Luk. 9, 5 und Apost. 13, 51) bringt uns für "verachtungsvoll von dannen gehen" das Wort:

*Den Staub von den Füssen schütteln.--*

Matth. 10, 16 enthält:

*Seid klug wie die Schlangen und ohne Falsch wie die Tauben.--*

Nach Matth. 10, 27 und Luk. 12, 3 wird citiert:

*Auf den Dächern (von den Dächern) predigen.--*

Nach Matth. 10, 38 (vrgl. 16, 24; Mark. 8, 34; 10, 21; Luk. 9, 23; 14, 27; Joh. 19, 17) sagen wir von jemandem, der ein Leid zu tragen hat:

*Er trägt sein Kreuz*

und

*Sein Kreuz auf sich nehmen*

und danach:

*Ein Kreuzträger.--*

Matth. 11, 15 findet sich das häufig wiederholte:

*Wer Ohren hat zu hören, der höre.--*

Matth. 11, 28 lesen wir: "Kommet her zu mir alle, die ihr

*mühselig und beladen*

seid, ich will euch erquicken".--

Nach Matth. 11, 30: "... mein Joch ist sanft und meine Last ist leicht", sagen wir:

*Ein sanftes Joch.--*

Nach Matth. 12, 24. 27, sowie Luk. 11, 15. 18. 19 (vrgl. 9, 34 und Mark. 3, 22) sagt man:

*den Teufel durch Beelzebub austreiben.--*

Matth, 12, 30 und Luk. 11, 23 (vrgl. 9, 50) steht:

*Wer nicht mit mir ist, der ist wider mich.--*

Auf Matth. 12, 31 (vrgl. Mark. 3, 28; Luk. 12, 10; Ebr. 6, 4) beruht:

*Sünde wider den heiligen Geist.--*

Das von ~Luther~ volkstümlich gefasste und deshalb, wie er im "Sendbriefe vom Dolmetschen" vom 8. Sept. 1530 (§ XIV) mitteilt, von ihm zur Übersetzung des Urtextes (ἐκ ... τοῦ περισσεύματος τῆς καρδίας τὸ στόμα λαλεῖ) Matth. 12, 34 (vrgl. Luk. 6, 45) gewählte:

*Wess das Herz voll ist, dess gehet der Mund über,*

lautet wörtlich übersetzt im Französischen:

*De l'abondance du coeur la bouche parle.--*

Matth. 13, 12; 25, 29; Mark. 4, 25; Luk, 8, 18; 19, 26:

*Wer da hat, dem wird gegeben,*

fand seinen französischen Schliff in:

*On ne prête qu'aux riches.--*

Aus Matth. 13, 13 (s. oben Psalm 115, 5) schöpfen wir das Wort:

*Mit sehenden Augen nicht sehen.--*

Matth. 13, 21 sowie Mark. 4, 17 übersetzt Luther "πρόσκαιρος" mit

*wetterwendisch,*

d.h. unbeständig, sich wendend und ändernd wie das Wetter. ~Vor~ Luther lässt es sich in dieser übertragenen Bedeutung nicht nachweisen.--

Nach Matth. 13, 25 citieren wir:

*Unkraut zwischen den Weizen säen.--*

Matth. 13, 57 (s. Mark. 6, 4; Luk. 4, 24; Joh. 4, 44): "Ein Prophet gilt nirgend weniger, denn in seinem Vaterlande und in seinem Hause", wird gemeiniglich gekürzt in:

*Der Prophet gilt nichts in seinem Vaterlande.--*

Matth. 15, 11 (vrgl. Mark. 7, 15) enthält:

*Was zum Munde eingehet, das verunreinigt den Menschen nicht.--*

Aus Matth. 15, 27 stammt:

*Brosamen, die von des Herrn Tische fallen.--*

*Brosamen, die von des Reichen Tische fallen*

beruht auf Luk. 16, 21.--

Aus Matth. 16, 3: "Könnet ihr denn nicht auch die Zeichen dieser Zeit urteilen?" ist entlehnt:

*Zeichen der Zeit.--*

Matth. 16, 24 (Mark. 8, 34; Luk. 9, 23) spricht Jesus zu seinen Jüngern: "Will mir jemand nachfolgen, der verleugne sich selbst ..." Danach reden wir von:

*sich selbst verleugnen*

und von

*Selbstverleugnung,*

ein Moralbegriff, der noch über den der "Nächstenliebe" (3. Mos. 19, 18; Matth. 5, 43; 22, 39; Mark. 12, 21; Röm. 13, 9; Gal. 5, 14) hinausgeht, weil er schon das "Thut wohl denen, die euch hassen" (Matth. 5, 44; Luk. 6, 27) in sich schliesst, und der seine Wurzel in dem Gebote (2. Mos. 23, 5) hat: "Versäume gerne das Deine um seinet (d.h. des Feindes und Hassers) willen".--

Aus Matth. 17, 4: "Herr, hier ist gut sein; willst du, so wollen wir hier drei Hütten machen, dir eine, Mosi eine, und Elias eine", und aus den ähnlichen Stellen Markus 9, 5 und Lukas 9, 33 hat sich der Volksmund die Redensart:

*Hier ist gut sein, hier lasst uns Hütten bauen*

zurechtgelegt.--

Matth. 19, 6 und Markus 10, 9 steht:

*Was* (_nun_) *Gott zusammengefüget hat, das soll der Mensch nicht scheiden.--*

Matth. 19, 30 (vrgl. Matth. 20, 16; Markus 10, 31 und Luk. 13, 30) bietet:

(_Aber viele, die da sind_) *die ersten werden die letzten und die letzten werden die ersten sein.--* Auf Matth. 20 (vrgl. Jesaias 5, 7) beruhen die

*Arbeiter im Weinberg.--*

Für "späte Zeit" ist Matth. 20, 6 und 9 entnommen:

*Elfte* (_nicht: zwölfte_) *Stunde.--*

Matth. 20, 12 steht:

*Des Tages Last und Hitze getragen haben.--*

Matth. 20, 16 und 22, 14 findet sich:

(_Denn_) *viele sind berufen, aber wenige sind auserwählet.--*

Nach Matth. 22, 11 entschuldigen wir uns, dass wir

*kein hochzeitlich Kleid anhaben.--*

Matth. 22, 21; Markus 12, 17; Luk. 20, 25 liest man:

(_So_) *gebet dem Kaiser, was des Kaisers ist, und Gotte, was Gottes ist.--*

Matth. 23, 3: "Alles nun, was sie (die Schriftgelehrten und Pharisäer) euch sagen, das ihr halten sollt, das haltet und thut es; aber nach ihren Werken sollt ihr nicht thun. Sie sagen es wohl, und thun es nicht", ist die Quelle unseres

*Haltet Euch an meine Worte und nicht an meine Werke!*

Nach ~Livius~ 7, 32 sagte der Consul Valerius (343 v. Chr.) "facta mea, non dicta vos, milites, sequi volo"--"Soldaten, ich will, dass ihr meinen Thaten, nicht meinen Worten folget".--

Matth. 23, 15 lautet: "Wehe euch, Schriftgelehrten und Pharisäern, ihr Heuchler, die ihr Land und Wasser umziehet, dass ihr ~Einen~ Judengenossen machet (ποιῆσαι ἕνα προσήλυτον); und wenn er es geworden ist, macht ihr aus ihm ein Kind der Hölle, zwiefältig mehr, denn ihr seyd". Mit Hinzuziehung des griechischen Textes bildete man hieraus das verächtliche Wort:

*Proselytenmacherei.--*

Auf Matth. 23, 23 und Lukas 11, 42: "Dies sollte man thun und jenes nicht lassen" beruht:

*Eines thun und das andere nicht lassen.--*

Von Leuten, die im Nichtigen gewissenhaft und im Wichtigen gewissenlos sind, sagen wir, dass sie

*Mücken seigen* (_d.h. durch ein Sieb entfernen_) *und Kameele verschlucken,*

wie Jesus nach Matth. 23, 24 zu den Schriftgelehrten und Pharisäern sprach: "Ihr verblendete Leiter, die ihr Mücken seiget und Kameele verschlucket".--

Matth. 23, 27 werden die Schriftgelehrten und Pharisäer Heuchler genannt und

"*Übertünchte Gräber,*

welche auswendig hübsch scheinen, aber inwendig sind sie voller Totenbeine und alles Unflats".--

Matth. 24, 2 (vrgl. Mark. 13, 2; Luk. 19, 44; 21, 6) spricht Jesus in Jerusalem: "Es wird hier nicht ein Stein auf dem andern bleiben, der nicht zerbrochen werde". Danach sagt man von Dingen und Verhältnissen, die der völligen Zerstörung entgegengehen:

*Es wird kein Stein auf dem andern bleiben.--*

Mit dem Bürger in ~Goethes~ "Faust" (I "vor dem Thore") citieren wir

*Krieg und Kriegsgeschrei*

aus Matth. 24, 6: "Ihr werdet hören Kriege und Geschrei von Kriegen ..."--

In Bild und Wort verdanken wir den

*Posaunenengel*

Matth. 24, 31: "Und er wird senden seine Engel mit hellen Posaunen ..." (vrgl. Offenb. Joh. 8, 2).--

Auf Matth. 25, 15-28, wo von den "vertraueten Centnern" und deren Verwertung erzählt wird, beruht der Ausdruck:

*Talent.*

Das griechische "*τάλαντον*", in der Vulgata "*_talentum_*", von ~Luther~ in diesem Kapitel mit "Centner" übersetzt, ist späterhin zu einem allen westeuropäischen Völkern gemeinsamen Ausdrucke für geistige Anlagen geworden (s. im Register "anvertrautes Pfund").--

Auf Matth. 25, 18 und 25 beruht:

*Sein Pfund vergraben*

mit Hinzuziehung des ähnlichen Gleichnisses bei Lukas 19 (s. weiterhin), da hier nur von "Centnern" die Rede ist.--

Matth. 25, 32 u. 33 heisst es von "des Menschen Sohn": "Und werden vor ihm alle Völker versammelt werden. Und er wird sie von einander scheiden, gleich als ein Hirte die Schafe von den Böcken scheidet. Und wird

*die Schafe zu*(_seine_)*r Rechten* (_stellen, und_) *die Böcke zur Linken".*

Dies wurde zum beliebten Vergleich guter mit bösen Menschen.--

Auf Matth. 26, wo geschrieben steht, dass die anderen Jünger schlafen, während Judas den Herrn verrät, beruht das Wort:

*Der Verräter schläft nicht;*

und auf Matth. 26, 15: "Ich will ihn euch verraten. Und sie boten ihm 30 Silberlinge" der Ausdruck:

*Judaslohn.--*

Wenn wir in bitteren Leiden wünschen:

*Dieser Kelch mag an mir vorübergehen,*

so wenden wir ungenau Worte Christi an, die Matth. 26, 39. 42; Lukas 22, 42; Markus 14, 36 angegeben werden.--

Matth. 26, 10 spricht Jesus von dem Weibe, die köstliches Wasser auf sein Haupt goss: "Sie hat ein gutes Werk an mir gethan". Daher unser Wort:

*Ein gutes Werk an Einem thun.--*

Matth. 26, 41 und Markus 14, 38 lesen wir:

*Der Geist ist willig, aber das Fleisch ist schwach.--*

Matth. 26, 48 u. 49 (vrgl. Luk. 22, 48) heisst es von Judas: "Und der Verräter hatte ihnen ein Zeichen gegeben und gesagt: welchen ich küssen werde, der ist's, den greifet. Und alsobald trat er zu Jesu und sprach: Gegrüssest seyst du, Rabbi! und küssete ihn". Darauf beruht der Ausdruck:

*Judaskuss,*

und einen

*Judas*

nennen wir danach einen falschen, verräterischen Menschen.--

*Sehen, wo es hinaus will*

sagen wir nach Matth. 26, 58: "Petrus ... setzte sich bey den Knechten, auf dass er sähe, wo es hinaus wollte".--

Matth. 26, 73 sprechen die Umstehenden zu Petro, als er Jesum zum zweiten Male verleugnet hatte: "Wahrlich, du bist

*auch Einer von Denen*

(nämlich: die mit Ihm waren); denn deine Sprache verrät dich". Der Titel von Fr. Th. ~Vischer~'s Buch "Auch Einer" (1879) wurzelt in diesen Worten.--

*Matthäi am letzten sein*

in der Bedeutung: "Seinem Ende oder seinem Verderben nahe sein" beruht auf dem Schlusse des Evangeliums Matthäi: "(bis an der Welt) Ende". "Matthäi am letzten" citiert Luther im "Katechismus" (4. Hauptst. 1. B.).--

* * * * *

Aus *Markus* 1, 7; Luk. 3, 16; Joh. 1, 27 (vrgl. Apost. 13, 25) entnehmen wir die Redeweise:

*Nicht wert sein, einem die Schuhriemen aufzulösen.--*

Nach Mark. 3, 30: "Denn sie sagten: er hat einen unsaubern Geist" citieren wir:

*Unsauberer Geist.*

Von der Macht Jesu über die "unsauberen Geister", oder "den unsauberen Geist", welcher Luk. 4, 33 "unsauberer Teufel" heisst, ist die Rede Matth. 10, 1; Mark. 1, 23-27; 5, 2-9; 9, 25; Luk. 4, 33-35; 8, 29; Mark. 3, 11; vom Ausfahren des "unsauberen Geistes" ausser an einigen der citierten Stellen: Matth. 12, 43 u. Luk. 11, 24.--

*Ihre Zahl ist Legion*

beruht auf Mark. 5, 9, wo der "unsaubere Geist" spricht: "Legion heisse ich, denn unser ist viel" und Luk. 8, 30, wo der Teufel sagt, dass er "Legion" heisse; "denn es waren viel Teufel in ihn gefahren".--

Mark. 6, 26 heisst es vom Herodes "er ward betrübt", weil Herodias ihn um des Täufers Haupt gebeten, "doch um des Eides willen und derer, die am Tische sassen, wollte er sie nicht lassen

*eine Fehlbitte thun".*

Im Text aber steht gerade diese Wendung nicht, so dass wir damit nicht Markus, sondern Luther citieren.--

*Das Scherflein der Witwe*

beruht auf Mark. 12, 42 und Luk. 21, 1-4, wo jedoch von "zwei Scherflein" (= einem Heller) die Rede ist;

*der Glaube macht selig*

auf Mark. 16, 16: "Wer da glaubet und getauft wird, der wird selig werden: wer aber nicht glaubet, der wird verdammet werden". ("Wer's glaubt, wird selig", sagt das Volk zu einer wenig glaubwürdigen Erzählung.)--

*Mit Zungen reden*

ist Mark. 16, 17 entnommen; auch kommt es Apostelgeschichte 2, 4; 10, 46; 19, 6 und 1. Korinth. 14 vielmals vor. In den ersten beiden Stellen, wo es "mit neuen" und "mit andern Zungen" lautet, bedeutet es "in fremden Sprachen reden", in den folgenden Stellen ohne Beiwort hat es den Sinn "vom heiligen Geist erfüllt reden".--

* * * * *

Aus *Lukas 1*, 66 citieren wir: