Geflügelte Worte: Der Citatenschatz des deutschen Volkes

Part 4

Chapter 43,820 wordsPublic domain

wird (nach ~Hase~: "Ideale und Irrtümer", Lpz. 1872, S. 116) der Student im zweiten Semester genannt, weil ihm, dem "Fuchs", dann einige Haare hinter dem Ohre mit einem Fidibus angebrannt wurden, damit er von nun ab ein Brandfuchs im Kampfe gegen die Philister würde, wie (nach dem Buche der Richter 15) Simson gegen die Felder, Gärten und Weinberge der Philister dreihundert Füchse aussendete, von denen je zwei einen Brand zwischen ihren Schwänzen hatten.--

*Philister*

für Nichtstudent, Widersacher des Studententums, soll darauf beruhen, dass, als am Ende des 17. Jahrhunderts[10] bei Händeln in Jena zwischen den Studenten und den Einwohnern der Johannisvorstadt ein Student erschlagen worden war, der Oberpfarrer und Generalsuperintendent Lic. theol. ~Götze~ ihm die Leichenrede über den im Buche der Richter (16) viermal vorkommenden Text gehalten habe:

"*Philister über dir,*

Simson". (vrgl. ~Schmeitzel~ in den "Wöchentlichen Hallischen Anzeigen", 1746 Sp. 177 und E. B. ~Wiedeburg~ "Beschreib. d. Stadt Jena", Jena 1785, S. 155.)

[Fußnote 10: In "Jena und Umgegend, Taschenbuch für Fremde" von H. Ortloff wird jedoch das Jahr 1624 angegeben.]

Hingegen nach ~Oskar Justinus~ ("Schlesische Zeitung" Nr. 520, 1879) haben diejenigen Häuser der ehemaligen Universitätsstadt Helmstädt, welche in irgend einer Beziehung zur Universität standen, Tafeln mit einem Simson, der einem Löwen den Rachen aufreisst. Dies vom Kaiser Maximilian verliehene Siegel hätte zuwege gebracht, dass man alle, welche nicht unter diesem Zeichen standen, also alle Nichtakademiker, mit dem Namen der von Simson bekämpften Philister belegte. Friedrich ~Kluge~ bezweifelt diese Deutung mit Recht in seinem "historischen Wörterbuche der Studentensprache" (K. J. Trübner. Strassburg 1895).--

Dass sich ein Volk erhebt

*wie Ein Mann*

ist ein Wort, das wir dem Buche der Richter 20, 1. 8. 11; Esra 2, 64; 3, 1. 9; 6, 20 und Nehemia 7, 66; 8, 1 entlehnen.--

* * * * *

*1. Samuelis* 1, 15; Psalm 42, 5 und 62, 9 entstammt:

*Sein Herz ausschütten.--*

Nach 1. Samuelis 3, 11 (vrgl. 2. Könige 21, 12): "Wer das hören wird, dem werden seine beiden Ohren gellen" und Jeremias 19, 3: "ich will ein solch Unglück über diese Stätte gehen lassen, dass, wer es hören wird, ihm die Ohren klingen sollen"...sagen wir, dass Einem

*die Ohren gellen* _oder_ *klingen.--*

1. Samuelis 3, 13 (vrgl. Hiob 21, 5; Matth. 6, 16) heisst es von Eli, "dass er wusste, wie seine Kinder sich schändlich hielten, und hätte nicht einmal

*sauer dazu* _ge_*sehen".--*

Nach 1. Samuelis 5, 9 und 11 sagen wir:

*Einen grossen Rumor machen.--*

Nach 1. Samuelis 9, 2, wo es von Saul heisst: "der war ein junger feiner Mann" sagt man wohl:

*ein feiner junger Mann;*

doch wird darunter nicht mehr, wie dort, ein stattlich gewachsener, sondern ein wohlanständiger Jüngling verstanden und auch spöttisch ein ladenmässig geschniegelter.--

Das von ~Goethe~ am Ende von "Wilhelm Meister's Lehrjahren" angewendete:

*Saul, der Sohn Kis, ging aus, seines Vaters Eselinnen zu suchen und fand ein Königreich*

erklärt sich aus 1. Samuelis, Kap. 9 und 10.--

*Wie kommt Saul unter die Propheten?*

hat folgenden Ursprung. Einer Prophetenschar begegnend und vom Geiste Gottes ergriffen, fing Saul auch an, unter ihnen zu weissagen, und sie sprachen (1. Samuelis 10, 11); "Ist Saul auch unter den Propheten?" und "Daher", heisst es 1. Samuelis 10, 12, "ist das Sprichwort kommen: Ist Saul auch unter den Propheten?" (vrgl. 1. Sam. 19, 24.)--

*Ein Mann nach dem Herzen Gottes*

beruht auf 1. Samuelis 13, 14 und Apostelg. 13, 22.--

1. Samuelis 16, 7 steht geschrieben: "Ein Mensch siehet, was vor Augen ist, der Herr aber siehet das Herz an". Hieraus schöpfen wir unser:

*Gott sieht aufs Herz.--*

Nach 1. Samuelis 17 nennen wir einen hochgewachsenen Mann einen

*Goliath* _oder einen_ *Riesen Goliath.--*

Als ein Beispiel inniger Freundesliebe gelten uns

*David und Jonathan*

nach 1. Samuelis 18, 1-7; 19, 1; 20, 17; 23, 18; 2. Samuelis 1, 26; 21, 7 (s. unten: 1. Macc. 10 und 11).--

Nach 1. Samuelis 25, 17. 25; 2. Samuelis 20, 1, wo aber "Mann" steht, sagen wir:

*Ein heilloser Mensch.--*

* * * * *

*2. Samuelis* 8, 13 lesen wir:

*Sich einen Namen machen.--*

Das bekannte Wort:

*Krethi und Plethi,*

d.h. die Kreter (nach anderen die Karer) und Philister, welche die Leibwache des Königs bildeten, steht 2. Samuelis 8, 18; 15, 18; 20, 7. 23; 1. Könige 1, 38. 44; 1. Chronica 19, 17 und es ist uns gleichbedeutend mit "allerlei Pöbel".--

Als nach 2. Samuelis 10, 5 und 1. Chronika 20, 5 der Ammoniterkönig Hanon den abgesendeten Dienern des Königs David hatte die Haare scheren lassen, liess David ihnen sagen: "Bleibet zu Jericho, bis euer Bart gewachsen", woraus jene volkstümliche Abfertigung an einen frühklugen Unbärtigen entstand:

*Gehe nach Jericho und lass dir den Bart wachsen.--*

Nach 2. Samuelis 11, 14 u. 15 nennt man einen Brief, welcher dem Überbringer Unheil bringt:

*Uriasbrief,*

denn David schickte an Joab den Uria mit einem Briefe des Inhalts: "Stellet Uria an den Streit, da er am härtesten ist, und wendet euch hinter ihm ab, dass er erschlagen werde und sterbe". Und also geschah es.--

2. Samuelis 12, 5 steht:

*Kind des Todes,*

1. Sam. 26, 16; Psalm 79, 11; 102, 21: "Kinder des Todes".--

Aus 2. Samuelis 15, 14 stammt:

*Kein Entrinnen.--*

2. Samuelis 16, 7 u. 8 nennt Simei den David einen

*Bluthund;*

und Sirach 34, 27 lautet: "Wer dem Arbeiter seinen Lohn nicht giebt, der ist ein Bluthund".--

2. Samuelis 18, 9 berichtet von Absalom, der auf einem Maultier ritt: "da das Maulthier unter eine grosse dicke Eiche kam, behing sein Haupt an der Eiche und schwebete zwischen Himmel und Erde, aber sein Maulthier lief unter ihm weg". Danach brauchen wir die Wendung:

*zwischen Himmel und Erde schweben.--*

Aus 2. Samuelis 18, 33 und 19, 4 stammt:

*O mein Sohn Absalom!--*

* * * * *

*1. Könige* 2, 2 sagt der sterbende David zu seinem Sohne Salomo:

*sei ein Mann.--*

1. Könige 3, 7 spricht Salomo zu Gott: "... bin ... ein kleiner Knabe, weiss nicht weder meinen Ausgang noch Eingang". Daher sagen wir:

*nicht aus noch ein wissen.--*

Auf 1. Könige 3, 16-28 beruht:

*Salomonisches Urteil.*

Es wird da eine junge Mutter von einer anderen bei Salomo verklagt, sie habe der Schlummernden ihr eigenes im Schlaf erdrücktes Kind untergeschoben und sich deren lebendes genommen, was die Bezichtigte läugnet. Um die Wahrheit herauszubringen, entscheidet der König, das lebendige Kind solle mit dem Schwert in zwei Teile geteilt werden und jeder eine Hälfte zufallen. Die eine willigt darein, die andere aber will dann lieber ganz verzichten, "denn ihr mütterliches Herz entbrannte über ihren Sohn". Da sprach Salomo: "Gebt dieser das Kind lebendig und tötet es nicht; die ist die Mutter."--

*Weise wie Salomo, Weisheit Salomos* _oder_ *Salomonis, salomonische Weisheit*

beruht auf 1. Könige 4, 29. 30. 31. 34; 5, 7. 12; 10, 4. 6. 7. 8. 23. 24; 11, 41; 2. Chronika 1, 10. 11. 12; 9, 3. 5. 6. 7. 22. 23; Luk. 11, 31 und dem Titel des apokryphischen Buches "die Weisheit Salomons an die Tyrannen".--

1. Könige 12, 11 sprechen "die Jungen, die mit ihm aufgewachsen waren" zu Rehabeam, Salomos Sohn, er möge dem um Erleichterung flehenden Volke antworten: "mein Vater hat euch mit Peitschen gezüchtigt, ~Ich~ aber will euch

*mit Scorpionen* (_d.h. mit Geisseln_) *züchtigen".--*

1. Könige 22, 22 und 23 ist die Rede von "einem falschen Geist in aller Propheten Munde" (vrgl. Jesais 9, 15; Jerem. 5, 31; 6, 13; 14, 14; 23, 25 und 26), danach reden wir mit Matth. 7, 15; 24, 11; Mark. 13, 22; 2. Petri 2, 1; 1. Joh. 4, 1; Offenb. 16, 13; 15, 20 und 20, 10 von

*falschen Propheten.--*

* * * * *

Aus *2. Könige* 4, 40 entnehmen wir den Klageruf über schlechtes Essen:

*der Tod im Topf!--*

* * * * *

*1. Chronica* 13, 18 steht:

*Friede sei mit dir.--*

1. Chronica 13, 19 sagen die Fürsten der Philister von David: "wenn er zu seinem Herrn Saul fiele, so möchte es uns unsern Hals kosten"; daher die Wendung:

*es kostet den Hals.--*

1. Chronica 17, 34; Psalm 106, 1; 107, 1; 118, 1. 29; 1. Maccab. 4, 24; Gesang der drei Männer im Feuer, 89, (vrgl. 2. Chronika 7, 3; Psalm 136, 1; Esra 3, 11) steht:

*Danket dem Herrn, denn er ist freundlich und seine Güte währet ewiglich.--*

* * * * *

*Esra* 9, 6 schliesst: "unsere Missethat ist über unser Haupt gewachsen und unsere Schuld ist gross bis in den Himmel". Danach sagen wir:

*Sich Etwas über den Kopf wachsen lassen.--*

* * * * *

Für "Alles was dazu dient, eine leere Stelle auszufüllen", sagen wir:

*Lückenbüsser,*

nach *Nehemia* 4, 7: "da aber Saneballat, und Tobia, und die Araber, und Ammoniter, und Asdoditer höreten, dass die Mauern zu Jerusalem zugemacht waren, und dass sie die Lücken angefangen hatten zu büssen (veraltet für: "ausbessern, flicken"), wurden sie sehr zornig".--

* * * * *

*Im Sack und in der Asche trauern* (_oder_) *Busse thun*

beruht auf *Esther* 4, 1 und 3 (vrgl. Jes. 58, 5; Jerem. 6, 26; Jona 3, 6; 1. Maccab. 3, 47; Matth. 11, 21; Luk. 10, 13).--

* * * * *

In dem Buche *Hiob* 1, 1 u. 8; 2, 3 (vrgl. 2. Sam. 15, 3; Ps. 25, 21) wird Hiob bezeichnet als

*schlecht* (_d. i. schlicht_) *und recht.--*

Eine unglückliche Botschaft nennen wir eine

*Hiobspost*

nach Hiob 1, 14. 16. 17 und 18; während

*Arm wie Hiob*

sich auf das ganze Buch oder noch passender auf Hiob 17, 6 stützt: "Er hat mich zum Sprichwort unter den Leuten gesetzt".--

*Der Herr hat's gegeben, der Herr hat's genommen, der Name des Herrn sei gelobet*

steht Hiob 1, 21.--

Wenn wir bei einem grossen Schrecken sagen, dass uns

*die Haare zu Berge stehen,*

so citieren wir damit Hiob 4, 15: "Und da der Geist vor mir über ging, standen mir die Haare zu Berge an meinem Leibe".

Sir. 27, 15 "gehen" Einem die Haare zu Berge.--

Hiob 8, 9 heisst es:

(_Denn_) *wir sind von gestern* (_her und wissen nichts_).--

Aus Hiob 10, 22: "(Ehe denn ich hingehe) in das Land, da es stockdick finster ist ..." schöpfen wir das Wort:

*stockfinster.--*

Aus Hiob 15, 32: "und sein Zweig wird nicht grünen" ist die Redensart:

*auf keinen grünen Zweig kommen*

wahrscheinlich entstanden.--

*Ein leidiger Trost*

sagen wir nach Hiob 16, 2: "Ihr seid allzumal leidige Tröster".--

*Den Weg gehen, den man nicht wiederkommt*

stammt aus Hiob 16, 22: "Aber die bestimmten Jahre sind gekommen und ich gehe hin des Weges, den ich nicht wiederkommen werde". S. oben: "Den Weg alles Fleisches gehen".--

Nach Hiob 12, 18: "Sie (die Gottlosen) werden sein ... wie Spreu, die der Sturmwind wegführet," sagen wir von etwas Haltlosem, Vergänglichem, es sei

*wie Spreu im Winde.*

Vrgl. Psalm 1, 4 "wie Spreu, die der Wind zerstreuet", Psalm 35, 5 "wie Spreu vor dem Winde", sowie Hosea 13, 3 und Zephanja 2, 2.--

Hiob 21, 23; Tobias 5, 28 (vrgl. 8, 15; 14, 15); Sir. 30, 14 und 2. Macc. 9, 20 lesen wir:

*frisch und gesund.--*

Auf Hiob 25, 3; Psalm 97, 11; 112, 4; Matth. 4, 16 beruht:

*Es geht mir ein Licht auf.--*

Hiob 27, 2 steht:

*So wahr Gott leb*(_e_)*t.--*

Aus Hiob 27, 6: "... mein Gewissen beisst mich nicht" kam uns das Wort:

*Gewissensbisse.--*

Hiob 29, 10 heisst es: "Da die Stimme der Fürstin sich verkroch und ihre Zunge an ihrem Gaumen klebte"; Ps. 22, 16: "Meine Kräfte sind vertrocknet wie ein Scherben und meine Zunge klebet an meinem Gaumen"; Ps. 137, 6: "Meine Zunge müsse an meinem Gaumen kleben, wo ich deiner (Jerusalem) nicht gedenke"; Klagelieder 4, 4; "Dem Säuglinge klebt seine Zunge am Gaumen vor Durst" und Hesekiel 3, 26: "Ich will die Zunge an deinem Gaumen kleben lassen, dass du verstummen sollst". Danach sagen wir:

*Es klebt einem die Zunge am Gaumen*

vor Durst, Schreck, Schwäche oder Angst.--

Hiob 29, 16 steht: "Ich war

*ein Vater der Armen",*

danach wir auch sagen:

*Armenvater.--*

"Man hat mich in Dreck getreten und gleich geachtet dem

*Staub und Asche"*

steht Hiob 30, 19 (vrgl. "Erde und Asche" 1. Mos. 18, 27; Sirach 10, 9; "Erde und Staub" Sir. 17, 31).--

Aus Hiob 31, 17: "Habe ich meinen Bissen allein gegessen und nicht der Waise auch davon gegessen?" 18: "Denn ich habe mich von Jugend auf gehalten wie ein Vater ..." oder aus Sirach 4, 10: "Halte dich gegen die Waisen wie ein Vater ..." bildeten wir das Wort:

*Waisenvater.--*

Nach Hiob 36, 26: "Siehe, Gott ist gross und unbekannt" sagt man von einem sich in Werken offenbarenden, sonst unsichtbar bleibenden bedeutenden Geist:

*Der grosse Unbekannte.*

So wurde (nach J. Ebertys "Walter Scott" 1, 143, 318, 322; 2, 42) der anonyme Verfasser des "Waverley" genannt ("The great Unknown") und Lenau singt ("der Hagestolz"):

"Die Schädelpfeif' hat auch geraucht, Als drin das Leben brannte, Als noch der Raucher drein gehaucht, Der grosse Unbekannte".--

Des Herren Worte an das Meer:

*Bis hierher sollst du kommen und nicht weiter; hie sollen sich legen deine stolzen Wellen;*

finden sich Hiob 38, 11. Gewöhnlich wird, wie in Schillers "Räubern" (2, 1), verkürzt citiert:

*Bis hierher und nicht weiter!*

~Goethe~ legt die in dem Verse 11 enthaltenen Endworte in der Form: "Werden sich schon legen die stolzen Wellen", der Postmeisterin in "Stella" (1) in den Mund. Die Worte "und nicht weiter" sind sowohl in der von Franzosen und Engländern richtig angeführten Übersetzung:

*Nec plus ultra,*

wie in der Umformung, die wir damit vorgenommen:

*Non plus ultra,*

eine Bezeichnung des höchsten Grades einer Eigenschaft geworden.--

Hiob 39, 30 (vrgl. Habakuk 1, 8) heisst es vom "Adler": "wo ein Aas ist, da ist er", danach wir mit Matth. 24, 28 und Lukas 17, 37 sagen:

*Wo* (_aber_) *ein Aas ist, da sammeln sich die Adler.--*

Auf Hiob 42, 3: "... Darum bekenne ich, dass ich habe unweislich geredet, dass mir zu hoch ist und nicht verstehe", oder auf Psalm 139, 6 (vrgl. 131, 1): "Solches Erkenntnis ist mir zu wunderlich und zu hoch, ich kann es nicht begreifen" oder auf den "Sprüchen Salomons" 24, 7: "Weisheit ist dem Narren zu hoch"--beruht das Wort:

*Das ist mir zu hoch.--*

* * * * *

*Psalm* 1, 1: "Wohl dem, der nicht wandelt im Rat der Gottlosen; noch tritt auf den Weg der Sünder; noch sitzet, da die Spötter sitzen ..." liefert uns die Worte:

*Sitzen, da die Spötter sitzen,*

oder:

*Auf der Bank der Spötter sitzen.--*

Aus Psalm[11] 2, 1: "Warum toben die Heiden?" mag das Wort

*Heidenlärm*

entstanden sein, was dann für "grosser Lärm" gebraucht ward und in diesem Sinne des Gewaltigen Worte hervorrief wie "Heidengeld", "Heidenprofit", "heidenmässig viel Geld".--

[Fußnote 11: Die folgenden Psaltercitate sind aus Luthers Bibelübersetzung, wie sie ~jetzt~ vorliegt. In seiner ersten Übersetzung von 1524 ("Der Psalter deutsch, nach Art ebräischer Sprache") kommen manche in ganz anderer Form vor. Seine zweite Übersetzung ist von 1531; aber in den späteren Ausgaben wurde noch vieles geändert, so dass der heutige Text erst von 1545 stammt.]

Aus Psalm 2, 11: "Dienet dem Herrn mit Furcht und freuet euch mit Zittern" stammt

*mit Furcht und Zittern,*

was sich Tobias 13, 5; Ephes. 6, 5 und Philipp. 2, 12 wiederholt. Hiob 4, 14 und Ps. 55, 6 steht: "Furcht und Zittern", 1. Kor. 2, 3: "Mit Furcht und grossem Zittern".--

Aus Psalm 4, 4: "Erkennet doch, dass der Herr seine Heiligen wunderlich führet" stammt:

*wunderlicher Heiliger*

und

*Gott führt seine Heiligen wunderlich.--*

Aus Psalm 4, 9 (Vulgata): "in pace in idipsum dormiam et requiescam" entnehmen wir, ohne dass dort vom Tode die Rede ist, unseren Wunsch für einen Verstorbenen:

*Requiescat in pace!*

*Er ruhe in Frieden!*

und wenden ihn auch auf einen Lebenden an, den wir zu den Toten werfen.--

Psalm 7, 10 (vrgl. Psalm 26, 2; Jerem. 11, 20; 17, 10; 20, 12; Offenbar. 2, 23) bringt uns:

*Herzen und Nieren prüfen.--*

Psalm 8, 6 steht:

*Von Gott verlassen sein*

(vrgl. Psalm 22, 2; Matth. 27, 46; Mark. 15, 34).--

*Reden ist Silber*

beruht wohl auf Psalm 12, 2: "Die Rede des Herrn ist lauter, wie durchläutertes Silber" und Sprüche 10, 20: "Der Gerechten Zunge ist köstliches Silber"; aber welcher Weise setzte hinzu: "Schweigen ist Gold"? Der Prediger Salomo 3, 7 sagt nur: "Schweigen, Reden hat seine Zeit". Manche nennen für "Reden ist Silber und Schweigen ist Gold" den Koran als Quelle, bezeichnen aber klüglich nie die Sure, in der es Mohammed offenbart habe.--

*Zum Spott der Leute werden*

sagen wir nach Psalm 22, 7: "Ich aber bin ein Wurm und kein Mensch, ein Spott der Leute und Verachtung des Volks".--

*Jugendsünden*

entstand aus Psalm 25, 7: "Gedenke nicht der Sünden meiner Jugend".--

Es heisst Psalm 34, 20:

*Der Gerechte muss viel leiden,*

und 35, 20:

*Die Stillen im Lande,*

ferner 37, 3:

*Bleibe im Lande und nähre dich redlich.--*

Aus Psalm 39, 3: "Ich bin verstummet und still und schweige der Freuden und muss mein Leid in mich fressen" stammt das Wort:

*Sein Leid in sich fressen.--*

Psalm 41, 9 heisst es: "Sie haben ein

*Bubenstück*

über mich beschlossen: wenn er liegt, soll er nicht wieder aufstehen".--

Aus Psalm 42, 2 citieren Dürstende:

*Wie der Hirsch schreiet nach frischem Wasser.--*

Den Ausdruck:

*Falsche Zunge* _und_ *falsche Zungen*

lesen wir Psalm 52, 6; 120, 2; Sprüche 6, 17; 12, 19; 26, 28; Micha 6, 12.--

Psalm 73, 19 (s. Gefl. Worte aus der Geschichte: Schill) heisst es:

*Ein Ende mit Schrecken nehmen.--*

Aus Psalm 75, 9 ist der Scherz entwickelt:

*Die Gottlosen kriegen die Neige,*

oder:

*Der Rest ist für die Gottlosen;*

denn der Herr wird dort als ein Schenk dargestellt, der uns aus einem Becher starken Weines tränkt; aber "die Gottlosen" heisst es weiter, "müssen alle trinken und die Hefen aussaufen". Jeremias 25, 15-28 reicht der Herr dem Propheten einen "Becher Weins voll Zorn" zum Ausschenken.--

*Jammerthal,*

(Psalm 84, 7; nach der Vulgata Ps. 83, 7: "vallis lacrymarum") ist längst vor Luther aus dieser Bibelstelle gebildet worden.

~Hugo von Trimberg~ (1260-1309) wendet es in "Dem Renner", Vers 235 und 896 an. (Nach der Erlanger Handschrift, herausg. in Bamberg 1834-36.) In Grimms Wörterbuch sind eine Menge Stellen angegeben, wo es citiert wird.--

Psalm 90, 10 steht:

*Unser Leben währet siebenzig Jahr, und wenn's hoch kommt, so sinds achtzig Jahr, und wenn's köstlich gewesen ist, so ist's Mühe und Arbeit gewesen.*

Hiernach sagen wir, es erreiche Einer

*das Alter des Psalmisten* _oder_ *das Psalmistenalter.--*

Psalm 91, 12 bringt:

*Auf* (_den_) *Händen tragen,*

was, mit Berufung auf diese Stelle, Matth. 4, 6 und Luk. 4, 11 wiederholen. Es wird von den Engeln gesagt, die dafür sorgen, dass der Fuss des Getragenen nicht an einen Stein stosse; und es bedeutet daher "mit Engelsgüte behandeln".--

Aus Psalm 92, 8: "Die Gottlosen grünen, wie das Gras, und die Übelthäter blühen alle" entnehmen wir:

*Grünen und blühen.*

"Blühen und grünen" soll "Israel" nach Jesaias 27, 6.--

Psalm 94, 15 steht:

(_Denn_) *Recht muss* (_doch_) *Recht bleiben.--*

Das nach Psalm 104, 15 "Und dass der Wein erfreue des Menschen Herz" gebildete:

*Der Wein erfreut des Menschen Herz*

ist der Anfang eines Trinkliedes von ~Gleim~ (Sämtl. Werke, hrsg. v. Körte, II, 166), der Ausspruch Bruder Martins in ~Goethes~ "Götz" (1. Akt), ferner der Anfang der Arie Nr. 3 aus dem musikalischen Quodlibet "Der Kapellmeister von Venedig" v. ~Breitenstein~ (Danzig bei "Wedel, ersch. nach Mozarts "Don Juan"), endlich der Anfang eines von Zelter 1795 komponierten Liedes von ~Karl Müchler~ in F. W. A. ~Schmidts~ "Neuem Berlinischen Musenalmanach" (1797, S. 45), das fälschlich J. H. ~Voss~ zugeschrieben und irrig in Fr. v. ~Sonnenbergs~ Gedichte (Rudolst. 1808) aufgenommen wurde, (vrgl. Sprüche Salomons 31, 6. 7; Prediger 10, 19; Sirach 32, 34-35; 40, 20.)--

*Das auserwählte Volk*

werden die Juden genannt nach Psalm 105, 43: "also führte er sein Volk aus mit Freuden und seine Auserwählten mit Wonne" und nach 2. Macc. 5, 19: "Gott hat das Volk nicht auserwählt um der Stätte willen, sondern die Stätte um des Volkes willen."--

*Vor den Riss treten,*

d.h. "Verluste durch Einsetzung der eigenen Person wieder gut machen", ist ein biblischer Gedanke, s. Psalm 106, 23, Hesekiel 13, 5 und 22, 30. An der ersten Stelle lautet der Ausdruck: "den Riss aufhalten", an der zweiten: "vor die Lücken treten", an der dritten: "wider den Riss stehen".--

*Eine durstige Seele*

steht Psalm 107, 9 und ebenda (vrgl. Baruch 2, 18):

*Eine hungrige Seele.--*

Nach Psalm 107, 42: "... aller Bosheit wird das Maul gestopfet werden" (vrgl. Matth. 22, 34; Titus 1, 11) sagen wir:

*Einem das Maul stopfen.*

"Lügenmäuler verstopfen" steht Psalm 63, 12, "den Mund stopfen" Psalm 40, 10 u. Luk. 11, 53.--

*Augen haben und nicht sehen und Ohren haben und nicht hören*

beruht auf Psalm 115, 5. 6; 135, 16. 17; Jer. 5, 21; Hesek. 12, 2; Weisheit 15, 15.--

Psalm 116, 11 steht:

*Omnis homo mendax,*

Alle Menschen sind Lügner.--

Im Texte von Psalm 127, 2: "Denn seinen Freunden giebt er's schlafend", liegt das Wort:

*Gott giebt's den Seinen im Schlafe,*

oder:

*Dem Gerechten giebt's der Herr im Schlafe.--*

Als Umgestaltung von Psalm 127, 3: "Siehe, Kinder sind eine Gabe des Herrn" mag gelten:

*Viel Kinder, viel Segen.--*

Psalm 143, 2: "... gehe nicht in's Gericht mit deinem Knechte; denn vor dir ist kein Lebendiger gerecht" giebt uns das Wort:

*Mit Einem ins Gericht gehen.--*

Psalm 145, 15 und 16 (s. oben 5. Mos. 15, 11) steht das Tischgebet:

*Aller Augen warten auf Dich und Du giebst ihnen ihre Speise zu seiner Zeit. Du thust Deine Hand auf und erfüllest alles, was lebet, mit Wohlgefallen.--*

* * * * *

Der weise Salomo, der "dreitausend Sprüche redete" (1. Könige 4, 32), und der den Sprichwörtern die allgemeingültige Bezeichnung der

*Weisheit auf der Gasse*

(*Sprüche Salomons* 1, 20: "Die Weisheit klaget draussen, und lässet sich hören auf den Gassen") verschafft hat, wird natürlich oft citiert.--

"Sprüche" 1, 10 lautet:

(_Mein Kind,_) *wenn dich die bösen Buben locken, so folge nicht.--*

"Sprüche" 2, 16 warnt vor "eines andern Weib, und die nicht dein ist, die

*glatte Worte*

giebt".--

"Sprüche" 3, 12 enthält:

*Welchen der Herr liebet, den strafet er,*

was sich Ebräer 12, 6 ähnlich wiederholt (s. auch Offenbar. Joh. 3, 19):

*We*(_lche_)*n der Herr lieb hat, den züchtigt er.--*

"Sprüche" 4, 24 lesen wir: "Thue von dir den verkehrten Mund und lass das

*Lästermaul*

ferne von dir sein".--

"Sprüche" 5, 4 heisst es im schlimmen, Ebräer 4, 12 und Offenb. Joh. 1, 16 u. 2, 12 im guten Sinne von einer scharfen Rede, sie sei wie

*ein zweischneidig*(_es_) *Schwert.*

Gedankenlos wird heute dies Wort so citiert, als sei im allgemeinen ein Schwert gemeint, dessen eine Schärfe Heil, dessen andere Unheil bringe.--

"Sprüche" 8, 14 steht: "Mein ist beides

*Rat und That";*

während es Jeremias 32, 19 heisst: "Gross von Rat und mächtig von That".--

*Gestohlenes Wasser schmeckt süss,*

sagen wir nach "Sprüche" 9, 17: "Die verstohlenen Wasser sind süsse" (vrgl. 20, 17) und

*Unrecht Gut gedeiht nicht,*

nach "Sprüche" 10, 2: "Unrecht Gut hilft nicht" (vrgl. Sirach 5, 10; 41, 12 u. unter Kap. X: Sophokles).--

*Dies irae,*

der Tag des Zorns, d.h. des Gerichts Gottes, steht, wie "Sprüche" 11, 4 "dies ultionis" und Hesekiel 7, 19 "dies furoris", in der Vulgata Römer 2, 5 (vrgl. Offenb. 6, 16. 17; 11, 18) und bildet den Anfang des Liedes von ~Thomas von Celano~ (13. Jahrh.), das beim katholischen Traueramte ertönt und in ~Goethes~ "Faust" dem reuigen Gretchen im Dome entgegenbraust.--

"Sprüche" 12, 10 bietet:

*Der Gerechte erbarmet sich seines Viehes.--*