Geflügelte Worte: Der Citatenschatz des deutschen Volkes
Part 37
Worauf der Cid leise, dass es den Verscheidenden nicht beleidige, hinzufügt:
"Auch zu andern, andern Zeiten Sagt man ihnen wohl die Wahrheit; Aber ~sie~, sie hören nicht--".--
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In der Nacht vom 9. u. 10. Novemb. 1848, als die Bürgerwehr und die Gewerke Berlins der Nationalversammlung bewaffneten Schutz anboten, sprach der damalige Präsident der Versammlung Hans Victor *von Unruh* (1806-1886): "Ich wäre entschieden der Meinung, dass hier nur
*passiver Widerstand*
geleistet werden könne, und dass die wahre Entscheidung über die schwere Krisis, welche durch die jetzigen Ratgeber der Krone hereingebrochen ist, in der Hand des Landes liege. So lange die Presse, so lange das Vereins- und Versammlungsrecht nicht von neuem geknebelt ist, hat das Land die Mittel in den Händen, ohne Blutvergiessen den Sieg über die Bestrebungen der Reaktion herbeizuführen", und im weiteren Verlauf seiner Rede wiederholte er: "wir dürfen, wenn wir den Boden im Lande nicht verlieren wollen, den Gewaltschritten der Krone nur passiven Widerstand entgegensetzen".--
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Der Ausdruck:
*Bassermannsche Gestalten*
zur Bezeichnung zerlumpter Galgenvögel entstand auf Grund des am 18. Nov. 1848 im Frankfurter Parlamente vom Abgeordneten Friedrich Daniel *Bassermann* (1811-1855) erstatteten Berichts über Berliner Zustände:
"Spät kam ich (in Berlin) an, durchwanderte aber noch die Strassen und muss gestehen, dass mich die Bevölkerung, welche ich auf denselben, namentlich in der Nähe des Sitzungslokals der Stände, erblickte, erschreckte. Ich sah hier ~Gestalten~ die Strassen bevölkern, die ich nicht schildern will".
Das Wort wurde schnell populär. Schon die Überschrift des zweiten Heftes vom Band 1 der "Bibliothek moderner Räubergeschichten" (Berlin, C. Schultze, 1851) lautet: "Bassermannsche Gestalten".--
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Der Abgeordnete ~Julius~ *Kell* sagte in der Sitzung der sächsischen zweiten Kammer am 15. Febr. 1849:
*Die Gründe der Regierung kenne ich nicht; aber ich muss sie missbilligen.--*
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Der Minister des Auswärtigen, Freiherr Otto Theodor *von Manteuffel* (1805-1882), äusserte in der 8. Sitzung der Preussischen Zweiten Kammer vom 3. Dez. 1850 das zum Citat gewordene Wort:
*Der Starke weicht einen Schritt zurück*
in diesem Zusammenhange:
"Das Misslingen eines Planes hat immer etwas Schmerzliches; es wirkt aber verschieden auf den Schwachen. Der Schwache gelangt dadurch in eine Gereiztheit; ~der Starke tritt wohl einen Schritt zurück~, behält aber das Ziel fest im Auge und sieht, auf welchem andern Wege er es erreichen kann". (S. Kap. XI. ~Martial~ "De Spectaculis" 31.)--
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*Autorität, nicht Majorität*
ist die Zusammenfassung folgender Betrachtungen, die Friedrich Julius *Stahl* (1802-1861) am 15. April 1850 in der 11. Sitzung des Volkshauses des Erfurter Parlaments anstellte:
"Wie können vollends die Anhänger jenes Systems mit solcher Zuversicht jetzt vor uns hintreten, nach den Erfahrungen von 1848? Standen sie da der entfesselten Bewegung nicht ebenso gegenüber wie jener Zauberlehrling den Gewässern, die er heraufbeschworen hatte und nicht mehr zu bannen vermochte? Sie hatten den Spruch vergessen, sie zu bannen, oder vielmehr dieser Spruch stand nicht in ihrem Lexikon: denn dieser Spruch heisst 'Autorität'. Da wollen sie die Gewässer besprechen mit einem Zauberspruche ihres Systems: Majorität, Majorität!"
Die Fassung: "~Autorität, nicht Majorität~" findet sich zuerst in einer, 1851 im Selbstverlage des Verfassers erschienenen Schrift von E. ~Knönagel~: "Autorität--nicht Majorität--beherrscht die Welt. Epistel in 12 Capiteln wider den Aberglauben am Constitutionalismus. An Bürger und Bauer, Städter und Landmann." ~Stahl~ hatte am 5. März 1852 in der Ersten Kammer die Aristokratie verherrlicht. Als er am 12. Dez. 1852 bei einem ihm zu Ehren im Englischen Hause zu Berlin, Mohrenstrasse No. 49, gegebenen Festmahle von Gesinnungsgenossen eine silberne Säule empfing, die auf der einen Seite die Inschrift: "Zur Erinnerung an den 5. März 1852 von gleichgesinnten Männern des Regierungsbezirks Köslin", auf der anderen
"Autorität, nicht Majorität"
trug, wies er in der Erwiderungsrede darauf hin, dass er diesem Grundsatze seines Lebens zum ersten Male in jenem Parlamente Ausdruck gegeben habe. Im weiteren Verlaufe seiner Erwiderung wandte er das berüchtigte Wort an: "Die Wissenschaft bedarf der Umkehr", was gewöhnlich in der Form citiert wird:
*Die Wissenschaft muss umkehren,*
("Neue Preussische Zeitung", No. 291, 15. Dez. 1852.)--
* * * * *
Für die ~Klodt v. Jürgensburg~schen Rossebändiger vor dem königlichen Schlosse in Berlin erfand in der Reaktionszeit nach 1850 der Oberlehrer Dr. Julius *Bartsch* († 1867 zu Berlin) die Bezeichnung:
*der gehemmte Fortschritt und der beförderte Rückschritt.--*
* * * * *
*Die grossen Städte müssen vom Erdboden vertilgt werden*
hat *von Bismarck* nicht gesagt. Er äusserte in der 46. Plenarsitzung der zweiten Kammer vom 20. März 1852 in Erwiderung gegen den Abgeordneten ~Harkort~:
"Wenn der Herr Abgeordnete auch die Äusserung hier wiederholt hat, dass die Regierung dem Volke misstraue, so kann ich ihm sagen, dass auch ich allerdings der Bevölkerung der ~grossen Städte~ misstraue, so lange sie sich von ehrgeizigen und lügenhaften Demagogen leiten lässt, dass ich aber dort das wahre preussische Volk nicht finde. Letzteres wird vielmehr, wenn ~die grossen Städte~ sich wieder einmal erheben sollten, sie zum Gehorsam zu bringen wissen, ~und sollte es sie vom Erdboden tilgen~".--
* * * * *
~von Bismarck~ schrieb 1853 (ohne Datum) seiner Schwester vom Frankfurter Bundestage: "Ich gewöhne mich daran, im Gefühle gähnender Unschuld alle Symptome von Kälte zu ertragen und die Stimmung
*gänzliche*(_r_) *Wurschtigkeit*
in mir vorherrschend werden zu lassen, nachdem ich den Bund allmählich mit Erfolg zum Bewusstsein des durchbohrenden Gefühls seines Nichts zu bringen nicht unerheblich beigetragen zu haben mir schmeicheln darf" (L. Hahn: "Fürst Bismarck", Berl. 1878, I, S. 45).--
* * * * *
~Heinrich~ *Leo*s (1799-1878) Kraftausdruck:
*Skrophuloses Gesindel!*
steht im Geschichtlichen Monatsbericht vom Juni, "Volksblatt für Stadt und Land", 1853, No. 61, wo es heisst:
"Gott erlöse uns von der europäischen Völkerfäulnis und schenke uns einen ~frischen, fröhlichen Krieg~, der Europa durchtobt, die Bevölkerung sichtet und das ~skrophulose Gesindel~ zertritt, was jetzt den Raum zu eng macht, um noch ein ordentliches Menschenleben in der Stickluft führen zu können".
*Der frische fröhliche Krieg*
steht noch einmal in ~Leos~ "Volksblatt für Stadt und Land", 1859, No. 35:
"Ein langer Friede häuft nach des Verfassers Argument eine Menge fauler Gährungsstoffe auf. Drum thut uns ein frischer, fröhlicher, die Nationen, namentlich die die europäische Bildung tragenden Nationen tiefer berührender Krieg bitter Not" u.s.w.--
* * * * *
*Aufkläricht*
stammt ebenfalls von ~Leo~. (S. ~Wilhelm Harnisch~: "Briefe an seine Tochter", Essen 1841, S. 11, 12, 19, 20, 27, 29, 50, 113, 202.)--
* * * * *
Glaubwürdiger Überlieferung nach hat ein von Colberg 1855 (s. Rangliste) nach Graudenz versetzter und vom dortigen Militärgericht vernommener, humoristischer Artillerielieutenant *Haase* ausgesagt: "Mein Name ist Haase, ich weiss von gar Nichts und bin bereit, diese meine Aussage zu beschwören." Daher das Wort:
*Ich weiss von Nichts. Mein Name ist Haase.--*
* * * * *
Der ~Prinz-Regent von Preussen~, der nachmalige deutsche Kaiser *Wilhelm der Grosse* hielt am 8. Nov. 1858 eine Ansprache an das am 5. von ihm gebildete Ministerium, in der vorkam ("Nationalz." v. 25. Nov. 1858, Abendausg.): "In Deutschland muss Preussen
*moralische Eroberungen*
machen durch eine weise Gesetzgebung bei sich" u.s.w. Nach der "Hannoverschen Tagespost" wiederholte er als König das Wort am 30. August 1866 beim Empfang einer Deputation aus Hannover.--
* * * * *
Nach der Entlassung des Ministeriums ~von der Pfordten~ hatten die Gemeindebevollmächtigten der Stadt Würzburg die Absicht, den königlichen Professor an der Universität Würzburg und Appellationsgerichtsrat Dr. ~Weis~, mit dem die Regierung bisher im Kampfe gelegen hatte, zum rechtskundigen Bürgermeister zu wählen. Staatsminister ~von Neumayr~ berichtete darüber an König ~Max II.~ von Baiern und erhielt darauf folgende (in No. 137 der "Neuen Münchener Zeitung" von 1859 abgedruckte) Entscheidung des Monarchen zu Antwort:
"Den politischen Kampf gegen Dr. ~Weis~ in irgend welcher Form fortzuführen, halte ich für durchaus nicht mehr geeignet;
*Ich will Frieden haben mit Meinem Volke*
~und den Kammern~; deshalb habe ich das Ministerium gewechselt, und es ist infolge dessen auch die ~Weis~sche Frage in das Stadium des Vergessens von Meiner Seite eingetreten. Von diesem Gesichtspunkte aus widerstrebt es Meinem Gefühle, den Dr. ~Weis~ zu befördern; Ich werde aber der Sache ihren jetzigen naturgemässen Lauf lassen und habe nicht das Geringste dagegen, wenn derselbe zum Bürgermeister von Würzburg gewählt wird, werde ihn vielmehr ohne Anstand nach den bestehenden gesetzlichen Normen in dieser Eigenschaft bestätigen".
Heinrich von ~Sybel~ berichtet in seinem Buche "Die Begründung des deutschen Reiches durch Wilhelm I." (1889. Bd. 2, S. 301), dass Ludwig Karl Heinrich ~Freiherr~ *von der Pfordten* (1811-1880) dieses Wort dem Könige soufflierte. Man hatte "einen kleinen Staatsstreich" in Bayern geplant, "Auflösung der Kammer, Oktroyierung eines neuen Wahlgesetzes, und was sonst solche Rettungen zu begleiten pflegt". Als aber der Prinz von Preussen das Ministerium Manteuffel stürzte, musste auch ~v. d. Pfordten~ in München weichen und er rieth seinem König, den Forderungen der Kammer nachzugeben, die Schuld des Zwistes auf die Minister zu schieben und jene beruhigende Wendung zu gebrauchen. "Der von dem Staatsstreichminister erfundene Satz wurde zu einem populären Schlagwort, auf welches während der späteren preussischen Verfassungswirren jeder Bayer mit patriotischem Stolze hinwies, ohne zu ahnen, dass Bayern die Erhaltung seines allerdings hohen Ruhmes, niemals einen Bruch seiner Verfassung erlebt zu haben, in erster Linie dem Prinzen von Preussen verdankte". (In ~Schillers~ "Maria Stuart", 1, 6 heisst es:
Nicht eine Welt in Waffen fürchtet sie, So lang' sie Frieden hat mit ihrem Volke.)--
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~Gyulai~ erkannte (1859, nach dem Gefechte bei Palestro), dass seine einzige Rettung der schleunige Übergang über den Tessin sei, und so gab er am 1. Juni den Befehl:
*sich rückwärts zu konzentrieren,*
ein Ausdruck, der dadurch geschichtlich wurde, der aber schon vordem in Militärkreisen üblich war.
Nämlich in einem aus Bautzen, 21. Sept. 1813 datierten Briefe des Obersten ~von Müffling~ an General ~von dem Knesebeck~ heisst es: "Kömmt er (Napoléon) endlich aus seinem Loch--schnell rückwärts konzentriert u.s.w." (G. H. ~Pertz~: "D. Leben d. Feldm. Gr. v. Gneisenau", Berl. 1869, Bd. 3, S. 360).--
* * * * *
Der preussische Minister Alexander Gustav Adolf ~Graf~ *von Schleinitz* (1807-1885) gebrauchte im Jahre 1859 hinsichtlich des französisch-österreichischen Krieges den Ausdruck:
*die Politik der freien Hand.*
~Bismarck~ bediente sich desselben Ausdrucks am 22. Jan. 1864 im Abgeordnetenhause.--
* * * * *
Der Österreichische Minister Johann Bernhard ~Graf~ *von Rechberg* (geb. 1806) sagte in seiner Antwortdepesche nach Berlin hinsichtlich der Anerkennung Italiens (1861):
*Garantien, die das Papier nicht wert sind, anf dem sie geschrieben stehen.--*
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*Angenehme Temperatur*
ist eine Redeblume des preussischen Kriegsministers Albrecht Theodor Emil ~Graf~ *von Roon* (1803-1879). Er begleitete in der Sitzung des Herrenhauses am 23. Januar 1862 die Einbringung des Gesetzentwurfs wegen Abänderung des Gesetzes über die Verpflichtung zum Kriegsdienst vom 3. Sept. 1814 mit den Worten:
"Ich habe über die Bedeutung dieses Gesetzentwurfes mich an diesem Orte eigentlich näher auszusprechen: sein Zusammenhang mit der Organisation des königlichen Heeres ist unverkennbar, und da ich bereits zweimal Gelegenheit gehabt habe, ~die angenehme Temperatur~, welche in diesem Hause in Betreff jener grossen Massregel herrscht, zu fühlen, so wäre es eine Art von Undankbarkeit, wenn ich die Herren mit einer weitläufigen Auseinandersetzung der Notwendigkeit und Nützlichkeit des fraglichen Gesetzentwurfes ermüden wollte".--
* * * * *
In einer Abendsitzung der Budgetkommission des preussischen Abgeordnetenhauses, 30. Sept. 1862, sagte *von Bismarck*, "im Lande giebt es eine Menge
*catilinarischer Existenzen,*
die ein grosses Interesse an Umwälzungen haben". Danach gab Theodor ~König~ einem Roman den Titel: "Eine catilinarische Existenz" (Breslau 1865).--
* * * * *
*Zeitungsschreiber ein Mensch, der seinen Beruf verfehlt hat*
wurde in dieser Form nicht von ~Bismarck~ gesagt, beruht aber auf einer Äusserung von ihm. Als eine Ergebenheits-Deputation aus Rügen an den König, welche dieser am 10. November 1862 empfing, einige Tage zuvor dem Minister-Präsidenten ihre Aufwartung machte, äusserte dieser, nach dem Kreisblatte der Insel Rügen, "die Regierung werde Alles aufbieten, ein Verständnis mit dem Abgeordnetenhause herbeizuführen, dass aber die ~oppositionelle Presse~ diesem Streben zu sehr entgegenwirke, indem sie zum ~grossen Teil in Händen von Juden und unzufriedenen, ihren Lebensberuf verfehlt habenden Leuten~ sich befinde".--
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*Macht geht vor Recht*
hat ~Bismarck~ nie gesagt. Am 27. Januar 1863 sprach ~Bismarck~ im Abgeordnetenhause: "Conflicte werden, da das Staatsleben nicht still zu stehen vermag, zu Machtfragen; wer die Macht in Händen hat, geht dann in seinem Sinne vor". Graf Maximilian *von Schwerin* (1804-1872) erwiederte darauf: "Ich erkläre, dass ich den Satz in dem die Rede des Herrn Minister-Präsidenten kulminierte: 'Macht geht vor Recht' ... nicht für einen Satz halte, der die Dynastie in Preussen auf die Dauer stützen kann ..., dass dieser vielmehr umgekehrt lautet:
*Recht geht vor Macht* _u.s.w._"
~Bismarck~, der während dieser Rede seines Gegners nicht anwesend war und erst später, wieder in den Saal eingetreten, vernommen hatte, dass man ihm den Ausspruch: "Macht geht vor Recht" untergelegt hatte, verwahrte sich dagegen, worauf Graf ~von Schwerin~ erwiderte, er erinnere sich nicht gesagt zu haben, der Minister-Präsident habe diese Worte gebraucht, sondern nur, dass dessen Rede in diesem Satze kulminiere. Noch am 1. Februar 1868 wehrte sich ~Bismarck~ dagegen im preussischen Landtage, als ihm Twesten eine Redewendung missdeutete. Bismarck sagte damals: "Ich möchte nicht, dass aus diesem meinem Worte durch die Geburtshilfe des Herrn Vorredners ein ~fliegendes Wort~ gemacht werde, wie aus einem früheren, welches ich niemals ausgesprochen habe, dass Macht vor Recht gehe."
(S. Habakuk 1, 3, wo ~Luther~ "Es gehet Gewalt über Recht", das er in der "Auslegung des Habakuk" als ein "gemein Sprichwort" bezeichnet, hineintrug. Seit ~Agricola~ lautet dies in den Sprichwörtersammlungen: "Gewalt geht für Recht" und ~Spinozas~ "Tract. polit." cap. II, § 8 bietet: "quia unusquisque tantum iuris habet, quantum potentia valet", weil jeder so viel Recht hat, als er Macht hat.)--
* * * * *
(_Das_) *innere Düppel*
stand zum ersten Male nach der Erstürmung der Düppeler Schanzen durch die Preussen am 18. April 1864 in der Form "Düppel im Innern" im Politischen Tagesberichte der "~Norddeutschen Allgemeinen Zeitung~" vom 30. Sept. 1864.--
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Seitdem Georg *Büchmann* (1822-84) den vorliegenden "Citatenschatz des deutschen Volkes" erscheinen liess, also seit 1864, wurde der Name
*Büchmann*
vielfach für citatenreiche Leute (z.B.: "Sie sind ja der reine Büchmann!") oder zum Titel solcher Bücher (z.B.: "Der rothe Büchmann", "Der ungeflügelte Büchmann") verwendet.--
* * * * *
Aus authentischer Quelle kann versichert werden, dass Feldmarschall Frhr. v. ~Manteuffel~ als preussischer Gouverneur von Schleswig im Okt. 1865 das ihm von antipreussischen Zeitschriften aufgebürdete Wort:
*Wir haben heidenmässig viel Geld*
nie gesagt hat.--
* * * * *
An der Spitze des Morgenblattes der Wiener Zeitung "Die Presse" vom 18. Juni 1866 steht:
"Wien, 17. Juni. Die bis heute Abend eingetroffenen Nachrichten entsprechen nicht der Wichtigkeit des Moments. Die militairische Situation betrachten wir in einem unten folgenden Artikel. Hier konstatieren wir bloss, dass nach den eingetroffenen Nachrichten die Preussen viele Theile Sachsens besetzt haben, und dass preussische Truppen nicht bloss in Hannover und Kurhessen, sondern auch in Darmstadt eingerückt wären. Die Preussen entwickeln überhaupt eine
*affenähnliche Beweglichkeit".*
Das Wort ist umgestaltet worden in:
*affenartige Beweglichkeit, affenmässige Geschwindigkeit* _u.s.w._
Der Verfasser des Artikels war der damalige Mitarbeiter der Presse August *Krawani*.--
* * * * *
*Der preussische Schulmeister hat die Schlacht bei Sadowa gewonnen*
ist die Umformung eines Ausspruchs des Geheimrats Dr. Oskar *Peschel* (1826-75), Professors der Erdkunde in Leipzig, welcher in einem Aufsatze des von ihm redigierten Blattes "Ausland" ("Die Lehren der jüngsten Kriegsgeschichte", No. 29 17. Juli 1866, S. 695, Spalte 1) schrieb:
"Wir sagten eben, dass selbst der Volksunterricht die Entscheidung der Kriege herbeiführe: wir wollen jetzt zeigen, dass, wenn die Preussen die Österreicher schlugen, ~es ein Sieg der preussischen Schulmeister über die österreichischen Schulmeister~ gewesen sei"; und (Spalte 2): "Die Mathematik ist der Wetzstein, und in diesem Sinne darf man wohl sagen, die ~preussischen Schulmeister~ haben in dem ersten Abschnitt des böhmischen Feldzuges ~über die österreichischen gesiegt~".--
* * * * *
*Berechtigte Eigentümlichkeiten*
steht in den vom 3. Okt. 1866, Schloss Babelsberg datierten Patenten der Besitzergreifungen von Hannover, Kurhessen, Nassau und Frankfurt durch König *Wilhelm I.*--
* * * * *
Graf *Bismarck* soll den Schluss seiner am 11. März 1867 im Norddeutschen Reichstage gehaltenen Rede:
"Meine Herren, arbeiten wir rasch!
*Setzen wir Deutschland, so zu sagen, in den Sattel! Reiten wird es schon können",*
nach der Spenerschen Zeitung vom 28. März 1874 in einem Gespräche mit zwei Abgeordneten selbst als "geflügeltes Wort" bezeichnet haben. Im Zoll-Parlament sagte er am 18. Mai 1868: "Dem Herrn Vorredner gebe ich zu bedenken, dass
*ein Appell an die Furcht in deutschen Herzen niemals ein Echo findet".--*
* * * * *
Als es sich im Anfange des Jahres 1869 darum handelte, das in Preussen noch vorfindliche Vermögen des Kurfürsten von Hessen mit Beschlag zu belegen, wurde Graf ~Bismarck~, dem damaligen Minister-Präsidenten, der Vorhalt gemacht, er werde die ihm schon zur Verfügung stehenden geheimen Fonds, um unbekannte Summen vermehrt, zur Korruption der Presse und anderen sich der Aufsicht entziehenden Zwecken verwenden. Es handelte sich nämlich nicht bloss um die verhältnismässig kleinen Revenuen aus dem in Beschlag genommenen Vermögen des Kurfürsten, sondern auch um die Zinsen der 16 Millionen Thaler, welche dem König von Hannover erst bewilligt und dann einbehalten waren, und mit deren Verwendung das Abgeordnetenhaus sich erst am Tage vorher beschäftigt hatte. Darauf antwortete Graf ~Bismarck~ am 30. Jan. 1869:
"Ich bin nicht zum Spion geboren meiner ganzen Natur nach; aber ich glaube, wir verdienen Ihren Dank, wenn wir uns dazu hergeben, bösartige ~Reptilien~ zu verfolgen bis in ihre Höhlen hinein, um zu beobachten, was sie treiben. Damit ist nicht gesagt, dass wir eine halbe Million geheimer Fonds brauchen können; ich hätte keine Verwendung dafür und möchte die Verwendung für solche Summen nicht übernehmen. Es werden sich andere Verwendungen finden, die Ihre nachträgliche Genehmigung und Zustimmung finden werden. Auf dem hessischen Hofvermögen haften, wie man sagt, Verpflichtungen dem Lande gegenüber, Baupflichten, die übernommen worden sind. Es wird eine Ehrenpflicht der Regierung sein, wenn sie in dem Besitz der Fonds ist, solche Schulden zu tilgen; aber machen Sie uns aus dem bedauerlichen Zwange, dass wir Gelder auch zu anderen Zwecken verwenden müssen, keinen Vorwurf; probieren Sie selbst erst, ob Sie Pech anfassen können, ohne sich zu besudeln".
Auf Grund dieser Äusserung nannte man die einbehaltenen Gelder den
*Reptilienfonds,*
später nannte man dann
*Reptil*
Jeden, der in der Presse thätig, Beziehungen zu den Behörden hat. Graf ~Bismarck~ sagte darüber im Reichstage, 9. Febr. 1876, Folgendes:
"Dieser Beisatz "offiziös" und diese Verdächtigungen irgend eines Blattes, je nachdem man es gerade braucht, als eines "subventionierten" durch das Wort "Reptilie" ist ja eine wirksame Hülfe in der publizistischen Diskussion. Das Wort Reptilie, Reptilienvater, Reptilienpresse in der Meinung, wie es gebraucht wird, kommt mir immer vor, als wenn Leute, die mit dem Gesetze in Konflikt treten, auf die Polizei schimpfen und sie Diebsjäger und dergleichen nennen. Reptilie--wie entstand das Wort? Unter Reptilien verstanden wir Leute, die in Höhlen--bildlich gedacht, kurz und gut in verwegener Weise intriguieren gegen die Sicherheit des Staats und man hat das nun umgedreht und nennt jetzt Reptile diejenigen, die das aufzudecken streben. Mit diesem Sprachgebrauch will ich nicht rechten. Es ist ja ganz einerlei; ich erkläre nur, dass es Reptile des auswärtigen Amts in dem Sinne, wie Gegner den Ausdruck gebrauchen, absolut nicht giebt".
~Burke~ hatte jedoch schon das Wort Reptilien im Unterhause für die Magistrate von Middlesex verwendet (Lord Mahon VII, 13), und der Major Scott, ~Hastings~ Organ, nannte Burke selbst "jenes Reptil, Herr Burke" (Macaulay "Warren Hastings"). Der Vergleich des Reptils für Pressorgane scheint übrigens aus Frankreich zu stammen (vrgl. "Gegenwart" XXVI, 45 u. 48) und Zeitungsschreiber werden so von ~Dickens~ genannt (z.B. "Pickwick Papers" Ch. 15; vrgl. auch Georg Winter: "Unbeflügelte Worte", 1888, S. 349.)--
* * * * *
Am 13. Febr. 1869 sagte Graf ~Bismarck~ im Herrenhause: "Es wird vielleicht auch dahin kommen zu sagen:
*Er lügt wie telegraphiert".--*
* * * * *
In Graf ~Bismarcks~ telegraphischer Mitteilung vom 28. Juli 1870 an den Gesandten des Norddeutschen Bundes in London, Grafen Bernstorff, heisst es:
"Nach Eintritt der patriotischen Beklemmungen des Ministers Rouher hat Frankreich nicht aufgehört, uns durch Anerbietungen auf Kosten Deutschlands und Belgiens in Versuchung zu führen. Im Interesse des Friedens bewahrte ich das Geheimnis und behandelte sie dilatorisch".
Das Wort
*dilatorische Behandlung*
für "hinhaltende Behandlung" bürgerte sich seitdem in Parlamenten und Zeitungen ein.--
* * * * *
*Vor Paris nichts Neues*
schloss eine Depesche des Generals Eugen Anton Theophil *von Podbielski* (1814-79) aus Ferrières vom 25. Sept. 1870, seine Depeschen aus Versailles vom 8. und 11. Okt. 1870 und eine aus Versailles vom 26. Jan. 1871, während die vom 18. Okt. 1870 so beginnt.--