Geflügelte Worte: Der Citatenschatz des deutschen Volkes

Part 35

Chapter 353,328 wordsPublic domain

wird in den "Loci communes" (1563) des ~Joh. Manlius~ II, p. 290 als Wahlspruch Kaiser *Ferdinand*s *I.* (reg. 1556-64) angegeben, und ~Zincgref~ ("Apophth." Strassb. 1626, S. 107) sagt von diesem Kaiser: "Es war ihm auch diese Rede sehr gemein: 'Das Recht muss seinen Gang haben und sollte die Welt darüber zu Grunde gehen'."--

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Dass

*die Türkei der kranke Mann*

genannt wird, erklärt sich also: Auf der Münchener Staatsbibl. (Cod. germ. 4055, S. 148-153) befindet sich ein Lied des Chorherrn zu Baumburg J. Albert *Poysel*, "Der Türk ist krank", 1683 (von ~Ditfurth~. "Histor. Volksl. von 1648-1746", No. 45, Heilbr. 1877), in dem es heisst:

Mein Hirn das schwindt, mein Haupt empfindt Ohnmachten und Hinfallen; ... ... ... ... ... Mein Alkoran und mein Divan In schwerer Schwachheit liegen; Mein g'habte Macht, mein g'führte Pracht Liegen fast in den Zügen.

No. 47 daselbst (Münchener Staatsbibl., Cod. germ. 4088, S. 117) von demselben Verfasser ist betitelt:

Suldans Krankheit. 1684.

Der Sultan klagt darin über seine Krankheit, und es wird ihm von zehn Ärzten über dieselbe Aufklärung erteilt. Schon zu Ende des 17. Jahrh. hatte Sir ~Thomas Roe~, Botschafter ~Jakobs II.~ in Konstantinopel, geschrieben, dass das Osmanenreich dem Körper eines alten Mannes gleiche, der, mit Krankheit bedeckt, den Anschein der Gesundheit annehme, obwohl sein Ende nahe sei. In ~Montesquieus~ "Lettres Persanes" (1721), I, Brief 19 heisst es dann: "Ich habe mit Erstaunen die Schwäche der Osmanen gesehen. Dieser kranke Körper wird nicht durch eine milde und massige Diät erhalten, sondern durch gewaltsame Mittel, die ihn unaufhörlich erschöpfen und untergraben" .... und ~Voltaire~ (Correspondance XVI) schrieb an Katharina II.: "Votre Majesté dira que je suis un malade bien impatient et que les Turcs sont beaucoup plus malades". Nach H. v. Treitschke ("Deutsche Geschichte im 19. Jahrh." IV, 331) nannte ~Ancillon~ den Sultan zuerst einen "kranken Mann".

Endlich enthält ein 1854 im englischen Parlamente verteiltes Blaubuch die Unterredungen von ~Nikolaus I.~ mit dem britischen Gesandten Sir George ~Hamilton Seymour~ in Petersburg in den Monaten Januar bis April 1853. Am 14. Januar hatte der Kaiser der Pforte als eines an Altersschwäche leidenden Kranken erwähnt, der plötzlich unter den Händen sterben könnte. ~Seymour~ hatte über das Gespräch nach London an Lord ~Russell~ berichtet. Auf des letzteren Rückäusserung, die Auflösung des Patienten würde doch vielleicht noch länger, vielleicht noch hundert Jahre dauern, sagte der Kaiser zum Gesandten am 20. Februar 1853: "Ich wiederhole Ihnen, dass der Kranke im Sterben liegt".--

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Über

*Alter Schwede*

bemerkte ~von Treitschke~ in einem Vortrage an der Berliner Universität über "Geschichte des preussischen Staates" (Sommer 1879), der Ausdruck sei dadurch entstanden, dass der grosse Kurfürst (1640-88) alte gediente schwedische Soldaten in seine Dienste zu treten veranlasste. Diese Leute seien vornehmlich zu Unteroffizieren gemacht worden, weil sie Rekruten gut zu drillen verstanden; sie hiessen "die alten Schweden". ~Weigand~ erklärt die Redensart als "Mann von altem Schrot und Korn"; "~Der richtige Berliner~" (4. Aufl., 1882, S. 92) als "gemütliche Anrede".--

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In der Schlacht am Speierbache am 14. Nov. 1703 im spanischen Erbfolgekriege waren die deutschen Truppen, unter ihnen die von ihrem Erbprinzen geführten Hessen-Kasseler, geschlagen worden. Am 13. Aug. 1704 verloren die Franzosen die Schlacht bei Höchstedt (Blenheim). Als ihr Feldherr, Marschall ~Tallard~, gefangen vor den *Erbprinzen von Hessen* geführt wurde, rief ihm dieser entgegen: "Ah, monsieur le maréchal, vous êtes très-bien venu, voilà de la revanche pour Speierbach".

*Revanche für Speierbach*

ist noch heute ein in Hessen und Westfalen geläufiges Wort.--

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Nach ~Erman~ ("Mémoires pour servir à l'histoire de Sophie Charlotte, reine de Prusse" Berlin 1801, p. 197) beklagte sich *Leibniz* (1646-1716), die Königin Sophie Charlotte frage immer noch weiter, auch wenn er ihr ein philosophisches Problem gelöst habe: sie verlange,

*le pourquoi du pourquoi*,

*das Warum des Warums*

zu erfahren.--

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1716 wurde auf Grund einer Denkschrift des Grafen Karl ~Truchsess~ eine Reform wegen der Kriegsgefälle des platten Landes in dem Amt Brandenburg versucht, und der Graf und vier von den preussischen Ständen wurden zur Beratung nach Berlin beschieden. Ein Erbieten der vier preussischen Herren, die 220000 Thaler jährlich, auf die der König rechnete, in bisheriger Weise aufzubringen und dies mit dem dazu berufenen Landtage zu vereinbaren, lehnte *Friedrich Wilhelm I.* (reg. 1713-40) durch folgende Randbemerkung vom 25. April 1716 an die Kommission ab:

"sie sollen mir ihre Meinung schreiben, ob das nicht angeht sonder mein prejudice, dass ich den Landtag lasse ausschreiben; und gebe auch 4000 Thlr. Diäten. Aber die Hubenkommission soll ihren Fortgang haben. Ich komme zu meinem Zweck und stabiliere die Souveränität und setze die Krone fest wie einen

*rocher von bronze,*

und lasse den Herren Junkers den Wind von Landtag. Man lasse den Leuten Wind, wenn man zum Zweck kommt. Ich erwarte ihr sentiment". (~Droysen~: "Gesch. der Preuss. Polit.", Berl. 1855-81, IV, 2. Abtl. S. 198.) Daher scheint es unhistorisch, dass ein Bericht der Stände Preussens über die neue Besteuerung die Worte enthalten habe: Tout le pays sera ruiné (das ganze Land wird ruiniert werden), und dass der König dazu folgende Randbemerkung beigefügt habe: "Tout le pays sera ruiné? Nihil kredo,[76] aber das Kredo,[77] dass die Junkers ihre Autorität Nie pozwolam[78] wird ruiniert werden. Ich stabiliere die Souveränetät wie einen Rocher von Bronze". Wer erzählt das zuerst?--

[Fußnote 76: Davon glaub' ich Nichts.]

[Fußnote 77: glaub' ich.]

[Fußnote 78: "Ich erlaube es nicht", Worte, mit denen jedes polnische Reichstagsmitglied einen Beschluss verhindern konnte.]

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Wir nennen einen Aufschneider und seine Aufschneidereien einen

*Münchhausen* _und_ *Münchhausiaden.*

Freiherr Karl Friedrich Hieronymus ~von Münchhausen~, auf Bodenwerder bei Hannover (1720-97) hatte sich durch die Erzählung unglaublicher Abenteuer, die er selbst erlebt haben wollte, einen Namen gemacht, so dass bereits im "Vademecum für lustige Leute" T. 8 (Berl. 1781, S. 92, No. 175) sechzehn "M--h--s--nsche Geschichten", und Teil 9 (1783. S. 76, No. 166) "Noch 2 M--Lügen" vorkommen. Auch gab er Veranlassung zu dem 1785 in London erschienenen, vom Professor ~Raspe~ in englischer Sprache verfassten Buche: "Baron Münchhausens Erzählung seiner wundersamen Reisen und Campagnen in Russland", das ~Bürger~ ins Deutsche übertrug. (~Raspe~ war nach "the Gentleman's Magazine for January 1856", S. 2, storekeeper at Dolcoath Mine, in Cornwall und schrieb hier das Buch.) ~Immermanns~ humoristischer Roman "Münchhausen" erschien 1838-39.--

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Das Wort *Friedrichs des Grossen* (reg. 1740-86):

*Gazetten müssen nicht geniert werden*

ist einem Briefe des Kabinetsministers Grafen ~Podewils~ vom 5. Juni 1740 an Minister ~von Thulmeyer~ entlehnt, welchem darin der Wille des Königs mitgeteilt wird, dem Redakteur der Berliner Zeitung unbeschränkte Freiheit zu lassen, in dem Artikel "Berlin" von demjenigen, "was anitzo hier vorgeht", zu schreiben, was er will, ohne dass er censiert werde. "Ich nahm mir zwar die Freiheit", fährt ~Podewils~ fort, "darauf zu regerieren, dass der ***sche Hof über dieses Sujet sehr pointilleux sei. Se. Majestät erwiderten aber, dass Gazetten, wenn sie interessant sein sollten, nicht geniert werden müssten" (J. D. E. ~Preuss~, "Friedrich der Grosse. Eine Lebensgeschichte". B. 3, S. 251).--

* * * * *

Am 22. Juni 1740 berichteten Staatsminister ~von Brand~ und Konsistorialpräsident v. ~Reichenbach~ an Friedrich II., dass wegen der römisch-katholischen Soldatenkinder, besonders zu Berlin, römisch-katholische Schulen angelegt wären, die zu allerlei Inkonvenienzen, namentlich aber dazu Gelegenheit gegeben hätten, dass wider des Königs ausdrücklichen Befehl aus Protestanten römisch-katholische Glaubensgenossen gemacht worden wären. Dies habe der Generalfiskal berichtet. Sie fragten nun an, ob die römisch-katholischen Schulen bleiben, oder welche andere Antwort sie dem Generalfiskal geben sollten. Der König schrieb an den Rand:

"Die Religionen Müsen alle Tolleriret werden und Mus der Fiscal nuhr das Auge darauf haben, das keine der andern abrug Tuhe, den hier mus ein jeder nach seiner Fasson Selich werden".

(~Büsching~, "Charakter Friedrichs II., Königs von Preussen".) Danach citiert man als Wort des Königs:

*In meinem Staate kann jeder nach seiner Façon selig werden.*

Er mochte in den "Mémoires, ou oeconomies royales d'état, domestiques, politiques et militaires de Henri le Grand" par Maximilien de Bethune, due de ~Sully~ (Amst. 1725, tom. I ch. 19) gelesen haben: "plût a Dieu ... que vous fussiez si prudent que de laisser à chacun gagner Paradis comme il l'entend".--

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In dem Aufsatz "Die Tänzerin Barbarina" von Louis ~Schneider~ ("Der Bär", Berlin, 10. Jan. 1880, S. 25) wird erzählt, dass, als Graf ~Dohna~ für die Bemühungen seines Haushofmeisters C. L. ~Mayer~ in der Überführung der Tänzerin nach Berlin im Jahre 1744 auf eine besondere Belohnung desselben antrug, der König geantwortet habe: "Kriegt nichts! hat nur seine

*verfluchte Schuldigkeit*

gethan". Hat der König dieses Wort zuerst gebraucht? oder ist es schon vorher angewendet worden? Gewöhnlich sagt man:

*Verfluchte Pflicht und Schuldigkeit.--*

* * * * *

Als ~Friedrich der Grosse~ 1745 der Kaiserin Elisabeth von Russland sein Bildnis von Antoine Pesne sandte, gab er ihr in dem Begleitschreiben den Namen einer

*Semiramis des Nordens,*

den ~Voltaire~ später auf Katharina II. anwandte (s. Strauss "Voltaire" 1. Aufl. S. 294).--

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*Der Philosoph von Sanssouci*

nannte Friedrich II. sich selbst, indem er 1752 die erste Sammlung seiner Werke unter dem Titel herausgab: "Oeuvres du Philosophe de Sanssouci. Au Donjon du Château. Avec privilège d'Apollon".--

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~Friedrichs~ Reitergeneral Hans Joachim von ~Zieten~ (nicht: Ziethen) erwarb sich den Namen:

*Zieten aus dem Busch*

(nach "Zieten", Gedenkblätter zum 8. Okt. 1880. S. 23) schon 1744 durch die dem Feinde sehr unbequeme und den bedrängten Waffengefährten höchst erfreuliche Plötzlichkeit seines Erscheinens.--

* * * * *

Am 23. Sept. 1757 schrieb ~Friedrich der Grosse~ aus Erfurt an Marquis ~d'Argens~ eine Épître, worin er den Vorsatz, seinem Leben ein Ende zu machen, deutlich ausspricht. ~Voltaire~, dem diese Epistel zu Gesichte gekommen war, schrieb unmittelbar darauf an den König zwei Briefe, um ihn zu bitten, dass er noch länger leben möchte. In der Antwort des Königs vom 9. Okt. kommt vor:

Pour moi, menacé de naufrage, Je dois, en affrontant l'orage, *Penser, vivre et mourir en Roi.*

In ~Schubarts~ Hymnus "Friedrich der Grosse, März 1786" ("Sämtl. Ged." Stuttg. 1786. II, 406) heisst es:

Du schwurst im Drange der grössten Gefahr, Als König zu denken, zu leben, zu sterben.

Dieser Hymnus wurde in Berlin nachgedruckt; am Tage der Ausgabe wurden 7000 Exemplare verkauft: eine Wache vor dem Hause musste dem Andrange wehren. (Journal von und für Deutschland, 1786, 2, 165.)--

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Vor der Schlacht bei Zorndorf (25. Aug. 1758) rief ~Friedrich~ dem Garde-Major ~von Wedel~ zu, als ihm die ersten zerlumpten Kosaken als Kriegsgefangene vorgeführt wurden:

(_Sehe er hier_,) *mit solchem Gesindel muss ich mich herumschlagen.*

(vrgl. ~Archenholz~: "Gesch. d. siebenjähr. Krieges", Berl. 1793. I, 168.)--

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*Der Fürst ist der erste Diener seines Staats*

hat ~Friedrich der Grosse~ sechsmal und stets in französischer Form geschrieben. So heisst es in ~Friedrichs~ "Mémoires de Brandebourg" (T. 1, p. 123 der Ausg. der Werke ~Friedrichs~ durch ~Preuss~): "Un prince est le premier serviteur et le premier magistrat de l'État", und es wiederholt sich in verschiedenen Wendungen, bei denen einmal das Wort "domestique", einmal das Wort "premier ministre" gebraucht wird, an folgenden Stellen: T. 8, p. 65; T. 9, p. 197; T. 24, p. 109; T. 27, p. 297 und kommt ausserdem in dem im Archiv liegenden eigenhändigen 'Testament politique' des Königs vor.

~Hettner~ ("Gesch. d. deutsch. Literat, im 18. Jahrh." 2. Buch. "D. Zeitalt. Friedr. d. Gr." 3. Aufl., Brnschwg. 1879, S. 14) glaubt das Wort auf ~Massillon~ zurückführen zu dürfen, "welcher die Knaben- und Jünglingsjahre Friedrichs aufs tiefste beschäftigte". In den berühmten Fasten-Predigten (Petit-Carême), die ~Massillon~ auf Befehl des Regenten dem 9jährigen König ~Ludwig XV.~ (im Jahre 1717) hielt, steht nämlich: "Sire, die Freiheit, welche die Fürsten ihren Völkern schuldig sind, ist die Freiheit der Gesetze: Ihr seid nur der Diener und Vollstrecker des Gesetzes". (Vous n'en êtes que le ministre et le premier dépositaire.) Diese Anschauung von den Regentenpflichten ist aber noch älter. Schon in ~Calderon~ "Das Leben ein Traum" (zuerst gedruckt 1635), Akt I, steht: "~Seneca~ sagte, dass ein König der demütige Sklave seines Staates wäre". Es ist die Stelle aus "De clementia" I, 19 gemeint: "(rex) probavit, non rempublicam suam esse, sed se reipublicae". Und sogar schon von ~Tiberius~ überliefert ~Sueton~ ("Tib." 29), dass er gesagt habe, "ein guter und heilbringender Fürst müsse dem Senat dienen und der gesamten Bürgerschaft ("bonum et salutarem principem ... senatui servire debere et universis civibus...").--

* * * * *

Am Schluss des "Exposé du gouvernement prussien" ~Friedrichs des Grossen~ heisst es:

"Dies sind einige meiner Betrachtungen und Gedanken über die Regierung dieses Landes, welches, so lange es nicht eine grössere Konsistenz und bessere Grenzen haben wird, von Fürsten regiert werden muss, die

*toujours en vedette*

*immer auf dem Posten*

sein und die Ohren aufsperren müssen, sich von einem Tag zum andern gegen die verderblichen Pläne ihrer Feinde zu verteidigen".--

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Die Randschrift des Königs zu einer Anfrage des Ministeriums vom 18. Dez. 1766 hinsichtlich der Instandsetzung der schadhaft gewordenen Langen Brücke in Berlin "Buchholtz hat kein Geld dazu" lebt in der Form:

*Dazu hat Buchholtz kein Geld*

noch heute im Volksmunde.

(~Buchholtz~ wurde 1753 Hof-Etats-Rentmeister, dann Kriegs- und Domänenrat, sowie Königlicher Trésorier. S. "Johann August Buchholtz", nach Familienpapieren erzählt vom Hauptmann J. B. Buchholtz in der Berliner Wochenschrift "Der Bär", 1881, No. 11, S. 157 u.s.w., sowie "Jahrbücher für die deutsche Armee und Marine", April 1878, S. 12.)--

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Die unklassische Inschrift der 1780 vollendeten königlichen Bibliothek zu Berlin

*Nutrimentum spiritus*

Nahrung des Geistes

verdankt ihren Ursprung wohl einer Lektüre ~Friedrichs des Grossen~, der "Histoire ou vie tirée des monumens anecdotes de l'ancienne Égypte" des Abbé ~Terrasson~ (Amst. 1732, S. 70), ein Werk, das ~Friedrich~ in einem Briefe aus Ruppin vom 23. März 1733 an Herrn von ~Grumbkow~ lobte. Die Überschrift der Bibliothek in Theben lautete nach Diodor 1, 49, 3: "ψυχῆς ἰατρεῖον" ("Klinik für die Seele").

Übrigens gebrauchte der König während der Zeit des Baues die Ausdrücke "aliment de l'esprit" und "nourriture de l'âme" (s. ~Preuss~: "Oeuvres de Frédéric-le-Grand", XXIV, p. 27 und XXV, p. 18). ~Ad. Streckfuss~ ("500 Jahre Berliner Geschichte" 3. Aufl., 1. Bd., 8. Abteil., 13. u. 14. Kap.) nennt ohne Beleg als Verfasser der Inschrift ~Quintus Icilius~, der jedoch ein zu guter Lateiner war, um nicht zu wissen, dass "spiritus" ohne Beiwort nur "Hauch" oder "Athem" heisst. "Nutrimentum" oder "Pabulum ingenii" wäre unanfechtbar gewesen. Nach ~Thiébault~ ("Mes souvenirs de vingt ans de séjour à Berlin, ou Frédéric le Grand" I, 283; Paris 1804) wählte der König die Inschrift gerade gegen den Rath des Quintus Icilius.--

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Nach Ed. ~Vehse~ ("Preussen" IV, 175) steht in einer Kabinetsordre ~Friedrichs des Grossen~ von 1785 (ein Datum giebt er nicht an):

*Ich bin es müde, über Sklaven zu herrschen.*

Der Satz entspricht völlig ~Friedrichs~ erleuchtetem Sinn. Noch sechzehn Tage vor seinem Tode verfügte er in der Kabinetsordre vom 1. Aug. 1786 über die Besiedelung urbar gemachten Landes bei Tilsit: "Die Bauern, welche da angesetzt werden, müssen ihre Güter alle eigentümlich haben, weil sie keine Sklaven sein sollen" (s. ~Preuss~: "Friedr. d. Gr." 1834. IV, 259-60).--

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Im Jahre 1770 war in Jena

"*Schwefelbande*"

der Name einer als roh berüchtigten Studentenverbindung

(s. H. A. O. Reichardts Selbstbiographie, überarbeitet und herausgegeben von Hermann Uhde, Stuttg. 1877).--

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Eine veraltete, allbekannte Anekdote nennen wir einen

*Meidinger*

wegen der Sammlung "Auserlesener Histörchen", die den Lesestoff der 1783 erschienenen, vielgebrauchten französischen Grammatik Johannes Val. *Meidinger*s bildeten.--

*Ein Rothschild*

wird ein schwer reicher Mann genannt nach dem Begründer des Handlungshauses zu Frankfurt a. M., Mayer Anselm Rothschild (1743-1812), und nach den Erben seines Namens und Rufes.--

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*Tempi passati!*

geht auf Kaiser *Joseph II.* (geb. 1741; gest. 1790) zurück. ~Archenholtz~ "England und Italien" (1785) erzählt im 2. Bande, S. 46, bei Gelegenheit der Beschreibung des Dogenpalastes in Venedig: "Unter andern ist hier die ausserordentliche Begebenheit vorgestellt, wie Kaiser Friedrich I. 1172 vom Papst Alexander zu Venedig vom Bann mit grossen Feierlichkeiten losgesprochen wurde. Der Kaiser liegt hier der Geschichte gemäss zu den Füssen des Papstes und erhält die Absolution. Es wird erzählt, dass man, als Kaiser Joseph II. diesen Palast besah, geglaubt habe, ihm nicht dies Gemälde zeigen zu dürfen, und daher bemüht gewesen sei, seine Aufmerksamkeit auf andere Gegenstände zu richten; allein vergebens. Der Kaiser ward es gewahr, man sagte ihm mit dem grössten Glimpf, wovon die Rede sei, worauf er lächelnd versetzte: "Tempi passati!" (s. Kap. III das schwermütige: "Die Zeiten sind vorbei!") Das in Rede stehende Gemälde ist von ~Federigo Zuccaro~ († 1609) und hängt in dem Saale des grossen Rats (sala del maggior consiglio) rechts nach der Piazetta zu.--

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Nach ~Georg Webers~ "Weltgeschichte" (12. Aufl., I, 819) sagte der Minister Fürst Wenzel Anton von *Kaunitz* (1711-94) zu ~Joseph II.~: "Ein ganzes

*Volk in Waffen*

ist an Majestät dem Kaiser ebenbürdig".--

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*Ruhe ist die erste Bürgerpflicht*

ist einem öffentlichen Anschlagzettel auf blassrotem Papier mit deutschen Lettern entlehnt, welchen der Minister Graf *von der Schulenburg-Kehnert* am Montag nach der Schlacht bei Jena an die Strassenecken Berlins heften liess, und welcher lautete: "Der König hat eine Bataille verlohren. Jetzt ist Ruhe die erste Bürgerpflicht. Ich fordere die Einwohner Berlins dazu auf. Der König und seine Brüder leben! Berlin, den 17. Oktober 1806. Graf v.d. Schulenburg". Ein Exemplar des Anschlages befindet sich im Märkischen Provinzial-Museum zu Berlin.--

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Die Bezeichnung des Freiherrn ~vom und zum Stein~ als

*Alles Bösen Eckstein, Alles Guten Grundstein, Aller Deutschen Edelstein*

(in der Fassung "Des Guten Grundstein" etc., Inschrift an dem am 9. Juli 1872 auf der Burg Nassau enthüllten Steindenkmale) rührt nach einer "Biographie Steins" des Freiherrn A. v. ~Seld~ (s. H. ~Pröhles~ "Germania", S. 289) von dem Geheimen Ober-Regierungsrat *Süvern* (1775-1829) in Berlin her. Der Spruch wurde nach Streckfuss ("500 Jahre Berliner Geschichte" X. Abt., 5. Kap., 3. Aufl., 1880) im Jahre 1808 bekannt. (Wodurch?) In ~Schmidts~ "Neuem Nekrolog der Deutschen", 9. Jahrgang (1831), stehen unter einem Stahlstiche des Freiherrn vom Stein die Worte:

*Des Rechtes Grund-Stein, Dem Unrecht ein Eck-Stein, Der Deutschen Edel-Stein.*

S. 572 stehen dieselben Worte als Motto von Steins Biographie. In den "Erinnerungen an Minister vom Stein" (Altenburg 1832) befindet sich sein Titelbild mit derselben Unterschrift, und in "Steins Lebensabend" von Dr. ~Wiesman~ (Münster 1831, S. 35) heisst es: "Noch von einer späten Nachwelt wird mit hoher Achtung genannt werden der edle Name dieses grossen Mannes, unter dessen Bild die dankbaren Zeitgenossen die bedeutungsvollen und treffenden Worte setzten:

Freiherr von Stein, Des Rechtes Grund-Stein, Dem Unrecht ein Eck-Stein, Der Deutschen Edel-Stein".

Sicherlich dachte der Verfasser des Steinspruchs dabei an Jesaias 28, 16: "... ich lege in Zion einen Grundstein, einen bewährten Stein, einen köstlichen Eckstein ..." (s. Kap. I).--

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*Lieber ein Ende mit Schrecken, als ein Schrecken ohne Ende!*

(Erweiterung des Ausdrucks in Psalm 73, 19: "ein Ende mit Schrecken nehmen") rief Ferdinand *von Schill* (1776-1809) am 12. Mai 1809 auf dem Marktplatze von Arneburg an der Elbe der begeisterten Schar zu, die ihm von Berlin aus nachgezogen war. (~Haken~ in "Ferdinand von Schill", Lpz. 1824, Bd. 2, S. 88, setzt hinzu: "Dieser Ausdruck war seiner Vorstellung so geläufig, dass er sich desselben zum öftern bediente".) Es berührt komisch, dass schon ~Aesops~ Hasen (Halm 237 c) ähnlich sagen: "βέλτιον ... θανεῖν ἅπαξ ἢ διὰ βίον τρέμειν", "Besser auf einmal sterben, als sein Leben lang in Schrecken sein". Dies scheint aus ~Homer~ zu stammen, bei dem wir Il. 15, 511 lesen:

βέλτερον, ἢ ἀπολέσθαι ἕνα χρόνον ἠὲ βιῶναι, ἢ δηθὰ στρεύγεσθαι ἐν αἰνῇ δηιοτῆτι.

Besser, die Wahl des Todes beschleunigen oder des Lebens, Als so lang' hinschmachten in schreckensvoller Entscheidung. und Odyss. 12, 350:

Βούλομ' ἅπαξ πρὸς κῦμα χανὼν ἀπὸ θυμὸν ὀλέσσαι, ἢ δηθὰ στρεύγεσθαι ...

Lieber will ich auf einmal den Geist in den Fluten verhauchen, Als noch lang' hinschmachten...--

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1811 verteidigte Finanzminister Graf *Wallis* in Wien eine Verfügung, durch die er die Reduzierung der Bankozettel auf ein Fünftel ihres Nennwerts anordnete, ~Metternich~ im Ministerrate gegenüber unter andern mit den Worten:

*Was gemacht werden kann, wird gemacht.--*

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Den Namen "Schar der Rache" gab Major Freiherr Ludwig Adolf Wilhelm *von Lützow* (1782-1834) im Freiheitskriege der von ihm gesammelten Freischar. Gewöhnlich wird citiert:

*Korps der Rache.--*

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In der Beilage III, Abs. 5 zu *Friedrich Wilhelm III.* (reg. 1797-1840) Verordnung vom 17. März 1813 über die Organisation der Landwehr (gedr. in d. Hartungschen Holbuchdruckerei) heisst es: "Jeder Landwehrmann wird als solcher durch ein Kreuz von weissem Blech mit der Inschrift

*Mit Gott für König und Vaterland*

bezeichnet, welches vorn an der Mütze angeheftet wird". "Pro deo, rege et patria" (Für Gott, König und Vaterland) war nach der Berliner Zeitschrift "Der Bär" (1879, No. 16) schon 1701 der Wahlspruch einer Landmiliz zu Bernau bei Berlin.--

*So fluscht et bäter,* _oder_: *Dat fluscht bäter*

(So geht es besser von statten)

rief in der Schlacht bei Grossbeeren am 23. Aug. 1813 die pommersche Landwehr, die im Regen unbrauchbaren Flinten umkehrend und mit Kolbenschlägen auf die Schädel der Feinde einhauend.