Geflügelte Worte: Der Citatenschatz des deutschen Volkes
Part 34
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Prinz *Louis Napoléon* hielt als ~Präsident~ auf seiner Rundreise durch Frankreich bei einem Banquet, das ihm die Handelskammer von Bordeaux am 9. Oktober 1852 gab, eine Rede, in welcher
*L'empire, c'est la paix*
Das Kaiserreich ist der Friede
vorkam. Der "Kladderadatsch" vom 7. Nov. 1852 formte es prophetisch um in: "L'empire c'est l'épée".--
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*Mac Mahon* (1808-92) schrieb am 9. Sept. 1855 im Krimkriege auf dem erstürmten Malakoff, als ihm vom Oberbefehlshaber durch einen Adjutanten mitgeteilt wurde, die Russen hätten Vorbereitungen getroffen, um das Werk in die Luft zu sprengen, mit Bleistift auf ein Stückchen Papier an den Oberbefehlshaber:
*J'y suis, et j'y reste.* Ich bin da und ich bleibe da.
(vrgl. "Die französischen Marschälle der Gegenwart" von Hauptmann ~Zernin~ in der "Gegenwart", 1881, No. 24, S. 371).--
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Im Kriegsmanifeste vom 3. Mai 1859 verhiess *Napoléon III.* (reg. 1852-70) "ein freies Italien bis zum Adriatischen Meere", eine Verheissung, die in der Form
*Frei bis zur Adria*
ein geflügeltes Wort geworden ist. In der Vorrede zu "Frei bis zur Adria. Österreichische Regierungsgeschichte in Italien" von ~Gustav Rasch~ (Berlin 1860) wird das Wort als Wahlspruch Italiens angeführt.--
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Auf eine Interpellation von Thiers am 14. April 1867 im gesetzgebenden Körper über die auswärtigen Beziehungen antwortete Eugène *Rouher* (1814-84) am 16. unter anderm:
"Der Tag vom 3. Juli (Schlacht bei Sadowa) war ein schwerer für die Männer, welche die Geschicke dieses Landes leiten. Sowohl das Militär wie die öffentliche Meinung hatte geglaubt, Preussen werde seinen kühnen Versuch teuer bezahlen müssen; man hielt es für gewiss, dass es eine Schlappe erleiden werde. Seinem Erfolge, diesem unvorhergesehenen Ereignisse gegenüber, fühlten wir
*patriotische Beklemmungen*"
"*angoisses patriotiques".*"
Das Wort wiederholte er weiterhin in seiner Antwort noch einmal.--
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Im Sept. 1867 sagte *Napoléon III.* in Lille: "Seit den letzten vierzehn Jahren, als ich zum ersten Male die Norddépartements besuchte, sind sehr viele meiner Hoffnungen in Erfüllung gegangen und grosse Fortschritte gemacht worden; allein auch
*schwarze Punkte*
oder:
*dunkle Punkte*
*points noirs*
haben unsern Horizont umwölkt". ~Rouher~ sagte dann im Juli 1870 im Corps Législatif: "Die Expedition nach Mexiko ist der einzige dunkle Punkt in dem glänzenden Bilde".--
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Interpelliert, ob Alles in Kriegsbereitschaft sei, antwortete der Kriegsminister Marschall *Leboeuf* (1809-88) 1870:
(_Nous sommes_) *archiprêts,*
Wir sind erzbereit.--
Amerika.
*Lynchjustiz* (_Lynch law_),
d.i. "Volksjustiz", schreibt sich von John ~Lynch~ her, welcher gegen Ende des 16. Jahrhunderts, als die Kolonialgesetze in den Vereinigten Staaten keinen zuverlässigen Schutz gewährten, von den Bewohnern in Nordcarolina mit unumschränkter gesetzgeberischer, richterlicher und vollziehender Gewalt und Macht bekleidet wurde. Man sagt auch für "Lynchjustiz ausüben" kurzweg
*lynchen.--*
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Benjamin *Franklin* (1706-90) antwortete, wenn man sich in Paris bei ihm nach den Fortschritten der Revolution in Amerika erkundigte:
*Ça ira!*
's wird schon gehen!
Die französische Revolution ergriff das Wort und machte es zu ihrem Hymnus. In den "Briefen von Friedrich ~Matthisson~" (Zürich 1802, S. 146) meldet der 15. Brief (Nismes, 22. März 1792): "Der allgemeine Nationalgruss ist jetzt: 'Ça ira!', worauf 'Cela va!' (es geht schon) erwidert wird".--
Holland.
*Peter Meffert,*
ein Name, den man gebraucht, um einen spürnasigen, ausplaudernden, eitlen Hans in allen Gassen zu bezeichnen, ist nach Dr. Gustav ~Schwetschkes~ "Geschichte des L'Hombre" (Halle 1863, S. 26) der Name des im 17. Jahrh. renommierten Spielkartenfabrikanten Pieter ~Mefferdt~ in Amsterdam. In Johann ~Laurembergs~ 4. Scherzgedicht "Von altmodischer Poesie und Reimen" (V. 348, Hafn. 1648) wird die Spielkarte daher scherzweise "Peter Mefferts Boek" genannt.
In den wertvollen Sammlungen des Herrn ~von Berlepsch~ in Gross-Stöckheim bei Wolfenbüttel befand sich ein gedruckter Spielkarten-Umschlag, auf welchem der Nachfolger Peter Mefferts den Ruhm seines Vorgängers verkündet. So hat auch ~Boiteau~ in den "Cartes à jouer", S. 114 die Abbildung eines Treffbuben (Carte des Flandres, 17. siécle) mit der Zettelschrift PIETER MEFFERDS. ~Lappenberg~ in seiner Ausg. Johann Laurembergs, Stuttgart 1861, bemerkt: "Peter Meffert heft Waaren feil, ist eine scherzhafte Redensart zu Lübeck". Bald wurde Peter Meffert eine allgemeine Bezeichnung. In Christian ~Weises~ 1680 am 6. März in Zittau aufgeführtem "Lustspiel von einer zweifachen Poetenzunft" wird Peter Meffert als Primus einer Schule genannt. Im "Leipziger Musenalmanach aufs Jahr 1777", S. 45, heisst es in dem J. W. G. (Goethe?) unterzeichneten Epigramm "Auf einem gewissen Horcher im Parterr." 1769:
Schreib! um der Welt nichts zu verschweigen, Darfst du nur Mefferts Jünger seyn, Von allen seinen Schmierereyn, Ist auch das Schlechtste nur sein eigen."
Das 39. Gedicht in dem seltenen Buche ~Gleims~ "Sinngedichte" (auf der Gleim-Bibliothek in Halberstadt) trägt den Titel: "Peter Meffert. Nach dem Italiänischen des Paolo Rolli" und beginnt: "Was will nicht alles Peter Meffert seyn?" (Rollis "Rime" erschienen 1717.) Dasselbe Gedicht steht auch bei ~Klotz~ ("Deutsche Bibliothek der schönen Wissenschaften" Bd. 4, Str. 13, Halle 1770) in einer Kritik des obengenannten Gleimschen Buches. ~Wieland~ beklagte sich in einem Briefe an Gleim vom 9. Mai 1770 ("Ausgew. Briefe von Wieland" II, S. 365), dieser habe sein Amadis-Manuscript einem "Peter Meffert" gezeigt, einem "homunculus", der "poetisches Almosen" zu Musenalmanachen zusammenbettele und aus dem Zusammenhang gerissene Stellen "allenthalben wieder vorweise". J. G. ~Jakobi~ schrieb an Gleim (s. dessen Nachlass zu Halberstadt) am 20. Okt. 1775: "die Peter Mefferts haben, wie der leidige Teufel, überall ihr Spiel. Wir aber singen fort und lieben uns".--
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Klassiker-Ausgaben, welche durch wörtliche Übersetzung des Textes der Denkträgheit des Lernenden frönen, werden als Ausgaben
*ad modum Minellii*
in Minellis Art
bezeichnet nach dem Rektor der Erasmus-Schule in Rotterdam Jan ~Minelli~ († 1683), der sich zuerst darin hervorthat.--
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*Blue-stocking,*
*Bas bleu,*
*Blaustrumpf,*
d.h. eine Dame, die sich unter Vernachlässigung ihrer Häuslichkeit in unerfreulicher Weise wissenschaftlich hervorthut, hatte ursprünglich keineswegs die missbilligende Nebenbedeutung, die wir dem Ausdrucke jetzt beilegen, und bezeichnete in der Mehrheit nur Gesellschaften, in denen Kartenspiel verpönt und deren Hauptzweck geistvolle Unterhaltung war. Die Bildung solcher Gesellschaften schreibt man gewöhnlich den drei Damen: Lady ~Montague~, Frau ~Vesey~ und Frau ~Ord~ zu. In diesen Gesellschaften zeichnete sich durch Anmut in der Unterhaltung der Gelehrte ~Stillingfleet~ († 1771) aus, der im Anzuge vernachlässigt, in blauen Kniestrümpfen erschien. Das soll den holländischen Admiral *Boscawen* veranlasst haben, diese Versammlungen "Blaustrumpfgesellschaften" zu nennen, um damit zu bezeichnen, dass in ihnen nur geistige Begabung, nicht der glänzende Anzug den Ausschlag gab.
vrgl. ~Boswell~ "Leben Johnsons", 72. Lebensjahr und das Vorwort zu Miss ~Hannah Mores~ Gedicht "Der Bas bleu oder Konversation". Nach ~Doran~ ("Eine Dame des vorigen Jahrhunderts", Kap. 11, London 1873) werden Herrn Stillingfleets blaue Strümpfe zum ersten Mal in einem Briefe der Lady Montague vom Jahre 1757 erwähnt.--
England.
Über die um 1680 politische Bedeutung gewinnenden Wörter
*Whig* _und_ *Tory*
sagt ~Macaulay~, "Geschichte von England", B. 1, K. 2 (S. 253 Ausg. Tauchnitz):
"In Schottland hatten einige der verfolgten Kirchenabtrünnigen, durch Bedrückung zur Verzweiflung getrieben, den Primas ermordet, gegen die Regierung die Waffen ergriffen, einige Vorteile über die königlichen Truppen errungen, und sie waren erst zur Ruhe gebracht worden, als Monmouth sie bei Bothwell Bridge geschlagen hatte. Diese Eiferer waren sehr zahlreich unter den Bauern des westlichen Nieder-Schottlands, die gewöhnlich "Whigs", genannt wurden. So wurde der Name Whig den presbyterianischen Eiferern Schottlands beigelegt und auf diejenigen englischen Politiker übertragen, welche Neigung zeigten, dem Hofe gegenüberzutreten und protestantische Dissidenten mit Nachsicht zu behandeln. Zur selben Zeit gewährten die Sümpfe Irlands geächteten Papisten eine Zuflucht. Diese Leute hiessen damals "Tories". Daher wurde der Name Tory Engländern gegeben, die nicht dazu beitragen wollten, einen katholischen Prinzen vom Thron auszuschliessen".
"Whig" bedeutet ursprünglich saure Molken; das irische Wort "Tory" ist angeblich soviel wie Räuber.--
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Es war auf der englischen Flotte Sitte gewesen, den Mannschaften ihre Portion Rum ungemischt zu liefern, was manchen Rausch hervorbrachte und die Mannszucht störte. Deswegen verfügte 1740 Admiral *Vernon*, dass der Rum mit Wasser vermischt verabfolgt werden solle. Schon früher hatte der Admiral, der gewöhnlich einen Rock von kameelhärenem Zeug (grogram) trug, von seinen Leuten deshalb den Beinamen "Old Grog" erhalten. Der Name
*Grog*
ging nun auf das von ihm erfundene Getränk über.--
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Das Sir ~Robert~ *Walpole* (1676-1745) zugeschriebene Wort
*Ein jeder Mensch hat seinen Preis*
ist in dieser Schroffheit nicht von ihm gesagt worden. In ~Coxes~ "Memoirs of the life and administration of Sir Robert Walpole" (IV, S. 369) heisst es von ihm: "Redefloskeln verachtete er. Die Auslassungen vorgeblicher Patrioten schrieb er ihren oder ihrer Angehörigen eigennützigen Absichten zu und sagte von ihnen: 'Alle diese Leute haben ihren Preis'!"--
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*Nelson*s (1758-1805) Tagesbefehl in der Schlacht bei Trafalgar am 21. Okt. 1805 lautete:
*England expects that every man will do his duty.*
England erwartet, dass jeder Mann seine Pflicht thun wird.
(vrgl. "The dispatches and lettres of Vice-Admiral Lord Viscount Nelson", Bd. 7, S. 150, London 1845-46.)--
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Dr. ~Johann Jakoby~ bemerkte am 5. Juni 1848 in einer Rede vor Berliner Wahlmännern, dass *O'Conell* (1775-1874) sich einst den
*bestverleumdeten Mann*
der drei Königreiche genannt habe. Das Wort ist vielfach auf Andere übertragen und variiert worden. So sagte Fürst Bismarck im preussischen Landtage am 16. Jan. 1874: "Gehen Sie von der Garonne, um mit der Gascogne anzufangen, bis zur Weichsel, von dem Belt bis zur Tiber, suchen Sie an den heimischen Strömen der Oder und des Rheins umher, so werden Sie finden, dass ich in diesem Augenblicke wohl die am stärksten und--ich behaupte stolz!--die am besten gehasste Persönlichkeit in diesem Lande bin". Seitdem hört man häufiger:
*bestgehasster Mann.--*
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Am 6. April 1852 schrieb das "Albany Evening Journal": "Ein Freund wünscht, dass wir ankündigen, er werde sich zu geeigneter Zeit erlauben, ein neues Wort in das Wörterbuch einzuführen. Der Zweck der beabsichtigten Neuerung ist, die jetzt vorhandene Nötigung zu vermeiden, zwei Wörter, die oft vorkommen, zu gebrauchen, wo eins genügen würde. Das Wort ist
*Telegram*
(Telegramm)
statt 'telegraphische Depesche'" u.s.w. Der Erfinder war der Amerikaner E. P. *Smith* aus Rochester.--
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*Der rechte Mann an der rechten Stelle*
*The right man in the right place*
ist aus einer Rede A. H. *Layard*s entwickelt, die er am 15. Januar 1855 im Unterhause hielt, und worin er sagte: "Ich habe immer geglaubt, dass Erfolg das unvermeidliche Ergebnis sein werde, wenn man sowohl dem Landheere wie der Flotte freie Bewegung gönnte, und wenn wir den rechten Mann abordneten, um die rechte Stelle zu füllen".--
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Der Güterverwalter des Grafen Erne in der irischen Grafschaft Mayo, der englische Kapitän James *Boycott* († 1897), drückte die Pächter seines Herrn derart, dass ihm das empörte Volk Arbeit und Kauf versagte. Unter starkem militärischen Schutz brachten im November 1880 orangistisch gesinnte Arbeiter aus Ulster seine Ernte ein, seine Vorräte in Sicherheit und geleiteten ihn selbst nach einem anderen Ort. Seitdem reden wir in Fällen, wo das Volk zu ähnlicher Selbsthilfe gegen einen Arbeitgeber greift, von
*boycotten*
und nennen ein solches Verfahren auch kurzweg einen
*Boycott.*
Der Ausdruck "boycotting" (boykottieren) soll zum ersten Male in einer Dubliner Zeitung vom 13. November 1880 gestanden haben.--
Deutschland und Österreich.
Bischof Chrodegang von Metz stellte um 760 zur Besserung der verwilderten Geistlichkeit eine Lebensregel, einen Kanon auf. Dieser Kanon verpflichtete sie, sich nach der Morgenandacht vor dem Bischof oder dessen Stellvertreter zu versammeln, der ihnen ein Kapitel der Bibel, besonders aus dem 3. Buche Mose, ~Leviticus~ genannt, vorlas, das religiöse Gesetze, namentlich für Priester und Leviten enthält, woran er dann die nötigen Rügen und Ermahnungen knüpfte. Hiervon wurde nachmals ein Saal, wo dies geschah, "Kapitelstube", eine solche Gemeinschaft "Domkapitel" genannt, und es erklären sich so die üblichen Worte:
*Die Leviten lesen, das Kapitel lesen* _oder_ *abkapiteln, den Text lesen.--*
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Von *Lothar I.* (795-855), der vom Kaiser zum Mönch wurde, stammt nach Matthias Borbonius ("Delitiae Poetarum Germanorum" 1, 685; Frkf. 1612), das Wort her: "Omnia mutantur, nos et mutamur in illis" ("Alles ändert sich und wir ändern uns mit"), was uns in der Form geläufig ist:
*Tempora mutantur, nos et mutamur in illis.*
Die Zeiten ändern sich und wir uns in ihnen.--
Dass der Parteiruf:
*Hie Welf, hie Waiblingen!*
zuerst 1140 in der Schlacht bei Weinsberg vernommen worden sei, gehört nach Jaffé ("Gesch. d. Deutsch. Reich. unt. Conrad III." Hann. 1845, S. 35) ins Reich der Fabel. Dr. ~Souchay~ ("Deutsche Geschichte"), kennt den Ruf in der Form: "Hie Welf, hie Waiblinger!"; in G. ~Webers~ "Weltgeschichte", S. 229 heisst es: "Hie Welf, hie Waibling!" Waiblingen war der Name einer hohenstaufischen Burg, anderthalb Meilen von Stuttgart.--
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Nach der Übergabe von Weinsberg (S. 36 bei Jaffé) wurde, so wird erzählt, den Frauen erlaubt, mit dem, was sie auf den Schultern tragen können, frei abzuziehen. Da kamen sie heraus, eine Jede ihren Mann auf dem Rücken tragend. Man drang in *Konrad III.* diese Arglist zu ahnden. Er aber entgegnete:
"Ein Königswort darf nicht geändert werden"
(~Zincgref~, "Apophthegmata", Strassb. 1626, S. 29 und 30), woraus ~Bürger~ in der Ballade "Die Weiber von Weinsberg", Strophe 11, Vers 3 und 4 gemacht hat:
*Ein Kaiserwort soll man nicht dreh'n, noch deuteln.*
Die Erzählung ist unhistorisch. Zum "Hohenlied", 1, 4 bringt schon der Midrasch eine ähnliche Anekdote; s. ~Tendlau~ "Das Buch der Sagen und Legenden jüdischer Vorzeit", S. 54; ~Bernheim~ in den "Forschungen zur deutschen Geschichte", XV. S. 239 ff.--
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Von ~Ludwig dem Eisernen~, zweitem Landgraf von Thüringen (1140-72), erzählt die "Düringische Chronik" von Joh. Rothe (hrsg. von R. ~von Liliencron~, Jena 1859, S. 292), er wäre im Anfang seiner Regierung so milde und gut gewesen, dass der Übermut der Mächtigen zunahm und das Volk hart bedrückt wurde. Da habe er sich einst im Thüringer Walde auf der Jagd verirrt und habe beim *Schmied von Ruhla*, der ihn nicht kannte, nächtliche Unterkunft gefunden. Die Nacht durch habe der Schmied emsig gearbeitet, und wenn er mit dem Hammer auf das Eisen schlug, so habe er dabei auf den Landgrafen und seine Lässigkeit fluchend und scheltend gerufen: "Nun werde hart", was einen so tiefen Eindruck auf den Fürsten machte, dass er von Stunde an nach dem Rechten sah und wieder Zucht und Ordnung im Lande herstellte (~Otho Melander~ "Joco-Seria" 1603, No. 328). Diese Sage bearbeitete Wilh. ~Gerhard~ (Gedichte, B. 2, S. 24, Leipz. 1826) im Gedichte: "Der Edelacker", aus dem die Worte des Schmieds in der Form:
*Landgraf! werde hart!*
zum Citate geworden sind.--
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Das Wort:
*Caesar non supra grammaticos,*
Der Kaiser hat über Grammatiker nicht zu gebieten,
welches durch das von Burchard ~Waldis~ in der Fabel "Wie ein Sauhirt zum Abt wird" mitgeteilte Sprichwort: "Die Schreibfeder muss Kaiserin bleiben" wiedergegeben und von ~Molière~ "Les Femmes savantes" 2, 6 zu:
*La grammaire qui sait régenter jusqu'aux rois*
Die Grammatik, welche sogar die Könige zu beherrschen weiss,
verarbeitet wird, bezieht sich auf Kaiser ~Sigismund~, der nach des ~Cuspinianus~ Kaiserchronik (unter "Sigismund") auf dem Kostnitzer Konzil (1414-18) "Schisma" als männliches Hauptwort brauchte und, deswegen vom Erzbischof ~Placentinus~ gerügt, lateinisch ausrief: "Placentinus, Placentinus, wenn du auch Allen gefallen solltest, gefällst Du uns keineswegs, da Du meinst, dass wir weniger Autorität besitzen als der Grammatiker Priscianus, den, wie Du behauptest, ich verletzt habe"; vrgl. ~Zincgref~ "Apophth.", Strassb. 1626, S. 60.[75]--~Menzel~ "Geschichte der Deutschen", 3. Aufl., Kap. 325: "Konzilium zu Konstanz", lässt ohne Angabe der Quelle den Kaiser sagen: "Ego sum rex Romanus et supra grammaticam" (Ich bin Römischer König und über der Grammatik).--
[Fußnote 75: ~Sueton~ "Über berühmte Grammatiker" 22 und ~Cassius Dio~ 57, 17 erzählen: Als Tiberius sich eines unlateinischen Wortes bedient und Atteius Capito geäussert hatte, wenn es auch kein lateinisches Wort sei, so würde es von nun an eins werden, sagte Marcellus: "Menschen, o Kaiser, kannst Du das Bürgerrecht wohl geben, aber nicht Wörtern".]
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*O sancta simplicitas!*
*O heilige Einfalt!*
soll *Huss* 1415 (nach ~Zincgref-Weidner~, Amsterdam 1653, 3. T., S. 383) auf dem Scheiterhaufen ausgerufen haben, als er sah, wie ein Bauer (nach von ~Loeper~: "Faust", sowie von Karl ~von Gebler~: "Nachklänge", 1880, 1. Bd., S. 182: "ein altes Mütterchen") in blindem Glaubenseifer sein Stück Holz zu den Flammen herbeitrug. Doch wird schon in der lateinischen Fortsetzung der Kirchengeschichte des Eusebius († 340) durch ~Rufinus~ († 395) B. 10, K. 3 die "sancta simplicitas" erwähnt, mit der ein Bekenner auf dem ersten Konzil zu Nicaea (325) einen bis dahin unüberwindlichen Philosophen zum Schweigen brachte und bekehrte. "Johann Huss und das Konzil zu Costnitz" nach E. de Bonnechose (Leipz. 1848, S. 254) enthält nichts von einem solchen Ausrufe des Huss.--
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Bei jeder Kaiserkrönung in Deutschland rief der kaiserliche Herold:
*Ist kein Dalberg da?*
worauf der anwesende ~Dalberg~ vom neugekrönten Kaiser den Ritterschlag als erster Reichsritter empfing. Zum ersten Male wird dieser einem ~Dalberg~ gewährte Ritterschlag bei der römischen Kaiserkrönung ~Friedrichs III.~ im Jahre 1452 erwähnt. ("Zeitschrift für deutsche Kulturgeschichte". Neue Folge I, S. 101.)--
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*Den gestrigen Tag suchen*
erklärt sich aus Wolf Büttners "627 Histoiren von Claus Narren" (Eisleb. 1572. 21, 51), wonach der Hofnarr *Claus* († 1515) den Kurfürsten Johann Friedrich, welcher klagt: "Den Tag haben wir übel verloren" also tröstet: "Morgen wollen wir alle fleissig suchen und den Tag, den du verloren hast, wohl wieder finden."--
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Ein 1833 erschienener Roman von ~Ludwig Bechstein~ führte den Titel:
*Das tolle Jahr.*
Der Roman behandelt die Geschichte der Stadt Erfurt im Jahre 1509, das wegen städtischer Wirren also benannt wurde. Heute pflegen wir das Jahr 1848 so zu nennen.--
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In ~Zincgref-Weidners~ "Apophthegmata" (Lpzg. 1693, S. 10) heisst es: "Als er (*Maximilian I.*, † 1519) auf eine Zeit gar vertraulich Gespräch hielte mit etlich seiner Leuten von einem und andern Land und Königreich, fället er unter andern auch dieses Urteil: 'Wenn es möglich wäre, dass ich Gott sein könnte und zween Söhne hätte, so müsste mir der älteste Gott nach mir und der andre König in Frankreich sein'". Die Redensart
*leben wie Gott in Frankreich,*
die allein in Deutschland gebräuchlich ist, lässt sich nur aus dieser Anekdote erklären. Man muss annehmen, dass Maximilian in den Mund gelegt wurde, sein erster Sohn müsse Gott, sein zweiter Gott in Frankreich sein.--
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Der Ablasskrämer Johann *Tetzel* (1455-1519) pflegte zu sagen: "sobalde der pfennige ins becken geworffen und clünge sobalde vere die sele, dafür er geleget, ym Himmel" (s. "Görlitzer Annalen" 1509-1542 von Bürgermeister Joh. Hass; abgedr. in d. "Zeitschr. f. histor. Theolog." 4. Heft, Jahrg. 1842, S. 173). Hans ~Sachs~ in seinem Sang "Die Wittenbergisch Nachtigall, Die man yetz höret vberall" (1523) legte dann den Ablasskrämern die Verse in den Mund:
"Legt ein gebt euwer hilff und stewr Und lösst die seel auss dem Fegfewr Bald der guldin im Kasten klinget Die Seel sich auff gen hymel schwinget".
Dies hat sich zu dem geflügelten Wort umgeformt:
*Sobald das Geld im Kasten klingt, Die Seele aus dem Fegfeuer springt.*
Freilich hat ~Tetzel~ in seiner Antithese gegen Luthers 27. These ("Statim ut iactus numus in cistam tinnierit evolare dicunt animam") gesagt, dass eine geläuterte Seele sich auch ohnedem zu Gott aufschwinge, aber er hat damit nicht ganz die reinigende Kraft solcher Spende abgeleugnet. (vrgl. Kayser: "Geschichtsquellen über Tezel" Annab. 1877. S. 13).--
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*Luther* soll am 18. April 1521 vor dem Reichstage zu Worms seine Antwort auf die Frage, ob er widerrufen wolle, mit den Worten geschlossen haben:
*Hier stehe ich! Ich kann nicht anders. Gott helfe mir! Amen.*
Diese Worte stehen an dem Lutherdenkmale, welches 1868 in Worms enthüllt wurde. Nach der ältesten Darstellung hat er aber nur die im Sprachgebrauche der Zeit gewöhnlichen Worte: "Gott helfe mir, Amen!" gesprochen. ("Theologische Studien und Kritiken" von Hundeshagen und Riehm, 1869, 3. Heft, S. 517; ~Ranke~: "Deutsche Geschichte im Zeitalter der Reformation", 6. Aufl., Bd. 1, S. 336.)--
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Mit dem die Richtigkeit einer Rechnung bekräftigenden Worte:
*nach Adam Riese*
erwecken wir das Andenken des Vaters der modernen Rechenkunst, des Bergbeamten Adam ~Ryse~ in Annaberg (1482-1559), dessen Rechenbuch 1523 zu Erfurt erschien.--
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*Bruder Studio*
erklärt ~Scheube~ ("Aus den Tagen unserer Grossväter", S. 174) also: "Als der Gründer der Universität Jena, Kurfürst *Johann Friedrich der Grossmütige* von Sachsen, aus seiner Gefangenschaft bei Kaiser ~Karl V.~ entlassen, am 24. Sept. 1552 feierlichen Einzug hält in seiner neuen Hochschule, da erfreut er sich besonders an der stattlichen Anzahl der ihn jubelnd empfangenden, kräftig frischen Jünglinge. 'Sieh! das ist Bruder Studium!' spricht er lächelnd zu dem im Wagen an seiner Seite sitzenden ~Lukas Cranach~, indem er auf die ihn umgebenden Musensöhne deutet. Das Wort schlägt ein, und bald wird es zur allgemeinen Bezeichnung des deutschen Studenten, als die es wohl bis an das Ende aller Dinge fortleben wird".--
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*Fiat iustitia, et pereat mundus*