Geflügelte Worte: Der Citatenschatz des deutschen Volkes

Part 31

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und wird von ~Hegel~ ("Phaenomenologie" Bamb. u. Würzb. 1807, S. 116 u. "Philos. d. Gesch." 3. Aufl. Berlin 1848, S. 40) und von ~Goethe~ ("Wahlverw." 1809, T. II, K. 5 u. "Sprüche in Prosa" Abt. 5) mit dem Zusatz beleuchtet, dass jeder nur von Seinesgleichen geschätzt werden könne. ~Kant~ aber fasste es anders auf, denn er schrieb (Ausg. v. Hartenstein VIII, S. 618 in "Frgm. aus d. Nachl." † 1804): "Dass ein Fürst vor seinem Kammerdiener viel verliert, kommt daher, weil kein Mensch gross ist", was Schopenhauer ("Welt als Wille u. Vorstellung" II, 439) breiter ausführt. Aus dieser Selbsterkenntnis entsprang des Antigonus Wort.--

* * * * *

Einem gelehrten und gestrengen Kunstrichter geben wir den Namen eines

*Aristarch,*

des berühmten Grammatikers um 150 v. Chr., der sich mit Kritik, namentlich Homers, beschäftigte.--

Rom.

~Livius~ 5, 48, ~Florus~ 1, 13 und ~Festus~ S. 372 (Ausg. v. O. Müller) überliefern, dass der Gallierkönig *Brennus* (390 v. Chr.), als die besiegten Römer sich sträubten, die auferlegten 1000 Pfund Gold Kriegskontribution nach den zu schweren Gewichten der Feinde abzuwägen, höhnend auch noch sein Schwert in die Wagschale geworfen und dabei gerufen habe: "Wehe den Besiegten!" (Vae victis!) Danach sagen wir noch heute

*Sein Schwert in die Wagschale werfen,*

wenn von gewaltsamen Entscheidungen die Rede ist, und citieren das

*Vae victis!*

wie es bereits ~Plautus~ ("Pseudolus" 5, 2, 19) that.--

Der zweite punische Krieg wurde 218 v. Chr. in Karthago also eröffnet, dass der römische Abgesandte, die Toga zu einer Falte zusammenbauschend, sprach: "hierin tragen wir Krieg und Frieden für Euch: nehmet, was Ihr wollt"; (Liv. 21, 18: tum Romanus sinu ex toga facto "hic" inquit "vobis bellum et pacem portamus; utrum placet, sumite"; s. auch Dio Cassius, Frgm. 55, 10). Und als ihm zugerufen wurde, er möge geben, was er wolle, entfaltete er den Bausch des Gewandes und sagte: er gäbe den Krieg. Hierauf beruht das geflügelte Wort:

*Krieg und Frieden in den Falten seiner Toga tragen.--*

* * * * *

Im Jahre 217 v. Chr. sprach P. *Scipio* (nach ~Livius~ XXII, 22, 14) vor Sagunt zum Präfekten Bostar: "habita fides ipsam plerumque obligat fidem" ("gehegtes Vertrauen verpflichtet meistens das Vertrauen selbst", d.h. "die, denen man Vertrauen zeigt, fühlen sich dadurch auch zum Vertrauen verpflichtet"). Dieses Wort wurde in der Form

*Vertrauen erweckt Vertrauen*

folgendermassen zu einem "geflügelten". ~Lehmann~ schrieb in seinem "Florilegium politic. auct." (Frkf. 1662, I, 346 No. 38) "Fides facit fidem"; ~Krummacher~ übersetzte das in seiner 43. Parabel "Das Rotkehlchen" (Duisburg. 1805) mit "Freundliches Zutrauen erweckt Zutrauen"; Pastor ~Schmaltz~ sagte am 12. Sept. 1830 in der Kirche zu Neustadt-Dresden: "Vertrauen erweckt Vertrauen"; König ~Friedrich August II. v. Sachsen~ liess sich, als Prinzregent, das Manuskript der Schmaltzischen Predigt geben und sprach am 20. Sept. (laut der "Dankadresse an S. Kgl. H. d. Prinz. Friedr. Aug., Mitreg. d. Königr. Sachs." Dresd. 22. Sept. 1830) zu den Anführern der Dresdener Kommunalgarde: "Vertrauen erregt wieder Vertrauen, darum vertrauen Sie auch mir"; die Überbringer der Adresse sagten darauf: "Lassen Sie künftig das Wort 'Vertrauen erweckt wieder Vertrauen' als das Panier des sächsischen Volkes gelten". Endlich rief ~Friedrich Wilhelm IV.~ in der Thronrede am 11. April 1847 dem preussischen vereinigten Landtage zu: "Ich gedenke der Worte eines königlichen Freundes: 'Vertrauen erweckt Vertrauen'". Heute lebt das Wort auch in den unteren Volksschichten.--

Auch sagte ~Scipio~ (nach Cicero "de rep." 1, 17, 27 und "de off." 3, 1, 1): "nunquam se minus solum esse, quam cum solus esset"--"er sei nie weniger allein, als wenn er allein sei". Dies kernige Wort wandte ~Goethe~ ins Elegische, indem er seinen Harfner ("Wilhelm Meister" 2, 13) singen lässt:

"Ja! lasst mich meiner Qual! Und kann ich nur einmal Recht ~einsam~ sein, Dann ~bin ich nicht allein~."

Und dies wurde als Citat geläufig durch Pius Alexander ~Wolffs~ "Preciosa" (1821), die aber liebebeseeligt singt (2, 2):

*Einsam bin ich nicht alleine,* Denn es schwebt ja, süss und mild, Um mich her im Mondenscheine Dein geliebtes teures Bild.--

* * * * *

Das eine hartnäckig verteidigte Ansicht bezeichnende

*Ceterum censeo,*

Übrigens bin ich der Meinung,

ist eine Verkürzung des Ausspruches: "Ceterum censeo Carthaginem esse delendam" (übrigens bin ich der Meinung, dass Karthago zerstört werden müsse), den *der ältere Cato* (234-149) mit Bezug auf den 3. punischen Krieg so oft gethan haben soll.

(vrgl. ~Plutarch~ "Cato major", 27: δοκεῖ δέ μοι καὶ Καρχηδόνα μὴ εἶναι. ~Diodor~ B. 37 bei Constantin Porphyrogeneta "von Tugenden und Lastern"; ~Cicero~ "über das Greisenalter" K. 6; ~Livius~, L. 49, Epitome; ~Florus~ 2, 15: delendam esse Carthaginem; ~Valerius Maximus~ 8, 15, 2; ~Velleius Paterculus~ 1, 13; ~Aurelius Victor~ "de viris illustribus", K. 47: Carthaginem delendam censuit; ~Plinius~, N. H., 15, 20.--Englische und französische Schriftsteller sprechen nie von "Ceterum censeo", stets von "Carthago delenda").--

~Catos~:

*Ein Haruspex muss das Lachen bezwingen, wenn er den andern sieht,*

(strengwörtlich: "Er wundere sich, dass ein Haruspex[68] nicht lacht, wenn er einen Haruspex gesehen habe". "Mirari se, quod non rideret haruspex, haruspicem cum vidisset") hat ~Cicero~ ("de divinatione" 2, 24, 51) uns aufbewahrt, (vrgl. auch ~Cicero~ "de natura deorum" 1, 26, 71: "mirabile videtur, quod non rideat haruspex, cum haruspicem viderit.") Statt Haruspex wird oft Augur[69] citiert.--

[Fußnote 68: Ein Priester, der den Willen der Götter aus den Eingeweiden der Opfertiere herauslas.]

[Fußnote 69: Ein Priester, der aus dem Flug und Ruf der Vögel weissagte.]

* * * * *

Nach *Lucullus* († vermutlich 57 v. Chr.), der ungeheure Reichtümer erworben hatte und den Schluss seines Lebens in verschwenderischer Üppigkeit verbrachte, nennen wir ein ausgesucht feines Gastmahl

*lucullisch.--*

* * * * *

~Tusculanum~ (sc. rus, Tusculanischer Landsitz) war der Name mehrerer Güter ~bei~ Tusculum, dem jetzigen Frascati, auf welche sich die Rommüden, Varro, Hortensius, Pompeius, Cicero, Caesar, L. Crassus, M. Crassus, Balbus, Metellus und Lucullus, zurückzuziehen pflegten. Wir nennen also den ruhigen Landsitz eines Grossstädters fälschlich sein

*Tusculum*

(s. die Belegstellen aus Cicero, Plinius und Martial in den Lexicis von Forcellini und Freund).--

* * * * *

*Den Rubicon überschreiten*

sagt man von einem folgenschweren Entscheidungsschritt, wie es der Übergang *Caesar*s (Januar 49 v. Chr.) über den Rubicon war, weil dadurch der Bürgerkrieg entfesselt wurde (s. Kap. X bei ~Menander~).--

Das Wort Cäsars an seinen auf stürmischer See verzagenden Bootsmann (48 v. Chr. an Illyriens Küste)

*Du trägst den Cäsar und sein Glück,*

Καίσαρα φέρεις καὶ τὴν Καίσαρος τύχην (συμπλέουσαν)

teilt ~Plutarch~ "Cäsar", 38 mit (vrgl. Plutarch "Über das Glück der Römer", 6, und "Aussprüche von Königen und Feldherren". Ebenso ~Appian~ de bell. civ. II, 47, doch ohne συμπλέουσαν. Florus 4, 2 und Cassius Dio 41, 46 kennen nur: "Du trägst den Cäsar".)--

~Plutarch~ ("Leben Cäsars", Kap. 11 und "Aussprüche von Königen und Feldherren") hat auch das Wort aufbewahrt, welches ~Cäsar~ beim Anblick eines elenden Alpenstädtchens seinen Begleitern zurief:

(_Ich möchte_) *lieber der Erste hier, als der Zweite in Rom* (_sein_).--

Den Ausspruch ~Cäsars:~

*Veni, vidi, vici,*

*Ich kam, ich sah, ich siegte,*

mit dem er seinen bei Zela (2. Aug. 47 v. Chr.) schnell errungenen Sieg brieflich dem Freunde Amintius in Rom anzeigte, überliefert ~Plutarch~ in seinen "Aussprüchen von Königen und Feldherren" (s. auch ~Plutarch~ "Cäsar", 50, ~Seneca~ "Suasoriae" II, § 22, Bursian, ~Cassius Dio~ 42, 48, ~Polyaenus~ "Strat." 1, 30). Nach ~Sueton~ ("Cäsar", 37) prangten diese Worte als Inschrift auf einer bei Cäsars pontischem Triumphzuge einhergetragenen Tafel.--

Es wird bestritten, dass ~Julius Cäsar~ († 44 v. Chr.) bei seiner Ermordung mit dem Ausrufe:

*Auch Du, mein Brutus!*

zu Boden gesunken sei, mit dem ~Shakespeare~ ("Julius Cäsar" 3, 1) ihn sterben lässt, und der in ~Schillers~ "Räubern" (4, 5 im Römergesang, Strophe 4) benutzt ist. ~Sueton~ ("Julius Cäsar", K. 82) teilt mit, dass er bei der ersten Wunde ein einziges Mal aufgeseufzt, aber kein Wort geäussert habe. Freilich fügt er hinzu, dass Einige erzählen, er habe dem auf ihn eindringenden Brutus auf griechisch zugerufen: "Auch du gehörst zu Jenen? auch du, mein Kind?" (καὶ σύ τέκνον). ~Cassius Dio~ 44, 19, erzählt, Cäsar hätte wegen der Menge der auf ihn Eindringenden Nichts sagen noch thun können, sondern habe sich verhüllt und sei durch viele Wunden ermordet worden. Er fügt hinzu: "Das ist am verbürgtesten. Doch damals sagten schon Einige, dass er zum Brutus, der heftig auf ihn losstiess, sprach: Auch du, mein Kind?" Es wird auch kurzweg gesagt:

*Tu quoque?*

Auch Du?--

* * * * *

~Sueton~ ("Leben des Augustus", 87), erzählt, dass Kaiser *Augustus* (reg. 31 v.-14 n. Chr.) im täglichen Leben gewisse Worte oft wiederholt, z.B. von faulen Schuldnern häufig gesagt habe, sie würden

*ad Calendas graecas,*

an den griechischen Kalenden,

d.h. am Nimmermehrstage, bezahlen. Denn "Calendae" hiess im römischen Kalender der erste Tag jedes Monats ein Zahlungstermin der Römer, während die Griechen keine solche "Kalenden" hatten.--

*Σπεῦδε βραδέως,*

*Festina lente.*

*Eile mit Weile,*

führte ~Augustus~ auch oft im Munde, (vrgl. ~Sueton~ "Leben d. Aug.", 25 u. ~Polyaenus~ "Strateg." 8, 24.) ~Sophokles~ ("Antigone", v. 231) bringt schon einen ähnlichen Gedanken.--

Nach dem ~jüngeren Seneca~ ("De clementia" 1, 9) schenkte ~Augustus~ auf den Rat der Gattin Livia dem Verschwörer L. C. ~Cinna~ das Leben und sprach dabei die edlen Worte: "Cinna ... ex hodierno die inter nos amicitia incipiatur", "Cinna ... vom heutigen Tage an möge unsere Freundschaft beginnen!" Wir citieren dies aus ~Corneilles~ "Cinna" (1693) 5, 3 in gedrängter Kürze also:

*Soyons amis, Cinna!*

Seien wir Freunde, Cinna!--

Auch wird der Verzweiflungsruf des ~Augustus~, den er bei der Nachricht von der Niederlage im Teutoburger Walde (Sept. d. J. 9 n. Chr.) ausstiess, also citiert:

*Varus, gieb mir meine Legionen wieder!*

während ~Sueton~ ("Leb. d. Aug.", 23) überliefert:

"Quinctili Vare, legiones redde".--

~Sueton~ ("Leben des Claudius", 21) überliefert uns auch das Wort:

*Ave, imperator, morituri te salutant.*

Heil, dir Kaiser! Die dem Tode Geweihten begrüssen dich.

Als nämlich Kaiser ~Claudius~ (reg. 41-54) zur Feier der Vollendung des Abzugskanals aus dem Fucinersee ein blutiges Seegefecht gab, begrüssten ihn mit obigen Worten die Fechter. Des Kaisers Gegengruss: "Seid gegrüsst" nahmen sie irrtümlich für die Erlaubnis, nicht zu kämpfen, so dass Claudius sie drohend zum Kampfe antreiben musste. (S. ~Cassius Dio~, 60, 50.)--

* * * * *

Der Verschwörung gegen Kaiser ~Claudius~ verdächtigt, wurde ~Caecina Paetus~ (42 n. Chr.) zum Tode verurteilt. Da stiess sich seine Gattin *Arria* den Dolch in den Busen, zog ihn aus der Wunde und reichte ihn dem Gatten zum Selbstmorde mit dem heldenmütigen Ruf:

*Paete, non dolet!*

Paetus, es schmerzt nicht!

Diesen Ausruf nennt bereits ~der jüngere Plinius~ († 79 n. Chr. "Epist." 3, 16) "unsterblich". Wir citieren ihn auch nach der Wortfolge bei ~Martial~ (1, 14) also:

*Non dolet, Paete!--*

* * * * *

~Sueton~ ("Leben des Vespasian", 23) und ~Cassius Dio~ (66, 14) teilen die Entstehung eines in verschiedenen Fassungen, auch in der Form:

*Non olet,*

*Geld stinkt nicht,*

bekannten Ausspruches des *Vespasian* (reg. 69-79) mit. Als ihn sein Sohn Titus wegen einer auf Bedürfnisanstalten (daher: Vespasiennes) gelegten Steuer getadelt hatte, hielt er ihm das erste aus dieser Steuer eingekommene Geld vor die Nase und fragte ihn, ob es röche. Und als dieser die Frage verneinte, sagte er: "Und dennoch ist es aus Harn". Auf ~Vespasians~ Wort bezieht sich ~Juvenal~ 14, 204:

Lucri bonus est odor ex re qualibet.

Der Geruch des Gewinns ist gut, woher dieser auch stamme.--

* * * * *

Aus ~Sueton~ ("Leben des Titus", 8) kennen wir das, wie er sagt, "merkenswerte und mit Recht gelobte" Wort, das Kaiser *Titus* (reg. 79-81) einst bei Tafel ausrief, als ihm einfiel, dass er an jenem Tage noch Keinem etwas Gutes gethan habe:

(_Amici,_) *diem perdidi.*

(_Freunde,_) *ich habe einen Tag verloren.*

Nach ~Zincgref~ ("Apophth." Strassb. 1626, S. 137) führte Herzog ~Friedrich der Weise~, Kurfürst von Sachsen, das deutsche Wort im Munde.--

* * * * *

Als Kaiser ~Konstantin~ 312 n. Chr. wider Maxentius zog, erschien ihm am Mittagshimmel ein Kreuz und die Worte "τούτῳ νίκα", "damit siege!", wie Eusebius ~Pamphili~ (bl. um 320) im "Leben Konstantins" 1, 28 berichtet. Wir citieren dies Geheiss lateinisch in der Form der Verheissung:

(_In_) *hoc signo vinces,*

In diesem Zeichen wirst du siegen.--

* * * * *

*Kollation,*

womit im gemeinen Leben ein einfaches Mahl bezeichnet wird, ist der Klostersprache entlehnt, wo es das Abendessen der Mönche an Fasttagen bedeutete, weil dann vor dem Essen je ein Kapitel aus des Kirchenlehrers Johannes ~Cassianus~ († 440 n. Chr.) "Collationes patrum Sceticorum" (d.h. geistliche Gespräche der Mönche in der sketischen Wüste) vorgelesen wurde. (Die "Collationes" erschienen erst 1559 in Basel).--

Italien.

Francesco ~da Buti~, einer der ältesten Erklärer ~Dantes~, erwähnt zu der Stelle des "Fegefeuers" XXIV, 23 und 24, dass Papst *Martin IV.* (1281-85), wenn er aus dem Konsistorium kam, zu sagen pflegte: "Wieviel haben wir für die heilige Kirche Gottes gelitten!

*Ergo bibamus!"*

(Darum wollen wir einmal trinken!)

Das Wort ist besonders als Titel des ~Goethe~schen im Kap. III erwähnten Liedes ("Hier sind wir versammelt ...") bekannt, in welchem "Ergo bibamus" neunmal vorkommt. In den Bemerkungen "Zur Farbenlehre" (Polemischer Teil, No. 391, Tüb. 1810) sagt Goethe:

"Es fällt uns bei dieser Gelegenheit ein, dass Basedow, der ein starker Trinker war und in seinen besten Jahren in guter Gesellschaft einen sehr erfreulichen Humor zeigte, stets zu behaupten pflegte: die Conclusion 'Ergo bibamus' passe zu allen Prämissen. Es ist schön Wetter, ergo bibamus! Es ist ein hässlicher Tag, ergo bibamus! Wir sind unter Freunden, ergo bibamus! Es sind fatale Bursche in der Gesellschaft, ergo bibamus! So setzte auch Newton sein ergo zu den verschiedensten Prämissen."--

* * * * *

*Ei des Columbus*

ist die Umänderung der volkstümlichen spanischen Redensart

"Hänschens Ei".

In ~Calderons~ "La dama duende" ("Die Dame Kobold"), bald nach dem 4. Nov. 1629 aufgeführt, 2. Aufz., heisst es:

Ahora sabes lo del huevo de Iuanelo, que los ingenios mas grandes trabajaron en hacer que en un bufete de jaspe se tuviese en pié, y Iuanelo con solo llegar, y darle un golpecillo, le tuvo?

Das andere (Geheimnis) Kennst du doch, mit Hänschens Ei? Womit viele hoch erhabne Geister sich umsonst bemühten, Um auf einen Tisch von Jaspis Solches aufrecht hinzustellen; Aber Hänschen kam und gab ihm Einen Knicks nur, und es stand.

Die Redensart "Hänschens Ei" ward von ~Vasari~ in seinen "Künstlerbiographien" (1. Aufl. 1550) umgestaltet auf den Baumeister Filippo ~Brunelleschi~ übertragen. Als dieser bei einer Versammlung von Architekten aus allen Ländern, welche (vor 1421) nach Florenz berufen worden waren, um zu beraten, wie man den unvollendeten Bau des Domes Santa Maria del fiore mit einer Kuppel abschliessen könnte, seinen kühnen Plan entwickelte, wurde er bitter verhöhnt, und nun nahm er im gerechten Zorn erst dann wieder an den Beratungen teil, nachdem an ihn eine ehrenvolle Einladung ergangen war. "Die anderen Baumeister", erzählt der Anekdotenliebhaber ~Vasari~, hätten gern gesehen, dass er seine Meinung eingehend entwickelt und sein Modell gezeigt hätte, wie sie die ihrigen. Das wollte er nicht; aber er machte den inländischen und ausländischen Meistern den Vorschlag, dass derjenige, welcher ein Ei der Länge nach fest auf eine Marmorplatte stellen könnte, die Kuppel bauen solle, da sich hierin ihr Talent zeigen würde. Nachdem man also ein Ei genommen hatte, versuchten sich alle diese Baumeister, es aufrecht stehen zu lassen; aber keinem gelang es. Als man nun den ~Filippo~ das Ei aufrecht hinzustellen aufforderte, nahm er es mit Grazie, stiess es mit dem schmalen Ende auf die Marmorplatte und brachte es so zum Stehen. Als die Künstler riefen, dass sie es so auch hätten machen können, antwortete ihnen Filippo lachend, sie würden es auch verstanden haben, die Kuppel zu wölben, wenn sie sein Modell oder seine Zeichnung gesehen hätten. Und so wurde beschlossen, dass er beauftragt werden sollte, den Bau zu leiten". Auf Brunelleschi passte das Beispiel vom Ei trefflich, weil die von ihm und Ghiberti vollendete Kuppel in der That die Form eines an der Spitze eingedrückten Eies hat. ~Benzoni~ ("Geschichte der neuen Welt" 1, 5, Venedig 1565) überträgt diese Erzählung auf ~Columbus~, räumt jedoch ein, dass er den Vorgang, der sich nach der ersten Reise des Columbus auf einem ihm zu Ehren gegebenen Gastmahl des Kardinals ~Mendoza~ (1493) zugetragen haben soll, nur ~durch Hörensagen~ wisse (~Voltaire~, "Essai sur les moeurs", [1739], chap. 144; ~Humboldt~, "Kritische Untersuchungen über die historische Entwickelung der geographischen Kenntnisse von der neuen Welt", II. Bd., S. 394).--

* * * * *

*Qui mange du pape, en meurt*

Wer isst, was vom Papst kommt, stirbt daran

stammt aus der Zeit des Papstes ~Alexander VI. Borgia~ († 1503), weil er ihm unbequeme Personen dadurch bei Seite schaffte, dass er ihnen bei seinen Gastmählern mit Gift gemischten Wein vorsetzte. Warum wird das Wort nur französisch citiert? Wer meldet es zuerst?--

* * * * *

*Aut Caesar aut nihil*

Entweder Cäsar oder Nichts

war die unter einem Kopfe des römischen Cäsar angebrachte Devise ~Cesare~ *Borgia*s († 1507).--

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~Julius Meyer~ ("Correggio", Leipz. 1871, S. 23) spricht von einer bekannten Erzählung,

"die, soweit sich verfolgen lässt, zuerst der Pater Resta aufbrachte: bei einer Anwesenheit in Bologna habe *Correggio* (1494-1534) vor dem Bilde der heiligen Cäcilia von Rafael (früher in der Kirche S. Giovanni in Monte) ausgerufen:

*Anch' io sono pittore!*

Auch ich bin Maler!

Zur Zeit, als der Meister allenfalls in Bologna gewesen sein könnte, d.h. im Jünglingsalter, war die Cäcilia noch gar nicht dort; überhaupt werden wir sehen, dass er höchst wahrscheinlich so wenig in Bologna wie in Rom gewesen ist. Möglich, dass die Fabel entstanden, indem man hinsichtlich der Komposition in einer Figur auf dem Bilde der heiligen Martha von Correggio eine Art von Wiederholung des Paulus aus der Cäcilia des Rafael zu finden meinte u.s.w."

Es wäre wünschenswert gewesen, wenn Julius ~Meyer~ angegeben hätte, wo Resta (ungefähr um 1700) die fragliche Äusserung gethan haben soll. Seine Kunstbriefe in den "Lettere pittoriche" des Bottari enthalten die Geschichte nicht.--

* * * * *

*Ad maiorem Dei gloriam,*

Zum grösseren Ruhme Gottes

kommt sehr häufig in den "Canones et decreta oecumenici concilii Tridentini" (1545-1563) vor.--

* * * * *

In einer portugiesischen Sammlung von Kernsprüchen (Collecç. polit. d. apophth. memorav. p. D. Pedr. Jos. Suppico de ~Moraes~, Lissab. 1733, T. 2, B. 2, S. 44) wird von Papst *Julius III.* (1550-55) erzählt, er habe einem portugiesischen Mönche, der ihn bemitleidete, weil er mit der Herrschaft über die ganze Welt belastet sei, geantwortet: "Wenn Ihr wüsstet, mit wie wenig Aufwand von Verstand die Welt regiert wird, so würdet Ihr Euch wundern". Dies mag der Ursprung des Wortes sein:

*An nescis, mi fili, quantilla prudentia mundus regatur* (_oder:_ *regatur orbis*)?

Weisst du denn nicht, mein Sohn, mit wie wenigem Verstande die Welt regiert wird?

womit (nach Lundblad: "Schwedischer Plutarch") Axel *Oxenstjerna* (1583-1654) seinen Sohn beschwichtigte, der sich dem Posten eines schwedischen Gesandtschaftschefs nicht gewachsen fühlte. Andere nennen Andere als Urheber des Wortes.--

* * * * *

Dass ~Galilei~ (1564-1642) die Abschwörung seiner Lehre von der Bewegung der Erde mit dem Worte:

*Eppur si muove!*

Und sie bewegt sich doch!

begleitet habe, ist eine Erfindung, die das "Dictionnaire des portraits historiques anecdotes et traits remarquables des hommes illustres" (Paris, Lacombo, 1768-9, Bd. II) als eine Thatsache auftischt. (~Wohlwill~, "Der Inquisitionsprozess des Galileo Galilei", Berl. 1870. Karl von Gebier, "Galileo Galilei und die römische Kurie". Stuttg. 1876, I, S. 310).--

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*Teleskop* (_eigentlich Teleskopium_)

für "Fernrohr" (erf. 1608) schlug zuerst der gelehrte Gräcist *Demiscianus* dem Fürsten ~Cesi~ vor (vrgl. K. v. Gebler "Galileo Galilei ..." Stuttg. 1876. I, 24).--

* * * * *

*Elle est grande dans son genre, mais son genre est petit*,

Sie ist gross in ihrem Gebiete, aber ihr Gebiet ist klein,

sagte die Sängerin Angelica *Catalani* (1782-1849) von der Sängerin Henriette ~Sontag~ an der Tafel des Beerschen Hauses in Berlin (Holtei: "Vierzig Jahre" IV, Berlin 1843-44, S. 33). Es scheint aber, als habe die Catalani das Wort einem Alexandriner entnommen: "Dans son genre il est grand, mais son genre est petit", dessen Quelle noch zu erforschen wäre.--

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*L'Italia farà da se,*

Italien wird ganz allein fertig werden,

gewöhnlich als Devise des italienischen Freiheitskampfes von 1849 hingestellt, wurde nach ~Reuchlin~ ("Geschichte Italiens", II, 1, S. 155) vom damaligen Minister des Auswärtigen in Piemont, *Pareto*, vielmehr den "Interventionsgelüsten der französischen Radikalen ins Gesicht geschleudert". v. ~Treitschke~: "Bundesstaat und Einheitsstaat" nennt es den Wahlspruch ~Cesare~ *Balbo*s (1789-1853); nach ~Theodor Mundt~, "Italienische Zustände", 1, 58 war diese Devise vom König von Sardinien *Karl Albert* (1798-1849) und seinem Kaplan Vincenza *Gioberti* (1801-52) zuerst ausgegangen.

Ernesto Masi sagt in seinem Buche "Il segreto del re Carlo Alberto" (Bologna. 1891), dass der König die Worte in einem Ministerrat 1845 ausgesprochen habe. Leopardi aber, 1848 ausserordentlicher Gesandter des Königs beider Sizilien am Hofe von Sardinien, erzählt, dass in einem Gespräche mit dem Könige am 12. Juni dieser zu ihm sagte: Man hat mir die Worte "L'Italia farà da se" zugesprochen; ich habe sie nicht erfunden, mir aber angeeignet, und ich glaube, dass man nichts Geeigneteres sagen könnte" (Narrazioni storiche, Turin 1856, cap. 49, pag. 230). vrgl. Fumagalli.--

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Nach ~Massari~ "La vita ed il regno di Vittorio-Emanuele II. di Savoia", Mailand 1878, sagte Minister d'Azeglio zu *Vittorio Emanuele II.* (reg. 1849-1878) im Anfange seiner Regierung: "Die Geschichte zählt so wenig Könige, die Ehrenmänner sind, dass es eine schöne Aufgabe wäre, jetzt die Reihe zu beginnen." "Soll ich also dieser König-Ehrenmann sein?" fragte der König ihn lächelnd. Beim Jahresschlusse wurde der König aufgefordert, seinen Namen in die Volkszählliste der Stadt Turin einzuzeichnen. Er schrieb in die Rubrik "Stand und Stellung":

"*Rè galantuomo*".

(König und Ehrenmann.)

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