Geflügelte Worte: Der Citatenschatz des deutschen Volkes

Part 26

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bildete, seit man vom 6. Jahrh. an die Diktatur nicht mehr in Rom anwenden wollte, das sogenannte senatus-consultum ultimum, welches die Konsulargewalt zu einer diktatorischen machte (s. ~Cicero~ "pr. Mil." 26, 70, "in Catil." I, 2, 4, "Phil." 5, 12, 34, "Fam." 16, 11, 3; ~Cäsar~ "de bell. civ." 1, 5, 3; 1, 7, 4; Liv. 3, 4, ~Sallust~ "Catil." 29, ~Plutarch~ "C. Gracch." 14 u. "Cic." 15.)--

Aus ~Ciceros~ "de fin." 5, 25, 74 stammt:

*Consuetudo* (_quasi_) *altera natura,*

*Die Gewohnheit ist* (_gleichsam_) *eine zweite Natur;*

~Galenus~ ("De tuenda valetudine", cap. 1) bietet die heute übliche Form: "Consuetudo est altera natura". Schon in des ~Aristoteles~ "Rhetorik", 1370a 6 (Bekker) heisst es: "die Gewohnheit ist der Natur gewissermassen ähnlich" (τὸ εἰθισμένον ὥσπερ πεφυκὸς ἤδη γίγνεται).--

In ~Ciceros~ "Tuscul." 1, 17, 39 heisst es:

*Errare .. malo cum Platone, .. quam cum istis vera sentire,*

Lieber will ich mit Plato irren, als mit denen (den Pythagoreern) das Wahre denken.--

*Di minorum gentium*

(wörtlich: "Götter aus den geringeren Geschlechtern") nennen wir die untergeordnete Schicht einer Klasse Menschen mit Beziehung auf das "maiorum gentium di" (d.h. "die oberen zwölf Götter" bei ~Cicero~ "Tusc." 1, 13, 29), Bezeichnungen, die daraus entsprangen, dass Tarquinius ausser den von Romulus berufenen "patres maiorum gentium" ("Senatoren aus den hervorragenden Geschlechtern") auch "patres minorum gentium" ("Senatoren geringerer Herkunft") berief (vrgl. Cicero "d. rep." 2, 20; Liv. 1, 35, 6 und dazu das "Patrici minorum gentium" bei Cic. "Fam." 9, 21 und Liv. 1, 47, 7).--

Aus ~Ciceros~ I. "Philippica", 5, 11 und zugleich aus "De finibus" 4, 9, 22, (vrgl. Livius 23, 16 im Anfang, wo es in nicht übertragener Bedeutung steht) stammt die für eine den Staat bedrohende Gefahr gebräuchlich gewordene Wendung:

*Hannibal ad* (~nicht: ante~) *portas.*

su Hannibal (ist) an den Thoren.

Diese Redensart, wie die Erinnerung an Catilina und an das aus ~Livius~ (XXI, 7: "dum ea Romani parant consultantque, iam Saguntum summa vi oppugnabatur") geschöpfte Wort:

*Dum Roma deliberat, Saguntum perit,*

Während Rom beratschlagt, geht Sagunt zu Grunde,

(auch in der Form:

*Roma deliberante Saguntum perit*

citiert) wurden von ~Goupil de Préfeln~ in einer Sitzung der konstituierenden Versammlung von 1789 zu dem unrichtigen Citate vermischt:

*Catilina est aux portes, et l'on délibère.*

Er stichelte damit auf ~Mirabeau~, der diesem Worte dadurch erst recht Bahn verschaffte, dass er es in seiner berühmten Rede zur Abwendung des Bankerotts wiederholte und variirte.--

In ~Ciceros~ II. "Philippica" 14, 35, "pro Milone" 12, 32 und "pro Roscio Amerino" 30, 84 und 31, 86 wird das uns geläufige

*cui bono?*

(Wozu?)

*(A quoi bon?)*

eigentlich: "Wem zum Nutzen?" ausdrücklich als ein Wort des L. *Cassius* bezeichnet. Aus der zuletzt angeführten Stelle ersehen wir, dass L. Cassius, ein Mann von äusserster Strenge, bei den Untersuchungen über Mord den Richtern einschärfte, nachzuforschen, "cui bono", wem zum Nutzen das Ableben des Ermordeten war.--

Cicero spricht in seiner Rede "pro Roscio Amer." 16, 47: "Homines notos sumere odiosum est, cum et illud incertum sit, velintne hi sese nominari" ("angesehene Leute nennen, ist eine heikle Sache, da es auch zweifelhaft ist, ob sie selbst genannt werden wollen"). Daher sagen wir, wenn es gescheidter ist, keine Namen zu nennen:

*Nomina sunt odiosa,*

Namen sind verpönt.--

Aus ~Ciceros~ Rede "pro Milone" 4, 10 ist bekannt:

*Silent leges inter arma.*

Im Waffenlärm schweigen die Gesetze.

~Lucanus~ ahmt diese Worte ("Pharsalia" I, 277) also nach: "Leges bello siluere coactae".--

Die altrömische Formel des Richters, der nicht entscheiden kann, ob Schuld oder Unschuld vorliegt, das

*Non liquet*

citieren wir aus Cicero "pro Cluentio" 28, 76 (vrgl. Gellius 14, 2. g. E. und das "liquet" bei Cicero "Caecin." 10; Quintilian "Instit." 3, 6, 12): "Deinde homines sapientes, et ex vetere illa disciplina iudiciorum, qui neque absolvere hominem nocentissimum possent, neque eum, de quo esset orta suspicio, pecunia oppugnatum, re illa incognita, primo condemnare vellent, ~non liquere~ dixerunt." "Darauf gaben einsichtige Männer von der alten Schule der Geschwornengerichte, die weder solchen Verbrecher freisprechen konnten, noch ihn, gegen Den, wie man munkelte, mit Bestechung der Richter vorgegangen war, vor Untersuchung dieser Sache im ersten Termin verurteilen wollten, folgenden Spruch ab: ~es ist nicht aufgeklärt~."--

Weil ~Cicero~ seine Reden gegen Antonius im Vergleich mit den gewaltigen Reden des ~Demosthenes~ gegen Philipp von Macedonien "Philippische" nannte, so nennt man noch heute jede Donnerrede eine

*Philippika.--*

Der Titel der ~Cicero~nischen Rede "de domo sua" ist in der älteren Lesart

*pro domo*

für das eigene Haus

zum allgemeinen Ausdruck für jede Thätigkeit geworden, die auf Erhaltung der eigenen Habe abzielt, und wir nennen danach eine der Selbstverteidigung oder dem eigenen Vorteil dienende Rede eine

*oratio pro domo.--*

Aus ~Ciceros~ ("De harusp. respons." 20, 43) Redewendung: "resistentem, longius, quam voluit, popularis aura provexit", "Die Volksgunst trieb den Widerstrebenden weiter, als er wollte", stammt das später von Vergil, Horaz, Livius und Quintilian ähnlich angewandte Wort:

*aura popularis,*

Hauch der Volksgunst.--

*Suum cuique*

*(Jedem das Seine)*

finden wir bei ~Cicero~ "de offic." 1, 5; "de natur. deor." 3, 15, 38; "de leg." 1, 6, 19; (vrgl. ~Tacitus~: "Annalen", 4, 35, ~Plinius~: "Natur. hist." 14, 6, 8 und den ähnlichen Gedanken bei ~Theognis~ 332 u. 546).

"De finibus" 5, 23, 67 sagt ~Cicero~: "Iustitia in suo cuique tribuendo cernitur", "Die Gerechtigkeit erkennt man daran, dass sie Jedem das Seine zuerteilt"; und "suum cuique tribuere" ist eine Rechtsregel ~Ulpians~ ("Corp. iur. civ." "Digest." I, 1 "de iustitia et iure" § 10); daher es in ~Shakespeares~ "Andronicus" 1, 2 heisst: "Suum cuique spricht des Römers Recht". Friedrich I. von Preussen wählte das "Suum cuique" zur Inschrift vieler Medaillen und Münzen und zum Motto des am 17. Januar 1701 gestifteten Ordens vom schwarzen Adler, und seitdem blieb es Preussens Wahlspruch.--

Das von ~Cicero~ "de offic." 1, 10, 33 als "abgedroschenes Sprichwort" citierte

*Summum ius, summa iniuria*

Das höchste Recht (ist) das höchste Unrecht

scheint eine spätere Fassung des Sprichwortes in des ~Terenz~ "Heautontimorumenos" 4, 5 zu sein:

Dicunt: ius summum saepe summa est malitia.

Man pflegt zu sagen: Das höchste Recht ist oft die höchste Bosheit.

~Luther~ 21, 254 schreibt: "Wie der Heide Terentius sagt: 'Das strengest Recht ist das allergrossest Unrecht'". (23, 295 führt Luther das Wort auf ~Scipio~ zurück.)--

Aus ~Ciceros~ "de offic." 1, 16, 52, wo es sich um allgemeine Gefälligkeiten gegen Jedermann handelt, wie z.B. dass wir es Jedem gestatten müssen, sich an unserem Feuer das seinige anzuzünden, citieren rauchende Gelehrte, um Feuer bittend:

*Ab igne ignem.*

Vom Feuer Feuer.--

"De offic." 1, 22, 77 enthält den von ~Cicero~ selbst verfertigten Vers:

*Cedant arma togae, concedat laurea laudi,*

Es mögen die Waffen der Toga, d.h. dem Friedensgewande, nachstehen, der Lorbeer der löblichen That,

worüber er sich in der Rede "in Pisonem" 29 und 30 eines Weiteren auslässt, während er nur "cedant arma togae" in der 2. "Philippica" 8 schreibt.--

Aus "de offic." 1, 31, 110 kennen wir das schon hier von ~Cicero~ als Sprichwort citierte, in "ad familiares" 3, 1 und 12, 25 wieder vorkommende und von ~Horaz~ in der "Kunst zu dichten", 385, angewendete

*Invita Minerva;*

Wider den Willen der Minerva;

aus "de offic." 3, 1, 3:

*ex malis eligere minima;*

*von zwei Übeln das kleinere wählen;*

"minima de malis" war nach 3, 29, 105 sprichwörtlich.--

Aus ~Ciceros~ "de offic." 3, 33, 117 (sed aqua haeret, ut aiunt) und aus "ad Quintum fratrem" 2, 8 (in hac causa mihi aqua haeret) stammt:

*Hic haeret aqua,*

Hier stockt es.--

Aus ~Cicero~ "de legibus" 3, 3, 8 citieren viele:

(_his_) *salus populi suprema lex* (_esto_),

Für diese (nämlich für die Regierenden) sei das Wohl des Volkes das vornehmste Gebot.--

In "de finibus" 2, 32, 105 führt ~Cicero~ als Sprichwort an:

*Iucundi acti labores;*

Angenehm (sind) die gethanen Arbeiten;

und er fügt hinzu, auch ~Euripides~ sage nicht übel: "Suavis laborum est praeteritorum memoria", was in dessen "Andromeda" (nach Stobaeus: "Florib." 29, 57) also lautete: "Ἀλλ' ἡδύ τοι σωθέντα μεμνῆσθαι πόνων".--

Aus ~Ciceros~ "de natur. deor." 3, 40 citieren wir:

*Pro aris et focis* (_certamen_);

(Kampf) um Altar und häuslichen Herd.--

In "pro Milone" 29, 79 sagt ~Cicero~: "Liberae sunt nostrae cogitationes" (Frei sind unsere Gedanken), und L. 48 der "Digesten" 19, 18 heisst es aus ~Ulpians~ lib. III ad Edictum: "Cogitationis poenam nemo patitur" (Für seinen Gedanken wird niemand bestraft). Das ist umgewandelt worden zu dem sprichwörtlichen:

*Gedanken sind zollfrei,*

was sich wohl zuerst bei ~Luther~ ("Von weltlicher Oberkeit, wie man ihr Gehorsam schuldig sei". 1523) findet.--

Aus ~Ciceros~ "pro Sestio" cap. 45 stammt:

*Otium cum dignitate,*

Musse mit Würde,

oder, wie dort steht: "cum dignitate otium". Der Sinn ist: "behagliche Ruhe, verbunden mit einer angesehenen Stellung". Auch im Anfange der Schrift "de oratore" ist es zu finden und in Ciceros Briefen "ad. famil." 1, 9, 21 wird es als ein häufig von ihm angewendetes Wort erwähnt.--

In diesen Briefen ~Ciceros~ "ad famil." 5, 12 steht:

Epistola non erubescit,

Ein Brief errötet nicht,

häufig umgestellt in:

*Literae non erubescunt,*

auch in:

*Charta non erubescit.--*

*Imperium et libertas*[64]

Herrschaft und Freiheit

stammt aus ~Ciceros~ 4. Rede gegen Catilina, IX, 19, wo er dem Senat zuruft: "Bedenket, wie in einer Nacht die so mühsam befestigte Herrschaft (quantis laboribus fundatum ~imperium~) und die so trefflich begründete Freiheit (quanta virtute stabilitam ~libertatem~) fast zu Grunde ging!" Die Rede schliesst mit der Forderung, dass der Senat "über die Herrschaft und die Freiheit Italiens" (de ~imperio~, de ~libertate~ Italiae) die Entscheidung treffen möge.--

[Fußnote 64: ~Lord Beaconsfield~ (Disraeli) sagte in einer Rede beim Lord-Mayors-Mahl am 10. Nov. 1879: "Einer der grössten Römer wurde nach seiner Politik gefragt. Er antwortete: imperium et libertas". Die Nationalzeitung vom 28. Nov. 1879 (Morgen-Ausg.) teilte mit, dass auf ihre Anfrage bei dem Lord die Antwort erfolgt sei, die Quelle der citierten Worte fände sich im 1. Buche von ~Bacons~ "Advancement of Learning". (Ausg. Spedding, Ellis und Heath, vol. III, p. 303.) Bacon übersetzt daselbst das in des ~Tacitus~ "Agricola" 3 vorkommende "principatum ac libertatem", wofür er "imperium et libertatem" schreibt, mit: "government and liberty". Dass ein nach seiner Politik gefragter grosser Römer diese Aussage gethan habe, ist also ein Irrtum.]

* * * * *

*Ut sementem feceris, ita metes*

Wie du gesäet, so wirst du ernten,

dies Wort des M. *Pinarius Rufus* steht bei ~Cicero~ "de oratore", 2, 65, 261. Ihm mochte des ~Aristoteles~ Satz (Rhetor. 3, 3) vorschweben: "σὺ δὲ ταῦτα αἰσχρῶς μὲν ἔσπειρας, κακῶς δὲ ἐθέρισας", "was du hier böse gesäet, das hast du schlimm geerntet". (vrgl. in der Vulgata Hiob 4, 8: "et seminant dolores et metunt eos", nach Luther: "Die da Mühe pflügten und Unglück säeten, ernteten sie auch ein". Galater 6, 8: "Quae enim seminaverit homo, haec et metet", nach Luther Gal. 6, 7: "Denn was der Mensch säet, das wird er ernten", dann Sprüche Sal. 22, 8; 2. Cor. 9, 6 und "Gefl. Worte a. d. Bibel" Hosea 8, 7.)--

* * * * *

Aus einigen Hexametern des Julius *Cäsar* (100-44 v. Chr.) über Terenz, die in dessen Biographie von ~Sueton~ (p. 294, 35, ed. Roth) enthalten sind, hat man vermittelst eines falsch gesetzten Kommas die Bezeichnung

*vis comica*

Kraft der Komik

herausgelesen. Die betreffenden Verse heissen:

Lenibus atque utinam scriptis adiuncta foret vis, Comica ut aequato virtus polleret honore Cum Graecis;

Wenn sich doch Kraft dir zu deinem gefälligen Dichten gesellte, Dass dein Wort in der Komik die nämliche Geltung erreiche, Wie sie die Griechen besitzen!

Es ist in ihnen daher von einer "virtus comica", nicht aber von einer "vis comica" die Rede. ("Klein. Schrift, in latein. u. deutscher Sprache" von Fr. Aug. ~Wolf~, herausg. von G. Bernhardy, II, p. 728).--

* * * * *

Aus *Lucretius* (98-55 v. Chr.) "Über die Natur" ist 1, 102:

*Tantum religio potuit suadere malorum.*

Zu so verderblicher That vermochte der Glaube zu raten.--

Aus 1, 149; 1, 205; 2, 287 wird citiert:

*De nihilo nihil,*

*Aus Nichts wird Nichts,*

was ~Persius~ ("Satiren" 3, 84) wiederholt. ~Lucretius~ hatte seine Ansicht aus ~Epikur~ entlehnt, der (nach Diog. Laërtius 10, n. 24, 38) an die Spitze seiner Physik den Grundsatz stellte: "οὐδὲν γίνεται ἐκ τοῦ μὴ ὄντος", "Nichts wird aus dem Nichtseienden". Vor Epikur hatte schon ~Melissus~ gesagt, dass aus Nichtseiendem nichts werden kann (~Überweg~ "Geschichte der Philosophie des Altertums", 1, S. 63), wie auch ~Empedokles~ die Ansicht bekämpft, dass Etwas, was vorher nicht war, entstehen könne (ebenda 1, S. 66). ~Aristoteles~ ("Physik" 1, 4) sagt, ~Anaxagoras~ habe die übliche Ansicht der Philosophen für wahr gehalten, dass aus dem Nichtseienden Nichts entstünde ("οὐ γινομένου οὐδενὸς ἐκ τοῦ μὴ ὄντος"). In ~Mark Aurels~ (121-180 n. Chr.) "Selbstbetrachtungen" 4, 4 heisst es: "denn von Nichts kommt Nichts, so wenig als Etwas in das Nichts übergeht".--

Aus 2, 1 und 1 ist berühmt:

*Suave, mari magno, turbantibus aequora ventis, E terra magnum alterius spectare laborem.*

Bei der gewaltigsten See, bei Wogen aufwühlenden Winden Anderer grosses Bemüh'n vom Land aus seh'n, ist behaglich.--

* * * * *

Aus *Sallust*s (86-35 v. Chr.) "Jugurtha" 10 ist:

*concordia parvae res crescunt, discordia maximae dilabuntur.*

Durch Eintracht wächst das Kleine, durch Zwietracht zerfällt das Grösste.--

* * * * *

Aus dem 187. Spruch des *Publilius Syrus* (bl. um 50 v. Chr.):

Heredis fletus sub persona risus est,

Das Weinen des Erben ist ein maskiertes Lachen,

oder aus den sogenannten "Varronischen Sentenzen" (12): "sic flet heres, ut puella nupta viro; utriusque fletus non apparens risus", "Ein Erbe weint wie eine Braut; Beider Weinen ist heimliches Lachen" (vrgl. auch Horaz "Sat." 2, 5, 100-104)

scheint:

*Lachende Erben*

hervorgegangen zu sein. Schon 1622 kommt in Baden ein "Lacherbengeld" vor (vrgl. Rau: "Grundsätze der Finanzwissenschaft", 5. Ausgabe 1864; § 237, S. 371 Anm. a) und Friedrich ~von Logau~ schreibt (Salomons von Golau Deutscher Sinn-Getichte Drey Tausend. Breslau. In Verlegung Caspar Klossmanns. 1654, jedoch ohne Jahresangabe erschienen. Zweite "Zugabe" zum 3. Tausend "unter wehrendem Druck eingetroffen" No. 78 u. 79):

"Lachende Erben". "Wann Erben reicher Leute die Augen wässrig machen Sind solcher Leute Thränen nur Thränen von dem Lachen."

\*/*\*/

"Die Römer brauchten Weiber, die weinten für das Geld; Obs nicht mit manchem Erben sich ebenso verhält?"

Dann heisst es in ~Othos~ "Evangelischem Krankentrost" (1664), S. 1034: "Freu' dich, liebes Mütlein; traure, schwarzes Hütlein, heisst's bei lachenden Erben".--

Die 245. Sentenz des ~Publilius Syrus~:

Inopi beneficium bis dat qui dat celeriter

Dem Armen giebt eine doppelte Wohlthat, wer schnell giebt,

wird verkürzt zu:

*Bis dat qui cito dat*

Doppelt giebt, wer gleich giebt.--

* * * * *

*Vergil* (70 v.-19 n. Chr.) bietet "Eclogen" 1, 6, die manchmal als Hausinschrift verwendeten Worte des behaglich gelagerten Hirten Tityrus:

*Deus nobis haec otia fecit,*

Ein Gott hat uns diese Musse geschaffen.

"Ecl." 2, 1:

*Formosum pastor Corydon ardebat Alexin,*

Corydon glühte, der Hirt, für die schöne Gestalt des Alexis

ist namentlich durch die verdrehte Übersetzung:

Der Pastor Corydon briet einen wunderschönen Hering

bekannt, die Christian ~Weise~ in seiner vom 27. Sept. 1692 datierten Vorrede zu ~Zincgrefs~ "Apophthegmata" (Frankf. u. Leipz. 1693) erwähnt.

"Ecl." 2, 65 sagt Corydon von seiner Liebe:

*Trahit sua quemque voluptas.*

Jeden reisst seine Leidenschaft hin.

"Ecl." 3, 93 warnt Damoetas die Blumen und Erdbeeren pflückenden Knaben:

*Latet anguis in herba,*

Die Schlange lauert im Grase

(vrgl. "Georgica" 4, 457-459).--"Ecl." 3, 104 fordert Damoetas den Menalcas auf, ihm zu sagen, in welcher Gegend der Himmel nur drei Klafter breit sei, "und", fügt er hinzu, "wenn Du darauf antworten kannst,

*eris mihi magnus Apollo",*

dann wirst Du für mich gross wie Apoll sein".

Danach pflegt man Fragen, deren Beantwortung man nicht erwartet, mit diesem Spruche zu begleiten.--

"Ecl." 3, 108 heisst es:

*Non nostrum tantas componere lites,*

Nicht unseres Amtes ist's, solchen Streit beizulegen;

"Ecl." 3, 111:

*Claudite iam rivos, pueri; sat prata biberant.*

Schliess't nun die Rinnen, ihr Knechte! genugsam getränkt sind die Wiesen.

"Ecl." 10, 69:

*Omnia vincit Amor.*

Alles besiegt der Gott der Liebe.--

~Vergils~ "Georgica" 1, 30 bietet die Bezeichnung eines weit entlegenen Eilandes:

*Ultima Thule,*

Die äusserste Thule.--

"Georgica" 1, 145 heisst es: "Labor omnia vicit inprobus", was citiert wird in der Form:

*Labor omnia vincit improbus;*

Die unablässige Arbeit besiegt alles;

"Georgica" 2, 490:

*Felix, qui potuit rerum cognoscere causas;*

Glücklich, Wer zu erkennen vermocht' die Gründe der Dinge!

"Georgica" 3, 284:

*Sed fugit interea, fugit irreparabile tempus.*

Doch unterdessen entfliehet die Zeit, flieht unwiederbringlich.--

*Tantaene animis caelestibus irae!*

So heftiger Zorn in der Seele der Götter!

ruft ~Vergil~ "Aeneïde" 1, 11 aus und in ~Shakespeares~ "Heinrich VI." T. II, Akt 2, Sc. 2 ruft es Glocester dem Kardinal Beaufort zu.--

Nach "Aen." 1, 26-7

*manet alta mente repostum*

bleibt (der Juno) tief in die Seele gesenkt

"das Urteil des Paris" (s. Kap. II), weil danach Venus für die Schönere galt.--

"Aen." 1, 33 heisst es:

*Tantae molis erat Romanam condere gentem.*

Solcherlei Mühsal war es, das römische Volk zu begründen,

was ~Herder~ dem vierten Teile seiner "Ideen zur Philosophie der Geschichte der Menschheit" (Riga und Leipzig 1791) in der Form: "Tantae molis erat Germanas condere gentes" als Motto voranstellte.

Eine Artikelüberschrift in den "Deutschen Blättern" von F. A. Brockhaus (1814) sagte: "Germanam" und "gentem", indem sie im übrigen mit der Herderschen Fassung übereinstimmte.--

"Aen." 1, 118 lautet:

~(Apparent)~ *rari nantes in gurgite vasto*

Wenige (sieht man) nur in dem riesigen Flutschwall schwimmen.--

"Aen." 1, 135 beschwichtigt Neptun die Winde mit seinem

*Quos ego!*

Euch werd' ich!--

Viel citiert wird auch "Aen." 1, 204:

*Per varios casus, per tot discrimina rerum,*

Durch so verschied'ne Geschicke, so viele gefährliche Lagen.--

Das Wort des Äneas "Aen." 2, 3:

*Infandum, regina, iubes renovare dolorem*

ist auch in der ~Schiller~schen Übersetzung (Gedichte von Friedrich Schiller, 1. T., Leipz., Crusius, 1800) üblich:

*O Königin, Du weckst der alten Wunde*

*Unnennbar schmerzliches Gefühl.--*

Aus "Aen." 2, 6 ist:

*Et quorum pars magna fui.*

Und worin ich eine grosse Rolle spielte.--

Berühmt ist der Warnungsruf des Laokoon, als er das Krieger bergende Riesenpferd vor Trojas Mauern sieht, "Aen." 2, 49:

*Quidquid id est, timeo Danaos et dona ferentes.*

Was es auch ist, ich fürchte die Griechen auch dann, wenn sie schenken.

Uns hat dieser Vers für eine verdächtige Gabe, die Vorteil verspricht und mit Nachteil droht, den Ausdruck:

*Danaergeschenk*

zugeführt, wohl nach des ~Seneca~ ("Agam." 624) "Danaum fatale munus". ~Vergil~ mag dabei des griechischen Sprichwortes gedacht haben, das ~Sophokles~ ("Ajax" 644) also überliefert: "Ἐχθρῶν ἄδωρα δῶρα, κοὐκ ὀνήσιμα", "Der Feinde falsche Gaben sind Nichts wert". Als die Trojaner dennoch das hölzerne Ross in die Stadt ziehen, fährt ~Vergil~ ("Aen." 2, 247, s. auch ~Aeschylus~: "Agamemnon" 1070 ff.) fort:

Tunc etiam fatis aperit Cassandra futuris Ora. Dei iussu non unquam credita Teucris.

Da nun thut auch

*Kassandra*

den Mund auf, Unheil verkündend, Die auf Apollos Geheiss nie Glauben gefunden in Troja.--

"Aen." 2, 274 mahnt der Dichter an den siegprangenden Hektor, im Hinblick auf den nun verwundeten, mit dem Ausruf:

*Quantum mutatus ab illo* (_Hectore)!_

Wie anders gegen jenen (Hektor von damals)!--

In der Schilderung von Trojas Brande heisst es "Aen." 2, 311:

*Iam proximus ardet Ucalegon,*

Schon brennt's bei dem Nachbarn Ucalegon,

und nach dem Brande "Aen." 2, 325:

*Fuimus Troes,*

Trojaner sind wir ~gewesen~,

und "Aen." 2, 354:

*Una salus victis nullam sperare salutem,*

Ein Heil bleibt den Besiegten allein, ~kein~ Heil mehr zu hoffen.--

"Aen." 2, 774 und 3, 48 schildert Aeneas also sein Entsetzen über den Anblick der Schatten seiner Crëusa und des Polydorus:

*Obstupui, steteruntque comae, et vox faucibus haesit.*

Ich war starr, und mir hob sich das Haar, und die Stimme versagte.--

"Aen." 3, 57 bietet:

*Auri sacra fames!*

O, fluchwürdiger Hunger nach Gold!,

"Aen." 4, 175:

*Viresque acquirit eundo,*

Und Kräfte bekommt sie (die Fama) durchs Gehen,

was auch geändert wird zu:

*Fama crescit eundo,* _oder nur_ *Crescit eundo,*

Das Gerücht wächst, indem es sich verbreitet.--

"Aen." 4, 569-570 steht:

*Varium et mutabile semper femina*

Ein Weib ist stets ein wankendes und veränderliches Wesen.

Nach ~Verdis~ "Rigoletto" (Text von ~Piave~. 1851) citieren wir dies Wort auch italienisch:

*Donna e mobile.--*

"Aen." 4, 625 lesen wir:

*Exoriare aliquis nostris ex ossibus ultor!*

Rächer, erstehe du mir dereinst aus meinen Gebeinen!

Der grosse Kurfürst, sagt man, citierte diese Worte, als er, vom Kaiser preisgegeben, am 29. Juni 1679 den Frieden von St. Germain-en-Laye unterzeichnete; und der spanische General Diego Leon rief sie bei seiner Exekution (1841) den auf ihn feuernden Soldaten Esparteros entgegen, was Freiligrath zu seinem Gedicht "Aus Spanien" begeisterte, dessen Motto und Refrain jener Spruch bildet.--

"Aen." 5, 320 heisst es bei Gelegenheit des dort geschilderten Wettlaufspiels, dass Nisus der erste war und ihm Salius

*longo sed proximus intervallo*

nach langem Zwischenraum, doch als der Nächste

folgte. Schon ~Plinius~ der ~Jüngere~ wendet das Wort in den "Briefen" (7, 20) auf seinen eigenen litterarischen Wert im Vergleich zu dem des Tacitus an.--

"Aen." 5, 814-815 verheisst Neptun, Aeneas und die Seinen würden das Land erreichen, bis auf Einen ...

"Unum pro multis dabitur caput",

"_Ein_ Haupt wird für Viele geopfert".

Und wirklich: Palinurus, der Steuermann, wird als Sühne von dem Gott in die Fluten geworfen, während die Andern entrinnen. Daher rührt unser

*Unus pro multis,*

vEiner für Viele,*

was wir aber im Sinne eines Sichopferns, eines öffentlichen Eintretens für Meinungsgenossen, zu brauchen pflegen.--

"Aen." 6, 95 steht:

*Tu ne cede malis, sed contra audentior ito.*

Weiche dem Unheil nicht, noch ~mutiger~ geh' ihm entgegen!--

Des Aeneas Begleiter, der

*fidus Achates,*

*der getreue Achates,*

"Aen." 1, 188 und auch sonst erwähnt, ist zum Muster eines treuen Freundes geworden.