Geflügelte Worte: Der Citatenschatz des deutschen Volkes

Part 20

Chapter 203,303 wordsPublic domain

Aus ~Molières~ "l'Amour médecin" (1665) 1, 1 dienen Sganarelles Worte an den Goldschmied Josse:

*Vous êtes orfèvre, Monsieur Josse*

Sie sind ein Goldschmied, Herr Josse

zur Verspottung eigennützigen Rates. Herr Josse nämlich hatte ihm geraten, seiner Tochter zur Bekämpfung ihrer Melancholie eine Garnitur von Rubinen, Diamanten und Smaragden zu kaufen.--

* * * * *

Als Sganarelle, der Holzhauer, in Molières "le Médecin malgré lui" (1666) 1, 6 den Preis des von ihm gefällten Holzes angiebt, will er sich auf kein Feilschen einlassen. Anderswo könne man das Holz allerdings billiger bekommen; aber

*Il y a fagots et fagots;*

Zwischen Holz und Holz ist ein Unterschied;

und als er, wider seinen Willen den Arzt spielend, die Lage der Leber und des Herzens verwechselt und auf diesen Irrtum aufmerksam gemacht wird, erwidert er 2, 6:

*Nous avons changé tout cela,*

Wir haben das Alles geändert.--

* * * * *

Aus 1, 1 des ebenfalls 1666 erschienenen "Misanthrope" sind die Worte des Alceste bekannt:

*L'ami du genre humain n'est point du tout mon fait.*

Wer aller Menschen Freund, der ist der meine nicht.--

* * * * *

*Tartufe,*

die Hauptperson in "le Tartufe", (1667) ist ein allgemein verständlicher Ausdruck für "Scheinheiliger" geworden.

(Molière selbst schrieb: Tartuffe. Tartufo kommt als Bezeichnung eines bösartigen Menschen in Lippis "Malmantile" vor, der handschriftlich in Frankreich vor dem Tartufe in Umlauf war. S. Littré.)--

*Les envieux mourront, mais non jamais l'envie.*

Die Neider sterben wohl, doch nimmermehr der Neid,

in 5, 3 des "Tartufe" ist ein älteres, von ~Molière~ in die Litteratur eingeführtes Sprichwort, welches ~Quitard~ ("Dictionnaire des proverbes") aus Philippe ~Garniers~ 1612 in Frankfurt erschienener Sammlung citiert.--

* * * * *

Aus ~Molières~ "George Dandin" (1668), 1, 9 sollten wir: "Vous l'avez voulu; vous l'avez voulu, George Dandin, vous l'avez voulu" bei selbstverschuldetem Missgeschick citieren; statt dessen sagen wir:

*Tu l'as voulu, George Dandin, tu l'as voulu.*

Du hast es so haben wollen, George Dandin, du hast es so haben wollen.--

* * * * *

In ~Molières~ "Fourberies de Scapin" (1671) 2, 11 wiederholt Géronte siebenmal:

*Que diable allait-il faire dans cette galère!*

Was zum Teufel hatte er auf jener Galeere zu suchen?

womit wir auf den Unvorsichtigen zielen, der, wie man zu sagen pflegt, in ein Wespennest gestochen hat. Schon früher hatte Molières Jugendfreund, ~Cyrano de Bergerac~, in "le Pédant joué", 2, 4 dies Wort angewendet; doch erfahren wir aus ~Grimarests~ "Leben Molières", Paris 1715, dass es Cyrano samt der ganzen Scene, in der es vorkommt, nur Molières vertraulichen Mitteilungen verdankte und während dessen Abwesenheit in der Provinz seinem Lustspiel einverleibte; dass dann ~Molière~ nach seiner Rückkehr zur Hauptstadt sich seines geistigen Eigentums, als er die "Fourberies de Scapin", schrieb, mit den Worten "Je reprends mon bien où je le trouve" wiederbemächtigte, was umgeändert in

*Je prends mon bien où je le trouve*

Ich nehme mein Eigentum, wo ich es finde,

ein geflügeltes Wort wurde. "Je reprends mon bien où je le trouve" ist aber wohl nur eine Übersetzung des Rechtssatzes "Ubi rem meam invenio, ibi vindico", der auf L. 6 Dig. "De rei vindicatione" (I, 9) beruht: "ubi enim probavi rem meam esse, necesse habebit possessor restituere".--

* * * * *

In ~Molières~ "Les Femmes savantes", (1672) 3, 2 sagt Armande:

*Nul n'aura de l'esprit, hors nous et nos amis!*

Keiner soll Geist haben als wir und unsere Freunde!--

* * * * *

Einen Menschen, der sich einbildet, krank zu sein, nennen wir einen

*Malade imaginaire*

nach ~Molieres~ Komödie "Le Malade imaginaire" (1673), aus der uns Argans Seufzer (2, 11) geläufig wurde:

*Ah, il n'y a plus d'enfants!*

Ach, es giebt keine Kinder mehr!--

* * * * *

*Juste milieu*

Richtige Mitte

kommt zuerst vor in Blaise *Pascal*s (1623-62) "Pensées sur la religion" (3, 3, Amst. 1692; 1. Ausg. Par. 1670). ~Ludwig Philipp~ wandte das Wort auf seine innere Politik an ("Nous chercherons à nous tenir dans un juste-milieu également éloigné des excès du pouvoir populaire et des abus du pouvoir royal" ... s. den "Moniteur universel" vom 31. Januar 1831) und gab damit seinem Regierungssystem den bleibenden Namen.--

* * * * *

Aus Nicolas *Boileau-Despréaux*s (1636-1711) 9. Epistel, Anfang, ist:

*Rien n'est beau que le vrai; le vrai seul est aimable.*

Schön ist das Wahre nur; das Wahre nur ist lieblich.

Aus seiner Satire 1, 52 stammt:

*J'appelle un chat un chat et Rolet un fripon.*

'ne Katze nenn' ich Katz' und Rolet einen Schelm.

Dieser Rolet war ein Prokurator von schlechtestem Rufe; öffentlich mit ihm anbinden war gewagt, und ~Boileau~ glaubte sich damit zu helfen, dass er seinem Verse die Randbemerkung hinzufügte: "Rolet, Gastwirt bei Blois". Nun wollte aber der Zufall, dass bei Blois wirklich ein Gastwirt Rolet wohnte, den dieser unbeabsichtigte Angriff in nicht geringe Wut versetzte. Der Dichter hatte Mühe ihn zu besänftigen.--

Der Schlussvers des zweiten Gesanges der "Art poétique" des ~Boileau~ lautet:

*Un sot trouve toujours un plus sot, qui l'admire*

Ein Thor fand immer noch den Tropf, der ihn bewundert.--

* * * * *

In *Nolant de Fatouville*s "Arlequin, Empereur dans la Lune", aufgeführt 1684, (Ghérardi "Théâtre italien", B. 1) macht Harlekin, der sich für den Kaiser im Monde ausgegeben hat, dem Doktor, dessen Tochter er heiraten will, eine Beschreibung der Mondbewohner; bei jedem Zuge dieser Beschreibung bemerken die Umstehenden: "C'est tout comme ici" und zwar neunmal. Daraus entstand das bekannte

*tout comme chez nous,*

ganz wie bei uns.

~Holberg~ benutzt im "Ulysses" 2, 2 diese Wendung häufig in dänischer Form (ligesaa hos os).--

* * * * *

*Embarras de richesses,*

Reichtumsnot,

ist der Titel einer Komödie des Abbé *d'Allainval* († 1753).--

* * * * *

Philipp Néricault *Destouches* (1680-1754) sagt in der Komödie "Le Glorieux" (zuerst gegeben 18. Jan. 1732) 2, 5:

*La critique est aisée, et l'art est difficile,*

Die Kritik ist leicht, und die Kunst ist schwer;

in 3, 5 befindet sich der dem ~Horaz~ (Epist. 1, 10, 24 "Naturam expellas etc.") nachgebildete Vers:

*Chassez le naturel, il revient an galop.*

Vertreib't das Naturell, es kommt im Nu zurück.--

* * * * *

Das Bild für eine komisch grosse Erregung in kleinem Kreise,

*Sturm im Glase Wasser,*

verdanken wir Charles de Sécondat, Baron de *Montesquieu* (1689-1755), welcher die Wirren in der Zwergrepublik San Marino "tempête dans un verre d'eau" nannte (s. Balzacs "le Curé de Tours" p. 281, Oeuvr. compl. Par. 1857).

Ihm floss dieser Vergleich wohl aus den Alten zu. In ähnlichem Sinne nämlich war zur Zeit ~Ciceros~ (s. "de leg." 3, 16) "excitare fluctus in simpulo" (Stürme im Schöpflöffel erregen) sprichwörtlich; und im ~Athenaeus~ ("Deipnos." VIII, 19) verspottet der Flötenspieler Dorion die Tonmalerei des Zitherspielers Timotheos, der einen Seesturm spielen wollte, mit den Worten: "er habe in einem siedenden Kochtopfe schon einen grösseren Sturm gehört".--

* * * * *

Von Worten François Marie Arouet de *Voltaire*s (1694-1778) sind bekannt: aus "Candide":

*Tout est pour le mieux dans le meilleur des mondes possibles,*

Alles ist aufs beste bestellt in der besten der möglichen Welten,

ein von ~Leibniz~ in "Theodicaea", (1710) 1, 8 (---- nisi inter omnes possibiles mundos optimus esset, Deus nullum produxisset, Gott hätte keine Welt geschaffen, wenn sie nicht unter allen möglichen die beste wäre) ausgesprochener und von ~Voltaire~ in diesem Romane verspotteter Gedanke; dann Vers 1, 7 der Komödie "Charlot":

*Et voilà justement comme on écrit l'histoire*

Und das ist just die Art, wie man Geschichte schreibt,

während er ein Jahr früher, 24. Sept. 1766, an Madame du Deffand in Prosa geschrieben hatte: "Et voilà comme on écrit l'histoire". In ~Voltaires~ "Jeannot et Colin" lesen wir: "Toutes les histoires anciennes, comme le disait un de nos beaux esprits, ne sont que des fables convenues" und vermuten Voltaire selbst in dem "Schöngeist", der uns so die Geschichte eine

*fable convenue*

vereinbarte, zugegebene Fabel

nennen lehrte. Andere rathen auf ~Fontenelle~, wie Garnier in seiner Voltaire-Ausgabe T. XXI, p. 237 ohne Fundstelle.--

* * * * *

Aus dem ersten Gesange von ~Voltaires~ "Henriade" ist der 31. Vers:

*Tel brille au second rang, qui s'éclipse au premier,*

Oft glänzt im zweiten Rang, wer ganz erlischt im ersten;

aus der Vorrede zum "Enfant prodigue":

*Tous les genres sont bons, hors le genre ennuyeux,*

Alle Kunstgattungen sind gut, mit Ausnahme der langweiligen Kunstgattung,

(von ~Wieland~ am Ende seiner "Sendschreiben an einen jungen Dichter", von ~Goethe~ in dem am 11. Juni 1792 gesprochenen Epilog [s. seine "Theaterreden"], nachgeahmt);

aus "le Mondain":

*Le superflu, chose très-nécessaire,*

Das Überflüssige, ein höchst notwendiges Ding.--

* * * * *

*Der Salomon des Nordens*

wird ~Friedrich der Grosse~ zuerst in ~Voltaires~ "Ode an die Preussen bei der Thronbesteigung Friedrichs" (1740) und später oft in den Briefen genannt.

~Voltaires~:

*Ecrasez l'infâme*

findet sich in seinem Briefwechsel mit einigen ihm befreundeten Freigeistern in dem Zeitraume von 1759-68. Man trifft diesen Ausdruck, und ähnliche, in seiner Korrespondenz mit Friedrich dem Grossen, Helvetius, Diderot, d'Alembert, Marmontel, Thieriot, dem Advokaten Christin, dem Grafen d'Argental, Marquis d'Argens, Madame d'Épinay und Damilaville. Namentlich zeichnete Voltaire seine Briefe an d'Alembert oft und an Damilaville, den anonymen Verfasser eines "Enthüllten Christentums", einen seiner zuverlässigsten Freunde, gewöhnlich statt mit seinem Namen mit Écr. l'inf... oder auch wohl Écrlinf, so dass die mit der Eröffnung staatsgefährlicher Briefe betrauten Beamten dies für den Namen des Absenders hielten. Der Ausdruck "L'infâme" findet sich zum ersten Mal in einem Briefe Friedrichs des Grossen an den Marquis d'Argens vom 2. Mai 1759, dann in einem Briefe, den der König am 18. Mai 1759 aus Landshut an Voltaire richtet, und zuletzt in einem Brief Voltaires am 27. Jan. 1768 an Damilaville. Das Wort scheint später aus Voltaires Korrespondenz zu verschwinden, weil es eine ihm gefährliche Berühmtheit bekommen mochte. Aus sämtlichen Stellen geht hervor, dass "infâme" als weibliches Eigenschaftswort zu denken ist, zu dem man daher ein entsprechendes Hauptwort zu ergänzen hat. Voltaire wünschte, das zu ergänzende Hauptwort solle "superstition", Aberglaube, sein, was sich aus vielen seiner Briefe ergiebt, z.B. 1) aus einem vom 23. Jan. an d'Alembert, 2) aus einem vom 29. Aug. 1762 an den König, 3) aus einem vom 28. Nov. 1762 an d'Alembert, und 4) aus einem vom 21. Juni 1770 an denselben. Voltaire meinte mit "Aberglauben" die Kirche (nicht die Religion).--

* * * * *

*Séide, Seïde,*

der Sklave Muhameds, ist durch ~Voltaires~ Tragödie "Le fanatisme ou Mahomed le prophète" (1739) die Bezeichnung für einen fanatischen Nachbeter und Anhänger geworden.--

Ebenda 2, 4 spricht Mahomed das Wort aus, das Beaumarchais zum Motto nahm:

*Ma vie est un combat,*

Mein Leben ist ein Kampf.

Dieser Gedanke war nicht neu; denn nach der Vulgata lautet ~Hiob~ 7, 1 "Militia est vita hominis" ("des Menschen Leben ist ein Kampf", nach Luther: "Muss nicht der Mensch immer im Streit sein auf Erden?"); ~Euripides~ ("Die Hülfeflehenden" 550) sagt: "πάλαισμά θ' ἡμῶν ὁ βίος" ("Unser Leben ist ein Kampf") und ~Seneca~ schreibt im 96. Briefe: "Vivere militare est", "leben heisst kämpfen" (vrgl. "Gefl. Worte aus lateinischen Schriftst." und 1. Tim. 6, 12; 2. Tim. 4, 7 sowie ~Goethes~ "Denn ich bin ein Mensch gewesen u.s.w.").--

* * * * *

In ~Voltaires~ "Discours sur l'homme", 6, lesen wir:

"Mais malheur à l'auteur qui veut toujours instruire! *Le secret d'ennuyer est celui de tout dire".*

Doch wehe dem Poët, der lehrt in jeder Zeile! Wer Alles sagt, besitzt die Kunst der Langenweile.--

* * * * *

*Le style, c'est l'homme,*

Wie der Stil, so der Mensch,

ist eine Umänderung der Worte des Grafen George Louis Leclerc de *Buffon* (1707-88) in seiner Antrittsrede in der Akademie: "Recueil de l'Académie" (1753, S. 337) "le style est l'homme même". Die Lesart späterer Ausgaben lautet aber: "le style est de l'homme même".--

* * * * *

*Où peut-on être mieux Qu'au sein de sa famille?*

Tout est content, le coeur, les yeux. Vivons, aimons comme nos bons aieux!

(Wo kann man besser weilen, als im Schosse seiner Familie? Alles ist befriedigt, das Herz, die Augen. Leben wir, lieben wir, wie unsre guten Voreltern!)

ist aus Jean François *Marmontel*s (1723-99) am 5. Januar 1769 zuerst aufgeführten, von Grétry komponierten "Lucile".--

*Ils sont passés, ces jours de fête,*

Sie sind vorbei, des Festes Tage,

stammt aus *Anseaume*s am 20. Sept. 1769 zuerst aufgeführten Oper "Le Tableau parlant".--

* * * * *

*Les extrêmes se touchent*

ist in Louis Sebastien *Mercier*s (1740-1814) "Tableau de Paris" (Amst. 1782-88) die Überschrift vom 348. Kapitel des vierten Bandes. Es kommt ferner vor bei ~Anquetil~ in "Louis XIV, sa Cour et le Régent", (Paris 1789) 1. Bd. (1674-80).-- ~Labruyère~ ("Caractères", 1687) sagt: "Une gravité trop étudiée devient comique; ce sont comme des extrémités qui se touchent", und ~Pascal~ ("Pensées", 1692): "Les sciences ont deux extrémités qui se touchent".

~Epiphanius~ (4. Jahrh.) "Adversus haereses" I. 3, t. 2 führt als berühmten Ausspruch heidnischer Philosophen an: "αἱ ἀκρότητες, ἰσότητες, extremitates, aequalitates". In des Aristoteles "Moral. Eudemiorum" lib. 3, c. 7, 1234 steht: ἔστι δ' ἐναντιώτερον τοῖς ἀκροῖς τὸ μέσον ἢ ἐκεῖνα ἀλλήλοις, διότι τὸ μὲν μετ' οὐδετέρου γίνεται αὐτῶν τὰ δὲ (τὰ ἄκρα) πολλάκις μετ' ἀλλήλων. (Extrema frequenter una habitant.) Der Commentator zu ~Cassiani~ († um 448) "Collationes", c. 16, ~Alardus Gazaeus~ sagt: "videtur haec sententia (nimitates aequalitates) proverbialis locutio ex Aristotele desumpta II, Ethik 6".--

* * * * *

Évariste Vicomte de *Parny* (1753-1814) singt ("Poësies", Par. 1777, Lettre 4):

"La peine est aux lieux qu'n habite Et le bonheur où l'on n'est paso".

"Die Qual ist überall, wo wir auch hausen, Und wo wir nicht sind, ist das Glück".

Dies citieren wir mit der Schlusszeile von "Des Fremdlings Abendlied", das ~Schmidt von Lübeck~ 1808 im "Taschenbuch zum geselligen Vergnügen" veröffentlichte, in folgender Form:

*Da, wo du nicht bist, ist das Glück!*

~Zelter~ komponierte das Lied und dann ~Schubert~, der es aber veränderte und "Der Wanderer" betitelte. Bei ihm schliesst es:

"Dort, wo du nicht bist, dort ist das Glück!"--

* * * * *

Jean François *Collin d'Harleville*s (1755-1806) stolze Redensart in "Malice pour malice" (1793), 1, 8:

Impossible est un mot que je ne dis jamais,

"Unmöglich" ist ein Wort, dass ich nie ausspreche,

mochte ~Napoléon I.~ vorschweben, als er aus Dresden am 9. Juli 1813 (s. "Correspondance") an den Kommandanten von Magdeburg, Grafen Lemarois, schrieb: "'Ce ~n'est pas possible~', m'écrivez-vous: ~cela n'est pas français~"--"'Es ist nicht möglich', schreiben Sie mir: Das ist unfranzösisch". Hieraus entsprang das geflügelte Wort

*Impossible n'est pas un mot français.--*

* * * * *

Anthelme *Brillat-Savarin* (1756-1826) begann seine "Physiologie du goût" (1825) mit den "Aphorismes du professeur", deren viertes lautet:

*Dis-moi ce que tu manges, je te dirai ce que tu es.*

Sage mir, was du isst, und ich sage dir, was du bist.

S. ~Feuerbachs~ "Der Mensch ist, was er isst".--

* * * * *

Das ganz unverbürgte Wort des Müllers von Sanssouci an Friedrich den Grossen: "Ja, wenn das Berliner Kammergericht nicht wäre", hat François Guillaume Jean Stanislas ~Andrieux~ (1759-1833) den Stoff zu einer poetischen Erzählung "der Müller von Sanssouci" (1797) geliefert. Daraus wird der Vers:

Oui, si nous n'avions pas de juges à Berlin,

Ja, wenn wir in Berlin nicht Richter haben würden,

auch in Deutschland citiert und zwar in der Fassung

*Il y a des juges à Berlin.*

~Lehmanns~ "Florilegium politicum auctum", (Frankfurt 1662, 1. T., S. 332, No. 46) erzählt eine ähnliche Geschichte, von der eine persische Version aus der Zeit des Chosrev Nuschirvan (531-79) in Wüstenfelds "Zeitschrift der deutschen Morgenländischen Gesellschaft" (18, 406; 1864) mitgeteilt wird.--

* * * * *

*Allons, enfants de la patrie!*

Auf, Kinder des Vaterlands!

ist der Anfang des in der Nacht vom 24. zum 25. April 1792 in Strassburg von dem Ingenieuroffizier Joseph *Rouget de Lisle* (1760-1836) gedichteten und komponierten "Chant de guerre de l'armée du Rhin" ("Schlachtgesang der Rheinarmee").

Am 25. April trägt er das Lied beim Maire Dietrich vor und schickt es an demselben Tage mit Widmung an den Oberbefehlshaber der Rheinarmee, Marschall de Luckner. Ende Mai oder Anfang Juni erschien es anonym, mit der Widmung auf zwei Queroctav-Blättern. Am 30. Juli singen es die Marseiller Verbündeten bei ihrem Einzuge in Paris, und von nun an nimmt es die Bezeichnung "Marseillaise" an. Eine Originalausgabe ist in Strassburg i. E. Dann erschien das Lied als "Le Chant des Combats" 1793 im "Almanach des Muses" zu Paris und 1796 in den "Essais en vers et en prose" par Joseph Rouget de Lisle" (Paris. P. Didot l'ainé. An 5'e de la republique. S. 57-59) unter dem Titel: "Le Chant des Combats, vulgairement L'Hymne des Marseillois. Aux Mânes de Sylvain Bailly, premier Maire de Paris".--

* * * * *

Anne Louise Germaine Baronne *de Staël*-Holstein, geb. Necker (1766-1817) sagt in ihrem Buch "Corinne, ou L'Italie" (1807; L. 18, Ch. 5): "Überlegenheit von Geist und Seele fürchtet man mit Unrecht; diese Überlegenheit ist vielmehr höchst sittlicher Natur; denn ("tout comprendre rend très-indulgent") "Alles richtig verstehen macht sehr nachsichtig ..." Hieraus scheint der stets auf Frau von ~Staël~ zurückgeführte weiter greifende Satz gebildet zu sein:

*Tout comprendre c'est tout pardonner.*

Alles verstehen ist Alles verzeihen.--

* * * * *

François Auguste Vicomte de *Chateaubriand* (1768-1848) schildert am Schluss seines Buches "Les Martyrs ou le triomphe de la religion chrétienne" ("Oeuvres" t. 21. p. 132, Paris 1836), wie Alles in Rom donnert und kracht, als ein edles Märtyrerpaar den Tigern in der Arena preisgegeben wird, wie die Götterbilder wanken und man, wie einst in Jerusalem, eine Stimme rufen hört:

*Les dieux s'ent vont.*

Dies Wort brachte ~Heine~ bei uns auf, der 1833 ("Romantische Schule". "Werke". Strodtmann. VI, 101) schrieb: "Les dieux s'en vont, Goethe ist todt." ~Chateaubriand~ aber schöpfte aus Flavius Josephus, der ("de bello judaico" VI, 5, 3) unter den Vorzeichen von Jerusalems Untergang anführt, die Priester hätten zu Pfingsten im Tempel ein Getöse verspürt und den vielstimmigen Ruf gehört: "Wir gehen fort von hier!"--

* * * * *

Das in Camille *Jordan*s (1771-1821) "Vrai sens du vote national sur le consulat à vie" (1802, S. 46) enthaltene

"Le couronnement de l'édifice"

*die Krönung des Gebäudes*

ist durch ~Napoléon III.~ zum Schlagworte geworden. Er wendete es in einem Schreiben an den Staatsminister ~Rouher~ an, das sein Dekret über vorzunehmende Reformen vom 20. Januar 1867 begleitete. Schon am 14. Febr. 1853 hatte er in seiner Eröffnungsrede des Parlaments gesagt: "La liberté n'a jamais aidé à fonder d'édifice politique durable; elle le couronne quand le temps l'a consolidé". (Die Freiheit hat niemals ein dauerhaftes Staatsgebäude gründen helfen; sie krönt es, wenn die Zeit es befestigt hat".)--

* * * * *

Aus ~Méhuls~ zuerst 1807 in Paris und in Deutschland 1809 aufgeführtem "Joseph in Ägypten", Text von Alexandre *Duval* (1767-1842), Akt 1 ist:

*Ich war Jüngling noch an Jahren.--*

* * * * *

Artikel 340 des "Code *Napoléon*" (vom 20. März 1804) lautet:

*La recherche de la paternité est interdite.*

Die Erforschung der Vaterschaft ist untersagt.--

* * * * *

Aus ~Boieldieus~ zuerst 1812 aufgeführtem "Johann von Paris", dessen Text von *St. Just* gedichtet ist, stammt:

*Welche Lust gewährt das Reisen!--*

Aus einer Romanze der zuerst 1814 in Paris aufgeführten Oper ~Isouards~ "Joconde" (3. Aufz. No. 1), Text von *Étienne* (1778-1845) stammt:

"(On pense, on pense encore A celle qu'on adore,) *Et l'on revient toujours A ses premiers amours."*

"An Die man denkt und denkt, Der's Herz man einst geschenkt Und stets kommt man zurück Aufs erste Liebesglück."

Viele citieren den Vers verderbend: "premières amours", weil sie wähnen, die männliche Form sei ganz unzulässig; aber im "Dictionnaire de l'Académie" (v. J. 1800) steht unter "Amour (Liebschaft)": "~presque~ toujours feminin au pluriel ..." und ~Etienne~ bedurfte des Jambenflusses halber dieser Ausnahme von der Regel.--

* * * * *

Aus ~Boieldieus~ 1825 zuerst aufgeführten Oper "Die weisse Dame", deren Text von Augustin Eugène *Scribe* (1791-1861) ist, stammt:

*Ha! welche Lust, Soldat zu sein!*

* * * * *

Aus *Scribe*s und Germain *Delavignes*s(1790-1868) von Hermann Mendel übersetztem Texte zu ~Meyerbeers~ zuerst in Paris 1831 aufgeführtem "Robert der Teufel" ist:

(_Ja_) *das Gold ist nur Chimäre,*

das auch den Franzosen in der Form spruchhaft wurde:

Oui, l'or est une chimère.--

* * * * *

*Revanche für Pavia!*

ist der Nebentitel des Lustspiels "Die Erzählungen der Königin von Navarra" (1851) von *Scribe* und Ernest *Legouvé* (geb. 1807).--

* * * * *

*Les enfants terribles*

erfand der Satirenzeichner Paul *Gavarni* (Sulpice Guillaume Chevalier, 1801-66) für eine seiner komischen Bilderfolgen.--

* * * * *

Das Lied:

*Reich mit des Orients Schätzen beladen,*

ist die Übersetzung von ~Léon~ *Halévy*s (1802-82):

"Un beau navire à la riche carène etc.",

die der Dresdener Oberpfarrer Karl ~Kirsch~ 1829 lieferte (s. "Troubadour, eine Sammlung von Romanzen, Liedern und Nocturnes, Worte von Karl Kirsch". Lpzg. o. J., Industrie-Comptoir). Den Titel "La jeune Indienne" übertrug er mit "das Hindumädchen"; die erste Zeile lautete jedoch: "Reich mit des Orients Segen beladen". Der Komponist Louis ~Huth~ veränderte es zu der oben angegebenen Fassung. Hiernach wären die Angaben ~Hoffmann v. Fallerslebens~ ("Unsere volkstümlichen Lieder", No. 741) umzugestalten. Jedenfalls kannte der Übersetzer die Verse aus ~Schillers~ "Ring des Polykrates":

"Mit fremden Schätzen reich beladen, Kehrt zu den heimischen Gestaden Der Schiffe mastenreicher Wald."--

* * * * *

Aus Eugène *Sue*s (1804-57) "le Juif errant" (1844-45) ist

*Rodin*

für die Bezeichnung eines Jesuiten typisch geworden.--

* * * * *

*Chauvin,*