Geflügelte Worte: Der Citatenschatz des deutschen Volkes
Part 18
In seiner "Rede auf Jean Paul" (Ges. Schr., 1, 313) sagt ~Börne~ (vrgl. Kap. IX ~Heraklits~ "*πάντα ῥεῖ*"):
*Nichts ist dauernd als der Wechsel,*
was ~Heine~ als Motto seiner "Harzreise" (1824) verwendet.--
In den "Briefen aus Paris" schreibt ~Börne~ unter dem 4. Nov. 1831 (Ausg. 1833: IX, 83): "Salvandy ist einer von den ~bequemen Carlisten~, die in ~Pantoffeln und im Schlafrock~ die Rückkehr Heinrichs V. abwarten". Dies Wort verwandte der preussische Minister des Auswärtigen, Frhr. v. ~Manteuffel~, als er am 8. Jan. 1851 in der ersten Kammer über eine etwaige Beamtenrevolution sagte: "Ja, meine Herren, ich erkenne eine solche ~Revolution~ für sehr gefährlich, gerade weil man sich dabei in ~Schlafrock und Pantoffeln~ beteiligen kann, während der Barrikadenkämpfer wenigstens den Mut haben muss, seine Person zu exponieren". Daher stammt der Ausdruck:
*Revolutionäre in Schlafrock und Pantoffeln.*
Börne wird nur ein in Paris wohl längst bekanntes Wort ~Napoléons~ umgemodelt haben, welcher, nach den "Memoires de Mdme la Duchesse d'Abrantés" (Par. 1832, VI, 40), kurz bevor er die Tempel der Pariser Theophilanthropen schloss (Décret des 1. Consuls vom 4. Okt. 1801), deren Religion "une religion en robe de chambre" nannte.--
* * * * *
*Der Karnickel hat angefangen!*
steht in folgender von dem Reimer und Kupferstecher Heinrich *Lami* (1787-1849) in Verse gebrachten Geschichte, "Eigennützige Dienstfertigkeit" (s. "Mixpickel (sic!) und Mengemus, eingemacht von H. ~Lami~", Magdeburg 1828, S. 21 und 22): Der Pudel eines über den Markt wandelnden Herrn zerreisst ein lebendiges Kaninchen, das zu dem Kram einer Hökerin gehört. Obwohl der Herr ihr zehnfachen Ersatz bietet, besteht die Verkäuferin, in der Absicht, ihn zu prellen, darauf, dass er mit ihr "auf die Obrigkeit" gehen soll. Ein Schusterjunge, der dem Streite zugehört hat, nimmt Partei für den Herrn und verspricht, gegen ein Trinkgeld zu bezeugen, "det der Karnickel hat angefangen" (dass das Kaninchen angefangen hat). Der Ausdruck ist jetzt auch ins Französische übergegangen. Am Schluss eines Artikels "Aménités" der Pariser Zeitung "Le Bien public", No. 66, 7. März 1877, heisst es: "Encore une fois,
c'est le lapin qui a commencé!"--
* * * * *
Aus Ludwig *Uhland*s (1787-1862) "Wanderliedern" (7, "Abreise"; 14. Sept. 1811; zuerst gedruckt im "Deutschen Dichterwald", S. 32, Tübingen 1813, wo es die Bezeichnung 6 trägt) wird citiert:
*Von Einer aber thut mir's weh;*
aus ~Uhlands~ "Frühlingsglauben" ("Frühlingslieder", 2; 21. März 1812; zuerst ebenda S. 5):
*Nun muss sich Alles, Alles wenden,*
und:
*Die Welt wird schöner mit jedem Tag; Man weiss nicht, was noch werden mag;*
aus ~Uhlands~ "Freier Kunst" (24. Mai 1812, zuerst gedruckt im "Deutschen Dichterwald", S. 3):
*Singe, wem Gesang gegeben,*
was Chamisso 1831 zum Motto seiner "Gedichte" erkor; aus "Des Sängers Fluch" (3. u. 4. Dez. 1814; Gedichte, Stuttg. u. Tüb., Cotta, 1815, S. 335) das vielfach travestierte:
*Denn was er sinnt, ist Schrecken, und was er blickt, ist Wut, Und was er spricht, ist Geissel, und was er schreibt, ist Blut;*
ferner:
*Noch eine hohe Säule zeugt von verschwundener Pracht;*
und:
*Versunken und vergessen.--*
Aus der "Schwäbischen Kunde" (6. Dez. 1814), ebenda S. 287 wird citiert:
*Der wackre Schwabe* (_oft verwandelt in:_ *Ein wackrer Schwabe) forcht sich nit;*
aus ~Uhlands~ "Vaterländischen Gedichten. Am 18. Okt. 1816":
*Untröstlich ist's noch allerwärts;*
aus "Bertran de Born" ("Morgenblatt von 1829", No. 283. 6. Nov.):
*Deines Geistes Hab' ich einen Hauch verspürt.--*
* * * * *
Aus dem einaktigen, 1836 erschienenen Vaudeville Karl *Blum*s (1786-1844): "Ein Stündchen vor dem Potsdamer Thor", ist wohl nur in Norddeutschland geläufig:
*O Kyritz, mein Vaterland!--*
* * * * *
Aus Louis *Angely*s (1788-1835): "Fest der Handwerker" (Angelys "Vaudeville und Lustspiele", Berlin 1828-34, II. 11) sind die Worte des Maurerpoliers Kluck:
*Positus, ich setz' den Fall,*
mit Anlehnung an ~Jean Pauls~ "Posito, gesetzt Sie werden unser Landmesser" (in dem "heimlichen Klaglied der jetzigen Männer", "4. Ruhestunde") und:
*Darum keine Feindschaft nicht!* (_eigentlich: "Dadrum keene Feindschaft nich"_)
sowie die Redensart Hähnchens des Tischlers:
*Allemal derjenige, welcher,*
besonders in Berlin übliche Citate geblieben.--
Aus demselben Lustspiele erhielt sich auch Hähnchens Wort
*Nie ohne dieses.--*
* * * * *
Arthur *Schopenhauer* (1788-1860) braucht in seinen 1856-1860 geschriebenen "Materialien zu einer Abhandlung über den argen Unfug, der in jetziger Zeit mit der deutschen Sprache getrieben wird" (A. Sch.'s "Handschriftlicher Nachlass", her. v. J. Frauenstädt. Lpz. 1864. S. 66) zuerst das Wort
*Zeitungsdeutsch.--*
* * * * *
Aus Joseph Freiherr *v. Eichendorff*s (1788-1857) Gedichte "Der frohe Wandersmann" (1822), zuerst gedruckt in der Novelle "Aus dem Leben eines Taugenichts", (Berlin 1826. S. 4-5) wird der Anfang citiert:
*Wem Gott will rechte Gunst erweisen, Den schickt er in die weite Welt.--*
* * * * *
Aus Friedrich *Rückert*s (1788-1866) Gedichte "Welt und Ich" wird citiert:
*Wenn die Rose selbst sich schmückt, Schmückt sie auch den Garten.*
Es stand zuerst im "Deutschen Musen-Almanach" von ~Chamisso~ und ~Schwab~, 1834, No. 19, S. 41. 42.--
* * * * *
Aus Ferdinand *Raimund*s (1790-1836) Zauberspiele "Der Diamant des Geisterkönigs", (1824) 2, 19 wird citiert:
*Ich bin dein Vater Zephises Und habe dir nichts zu sagen als dieses.--*
In ~Raimunds~ romantischem Original-Zaubermärchen (1826) "Der Bauer als Millionär" oder "Das Mädchen aus der Feenwelt", 2, 6, singt die Jugend:
Scheint die Sonne noch so schön. Einmal muss sie untergeh'n,
was durch Heinr. ~Heine~ ("Buch der Lieder", Vorrede zur 2. Aufl. 1837) in der Umformung Citat wurde:
*Und scheint die Sonne noch so schön, Am Ende muss sie untergeh'n.--*
In ~Raimunds~ romantisch-komischem Märchen (1828) "Der Alpenkönig und der Menschenfeind" (1, 20 u. 21) singt die arme Kohlenbrennerfamilie "Glühwurm" beim Verlassen ihres vom reichen "Rappelkopf" gekauften Hauses, das sie in Leid und lärmendem Zwist bewohnt, fünfmal die Verse:
*So leb' denn wohl du stilles Haus.* _Wir ziehn betrübt aus dir hinaus._--
* * * * *
Aus Theodor *Körner*s (1791-1813) "Hedwig" 2, 10 citieren wir:
*Die Pferde sind gesattelt* (_gnäd'ger Herr_)
als Beispiel für eine unbedeutende Rolle, da es die einzigen Worte sind, die ein auftretender Diener in jenem Stück zu sprechen hat.--
Aus ~Körners~ "Aufruf" (1872. "Frisch auf, mein Volk! ...") stammt:
*Vergiss die treuen Toten nicht!--*
* * * * *
Aus Franz *Grillparzer*s (1791-1813) "Ahnfrau" (1816) ist anzuführen:
*Den Jüngling ziert Bescheidenheit,*
eine Umstellung der Worte gegen Ende des ersten Aufzuges:
Ziert Bescheidenheit den Jüngling, (Nicht verkenn' er seinen Wert,)
welche auch die bekannte Travestie hervorgerufen haben:
*Bescheidenheit ist eine Zier, Doch kommt man weiter ohne ihr.--*
Aufzug 3 der "Ahnfrau" bietet:
*Ja, ich bin's, du Unglücksel'ge, Bin der Räuber Jaromir;*
auch dies ist verändert, da zwischen beiden Versen fünfzehn andere des ursprünglichen Textes weggelassen werden.--
In ~Grillparzers~ "Abschied von Wien" (1842) wird Wien
*Capua der Geister*
genannt, weil Capua bei den Alten wegen seiner entnervenden Üppigkeit berühmt war.--
* * * * *
*Ich bin ein Preusse, kennt ihr meine Farben?*
wurde zum Geburtstage ~Friedrich Wilhelms III.~ 1830 von J. B. *Thiersch* (1794-1855) verfasst und steht in den "Liedern und Gedichten des Dr. Bernhardt Thiersch, von seinen Freunden in und bei Halberstadt für sich herausgegeben" (Halberstadt 1833).--
* * * * *
Graf August *v. Platen* (1796-1835) sagt in einem titellosen Gedichte vom Jahre 1818:
*So viel Arbeit um ein Leichentuch!--*
* * * * *
August Heinrich *Hoffmann von Fallersleben* (1798-1874) dichtete 1822 das Lied:
*Du siehst mich an und kennst mich nicht.*
Es erschien zuerst in seinen "Gedichten", Breslau 1827, S. 114. Sein auf Helgoland entstandenes Lied:
*Deutschland, Deutschland über alles*
erschien zuerst als Einzeldruck am 1. September 1841 zu Hamburg, und zwar mit Haydns Melodie zu "Gott erhalte Franz den Kaiser", wodurch Hoffmann die österreichische Volkshymnenweise geschickt nach Deutschland hinüberspielte.--
* * * * *
Aus dem 1826 zum ersten Male auf der Königstädtischen Bühne in Berlin gegebenen Singspiele von Karl *v. Holtei* (1798-1880): "Der alte Feldherr" sind folgende zwei Liederanfänge:
*Denkst du daran, mein tapferer Lagienka?*
eine Nachbildung des 1815 gedichteten Liedes von Emile ~Debraux~:
Te souviens-tu, disait un capitaine Au vétéran qui mendiait son pain?
("Chants et chansons populaires de la France par H. L. Delloye", Paris 1843, 2. Serie, No. 1), und
*Ford're niemand mein Schicksal zu hören!--*
Der Anfang des 1827 geschriebenen Mantelliedes aus ~Holteis~ "Lenore" (zum ersten Male aufgeführt zu Berlin, 12. Juni 1828) lautet:
*Schier dreissig Jahre bist du alt, Hast manchen Sturm erlebt.*
Das Lied fand die weiteste Verbreitung, weil es nach der schönen alten Volksweise gesungen wird: "Es waren drei Reiter gefangen".--
* * * * *
Aus Heinrich *Heine* (1799-1856) citieren wir das 1822 in den "Gedichten" mit der Überschrift "An Karl von U(echtritz). Ins Stammbuch" abgedruckte:
(_Anfangs wollt' ich fast verzagen Und ich glaubt' ich trüg' es nie, Und ich hab' es doch getragen,_--) *Aber fragt mich nur nicht wie?--*
Und aus seiner ebenda befindlichen, 1819 gedichteten Romanze "Die Grenadiere":
*Was schert mich Weib, was schert mich Kind?* (_Lass sie betteln gehn, wenn sie hungrig sind._)
Dies entsprang den Versen der altschottischen Ballade "Edward, Edward" (s. Percy: "Reliques of ancient english poetry", 2. ed., London 1767, p. 59):
"And quhat wul ze leive to zour bairns and zour wife, Quhan ze gang ovir the sea, O? The warld is room, late them beg throw life, Mither, mither."
Nach Herder (Suphan, Bd. 25, S. 20, Berl. 1885), aus dem Heine wohl schöpfte:
"Und was willst lassen dein'm Weib und Kind wann du gehst übers Meer--o! Die Welt ist Raum!--lass's betteln drinn Mutter, Mutter."--
Aus ~Heines~ "Lyrischem Intermezzo" (1823 mit den "Tragödien" erschienen) sind die Anfangsverse der Gedichte (No. 1 u. 9):
*Im wunderschönen Monat Mai,*
und:
*Auf Flügeln des Gesanges,*
sowie (No. 39) die Verse aus dem zuerst im Berliner "Gesellschafter" vom 9. Okt. 1822 gedruckten Gedichte: "Ein Jüngling liebt' ein Mädchen":
*Es ist eine alte Geschichte, Doch bleibt sie immer neu.--*
Aus ~Heines~ "Heimkehr" (No. 2) ist das zuerst im Berliner "Gesellschafter" vom 26. März 1824 abgedruckte:
*Ich weiss nicht, was soll es bedeuten, Dass ich so traurig bin; Ein Märchen aus alten Zeiten, Das kommt mir nicht aus dem Sinn,*
mit dem Schlusse:
*Und das hat mit ihrem Singen Die Lorelei gethan;*
ferner der Schluss des zuerst in den "Rheinblüten" (Taschenbuch auf das Jahr 1825) abgedruckten Gedichtes (No. 19):
Sei mir gegrüsst, du grosse, Geheimnisvolle Stadt,
mit dem überraschenden Wortspiel:
(_Die Thore jedoch, die liessen Mein Liebchen entwischen gar still;_) *Ein Thor ist immer willig, Wenn eine Thörin will;*
und aus dem (ebenda zuerst gedruckten) Gedichte (No. 38) "Mensch, verspotte nicht den Teufel" die Zeile:
*Mensch bezahle deine Schulden;*
sowie der Anfang des Liedes (No. 64):
*Du hast Diamanten und Perlen*
mit seinem Kehrreim:
*Mein Liebchen, was willst du mehr?*[55]
welches mit der Notiz "Geschrieben im Herbst 1823" zuerst in der Hamburger Zeitschrift "Die Biene" vom 31. Jan. 1826 erschien; und das in No. 66 enthaltene:
*Die Leutnants und die Fähnderichs, Das sind die klügsten Leute.--*
[Fußnote 55: Eine Anlehnung an den Kehrreim in Goethes "Nachtgesang": "Schlafe! ~was willst du mehr~?" (vrgl. "Goethe in Heines Werken" v. W. Robert-tornow. 1883. S. 11) der dem "Dormi, ~che vuoi di più~?" eines von Reichardt komponierten italienischen Volksliedes nachgebildet ist, welches Viehoff ("Goethes Gedichte" I, 110; 3. Aufl. 1876) mitteilt.]
Am Schlusse eines Gedichtes in der "Harzreise" (1824; Ges. W. I, 63) nennt ~Heine~ sich einen "Ritter von dem heil'gen Geist"; ein Wort, das uns in der Form
*Ritter vom Geist*
durch ~Gutzkows~ Roman "Die Ritter vom Geiste" (1850-52) geläufig wurde.--
Aus dem siebenten Gedichte des zweiten Cyklus von ~Heines~ "Nordsee" (1826), "Fragen", wird der Schlussvers citiert:
*Und ein Narr wartet auf Antwort.--*
Alle bisher angeführten Heinecitate finden sich im "Buch der Lieder".--
In den "Englischen Fragmenten" (1828, Kap. 12, Vorrede von 1830) nennt sich ~Heine~ "so recht
*europamüde".*
Ernst ~Willkomm~ schrieb dann (1838) einen Roman "Die Europamüden", und ~Immermann~ citierte das Wort im "Münchhausen" (Düsseld. 1839. I, 18). Im Vorwort zu A. ~Weills~ "Sittengemälden aus dem elsässischen Volksleben", 1847 (Ges. W. XIV, 151), und im "Romancero", 1846-51 (Ges. W. XVIII, 79 u. 122), wendet Heine selbst das Wort wiederum an.--
Aus ~Heines~ "Neuem Frühling" (1831), No. 6, stammt:
*Wenn du eine Rose schaust, Sag', ich lass' sie grüssen.--*
Aus Kap. 24 von ~Heines~ "Atta Troll" (Kap. 1-24 ersch. 1843 in der "Zeitung für die elegante Welt") ist:
*Kein Talent, doch ein Charakter,*
und aus Kap. 27 des "Atta Troll" (ersch. Hamb. 1847), wo Heine von den jungen Freiheitsdichtern im Gegensatz zu den alten Romantikern singt:
"Das sind ja des Völkerfrühlings Kolossale Maienkäfer, Von Berserkerwut ergriffen!"
citieren wir den
*Völkerfrühling.*
Fürst ~Bismarck~ schloss seine Reichstagsrede am 2. März 1885 mit dem Satz: "Es liegt eine eigentümliche prophetische Voraussicht in unserem alten nationalen Mythus, dass sich, so oft es den Deutschen gut geht, wenn ein deutscher Völkerfrühling wieder, wie der verstorbene Kollege Völk sich ausdrückte, anbricht, dass dann auch stets der Loki nicht fehlt, der seinen Hödur findet, einen blöden, dämlichen Menschen, den er mit Geschick veranlasst, den deutschen Völkerfrühling zu erschlagen, respektive niederzustimmen". Joseph ~Völks~ Rolle im öffentlichen Leben begann aber erst nach dem Erscheinen des "Atta Troll", so dass er wohl schwerlich vor ~Heine~ vom "Völkerfrühling" gesprochen haben wird. ~Heine~ singt schon in seinem "Poseidon" (1825-26 "Die Nordsee" I, 5) von Hellas' leuchtendem "Menschenfrühling" und Friedrich ~Delbrück~ schrieb ein Buch "Über die Verehrung gegen Eltern und der Frühling der Natur verglichen mit dem Frühling des Menschengeschlechts". Magdeburg 1799.--
Schliesslich citiert man aus ~Heines~ "Neuen Gedichten", 1844 (Jolanthe und Marie):
*Blöde Jugendeselei,*
und aus dem "Romancero" (1846-51 "Zwei Ritter") als Muster verkommenen Polentums:
*Krapülinski und Waschlapski.--*
* * * * *
Aus Wilhelm *Hauff*s (1802-27) Liede "Reiters Morgengesang" (gedichtet 1824 nach dem schwäbischen Volksliede) citieren wir, das Vergängliche menschlicher Pracht betonend:
*Gestern noch auf stolzen Rossen,* (_Heute durch die Brust geschossen, Morgen in das kühle Grab!_).
und:
*... ach, wie bald Schwindet Schönheit und Gestalt!--*
* * * * *
Aus Nikolaus *Lenau*s (1802-50) Liede "Der Postillon" hört man oft den Anfangsvers citieren:
*Lieblich war die Maiennacht.--*
* * * * *
Aus des Wieners ~Friedrich Kaiser~ Posse "Verrechnet", deren Kouplets von Johann Nepomuk *Nestroy* (1802-62) sind, blieb
Es muss ja nicht gleich sein, -- es hat ja noch Zeit,
in der Form bekannt:
*Muss es denn gleich sein?--*
* * * * *
Ludolf *Wienbarg* (1802-72) versah sein Buch "Aesthetische Feldzüge", 1834, (nach ~Strodtmann~ "Heines Leben" I, S. 432, auf den Vorschlag seines Verlegers ~Julius Wilh. Campe~) mit einer Widmung an
*das junge Deutschland,*
und im folgenden Jahre richtete W. ~Menzel~ ("Litteraturblatt", 11. und 13. Sept.) seinen ersten Angriff auf die junge Litteratur, der er zum Zeichen der Verachtung ihres kosmopolitischen Strebens den Namen "la jeune Allemagne" gab.--
*Des Lebens Unverstand mit Wehmut zu geniessen, Ist Tugend und Begriff;*
stammt aus dem Anfange dieses Jahrhunderts und hat nicht, wie die "Braunschweiger Anzeigen" (Okt. 1876. St. 232. S. 2809) behaupten, den weiland braunschweigischen Hof-Buchbinder Joh. Engelh. Voigts zum Verfasser, sondern den General und Oberhofmarschall des Kurfürsten von Hessen, Hans Adolf *von Thümmel* († 1851), der in dem Glauben, ein Dichter zu sein, viele ähnliche Verse beging. Die obigen begeisterten einen Kandidaten der Theologie, A. L., dazu, ins Fremdenbuch der Rudelsburg folgende Worte (mit Zeichnung) einzutragen:
Und wer des Lebens Unverstand Mit Wehmut will geniessen, Der lehne sich an eine Wand Und strample mit den Füssen.--
Derselbe v. Thümmel soll auch der Verfasser sein von:
*Im Schatten kühler Denkungsart.*
Möglicherweise aber sind ~diese~ Worte Eigentum des oben genannten ~Voigts~, wie in dem angeführten Artikel der "Braunschweiger Anzeigen", allerdings ohne Beleg, versichert wird.--
* * * * *
Aus Gust. Albert *Lortzing*s (1803-51) zuerst 1837 in Berlin aufgeführter Oper "Czar und Zimmermann" citieren wir:
*O, ich bin klug und weise, Und mich betrügt man nicht.*
und:
*Es ist schon lange her--*
endlich:
*O selig, o selig, ein Kind noch zu sein!*
Der Text zu dieser komischen Oper ist nach ~Hoffmann von Fallersleben~ ("Unsere volkstümlichen Lieder", No. 817, Nachtrag) von Salomon ~Reger~ (1804-57); nach dem Textbuche Hermann Mendels (Herausg. d. musikal. Convers.-Lex.) hat aber ~Lortzing~ den Operntext selbst gedichtet, und nur das Czarenlied stammt von Salomon *Reger* her.--
* * * * *
Aus Eduard *Mörike*s (1804-75) Gedichten ist in Süddeutschland als Citat anzusehen:
*Sommerweste.*
Nämlich in dem Gedichte "An meinen Vetter" (1. Ausg. der Gedichte, Stuttg. u. Tüb. 1838, S. 208-9) heisst es:
Lieber Vetter! Er ist eine Von den freundlichen Naturen, Die ich Sommerwesten nenne.--
* * * * *
*Setze dir neben mir, Dir steh'n zu seh'n, das jammert mir,*
und:
*Was ist mich das, mein Kind, mit dich! Du isst mich nich, du trinkst mich nich,*
und:
*Du bist mich doch nich krank?*
sind einem, die in Berlin gewöhnliche Verwechselung von ~mir~ und ~mich~ verspottenden Gedichte des Hofschauspielers *Rüthling* († 1849) entnommen, lauten jedoch im Originale ("Museum komischer Vorträge", No. 1, 11. Aufl., Berlin) etwas anders.--
* * * * *
Aus den Gedichten von Karl Friedrich Heinrich *Strass* (1803-64) citieren wir den Anfang eines von ihm 1842 gedichteten, von ~Chemnitz~ umgearbeiteten und von C. G. ~Bellmann~ komponierten Liedes:
*Schleswig-Holstein, meerumschlungen.--*
* * * * *
Ludwig *Feuerbach* (1804-72) schrieb in seiner Anzeige von ~Moleschotts~ "Lehre der Nahrungsmittel für das Volk" i. J. 1850 das geflügelt gewordene Wort:
*Der Mensch ist, was er isst,*
wobei ihm ~Brillat-Savarin~ (s. unter Kap. V) vorgeschwebt haben mag. Da nun ~Feuerbachs~ Satz von den Gegnern des Materialismus noch platter aufgefasst wurde, als er gemeint war, so gab Feuerbach zur Erläuterung die Schrift heraus "Das Geheimnis des Opfers oder der Mensch ist, was er isst" (Ges. Werke. Lpz. 1864-66. X). Darin heisst es (S. 6):
"Gott ist, was er isst; er isst Ambrosia, d.h. also Unsterblichkeit oder unsterbliche Speise, also ist er ein Unsterblicher, ein Gott; der Mensch dagegen isst Brot, isst Früchte der Erde, also Irdisches, Nicht-Ambrosisches, Sterbliches, also ist er ein Mensch, ein Sterblicher".
Und weiterhin (S. 26) fragt er:
"Sind die Juden nicht auch deswegen von den Heiden so verspottet und gehasst worden, weil sie die Speisen verschmähten, welche diese liebten? ... Liegt aber diesem Hasse nicht der Gedanke zu Grunde: Wer nicht ~isst~, was wir essen, der ~ist~ auch nicht, was wir sind?"--
* * * * *
Aus Louis *Schneider*s (1805-78) Schwank "Der reisende Student" stammt:
*Ungeheure Heiterkeit* (_Ist meines Lebens Regel_),
welches er der Melodie des Beauplanschen Liedes "C'est le galop qui fait le bonheur de ma vie" als Text unterlegte.--
L. ~Schneiders~ Lustspiel "Der Kurmärker und die Picarde" giebt uns, als Einlage das Lied:
*O Tannebaum, o Tannebaum, Wie grün sind deine Blätter!*
Dies entsprang (nach dem "Deutschen Liederhort" von Erk und Böhmer, 1893, No. 175 a, b, c, d u. 176) aus dem zwischen 1550 und 1580 auf einem fliegenden Blatt gedruckten Liede (s. Strophe 9, die sich wiederholt in No. 121 des 1582 erschienenen Ambraser Liederbuches) "Es hing ein Stallknecht seinen Zaum u.s.w.":
"O Tanne, du bist ein edler Zweig, Du grünest Winter und die liebe Sommerzeit, Wenn alle Bäume dürre sein, So grünest du, edles Tannenbäumelein".--
* * * * *
Der Anfang des von Ida Gräfin *Hahn-Hahn* (1805-80) 1835 verfassten Liedes:
*Ach wenn du wärst mein eigen!*
wird allgemein citiert, jedoch soll nach ~Erk~ und ~Böhmer~ ein Volkslied aus dem 16. Jahrh. den gleichen Anfang haben.--
* * * * *
Das vor 1826 entstandene, von ~Mendelssohn~ komponierte Gedicht Eduard Freiherr *von Feuchtersleben*s (1806-49) "Nach altdeutscher Weise" beginnt:
Es ist bestimmt in Gottes Rat, Dass man, was man am liebsten hat, Muss meiden,
und schliesst:
*Wenn Menschen auseinandergehn, So sagen sie: auf Wiedersehn!* _Ja Wiederseh'n!_
Die Anfangszeilen jedoch citieren wir in der Form, die der Komponist ihnen gab:
*Es ist bestimmt in Gottes Rat, Dass man vom Liebsten, was man hat, Muss scheiden.--*
* * * * *
Friedrich *Halm* (Pseudonym für Eligius Franz Joseph Freiherr v. ~Münch-Bellinghausen~; 1806-71) bietet in dem Drama "Der Sohn der Wildnis" (1842):
*Zwei Seelen und ein Gedanke, Zwei Herzen und ein Schlag!--*
* * * * *
Den
*Staatshämorrhoidarius*
erfand Graf Franz *Pocci* (1807-76) für die Münchener "Fliegenden Blätter". Der "Staatshämorrhoidarius" Poccis gelangte in dieser Zeitschrift zum Abdruck in elf Nummern aus den Jahren 1844-47.--
* * * * *
Johann Hermann *Detmold* (1807-51), der nachmalige Minister und Bundestagsgesandte, schrieb als konservativer Abgeordneter der deutschen Nationalversammlung 1849 die vielbelachte illustrierte Satire "Thaten und Meinungen des Herrn Piepmeyer, Abgeordneten zur konstituirenden Nationalversammlung zu Frankfurt am Mayn". Heft 2 p. 8 übt Piepmeyer eine Rede ein und spricht tiefnachdenklich: "Eine verräterische Camarilla, eine brutale Soldateska!" Daher das Schlagwort:
*Vertierte Soldateska.--*
* * * * *
David Friedrich *Strauss* (1808-74) gab 1847 in Mannheim die Schrift heraus "Der Romantiker auf dem Thron der Caesaren oder Julian der Abtrünnige", worin er die Auffrischung des Heidentums durch Julianus Apostata mit der der protestantischen Orthodoxie durch Friedrich Wilhelm IV. verglich. Diesen König nannte man seitdem oft den
*Romantiker auf dem Throne.--*
* * * * *
*Sie sollen ihn nicht haben, Den freien deutschen Rhein*