Geflügelte Worte: Der Citatenschatz des deutschen Volkes

Part 14

Chapter 143,325 wordsPublic domain

*Mach't nicht so viel' Federlesen! Setz't auf meinen Leichenstein: Dieser ist ein Mensch gewesen Und das heisst ein Kämpfer sein.*

Eigentlich aber sagt dort im "Buch des Paradieses" in dem Gedichte "Einlass" der Dichter zur Huri:

Nicht so vieles Federlesen! Lass mich immer nur herein: Denn ich bin ein Mensch gewesen Und das heisst ein Kämpfer sein.

(vrgl.: "Ma vie est un combat".) Man hat wohl den Schlussreim des unter "Epigrammatisch" befindlichen, 1815 erschienenen ~Goethe~schen Gedichtes "Grabschrift" beim Citieren damit verschmolzen:

"Auf deinem Grabstein wird man lesen: Das ist fürwahr ein Mensch gewesen".

vrgl. 1. Tim. 6, 12: "Kämpfe den guten Kampf des Glaubens; ergreife das ewige Leben ..." und 2. Tim. 4, 7: "Ich habe einen guten Kampf gekämpfet, ich habe den Lauf vollendet, ich habe Glauben gehalten".--

~Goethes~ "Noten und Abhandlungen zu besserem Verständnis des West-östlichen Divans" (1819) tragen das Motto:

"Wer das Dichten will verstehen Muss ins Land der Dichtung gehen; *Wer den Dichter will verstehen Muss in Dichters Lande gehen".*

In den "Noten" selbst sagte Goethe, unter "Eingeschaltetes": "Der Dichter steht viel zu hoch, als dass er Partei machen sollte"; ein Ausspruch, der durch ~Freiligraths~ Gedicht "Aus Spanien" (1841) zu dem geflügelten Wort wurde:

*Der Dichter steht auf einer höhern Warte Als auf den Zinnen der Partei.*

Hierauf antwortete ~Herwegh~ mit dem Gedichte "Die Partei", dessen Schlussverse lauten:

~Ich~ hab' gewählt, ich habe mich entschieden, Und ~meinen~ Lorbeer flechte die ~Partei~!--

* * * * *

Aus dem 2. Buche der ~Goethe~schen "Zahmen Xenien" (1823) wurde üblich:

*Im Auslegen seid frisch und munter! Legt ihr's nicht aus, so legt was unter;*

aus dem 4.:

*Liegt dir Gestern klar und offen, Wirkst du heute kräftig frei, Kannst auch auf ein Morgen hoffen, Das nicht minder glücklich sei;*

aus dem 5.:

*Sollen dich die Dohlen nicht umschrei'n, Musst nicht Knopf auf dem Kirchturm sein,*

und:

*Jeder solcher Lumpenhunde Wird vom zweiten abgethan;*

aus dem 6. (zuerst in Wendts Musen-Almanach für 1831, S. 42, "Die vereinigten Staaten"):

*Amerika, du hast es besser,*

und aus dem 7.:

*Wie fruchtbar ist der kleinste Kreis, Wenn man ihn wohl zu pflegen weiss.--*

* * * * *

Im Jahre 1827 schenkte uns ~Goethe~ das Wort

*Weltliteratur.*

Zu dieser Zeit entstand sein also betiteltes Gedicht (in "Epigrammatisch"); in seinen "Sprüchen in Prosa ..." heisst es gegen Ende der 6. Abteilung: "Jetzt da sich eine Weltliteratur einleitet, hat, genau besehen, der Deutsche am meisten zu verlieren; er wird wohl thun, dieser Warnung zu gedenken". Auch findet sich bei Goethe (Cotta 1840. XXXII, 433-8) unter "Ferneres über Weltliteratur" ein Wink, wie sich der Einzelne dieser Erscheinung gegenüber gedeihlich zu verhalten habe. Endlich sprach er zu Eckermann 31. Jan. 1827: "Nationalliteratur will jetzt nicht viel sagen, die Epoche der Weltliteratur ist an der Zeit, und jeder muss jetzt dazu wirken, diese Epoche zu beschleunigen"; und (15. July 1827): "Es ist sehr artig, dass wir jetzt, bei dem engen Verkehr zwischen Franzosen, Engländern und Deutschen, in den Fall kommen, uns einander zu corrigieren. Das ist der grosse Nutzen, der bei einer Weltliteratur herauskommt und der sich immer mehr zeigen wird".--

* * * * *

Aus ~Goethes~ 1831 vollendetem, 1833 bei Cotta in Stuttgart erschienenen 2. Teil des "Faust" wird citiert:

1. Akt. Anmutige Gegend.

_Faust.:_ *Am farbigen Abglanz haben wir das Leben.--*

Kaiserliche Pfalz.

_Kanzler:_ *Natur und Geist--so spricht man nicht zu Christen,*

_Mephist.:_ *Daran erkenn' ich den gelehrten Herrn.--*

Weitläufiger Saal.

_Gärtnerinnen:_ *Denn das Naturell der Frauen Ist so nah mit Kunst verwandt.--*

2. Akt. Hochgewölbtes, enges gotisches Zimmer.

_Baccalaureus:_ *Im Deutschen lügt man, wenn man höflich ist.*

_Mephist.:_ *Original, fahr' hin in deiner Pracht. Wer kann was Dummes, wer was Kluges denken, Das nicht die Vorwelt schon gedacht.*

(s. des ~Terenz~: "Nullum est iam dictum...)

*Wenn sich der Most auch ganz absurd geberdet, Es giebt zuletzt doch noch 'nen Wein.--*

5. Akt. Grosser Vorhof des Palastes.

_Faust:_ *Nur der verdient sich Freiheit wie das Leben, Der täglich sie erobern muss. Es kann die Spur von meinen Erdetagen Nicht in Aeonen untergehn.--*

Bergschluchten, Wald, Fels, Einöde.

_Chorus mysticus:_ *Das Unzulängliche Hier wird's Ereignis;* _Das Unbeschreibliche, Hier ist's gethan;_ *Das Ewig-Weibliche Zieht uns hinan.--*

* * * * *

Der Anfang eines Gedichtes des Johann Heinrich *v. Reitzenstein*: "Lotte bey Werthers Grabe", Wahlheim 1775, das in demselben Jahre in Wielands "Teutschem Merkur" und im "Rheinischen Most", No. 7, erschien, lautet:

*Ausgelitten hast du--ausgerungen.*

_Schiller_ mag hierdurch zu den Versen seines "Siegesfestes" angeregt worden sein:

"Ausgestritten, ausgerungen Ist der lange schwere Streit."--

* * * * *

Friedr. Leop. *Graf zu Stolberg* (1750-1819) hat uns durch das "Lied eines alten schwäbischen Ritters an seinen Sohn" mit dem Verse beschenkt:

*Sohn, da hast du meinen Speer*

Das Lied stand zuerst im "Wandsbecker Bothen", 1774, No. 77 vom 14. Mai.--

* * * * *

Johann Martin *Miller*s (1750-1814)

*Für mich ist Spiel und Tanz vorbei*

ist der Anfangsvers der 2. (in seinen Gedichten, Ulm 1783, fortgelassenen) Strophe des zuerst im Göttinger Musen-Almanach auf 1773 gedruckten, dort L. unterzeichneten "Klagelied eines Bauern", (komponiert von Frh. v. Seckendorff (?) und Chr. Dan. Schubart). Aus ~Millers~ 1776 gedichtetem, zuerst im Vossischen Musen-Almanache für 1777 gedrucktem Liede "Zufriedenheit" (komponiert von Mozart, aber erfolgreicher von Neefe) sind bekannt der Anfang:

*Was frag' ich viel nach Geld und Gut, Wenn ich zufrieden bin?*

sowie die Endverse der 2. Strophe:

*Je mehr er hat, je mehr er will, Nie schweigen seine Klagen still.*

vrgl. Seneca "de benef." 2, 27: "Eo maiora cupimus, quo maiora venerunt"--"wir begehren um so mehr, je mehr uns zufiel"; Justinus 6, 1: "... more ingenii humani, quo plura habet, eo ampliora cupientis"--"nach Art des Menschengeistes, der je mehr er hat, um so mehr begehrt ..."; und Luther B. 57, S. 345: "Je mehr er hat, je mehr er haben will"; ähnlich B. 62, S. 144.--

* * * * *

*Im Grab' ist Ruh'*

ist der Anfangs- und Schlussvers eines im Göttinger Musenalmanach für 1792 (S. 16) enthaltenen Gedichtes "Die Ruhe im Grabe", unterzeichnet "Ung.", während die Komposition "Langhansen" unterzeichnet ist.[28] Nach dem "Versuch eines Chiffernlexikons" u.s.w. von ~Redlich~ (Hamburg 1875, S. 30) ist *Langhansen* (1750-1816) der Verfasser. (S. "Chr. Erh. ~Langhansens~ u.s.w. Gedichte, nach dem Tode d. Verf. her. v. Ulr. v. ~Schlippenbach~", Mitau 1828, S. 28.) ~Heines~ "Buch der Lieder" ("Junge Leiden" 1817-21. "Bergstimme") verschaffte dem Wort die weiteste Verbreitung.--

[Fußnote 28: Der eigentliche Komponist war Georg Carl Claudius, vrgl. "Als der Grossvater die Grossmutter nahm". Ein Liederbuch für altmodische Leute. 2. Aufl. Lpzg. 1887, hersausg. von Gustav Wustmann, S. 584.]

* * * * *

Aus der von Mozart 1791 komponierten "Zauberflöte" Emanuel *Schikaneder*s (1751-1812), der einen Plan Ludwig ~Gisekes~, Schauspielers und Choristen am Schikanederschen Theater (s. ~Jahn~ "Mozart", T. IV, S. 603, Leipz. 1859), benutzte, stammt:

*Dies Bildnis ist bezaubernd schön. Ich kann nichts thun, als dich beklagen, Weil ich zu schwach zu helfen bin.*

*Zur Liebe will* (_nicht: kann_) *ich dich nicht zwingen.*[29]

*In diesen heil'gen Hallen Kennt man die Rache nicht,*

und:

*Das höchste der Gefühle.--*

[Fußnote 29: ~Wieland~ "Ausgewählte Briefe", Zürich 1815, Bd. 3, S. 176 schreibt 9. Jan. 1774 an Gleim: "Ich begreife nichts von dem, was Herr H.*** (Heinse) von mir will. Man kann doch wohl niemand zur Liebe zwingen".--]

* * * * *

August Cornelius *Stockmann*s (1751-1821)

*Wie sie so sanft ruhn*

steht im Leipz. Musen-Almanach auf das Jahr 1780, S. 214 und ist "Der Gottesacker" betitelt. Friedrich Ludwig ~Beneken~ setzte das Lied in Musik.--

* * * * *

~Johann Heinrich~ *Voss* (1751-1826) ist zu nennen wegen des im "Vossischen Musenalmanache" von 1782 befindlichen, von Joh. Abraham Peter ~Schulz~ komponierten Liede

*Seht den Himmel, wie heiter!*

und wegen des Distichons mit der Unterschrift X. im "Vossischen Musenalmanache", 1792, S. 71:

~Auf mehrere Bücher.~ Nach Lessing.

Dein redseliges Buch lehrt mancherlei Neues und Wahres, Wäre das Wahre nur neu, wäre das Neue nur wahr!

was in dieser Form citiert wird:

*Das Neue daran ist nicht gut, und das Gute daran ist nicht neu.*

Die Stelle, nach welcher das Distichon gemacht ist, steht in Lessings "Briefen, die neueste Litteratur betreffend" (111. Brief, 1760, 12. Juni) und heisst: "wenn es erlaubt ist, allen Worten einen andern Verstand zu geben, als sie in der üblichen Sprache der Weltweisen haben, so kann man leicht etwas Neues vorbringen. Nur muss man mir auch erlauben, dieses Neue nicht immer für wahr zu halten".--

* * * * *

A. G. ~Eberhard~ ("Blicke in Tiedges und Elisas Leben", S. 19) erzählt von Christoph Aug. *Tiedge* (1752-1841):

"~Einmal~ vorzüglich musste ich seine andauernde Geduld bei meinen wiederholten Kritteleien ganz vorzüglich bewundern. Als ich nämlich im Manuskript der Urania auf eine Stelle stiess, die einen sehr ansprechenden Gedanken enthielt, äusserte ich gegen ihn, dass er daraus ein wahres Kleinod für die Stammbuchsentenzen-Schreiberinnen bereiten könnte, wenn er sich die Mühe gäbe, sie möglichst gedrängt und glatt in der äusseren Form und hierdurch recht mund- und gedächtnisgerecht zu machen. Er machte sich sogleich an diese Arbeit, aber immer hatte ich noch bald diese, bald jene Ausstellung zu machen, bis der Hauptgedanke möglichst zusammengedrängt war, die darin befindlichen Gegenstände symmetrisch gegenübergestellt und die Verse, zwei und drei, gleich lang waren. Durch den eingeworfenen Scherz, dass es schon einiger Mühe wert sei, eine klassische Stammbuchsentenz für Mit- und Nachwelt zurecht zu machen, entstand endlich die Stelle:

Sei hochbeseligt oder leide: Das Herz bedarf ein zweites Herz. *Geteilte Freud' ist doppelt Freude, Geteilter Schmerz ist halber Schmerz.*

Zwar hätte ich wohl gegen "doppelt" statt "doppelte" noch eine Einwendung zu machen gehabt; allein ich unterliess es, um ihn nicht aus seiner guten Laune zu bringen und ungeduldig zu machen. Meine Prophezeihung ist auch so in Erfüllung gegangen: jene Stelle hat in dem Munde unzähliger Leser fortgelebt und ist in eine Menge von Stammbüchern eingeschrieben und eingekritzelt worden".

Die Verse 221-224 des vierten Gesangs der "Urania" (1801) sind die citierten. ~Rückert~ hat darüber eine Glosse gedichtet (Ges. poet. Werke in 12 Bänden, 7, 326).

v. ~Treitschke~ ("Historische und politische Aufsätze", 4. Aufl. Leipz. 1871, 1. Bd.) sagt in dem Aufsatz "Lessing", (Leipz. 1863) S. 70: "Das widrige Sprichwort, das in jenen weichlichen Tagen von Mund zu Munde ging, das Wort "geteilter Schmerz ist halber Schmerz" hatte der Jüngling (Lessing) schon mit der stolzen Gegenrede abgewiesen:

"Was nutzt mir's, dass ein Freund mit mir gefällig weine? Nichts, als dass ich in ihm mir zwiefach elend scheine."

So wäre das Tiedgesche Wort ein älteres Sprichwort? Es fehlt dafür jeder Beweis. Der Gedanke freilich ist nicht neu, denn schon ~Cicero~, Laelius, cap. 6, § 22, sagt: "et secundas res splendidiores facit amicitia et adversas partiens communicansque leviores" (anteilnehmende Freundschaft macht das Glück strahlender und erleichtert das Unglück) und ~Seneca~, Epistolae, 6: "Nullius boni sine socio iucunda possessio est" (ohne Genossen ist kein Glücksbesitz erfreulich).--

* * * * *

Christoph *Kaufmann* (1753-1795), der herrnhutische Arzt und Apostel der Geniezeit, schlug ~Klinger~, der ihm 1776 in Gotha sein Drama "Wirrwarr" vorlas, dafür den Titel

"*Sturm und Drang*"

vor und gab damit der ganzen Litteraturperiode vom Anfange der 70er bis in die Mitte der 80er Jahre ihren dauernden Namen. Klinger schrieb darüber an ~Goethe~ (s. "Verhandlungen der 8. Versamml. deutsch. Philologen und Schulmänner in Darmstadt" S. 48, Darmst. 1846): dass ihm ~Kaufmann~ "den Titel Sturm und Drang aufdrang, an dem später mancher Halbkopf sich ergötzte".

(vrgl. "Chr. Kaufmann" von H. Düntzer, Leipzig 1882, S. 69 und Riegers "Klinger", Darmst. 1880, S. 163).--

* * * * *

Der Anfangsvers eines Liedes von Chr. Ad. *Overbeck* (1755-1851), das zuerst im Vossischen Musenalmanach (v. J. 1776, S. 49) steht und von Mozart componiert wurde, wird abgerissen citiert:

*Komm, lieber Mai, und mache (!)*

als bedeute dies "mache" soviel wie "eile dich!", während der Dichter fortfährt:

"die Bäume wieder grün!"--

Ferner beginnt, auch in "Frizchens Liedern" (Hamburg 1781, S. 72), ein von F. F. Hurka komponiertes Lied ~Overbecks~:

*Das waren mir selige Tage.--*

* * * * *

Aus Aloys *Blumauer*s (1755-1798) "Virgils Aeneis travestirt", (Wien 1784-1788), Bd. 2, Strophe 54 stammen die Worte des seine Gemahlin vermissenden Aeneas:

*Kreusa!--Schatzkind!--Rabenvieh, Wo hat dich denn der Teufel?*

Im Text steht aber der letztere Vers vor dem ersteren.--

* * * * *

Balthasar Gerhard *Schumacher* (geb. 1755) brachte in der "Haude und Spenerschen Zeitung" am 17. Dezember 1793 unter dem Titel "Berliner Volksgesang" ein Lied mit den Anfangsworten:

*Heil dir im Siegeskranz,*

welches nichts ist, als eine Umarbeitung des "Liedes für den dänischen Unterthan an seines Königs Geburtstag zu singen in der Melodie des englischen Volksliedes: God save the King". Heinrich ~Harries~ dichtete es und veröffentlichte es am 27. Januar 1790 im "Flensburger Wochenblatt". Es beginnt also:

"Heil Dir dem liebenden Herrscher des Vaterlands! Heil, ~Christian~, Dir!"

Nach Hoffmann von Fallersleben ("Unsere volksthümlichen Lieder" 2. Aufl. Lpzg. 1859. S. 66) schuf der Hoforganist John ~Bull~ die englische Hymne zur Zeit der Errettung König Jakobs I. vom Tode durch die Pulververschwörung im November 1605; während nach Friedrich Chrysander ("Jahrbuch für musikalische Wissenschaften", Lpzg. 1863, B. I. S. 380ff.) Henry ~Carey~ die Hymne, wie Händel sein "Dettinger Te Deum", zur Feier von König Georgs II. Sieg bei Dettingen über die Franzosen im Frühling 1743 dichtete und mit Joh. Christoph ~Schmidts~ Hülfe komponierte. Doch ist Chrysanders Begründung minder stichhaltig, als sie heute Manchem erscheint.--

* * * * *

Aus Aug. Friedr. Ernst *Langbein*s (1757--1835) 1803 verfasstem Gedichte "Die Wehklage", ("Neuere Gedichte", Tübingen 1812) Strophe 1 stammt:

*Schon sieben--und Georg nicht hier!*

und aus der 14. Strophe des in den "Gedichten" (1788) erschienenen "Abenteuers des Pfarrers Schmolke und Schulmeisters Bakel":

*Sperr' oculos!*

(Sperre die Augen auf!).

Sein ebenda erschienenes Gedicht "Die neue Eva" endigt:

Tadeln können zwar die Thoren, Aber klüger handeln nicht,

woraus der Volksmund gemacht hat:

*Tadeln können zwar die Thoren, Aber besser machen nicht!--*

Der Anfang des 1810 verfassten ~Langbein~schen Gedichtes "Der Zecher" lautet:

*Ich und mein Fläschchen sind immer beisammen.--*

Altväterische, verschwundene Zeiten bezeichnen wir mit der Anfangszeile eines (1813 in Beckers "Taschenbuch zum geselligen Vergnügen" erschienenen) ~Langbein~schen Liedes:

*Als der Grossvater die Grossmutter nahm.*

Dies Wort erkor Gustav Wustmann zum Titel seiner vortrefflichen Sammlung der wackeren Gesänge unserer Gross- und Urgrosseltern, die nur noch leise aus der Kinderzeit in uns nachklangen. (3. Aufl. Leipzig 1895. Fr. Wilh. Grunow.)--

*Das verschweigt des Sängers Höflichkeit*

ist der Kehrreim eines in Berlin (bei S. F. Lischke, jetzt Karl Paez) erschienenen Liedes, welches beginnt:

Als der liebe Gott die Welt erschaffen, Schuf er Fische, Vögel, Löwen, Affen,

und dessen Verfasser unbekannt ist. Jedoch eine 1804 gedichtete Erzählung ~Langbeins~ "Die Weissagung" (Langbeins neuere Gedichte, Tübingen 1812, S. 237) hebt an:

In einem Städtlein, dessen Namen Des Dichters Höflichkeit verschweigt,

und in "Allerhand für Stadt und Land", Jahrg. 1808, 8. Stück, Zittau, herausg. v. G. B. ~Flaschner~, steht S. 117 ein Lied: "Des Dichters Höflichkeit", dessen Strophen mit dem Kehrreime "Das verschweigt des Sängers Höflichkeit" schliessen.--

* * * * *

*Namen nennen dich nicht*

ist der Anfang eines im Göttinger Musen-Almanach von 1786, S. 127 erschienenen Liedes Wilhelm *Ueltzen*s (1758-1808). Ludwig ~Berger~ (1812) komponierte es und Goethe legte dann 1813 dieser Komposition sein Lied "Alles kündet dich an" unter, das den Titel "Gegenwart" trägt.

Später schuf ~Georg Neumann~ (im "Rheinischen Odeon" Jahrg. 1. Koblenz 1836) das Lied dadurch um, dass er den 5 Strophen desselben 5 neue Strophen vorstellte. Er hatte die Verwegenheit, diese Umwandlung als ein von ihm verfasstes Gedicht zu bezeichnen und es in die "Gedichte von Karl Georg Neumann, Königl. Preuss. Regierungs- und Medicinalrate a. D." S. 80, Aachen 1841, aufzunehmen. Hier führt es den Titel: "An Charlotte, 1792".--

* * * * *

In *Schiller*s (1759-1805) "Räubern" (1781), 2, 3 lesen wir Karl Moors Worte:

*Ich kenne dich, Spiegelberg,*

oft umgestellt in:

*Spiegelberg, ich kenne dich,*

(_aber ich will nächstens unter euch treten und_)

*fürchterlich Musterung halten;*

und am Ende des zweiten Aktes:

*Ich fühle eine Armee in meiner Faust.*

Im 4. Akte schliesst in der 5. Scene Moors Gesang von Brutus und Cäsar

*Geh' du linkwärts, lass mich rechtwärts geh'n,*

was an 1. Mos. 13, 9 erinnert: "Willst du zur Linken, so will ich zur Rechten, oder willst du zur Rechten, so will ich zur Linken". Weiterhin ruft der alte Moor:

*Bist du's, Hermann, mein Rabe?*

der Raben gedenkend, die nach 1. Könige 17, 4 und 6 dem Elias Nahrung zuführten.

5, 1 enthält Franz Moors Worte:

*Hab' mich nie mit Kleinigkeiten abgegeben!*

und die letzten Worte des Schauspiels:

*Dem Mann kann geholfen werden,*

sind eine ganz triviale Redensart geworden.--

*Konfiszierter Kerl*

ist wahrscheinlich auch auf Schiller zurückzuführen. Karl Hoffmeister ("Schillers Leben für den weiteren Kreis seiner Leser", T. 1, Kap. 4) erzählt über diese Redensart folgendes:

"Als Schiller einst den Freunden die Worte vortrug, die Franz Moor im Anfange des fünften Aktes zu Moser spricht: 'Ha! was, du kennst keine drüber (über den Vatermord)? Besinne dich nochmals--Tod, Himmel, Ewigkeit, Verdammnis schwebt auf dem Laute deines Mundes! keine einzige drüber?' da Öffnete sich die Thür, und der hereintretende Aufseher sah Schillern halb in Verzweiflung die Stube auf- und abrennen. 'Ei, so schäme man sich doch', sagte er, 'wer wird denn so entrüstet sein und fluchen!' Als er den Rücken gekehrt, rief ihm Schiller, zu den lachenden Gesellen gewandt, das Wort aus den "Räubern" nach: '~Ein konfiszierter Kerl~!'" Jedoch dieser Ausdruck findet sich nirgends in den "Räubern", sondern in "Kabale und Liebe", 1, 2, wo Musikus Miller von Sekretär Wurm sagt: "~Ein konfiszierter~ widriger ~Kerl~, als hätte ihn irgend ein Schleichhändler in die Welt meines Herrgotts hineingeschachert". Im Personenverzeichnis zu "Fiesco" wird Muley Hassan, Mohr von Tunis, als "konfiszierter Mohrenkopf" bezeichnet.

*Und darum Räuber und Mörder*

steht nicht in der ersten Ausgabe der "Räuber" (Frankfurt u. Leipz. 1781), sondern in der noch heute allen Bühnen-Aufführungen zu Grunde liegenden Umarbeitung, welche ~Schiller~ mit seinem Stücke für das Mannheimer Theater auf Andrängen des Intendanten Dalberg vornahm, im 4. Akt, Sc. 17 (Neue für die Mannheimer Bühne verbesserte Aufl. Mannheim 1782).--

* * * * *

Aus ~Schillers~ Gedichte "Kastraten und Männer" (in der "Anthologie auf das Jahr 1782. Gedruckt in der Buchdruckerei zu Tobolsko", S. 125) in seiner späteren Umbildung "Männerwürde" genannt, stammt:

*Zum Teufel ist der Spiritus, Das Phlegma ist geblieben.*

Das Bild ist vom Destillationsprozesse hergenommen, bei dem nach Herstellung des Spiritus eine wässerige, fade schmeckende Flüssigkeit zurückbleibt, welche früher "Phlegma" hiess. In derselben "Anthologie" bietet in dem Gedichte: "In einer Bataille. Von einem Offizier", S. 49 (später "Die Schlacht" genannt):

*Das wilde eiserne Würfelspiel*

eine viel citierte Umschreibung für Kampf und Krieg.--

* * * * *

Aus ~Schillers~ ebenda abgedrucktem Gedichte "An Minna", S. 190, wird citiert:

*Meine Minna geht vorüber? Meine Minna kennt mich nicht?--*

* * * * *

~Schillers~ "Verschwörung des Fiesco" (1783) bietet 1, 5 Gianettino Dorias Fluch:

*Donner und Doria!,*

und aus 3, 4 pflegt man zu citieren:

*Der Mohr hat seine Schuldigkeit gethan; der Mohr kann gehen,*

während es an Ort und Stelle "Arbeit", nicht "Schuldigkeit" heisst.

3, 5 steht Fiescos Drohung:

(Fahre wohl, Doria, schöner Stern.) *Auch Patroklus ist gestorben, Und war mehr als du;*

ein Citat aus ~Homers~ "Iliade" 21, 106 und 107, wo Achill dem um sein Leben flehenden Lykaon zuruft:

*Ἀλλά, φίλος, θάνε καὶ σύ. τίη ὀλοφύρεαι οὕτως; Κάτθανε καὶ Πάτροκλος, ὅπερ σέο πολλὸν ἀμείνων.*

Stirb denn auch du, lieber Freund! Warum wehklagest Du also? Starb ja doch auch Patroklos, der sehr viel besser als du war.--

*Verderben, gehe deinen Gang!*

heisst es im "Fiesco" am Ende von 5, 1.

Man erinnert sich dabei an Shakespeares "Julius Caesar" 3, 2:

"Mischief, thou art afoot, Take thou what course thou wilt!" "Unheil, du bist im Zuge, Nimm, welchen Lauf du willst!"

Im "Fiesco" 5, 4 steht:

*Deutsche Hiebe;*

5, 16 spricht Fiesco: "Was zerrst du mich so am Mantel?--er fällt!" Verrina (mit fürchterlichem Hohne): "Nun, wenn der Purpur fällt, muss auch der Herzog nach!" (Er stürzt ihn ins Meer.) Dies wird also citiert:

*Wenn der Mantel fällt, muss der Herzog nach.--*

* * * * *

Aus "Kabale und Liebe" (1784) 2, 2 ist:

*Legt's zu dem Übrigen,*

was ~Schiller~ später auch in "Maria Stuart" 1, 1 gebraucht. Ferner finden wir in "Kabale und Liebe":

5, 3:

*Unglückseliges Flötenspiel!*

5, 7:

*Die Limonade ist matt, wie deine Seele.--*

* * * * *

~Schillers~ Gedicht "An die Freude" ("Thalia", I. Bd. 1787, 2. Heft, S. 1-5) enthält:

*Freude, schöner Götterfunken; Seid umschlungen, Millionen!*

und:

*Wem der grosse Wurf gelungen.*

Das Wort dieses Gedichtes:

*Wer ein holdes Weib errungen, Mische seinen Jubel ein!*

hat am Schlusse von Beethovens Oper "Fidelio" und im Finale seiner neunten Symphonie die musikalische Weihe gefunden; jedoch lautet es da:

Wer ein solches Weib errungen, Stimm' in unsern Jubel ein!

(nach der auf ~Beethovens~ Wunsch durch F. ~Treitschke~ umgearbeiteten ~Sonnleitner~schen Übersetzung des Operettentextes ~Bouillys~: "Léonore ou l'amour conjugal").--

Weitere Citate aus dem Gedicht "An die Freude" sind:

*Unser Schuldbuch sei vernichtet!*

und