Führer durch das k. k. österreichische Museum für Kunst und Industrie
Part 7
Die Fayenceindustrie von Nevers wurde durch italienische Arbeiter begründet, die Louis von Gonzaga, der Gemahl der Herzogin von Nevers, gegen Ende des XVI. Jahrhunderts dahin berufen hatte. Sie sind in unserer Sammlung durch zwei Objekte, eine Vase und einen Teller in jener schönen blauen Glasur mit Malerei in Weiß und in Gelb und Weiß, vertreten, die für die Arbeiten von Nevers um die Mitte des XVII. Jahrhunderts charakteristisch war, Reihe 2 links. Im XVIII. Jahrhundert wurde in Nevers roh bemalte weiße Fayence erzeugt, wofür die in Reihe 1 an zweiter Stelle befindliche Flasche mit St. Nikolaus ein für die in Nevers beliebte volkstümliche „faience parlante“ mit figürlichen Darstellungen und Inschriften bezeichnendes Stück ist. Die Fayenceindustrie von Rouen in ihren zwei berühmten Verzierungsweisen, dem „style rayonnant“, und dem „décor à la corne“ ist durch eine Reihe guter Beispiele vertreten. Der „style rayonnant“, vom Ende des XVII. Jahrhunderts bis etwa 1740 herrschend und so benannt wegen seines strahlenförmig von der Mitte ausgehenden Dekors mit Ornamentreserven, wird durch drei große Schüsseln und eine Kanne repräsentiert, Reihe 1, weitere Varianten in der Reihe 3 und 4. Den „décor à la corne“ mit dem Füllhorn, den bunten Schmetterlingen und Blumen finden wir in einer Schüssel mit dazugehörender Terrine und in zwei achteckigen kleinen Schalen vertreten (Reihe 3). Im Stile der beiden Bérain, leicht, lose und luftig, nicht strahlig angeordnet, sondern symmetrisch aufsteigend ist das Ornamentierungssystem, das in der ersten Hälfte des XVIII. Jahrhunderts für Moustiers charakteristisch geworden ist, und das die keramische Produktion dieses kleinen Städtchens der Provence zu ähnlich hervorragendem Rang erhoben hat wie die von Nevers und Rouen. Die Muster erscheinen in zarter Blaumalerei auf weißem Grunde, wie es die vier Beispiele der untersten Reihe zeigen. Gegen die Mitte des Jahrhunderts waren neben der berühmten, von Paul Clerissy begründeten Fabrik noch mehrere andere entstanden, die neben Blau auch andere Farben in zarten duftigen Tönen verwendeten, wofür das fünfte Stück dieser Gruppe, der Teller mit Landschaft, Reihe 3, links, ein Beispiel bietet. Die nächste größere Gruppe bilden die Straßburger Fayencen der beiden Hannong, des Paul, 1730 bis 1755, und seines Sohnes Josef. Reinheit der Zinnglasur und ein prachtvolles Karminrot zeichnen diese Fayencen aus, zu deren Charakteristik überdies die spärliche und nur in Muffelfarben vorkommende Verwendung von Blau und die schwungvolle Zeichnung der in einem konventionellen Naturalismus durchgeführten Blumen gehören. Beispiele sind im folgenden Schranke am Fenster in kleinen Gruppen vereinigt. Außerdem befinden sich hier noch einige Fayencen aus Marseille, wo gegen Ende des XVII. Jahrhunderts eine Fayenceindustrie emporblühte, aber kein Genre von stark ausgesprochener Eigenart entstand. Die Formen ahmen vielfach die Muster der Silberschmiede mit ihren aus Fischen, Früchten und Gemüsen gebildeten Deckelknäufen nach, der malerische Dekor folgte dem Beispiele Straßburgs. In dem einen Punkte weicht er aber davon ab, daß an Stelle konventioneller Zeichnung häufig direktes Naturstudium tritt, wie dies namentlich an den in Reihe 1 und 2 ausgestellten Tellern und Schüsseln ersichtlich ist. Wie bei Straßburg das Karminrot, bildet hier das „vert de Savy“, ein besonders leuchtendes Grün, eine Spezialität. Überdies sind die Fabriken von Luxemburg und Creil in der Sammlung durch Einzelstücke vertreten. Ein zierlicher Korb aus dem Ende des vorigen Jahrhunderts und einige Teller bilden zwei frühe Beispiele für Kupferdruck auf Fayence.
DEUTSCHES STEINZEUG.
An Härte dem Porzellan nahekommend, aber weder dessen feine durchscheinende Masse noch dessen Widerstandsfähigkeit gegen raschen Temperaturwechsel aufweisend, bildete das Steinzeug in Deutschland bereits im Mittelalter ein beliebtes Material für Trink- und Schenkkrüge. Die Gegend von Koblenz bis Köln, wo sich die geeignetsten Tonlager für diese Ware befinden, war mit ihren Hauptorten Höhr, Grenzhausen, Siegburg, Köln, Frechen und Raeren im XVI. und XVII. Jahrhundert der Mittelpunkt ihrer Fabrikation. Die Masse brannte sich weiß, grau oder braun und erhielt eine einfache Salzglasur, das heißt in einem bestimmten Stadium des Brandes wurde Kochsalz in den Ofen geworfen, das Chlor entwich als Chlorwasserstoff, und das Natrium verband sich mit der Kieselsäure des Tones und bildete eine dünne Glasur. Aufgelegte Reliefverzierung, den Vorbildern deutscher und französischer Kleinmeister folgend, und mit eingepreßten Zierformen abwechselnd, bildeten das Charakteristische dieser Arbeiten. Sie sind in den folgenden beiden Schränken ausgestellt. In der obersten Reihe des nächst dem Pfeiler befindlichen Schrankes finden wir Westerwälder und Raerener Krüge darunter einen Schnabelkrug nach einem Modell von Hans Hilgers, einen Musketierkrug, einen besonders großen Steinkrug, in der Mitte, und einen Raerener Krug mit Bauerntanz. Die darunter befindliche Reihe besteht aus weißen Siegburger Krügen vom Anfang bis über die Mitte des XVI. Jahrhunderts, beginnend mit den frühen Trichterbechern. In der Mitte zwei prächtige Schnellen mit figuralem Reliefschmuck, am Schluß der Reihe ein Birnkrug des Meisters Anno Knütgen mit dem kursächsischen Wappen, datiert 1574. In der folgenden Reihe spätere niederrheinische Krüge, in der Mitte ein Westerwälder Sternkrug. Zu unterst Steinzeuggefäße des XVII. und XVIII. Jahrhunderts, darunter zwei Perlenkrüge aus Sachsen-Altenburg.
Im folgenden Schranke in der obersten Reihe zwei sogenannte Trauerkrüge mit Kerbschnitt aus Freiberg in Sachsen. Anschließend oben und an der einen Langseite die dunkelbraunen Krüge aus Kreußen bei Bayreuth. Darunter zwei Apostelkrüge, ein Jagdkrug und einer mit den vier Kirchenvätern. Charakteristisch ist ihre niedere Form und der mit Emailfarben und Gold bemalte Reliefdekor. An der andern Langseite besonders hübsche braune Steinzeugkrüge aus Raeren und Köln: Sündenfall-Schnelle, Krug mit Bauerntanz, Schnelle mit den drei göttlichen Tugenden aus der Eigelstein-Werkstatt und andere. In der folgenden Reihe ein Meckenheimer Maßkrug und andere größtenteils niederrheinische Trinkkrüge des XVII. und XVIII. Jahrhunderts, die in der untersten Reihe, wo auch das Steinzeug aus Marburg in Hessen und aus Bunzlau in Preußisch-Schlesien vertreten ist, ihre Fortsetzung finden.
ÖSTERREICHISCHE UND DEUTSCHE HAFNERWARE ETC.
Im folgenden Schrank an der Pfeilerseite ist hauptsächlich die österreichische und deutsche Hafnerware mit Bleiglasur ausgestellt. In der obersten Reihe Ofenmodelle des XVI. bis XVIII. Jahrhunderts und eine Schüssel mit eingeritztem, buntem Flachmuster aus Stadt Steyr. In der folgenden Reihe namentlich bunte Keramiken aus Gmunden: Wöchnerinnenschalen, Weihbrunnkessel, die Henkelschale des Peter Graf, 1627, mit doppelter, durchbrochener Wandung, ein Vogelfutterhäuschen von Ende des XVI. Jahrhunderts ferner Nürnberger Krüge mit bunten Relieffiguren, der eine mit Sandanwurf und Reliefauflagen, polnische Adelige, der andere mit Beerennuppen und der Verkündigung, eine alte deutsche Palissy-Nachahmung mit der Taufe Christi u. a. In der dritten und vierten Reihe einfachere Gmundener Erzeugnisse und Salzburger Keramiken des XVII. bis XVIII. Jahrhunderts. In der Mitte der dritten Reihe Krug mit geflammter Manganglasur und Reliefauflagen aus Brieg in Preußisch-Schlesien. In der letzten Reihe schöne Winterthurer Schüssel von 1691.
Der entsprechende Schrank an der Fensterseite enthält Fayencen und Steingutarbeiten. In der obersten Reihe schwedische Fayencen des XVIII. Jahrhunderts, in den zwei folgenden Trinkkrüge u. dgl. aus Potsdam, Kelsterbach, Nürnberg, Ansbach, Magdeburg, Rheinsberg, Göggingen und Künersberg. An österreichischen Fabriken sind Holitsch, Prag, Teinitz und Frain vertreten.
ÖFEN UND OFENKACHELN.
Neben diesem Schrank befindet sich ein großer achtseitiger bunt bemalter Ofen aus dem Zimmer der Weggenzunft in Zürich, ein Werk des Meisters Ottmar Vogler in Elgg vom Jahre 1725, dekoriert von David Sulzer aus Winterthur. Weitere Öfen sind an den Außenseiten der Pfeiler aufgestellt; beim Eingange ein Schweizer Ofen aus dem Ende des XVII. Jahrhunderts mit bunten, reliefierten Kacheln, die vier Tageszeiten in biblischen Allegorien darstellend, die drei folgenden deutsche Erzeugnisse des XVIII. Jahrhunderts, der letzte in der Ecke, mit vergoldeten Ornamenten, eine Grazer Arbeit der Rokokozeit.
An der Wand gegenüber den Öfen bemerken wir zunächst frei ausgestellt ein großes Weingefäß, eine in Sgraffitotechnik ausgeführte Arbeit des XVII. Jahrhunderts aus Montelupo. Im Anschlusse ist die große Sammlung von Ofenkacheln ausgestellt. Die Reihe beginnt beim Eingang mit einigen zum Teil noch mittelalterlichen Topfkacheln. Es folgen sodann fünf Kacheln des gotischen Ofens aus der Sakristei von St. Stephan in Wien. Nach dem Prinzip der ältesten Ofenkacheln, die napfförmig vertieft waren, um die Ausstrahlungsfläche zu vergrößern, bilden diese Kacheln tiefe Nischen, aus denen die figuralen Darstellungen auf weißem Tongrunde, mit bunten Bleiglasuren bemalt, im Relief hervortreten. Die Eckkachel in der Mitte stellt beiderseitig den Kampf Simsons mit dem Löwen dar und zeigt über Eck gestellt eine frei modellierte weibliche Figur im Kostüm des XVI. Jahrhunderts, ein Wappenschild mit dem Doppeladler, der den österreichischen Bindenschild als Brustschild trägt, haltend. Unterhalb dieser Kacheln befinden sich mit Graphit geschwärzte Reliefkacheln mit Einzelfiguren aus der Folge der drei guten Heiden, Juden und Christen nach Virgil Solis. Eine schöne Salzburger Kachel aus dem Anfange des XVI. Jahrhunderts ist ferner die bunte Kachel links unten in der Ecke mit der Figur eines der heiligen drei Könige. In der folgenden Gruppe sind hauptsächlich Nürnberger Kacheln des XVI. Jahrhunderts zusammengestellt, darunter Kacheln mit perspektivisch dargestellten Renaissancehallen, grün mit stellenweiser Vergoldung und zwischen ihnen die Kachel mit der Venus, eine der besten Arbeiten der deutschen Renaissance auf diesem Gebiete, ferner ornamental verzierte Kacheln von besonderer Schönheit. In der folgenden Abteilung bildet die bunte Bekrönungskachel in der obersten Reihe mit dem Stadtwappen von Vöcklabruck, zwei Schriftbändern und an den Seiten Schutzengel und Bergknappe, ein besonders hervorragendes Stück. Anschließend auf einem Sockel großer Salzburger Weinkrug mit aufgelegten Medaillons, Löwenköpfen und sonstigen Verzierungen, um 1600. Ein zweites, ähnliches Stück auf dem folgenden Sockel, darüber ein Schneideraushängeschild, doppelseitig mit Kostümfiguren und der Datierung 1605. Nach dem ersten der Salzburger Weinkrüge prächtige bunte Ofenkacheln mit allegorischen Figuren aus der Werkstätte des Salzburger Hafners H R um 1570, eine große figurenreiche Kachel mit der Kreuzigung und Teile eines Ofens mit Band- und Rankenmuster. Es folgt sodann eine Abteilung mit modernen Ausformungen aus alten, im Besitze des Museums befindlichen Originalmodeln des XVI. und XVII. Jahrhunderts. Daran schließen sich bunte Ofenkacheln mit den vier Jahreszeiten und schwarz glasierte Reliefkacheln, süddeutsche Arbeiten des XVII. Jahrhunderts, darunter eine ehemals kalt bemalte Kachel mit dem Wappen des Bischofs Julius von Würzburg. An die folgenden zwei Kachelreihen, siebenbürgische Arbeiten des XVIII. Jahrhunderts, schließt sich eine Gruppe bunt oder einfarbig bemalter Kacheln, die hauptsächlich Schweizer- und deutsche Arbeiten des XVII. und XVIII. Jahrhunderts sind. An der Ecke befindet sich ein Riesenkrug oberösterreichischer Herkunft mit der Inschrift Christoph Gschir 1741.
Über Eck gestellt finden wir eine kleine Sammlung von Delfter und hessischen Wandfliesen und zu unterst mittelalterliche Fußbodenfliesen mit Gravierungen aus der Kirche zu Heiligenkreuz.
Von hier in den Hauptraum zurückkehrend, haben wir in dem am Pfeiler stehenden Schrank zahlreiche Holitscher Fayencen. Die im XVIII. Jahrhundert gegründete Fabrik ging nach 1740 in kaiserlichen Besitz über, erlangte bald einen bedeutenden Ruf und wurde erst um die Mitte des XIX. Jahrhunderts aufgelassen. Es wurden daselbst zuerst Erzeugnisse in der Art von Castelli, dann solche nach chinesischen Vorbildern, darunter viele Figuren angefertigt. Einfacheres Geschirr war mit Blaumalerei sowie mit manganbrauner und grüner Malerei ornamentalen Charakters versehen. Weitere Gattungen waren die meist mit Obst, seltener mit Blumen bunt bemalten Service, die Stücke mit Rot-, Gold- und Buntmalerei, ähnlich wie die beiden hier ausgestellten Krüge, mit Susanna im Bade und der satirischen Darstellung eines handeltreibenden Bettelmönches. Häufig waren auch Gefäße mit plastischen bunten Blumen, solche in Form von Tieren, wie Papageien, Hühnern, Gänsen usw., reichgebildete Tafelaufsätze und von 1786 an, als die Fabrik auch Steingut erzeugte, die Imitationen von Wiener Porzellan und ein mittels Druckverfahrens erzeugter Dekor. Fast alle diese Gattungen sind in den oberen drei Reihen des Schrankes vertreten.
In der untersten Reihe Salzburger und Gmundener Fayencen des XVIII. und beginnenden XIX. Jahrhunderts. Im folgenden Schrank an der Fensterseite ist die deutsche Fayence in Blaumalerei, wie sie namentlich in Braunschweig, Hanau, Nürnberg, Ansbach, Bayreuth, Künersberg, Straßburg, Hamburg usw. nach holländischer Art schon im XVII., besonders aber im XVIII. Jahrhundert erzeugt wurde, ausgestellt. Sie hatte die Aufgabe, der holländischen über Frankfurt auch nach dem deutschen Süden eindringenden Ware durch möglichst gleichwertige heimische Erzeugnisse entgegenzuwirken.
Die Ähnlichkeit mit Delft erreichte namentlich Hanau in einem hohen Grade. In unserer Sammlung ist besonders Bayreuth, 1720 gegründet und von 1735 bis 1763 in vollster Blüte, gut vertreten. Die Bayreuther Arbeiten zeichnen sich gewöhnlich durch lichtes, durch weiße Pünktchen getrübtes Blau aus. Besonders hervorzuhebende Stücke sind: in der obersten Reihe zwei Vasen mit Rokokoornamenten aus Braunschweig, in der zweiten Reihe die Nürnberger Deckelkrüge, der erste mit Stadtansichten, der folgende mit der Darstellung einer Wochenstube und ein dritter mit der einer Straßenpflasterung sowie die Ansbacher Sternschüssel. In der folgenden Reihe die achteckige Künersberger Servierplatte, die drei Straßburger Fayencen von K. Hannong im „Style rayonnant“ von Rouen und die figurenreiche sechseckige fränkische Schraubenflasche mit Hirschjagd und Mahlzeit im Freien; in der untersten Reihe die ovale Platte auf vier Füßen von Knöller in Bayreuth. Außen am Schrank ist eine Schweizer Fayenceplatte mit reicher Renaissancearchitektur, den Hof des Königspalastes zu Jerusalem mit David und Bathseba darstellend und mit der frühen Datierung „1533“ angebracht.
In derselben Abteilung befinden sich zwei Schränke mit Delfter Fayencen des XVII. und XVIII. Jahrhunderts. Die Fayenceindustrie der Stadt Delft beginnt in den letzten Dezennien des XVI. Jahrhunderts und gewinnt um die Mitte des XVII. Jahrhunderts, unterstützt durch eine ununterbrochene Einfuhr als Muster dienender ostasiatischer Porzellane, sowie durch einen tüchtig organisierten Handel einen Weltmarkt, dessen Bedeutung erst durch die allmähliche Entwicklung des europäischen Porzellans im Laufe des XVIII. Jahrhunderts nach und nach schwindet. Von den verschiedenen Dekorationstypen, die während dieser Periode üblich waren, sind eine ziemliche Anzahl in der Sammlung vertreten. Wir finden chinesische Genreszenen, Stücke mit Inschriften, Übertragungen des „style rayonnant“ von Rouen, ferner Schüsseln mit Wappen, Tieren, Landschaften, Seebildern, Emblemen, Heiligen- und biblischen Figuren und ein Beispiel von Porträtmalerei. Was jedoch vorherrscht, das sind die ostasiatischen Motive. Die Objekte in Blaumalerei zeichnen sich durch besonderen Glanz der Zinnglasur aus, den sie durch Bestäuben mit fein zerriebenem Bleiglaspulver erlangt haben, der im Brande schmelzend die bemalte Oberfläche überzieht. Die vielfarbige Malerei entwickelte sich erst gegen Ende des XVII. Jahrhunderts und beruht hauptsächlich auf dem Dreiklang von Rot, Blau Grün. (Das Rot aus mehrfach gebranntem feinsten Bolus.) Eine andere Gattung, bei der gewöhnlich auch Gold zur Verwendung kam, imitiert die Farbenwirkung der japanischen Hizen-Ware und umfaßt Prachtstücke ersten Ranges, die an Schönheit die japanischen Vorbilder weit übertreffen. Dieser blau-rot-goldene Dekor (das Rot ein auf die fertiggebrannte Glasur aufgemaltes Eisenrot) ist durch vier Teller, wovon einer das Brustbild Karls VI. zeigt, und durch einen Krug mit vergoldetem Deckel charakterisiert. Die in der Sammlung vertretenen Meister sind in der Reihe, wie sie in den beiden Schränken aufeinander folgen: Adrian Pynaker, Lambert van Eenhorn, Huibrecht Brouwer, Cornelis van der Hoeve, Cornelis de Keizer, Jan Pieters, Geertruy Verstelle, Joost Brouwer und im Schranke nächst dem Fenster C. J. Messchert und A. C. van Noorden, Aebreyt de Keiser, J. G. van der Hoeven, Augestijn Reygens, J. G. L. Kruyk und J. Verburg.
OSTASIATISCHE KERAMIK.
Die Chinesen sind zur Zeit der Tang-Dynastie (618-907) die ersten Erfinder des Porzellans gewesen. Bis zum XIV. Jahrhundert waren Bronzeformen für das gewöhnlich noch einfarbig glasierte Porzellan vorbildlich. Erst unter der Ming-Dynastie (1368-1643) beginnt nicht nur eine selbständige Entwicklung der Formen, sondern auch eine eigentliche Porzellanmalerei. Drei Arten werden dabei unterschieden: Die Unterglasurmalerei in Kobaltblau, die feuerbeständigste aller keramischen Farben, und daneben ein Kupferrot, das bald allein, bald in Kombination mit Kobaltblau erscheint. Ferner eine Schmelzmalerei auf Biskuit, endlich die Überglasurmalerei in bunten Schmelzfarben. Zu neuer Blüte gelangte das chinesische Porzellan wieder unter Kaiser Kang-shi (1662-1723), in welcher Zeit auch der Ausfuhrhandel nach Europa einen hohen Aufschwung nimmt. Porzellane mit gesprenkeltem blauen Grund (bleu fouetté) und solche mit ausgesparten weißen Mumeblüten auf blauem Grunde wurden in vorzüglicher Qualität hergestellt. Unter Kien-lung endlich (1736-1796) bevorzugte man namentlich die Überglasurmalerei in opaken Farben, die Porzellane der „famille rose“, die bereits unter dem vorangegangenen Kaiser Yung-chêng (1723-1735) erzeugt worden waren, und die, in denen ein Smaragdgrün vorherrscht (famille verte). Ferner kam in dieser Zeit das sogenannte Eierschalenporzellan auf und das durchbrochene und mit Glasur wieder geschlossene, das die Franzosen „grain de riz“ nennen.
Die Aufstellung der ostasiatischen Porzellane konnte nicht in chronologischer Reihenfolge durchgeführt werden, dagegen wurden die verschiedenen Gattungen zu größeren Gruppen vereinigt. Links vom Eingang sind die chinesischen, rechts die japanischen Porzellane untergebracht. Im ersten Schranke finden wir chinesische Exportware, zumeist Schüsseln und Teller, in der oberen Reihe vier Schüsseln der famille verte, eine davon mit dem Wappen von Friesland, dazwischen Kannen mit Blaumalerei, darunter eine mit vergoldeter Bronzemontierung aus dem Anfange des XVII. Jahrhunderts, eine sogenannte Wasserblase der grünen Familie und drei Waschbecken in Muschelform mit den dazu gehörigen Kannen. Die übrigen Schüsseln und Teller sind nach europäischen Vorlagen, meist Kupferstichen, in Schwarzlot, zum Teil mit etwas Gold dekoriert, manche von ihnen auch in bunten Emailfarben. Wappen, Monogramme, Genreszenen, Landschaften und biblische Darstellungen bilden die Motive, die durch ihre Umdeutung ins Chinesische einen ganz eigenartigen Charakter gewonnen haben. Diese Arbeiten entstammen durchwegs der Regierungszeit des Kaisers Kang-shi (1662-1723) und wurden hauptsächlich in Kanton ausgeführt. Im zunächst stehenden großen Schrank erblicken wir in zwei Reihen Seladonporzellane älterer und neuerer Provenienz, glatt, mit Reliefs oder mit eingravierten Ornamenten versehen. Diese mit Eisenoxyd trüb grünlich gefärbten Porzellane wurden bereits im Mittelalter erzeugt, fanden auch außerhalb Chinas schon in früher Zeit große Verbreitung und sind wahrscheinlich aus dem Bestreben hervorgegangen, den wegen seiner Härte hochgeschätzten Nephrit oder Jadeit nachzuahmen. Den Namen Seladonporzellan erhielt es nach dem grün gekleideten Helden eines Romanes des XVII. Jahrhunderts, „L’Astrée“ von Honoré d’Urfé. Der Hauptfabrikationsort ist Lungchüam (Provinz Chê-hiang).
In der obersten Reihe und an der linken Schmalseite des Schrankes befinden sich prächtige lasurblaue Porzellane, mit zum Teil bereits verwischtem leichtem Golddekor, Vasen und große Schalen aus der Periode Kien-lung, die großen Vasen in prächtiger, französischer Bronzefassung aus der Zeit um 1770. Eine an der Ecke stehende, im Hauptkörper zylindrische Vase mit langer Goldinschrift, ein schönes Beispiel des sogenannten bleu fouetté. An der entgegengesetzten Ecke zwei Vasen mit braunem Schuppenmuster im Fond und eine Wasserpfeife der Ming-Dynastie. Die folgende Breitseite des Schrankes nimmt in den unteren zwei Reihen die für Persien erzeugte chinesische Exportware ein, die durch einige für Siam angefertigte Stücke ergänzt wird. Bei diesen Porzellanen kommt, im Gegensatze zu den für China selbst erzeugten, das architektonische Dekorationsprinzip, das auf regelmäßiger Einteilung in verschiedene Dekorationsfelder beruht, mehr zur Geltung.
Im gegenüberstehenden Schranke sind verschiedene Dekorationsweisen in bunten Emailfarben vom Beginn des XVIII. Jahrhunderts bis in die Gegenwart zur Anschauung gebracht, besonders beachtenswert die fünf großen in Bronze gefaßten Vasen mit bemalten Reliefblumen und die Porzellane der rosa und der grünen Familie.
Im nächststehenden Schranke finden wir das chinesische und japanische Weißporzellan vereinigt, das elfenbeinfarben abgetönte sogenannte „blanc de Chine“ das mit Relief geschmückt, mit eingravierten Linien oder eingepreßten Ornamenten verzierte und das mit kalten Farben (Gold, Rot, Grün) bemalte Weißporzellan. Ferner sind hier mit Kupferoxydglasuren gefärbte meist chinesische Porzellane, rotes, sogenanntes „sang de bœuf“ und mannigfach geflecktes oder rot, violett, blau und grün geflammtes Porzellan („flambés“) zu einer Gruppe vereinigt. Darunter ein seltenes Beispiel des sehr geschätzten „peach bloom“, eine gesprenkelte Glasur, der Haut des Pfirsichs gleichend (das kugelförmige Töpfchen in der Mitte), und eine krakelierte hellblaue Vase mit untersatzartigem durchbrochenem Fußansatz aus der Zeit der Ming-Dynastie, 1368 bis 1643 (Mittelreihe links).
Der gegenüber befindliche Schrank enthält japanische Erzeugnisse, und zwar ältere Imari-Ware, so genannt nach dem Ausfuhrhafen für Porzellane aus Arita. Besonders hervorragende Stücke davon sind die drei Vasen mit buntem Blumendekor zwischen hellblauen Ornamentfeldern und manche von jenen in Emailfarben mit zarten Mustern dekorierten Stücken, die in Meißen und in Wien in den ersten Jahren ihrer Porzellanfabrikation als Vorbilder gedient haben (vergl. die älteren Stücke im Schranke mit dem Meißener Porzellan). Auf der gegenüberliegenden Breitseite des Schrankes befinden sich die braunrot dekorierten Porzellane aus Kutani in der Provinz Kaga, wo um 1660 eine Porzellanmanufaktur entstand. Man wählte hier, um die nicht ganz reine Masse zu verhüllen, einen den Grund möglichst deckenden Dekor. Ein dunkles Eisenrot bildet die Hauptfarbe, zu dem noch etwas Grün, Gelb und Schwarz hinzukommt.
An der gegen das Fenster zu gekehrten Schmalseite dieses Schrankes ist die elfenbeinfarbene mit goldenen und farbigen Malereien verzierte Satsuma-Ware zusammengestellt, Arbeiten, die durchwegs Exportartikel aus dem vorigen Jahrhundert sind, die an eine ältere, bessere Ware aus dem XVIII. Jahrhundert anknüpfen.