Florens Abentheuer in Afrika, und ihre Heimkehr nach Paris. Zweiter Band.
Part 9
Da das innre schöne Darkulla von vielen Teichen und kleinen Seen durchschnitten war, die durch Ströme und Kanäle verbunden wurden, so bediente sich das Sultanshaus zu Reisen, die eben keine Eile hatten, einer schwimmenden Insel, wie es deren auf den Gewässern viele gab. Sie waren nicht, wie in China, künstlich verfertigt worden, sondern die Natur selbst hatte Stücken Torfmoor vom Lande getrennt, durch Winde war nach und nach mehr Erde hinauf geweht, wie auch Saamenpflanzungen. Wer sich ein so liebliches Eiland zugeeignet hatte, machte es durch schattige Bäume, edle Früchte, Lauben von Blumen und Trauben noch lieblicher. Eine inländische Gattung von Schwänen, sehr empfänglich für Unterricht, wurde erzogen, diese kleine Inseln, an die man sie mit Guirlanden von Lotosranken band, gemächlich fortzurudern.
Nichts entzückender wie so eine Reise. Man schifft sich ohne alle Sorge für Unterhalt ein, von Bäumen aller Farbe, mit Blumenduft jeder Art bewillkommt. Am Fuße dieser Bäume verflechten sich erquickende Melonen, Bignonias, saftige Trauben ranken von Zweig zu Zweig hinauf, und bieten dem Pilger freundliche Labe dar. Grotten, Wölbungen und Hallen, bildeten Gesträuche mit Blumengewölken überhangen. An den Zweigen, die sich liebkosend zu den Wellen beugen, zieht man köstliche Meerspinnen, Austern, und andre buntfarbige Schaalthiere hinauf, in dem dichteren Geflechte fanden die Reisenden ohne Mühe die erlesensten Gattungen der Fische. Auf den balsamhauchenden Wipfeln der Bäume setzt sich Geflügel aller Art, das der Gefahren nicht gewohnt, kaum nachlässig weghüpft, wenn eine menschliche Hand ihm naht, man würde also auch thierische Nahrung nach Bedarf finden. Allein die ganze Empfindung ist den Wanderern zu harmlos gestimmt, als daß sie tödten könnten. Frommen Braminen gleich, dienen nur Früchte zu ihrer Nahrung, und so gewürzhaft, so in Fülle des reinsten Nahrungsstoffes, wie diese sind, würde auch ein Lukull, wenn er von den Schatten wiederkehrte, hier vergnügt sein, für seine Pfauenzungenragouts entschädigte ihn eine Cocosnuß mit einem Gemisch aller öhligten balsamischen Fruchtkerne und edler Würzen, das hier sogleich anzufertigen ist, und seinen Falerner, unter Consul Torquat gepreßt, würde er vergessen, wenn er hier eine nektarische Traube in eine Muschel drückte.
Das Eiland, welches Flore hier zur Reise bestimmte, glich ungefähr an Umfang und Gestalt der Remusinsel in Rheinsberg, nur daß die südlichen Früchte dort prangten. Wer also zu Rheinsberg war, kann sich ein desto vollkommneres Bild von jener entwerfen, und urtheile, ob Flore, Isabelle, Alonzo, Coutances, und die treuen Diener bequemen Platz darauf fanden. Der Untreue sollte im Anfange nicht mit, fand aber hernach Milde, wie der Verfolg darthun wird.
Ende des sechsten Buches.
Potpourri. Glossen über eine Weisung des Jesuiten Balthasar Gracian.
»Elegante Gelahrtheit, diese vor allen Dingen suche der ächte Weltmann sich anzueignen. Kunde von den Gegenständen der Zeit, Witz im gültigen Augenblick, angenehme Wendungen; sie vollenden, zeichnen aus vor der Menge, Alltagsform. Bisweilen bringt eine hingeworfene Deutung, eine leichte feine Geberde mehr Eindruck zu Wege, als der tiefe Unterricht weiser Lehre. Die Kunst der Unterhaltung wucherte Vielen reichlicher, wie die gesammte Ausbeute der sieben freien Künste.
Alcid errang mehr Triumphe durch sein Betragen, wie durch den Heldenmuth. Der Kraft, welche seinen Lippen entfloh, wich jene, womit er die furchtbare Keule schwang. Hier tilgte er rohe Ungeheuer, dort schlug er edle Geister in Banden. Es giebt eine gewisse freundliche Hofmanier, eine gewisse trauliche glückliche Kennerschaft, welche allenthalben beliebt, allenthalben gesucht machen. Doch nicht das Buch, nicht die Schule erziehen dir diese Bildung. Sie muß im Tempel des guten Geschmacks, auf der Bühne des höheren verfeinerten Lebens geärndtet werden. Ihre lieblichen Geistesblüthen sind -- Allgemeine Vertrautheit mit den Weltereignissen -- mit dem Ton des Tages -- die Gabe fein zu beobachten, bei den Großthaten der Fürsten, den seltsamen Verkettungen des Geschicks, dem Unbegreiflichen in der Natur. Ein Register sammelt sie von der reinsten Poesie in den Dichtungen, des Antheilwürdigsten im Neuen, des Gedachtesten in der Philosophie, des Treffendsten in der Satyre. Sie kennt die moralische Angeln, um welche sich das Leben dreht, die Tiefen der Vernunft, der Leidenschaften Gewalt und Schwäche des Willens, am gründlichsten aber die Individualität derjenigen, welche eben in dem Trauerlustspiele der Welt die Hauptrollen geben. Jeden ihrer Charakterzüge verzeichnet ihr aufmerksamer Fleiß. So unterrichtet sie sich von der räthselhaften Eigenheit dieses Monarchen, von dem befremdenden Widerspruch, in welchem jener Große mit sich selbst steht, von Schwäche des andern; mittelst dieser prüfenden seelenkundigen Zergliederung, lernt sie den Schleier von der Wahrheit, und ihr Urtheil über die Dinge heben. Ganz besonders aber halte sie ein Kabinet von kernhaften Aussprüchen, sinnigen Anekdoten, schneidenden Einfällen, Witz, Scherz und Laune. Man kann sich das alles, man kann sich die Sentenzen eines Philipp II, die Apophthegmen eines Carl V, so haushälterisch einspeichern, daß die Geistesgegenwart jede Unterhaltung kräftig zu würzen vermag. Doch bei dem Gebrauch des fremden Geistes wache Vorsicht. Nicht immer gefällt noch, was einst gefiel. Die Ansichten sind verrückt, oder auch die Grazie ging in der Zeit unter. Dem Reize der Neuheit seine Huldigung. Wer alt Silber losschlägt, muß den Arbeitslohn einbüssen. Nicht genug, daß der Diamant strahle, die Mode darf auch nichts gegen seine Fassung einwenden. Pedanten und Orbile bemächtigen sich der verjährten Schöngeisterei.«
So weit _Gracian_. Man fühlt wohl, daß er ein Ideal zeichnet, denn wirklich dürfte ihm kein Künstler im Weltton vorgekommen sein, der diese Forderungen sämmtlich erfüllt hätte. Ueberhaupt bedienen sie alles oder nichts. Mehr wie ein Menschenleben, das anhaltendste Zeitopfer, gänzliche Abgeschiedenheit mögten nöthig sein, ihnen im vollen Sinn nachzukommen. Und wo bliebe denn die Praktik des Umgangs, wo wäre anzuwenden, was der Forscher erbeutet hätte. Aber einen, da -- wo die Kritik nicht fühlbar ist -- glänzenden Schimmer ins Leben zu rufen, wird hier eher gelehrt. Geschieht alles so obenhin, daß der Glaube für sich gewonnen wird, so ist die ganze Weisung auch das Reskript zu einem ächten ^Ex omnibus aliquid, ex toto nihil^.
Und so ist es gewiß von Hundert Weltmännern gebraucht, und mit Erfolg gebraucht worden. _Gracian_ wurde besonders in Frankreich oft aufgelegt und beliebt, denn in Spanien mogte die Zeit, für welche solche Regeln taugen, ziemlich vorüber sein. In Frankreich waren sie aber unter Ludwig XIV, dem Regenten, und Ludwig XV. recht an ihrer Stelle.
Doch mit Ludwig XVI. veränderte sich die Szene. Das Hofleben, und der Ton der französischen Residenz, nahmen, bis auf wenigen geheimen Intriguengeist, einen einfacheren Charakter an. Die ernsthafter gewordene Literatur trug das ihrige dazu reichlich bei. Wie die Montesquieu, J. J. Rousseau, Rainal gelesen wurden, galt das _Wissen_ bei Männern, nicht mehr sein Schein, so wie um diese Zeit der flatterhafte Stutzer in den solideren Elegant überging. Es ist merkwürdig, daß Mercier in dem _alten_ Gemälde von Paris, über die letzte Anwesenheit Voltair's in der Hauptstadt sagt: Er hätte während der dreißig Jahre, wo er Paris nicht gesehn, den Ton der Gesellschaft verlernt, die Sucht: ^de paroître ingenieux à chaque instant^ habe Befremdung erregt. Allerdings hatte sich die Würdigung des Menschen gewaltig verändert, und eine so armselige Weisheit konnte nicht mehr gefallen. Und Voltaire hatte sie selbst kräftig verdrängt.
In der Revolution schrie die Noth um Kraft, und fand sie. Ihr Impuls zum schnellen bedachten Handeln, zur Selbstbeherrschung, zur Ergebung in die Nothwendigkeit, zum eiligen epikurischen Erfassen der Freude, wenn sie sich einmal darbeut, und zur stoischen Geduld im Leiden, ist sichtbar auf jeden Franzosen abgeprägt, er ist durchaus der Mann der That geworden, der Mann des Schimmers kann nicht mehr gedeihn, er hat wahrlich mehr Melancholie im Charakter aufgenommen, wie der Britte, und jene angenehm faselnden mit Epigrammen glänzenden Marquis, mit der bunten Außenseite einer Erudition, wie Gracian sie will, finden sich schon lange nicht mehr in Frankreich.
Aber der Deutsche, gern und verspätet den Nachbarn jenseit des Rheines nachäffend, hat manches von jenem alten Ideal gerettet, da es dort schon untergegangen war. An deutschen Höfen sahe man genug, wenn gleich verunglückte Kopieen jenes Originals, und da mit dem Haß der französischen Staatsumwälzung, dort und hie Deutschheit affektirt wurde, zeigte man Vorliebe für vaterländische Geisteswerke, und das Zeichen der Vielbelesenheit kam in Gebrauch. Elegants und Damen mußten gelehrt scheinen, wenn sie Anspruch auf den Ton des Geschmacks machen wollten. So haben wir denn nun den Schimmer des Wortes von den Franzosen eingetauscht, und die That von Ehedem dafür hingegeben.
Aphorismen.
Wo Geniemangel fühlbar wird -- es gilt von Fürsten, Völkern, Individuen -- suche man dagegen Wahrheit zu erkennen. Nur auf diesem Wege ist einiger Ersatz für die Entbehrung zu finden.
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In der Familie lieben Eltern die Kinder ohne Ursach, diese, welche Ursach hätten, jene wenig. Umgekehrt lieben im Staatsverein die Kinder das Vaterland, und werden nicht geliebt.
Der Großstädter, den sein Luxus ermüdete, kann das Köstliche im Landleben nicht mehr umarmen, seine Kraft ist dahin, so wie der Landmann, der spät in die Residenz kömmt, seine Kraft nicht mehr so zerstören kann, bis er diejenigen Freuden der Verfeinerung, deren Genuß Schwäche bedingt, in sich aufzunehmen vermögte.
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Liebe für alte Gewohnheiten, ist meistens nur Trägheit, sich in neue zu fügen.
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Den Beinamen: Groß, verdient ein König, der mit einem Volke von geringen Fähigkeiten kühne Unternehmungen vollbringt; er kömmt einem Volke zu, wenn trotz der Mittelmäßigkeit seines Regenten die Angelegenheiten vortheilhaft gehn.
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Willst du Ehre -- ehre!
Siebentes Buch.
Erstes Kapitel. Beginn der Reise.
Schon am Ende des sechsten Buches war die Rede von dem schwimmenden Reiseeiland, das unsre Europäer in Afrika tragen sollte. Sie begaben sich nach dem Ufer, da saß Perotti bleich und matt, er war bereits vorangegangen. Flore und Isabelle, da sie an ihm vorüber schritten, errötheten und sahen weg, Coutances warf einen Blick des höchsten Zornes auf ihn, und Alonzo fragte finster: was er da wolle?
Mich mit einschiffen, gab er zur Antwort. Das Gefolge legt den Weg auf Eseln zurück. Mein Zustand fordert Bequemlichkeit.
Wie frech seid ihr aber, euch hier noch vor den Fürstinnen zu zeigen. Zu viel Mitleid und Großmuth, daß sie nicht die Todesstrafe über euch verhängten. Verbergt euch, daß man euch gar nicht bemerkt, der Gedanke an immerwährenden Kerker dürfte doch ganz nahe liegen.
»Man kann mich nicht ungehört verdammen. Wir treiben hier alle Abentheurerei. Das Geschick erhebt, wie es eben fällt. Den Mangel an Recht muß die Klugheit ersetzen, und klug handelte ich immer, nur nicht mit dem Glücke im Bund. Nach dem Recht ist Isabelle meine Sklavin, ich fordere Todesstrafe für Imar und Musa wegen der Gewaltthat, und gewiß vergebens, denn es wird jenen freundlich geschmeichelt. So ungerecht ist man, und will mir Haß aufbürden. Flore hat mir für alles, was sie wurde, Verbindlichkeiten. Wenn ich sie damals von Musa nicht loskaufte, war es nur eine billige Rache für ihren leichtsinnigen empfindlich verwundenden Spott. Dadurch bestieg sie den Thron. Ich rettete ihr Leben, und wurde meines Amtes entsetzt. Wars nicht recht, daß ich ohne sie nach Europa entfliehen wollte?«
Coutances fing an Mitleid zu fühlen, Flore hatte etwas von seiner Rechtfertigung gehört, Imar und Musa baten vor, man war überall heiter gestimmt, und so durfte er denn das Eiland mit besteigen, und die Männer sorgten für seine Pflege.
Coutances sprach: Dankt dem Himmel für das, was Imar an euch thut. Nun ist mein Zorn entwaffnet, sonst hättet ihr den Dolch längst im Busen gefühlt.
Hm -- erwiederte Perotti -- es ist damit auch so gar übel nicht. Wem die Liebe entrissen wird, dem geht ein Kelch vorüber, der oben mit holdem Nektar, unten mit dem herbesten Gallentrank gefüllt ist. Wer unter euch berühmt sich, nicht eine Rechnung mit Amor schließen zu können, wo Wonne und Verdruß rein aufgehen. Und die sind noch die Glücklichsten, viele haben für eine Minute der Extase, Jahre von Pein und Reue zu zählen.
Alonzo, Imar und Musa schwiegen, aber der feurige hoffende Coutances übernahm sehr beredt Amors Vertheidigung. Eine reine, treue Liebe, triumphirend in Hymens Tempelhallen, wird doch mit Entzücken schwer die Waage heben.
Ha ha ha ha! lachte der Italiener, als ob sich das nicht auch berechnen ließ. Tausend Meilen hoch in den Aether hinauf, reiche die Leiter, auf deren höchsten Stufe du jetzt stehst, so wirst du doch nach Tausend Genüssen, wenn nicht ehe, wieder auf der platten breiten Erde stehn. Also hast du jeden Genuß mit einer Meile schmerzlichem Verlust bezahlt. Erfahre, erfahre nur zuvor!
Nun, sagte Alonzo, so haben wir dir mindestens eben so viel Glück zu wünschen, als wie dich beklagen, und solltest du nicht minder Minister werden, ist dein Anspruch auf die Oberhauptstelle der Eunuchen vollkommen gerecht.
Zweites Kapitel. Fortsetzung.
Man war eingeschifft, die Schwäne zogen. An der einen Seite stand eine wunderschöne Laube, von tausend Blumenzweigen geflochten. Hier nahmen Isabelle und Coutances Platz, und waren gar nicht da wegzubringen, so viel hatten sie sich zu sagen, so wenig kümmerte sie, was weiter um sie vorging, so ganz gnügten sie sich nach Art der Liebenden. Bald erzählten sie einander von der traurigen bangen innigen Sehnsucht, die sie gefühlt, wie sie vom Wiederverein wachend und schlummernd geträumt, wie sie unter den Sternen des Nachthimmels Zeichen der Liebe gesucht, aus den Mondstrahlen, die durch die Cocospalme winkten, Hieroglyphen der Liebe geflochten, im Liede der Luftsänger Gruß der Liebe vernommen hätten; dann schwuren sie sich wieder, daß die Phantasie, welche die reitzendsten Gottheiten der Griechen erfand, die Heiligen, welche den Himmel offen gesehn, nicht die Wollust empfunden hätten, welche sie nun empfänden, wieder beisammen zu sein. Ein Theil freute sich über den leicht gefundenen schönen Ausdruck des andern, und seine hochfliegende poetische Uebertreibung, die aber den Funken der Beredsamkeit wieder aus dem eignen Herzen schlug, daß die Hyperbeln zu Schaaren Leben traten[3]. So daß ältliche Männer, die es angehört, tödliche Langeweile empfunden hätten, nicht aber ältliche Frauen, denn in Weibes Brust sterben die Erinnerungen an die schöne Liebe nicht, und wecken die Theilnahme.
[Fußnote 3: Ein gewisser deutscher an Bildern vorzüglich reicher Dichter heirathete, mit Fülle der Liebe. Doch nach kurzer Zeit -- kam es zur Scheidung. In seinem Namen wurde folgende Elegie gefertigt:
Eh noch des Torus heilige Fakkel mir glühte, Wehte Zephirs Athem im Blumenthale _Ciane_, Blüthen des Schleedorns Lenzgesträuche _Ciane_, Rankten Veilchen die zarten Gewebe _Ciane_, Flöteten Amsel und Prognens Schwester _Ciane_, Zitterte Luna durch dunkle Platanen _Ciane_, Plätscherte Seeschaum an Promentous Vorland _Ciane_, Rauschten Wogen an Lemans Gestade _Ciane_, Flochten die Moose auf Bevais Felsen _Ciane_, Tönte Echo in Klosterruinen _Ciane_, Lächelten Sterne im Aetherplane _Ciane_. Ach! da aber des Torus Fakkel entglühet, Hymen verstrickt die rosenumdufteten Bande, Da die Sympathie verkettet das Lichtpaar der Psychen, Die mit Hohn der Gräber die stolzen Busen erfüllten, Und er floh, der schönste elisischer Träume, Ach! da braus'te der Seesturm um schroffe Klippen _Ciane_, Heulte Orkan in nächtlichen Oeden _Ciane_, Wimmerte Uhu aus Warteklüften _Ciane_, Krächzten Raben um bange Kerker _Ciane_, Flüsterten schaurig an Gräbern Cypressen _Ciane_, Aechzten Geister im Nebelthale _Ciane_, Sangen der Tiefe Gnomen im Hohngelächter _Ciane_, Zürnten Bären auf Grönlands Eisflur _Ciane_, Glimmten Lampen in Todtengrüften _Ciane_, Thürmten Lavinen aus Schnee den Namen _Ciane_, Flammten Schlakken im Krater Aetnas _Ciane_, Grinzten Schädel in Murtens Beinhaus _Ciane_, Klirrten mit Kettengeräusch Verbrecher _Ciane_, Wanden sich Schlangen der Eumeniden _Ciane_, Bellte Cerberus Mund mit dreien Zungen _Ciane_!]
Flore unterdessen nahm mit Alonzo mancherlei Abrede über die Feierlichkeiten, die sie veranstalten und die Ausführung eines Entschlusses, der den Feierlichkeiten folgen sollte. Mit Imar und Musa wurden die Masregeln überlegt, wie die Weiber und Kinder der Beduinen sicher hereinzuschaffen, und denn die bräunlichen und schwarzen Einwohner so zu befreunden, und zu verbrüdern wären, daß Abneigung und Eifersucht keinen Raum gewönnen. Musa brachte eine Sendung an die Machthaber draußen in Vorschlag, welche eine Entsagung Florens auf die Länder außer den Felsen kund thäte, worauf jene denn wohl zur Willfahrung ihres Verlangens geneigt sein würden. Flore war vollkommen damit zufrieden. Imar meinte: eine ähnliche Botschaft müsse von Seiten der noch immer gefürchteten Gigi geschehn, und dem Reiche Habesch ohne Vorbehalt auf andre Zeiten abgetreten werden, was ihr Schwert einst erobert hätte, so würde man die Weiber und Kinder, welche in ihren Händen wären, gern ziehn lassen. Flore konnte zusagen, daß Isabelle freudig einwilligen werde, Musa und Imar erboten sich aus eignem Antriebe, die Rollen der Abgesandten zu übernehmen, womit Flore auch Ursache hatte, einverständig zu sein.
So verstrich die Zeit, und die blühende und fruchttragende Barke glitt weiter auf der klaren Silberfluth. Unterhielt man sich nicht, so labten die köstlichen Genüsse, welche das wandelnde Paradies darbot. War man da ersättigt, schweiften die Blicke nach den Ufern umher, und einer machte den andern aufmerksam, auf die immer erneute Abwechslung der Aussichten, auf die Verschönerung der Gegenden, je näher es zur Hauptstadt hinging, auf die zauberische Wirkung bald der Morgenröthe, bald der Abendsonne, bald des traulichen Mondlichts, bald der hellstrahlenden Planeten und großen Fixsterne, deren Licht, wegen der südlichen Klarheit der Luft, weit verklärter leuchtete, wie im gemäßigten Erdgürtel. Und das alles wurde von Menschen genossen, denen von Außen Freude des Schicksals lächelte, und in deren innerer Welt die Harmonie der Zufriedenheit tönte. Glückselige Tage!
Indessen besuchte Kaiser Joseph II. einst eine Abtei an der Donau. Das Kloster, oder vielmehr der Klosterpallast, ist auf einer Erhöhung gebaut, die hart an die Donau reicht. Der katholische Clerus hat bekanntlich von jeher viel Geschmack in Anlage seiner Niederlassungen offenbart. Aus den Wohnzimmern entdeckt das Auge eine Pracht der Aussicht, welche jeden fühlbaren Ankömmling hinreißen muß. Joseph, entzückt und begeistert, sagte dem Abte: Ich beneide sie! Was befremden konnte, da es ja nur bei dem Kaiser stand, die geistlichen Herrn wo anders zu siedeln, und ein Lustschloß aus dem Kloster zu machen. Der Abt antwortete ziemlich trocken: man wird es gewohnt, Ew. Majestät.
So erging es, mit Ausnahme der Verliebten, auch unserer Reisegesellschaft. Paradies, immer Paradies, ^toujours perdrix^, das frommt endlich der menschlichen Natur nicht, und es ist daher sehr ersprießlich, daß die Hoffnung einer himmlischen Wonne, die vermuthlich dauernder ist, uns winkt, wenn wir einst die seligen Gefilde beziehen sollen. Sie sahen sich also nach anderem Vertreib desjenigen, was der Mensch widersprüchlich so heiß liebt, der Zeit, um. Besonders Flore, sie war ohnehin derjenige Theil unter allen, den die Gegenwart am wenigsten kettete, und der die meisten Wünsche in die Ferne trug.
Da wurde denn also Signor Perotti, der keck und unverschämt ihr wieder nahte, mit Schwänken beliebt, und bat nicht umsonst, um die Stelle des Reisespasmachers. Man entdeckte sogar noch manche unbekannte Talente bei ihm, so konnte er aus der Tasche spielen, und wußte von dem, was ihm aus der Physik bekannt war, einen so erlustigenden Gebrauch zu machen, wie sein berühmter Landsmann, der sehr in Eifer gerieth, da ein Professor in Berlin seine Wunder erklärte.
Unter andern mußte er denn auch Fragmente aus seiner Lebensgeschichte erzählen, die bunt genug ausfielen. Auch mahnte ihn Flore, daß er ihr einst habe von der Reise Nachricht geben wollen, die er in die unbekannteste Tiefe von Afrika gethan, nach dem Abentheuer in Darfur, Isabellen suchend. Er entgegnete: Es wurde zeither immer vergessen, da aber die gegenwärtige Muße besonders einladet, so mögt ihr vernehmen.
Drittes Kapitel. Perottis Erzählung.
Da ich mich heimlich, und nicht ohne Gefahr von jenem Sultan entfernt hatte, durchzog ich mehrere Länder der Schwarzen, wo ich fast dieselben Thorheiten wie in Darfur wiederfand. Rohheit, närrische Titel, tolle Ceremonie, lächerlicher Stolz, dummer Aberglaube, Mißtrauen und Haß gegen Fremde, waren fast überall Sitte und Charaktergrundzüge. Dagegen nahm ich dort auch manche Kraft, manche Tugend wahr, die man in Europa vergeblich suchen würde. Den vielen Hindernissen, die ich vorfand, begegneten Keckheit und Charlatanerie mit Glück. Charlatanerie ist überhaupt ein Wort von weiterem Umfange, und achtbarerer Bedeutung, wie es im gemeinen Leben verstanden wird. Nicht nur der Pfuscher in der Heilkunde, auch der große Arzt, nicht allein geringe Künstler, auch berühmte Weisen, der volkerziehende Staatsmann, der völkererschütternde Held, versehen sich mit ihrem Nimbus, und gemeinhin würden sie sonst _zu wenig leuchten_. Charlatanisiren heißt: sich geachtet machen, und geschieht das, trägt man die Schuld an sich, redlich ab.
Es lohnte nicht, meine in diesen Reichen gesammelte Erfahrungen alle aufzuzählen. Ich übergehe sie, um bald zur Hauptsache zu kommen, die euch aber ohne Zweifel, Staunen abdringen wird.
Ich war über den Niger gegangen, und verfolgte meinen Weg gen Süden hin. Die Reiche _Azarad_, _Terga_, _Zuenziga_, hatte ich schon gesehn, was ich an den Ufern des großen Stromes sah, entfernte sich unbedeutend von dem Gewöhnlichen, darum ging es immer weiter. Nahe an der Linie ward ich endlich einen neuen in keiner Erdbeschreibung gedachten Strom inne, der den Nil, den Senegal, den Niger ungemein an Breite übertrifft. Kaum reicht das Auge von einem Ufer zum andern hinüber, doch vermuthe ich, daß dies mächtige Gewässer sich endlich in den Sand verliert, sonst würden die Küstenfahrer, die Ausströmung ins Meer doch wahrgenommen haben.
Dem sei wie ihm wolle, ich bekam Lust über den Strom zu setzen, allein es fehlte mir durchaus an Hülfsmitteln zu meinem Vorhaben, denn eine Wüste reichte, so weit das Auge sah, an das Gestade, und kein Fahrzeug ließ sich wahrnehmen. Ich kehrte also mit meinem Diener zurück, Negerwohnungen aufzusuchen. Es gelang. Nun fragte ich: wo man wohl ein Schiff finden mögte, über den großen Strom zu gelangen? Sie antworteten: Einmal sei kein solches Schiff vorhanden, ferner dürfe auch kein Lebender sich über seine Fluthen wagen, jenseit hause der Teufel, der die Seelen der Verdammten dort erwarte. Die Väter erzählten sich, daß einige Verwegene auf zusammengefügten Brettern hinüber gerudert wären, doch kein Menschenkind habe je ein Gebein von ihnen wieder gesehn.