Etymologisches Wörterbuch der deutschen Seemannssprache

Part 8

Chapter 83,512 wordsPublic domain

ist bei uns veraltet, bei den Franzosen aber kommt es als bonnette, den Engländern als bonnet noch vor. Es ist eine Vergrößerung der Untersegel, die bei gutem Wetter und beständigem Winde angebracht wird. Also etwas Ähnliches wie Leesegel, nur daß ein solches *neben* dem eigentlichen Segel, das Bonnet aber an der *Unter*kante des Segels angebracht wird. Mittelhochdeutsch bonit, 1461: »en holk, geheten Marienknecht, mit deme segel, bonitzs, veer kabels, veer ankers« u. s. w. Bonnet war der Name einer Art von Zeug, Leinwand oder dergl., daher eine aus solchem Zeug verfertigte Mütze bonnet hieß und in England heute noch so heißt. Aus gleichem oder ähnlichem Zeug war auch die Verlängerung des Segels; man gebrauchte sie auch zum Verstopfen eines Lecks.

Da das Bonnet eine Verlängerung des Segels bedeutete, so nahm es auch, den Begriff Verlängerung besonders auffassend, ganz allgemein die Bedeutung »Verlängerung« an, Verlängerung eines Baumes, einer Leiter, eines Löschbordes u. s. w.

Eine andere Erklärung ist, da obige nicht ganz überzeugend zu sein scheint, unter Leesegel gegeben; sie dürfte vielleicht eher einleuchten, zumal im Französischen, vergl. Aubin, 1702, bonnette nicht nur Bonnet in obigen Sinne, sondern auch im weiteren Sinne Leesegel heißt und Leesegel ein Schönwettersegel bedeutet.

*Boot*, das.

In Hochdeutschland kommt dieses Wort auch heute noch kaum vor, dafür ist es desto weiter im niederdeutschen Sprachgebiet verbreitet; und was ein richtiger niederdeutscher Seemann ist, der sagt »die Boot«.

Das erste Zeugnis für das Vorkommen des Wortes finde ich in einer Urkunde des Königs Äthelred (978-1016): »Qui ad pontem venisset cum uno bato, ubi piscis inesset.« In der Edda finden wir es als batr (neben eikja, einem aus einer Eiche ausgehöhltem Boote). Kluge sagt: »Der Ursprung von angels. bat = germ. baita -- (vorgerm. bhoido --?) ist noch nicht aufgeklärt.«

Die altnordische Form beit erinnert an das Schiffszimmermannswerkzeug Beitel, und von hier aus liegt die Vermutung nicht allzu fern, es möchte wegen der Bearbeitung mit dem Beitel dem Worte ein Stamm zu Grunde liegen, der graben, stechen, hauen, spalten bedeutet, zumal es ein mittelniederdeutsches Zeitwort booten gibt, das schlagen, stoßen, stechen bedeutet. An die Wurzel bhad stoßen, oder bhid hauen wird also zu denken sein, so daß Boot etwas Ausgehauenes oder Ausgestochenes, etwas aus einem Baumstamm mit dem Beitel Ausgehöhltes wäre, ein »Einbaum«. Noch heute hat man in Ostfriesland das Zeitwort böten, schlagen, stoßen; althochdeutsch bozan. Und daneben in ganz Norddeutschland, im ganzen niederdeutschen Sprachgebiet das Zeitwort böten, heizen. Die beiden könnten mit einander verwandt sein, insofern zum Heizen die menschliche Tätigkeit des Stoßens, Stechens, Stocherns, Stokens unentbehrlich ist. Da aber böten auch feuern bedeutet, so erinnert es uns daran, daß man dem Beitel mit Feuer zu Hilfe gekommen ist und in uralten Zeiten das Boot mit Feuer ausgehöhlt hat, so daß uns also das Wort in die allerersten Culturanfänge zurückführen könnte.

Zusammensetzungen wie Bootssteurer, Bootssegel, Bootskompaß sind ohne Weiteres verständlich. *Bootspfropfen* nennt man den Korkpfropfen mit dem das kleine Wasserablaufloch im Boden des Bootes verstopft wird, ehe man das Boot zu Wasser läßt.

*Bootsmann*, der.

Der Deckoffizier dem die Aufsicht über die gesamte Takelage und das eigentlich Seemännische, soweit es Arbeitsverteilung und Verwaltung des Inventars betrifft, übertragen ist. Englisch boatswain, ein eigentümliches Wort, denn swein bedeutet Knecht, Schweineknecht, Schweinhirt; swain junger Hirt, Junge, Bursch der etwas mit der Schweinherde zu tun hat (vergl. Steward). Französisch bossemann. Im Seebuch 1400 kommt die Form boesman vor, sonst mittelniederdeutsch bosmann, wo es aber noch jeden bezeichnet, der in einem Boot ist, so daß also alle Leute im Boote Bootsleute waren; schließlich hieß überhaupt jeder Seemann bosmann. »De boslüde hebben Rode Clawes vorkregen, welk ein bose tyranne west was, und hebben en in grapenbraden stucke tohowen.« (Schiller und Lübben II. 153) s. a. Hochbootsmann.

Ein *Bootsmannsstuhl* ist eine (aus Segeltuch hergestellte) Sitzgelegenheit die an einem Tau auf- und niedergeholt werden kann. Er wird gebraucht Verwundete aus dem Mars an Deck niederzulassen, seemännische Arbeiten in der Takelage auszuführen und dergl. So nennt man auch den »Stuhl« der an einem Tau fährt, das vom Mast eines gestrandeten Schiffes an Land gegeben ist um Schiffbrüchige zu retten.

*Bootsmannshellegat*, s. Hellegat.

*Bootsmannsmaat*, siehe Maat.

*Bootsmannsstuhl*, siehe Bootsmann.

*Börtschiff*, das,

ein Schiff, das zu einer festen und bestimmten Zeit regelmäßige Fahrten nach einem und demselben Orte (und wieder zurück) macht; »d'r is 'n börtfard up Amsterdam inrigt.« Mit bören = tragen von phero, fero, aber nicht weil das Schiff die Lasten trägt, sondern weil es ihm *gebührt*, regelmäßig zu fahren, nachdem der börtmann oder börtschipper sich einmal dazu verpflichtet und die Sache übernommen hat, oder auch, weil das, was sich gebührt in der Ordnung, in der Reihe ist: (regelmäßige) Reihenfahrt betreibt. Weiterhin bedeutet bört die Reihenfolge nach der sich etwas wechselweise zuträgt »de bört is an mi«; »'t is nu min bört«. Brem. Wörterbuch: Börtlüde sind die Schmackschiffer, die wöchentlich von Bremen nach Amsterdam und Hamburg, in einer privilegierten Anzahl, wechselweise fahren müssen.

*Bord*, der.

Dieses im Munde des Seemannes so häufig gehörte Wort heißt ursprünglich weiternichts wie *Brett* und stammt mit »bören« und der ganzen weitverbreiteten Sippe von der Wurzel bhar, bedeutet also etwas Tragendes. Früh schon entwickelte sich, weil man mit Brettern etwas baute, einen Raum einschloß und begrenzte, die Bedeutung Rand, Rand des Schiffes, Schiffsbord; worauf dann der Teil für das Ganze genommen und *Bord für Schiff* gesagt wurde, doch nicht ohne daß die beiden ursprünglichen Bedeutungen daneben im Gebrauche geblieben wären.

Ein gemeingermanisches Wort, im gothischen als fötubaurd, Fußbrett, Schemel bezeugt, althochdeutsch bort, Brett, Tafel, Tisch, altnordisch bord, Tafel, Brett, (Edda: bord, Bord des Schiffes, Tisch). Die Bedeutung Tafel, Tisch ist aus der von Rand hervorgegangen, weil man um den Rand des Tisches herumsitzt. Und im Altsächsischen hieß bord nicht nur Tisch, sondern auch Haus, aus Borden, Bördern gebaut, ähnlichem Gedankengang folgend der heute noch anstatt »in meinem Hause« sagt: »in meinen vier Wänden, in meinen vier Pfählen.«

Für »*Schiff*« wird bord schon früh, im Angelsächsischen, »on borde« und im Altfriesischen gebraucht: »and taegh ne weer inoer boerd«, »und zog ihn wieder binnenbords.«

Aus dem althochdeutschen bort, Rand, ist unser neuhochdeutsches Borte hervorgegangen. Es ist auch als bordo ins Italienische, Spanische, Portugiesische gegangen, als bord ins Französische, = Rand, Schiffsrand. Daraus entstand das spanische Zeitwort bordar, einfassen, (mit einem Rande besticken) sticken; das französische (border) broder, woher unser Fremdwort Bordure, mit der fremden Form aber dem einheimischen alten Sinn. Im Altfranzösischen hieß borde Baracke, davon bordele, bordel (ital. bordelle) = Hüttchen, kleine, unansehnliche, schlechte (Bretter-) Bude.

Zu vergleichen ist die Bedeutungsentwicklung von Diele, althochdeutsch dilo, dil, mittelhochdeutsch dile: Brett, bretterne Wandbekleidung, Zimmerdecke, Bretterwand, (»gedielter«) Fußboden, »Diele«, Schiffsverdeck. Vielleicht ist Bord zeitweilig ebenso wie Diele für Deck, Schiffsverdeck gebraucht worden. In der Zollrolle der Gräfin Margarethe von Flandern vom Jahre 1252 heißt es: »Scuta que bordum habet debet Comiti duos dinarios; si vero bordo carent, debet Comiti unum denarium.« Sartorius und Lappenberg bemerken dazu: »Die Schute mit einem (größeren, höheren) Bord ist von größerem Umfange, als die ohne oder mit einem kleinen Bord.« Durch diese Erklärung wird aber die Sache nur noch dunkler, denn die Begriffe »größer« und »kleiner« sind hineingetragen. Es steht da nur von einer Schute die einen Bord hat und von einer die keinen hat. Einen Bord im Sinne von Rand muß aber jedes Schiff haben, auch das kleinste. So darf man vielleicht annehmen, es sei Deck gemeint, so daß ein gedecktes Schiff das Doppelte der Abgabe eines ungedeckten zu zahlen hatte. Diese Vermutung gewinnt an Wahrscheinlichkeit, wenn man in einer Bremer Urkunde von 1312 und 1315 liest: »Si naui, que dicitur eke, hoc commiserint, centum, si alia vocata *bortskip*, sexaginta marcis etc. etc. debebunt emendare.« Es gab also Schiffe die Bortschiffe hießen; da aber jedes Schiff einen Bord hat, so muß etwas anderes als Bord, Rand, gemeint sein, das den Namen gab, und da liegt Deck am nächsten. Dasselbe gilt für das mittelniederdeutschen Urkunden eigene, noch heute in den west- und ostpreußischen Häfen gebräuchliche bordinge; Brem. Stat. 1489: »nemondt schall myt synen bordinghen of schepenn legghen oan der slacht (Bollwerk), dat wuppengeldt (Krahngeld, Hafenabgabe) sy dann thovoren entrichtet.« Oldenburgische Urkunde von 1549: »Ike hadde ene burdinge dat is ein stark schepe als ein punte, dar er siene perde mit auer furde«.

S. »an Bord«, »von Bord«, »über Bord.«

*borden*,

ungefähr gleichbedeutend mit entern (s. d.), auch anborden, sich an jemandes Bord mit seinem Borde legen, Schiff an Schiff (Bord an Bord) liegen, namentlich im Nahekampfe einer Seeschlacht. Von einem anderen mittelalterlichen, ebenfalls in der Zeit der Hansa viel gebrauchten borderen, welches Zweikampf, Turnier, bedeutet (und von Buhurt kommt) wohl zu unterscheiden. Je niedriger ein Schiff ist, desto mehr ist es im Kampfe gegen ein hochbordiges im Nachteil. In einem Hansa-Receß von 1440 lesen wir: ... »unde hadden nicht so vele skepe to huss alse dar do injegen behoff was, unde de skepe de gi hadden, se weren ok nicht so grote, dat se myt den Hollenders skepe borden konden, wente se hadden grote Spansche schepe.«

*Borg*

-- in Borgbendsel, Borgbraß, Borgrahe, Borgstag, Borgstenge, Borgwanttau u. a. m. bedeutet das was wir heute Reserve zu nennen belieben, wenn wir uns gebildet ausdrücken wollen. Der Seemann ist aber bei seinem Borg geblieben, welches eigentlich Sicherheit bedeutet. Um auf alle Fälle, auch wenn eine Rahe oder Stenge bricht, sicher zu gehen, nimmt man eine zweite Rahe oder Stenge mit an Bord die dann Borgrahe, Borgstenge heißt. Breusing tadelt Roeding, daß er nicht gesagt hat, daß dieses Borg nichts mit dem auf Borg geben gemein hat; mit Unrecht, denn einmal lag es überhaupt nicht in Roedings Absicht, etymologische Untersuchungen anzustellen, und dann: was ist denn der Unterschied zwischen Borg in dem einen und Borg in dem andern Sinne? Es handelt sich beide Male um Sicherheit. Und wenn beim Borgen auch jetzt nicht immer mehr ein Pfand als Sicherheit verlangt oder gegeben wird, so tritt zwar der Begriff Sicherheit nicht mehr so in den Vordergrund, er ist aber doch noch vorhanden, und wäre es nur in dem Wort, in dem Versprechen des Schuldners, zu einer gewissen Zeit das Geborgte wiederzugeben.

*Bottelier*, der.

Der Unteroffizier der den Proviant an Bord zu verwalten hat, also eine sehr wichtige Persönlichkeit, was schon daraus zu erkennen ist, daß er sich nicht Botelir sondern Bottelié nennen läßt, als ob es französisch wäre. Und es ist doch gut deutsch. Im Althochdeutschen hieß der Bottich botacha, mittelhochdeutsch botige; davon kommt butiglaere, büttiglaere, putigler, der Schenk, Mundschenk. Von Bottich kommt Bütte, von Bütte als Verkleinerungsform Buttel (Buddel), niederdeutsch Bottel, und hiervon kommt Bottelier, nur daß im seemännischen Gebrauch die verengte Bedeutung wieder erweitert ist, daß man nicht bloß an Flaschen, sondern vor allen Dingen an Fässer denkt, auch wenn sie gar kein Getränk, sondern Fleisch oder Butter oder Hartbrot enthalten. Noch mehr ist der Begriff in Westfalen erweitert, wo eine Magd, die auf größeren Gütern für das Bier und *die Wäsche* des Gesindes sorgt, Buddeliersche heißt, während anderseits der Kellermeister des Abtes von Werden den Titel buttelierer führte.

In Holland haben sie ein Sprichwort, das läßt tief blicken. »Als kok en bottelier zamen kyven, hoort men, waar de boter gebleven is.« Lüpkes hat das übersetzt: »Wenn Koch und Kellermeister mit einander streiten, zanken, hört man (durch ihre wechselseitigen Vorwürfe), wo die Butter geblieben ist.« »Kellermeister« ist, da es selbst das vornehmste Schiff bis jetzt noch nicht zu einem Keller gebracht hat, sehr kühn angewandt, wahrscheinlich in Erinnerung an das andere Sprichwort: »Da weiß kein Mensch, wer Koch oder Kellermeister ist.« Es hätte sehr wohl Bottelier können stehen bleiben, denn das Wort ist unter den Lesern der »Seemannssprüche« allgemein bekannt.

In seinem großen Werke über Japan erzählt der Deutsche Kämpfer, der aber sein Buch holländisch herausgegeben hat, der erste Taikun Taikosama sei in seiner Jugend Bottelier bei einem japanischen Edelmann gewesen.

*Brabank*, die.

Ursprünglich ein Ort wo seemännische Arbeit getan wurde, an einer Küste oder einem Ufer; also bedeutungsverwandt mit Lastadie und Werft. Während nun Lastadie -- habent sua fata verba! -- so ziemlich aus dem Mund der Menschen gekommen ist, hat Werft ein großartiges Glück in der Welt gemacht; Brabank hat sich zwar erhalten, aber in bescheidenen, enger gewordenen Grenzen, indem es jetzt die Gesamtheit der auf einer Werft beschäftigten Seeleute bedeutet. »Er ist auf der Brabank, von der Brabank, gehört zur Brabank,« das heißt er gehört dem Allgemeinen Betriebsdepôt der Werft an, verrichtet allerlei vorkommende Seemannsarbeit, besorgt das Verholen von Schiffen, widmet sich dem beschaulichen Geschäft eines Liegers etc. etc. Im Niederdeutschen hieß das Wort das ganze Mittelalter hindurch Brakbank, und die Tätigkeit die auf der Brakbank ausgeübt wurde nannte man braken. Nun hat Grimm bei Besprechung des Zeitworts braten, welches von der Wurzel bhrag stammt, den Gedanken geäußert, daß vor dem t in braten ein k ausgefallen sei, daß also braten für brakten stehe oder das k mit t einfach getauscht habe. Durch die Form Brakbank wird das vermutete k zur Gewißheit. Und gegen einen Tausch zwischen k und t ist nichts zu erinnern, er kommt in jeder Kinderstube täglich vor, und es gibt ganze Völkerschaften, die die beiden Buchstaben so durcheinander werfen, ohne daß sie sich dessen überhaupt bewußt sind, ob sie ein k, ob sie ein t sprechen. Wenn in einem alten Hamburger Schauspiel eine Frau Lackin anstatt Latin sagen konnte, dann konnte man sicher auch braten für braken sagen. Und man tat es auch. Im Hochdeutschen hieß das Wort und heißt es braten, im Niederdeutschen braden; doch hielt sich hier nach niederdeutscher Art in der Erinnerung an den Stamm bhrag auch braghen. In dem »Redentiner Osterspiel,« so genannt weil es von einem Ungenannten am 20. November 1464 zu Redentin im Kirchspiel Neuburg bei Wismar vollendet wurde, geht Lucifer mit den verschiedenen Handwerkern wegen ihrer Handwerkskniffe und -Betrügereien ins Gericht. Dem Schneider (niederdeutsch scroder oder schrodere, daher der weitverbreitete Familienname Schroeder) fällt er das Urteil:

»Desseme schrodere dat syn recht Unde werpet ene an der helle grunt, Dar schal he ligghen so en hunt Unde an der ewighen nette braghen He heft so mennighen man bedraghen.«

Der niederdeutsche Seemann blieb zunächst, sich auf nichts Neues einlassend, bei dem gutturalen Laut, nur daß er statt der Media die Tenuis nahm und nicht Bragh = sondern Brakbank sagte. Als aber im Laufe der Zeit das Hochdeutsche auf seinem Siegeszuge zu mächtig wurde, konnte er sich doch einer Änderung, einer sprachlichen Weiterentwicklung nicht entziehen. Aber lieber als daß er den beliebten Tausch von k und t mitgemacht hätte, machte er kurzen Prozeß, warf den unbequemen Konsonanten vor dem b ganz hinaus und sagte in seiner kurzen, bequemen Art kurzweg Brabank.

Es hat sich indessen auch noch ein Wort Brakbank erhalten, hochdeutsch Brechbank, das aber mit dem unsrigen nichts zu tun hat, wiewohl es auch nicht ganz ohne Beziehung zur Seemannschaft ist, denn so heißt ja die hölzerne Bank zum Brechen des Haufes, auf der die Schäven gebrochen werden, damit sie sich von der Hanffaser lösen. Unser Brabank aber ist keine wirkliche Bank, sondern, wie Sandbank, bildlich, für eine erhöhte Stelle an einer Küste oder einem Ufer angewandt, und zwar war es ein Ort, wo besonders das Dichten und Kalfatern vorgenommen wurde. Ein Schiff kalfatern nannte man bragen: »Item wen ein schipper dichten en bragen leht.« Im Lübeckischen alten Zunftrecht heißt es; »Idt schall ock kein werckmann uf der braeckbank to werkende angenahmen werden, idt sy den hie genochsamb vor einen werckmann up der lastadien (Werft) bekandt und darto duchtig« (Befähigungsnachweis!). Der Kalfaterer hieß brager.

Nun hieß altnordisch bradha -- so früh schon hatte sich der t-Laut verschoben -- theeren, verpichen, mit Theer oder Pech überziehen, bradh das mit Ther bestrichene Holz. Wir haben dabei an braten im Sinne von heiß machen, wärmen, erhitzen, durch Hitze zum Schmelzen bringen zu denken, wie man Speck ausbrät. Der Theer muß erst vom Feuer gleichsam gebraten, d. h. flüssig gemacht werden, ehe man mit ihm kalfatern kann. Kalfatern (s. d.) thut, trotzdem es erst ihr Hauptgeschäft war, die Brabank aber jetzt nicht mehr, das wird von Schiffszimmerleuten, die nicht zur Brabank gehören, besorgt. Roeding hatte also die alte Brabank noch im Auge, da er vor 100 Jahren schrieb: »Ein am Ufer befindlicher Platz, der mit Spillen, Gienen und anderem Zubehör versehen ist, um daselbst Schiffe zu kielholen.«

Wie Lastadie als Straßenbezeichnung erhalten geblieben ist, so muß es in Danzig eine Straße oder einen Platz des Namens Brabank geben.

Eine auffallende Ähnlichkeit hat das bretonische rabank, es hat aber nichts mit Brabank zu tun, sondern kommt von rap = Reep.

*Bewulen* s. Wuling.

*brack*,

salzig, bitter, trübe, schlammig, verdorben, schlecht, unbrauchbar. Brackwasser ist Süßwasser mit Salzwasser gemischt, also zum Trinken unbrauchbar. Dann übertragen auf andere unbrauchbare Dinge, verdorbene Waren, nicht vorschriftsmäßige Lieferungen oder nicht verwendbare Teile einer solchen; bracken heißt dergleichen Gegenstände als brack bezeichnen, condemniren, ausmustern, verwerfen. Schon Kilianus hat das Wort brack in beiden Bedeutungen: »salsus, aquae marinae saporem quodam modo referens« und brack goed, »merces submersae, salo sive aqua marina corruptae.« Die Bedeutung ist also ursprünglich: »durch Salzwasser verdorben«, dann überhaupt verdorben. Und zwar hat der Gedanke an bei einem hereinbrechenden Unglück hereinbrechendes Meerwasser den Ausschlag bei der Benennung gegeben. Das Wort kommt also von brechen; an Schiffbruch und Deichbruch ist zunächst zu denken und dann an die dadurch verursachte Beschädigung.

Das »Bremer Wörterbuch« schreibt: »Brack = Salzwasser mit Flußwasser gemengt. »Brakke Grund« ein Boden der salziges Wasser gibt.« Und daher soll Brake an der untern Weser seinen Namen haben, »weil Wasser, was auf diese Weise vermengt ist, gebrochen pflegt genannt zu werden.« Kaum, sondern Brack, Brake ist eine Stelle wo einmal ein Deich gebrochen war. S. a. *Wrack*. Die Bedeutung kommt nach Sinn und Form unserem »Gebrechen«, »gebrechlich« nahe.

*Bram*

= Bramstänge, Bramrahe, Bramsegel, Bramtuch, Bramsaling, Bramtoppnanten, Brampardunen, Bramschoten, Bramwanten, Brambulin, Bramfall, Brambraß, Bramleesegel, überhaupt: Bramgut. Alle diese Wörter -- in deren Zusammensetzung je das zweite Wort an seiner Stelle nachzusehen -- erklären sich aus ihrer Verbindung mit der Bramstänge. Es gilt also das *bram* in diesem Worte zu erklären. Bekanntlich ist die Bramstänge die Fortsetzung der Marsstänge nach oben. Sie war früher, ehe die Oberbramstänge erfunden war und ist auf Schiffen, die solche nicht führen, der höchste, obere Teil des Mastes.

In Holland sagt man von einem Manne, der bei uns Großhans heißt, der also »den grooten heer uithangt«, er sei ein »heelen bram,« er sei hoch gestochen. Dies bram heißt hoch. Es stammt von der »Hasenheide«, die hin und her in ganz Europa an Feldrainen, auf Waldlichtungen, auf dürrer Heide wächst und, außer Hasenheide, noch Pfriemenkraut, Brämme, Bräme, Bram heißt, spartium scoparium L. Die uns bekannteste Art ist die mit den grünen, dünnen, schwanken Reisern und den gelben, weithin leuchtenden Schmetterlingsblüthen. Sie heißt vielfach Ginster. In Frankreich genêt (von genista) und hat Verwandte die als Ziersträucher dienen. Ein Reis (plant) dieses genêt pflegte Gottfried von Anjou an seinen Helm zu stecken, woher der berühmte Name Plantagenet. Wir machen Besen aus dem Ginster und nennen es Besenginster, jedoch nur auf hochdeutsch. Das Volk sagt Bräme oder Bram, auch wohl Bremme, (»Wirtshaus zur goldenen Bremme« bei Saarbrücken kriegerischen Andenkens vom Sommer 1870), Brom in Brombeere ist damit gleicher Abstammung. Althochdeutsch hieß prama, brama, mittelhochdeutsch brame Dornstrauch, stachligter Strauch, Brombeerstrauch. Sehr bezeichnend, denn die Grundbedeutung von Bram ist spitz, scharf, stechend, vorstehend, vorragend, Spitze, Höchstes, Äußerstes. Die Bramstänge heißt also so als Spitze, Höchstes, Äußerstes des Mastes und überhaupt des ganzen Schiffes. Der Name kommt demnach nicht sowohl von der Gestalt einer dünnen, langen, schwanken Ginster = Dornenstrauch- oder Brombeergerte, sondern von dem Hinaufstehen, Hervorragen, Aufwärtsstreben der Reiser. Wäre jenes anzunehmen, dann wäre Bramstänge eine Tautologie. Nicht als ob solche nicht denkbar wäre, es giebt ihrer genug, aber einfacher und klarer ist doch das Bild, wenn wir die Vorstellung »hinaufragen« festhalten.

*Bräm*, der.

Vergl. Bram; dieses heißt nicht nur das Höchste nach oben zu, sondern auch das Äußerste nach außen zu, also nicht bloß Anhöhe, sondern auch Ufer, Küstensaum, Saum eines Gewandes, Rand, Rand einer Mütze, Mützenbräm der Offiziere etc. Da dieser Mützenbräm der Väter mit Pelz besetzt war, so sagt man: Die Mütze war mit Pelz verbrämt, wie man auch von einem verbrämten Kleide spricht, wenn der Saum besetzt ist. (Sogar Augenbraue und Augenwimper kommen von Bram. Mittelhochdeutsch hießen sie augbram und windbram, Rand über dem Auge, Schutz des Augenrandes vor dem Winde.)

*Brandung*, die.

Die Bewegung der an einer Küste, einem Felsen etc. etc. sich brechenden Meereswogen. Schon im Beówulf kommt brant, bront vor für tosend, schäumend, von Schiff und Flut gebraucht. Es ist bei der Benennung ausgegangen von dem was das Ohr hört, nicht von dem was das Auge sieht, denn Brandung ist mit Brand dasselbe Wort, und man hat dabei an das Geräusch des Brennens, das Brausen, Zischen und Gischen einer Feuersbrunst zu denken. Das Zeitwort dazu heißt *branden*, vom niederdeutschen brannen = brennen und von Brandung beeinflußt. In Ostfriesland gebraucht das Volk das Wort Brandung selten oder nie, sagt vielmehr See.

Daß das Geräusch den Ausschlag gab, geht aus dem Altnordischen, Angelsächsischen und Altenglischen hervor, wo Brandung brim heißt, von breman, brummen, brausen, lateinisch fremere, griechisch bremein. Indessen kommt schließlich alles auf eines hinaus, denn im Sanscrit heißt bhramas prasselnde Flamme.

*Brander*, der,

heißt eigentlich Brenner. Die Form ist niederdeutsch, in Anlehnung an Brand und brannen = brennen. In Holland heißt ein Mann der irgend etwas brennt, sei es Kaffee, Branntwein oder Backstein ein brander. Seemännisch, ein Schiff das anderen sich brennend naht um sie in Brand zu stecken.

*Brass*, die.