Etymologisches Wörterbuch der deutschen Seemannssprache

Part 51

Chapter 513,409 wordsPublic domain

ist eine rings um das Deck eines Schiffes an der Bordwand entlang laufende Wasserrinne die das an Deck kommende Wasser sammelt und durch die Speigaten ableitet. Röding: »Die Bugt der Verdecke macht daß das Wasser nach den beiden Seiten derselben abläuft, wohin man denn ein Stück legt, welches die äußere Deckplanke gegen Bord an und den Anfang der Weger zugleich bildet. Dieses Stück läuft innen rund herum um das ganze Schiff und heißt der Wassergang.« Die äußerste Deckplanke für sich als solche heißt Leibholz, sie ist so gestaltet, daß sie eine starke Verbindung bildet.

*Wasserlast* s. Last.

*Wasserschot* s. Schot.

*Wasserstag* s. Stag.

*Wasserschaut*, der,

ist ein Aufsichtsbeamter der Hafenpolizei, besonders für das Heuerwesen; »un officier chargé de surveiller les engagements des matelots«. In seiner halb hochdeutschen Gestalt sieht das Wort sonderbar aus, es wäre schon besser man hätte es bei dem guten alten waterschout gelassen. Schout by nacht heißt im Niederländischen der Kontre-Admiral; schout für sich allein der Schulze, Gemeindevorsteher. Es liegt in schout überhaupt der Begriff Beamter, Richter, Amtmann, Hauptmann, Aufseher, ursprünglich Steuerempfänger oder vielmehr Steuereinforderer, denn das ganze Wort hieß mittelniederländisch (Kilian) schoutheet, schoutheyt, schoud-heescher, schout-heys: »praetor, quod jus debiti petat sive exigat,« also Schultheiß, der Beamte der die Schuld, die Steuer heischt oder heißt, d. i. sie zu bezahlen befiehlt, sie einfordert, einzieht. Aus Schultheiß ist Schultze verkürzt, der Familienname Schultze ist also mit einem tz älter und ehrwürdiger.

Wollte man das waterschout verdeutschen, so hätte man nicht auf halbem Wege stehn bleiben dürfen, sondern Wasserschulze sagen müssen.

*Watt*, das,

ist ein seichtes, bei Flut überschwemmtes, bei Ebbe trocken fallendes Gebiet an der Meeresküste, zwischen Inseln, vor Flußmündungen, in Buchten und Busen. Es bedeutet eine Stelle wo man (zu Zeiten, wenn auch mit Anstrengung) gehen kann, oder vielmehr *waten*. Im Gotischen hieß vato, Mehrzahl vatna, Wasser; davon das althochdeutsche watan im Wasser vorwärts dringen, gehen, schreiten; altsächsisch vadan, altnordisch vadha, durchs Wasser schreiten, also unser neuhochdeutsches waten. Die germanische Wurzel wad »im Wasser schreiten« deckt sich mit dem urverwandten lateinischen vadere, wozu vadum, die Furt, italienisch guado und vado, spanisch vado = seichte Stelle im Wasser. Die Bedeutung »Furt« trifft auch heute noch zu und ist für Watt besonders bezeichnend, da solch ein Watt zur Zeit der Ebbe mit Wagen befahren werden kann. Auf diese Weise verkehren die ostfriesischen Inseln auch ohne Schiffe mit dem Festlande.

*Webeleine*, die.

Wenn man sich das Want als Strickleiter denkt, so sind, die Webeleinen die Sprossen; gewöhnlich Weveleinen genannt. Weben, niederdeutsch weven heißt eigentlich bewegen und wird von Luther in diesem Sinne gleich leben gebraucht, »du machest fröhlich alles was da webet.« Besonders ist bei »weben« an das »hin- und herbewegen« wie es beim Weben mit dem Weberschifflein geschieht, gedacht. Man nennt auch die Tätigkeit des Anbringens der Webeleinen zwischen den Hofdtauen das »*Ausweben* der Wanten«.

Die zu Grunde liegende Wurzel va, wa hat eine ganz besonders zahlreiche Nachkommenschaft, auch unter den Seemannswörtern, es liegt aber allen Vettern der großen Sippe der *eine* Begriff zu Grunde: *bewegen*.

*Werft*, die.

Die etymologische Untersuchung dieses so wichtigen Seemannswortes wird dadurch etwas erschwert, daß sich immer wieder ein Wort dazwischen drängt, das mit Werft gar nichts zu tun hat, aber ähnlich lautet: Warf. Das haben wir von Werft gänzlich zu trennen, wiewohl auch das Wort Schiffswarf vorkommt, weil es eben leicht möglich ist, daß eine Werft auf einer Warf angelegt wird. Warf nämlich, auch Warv, Warp, ja sogar Werf, kommt von werfen und bedeutet eine Anhöhe die nicht natürlich gewachsen, sondern künstlich aufgeworfen ist. So heißt in Nordwestdeutschland eine künstliche Anhöhe, auf der eine, (Wind-) Mühle steht Mühlenwarf, -- Werft aber kommt von einem Zeitwort das gotisch hvairban, althochdeutsch, hwerban, werban, wervan, altsächsisch huerbhan, altenglisch hwerfen, nordfriesisch werwan, altfriesisch werva, in der Edda hverfa, heutzutage werben heißt. Das bedeutet ursprünglich sich drehen (woher Wirbel, wirbeln, Wirbelwind), sich hin und her bewegen, sich um jemanden herum etwas zu schaffen machen, (der Werber der mit dem Kalbfell im Lande umherzog). Dieses Werben hat also ursprünglich denselben Sinn wie das lateinische volvere, von welchem der Name der bekannten schneckenförmig in sich selbst zurückkehrenden jonischen Kapitälverzierung Voluta kommt und das spanische vuelta, »dar una vuelta«, einen Spaziergang machen, »vuelta abajo«.

Hernach hat sich der Sinn von werben erweitert: sich umtun, sich bemühen, tätig sein, etwas betreiben, ausrichten. Daher Gewerbe. Gewerbe und Handel sind nahe verwandt. Denkt man an diese Verwandtschaft, so begreift man die so häufig vorkommende Verbindung Handel und Wandel. Der erste Handel geschah im Wandeln, im Wandern, bestand im Werben, im Hin- und Hergehen bei den Kunden von Haus zu Haus (hausieren). Das mittelniederdeutsche werf: Wendung, Windung, Drehung, Umdrehung, Bewegung, Geschäft, Industrie, Gewerbefleiß, Betriebsamkeit.

Demgemäß bedeutet Werft genau dasselbe wie Arsenal. Denn dieses ist aus dem arabischen dar-çanah, Haus der Betriebsamkeit, Haus wo etwas gemacht, gefertigt, gebaut wird, gebildet.

Das alte mittelniederdeutsche Wörterbuch Teuthonista faßt sich kurz: »Werff längs eyn Water.« Kilianus, etwas später, gebraucht werf allein nur für Tätigkeit, Gewerbe, Handlung, in der Zusammensetzung spricht er aber von schip-werf, so daß damals also werf für sich allein diese Bedeutung noch nicht hatte, Dafür hat er aber ein anderes Wort, das im Mittelniederdeutschen von Wichtigkeit war und allgemein, eben weil werf noch Gewerbe bedeutete, für Schiffswerft gebraucht wurde, nämlich Lastagie, auch als Lastadie im Gebrauch und in dieser Form heute noch in deutschen Seestädten als Strassen- und Platzname üblich. Das Nähere unter Lastadie.

*Welle*, die.

1. die bekannte, wälzende, wogende, flutende, rauschende Bewegungsform des Wassers.

2. die Schraubenwelle, die lange Achse, die die Verbindung der Schiffsdampfmaschine mit der Schraube herstellt.

Beide Wörter haben mit Welle = Reisigbündel, mit Walze, Walzer, Walfisch, wallen und vielen andern ein und denselben Ursprung, von der indogermanischen Wurzel wel, drehen, walzen; althochdeutsch wellan (lateinisch volvere), angelsächsisch weallan, wellen, wogen, weallian umherstreifen. Eine Welle ist also etwas, das sich wälzt (1) oder sich dreht (2). Natürlich ist die Bewegung einer Meereswelle nicht nur eine Bewegung um die eigene Achse, so daß die einzelne Welle immer an derselben Stelle bliebe, sie bewegt sich auch nebenbei noch weiter vorwärts (oder rückwärts), je nach Gewalt und Richtung der bewegenden Kraft. Man vergleicht eine Welle am besten mit der auch sprachlich verwandten Walze, die sich sowohl um ihre eigene Achse als auch vorwärts oder rückwärts bewegt.

*Wellenberg* ist der über den gewöhnlichen Wasserspiegel erhabene Teil einer Welle, *Wellenthal* der unter demselben befindliche. Die Spitze eines Wellenberges heißt *Wellengipfel*, fortgesetzt gedacht: *Wellenkamm*.

Ein *Wellenbrecher* ist ein Steindamm oder dergleichen vor einem Hafeneingang, wie z. B. das Breakwater vor Plymouth, mit dem Zweck, den Schiffen im Hafen ein ruhigeres Liegen zu verschaffen. Neuerdings giebt es auch auf den Panzern *Wellenbrecher*; sie bilden bei niedrigem Vorderteil eine Art Schanzkleid auf der Back, das Überbrechen der Wellen zu verhüten.

*Weirpumpe* s. Pumpe.

*wenden* s. halsen.

*Wettergalle*, die,

besondere weißliche Wolkenformation, Vorbote bald eintretendes Windes (Windgalle) oder Regens (Regengalle). Es hängt wohl mit gäl = gelb zusammen, denn die Farbe ist mehr gelb wie weiß, unter Umständen sogar grünlichgelb, sodaß an Verwandschaft mit unserer hochdeutschen Galle zu denken ist. Das Wort ist aber wenig gebräuchlich.

*Wieling*, die,

ist eine Vorrichtung zur Vermeidung des Schamfilens, nämlich ein rund wie ein Kranz gedrehtes (und dann wohl mit Leder bezogenes) Stück alten Tauwerkes; neuerdings einfach ein rundes, ausgepolstertes Ledersäckchen. Es wird ehe das Boot anlegt an einem Stückchen Leine außenbords getan, damit das Boot, wenn es der Landungs- oder Fallreepstreppe nahe kommt, sich seine Farbe nicht abreibe. Setzt das Boot ab, so werden die Wielings eingenommen; es ist ein großes seemännisches Vergehen, ein Boot mit einer Wieling außenbords hängend fahren zu lassen. Der Name kommt offenbar von der Gestalt, die in einfachen Verhältnissen und Zeiten einen Kranz, eine Wurst, ein Rad bildete; niederländisch wiel, ostfriesisch wel, englisch wheel mit niederdeutscher Endung.

*Wimpel*, der,

eine lange, gespaltene, schmale Flagge, so schmal daß man eigentlich kaum von einer Flagge reden kann und eben darum Wimpel sagt. Er wird am Großtop als Kommandozeichen eines Kommandanten, der nicht Admiral ist, gehißt und weht seiner Leichtigkeit wegen leicht aus. Wenn ein Schiff von einer langen ausländischen Reise heimkehrt, so gestaltet sich das Kommandozeichen zu einem Freudenzeichen, dann wird der Wimpel so weit verlängert, daß er über das ganze Schiff hinwegwehend bis ans Wasser reicht; das ist der *Heimatswimpel*.

Im Mittelniederdeutschen hieß wimpel, auch wumpel, zunächst der Schleier als Kopfbedeckung; so heißt es im alten Rigaer Stadtrecht: »et ne mach neyn vrowe copen got ane eren vormeunt .. sunder wimpele unde strickitte.« Besonders hieß wimpel auch der Nonnenschleier. Sodann aber nannte man so eine lange schmale, schleierähnliche Fahne; Lübecker Chronik: »Se slugen se in de vlucht unde nemen en twe hoftbanren und twe wumpel myt S. Andreas cruce getekent.«

Bei der Erklärung ergibt sich eine Schwierigkeit, nämlich eine unbequeme Übereinstimmung des Hochdeutschen mit dem Niederdeutschen in Bezug auf das p; das Wort müßte hochdeutsch eigentlich wimfel heißen, wenn es niederdeutsch wimpel heißt; es heisst aber althochdeutsch wimpal, mittelhochdeutsch wimpel. Vielleicht liegt eine nasalierte Form aus der Wurzel vom wippen, »sich hin und her bewegen« vor, so daß also Wimpel sowohl im Sinne von Flagge wie von Schleier etwas leicht vom Winde hin und her Bewegtes wäre.

*Windas*, die,

ist eine Art von Spill um Anker zu lichten und sonstige schwere Lasten zu bewegen. As ist = Achse; es liegt, wie auch in Achsel, der Begriff einer Bewegung, einer Drehung zu Grunde. Eben durch eine drehende Bewegung windet man mit dieser Windas die betreffende Last. Und zwar steht diese Achse nicht wie bei einem Gangspill, sondern sie liegt horizontal und dreht sich wie ein Bratspieß, daher sie auch Bratspill genannt wird.

*Windflagge* = Windstander, s. Verklicker.

*Windreep*, das,

bekannter unter dem Namen Stängewindreep, ist das Reep oder Tau mit dem die Stänge aufgewunden wird. Es fährt vom Eselshaupt durch den Fuß der Stänge wieder zum Eselshaupt und von da an Deck, wo es mit einer Talje, Stängewindreepstalje, bedient wird.

*Windsack*, der,

ist eigentlich kein Sack, sondern ein Schlauch und wird auch Windsegel und Luftsack genannt. Er wird über die Höhe der Reling hinaus gehißt, fängt hier den Wind auf und leitet ihn durch die Luken in die unteren Räume des Schiffes. Da die unter Wasser liegenden Teile der natürlichen Lüftung ganz entbehren müssen, so ist die künstliche von großer Wichtigkeit. Daher ist man bald darauf verfallen, neben den Windsäcken, die nur ein Notbehelf sind, feste Ventilatoren mit nach dem Winde drehbaren Köpfen einzubauen. Besonders notwendig sind diese für solche Räume, in denen sich giftige Gase entwickeln.

Seitdem die Maschine eine so große Rolle spielt, mußte man für besonders reichliche Zufuhr von Luft für die Feuer unter den Kesseln künstlich sorgen und hat besondere Einrichtungen hierfür getroffen; je nachdem es sich dabei um die Zufuhr von oben oder von unten durch einen besonderen Kanal handelt, spricht man von Oberwind oder von Unterwind und dementsprechend von Oberwindluftzuführung und Unterwindluftzuführung; Oberwindzuführung und Unterwindzuführung würde aber genügen.

*Windstärke*, die,

wird noch immer nach einer Skala bezeichnet, die zur Zeit der Segelschiffahrt und mit besonderer Rücksicht auf sie von dem Kommandanten des englischen Kriegsschiffes »Woolwich«, Beaufort, im Jahre 1805 ersonnen worden ist und nach ihm Beaufort-Skala genannt wird. Er ist von der Vollschiffstakelage eines Kriegsschiffes ausgegangen und berechnet die Stärke des Windes bei den geringen Graden nach der Fahrt des Schiffes, bei den höheren nach der Möglichkeit der Segelführung. Darnach ist

Windstärke O: Stille.

" 1: Leiser Zug, sodaß das Schiff eben steuerfähig ist.

" 2: Leicht. Ein Schiff unter allen Segeln voll und bei macht 1-2 Knoten.

" 3: Schwach. Ein Schiff unter allen Segeln voll u. bei macht 3-4 Knoten.

" 4: Mäßig. Ein Schiff unter allen Segeln voll und bei macht 5-6 Knoten.

" 5: Frisch. Schiff kann noch führen: Oberbramsegel.

" 6: Stark. " " " " einfach gereefte Mars- und Bramsegel.

" 7: Hart. Schiff kann noch führen: doppelt gereefte Marssegel, Klüver.

" 8: Stürmisch. Schiff kann noch führen: dreifach gereefte Marssegel.

" 9: Sturm. Schiff k. n. führen: dicht ger. Marssegel.

" 10: Starker Sturm. Schiff kann noch führen: dicht gereeftes Großmarssegel und gereefte Fock.

" 11: Harter Sturm. Alle Segel fest bis auf die Sturmsegel.

" 12: Orkan. Kein Segel hält mehr Stand.

Im Zeitalter des Dampfes hat sich das Bedürfnis nach einer anderen Skala herausgestellt. Dem kommt Börgen entgegen, indem er die Windgeschwindigkeiten in Metern pro Stunde berechnet. Nach der Börgen'schen Reduktionsformel ist

Windstärke 0 eine Geschwindigkeit von 0,0 m p. Sekunde

" 1 " " " 1,6 m " "

" 2 " " " 3,3 m " "

" 3 " " " 5,2 m " "

" 4 " " " 7,3 m " "

" 5 " " " 9,6 m " "

" 6 " " " 12,0 m " "

" 7 " " " 14,6 m " "

" 8 " " " 17,3 m " "

" 9 " " " 20,2 m " "

" 10 " " " 23,3 m " "

" 11 " " " 26,6 m " "

" 12 " " " 30,0 m " "

*Worthingtonpumpe*, die, s. Pumpe.

*Wrack*, das,

ist ein durch Schiffbruch oder den Zahn der Zeit unbrauchbar gewordenes Schiff.

So sehr das Hochdeutsche von jeher dem Anlaut wr abgeneigt war (vergl. Graff, Althochdeutscher Sprachschatz zu WR) so hat ihn doch das Niederdeutsche und mit ihm die Seemannssprache bis auf den heutigen Tag in einer ganzen Anzahl von Wörtern beibehalten.

Wrack geht zurück auf das gotische vrikan, dessen Stamm vrak ist und das rächen, tadeln, verbannen (angelsächsisch vräc, Verbannung wraeca, ein Verbannter), tadelnd schelten, verfolgen, für nicht gut erklären, ausstoßen bedeutet. Ein Wrack ist also etwas vom Meere Ausgestoßenes das nicht mehr (als Schiff) brauchbar ist, etwas, nämlich zunächst ein Schiff, das durch Schiffbruch in einen solchen Zustand gebracht ist, daß man es »für nicht mehr gut« erklären muß; oft heißt daher auch ein einzelnes Stück oder ein Teil von einem Schiffe schon Wrack. Im Altfriesischen hieß wrac beschädigt; verwandt mit dem gothischen vraiqs, krumm, schräg, schief, was gerade sein sollte, nicht nur ein gescheitertes, und dadurch unbrauchbar gewordenes Schiff, sondern überhaupt etwas Schadhaftes. Daher wraken für untauglich erklären, = dem erwähnten gotischen vrikan im Sinne von tadeln; ausschießen, verwerfen. Im Hamburg ist ein Wraker ein Mann, der die Waaren beurteilen und das Untaugliche verwerfen muß. Daher heißt wrack auch etwas das nur einen gewissen Schönheitsfehler hat, und man nennt einen Menschen mit einem etwas verschobenen, schief gezogenen Gesichte wrak-snute; sonst wrak-good, wrak-hering, wrak-kese, wrak-teer u. s. w. Die älteste mir bekannte Stelle wo das Wort vorkommt ist eine Urkunde vom 26. August 1176 (Gedruckt bei Sartorius-Lappenberg, Hansa, II. 8) in der König Heinrich II. von England Lübeck und andere deutsche Städte vom Standrecht befreite: »... volentes etiam, ut si contigerit naves vestras in partibus nostris periclitari et de tali nave periclitata, aliquis homo vivus evaserit et ad terram venerit, omnia bona et catalla (?) in illa navi contenta remaneant, quorum prius fuerunt nec ex eo quod Wreccum dicitur, veris dominis extorqueantur.«

Der Verfasser der »Beschriving van der Kunst der Seefahrt«, Lübek 1673, berichtet von durchlebtem Sturm in der Nordsee und havariertem Schiffe: »es war auch Winters Tag, hatten auch ein Schiff, welches nicht allein wegen Masten und Segel redlos war, sondern auch wegen fallen der Masten und des Bochsprets zu zerbrochen, und beschädiget, daß es mehr vor ein *Wrack* den ein Schiff anzusehen war.«

Nach Werner: »Schule des Seewesens« machen die (Holz-)Schiffbauer einen ausgiebigen Gebrauch von dem Worte Wrack, indem sie minderwertiges Holz noch einmal unterscheiden und dabei von »Wrack« und von »Wracks-Wrack« sprechen.

*Abwracken*, ein altes Schiff abbrechen und zu Brennholz machen, s. sloopen.

Zu vergleichen Grimm VIII. 14: »im neueren isländischen wird ein fem. raeki, vindicta aufgeführt (Biörn Haldarson, 2, 220) dem wenigstens älter ein verbum raekja to reject, refuse und ein adj. raekr, rejected, outcast, neben dem verbum reka entsprechen, Vigfusson 506. im subst. wie in dem verbum rächen ist ein alter gemeingermanischer rechtsbegriff beschlossen, das setzen außerhalb der landrechts und die austreibung aus dem lande in folge angriffs auf den landfrieden, eine mildere und nicht entehrende art derjenigen strafe, als deren höchste und zugleich vogelfrei machende stufe die verurteilung zum wargus (Geächteten) angesehen werden muss.«

Das mittelniederländische Zeitwort wraecken hatte eine ähnliche Bedeutung, nämlich »vom richtigen Kurs abgebracht werden«, vergl. Waghenaer, »Spiegel der Zeevaerdt,« Amsterdam 1588: ... »so moet ghy somtyts v Lootlyne, met en hout oft anders achter vt laten gaen, ende setten v Compasse achter om hooghe, ende sien by de linie lancz wat v Schip *wraeckt* oft van den golffnen af gheworpen wert, op dat ghy gheen quade ghissinge en maeckt« ...

*Wrange*, die,

bedeutete ursprünglich nur ein schiefes, schräges, umgebogenes Stück Holz beim Schiffbau und ward früher als Spiegelwrange für den schiefen Verband zwischen Steven und Randsomhölzern und als Bodenwrange oder Flurwrange für den Lieger oder das Bauchstück zunächst am Kiel gebraucht. Jetzt, im Eisenschiffbau ist Spiegelwrange ganz weggefallen, über Bodenwrangen aber schreiben Dick und Kretzschmer I 83: »Der Kiel ist der unterste Teil des Schiffes, gewissermaßen seine Grundlage; auf ihm stehen die Querspanten oder Rippen, welche die Schiffsform bilden und die aus einer Verbindung von Stahl- oder Eisenplatten mit Façonstahl oder -Eisen bestehen. Ihre im Boden liegenden querschiffs angeordneten Plattenteile nennt man *Bodenwrangen*, auch Bauchstücke.« Der Name Wrange ist also geblieben. Bei Aubin 1702 heißen die Wrangen varangues; man sieht auf den ersten Blick daß auch dieses Wort, wie so viele andere der Seemannssprache, die Franzosen von uns entliehen haben; fürs Niederländische giebt der Genannte: Buikstukken, Leggers, vloer-wrangens, vloer-houten, Wrangens op de Kiel an.

Im Ostfriesischen ist wrange oder wranger -- vergl. das hochdeutsche Range -- ein »verdrehter« Mensch, Quäl- und Plagegeist, querköpfiger Mensch; wrang aber heißt zusammenziehend, niederländisch wrang, mittelniederländisch wrangh. Es kommt mit dem englischen wrong, wrang, verdreht, verkehrt, schief, krumm, töricht, schlecht, schlimm, unrecht, ungerecht, von wringen, Präteritum wrang, sich drehend und windend bewegen z. B. nasse Wäsche auswringen; meist mit der Nebenbedeutung daß das Drehen mit Drang und Druck geschieht. Diese hat Bodenwrange freilich nicht, aber der Begriff Drehung, Biegung hat hier den Ausschlag gegeben.

*Wreifholz*, das,

ein Holz das an einem Tau außenbords gehängt wird wenn das Schiff sich nicht an der Mole oder einem Bollwerk reiben soll, also eine Art Fender.

Auch ein halb verhochdeutschtes Wort, das entweder niederdeutsch wrifholz oder dann ganz hochdeutsch Reibholz heißen müßte. Wrifen heißt reiben; niederländisch wryven, mittelniederdeutsch wriven. Dazu, wie mir eine befreundete Hand schreibt, deren Wiege in Pommern gestanden hat, wribbeln als Iterativum von wrifen, etwas zwischen den Fingern (zer-) reiben.

*wricken*,

ein Boot fortbewegen mit nur einem Riemen durch ein eigentümliches Hin- und Herdrehen des an einem Einschnitt am Heck sich bewegenden Riemens.

Nach Schade hat das unter Wrack erwähnte gothische vrikan folgende Bedeutungen: drängen, drücken, pressen, drängend bewegen und wenden, drehen, abdrehen, ausdrehen; vorwärts drängen, treiben, eifrig betreiben; fortdrängen, wegdrängen, drängend beseitigen, verstoßen, verfolgen, strafen, abwenden, ausdrehen; ostfriesisch heißt wricken etwas mit Nachdruck hin und her bewegen. Das eben ist die Tätigkeit, die beim Wricken eines Bootes ausgeübt wird. Dadurch bewegt es sich zwar etwas hin und her, aber das gleicht sich mit jeder Drehung des Riemens wieder aus, so daß das Boot doch seinen graden Kurs auf sein Ziel zu beibehält, wenn auch wrick-wrack wackelig bedeutet, wie in dem mittelniederdeutschen Verse bei Schiller und Lübben: »Darmit gink hei den wrick den wrack, na Bremen leit he gliden.«

*Wuling*, die,

ist eine starke Befestigung zweier Gegenstände miteinander durch Umlegen eines (alten, sich nicht mehr reckenden) Taues, das mehrere Gänge nebeneinander wie Schraubengänge gelegt wird; das nennt man wulen oder bewulen. Dadurch entsteht an der Stelle nicht nur eine Verstärkung, sondern auch eine Verdickung und es ist daher für die Ableitung an unser hochdeutsches Wort Wulst zu denken. Wie Geschwulst von schwellen, so kommt Wulst von wellen, althochdeutsch wellan = drehen, wälzen, rollen, lateinisch volvere, von einer Wurzel val = winden, drehen, wälzen, wickeln, umbinden, festbinden. Mittelniederdeutsch wolen. In der Chronik des Lübecker Dominikaners Hermann Korner (Handschrift aus dem 15. Jahrhundert in Wien) heißt es: »nemen de maste van den olden schepen, de see senken wolden vor dat Reveshol, undde woleden de harde tosamende«. Die »Beschriving van der Kunst der Seefahrt« 1673 hat »wölen«: »musten auch (auf stark havariertem Schiffe) daß Vorschiff mit eine Pferde Linie zusammen wölen, sonst wolten die Anckers mit dem Vorschiff fort.«

*wünschen*

ist ein hie und da gehörtes Seemannswort von eigentümlicher Entstehungsart. Es hat mit unserem sonst üblichen hochdeutschen wünschen = einen Wunsch haben, keine Verwandtschaftsbeziehungen. Es bedeutet vielmehr winden, aufwinden, in die Höhe winden, und ist durch die von Professor Dunger in Dresden gerügte Engländerei ins Deutsche gekommen. Englisch winch = Winde ist Veranlassung zu der Bildung dieses Fremdwortes mit einheimischer Endung geworden; es müßte also »winschen« heißen und hat sich ganz ohne Berechtigung an unser gutes altes deutsches wünschen herangedrängt.

Y.

*Yacht*, die s. Jacht.

*Yarrowkessel* s. Kessel.

*Yawl*, die.

Dieses Wort ist in der Verbindung Yawl-Takelage in neuerer Zeit durch das Yacht-Vergnügen aus England zu uns gekommen. Es ist aber deutscher Herkunft, denn Yawl ist nur die englische Form für das deutsche Jolle. Es verhält sich also Yawl zu Jolle wie Yacht zu Jacht. Nichts anderes ist auch das jolly in dem englischen jolly-boat, s. auch Tjalk.

Z.