Etymologisches Wörterbuch der deutschen Seemannssprache

Part 50

Chapter 503,574 wordsPublic domain

Wie alle dergleichen Wörter auch als Ortsbezeichnung, z. B. Ditzumer Verlat.

*vermooren*,

ein Schiff das vor Anker liegt besonders fest oder in einer besonderen Richtung fest legen mit Hilfe von mehreren Ankern. In vermooren steckt das althochdeutsche marrjan, mittelhochdeutsch marren, merren = halten, befestigen, anbinden, anschirren; angelsächsisch merran, englisch to moor = »to confine or secure a ship in a particular station, as by cables and anchors or by chains.«

*verstauen* s. stauen.

*vertäuen* s. Tau.

*vertonen*

heißt eine leichte, skizzenhafte Zeichnung von einer Insel, einer Bucht, einer Küste machen. Solch eine Zeichnung nennt der Seemann eine Vertonung. Sie hat einmal für den Zeichner selbst den Zweck, sich genauer die Gestaltung des Landes mit seinen Bergen, Hügeln, Kirchen, Türmen, Mühlen, Häusern und Bäumen einzuprägen, also sich eine gute Landkennung zu verschaffen, sodann aber auch die Vertonung zum gleichen Behufe an andere weiter zu vergeben, auf Seekarten zu veröffentlichen etc. Tonen ist ein weitverbreitetes niederdeutsch-niederländisches Zeitwort das »zeigen« bedeutet; daher tonbank, der Tresen, der Ladentisch, die Bank, auf der den Kunden die Waren gezeigt werden. Im Mittelniederdeutschen hieß tonen noch besonders »jemandem eine Urkunde vorzeigen, ein Dokument vorlegen,« und das Vorzeigen hieß toninge.

Zur Zeit mangelhafter Kenntnis der nautischen Berechnungen kam noch mehr auf eine gute Landkennung an wie heutzutage. Deshalb wirft 1670 der Verfasser der »Beschriving von der Kunst der Seefahrt,« ein alter befahrener, in manchem Sturm und Schiffbruch erprobter Schiffer, die Frage auf: »Wo mag man de Landen und Gelegenheit des Fahrwaters kennen lehren?« und erteilt darauf folgende Antwort, aus der -- wenn das Wort selbst auch nicht gebraucht ist -- doch hervorgeht, daß damals fleißig vertont wurde. »Wenn man vom einig Land affsegelt, so most men wol Achtinge hebben, up wat Art dat Land an tho sehnde ys, wat vor Karcken, Torens, Mölens, Backen, Husen, offt Berge und andere kenlicke Teckens, dat dar umbtrent syn, men kan ock datsülvige na Gelegenheit affmahlen offt afftecken und pegelen upt Compaß, wo ein jeglich Tohren, Möhl, Karck etc. van ju ys, und warpen ock dat Loth und sehn wo deep, und wat vom Grund dat dar umbtrent ys, und nehmen ock Achting wo dat Land na grade int Affseegelnt vorandert, und wen gy sehen, dat sick dat Land vorändert, so trekket eder mahlet ydt wedder aff und pegelt mit juw Compaß, wo ein jeglick Ding von juw steit, und so da örde (Spitzen) offt Hucken vant Land tho sehnde syn, so pegelt se ock inn geliken aff, warpet ock wedder dat Loet, und seht wo sick de Grund und Düpte vorändert, desgeliken möge gy ock solches wedderumb dohn, wen dat Land begint ant Water tho kamen, und schrieven solckes wedder an, up wat Streck de klenlickste Platzen offt Tekens vom juw liggen und wat Deepte gy alßden dar hebben, endlick möge gy solckes noch ins dohn, alß gy dat Land achter van de Compagnie (Kampanje) effen sehen könet, den stiget in de Marß offt an de Stengen..« Lucas Janszoon Waghenaer, Steuermann zu Enckhuyzen, der im Jahre 1588 seinen »Spiegel der Zeevaerdt« herausgab, hat als praktischer Seemann besonders viel auf Vertonungen gehalten, ihrer auch eine große Zahl auf seinen Seekarten beigebracht, neben Schiffen unter vollen Segeln und fröhlich in ihrem Element spielenden Fischen. Er versichert auch ausdrücklich, er habe mit »diversche Piloten ende bevaren Stuerlieden« über seine Karten und Segelanweisungen »ghecommuniceert, vertoont ende na haerlieder memorialen ghecorrigeert.«

*verschalken.*

Bei sehr schlechtem Wetter, wenn Gefahr vorhanden ist, daß Sturzseen überkommen, werden die Luken, durch die das Salzwasser ins Innere des Schiffes dringen könnte, verschalkt, d. h. sie werden zugedeckt mit ihrer Gräting und darüber wird ein Stück wasserdichten Segeltuches genagelt; doch so daß die Nägel leicht wieder ausgezogen werden können, wenn die Gefahr vorüber ist. Zu diesem Zwecke werden die Nägel nicht bis an ihre Köpfe eingeschlagen, sondern man legt erst ein Holzklötzchen unter als Unterlage und Stütze gegen zu tiefes Eindringen. Dieses Klötzchen, im Niederdeutschen schalk (auch Stütze, Unterlage, Träger bedeutend, eigentlich *ein Knecht*) genannt, hat dem Zeitwort verschalken zum Dasein verholfen.

*Very'sche Pistole*, s. Cordes'sches Gewehr.

*Vierdeckschiff*, s. Deck.

*Viermastschiff*, s. Schiff.

*vierschäftiges Tauwerk*, s. Tauwerk.

*»vier auf, vier ab«*, s. Wache.

*Vitalienbrüder*, s. Kaper.

*Vize-Admiral*, s. Admiral.

*Violinblock*

ist ein Block der Ähnlichkeit mit einer Violine hat, weil in der Mitte ein Einschnitt ist wie bei einer solchen. Violine heißt bekanntlich auch Fidel, und diese Form gibt die Erklärung an die Hand; mittelhochdeutsch fidele, aus mittellateinisch vitula, fidula, woraus italienisch, spanisch, portugiesisch viola; vom lateinischen vitulari springen wie ein vitula, ein Kälbchen, sich lustig geberden. (Geige kommt wegen der Ähnlichkeit mit einer Hammelkeule vom französischen gigot.)

*Vollschiff*, s. Schiff.

*voll Segel*, s. »am Winde«.

*»voll und bei«*, s. »am Winde.«

*»vor dem Mast«*, s. Kuhl.

*Vorgeschirr*, s. Vortop.

*Vorhandsmann*, der,

ist ein tüchtiger, brauchbarer, zuverlässiger, erfahrener Seemann, der bei seemännischen Arbeiten, Exerzitien und Manövern den Vorarbeiter macht, der vor den andern steht, das Tau an dem geholt werden soll längs gibt, den Stopper aufschlägt, die Belegschläge abnimmt, das Tau abstoppt und schließlich wieder belegt und die Lose aufschießt.

*von Bord*, s. über Bord.

*vorhissen*, s. hissen.

*vorlastig*

ist ein Schiff, das vorn tiefer als es sollte und als seiner Segelfähigkeit zuträglich ist im Wasser liegt, sei es infolge falschen Stauens der Ladung, sei es aus anderen Ursachen. Vorlastig darf ein Schiff nicht sein, weit eher etwas achterlastig, weil dann das Ruder wirksamer ist; deshalb ist achterlastig auch = steuerlastig. Beim Wettsegeln ist die richtige Verteilung der Leute im Boot von großer Wichtigkeit.

*vor dem Wind*, s. lenzen.

*Vormast*, *Vormars*, s. Vortop.

*Vormittagswache*, s. Wache.

*Vorsteven*, s. Steven.

*Vortop*, der,

müßte nach dem Muster von Großtop und Kreuztop eigentlich Focktop heißen, aber einmal liegt dieses Wort dem Seemann nicht mundgerecht und sodann gehört auch das ganze Vorgeschirr des Bugspriets dazu: Stagsegel, Klüver, Jager und alles was damit zusammenhängt, insofern, nämlich der Offizier der bei Segelmanövern den Fockmast unter sich hat auch dieses alles beaufsichtigt und von Leuten der Fockmastdivision bedienen läßt.

W.

*Wache*, die.

Unter Wache versteht man an Bord einmal die Tätigkeit des Wachegehens, sodann die Zeit die gewacht wird und endlich die Gesamtheit derer, die auf Wache sind.

»Ich habe die Wache,« sagt der Offizier, den man Offizier der Wache nennt. Offizier der Wache ist aber nicht gleichbedeutend mit Wachoffizier. Es kann einer Wachoffizier und Offizier der Wache zugleich sein; er kann aber auch Wachoffizier sein und braucht doch nicht gerade Offizier der Wache zu sein. Es kann auch einer Offizier der Wache sein, ohne daß er Wachoffizier ist, z. B. der Navigationsoffizier, wenn er den wachhabenden Offizier zum Frühstück verfängt. Unter den Offizieren eines Schiffes sind nämlich immer einige, in der Regel vier, mit der Bestimmung, die Wachen zu gehen, an Bord kommandiert; sie heißen Wachoffiziere, wie es auch einen Navigationsoffizier, einen Batterieoffizier, einen Kadettenoffizier, einen Flaggleutnant, einen Adjutanten gibt. Die Wachoffiziere gehen unter sich abwechselnd in der Regel in vier Wachen, d. h. in vier Zeiträumen von je vier Stunden.

»Ich bin auf Wache,« sagen die Matrosen, Schiffsjungen, Heizer etc. Die Mannschaft geht in zwei Wachen, oder »Wache um Wache,« oder »vier auf, vier ab«. Es ist also immer die eine Hälfte der Besatzung für den notwendigen Schiffsdienst zur Stelle; (s. aber Quartier der Wache.) Die eine heißt Steuerbordwache, die andere Backbordwache, mit entsprechenden Wachabzeichen auf der rechten oder linken Schulter. Damit nun nicht jede Wache jeden neuen Tag immer wieder dieselben Stunden auf Wache komme, so wird die Wache von 4 h bis 8 h p. m. von beiden Wachen in zwei Hälften gegangen; sie führt zuweilen den Namen Plattfußwache, auch bloß »der Plattfuß«; manchmal heißt auch der zweite Teil, von 6 h bezw. 6 h 30 bis 8 h so. Irgend ein Scherz mag dieser scherzhaften Bezeichnung zu Grunde liegen; sie wird in der Marine nicht angewandt und überhaupt nur selten mehr gehört. Über die Nachtwache s. Hundewache.

Nur in See geht man vierstündige Wache; im Hafen wechselt es Tag um Tag, das nennt man »Hafenwache gehen.« Sonst heißt Hafenwache auch noch die Hafenpolizeiwache, bezw. eine Hafenpolizeipatrouille. S. auch *Quartier*.

*Wachtmeister*, der,

war ursprünglich der Unteroffizier, der die Wache beaufsichtigte, jetzt ist er bei der Marine der Mann im Range eines Feldwebels, der die Polizei ausübt, also der Profoß, der Rumormeister. Zu den Zeiten Leonhart Fronspergers, als der Soldat, der Dienste zur See nahm, sich sein Weib oder Kebsweib mit an Bord nahm, war über die Weiber und Kinder ein eigener Weibel gesetzt, der strenge Ordnung halten mußte und nicht zu säuberlich mit seinen Pflegebefohlenen umging. Er führte den schönen Namen Hurenwaibel. (1565) Wachtmeister ist begrifflich genau dasselbe wie Quartiermeister.

*Wägerung*, die,

auch Garnierung genannt, ist die innere Bekleidung der Außenwand eines Schiffes. Die Bretter oder Platten die von außen an den Querspanten befestigt werden, bilden die Außenbordwand; die Bretter oder Platten aus Holz, Eisen oder Stahl, die an der Innenseite dieser Spanten befestigt werden, bilden die Wägerung, auch Wegerung. Ostfriesisch heißt wage die Wand, altfriesisch wag, westfriesisch weage, saterländisch wage, wangerländisch woch; angelsächsisch vag, altenglisch wag, altnordisch veggo, norwegisch vegg, schwedisch vagg, dänisch vaeg. Von wägen, ein Gewicht bestimmen, dann auch ein Maß, eine Gestalt bestimmen, einen Raum bestimmen, was durch die ihn umgebenden Wände geschieht, wie dann überhaupt die Wägerung in ihrem Verlaufe die Gestalt des Schiffes angibt.

*Wall*, der,

bedeutet in der Seemannssprache nicht sowohl das was man etwa einen Festungswall nennt, der Begriff ist bedeutend erweitert, so daß Wall überhaupt für Küste oder Land gebraucht wird. Niederländische und auch ostfriesische Matrosen sagen: »Aan den wall gaan« für »an Land, auf Urlaub gehen.« Im Angelsächsischen heißt sae-veall auch weiter nichts als Küste. Und doch muß das Wort ursprünglich eine irgendwie von Menschenhand zum Gebrauch des Seemanns geeignet gemachte Küste bedeutet haben. Auch wenn es vom lateinischen vallum durch sehr frühzeitige Entlehnung kommen sollte, so ist doch Menschenhand mit im Spiele. Und zwar -- vergl. Kaje -- bediente sie sich dabei des Holzes zur Herstellung einer -- natürlich noch sehr ursprünglichen und einfachen --Art von Bollwerk. Nun fehlt zwar im Althochdeutschen das Wort wal, wie Kluge sagt, zufällig, aber wir haben doch glücklicherweise im Gotischen ein Wort das uns zu Hilfe kommt: valus, das zwar nur Stock, Rute bedeutet, aber uns grade deswegen darauf hinweist, daß Wall ebenso wie Kaje erst eine Art Zaun aus Stöcken oder Pfählen gewesen ist und sich dann im Laufe der Zeiten zu Weiterem ausgewachsen hat. Um dieses gotischen valus willen möchte ich die von Kluge für sehr unwahrscheinlich gehaltene Urverwandtschaft mit dem lateinischen vallum doch nicht so weit wegwerfen, also Wall nicht für ein lateinisches Lehnwort halten.

Niederdeutsch auch Wal, »Beschriving van der Kunst der Seefahrt« 1673: »Ok kan men de Compassen proberen, wen men erst uth ein Gat, offt langest de Wal, edder sünst vom ein Land na dat ander segelt, vornehmlick dar weinig Strom gaet. Wen men den na dat Compaß, und nicht na dat Oge offt Land so hen stüret, und men den wol achting up sinn Korß gifft, wor men mit solken Korß vor falt, so kan men sik den desto beter darna richten, offt de Compassen Ostlick offt Westlick vant Norden wiken.«

*Wallgang*, der.

Zu den Einrichtungen, die die Seiten eines geschützten Schiffes schützen sollen, gehören auch die Wallgänge, das sind wasserdichte Räume an der Bordwand, »die durch senkrecht stehende Längsschotten, die sogenannten Wallgangsschotten, gebildet werden. Das innerste Wallgangsschott ist im Allgemeinen in solcher Entfernung von der Bordwand angeordnet, daß der Sporn eines rammenden Schiffes es unter gewöhnlichen Umständen nicht mehr verletzen kann. Die Wallgänge und der Doppelboden sollen das Schiff auch gegen die Gefahren von Explosionen schützen, die sich in der Nähe der Außenhaut vollziehen.« Dick und Kretschmer I. 559. Der Ausdruck Wallgang ist der Festungsbaukunst entnommen: »Gang hinter dem Wall«, wobei der Panzer die Stelle des Walles vertreten muß.

*Wake*, die,

ist eine offene Stelle im Eise, die entweder in Folge natürlicher Ursachen überhaupt nicht zugefroren war, oder aber künstlich ins Eis geschlagen ist für Zwecke des Fischfanges etc. Das Letztere, also das künstlich aufgehauene Eis ist auch für die Schiffahrt von Bedeutung, wie schon aus der Lübecker Chronik erhellt: »De hovetman .. leth in der nacht umb de (im Eise liegenden) schepe grote waken howen unde de issschulveren leth he under drucken.« Niederländisch wak, Nebenform von wek, weich, und dieses vom Präteritum wek von wiken, weichen, also eine Stelle die »weich« ist, weichend, die »nach« gibt, keinen Widerstand leistet.

*Walrückendeckschiff*, das, s. Schiff.

Der Walfisch ist übrigens ein besonderer Freund des Seemanns wegen seiner munteren, beweglichen, scherzhaften Art. Er ist ein »Herumtreiber« und hat davon auch den Namen, dem das gotische walwian zu Grunde liegt, altfriesisch walen, niederdeutsch walen = wälzen, unbeständig sich hin und her bewegen. Das Wort hat eine sehr große Verwandtschaft, zu der auch das Wort Walze = Wanderschaft im Munde unserer Handwerksburschen gehört.

*Wanholz*, das,

oder wankantiges Holz ist das Holz so wie es gewachsen ist, das noch erst vierkantig gesägt werden muß, ehe es zum Schiffbau Verwendung finden kann. »Die erste Diele, welche an jeder Seite abgesägt wird und die an einer Seiten einen Rücken hat wird das Schillstück oder Schellstück (Schalenstück) genannt, die zweyte, welche an beyden Seiten platt aber schiefe Kanten hat, die Schelldiele und die dritte, welche ebenfalls noch schiefe Kanten hat die Wandiele.« (Röding). Die Bedeutung geht auf Abfall, Abnahme, Verminderung zurück, althochdeutsch wanon, vermindern, angelsächsisch vanjan, altenglisch wanjen, englisch wane abnehmen, daher wane of the moon. Das letzte Viertel des Mondes, in welchem Sinne wan auch im Mittelniederdeutschen gebraucht worden ist, wo überhaupt wan sehr häufig vorkommt für »nicht voll«, mangelnd, fehlend, gebrechend, mangelhaft, fehlerhaft; ja aus dem Begriffe »nicht voll« ist sogar der von »leer« entstanden. Man vergleiche: wanback, ein schwächlicher Mensch der keinen breiten Rücken (back) hat, wanbar, wandicht, wanfett, wangar, wanklör, wanlustig, wanrad, wanrip, wanstaltig, wansturig, wantide, eine wenig bemerkbare Flut und Ebbe, wantiedig u. s. w.

*Want*, das,

auch Wand, ist die Stütze des Mastes oder der Stänge nach der Seite zu, bewirkt durch starke Taue, Want- oder Hofdtaue (Haupttaue), die um den Kopf des Mastes oder der Stänge gelegt und an der Seite des Schiffes, der Rüst, oder an der Seite des Marses befestigt sind; sie müssen eisern stehen und gehören daher zum stehenden Gut.

Ein Blick auf ein Segelschiff zeigt uns, daß die Wanten zu beiden Seiten des Untermastes nichts weiter sind als stützende Seitenwände, und es gehörte auch kein allzu kühner Gedankensprung dazu, den Namen der Stütze eines Hauses auch hier anzuwenden, zumal wenn man sich die Entstehung der ersten Wände aus Holz und Holzgeflecht (Staken) vergegenwärtigt. Dagegen muß man allerdings die im Binnenlande so weit verbreitete Meinung bei Seite lassen als habe das Want den Zweck einer Strickleiter. Das ist etwas ganz Nebensächliches. Nebensächlich ist auch, daß die Hofdtaue der Wanten unter einander mit Weveleine verbünden, »ausgewebt« sind (wodurch die Sprossen der Strickleiter entstehen). Man kann daher auch nicht, wie es Breusing wollte, Müllenhoff aber schon für unmöglich erklärte, wegen dieses »Webens« Want mit Want = Tuch, Leinewand gleich setzen. Die Sache ist vielmehr ganz einfach: Wie die Wand das Haus stützt, so stützt das Want den Mast. Der Wechsel des Geschlechtes kann im Niederdeutschen nicht befremden, zumal es noch ein Neutrum want gibt, das Fischereigerätschaft heißt und von Einfluß gewesen sein kann.

Doch sind Breusing und Müllenhoff mit ihren scheinbar so weit auseinander gehenden Erklärungen in Wirklichkeit einander ziemlich nahe, denn Wand = Hauswand und Want = Leinewand und viele andere deutsche Wörter kommen zuletzt doch auf eine und dieselbe Grundbedeutung und auch auf dieselbe Wurzel hinaus mit der Bedeutung *wenden*, *winden*. Die Sippe ist so groß, daß sie hier nicht weiter in den Bereich der Betrachtung gezogen werden kann.

*Warlblock*, der.

Wart ist eine Kontraktion von warvel = Wirbel, bedeutet also eine Vorrichtung, die sich dreht. Warlblock ist ein Block dessen Haken drehbar ist, wodurch dann auch der ganze Block drehbar wird, was unter Umständen wünschenswert sein kann, z. B. bei neuem, sich leicht noch verdrehendem Tauwerk. Warl stammt von althochdeutschen hwerban ab, ist also mit Werft verwandt.

*Warpanker*, der.

Soll ein Schiff verholt werden ohne daß Bojen, Ducdalben, Poller oder dergl. in der Nähe sind, an die man eine Troß verfahren könnte, so muß man sich mit einem Anker helfen, indem man ihn ausfährt an die Stelle wo man hin will und sich dann mittelst der Ankerkette dahin aufwindet. Dieses Winden heißt warfen oder warpen, althochdeutsch hwerban (vergl. Warlblock und Werft) sich bewegen, sich wenden, sich drehen. Der gute alte Röding hat sich von Breusing müssen zurechtweisen lassen, daß er Warpanker mit Wurfanker wiedergegeben hat, da er doch mit Werfen nichts zu tun habe. Letzteres ist nicht ganz richtig, denn geworfen wird der Warpanker auch, wie jeder andere Anker; es ist ja die Bestimmung des Ankers, geworfen zu werden. Aber in der Sache selbst hat Breusing Recht, auch darin, daß er vor den Rödingschen Übersetzungen ins Hochdeutsche warnt. Röding war eben kein Seemann. Daß aber auch seebefahrene Leute seemännische Wörter durch schiefe Übersetzung ins Deutsche recht verdunkeln können, sieht man an Bobrik. Von ihm bemerkt Ehrentraut, Friesisches Archiv II. 65 daß er plicht mit Pflicht wiedergegeben habe und sagt dazu: »Wohl mit Recht ist an diesem Buche (dem nautischen Wörterbuche Leipzig 1850) das Bestreben, die niederdeutschen Ausdrücke zu verhochdeutschen, getadelt worden.«

*warschauen*

ist ein an Bord sehr häufig gehörtes, echt seemännisches Wort mit der Bedeutung: jemandem zurufen, daß er sich in Acht nehmen soll vor einer drohenden Gefahr, jemanden erinnern, daß er etwas tun soll, jemanden benachrichtigen, daß für ihn etwas an der Zeit ist, jemandem mitteilen, daß etwas worauf er gewartet hat nun so weit ist.

Das Wort war im Mittelniederdeutschen in häufigem Gebrauch. Livländische Urkunde von 1410: »Darum so willet juwe schipheren unde Koplüde war schuwen, wo dat se segelen.« Auch nichtseemännisch, ostfriesische Urkunde von 1413: »Ende waerschuwen ju ende alle gade lude, dat sie sick huden voer dezen eerlosen, treulozen, meynedighen man.« Es trat damals noch die Bedeutung mehr hervor die das Wort heute noch in erster Linie im Niederländischen hat, waarschuwen = *warnen*. So auch negativ, Hamburger Chronik: »Darna is graue Christoffer in Zelant angekamen vngewarschuwet vnde heft dat land gebrantscattet«, d. h. ohne gewarnt zu haben.

Ostfriesisch warschoen, warschoun; saterländisch warsgauje, auf Wangerooge warschaun, nordfriesisch warskauin.

Der erste Teil des zusammengesetzten Wortes war ist dasselbe wie unser wahr = sicher, gewiß, richtig, wirklich, zuverlässig, aber mit der Nebenbedeutung »gewahr«, sichtig, inne, kundig; ostfriesisch: »Ik kan 't net war worden wo 't is« ich kann es nicht erfahren, nicht gewahr werden.

Der zweite Teil -- schuwen -- heißt scheuen und scheu machen, scheuchen; warschauen also wörtlich: »jemanden aufscheuchen, daß er einer Sache gewahr wird.«

In dem aus dem Jahre 1673 stammenden höchst seltenen Buche: »Beschriving van der Kunst der Seefahrt, darin durch gewisse Grund-Regulen wert angewiset, wo men en Schip aver See, von dem einen Platse tho dem andern bringen sal, Allen jungen und unerfahrenen See-Lüden tho denst und sünderlicken Nutzen thosamen gebracht und in der Neddersaxschen Sprack beschreven dorch P. V. D. H. Leffhebber der Navigatie. Lübeck, Gedrückt by Seel. Schmalhertzens Erven 1673. Dise Bocken werden von dem Autor mit egender Hand undergeschreven, den Koper thor Naricht, up dat he von den Nadrückers de licht ein Faut hirin begahn möchten nicht achtergahn werde. Werdt verköfft neffens der Herings-Caje in de sphera mundi in Lübeck by« ... nennt der Verfasser das was wir jetzt Vorrede nennen würden »Warschuving an den Leser.« Und in dieser Warschuving heißt es wieder: »Ok wen jemand einige Engelsche Gaten wold ein offt uth segelen und einen Engelschen Lotz an Bord hefft, de mag den Lotz wol warschuwen, dat de düdsche Compassen mit den Engelschen ein halven Streck verschelen, up dat durch de Pegeling und Korsch nen Fauten begahn werden.«

*Wäschejolle*, die,

ist eine Verbindung von Tauen die geschoren wird wenn Zeug- und Hängemattswäsche war. Sind die Wäschestücke rein, so werden sie mit Nitseln an dem Tau festgebunden das in der Richtung von vorn nach hinten in gewisse Höhe mittelst der Jolltaue aufgehißt wird; dann hängt die Wäsche hoch oben, manchmal in verschiedenen Reihen über einander, luftig und frei im Winde zum Trocknen.

*Wasserhose*, die,

ist eine Wettersäule auf See, eine Trombe, ein Dreh- oder Wirbelsturm von sehr geringem Durchmesser. Durch eine eigentümliche drückende und saugende Bewegung veranlaßt er auf dem Lande einen Luft oder Sandwirbel (Windhose, Sandhose), auf See aber einen Wasserwirbel den man Wasser-oder Seehose nennt. (Seehose ist übrigens auch eine wirkliche Hose, nämlich eine, die der Seemann sich nur auf See anzieht um sie »aufzutragen«, während die »Landhose« nur angezogen wird, wenn er sich fein macht und »an den Wall« geht.) Das Merkwürdige bei der Wasserhose ist, daß der Bewegung von unten eine Bewegung von oben her entspricht, daß mit ihr sich ein aus den Wolken sich herabsenkender »rotierender Dunstkegel zu einer schlauchartigen fortschreitenden Säule« vereinigt. Von dieser schlauchartigen Gestalt ist der Name Hose gewählt, der zuerst in diesem Sinne, nach Kluge bei Stieler 1695 gebucht ist.

In den Begriff Hose ist Verwirrung gekommen durch das Abschneiden der früher mit der Hose ein Stück bildenden Strümpfe; nun nennen im germanischen Sprachgebiet die einen das obere Stück Hose und die andern das untere, das diejenigen die das obere Hose nennen wegen des Abgeschnittenseins Strumpf (Stumpf) heißen. Diese Verwirrung mag mit dazu beigetragen haben das Wort überhaupt als minderwertig in Mißkredit zu bringen.

*Wasser machen.*

Wenn ein Schiff leck ist, so daß durch das Leck Wasser ins Schiff läuft, oder wenn sich sonst aus irgend einem Grunde Wasser im Schiffe ansammelt, so sagt man: es macht Wasser; es macht so und so viele Zentimeter Wasser in einer Stunde, heißt also: es läßt so und so viel Zentimeter Wasser in einer Stunde durch undichte Nähte, durch eine undichte Stelle u. s. w. ein. Danach richtet sich dann das Pumpen. Französisch faire eau.

*Wassergang*, der,