Etymologisches Wörterbuch der deutschen Seemannssprache

Part 5

Chapter 53,482 wordsPublic domain

»Signum secundum quod navis regitur«, diese Erklärung Halbertsma's dürfte in ihrer Kürze am treffendsten die verschiedenartigen Bedeutungen des Wortes Bake zusammenfassen. Denn wie eine Bake auch aussehen und wo sie auch angebracht sein möge, ihr Zweck ist für den Seemann doch immer der, seinem Schiff weisend und warnend den rechten Weg zu zeigen. Ein sehr altes deutsches Wort, das ursprünglich noch keineswegs ein Seezeichen, Segelmarke, Feuerzeichen, Landmarke u. dergl., sondern ganz allgemein Zeichen bedeutete. Es ist mit bücken verwandt, und dieses mit biegen. Die einfachsten und ursprünglichsten Zeichen sind ja die, daß man mit dem Kopfe nickt, den Oberkörper nach vorn biegt, sich bückt oder eine ähnliche Körperbewegung macht. Jeder der auf eine größere Entfernung einem anderen ein Zeichen giebt, wird unwillkürlich dabei seinen Oberkörper vornüber beugen, und eben diese Bewegung ist das was die Alten baken oder beken nannten. Dieser Name ward dann schon früh auf eine Stange übertragen, mit der man jemandem zuwinkte (Zaunpfahl!) oder die man als ein Zeichen für irgend etwas in den Boden steckte. Damit man diese Stange auf größere Entfernung desto besser sehe, wurde an ihrer Spitze ein Bündel Stroh oder Reisig befestigt. Noch heute stecken unsere Landleute da, wo die Polizei eine Warnungstafel anbringen würde, eine Stange mit einem Strohwisch in die Erde, und jeder weiß was das bedeutet.

Solche Baken, also Pfähle mit Reisigbündeln, haben in alten Tagen für das Signal- und Nachrichtenwesen eine große Rolle gespielt. Wenn in Friesland hohe Fluten drohten oder ein Wind nahte, dann wurde die Gemeinde zusammengerufen durch »tha Klocka an to slan, iefta (oder) tha bekena of to stekene.« Oder die Gefahr wurde »mith boeda iefte bakena« den Freunden kund getan. Nachts ward das Reisigbündel auf der Stange angesteckt und hieß dann Feuerbake, »vierbaeck.« Es war den Wächtern genau vorgeschrieben, wann und in welchen Zeitabständen sie ihr Feuerzeichen zu entzünden hatten. Wie sehr aber in altfriesischen Zeiten der allgemeine Begriff von Zeichen noch galt, geht daraus hervor, daß auch das Läuten der Glocken ein baken genannt wird. Im Theuthonista (XV. Jahrh.) steht bake gleichbedeutend mit hagelkruys und bezeichnet ein zur Erinnerung an einen verwüstenden Hagel errichtetes Gedenkzeichen in Form eines Kreuzes. Im Angelsächsischen ward beácen sogar vom Kreuze Christi gebraucht, als Siegeszeichen, sige-beácen. Im Beówulf (VIII. Jahrh.) steht becn schlechthin als Zeichen; beácen heißt Feldzeichen, Feldherrnzeichen, was aber damals noch keine Flagge, sondern der am Mast aufgehißte Schild des Höchstkommandierenden war; auch kommt heofones-beácen vor, Himmelszeichen, d. h. Feuersäule.

Brennende Baken dienten als Hochzeitsfackeln im friesischen Brautzuge.

In dem oldenburgischen Saterland, jener friesischen Enclave im Moor nach dem Münsterländischen zu, wo sich viele Reste des Altfriesischen erhalten haben (gesammelt von J. U. Minßen und in Ehrentrauts friesischen Archiv veröffentlicht) feierte man noch im XIX. Jahrhundert den Dienstag Abend der Fastnacht als »Bekenseivend.« Darüber berichtet Strackerjan (»Aberglaube und Sagen aus dem Herzogtum Oldenburg«): »Wer noch beinhaft (gehfähig, also noch einigermaßen nüchtern) war, machte sich ein langes Strohbündel von 4 bis 6 Zoll im Durchmesser und 8 bis 12 Fuß Länge, das dicht und straff mit Bändern umwickelt war. Diese Beken (plattdeutsch Baken) wurden mit Dunkelwerden angezündet, und die Leute schwärmten damit in den Feldern umher, tolle Lieder singend und wild schreiend.«

Bake als Seezeichen im engeren Sinne, also nicht blos als Warnungszeichen, sondern als Wegzeichen oder vielmehr als Segelzeichen finden wir zum ersten Male in dem auf der Kommerzbibliothek in Hamburg aufbewahrten, von Karl Kloppmann, Arthur Breusing und Christoph Walter herausgegebenen »Seebuch«, das um das Jahr 1400 geschrieben worden ist und zahlreiche Segeldirektionen enthält, mit Berücksichtigung der Tiden, Stromläufe, Seezeichen u. s. w. Da lesen wir: »also gy wilt segelen int Vly so sole gy den torne unde de baken over en bringen.«

Dann findet sich das Wort in einer alten Chronik des Landes Dithmarschen in ähnlichem Sinne: »Im Augusto vell ein gruwlich water ... welches allenthalben den acker und wege dergestalt verdekde, also dat men ... pale und baken stecken moste, dat man nicht des rechten weges feilede.« Kilian aber erklärt Bake schon nur mehr mit »seemerk« und nennt auch Bake das was heutzutage im seemännischen Gebrauche Boje heißt. Jedenfalls ist das Wort jetzt ausschließlich Seemannseigentum. Kluge erklärt es mit »Zeichen an der Hafeneinfahrt und zur Warnung vor Untiefen«, und berichtet, daß es im Hochdeutschen zuerst von Sperander 1727 als »Leuchtturm« verzeichnet worden ist.

Ins Englische ist das Wort schon zu der angelsächsischen Zeit übergegangen und es lautet jetzt beacon. Naturgemäß spielt es in dieser Sprache eine große Rolle: »a mark or object of some kind placed conspicuously on a coast or over a rock or shoal at sea for the guidance of vessels.« »Various hills in England got the name of Beacon from the fact of signal-fires having been formerly lighted on them.« Überhaupt scheint in England der Gedanke an Feuer oder Licht in den Begriff von beacon heute noch hineinzuspielen, denn das Zeitwort to beacon heißt to afford light or aid, as a beacon; to light up; to illumine; to signal, welch letztere Bedeutung sich mit besonderer Kraft behauptet hat, was uns das noch verwandte Zeitwort to beckon beweist, »to make a sign to another by nodding, winking, or a motion of the hand or finger«.

Von beacon kommt dann weiter beaconage, eine Abgabe zur Unterhaltung der Baken. Das ward in Deutschland als juristen-lateinisches Wort beconagium bekannt, wie die Gelehrten des Bremer Wörterbuches uns berichten, ist zum Glück aber wieder außer Gebrauch gekommen. Die Bake selbst aber ist nicht nur geblieben, sondern hat sich im Laufe der Zeit und des großen technischen Fortschrittes der Seemannschaft zu etwas ganz anderem ausgewachsen als einer sich beim Anblick eines mittelalterlichen Strohwisches hätte träumen lassen. Gibt es jetzt doch sogar Baken, in denen Nahrungsmittel, Betten, Decken für Schiffbrüchige enthalten sind, also Rettungsbaken, wie es Baken mit Richtungsfeuer, Landerkennungsbaken, Pfahlbaken, Steinbaken, Treibbaken, Signalbaken und Winkbaken gibt.

Wegen der nahen Bedeutungsverwandtschaft ist Boje zu vergleichen. Das Wort Bake hat sich so allgemeine Geltung verschafft, daß es beinahe ausschließlich herrscht, und daß alle anderen Bezeichnungen für dieselbe Sache, wie Fuse, Prikke, Steuder, Wacker, Wethe kaum mehr bekannt und höchstens noch auf beschränktem Gebiet in einzelnen Gegenden im Munde der Leute sind.

Das älteste mir zu Gesicht gekommene Bild einer Bake hat Lucas Janszoon Waghenaer, Steuermann zu Enckhuysen, in seinem berühmten Buche: »Spiegel der Zeevaerdt,« das in Leyden gedruckt, in »Amsteeredam« in eben dem Jahre 1588 erschienen ist, in dem die »unüberwindliche Armada« überwunden ward. Da heißt es -- vergl. Tonne --: »ende aen de ander zyden op de sanden ofte platen staen gemeenlyck de Baekens met korven bouen op in deser manieren«, und ist dann eine Stange abgebildet mit einem Ball aus Korbgeflecht an der Spitze, wie man ihn auch heute noch als Sturmball etc. etc. gebraucht.

*Balje*, die.

1. Ein Wasserbehälter = Bütte.

2. Ein Wasserlauf zwischen den Watten, fahrbar auch bei Ebbe, z. B. die blaue Balje bei Wangeroog.

Französisch 1702: baille; holländisch 1702: baalie; Groningen: boalie, boalje, melkboalie, Melkeimer.

Beide Bedeutungen sind aus alten Zeiten bezeugt, indem das »Seebuch« balge für Wasserlauf hat und der Teuthonista baly für vas, Faß. Das Gemeinschaftliche der Bedeutung ist der Begriff »Wasserbehälter«. Die Balje im Watt behält ja ihr Wasser auch bei ablaufendem Wasser, bildet also gleichsam eine Balje im Sinne von Bütte. Es ist auf das unter »Bagger« Gesagte zu verweisen. Das heute noch in England gebräuchliche bag hieß altenglisch bagge, a beggars bagge, ein Bettelsack; gälisch bag, kymrisch baich, bretonisch beach = Last, Bündel. Der Dudelsack oder die Sackpfeife heißt im englischen bekanntlich bagpipe. »The bagpipe consists of a leathern bag, which receives the air from the mouth, or from bellows; and of pipes, into which the air is pressed from the bag by the performers elbow.« Was heute »a leathern bag« ist, das war, wie bekannt, früher ein Balg, Ziegenbalg oder dergleichen. Wenn wir nun bedenken, daß im Lombardischen der Weinschlauch baga heißt, und daß Weinschläuche nichts anderes waren und sind als Bälge, so kommen wir auf Balg als Etymon zu Bag. In der Tat sind überall die ersten Säcke der Menschen abgebalgte Tierhäute gewesen. Bag ist aus Balg durch Schwund des unbequemen l entstanden. Hieß doch im angelsächsischen bag noch baelg, und im gälischen kommt neben bag auch balg vor. Natürlich wurde solch ein Balg nicht bloß zum Weintransport benützt, er diente, namentlich auch bei seegehenden Schiffen, als Wasserbehälter und Wasserbehälter ist die Balje. Das Wort wird oft auch Balge geschrieben und erinnert in dieser Schreibart noch mehr an seine Abstammung von Balg. Gotisch balgs = Schlauch, mati-balgs = Brotsack, Reisetasche, Eßsack; althochdeutsch: balg, was ins keltische als bulga übergegangen ist; Festus: »bulgas Galli sacculos scorteos vocant«. Mittelhochdeutsch: balc = Hülse (gleichsam das abgezogene Fell des Korns), Schlauch, großes Trinkgefäss.

Um zu verstehen, wie aus Balge Balje geworden ist genügt es, an die Schreibweise im »Seebuch« ballighe, oder noch einfacher und näher liegend an die weitverbreitete Aussprache des g wie j zu denken.

*Ballast*, der.

Eine Last aus Sand, Eisen etc. die nur eingenommen wird um dem Schiffe den nötigen Tiefgang zu verleihen.

Über die Bedeutung diese Wortes ist vielerlei vermutet worden. Es sollte von Bale = Bole = Last kommen, weil es eine Last sei, die auf Bohlen liegt. Aber dann wäre jede Last Ballast, denn worauf soll sie anders zu liegen kommen als auf Bohlen?

Es sollte Back-Last, Rücklast, sein; allein, nicht jede Rücklast ist Ballast, sie kann sogar sehr wertvoll sein. Dann hat man an das keltische bal = Sand gedacht, aber nicht jeder Ballast ist Sand. Halbertsma hat sich folgender Phantasie hingegeben: Bar-lest = saburra, ex bara, unda, et lest, onus; »saburra enim impedit quo minus vacua navis vi undae et venti in latus prosternatur«.

Und doch ist die Erklärung, auf die meines Wissens noch niemand verfallen ist, sehr einfach. Man muß zunächst von Kriegsschiffen ganz absehen und an Handelsschiffe denken, denen alles darauf ankommt, gewinnreiche Ladung zu bekommen für Hin- und Rückfahrt. Wenn ihm das nicht gelingt, so muß es freilich des nötigen Tiefganges wegen irgend eine Ladung einnehmen, auch solche, die hernach einfach wieder ausgeladen und als unnütz beiseite geworfen werden muß. Das ist dann eine schlechte, böse, üble, nicht lohnende Last. Und eben darum heißt sie Ballast. Bal hieß in allen germanischen Sprachen, heißt teilweise sogar heute noch schlecht. Gotisch balvjan, einem Böses tun, ihn plagen; althochdeutsch bale, malitia, balemund, schlechter Vormund, auch palo und bale, Verderben, Bosheit, Qual, Pein (Ballast zu fahren macht den Schiffer Qual und Pein genug); altsächsisch balu, Übel, baluwerk, Übeltat, baluspraka, verderbliche, schlechte Rede; angelsächsisch balu, bealu, perniciosus, malus; altenglisch bale, malus; altfriesisch bael, böse, bael mond, baelmond, schlechter Vormund. Im späteren Friesisch finden wir baldedich, gewalt-übel-tätig, balstiurrich, schlecht zu steuern, von einem, der in seinem Zorn, seiner Wut schwer zu behandeln ist; bal-éarich ist einer der schlecht hört. Auch im Nordfriesischen (Outsen) kommt balstürig, schwer zu lenken, als sehr bekanntes Wort vor. Desgleichen in Bremen für frevelhaft, gewalttätig. In Groningen sagt man: »doar is't bal«, da ist es verkehrt, da steht es böse, da ist's nicht in Ordnung. Ein unnützes Kind heißt da geradezu ballast. Ein Junge, der nicht hören will, ist ein »Schlechtohr«, »'n baloorn van 'n jong«. Ähnlich heißt in Westfalen balhaerig, schlecht hörend, und zwar nicht taub, sondern schwerhörig von einem der aus Bosheit und Unart nicht hören will.

Also »unnütze Last«. Das Richtige scheint schon der Teuthonista geahnt zu haben, der es mit onnutte scheepvracht wiedergibt.

Desgleichen Kilianus: bal vet. Holl. malus, inutilis, baldaed malefactum, baldaedigh maleficus; ballast: inutilis farcina, inutile onus, quo navis oneratur, ut stabilior sit.

Im Übrigen ist die älteste Urkunde, in der ich das Wort gefunden habe, ein Hansa-Receß vom Jahre 1442.

*Banjerdeck*, das,

eigentlich bloß Banjer, heißt auf kleinem Schiff mit nur einem Deck der kleine Platz vor der Kajüte wo die Leute ihre »Logis« haben. Banje ist Diminutivum vom niederdeutschen ban, das nicht nur wie im Hochdeutschen Bahn einen freien Weg, sondern überhaupt eine freie Strecke, einen freien Platz oder Raum bedeutet. Also: Der für die Mannschaft freie Raum.

*Bank*, die.

1. Im eigentlichen Sinne: Bank zum Sitzen, s. Backen und Banken; Ruderbank, s. ducht. 2. Übertragen: Austernbank, Felsenbank, Korallenbank, Mudderbank, Sandbank, Nebelbank, Wolkenbank, Nagelbank (mit den Koveinnägeln s. d.) Bank wird als nasalierte Form von Back, Rücken, rundliche Erhöhung angesehen, was mit den Wörtern, bezw. Zusammensetzungen in übertragener Bedeutung nicht übel stimmt, besonders mit Sandbank, wofür man auch Sandrücken sagt. Kluge gibt einen vorgermanischen Stamm bhangi an, was der Verwandtschaft mit Back widersprechen würde, falls bhangi nicht eine vorgermanische Nasalierung der Wurzel von Back -- bhag -- wäre.

*Baratterie*, die.

Dieses in der deutschen Marine ungebräuchliche, von Dabovich, »Nautisch-technisches Wörterbuch der Marine« für die österreichische Seemannssprache bezeugte Wort war dem gelehrten Roeding in Hamburg vor hundert Jahren kein fremdes. »Hierunter versteht man alle Betrügereien, die von Schiffern, zum Schaden der Rheder und Befrachter, gemacht werden können. Z. E. Verfälschung und Bestehlung der Güter, oder Nebenwege, die mit dem Schiff, ohne Wissen der Rheder, gemacht werden.« Holländisch, dänisch, schwedisch Baraterie, englisch barattery, französisch baratterie, italienisch, spanisch, portugiesisch baratteria. Diese Einmütigkeit ist auffallend. Man hat unter den Rhedern wohl übereinstimmend solches Verfahren verurteilt als eine Art von Seeraub, wollte es aber nicht geradezu Piraterie nennen und verfiel daher auf dieses ähnlich genug und doch nicht so hart lautende Wort.

*Barbetteschiff*, das,

ein (Panzer-) Schiff mit gepanzerten Barbettetürmen, die wegen der darin aufgestellten Geschütze besonders starke Panzer tragen, während der übrige Teil des Schiffes leichter gepanzert ist. Der Name kommt von der heiligen Barbara, bei den Katholiken die Schutzpatronin der Artillerie; ihr zu Ehren heißt auf französischen Kriegsschiffen die Pulverkammer St. Barbe. Die heilige Barbara war eine römische Jungfrau, die um ihres christlichen Glaubens willen den Märtyrertod erlitt, ihre Henker aber wurden vom Blitz erschlagen.

*Barbican.*

Insofern deutsche Kriegsschiffsboote an der Treppe dieses Namens an der Kaje zu Plymouth anzulegen pflegen, gehört dieses Wort hierher. Im Mittelhochdeutschen hieß barbigan der Teil der äußersten Festungswerke, aus dem Ausfälle gemacht wurden. Altfranzösisch barbacane, Brustwehr mit Schießscharten. Soll aus dem Arabischen bab-kanah, a gateway, kommen.

*Bardse*, s. Bark.

*Bark*, die.

Ein Segelschiff mit drei Masten, von denen die beiden vordersten Rahen, der dritte nur Schratsegel führt. In der Form Barke bedeutet es überhaupt ein Schiff oder ein Boot, namentlich, und jetzt so ziemlich ausschließlich, in dichterischer Rede. Die Erklärung bietet zwei Möglichkeiten: man denkt entweder an bark = Rinde oder man greift auf die Wurzel bhar, tragen, zurück. Fände sich das Wort nur in den germanischen Sprachen, so könnte man mit Wackernagel das altnordische barkr, Bark, mit börkr, Borke, Rinde, für nahe verwandt halten. Wie manche Naturvölker heute noch tun, so mögen in uralten Zeiten auch unsere Väter Boote aus Baumrinde verfertigt haben. Aber bezeugt ist es uns nicht, und wer die neuerdings hie und da ausgegrabenen Schiffe gesehen hat, der weiß, daß die Verdrängung des altdeutschen Einbaums durch kunstvoll zusammengefügte Holzschiffe schon nach Jahrtausenden gezählt werden kann. Überdies haben auch alle romanischen Sprachen das Wort, und es kommt als barca bereits im frühesten Mittellatein vor; dann italienisch, spanisch, portugiesisch barca, französisch barque, (kymrisch, Breizonek und gälisch barc) wovon barge, Boot, baril und barique, Faß.

Da ist es doch das Einfachste, zumal ein griechischer Name baris für einen Kahn, besonders ein ägyptisches Nilschiff, bezeugt ist, an griechisch phero, lateinisch fero, deutsch im ganzen niederdeutschen Sprachgebiet heute noch bören, zu denken, ein Wort das in sehr verschiedener Bedeutung vorkommt: gebähren, gebahren, Gebühren, Bahre, Beere, Birne, Baron, aber immer den Begriff des Tragens ausdrückt. Bei einem Schiffe, das ganz besonders zum Tragen bestimmt ist, liegt also bören näher als Borke.

Schon früh im Mittelniederdeutschen kommt die Form bardse, barse, im Seebuch 1400 bartze, bardzee vor. Hätte man damals das Bewußtsein gehabt, einem einheimischen Worte gegenüber zu stehen und an Borke gedacht, man hätte solche sonderbare Veränderungen davon nicht vorgenommen; dies ist wenigstens eher zu begreifen, wenn man annimmt, daß ein Lehnwort mundgerecht gemacht werden sollte.

*Barkasse*, die.

Das größte der Schiffsbeiboote, zum Rudern und Segeln eingerichtet, manchmal auch Dampfbarkasse.

Einige Erklärungen haben es sich leicht gemacht und einfach gesagt: Barkasse von Bark, aber wie oder wo sich diese ja an sich nicht undenkbare Weiterbildung vollzogen hat, das sagen sie nicht. Das Wort hat anderen Ursprung. Vom lateinischen arca ward ein italienisches arcaccia, spanisch arcaza, Kasten, gebildet, französisch arcasse = Kastell im Hinterteil des Schiffes. An dieser arcasse war ein großer Balken, grande barre, angebracht, der (grande) barre d'arcasse hieß und als Davit diente (s. d.), nämlich zum Aufhängen, Hissen und Fieren des größten Schiffsbeibootes. Und das empfing von dem Balken an dem es hing den Namen Barkasse.

*Barkun*, der.

»Barkuns sind hölzerne oder eiserne, nicht drehbare, dafür aber auslegbare Krähne, an welchen ein oder mehrere Boote klar zum Fieren aufgehängt werden können.« Nach dieser von Dick und Kretschmer, Handbuch der Seemannschaft, gegebenen sachlichen Erklärung und nach dem, was unter »Barkasse« nachzulesen ist, dürfte es klar sein, daß Barkun im Gedanken an barce d'arcasse gebildet, nämlich abgekürzt und mit einer neuen mundgerechten Endung, und zwar, wie ein Blick auf Pardun und andere Wörter ähnlicher Endung beweist, in niederdeutschem Sprachgebiet, versehen worden ist, denn die Bedeutung von Barkun ist so ziemlich dieselbe von barre d'arcasse.

*Barring*, die.

Barrings sind von Bord zu Bord reichende und in guter Deckshöhe über dem Oberdeck oder Aufbaudeck angebrachte Decksbalken, die häufig, namentlich bei kleineren Schiffen, noch mit einem Deck, dem Barringsdeck, belegt sind; bestimmt zum Tragen von Schiffsbeibooten und Reservehölzern etc. Ebenso wie Bark und Barre von der Wurzel bhar = tragen abstammend, sei es daß dabei unmittelbar antragen, sei es daß an barre, Tragbalken, gedacht ist; wahrscheinlich letzteres, so daß wir also das hochdeutsche Barre mit niederdeutscher Endung vor uns haben.

*Bare* = Welle, s. Barre.

*Bärme* s. Berme.

*Barre*, die,

seichte Stelle vor einer Flußmündung, durch Ablagerung des vom Flusse mit sich geführten Sandes, ein Hindernis, eine Beschränkung des Aus- und Einsegelns. Schranke ist die zu Grunde liegende Bedeutung. Von der unter Bark erwähnten Wurzel bhar, tragen, kommt althochdeutsch bara, para, Balken, zunächst als etwas Tragendes, Tragbalken, sodann aber auch etwas Beschränkendes, Schranke, eingehegtes Stück Land, abgeteiltes Stück Feld. Mittelhochdeutsche barre = Schranke, Zaun, Gehege; verbarren durch Schranken versperren; englisch bar; französisch barriére, besonders aber barre, Stange, Balken, Rost, Klampe, Ruderpinne, barres de hune = Salingshölzer; und das unter Barkasse nachzulesende barre d'arcasse; barre de cabestan, Spillspaken. Keltisch bar, Ast. Spanisch barrera, davon embarazo, französisch embarras, Sperrung, Hindernis, und barricade (barricata).

Von gleicher, »tragen« bedeutender Wurzel kommt auch das niederdeutsche bar, bare, mittelniederländisch baere, niederländisch baar, Woge, Welle, Sturzwelle, Brandung; vergl. Lüpkes Seemannssprüche: »barra waegen, barra streamen«, »Wellen wogen, Wellen strömen«; sei es daß die Wellen tragen, sei es daß sie getragen (gehoben bewegt) werden.

*Bauchgording*, die,

gewöhnlich Bukgording, oft auch noch kürzer Buggerding lautend, wie Nockgording (s. d.) Noggerding. Ein vom Winde gefülltes Segel sieht in der Mitte aus wie ein wohlgerundeter Bauch; die Taue die dazu dienen beim Segelbergen diese bauchige Stelle des Segels aufzugeien heißen Bauchgordinge. Gording, Görde, Gördel ist ein Gurt, Gürtel, Band, Riemen, irgend etwas zum Binden und Gürten, besonders Beinkleider. Die altdeutschen Frauen banden ihre Haare mit einer wida, einer Weide, auf; da ist es nicht zu verwundern wenn die Männer für Befestigung ihres Anzuges eine (schwanke, biegsame) *Gerte* verwandten; gothisch gairda, angelsächsisch gyrd, altenglisch gurd, englisch girt, altnordisch gjördh, isländisch gjörd, norwegisch gjord und gyrda. Gording im seemännischen Gebrauch wird man also am besten mit Gurttau übersetzen; also Bauchgurttau.

*Batterie*, die.

Der Standort der Geschütze; ist ein eigenes Deck für die Geschütze da, so heißt dieses das Batteriedeck, oder auch kurzweg die Batterie. Besonders aber heißt, wie am Lande, eine unter sich zu einem bestimmten Verbande gehörige Anzahl von Geschützen Batterie; Steuerbordbatterie, Backbordbatterie; auch die Gesamtheit aller Geschütze, vergl. das Kommando beim Geschützexerzieren: »Batterie halt!«

Mit Bataillon einer Herkunft, sowie mit Bataille, von battre schlagen; wahrscheinlich auch wie Bataillon Lehnwort des 30jährigen Krieges und von der Landarmee an Bord übertragen.

*Baxterlagerung*, s. Baxterspill.

*Baxterspill*, das,

eine nach dem Erfinder genannte verbesserte und vereinfachte neue Art von Spill (s. d.). Durch Trennung der Kettentrommel vom Spillkörper ist erreicht worden, daß die »mühsame Arbeit, welche früher das Legen der Kette um das Spill und das Abnehmen derselben vom Spill verursachte« erspart wird. »Das Spill ist im Moment klar zum Hieven, und auch das Abstoppen der laufenden Kette vollzieht sich in erheblich sicherer und einfacherer Weise.«

»In Verbindung mit dem Baxterspill kommt in neuerer Zeit auch bei Kriegsschiffen für die Buglagerung der Inglefield und Hall-Anker, seltener für die Hecklagerung die sogenannnte *Baxterlagerung* zur Anwendung.« »Diese Lagerung charakterisiert sich dadurch, daß die Anker in die Klüsen hineingehievt werden.« Früher hingen die Anker längsseits. Das kommt auch jetzt noch vor, ist aber veraltet; ebenso wie das »Gang«-Spill.

*Bedaren*,

zur Ruhe kommen, vom Sturm; auch von einem aufgeregten Menschen, daher bedard, beruhigt, und bedardheit, Ruhe, Bedächtigkeit. Doornkaat meint, das Wort komme nur im Niederdeutschen und Niederländischen und sonst nirgends, so weit ihm bekannt, vor. Es ist aber außerdem noch ein dänisches (bedare) und schwedisches (bedara) Seemannswort, und zwar dorten wie bei uns im Sinne von abmojen, kalmen gebraucht. Roeding: »Wenn das Wetter anfängt still und ruhig zu werden, und der Wind aufhört zu wehen, so sagt man: es bedaart.« Es ist allerdings ein Wort mit auffallend geringer Sippschaft; von der Wurzel dhar, halten, haften, bleiben, abstammend.

*Befahren.*