Etymologisches Wörterbuch der deutschen Seemannssprache
Part 49
ist die offizielle Bezeichnung für das, was sonst treilen, trauen, treieln, treueln, troilen heißt und die Tätigkeit eines Menschen bezeichnet, der an einer langen Leine um die Schulter ein Schiff einen Fluß oder einen Kanal entlang zieht. Die Leine heißt Treil; französisch traille, vom lateinischen tragula, Diminitivum von traha, vom Zeitwort traho ich ziehe. Die Form treideln ist auffallend, weil nicht zu ersehen ist, woher das d hineingekommen ist. Man könnte denken, sie habe sich aus dem Keltischen erhalten, wo es im Kymrischen ein Wort treidio gab, das laufen bedeutete; da treilen ja mit Laufen verbunden ist, so könnten die beiden Begriffe in einander geflossen sein und treilen hätte dabei das d von treidio in sich aufgenommen. Aber in mittelalterlichen Urkunden findet sich das d nicht, da steht immer nur treilen oder troilen. 1323: »Naves ducere volentibus, quod vulgariter troylen dicitur.« 1343: »We bekennet, dat wi vorkoft hebbet vnse dre molen stat to N. mit allem anschote, also dat man varen mach it water vp vnde neder, sunder hinder ouer vsen anschot velich treilen.« 1348: »Also dat de ghenne, de twischen Luneborch vnde Ulsen de Elmenowe vp vnde neddervaret, moghen vppe den oueren gan vnde de sceppe dar vppe troylen na ereme behoue.« Und in dem Privilegium des Herzogs Magnus für Braunschweig aus dem Jahre 1431 steht: »Ok so mögen de schiplude troylen vp mynen oueren.« Das d ist also neueren Datums; vielleicht Folge des Gedankens daran, daß der treilende Mann nur kleine Schritte, nur kurze Tritte machen kann, wegen der Last die er zieht. So könnte ein Iterativum von treten, tritteln, mit in den Begriff treilen geraten sein, dessen geminirtes t hinter dem Diphthong schwinden mußte und zur Media wurde. Dabei ist daran zu erinnern, daß der noch teilweise von Kaiser Trajan herrührende Treidelweg durchs eiserne Tor, der teils als Halbwölbung in den Felsen eingehauen, teils als hängender Weg gebaut war, von den Donauschiffern Treppelweg genannt wird und daß treppeln so viel wie trippeln und dieses Iterativum zu trappen ist.
Es wäre auch möglich, daß der Gedanke an trödeln das d in treideln gebracht hätte, weil das Geschäft zuweilen recht langsam vor sich geht.
Die Franzosen haben für den Mann, der es betreibt, ein seine Tätigkeit sehr deutlich beschreibendes Substantiv gebildet aus dem deutschen Zeitwort holen (s. d.) und nennen ihn haleur. Man hatte seinen Scherz mit ihm und rief ihm früher an der Loire und sonst in Frankreich das Wort arrache-persil, Petersilienausreißer, zum Spott zu. Sprichwörtlich sagte man nicht unwitzig: »arrache-persil navigue aussi.« Sie antworteten mit einer Flut von Schimpfreden, ähnlich wie die Flößer auf dem Neckar, wenn die Tübinger Studenten ihnen zuriefen: »Jockele sperr!«
Englisch to drail; holländisch (Weiland) treil: denkelyk een bastaardwoord van het fr. tirail ontlend, en darmede van tirer, trekken, afkomstig. Eene lyn, om een schip voort te trekken. Voorts -- und das bedeutet eine bedeutende Erweiterung des Begriffes, der sich übrigens auch in Ostfriesland findet -- »ook het gesamenlyke touwwerk van een schip: van zeil, van treil, van roer, van snoer, van maste beroofd.
Het schip word met zeil en treil verkocht.«
*trekken*, s. treideln.
*Trempel*, s. Drempel.
*trensen*
heißt teils zur Verstärkung, teils des besseren Aussehens wegen um ein Tau ein anderes dünneres so herumlegen oder schlängeln, daß letzteres den Raum zwischen den Kardeelen des ersteren, die Vertiefungen, ausfüllt. Ankertaue wurden, Wanttaue werden zur Verstärkung, Sceptertaue des besseren Aussehens wegen getrenst.
Das Wort ist schon früh aus dem Spanischen gekommen, wo trenzar flechten heißt. Kilian hat es als trensse = funiculus, vinculum reitinaculum equorum, also als Trense im Sinne von Pferdezaum, vom spanischen Substantivum zu trenzar trenza die Flechte, Zopf, trenzado geflochtener Zopf an den Mähnen der Pferde.
Im seemännischen Sinne bei Aubin 1702: emmieller un étai = een stag trensen; tusschen de staagen met dunne draaden woelen« (s. Wuhling).
*Tresidderplatte*, s. Panzerplatte.
*Trift*, s. Abtrift und Seetrift.
*triftig*
ist das Schiff, wenn es treibt (s. treiben). Seetriftige Güter sind solche, die auf der See treiben oder von der See an die Küste getrieben werden. Hanseatische Urkunde von 1513: »vorder schal unde mach de copmann schipbrochich affte zeedriftich gut sulvest bergen effte bergen laten.« Ditmarsische Urkunde von 1384: »Se scholen hebben den drudden del des ghudes, dat drifftich worden were.« Bremer Urkunde von 1564: »Jacob R. sy mt synem bochsprede inn ohre houwet tow gedreuen, dar her also se beide thosamende drifftich gewurden vnde inn grundt gedreuen weren.«
*trimmen*
heißt: »in Ordnung bringen.« »Die Segel trimmen«, sie in gebrauchsfähigen, ordnungsmäßigen Zustand versetzen; »Kohlen trimmen,« sie richtig in den Kohlenbunkern unterbringen.
Von dem englischen trim mit deutscher Endung weiter gebildet und erst in neuerer Zeit, unter der Herrschaft des Dampfes siegreich durchgedrungen. Angelsächsisch trymian, trymman, befestigen, fest machen, in Ordnung bringen; trum = stark, fest, englisch to trim, »to put in due order for any purpose.« Auch im übertragenen Sinne: »Leute trimmen,« gut einexerzieren, gut auf eine Sache einüben; »seine Leute gut im Trimm haben.«
Einen besonderen Sinn hat Trimm in der Verbindung *Trimmberechnung*. Diese hat den Zweck, die Tauchungsänderung eines Schiffes vorne und hinten bei Verschiebung von Gewichtung in der Längsrichtung zu berechnen, und Trimm hat hier die Bedeutung von trim = »to adjust, as a ship or boat, by arranging the cargo or disposing the weight of persons or goods so equally on each side of the centre and at each end that she shall sit well on the water and sail well. A vessel is said to be trimmed by the head or by the stern respectively when the weight is so disposed as to make her draw more water towards the head than towards the stern, or the reverse.«
*trissen*
nannte man bei der ausgestorbenen Blinde das, was man bei anderen Rahsegeln brassen nennt. Mittelniederdeutsch trisse, trysse, tritse = Winde; s. Schiller und Lübben, Mittelniederdeutsches Wörterbuch IV. 613; trissen drehen, schwingen, winden. Erhalten ist das Wort im niederdeutschen triseln, herumlaufen, taumeln, schwindeln, und drüseln, zaudern, zögern, ostfriesisch trüseln und triseln, unsicher, hin und her wankend gehen, hin und her wanken und schwanken, wie ein Ohnmächtiger oder ein Betrunkener. Also: »hin und her bewegen.«
*Trompetenstek* s. Stek.
*Troier*, der,
das Flanellhemde, das unsere Kriegsschiffsmatrosen auf der bloßen Haut tragen, vorn auf der Brust mit einigen blauen Streifen besetzt.
In Ostfriesland heißt (Doornkaat III 437) tröje, troi eine gestrickte wollene Unterjacke für Männer, ohne Knöpfe, die als Bluse oder Hemd über den Kopf angezogen wird. Im Groningenschen heißt so eine gestrickte Weste »een gebreide mansborstrok, die de plaats vervult van hemdrok.« Schon beim Teuthonista kommt das Wort für Jacke vor in der Form troye. Auch sonst häufig in mittelniederdeutschen Urkunden z. B. in einem Stendaler Privileg der Kürschner und Schneider vom Jahre 1346: »vortmer we eyn werk sick bededingeth tu makende mit bomwullen als eyn troye edder des ghelik, maket de schroder dat wandelbar, dat schal he beteren mit dren schillingen« oder in der Lübecker Chronik: »des blef de reise na, unde dar ward af achter en pels unde vor en troye.« Das »Bremer Wörterbuch« bemerkt, daß troje, troye in einer alten Urkunde als eine Waffenrüstung vorkam, ein Koller oder Brustharnisch. In der Tat steht in einem Oldenburger Statut von 1345 ... »zinen helm ofte ysern hut, zine yseren huven, zine troyen, zine armeleden.« Und weiter: »en iewelk lantman ... schal hebben to ewighen tyden ene troyen, enen ysern hud, en par wapenhanschen, enen schilt, ene worpbarden vnde enen peck van zestein voten vnde kortere nicht.« Aber auch hier bedeutet troye offenbar weiter nichts als Wams, etwa ein Lederwams, wie es eben damals Bauern und andere Leute, die den Krieg nicht rittermäßig im Brustharnisch führten, zu tragen pflegten. Diese Verwendung von troye hilft also nicht bei der Erklärung, und der Versuch Doornkaats, es vom althochdeutschen triuwa, bezw. von tro, troi in der Bedeutung fest, sicher abzuleiten, leuchtet nicht ein.
Mittelhochdeutsch troie = Wamms: Dafür führen nach Diefenbach Schiller und Lübben IV. 614 eine Form triplois auf. Dies könnte auf eine Spur führen. Da neben triplois gleichzeitig diplois steht, so ist anzunehmen, daß damit die Qualität und Herstellungsart des Stoffes, aus dem der troie gemacht war, angedeutet werden soll, wie man im Deutschen von fünfschäftigem Zeug oder im Französischen von taffetas deux bouts spricht. Es kann also triplois ein dickes, warmes, mit drei doppelten Wollfäden gestricktes Wams gewesen sein, und aus triplois wird beim Übergang ins Mittelhochdeutsche durch Schwund der mittleren, unbequemen Buchstaben so gut troie, zunächst troi, geworden sein, wie aus paraveredus Pferd geworden ist.
Das r am Schlusse von Troier hat sich erst beim Übergang aus dem Neuniederdeutschen ins Neuhochdeutsche aus Unkenntnis des Ersteren hinzugefunden.
*Trosse*, die,
auch Troß, ist ein besonders dickes, starkes, langes Tau aus Hanf, Manilahanf (dann auch Manilaleine genannt) oder Draht, das zum Verholen von Schiffen und auch sonst überall da gebraucht wird, wo viel zu halten ist, z. B. wenn ein Schiff sich an ein Bollwerk legt.
Das Wort kommt im Mittelniederdeutschen für ein Tau vor, das außerhalb des Wassers gebraucht wird, wie es im Lübischen Zunftrecht heißt: »Vorthert warckgarne dat schal nen reper slan tho kabellen, to waterthowen, anders nergent to men tho trossen.«
Niederdeutsch -- ostfriesisch -- niederländisch versteht man unter tros, trosse ein Bündel oder Büschel von Beeren; Weiland: »tros = een bundel van onderling vereenigde dingen: een groote tros druiven.« Die Bedeutung vereinigt sich mit der Trosse der Seemannschaft in dem Begriffe binden, zusammenbinden. Daher mittelhochdeutsch trossen = packen, Gepäck zusammenbinden und aufladen (woher Troß, Troßknecht). Neufranzösisch trousser, altfranzösisch torser, provençalisch trossar, italienisch torciare: zusammendrehen, festbinden, vom lateinischen torquere. Mittellateinisch trossa, das Heubündel, Strohbündel, spanisch troza, Seil zum Binden.
*Trysegel*, das,
ist der zuweilen, neuerdings besonders auf Lustjachten, gebrauchte, dem Englischen entnommene Ausdruck für das deutsche Schratsegel. Wegen der vorherrschend dreieckigen Gestalt dieser Segel dürfte das Wort auf irgend eine Weise mit dem lateinischen tres, tria zusammenhängen.
*tublocks.*
Wenn man an einer Talje so lange holt bis es nicht weiter geht, so ist der eine Block an den andern gekommen, man hat die Talje also »Block an Block«, »tublocks« geholt. Damit ist das Holen zu Ende. Soll es weiter gehen, so muß eine neue Talje aufgeschlagen werden. Daher die übertragene Bedeutung: »ich bin mit meinem Gelde tublocks, ich bin mit meinen Zigarren, mit meinen Vorräten tublocks.«
*Tümmler*, der.
1. Der Stehauf, ein schwankendes, taumelndes, sich von selbst aufrichtendes und aufstellendes Glas, englisch tumbler.
2. Der Delphin, wegen seiner eigenartigen Bewegung, die ihn öfters als einen Taumelnden, Sichdrehenden sichtbar an der Oberfläche des Wassers erscheinen läßt. Daher ein Seesoldat scherzweise ein Tümmler genannt wird, wohl wegen des taumelnden Ganges an Bord in Folge der mangelnden »Seebeine«.
*Türkischer Bund*, Knoten s. Knoten.
*Turm*, der.
Unter Turm versteht man in der modernen Seemannssprache einen gepanzerten oder geschützten turmartigen Aufbau. Derartige Türme dienen auf unseren Panzerschiffen zum Schutze besonders wichtiger Stellen. Man unterscheidet hauptsächlich Kommandotürme und Geschütztürme. Erstere schützen den Kommandanten und die ihn im Kommando Unterstützenden, sowie die Kommandoapparate oder -elemente, besonders auch die Leitungen der elektrischen Befehlsübertragungen.
Die Geschütztürme schützen die Kanone mit ihrer Mannschaft. Sie sind meist so eingerichtet, daß, um die Geschütze zu richten, nicht diese selbst gedreht werden, sondern es wird der Turm, in dem die Kanone steht, bewegt. Man hat, nach ihren Erfindern benannt, verschiedene Türme, den Coles'schen, den Ericson'schen, den Napier'schen Panzerturm. Der Barbetteturm, auch kurz Barbette genannt nach der heiligen Barbara, der Schutzheiligen der Artilleristen, hat die Eigentümlichkeit, daß seine Geschütze »über Bank« d. h. über den Rand der Turmwand hinweg schießen.
*Twist*, der,
heißt die Wischbaumwolle die, besonders in der Maschine, zum Wischen, Putzen, auch zum Abwischen der von Maschinenöl beschmutzten Hände, benützt wird. Ursprünglich ein Garn, zweimal gedreht; dann überhaupt gedreht, verwickelt, zusammengeballt. Das niederdeutsche twist heißt auch Zwist, Zwietracht, es steckt immer die Zahl zwei, twe darinnen, wie in Zwieback, zwiespältig, zwiefach; »twie in dem jare«, zweimal im Jahre, sollten nach dem Lagerbuch des drosten Jakob van der Sprecken vom Jahre 1428, die Herren bei ihren »belenden luden« einkehren.
U.
*»Überall!«*
lautet der Ruf mit dem »Alle Mann« in der Frühe geweckt werden, während der Ruf beim Wecken der neuen Wache »Reise! Reise!« (s. d.) heißt. Das »Überall« ist zum größeren Nachdruck von einem mächtigen Gepfeife des Bootsmanns und seiner Maate begleitet. Man nannte das früher »Reveille«, jetzt heißt es »Wecken«. Und das ist gut, denn mit diesem Worte waren deutsche Seeleute französischer als die französischen, die gar nicht Reveille sagen, sondern battre la diane. Das haben die Holländer treuherzig übersetzt: »die Diana slaan« und gewiß, wenn sie überhaupt etwas dabei gedacht haben, an die alte Göttin Diana gedacht. Warum sollte auch gerade die Göttin der Jagd beim Aufstehen der Seeleute »geschlagen« werden? Sie nannten freilich auch die »Morgenwache« Diana. Aber die Franzosen selbst haben das Wort wieder aus dem Italienischen. Da heißt diana der Morgenstern, eigentlich Stella diana, der Tagesstern, der das Herrannahen des Tages verkündigt, von dem verloren gegangenen aus dies gebildeten Adjektiv diano.
Unsere treffliche Flottenvereins-Wochenschrift führt trefflich den Titel »Überall«, weil überall in Deutschland ihr Weckruf zu Gunsten einer »achtunggebietenden Flotte«, wie man vor fünfzig Jahren sagte, gehört werden soll.
*»Über Bord«*
unterscheidet sich sehr wesentlich von »Von Bord«. Dieses wird gebraucht, wenn jemand oder etwas auf ordnungsmäßige Weise von Bord geht. Man sagt: »Dienstlich oder mit Urlaub oder krank oder bei Außerdienststellung von Bord gehen; das Boot setzt von Bord ab; die Takelage, die Artillerie, das Inventar von Bord geben«, dagegen: »etwas über Bord (ins Wasser) werfen, der Hut geht (nicht so häufig fliegt) über Bord, der Mann fällt über Bord; Leiche über Bord setzen.« Rostocker Chronik: »a. 1566 synt van Denen ond dudsche ock vel tot bleuen, de hefft men auer bort na sebruck geworpen ond en gelt by gebunden, dat se konden begrawen werden, wen se an land quemen.«
*unterfangen*
wird gebraucht, wenn man etwas irgendwo fest bindet, wo es möglichst wenig im Wege ist und möglichst wenig Platz einnimmt, namentlich wenn man etwas an der Decke irgend eines Raumes fest bindet, so daß es da hängt ohne den Raum seiner eigentlichen Bestimmung zu entziehen. Das Wort wird *unter*fangen betont, es ist nicht in dem ethischen Sinne, indem man sagt »ich habe mich unter*fangen*« d. h. »ich habe es gewagt«, gebraucht, sondern in dem rein mechanischen des Befestigens. Wenn fangen mit paça, das im Sanscrit Strick heißt, und mit pax, der Friede, das eigentlich »Befestigung« bedeutet, verwandt ist, so gebraucht es in der Verbindung »unterfangen« die Seemannssprache in seiner urspünglichsten Bedeutung: »etwas (unter Deck, unter der Decke) befestigen, festbinden.«
*Über Stag gehen* s. Stag.
*unklar* s. klar.
*unterschlagen*
mit dem Ton auf unter, heißt das Segel aus der Segelkoje holen und mit der dazu gehörigen Rahe verbinden, es an der Rahe befestigen. Das Gegenteil davon heißt Segel abschlagen. Segel unterschlagen und abschlagen unterscheidet sich also sehr wesentlich von Segel setzen und Segel bergen. Segel setzen heißt die untergeschlagenen Segel ausspannen, Segel bergen die ausgespannten Segel wieder einziehen, zusammenfalten und festbinden, aber untergeschlagen lassen, so daß sie jederzeit leicht wieder gesetzt werden können.
Die eigentliche Bedeutung von schlagen ist: »eine Bewegung zu etwas hin machen.
*unsichtig* s. sichtig.
*Unterwindluftzuführung* s. Windsack.
*unter Land*
sagt man für »im Schutze des Landes«. Ein Schiff befindet sich unter Land, wenn zwischen ihm und dem Winde Land liegt, das ihm den Wind abhält oder doch abschwächt, also wenn es sich an einer Luvküste befindet. Es ist also bei dieser Redensart zu ergänzen: »unter (dem Schutze von) Land.«
V.
*Variation*, die.
Die verschiedenen für den seefahrenden Mann wichtigen Ablenkungen: Variation, Mißweisung, magnetische Deklination, Deviation, astronomische Deklination, stellen sich gemäß befreundeter fachmännischer Auskunft kurz so dar: Eine jede nur in ihrem Schwerpunkte unterstützte, sonst aber frei schwebende Magnetnadel stellt sich in die magnetische Nord-Südlinie. Der Winkel, den diese magnetische Nord-Südlinie mit der astronomischen Nordsüdlinie bildet, heißt »*Missweisung*«, »*Variation*« oder auch »*magnetische Deklination*«.
Nur an einem völlig eisenfreien Orte steht die Nadel in der magnetischen Nordsüdlinie, ist Eisen in der Nähe der Nadel, -- wie an Bord der Schiffe -- so weicht die Magnetnadel um einen gewissen Winkel (dessen Größe unter anderen Ursachen auch von der Entfernung, Lage u. s. w. des Eisens zur Nadel abhängt) von der magnetischen Nord-Südlinie ab. Dieser Winkel wird »*Deviation*« genannt. Die Deviation ändert sich mit dem Kurse des Schiffes.
»Abweichung stammt aus der nautischen Astronomie und ist die Verdeutschung des Wortes »*Deklination*«; nämlich »*Abweichung*« der Gestirne vom Äquator des Himmels.«
Die »Beschriving von der Kunst der Seefahrt« 1673 hat eine eigene Abhandlung »Thom Dörden: Wo men de declinatie der Sünnen finden, und die Instrumenten tho meting des Poles hochte gebrucken sal.«
*Ventilator*, der, s. Windsack.
*Verbodmen* s. Bodmerei.
*Verdeck*, nicht seemännisch, s. Deck.
*verfahren*
hat eine ganz andere Bedeutung als das althochdeutsche farfaran = dahinfahren, sterben; auch wird es im anderen Sinne gebraucht als wenn man von einer verfahrenen Sache spricht; schon näher kommt man der seemännischen Bedeutung, wenn man an das in und um Gröningen gebräuchliche vervoaren denkt, das = verhuizen, also = umziehen ist, eine andere Wohnung beziehen oder von einem Orte zum andern ziehen. Man spricht nämlich: »eine Trosse verfahren« und meint damit, sie von einer Stelle (wo sie keine Dienste mehr leisten kann) nach einer anderen (wo sie wieder fest gemacht wird) bringen, z. B. von einem Poller oder von einer Boje nach der andern verfahren beim Verholen eines Schiffes oder beim Durchschleusen eines solchen. Und zwar ist der ursprüngliche Gedanke der gewesen, daß die Ortsveränderung der Trosse mit Hilfe eines Bootes vorgenommen, daß sie ausgefahren und dann von einer Stelle zur andern weiter gefahren wurde.
*verfangen.*
1. Ein Tau verfangen, einen Stopper auf ein so lange von den holenden Matrosen festgehaltenes Tau schlagen und so fest machen, daß es nicht wieder zurücklaufen kann. So gebraucht, hat verfangen den Sinn des hochdeutschen fangen.
2. Eine Beting verfangen, die Beting bei starkem Zug des Ankertaues auf dem Deck abstützen. Hier nähert sich der Begriff dem von 3, indem die Abstützung gleichsam im Falle der Not an die Stelle der eigentlichen Beting zu treten hat; er hat aber auch etwas von 1. an sich, da die Abstützung ein Festmachen, eine Verhinderung der Bewegung in erster Linie darstellen soll.
3. Einen Posten verfangen, d. h. ihn ablösen. In diesem Sinne wird das Wort in Ostfriesland und in Holland gebraucht für »an die Stelle eines anderen treten.« Wenn in Holland einer Soldat werden soll und er kauft sich für Geld einen anderen, der für ihn eintritt, so ist dieser andere sein plaatsvervanger. Ein solcher »Stellvertreter« hieß altfriesisch forifongera, forifonghera, forifongere (Richthofen 751). »Sa hwa sa breke, thet hi bete, hit ne se, thet hi forifongera winne« d. h. was einer zerbricht, muß er büßen, es sei denn daß er einen findet, der an seine Stelle tritt, für ihn die Buße übernimmt.
Schon das althochdeutsche far, -fir, -for, -fer, -fahan hatte eine reiche Bedeutung von »fassen« an bis hin zu »sich zu etwas verpflichten«, »sich eines Dinges unterfangen«, die letztere Bedeutung kommt der seemännischen nahe im Sinne von »sich einer Stellvertretung unterfangen.«
Auch hat ja unser hochdeutsches »verfangen« alle drei seemännische Bedeutungen in sich; wenn etwas verfängt so hält es, so stützt es und es tritt an die Stelle von etwas; vergl. »verfänglich.«
Am häufigsten hört man an Bord verfangen im Sinne von ablösen, schon weil das Kommando »Ruder und Posten verfangen« alle Stunde wiederkehrt; doch hört mans auch im Sinne von »stellvertreten«; so wird der Offizier der Wache zu einem anderen sagen, wenn er aus irgend einem Grunde genötigt ist, sich auf kurze Zeit zu entfernen: »Bitte verfangen Sie mich eine Viertelstunde.«
*vergissen*, sich, s. gissen.
*verholen*,
etwas von einer Stelle auf die andere schaffen. Ein Schiff verholen heißt, es mittelst Holens an einer ausgefahrenen Trosse auf einen anderen Platz legen. Außer der Trosse gehören dazu noch andere Vorrichtungen: Verholspill, Verholklüsen, Verholklampen, doch gehts zur Not auch ohne diese.
*Verklarung*, die.
Verklarung ablegen heißt: sich vor dem zuständigen Richter über einen an Bord auf See erlebten Unfall, eine Havarie etc. etc. verhören lassen und dabei sich über die näheren Umstände erklären, sie erläutern, die Sache deklarieren. Verklaren heißt an sich weiter nichts als erklären, wie man auch in hochdeutschen Mundarten anstatt erklären verklären sagt; es hieß aber besonders schon im Mittelniederdeutschen »vor Gericht erklären.« Lübecker Urkunde von 1413: »Alse de vorescrevenen schelinge in yegenwardicheyt vnses rades ... vorlud vnde vorclared worden.«
Altfriesisch foerclaria, erklären; foerclaringhe = Verklarung.
*Verklicker*, der,
ist eine leicht vom Winde zu bewegende, sich also nach jedem Luftzug richtende und daher die Windrichtung genau anzeigende Vorrichtung aus Kork mit Federn, meist aber, namentlich auf Kriegsschiffen, ein »Windstander« aus leichtem Flaggentuch. Er wird an einer Stelle angebracht, wo ihn der wachhabende Offizier gut sehen kann und wo er unbeeinflußt ist von dem Winde der etwa durch ein Segel aus seiner Bahn gelenkt sein könnte.
Was ein Seemann ist, der kann zwar ohne dergleichen Hilfsmittel mit der Nase oder den Ohren die Richtung des Windes genau angeben, aber der Sicherheit wegen und um einen Vergleich zu haben hat er einen Verklicker. Man würde in Versuchung stehn ihn Verglieker, Vergleicher, zu nennen, wenn es nicht ein altes niederdeutsches Wort verglicker gäbe, das der Teuthonista mit scrutator, catascopus, circulator übersetzt und von dem das »Bremer Wörterbuch« schreibt: »verklicken jemandes Vergehen angeben, verraten, verklicker ein Angeber, Verräter.« In Ostfriesland heißt der Spiegel vor dem Fenster, den man sonst in Deutschland Spion nennt, Verklicker. Wie neugierige Frauen in diesem Verglicker sehen, wer auf der Straße geht, so sieht der wachhabende Offizier an seinem Verklicker, woher der Wind weht; der Verklicker ist ihm in der Tat ein Verräter und Angeber, der die Windrichtung angibt und verrät.
*Verlat*, das,
hochdeutsch Verlaß, Gelaß; im Allgemeinen in Ostfriesland ein Raum in dem man etwas läßt, besonders aber eine Kasten- und Doppelschleuse, worin man das Oberwasser der Kanäle zum gelegentlichen Gebrauch zurückhält und aufspeichert um es nachher wieder abzulassen.