Etymologisches Wörterbuch der deutschen Seemannssprache
Part 48
ungefähr gleichbedeutend mit Seil. Ursprüngliche Bedeutung ist: Werkzeug zum Ziehen, hernach so erweitert, daß jedes beliebige Werkzeug ein Tau genannt werden konnte und man sogar von einem vartouwe = Wagen und von einem schriftau = Schreibzeug gesprochen hat. Tau hat also dieselbe allgemeine Bedeutung wie unser Zeug, das auch mit ihm zusammen eines Stammes ist, verwandt mit dem lateinischen ducere. Gotisch taujau = tun, machen; also jedes Werkzeug mit dem man etwas *tut*. Althochdeutsch ziohan, (altsächsisch tiohan), ziehen, oder zawjan, machen, davon althochdeutsch zawa, Seil, Strick, Werkzeug, Webergerät, Fuhrwerk, Wagen, *Schiffsgerät*, Schiffstau. Dieser zwar vielseitige aber im Grunde doch immer auf ein Ziehen mit der Hand, also auf Handwerk, Handarbeit hinauskommende Gebrauch des Wortes erinnert an das französische manoeuvre aus eben demselben Grunde Tau bedeutend, und zwar heißt sinnreich das laufende Gut manoeuvres courantes oder coulantes und das stehende Gut manoeuvres dormantes (vergl. »schlafendes Auge« in der Botanik). *Tauwerk* ist das noch unverarbeitete Gut, so wie es vom Reepschläger kommt; Hanftauwerk, Manilatauwerk, neuerdings auch Drahttauwerk.
*tauen*, (*vertauen*, *vertäuen*)
(mit einem Tau) ziehen, ein Schiff von der Stelle ziehen und an einem anderen Orte wieder festmachen, alles vermittelst eines *Taues*. Aubin unterscheidet zwischen toüer und remorquer (s. Remorqueur): »Remorquer signifie le changement de place qu'on fait à un vaisseau par le moien d'un bâtiment à rames (so wurde die schwedische Fregatte »Eugenie« in der Magellanstraße aus dem Bereiche eines der daselbst so heftig, aber örtlich beschränkt wehenden Wirbelwinde durch ihre Boote um eine Felsenecke getaut oder vertaut, wo es totenstill war) et toüer signifie le même remuëment par le moien du cabestan ou par la hansiére.«
Ist das Schiff an der Stelle angekommen wo man es haben will, so wird es festgemacht, an einem Bollwerk, einer Pier, einer Boje; insofern solches mit einem Tau geschieht heißt es vertäuen, wangerländisch vertojen.
In Holland heißt aanturen ein Tier zum Weiden mit einem Tau festbinden, ostfriesisch tüddern, daher vertüddert oder vertütert anstatt »unklar«, verwirrt, bei Stricken, Bindfaden, Nähgarn.
*Taube Jütte*, die s. Davit.
*Taube Gezeit* s. Nipflut.
*Teakholz*, das.
»This timber is excellent for ship-building, and has been called the oak of the East. It works easily, and, though porous, is strong and durable; it is easily seasoned and shrinks but little, and from containing a resinous oil it resists the action of water, and repels the attacks of insects of all kinds.« Es ist das Holz der Tectona grandis aus der Ordnung der Verbenaceen, die in Indien, auf Ceylon und den Molukken bis zu gewaltiger Höhe wächst und sehr breite und lange Blätter hat. Teak ist ein tamilisches Wort.
*Teer*, der,
ein aus Fichten, Kiefern etc. etc. durch Brennen gewonnenes, mit harzigen Teilen vermischtes dickflüssiges Öl, das Tauwerk, Holz, Segeltuch u. dergl. gegen die Einwirkungen des Wetters, besonders der Feuchtigkeit schützt. Matrosen, die grade mit Teer umgehen, sehen nicht besonders reinlich aus. Sie tragen dann besondere Anzüge, Jacken, denen kein Teer mehr etwas schaden kann. Daher sie nicht bloß Blaujacken, sondern auch *Teerjacken* genannt werden. Viele Leute lieben den Teergeruch.
Als etwas das vom Baume kommt hat Teer den Namen empfangen. Gotisch triu = Baum, Holz; englisch tree; vergl. -der in Wachholder, Maßholder, Holunder; die indogermanische Grundlage ist derw --, griechisch drüs, Eiche; Sanscrit daru = Baum. Littauisch derwa, finnisch derwas, lappisch tarwas, Kien = Harz = Teerholz; esthnisch terw, finnisch terwa, gädhelisch tearr, kymrisch tar, bretonisch ter = pix. »Die Entwicklung der Formen deutet auf Osteuropa als Heimat des Wortes, die keltischen Wörter sind dann aus dem Deutschen entlehnt.«
Das Wort kommt Hochdeutsch erst 1556 vor, war aber im ganzen niederdeutschen Sprachgebiet früh verbreitet. Im Beòwulf heißt niw-tyrwed neugeteert, niw-tyrwedne naca, ein neugeteertes Schiff.
*Tender*, der,
»a small vessel employed to attend a larger one for supplying her with provisions and other stores, or to convey intelligence and the like.« Also ein kleineres Schiff, das einem großen beigegeben ist, um seinen Verkehr mit dem Lande zu vermitteln, von einem Schiffsboot oder einem Beiboot dadurch unterschieden, daß es nicht an Bord des größeren Schiffes genommen werden kann, weil es dazu zu groß ist, und daß es seine eigene ständige, aber vom größeren Schiffe abhängige Besatzung hat, auch einen Offizier vom Stabe des Schiffes als Kommandanten.
Bekanntlich heißt Tender auch der der Lokomotive eines Eisenbahnzuges beigegebene Wagen, der sie mit Kohlen etc. etc. versieht.
Das Wort kommt vom lateinischen tendo, spannen, anspannen, irgendwohin richten, lenken, reichen, darreichen, für etwas sich bemühen, arbeiten, ein Zelt aufschlagen, lagern. Tender ist also mit Intendantur gleicher Herkunft.
*Tide*, die,
ist -- vergl. Gezeiten -- die Zeit von Ebbe und Flut, die Flutzeit, die Flutperiode, die zeitliche Zusammensetzung einer Ebbe und einer Flut; doch wird an der Nordseeküste das Wort so gebraucht, daß man dabei eher geneigt ist, an Flut zu denken als an Ebbe. Soll letztere gemeint sein, so muß das schon besonders irgendwie angedeutet werden, entweder dadurch, daß man nach Breusing »taube Gezeit« oder nach Dornkaat »dode ti« (ostfriesisch heißt tide auch tie und ti) sagt, namentlich zu der Zeit, wo der Mond im Viertel steht, während eine tide zur Zeit des Voll- oder Neumondes spring-tide heißt.
Das Wort Tide ist von vielen für englisch gehalten und Teid ausgesprochen worden. Mit Unrecht; denn schon 1400 im Seebuch kommt es als gut deutsches Wort vor, und zwar in den Formen tide und tyde. »mit halver tide«; »en quarter, dordendeel, twedeel tydes«; »myt ener halven tiden«; auch in der Mehrzahl: »de tyde van Calismains, Engelant.« 1588 hat Waghenaer das Wort in drei Formen: getijden, ghetijden und tije, auch spricht er der größeren Deutlichkeit halber wohl auch einmal von watergetijde.
*Tidehafen*, der.
In diesem Worte tritt es deutlich zu Tage, daß, ob zwar eine Tide Flut *und* Ebbe bedeutet, die Flut doch den gewichtigeren Teil der Verbindung ausmacht, denn ein Tidehafen ist soviel wie ein Fluthafen, nämlich ein offener, nicht durch eine Schleuse geschlossener Hafen, der nur zur Zeit des Hochwassers zugänglich ist.
Die gangbare niederländische Zusammenziehung tij für tide war schon Waghenaer 1588 sehr geläufig; er spricht häufig von »tij hauen,« ja sogar von Tijbuckinghen als den besten, die natürlich in Holland verzehrt werden, während die minderwertigen Maertschen Buckingh die Elbe hinauf nach Deutschland, Böhmen, Ungarn und bis zur Türkei gehen, »al waer de selve Buckingh voor de goede leckernye mede vercocht, gesleten ende gheconsumeert wert.«
*Tief*, das,
ist im seemännischen Sprachgebrauch ein Fahrwasser, und zwar mehr eine Fahrwasserrinne zwischen Untiefen, im Watt, zwischen zwei Inseln; eine Strecke, die tief genug ist für Schiffe. Dep heißt sonst niederdeutsch Graben, Kanal, Fluß, niederländisch diep (Nieuwediep, sprich Nüwediep), englisch deep, Tiefe, See, Meer; »Anything remarkable for depth, sea, ocean.« Hochdeutsch die Tiefe, aber im weitern Sinne, so daß es nicht bloß Meerestiefe, sondern (Luther) überhaupt Meer bedeutet.
*Tiefgangsmarke*, s. Ahming.
*Tiefladelinie*, die,
ist eine außenbords an einem Handelsschiffe angebrachte, durch einen Kreis gezogene horizontale Linie, die anzeigt, wie tief ohne Gefahr für Schiff, Ladung und Mannschaft ein Fahrzeug geladen werden darf. Das richtet sich nach der Bauart und Güte des Schiffes, nach der Art der Ladung und besonders auch nach dem Bestimmungsort, indem ein Schiff für große Fahrten nicht so tief geladen werden darf, wie ein Binnenfahrer.
Es wäre zu wünschen, daß ein allgemeines deutsches Tieflademarkengesetz gegeben würde.
*Tieflot*, das,
hieß sonst das »schwere« oder »große« Lot, ein Lot, das dazu dient, größere Tiefen auszuloten als das Handlot es vermag, s. loten. Da zum Auswerfen des Tieflotes Leute am Bug und am Heck des Schiffes beschäftigt sind, so verständigen sich diese unter einander durch Aussingen, wobei der berühmte Vers ausgesungen oder gerufen wird: Warschau von untere, Kabliau und Flundere, Jetzt kommt das große Lot Und schlägt euch alle tot. »Men mut ock nicht allein up de Gissing tho Warck gahn, den Gissung maket bewilen Missung, de Hulp middelen, alß dat Duiep Loet, mut flitig in acht genahmen werden, vornehmlich in der Nord-See, und sünst dar men underschetlicke Gründen hefft; welckes bewilen gude Narichtunge gifft.« »Kunst der Seefahrt,« 1673.
*Timmerstek* s. Stek.
*Tjalk*, die,
ein kleineres, ziemlich breites, kurzes, rundes Fahrzeug für Küstenschiffahrt mit einem Pfahlmast und einem Farunner. Im Niederdeutschen und besonders im Ostfriesischen, wo die Tjalk zu Hause ist, schreibt man in Folge der eigentümlichen Aussprache des j im Anlaut oft anstatt j ein tj, man sagt sogar oft tja anstatt ja. Dieser Umstand läßt für Tjalk auf eine ursprüngliche Form Jalk schließen. In der Tat kennt und hat auch das »Bremer Wörterbuch« noch diese Form. So geht das Wort also auf Jolle (englisch yawl, yal) zurück und dürfte eine Diminutivform davon darstellen, die über Jolleken, Jolken, Jolk sich entwickelt hat; kann man doch Tjalk auch Tjolk aussprechen hören. Es ist dabei zu bedenken, daß Jolle, wenn sie wirklich durch die Phönizier mit ihrem gaulos an unsere Küsten gelangt ist, damals kein so kleines Boot war wie heute, sondern ein seegehendes Fahrzeug.
*Tonne*, die.
1. Ein Seezeichen, das ursprünglich aus einer Tonne bestand, jetzt aber aus Eisen gefertigt wird und einer Tonne wenig mehr ähnlich sieht. Aber der Name ist geblieben und hat sogar dienen müssen zur Zusammenfassung der Tonnen, Bojen, Baken, Spieren in den einen Begriff Tonnenwesen. Die Schiffe, die dergleichen Seezeichen legen und überhaupt in Ordnung halten, heißen jetzt *Tonnenleger*, Dampftonnenleger. Früher, z. B. zur Zeit der langen Oldenburgisch-Bremischen Weserzollstreitigkeiten, hießen sie Tonnenbojer. Da die Abgaben der Schiffe zunächst zur Unterhaltung der Seezeichen bestimmt waren, so heißen sie noch heute *Tonnengelder*.
2. Spricht man von Tonne im Sinne von *Tonnengehalt*. Dieser bedeutet die Zahl der Tonnen, die ein Schiff mit Sicherheit zu tragen vermag, bezw. die Anzahl der Registertonnen als Raummaß für die Schiffsvermessung; eine solche Tonne mißt 2,832 cbm; während eine Tonne als Schiffslast 1000 Kgr. wiegt.
Schon frühzeitig ist man im *Betonnen* eines Fahrwassers von der eigentlichen Tonnenform der größeren Deutlichkeit der Unterscheidung zuliebe abgewichen. Namentlich in den Niederlanden war es Gebrauch, Tonnen auszulegen, die oft mit einer Tonne gar keine Ähnlichkeit hatten. Waghenaer, »Spiegel der Zeevaerdt« 1588, schreibt: »Op alle de stroomen van Hollandt, Vrieslandt ende Zeeland, sijn de tonnen aent opperste rondt en breedt, ende afgaende aent neerste eynde smal ende scherp als hier aan gheteeckent staet (folgt Abbildung eines Dinges, das wie ein Trichter aussieht), sijn swert ghepeckt of geteert, ligghen al meest op de rechter hant int wantzeylen aen de slincker int inecomen, ende aen de ander sijden op de sanden ofte platen staen gemeenlijk de Baeckens met korven bouen op in deser manieren (folgt Bild einer Bake: eine Stange mit einem runden korbgeflechtartigen Ball darauf) op datmerse te verder sien maech. Ende waermen eenige holken oft sanden soude mogen onderseylen, sijn (om dat de verhoeden) witte tonnen gelegt van dessen fatsoene (Bild einer richtigen Tonne) ende legghen altijt op de contrarie sijde van de voors. swerte tonnen.«
*Tonnenbojer*, der.
Ein Schiff, dazu bestimmt Tonnen und Bojen auszulegen, wangerländisch tunbujer.
Als die Bremer dem Grafen Anton Günther von Oldenburg, ja dem Kaiser und Reich mit Gewalt entgegentraten um einen den Oldenburgern vom Kaiser bewilligten Weserzoll zu hindern, war das Mittel der Gewalt -- ein einziger »Tonnenboyer«. Der genügte der freien Reichs- und Hansastadt Bremen, um viele Jahre lang die Absicht des Kaisers und des Grafen zu hindern. Wir haben an ein Schiff zu denken ähnlich einem Zollkreuzer, mit einigen Kanonen, für gewöhnlich friedlicher Beschäftigung obliegend, aber gelegentlich zu kriegerischen Zwecken verwendet. Übrigens hatte man früher auch gewöhnliche kleinere Handelsschiffe, die Bojer hießen, aber mit dem Legen von Bojen nichts zu tun hatten, sondern nur nach dem Vorbilde der (Tonnen-)Bojer gebaut waren; kleine Fahrzeuge mit nur einem Maste, die kaum die hohe See hielten, wie aus einer alten Nachricht erhellt: »anno 1525 im pasken (Ostern) segelde Herm. Euers (Evers) mit enem bojer mit enem smaksegel in Engelant, das touoren angehört was.«
*Topp*, der,
in der Einzahl richtiger: *Top*. Spitze, Äußerstes, Höchstes; höchste Spitze des Mastes, dann auch in der Verbindung Vortop, Großtop, Kreuztop den ganzen betreffenden Mast bedeutend mit allem was drum und dran ist, so daß pars pro toto genannt ist, wie man Dach für Haus, Köpfe oder Seelen für Menschen, Segel oder Kiel für Schiff sagt. Topp, eigentlich im Singular bloß Top, ist nichts anderes als Zopf, nur mit unverschobenem An- und Auslaut. Das niederdeutsche Sprachgebiet in seiner zähen Art hat die hochdeutsche Lautverschiebung von Konsonanten welche im Germanischen aus indogermanischen Verschlußlauten entstanden waren, nicht mitgemacht. Von dieser hochdeutschen Verschiebung sagt Wilmanns, daß sie besonders lehrreich sei, »weil sie sich zum großen Teil vor unseren Augen vollzieht und genauere Einsicht in die stetig fortschreitende Änderung der Konsonanten und die sie regelnden Kräfte gewährt.« »Der Beginn der Verschiebung fällt in die Zeit vom 5. bis 7. Jahrhundert unserer Zeitrechnung und deshalb sind ihr auch viele romanische Lehnwörter, die bis zum 8. Jahrhundert ins Deutsche aufgenommen sind, unterlegen. Von Oberdeutschland geht die Bewegung aus; die Sprache der Langobarden, Bayern, Alemannen und eines Teils der Franken wird von ihr ergriffen; je weiter nach Norden, um so schwächer wird die Wirkung.« An Top ist sie wirkungslos geblieben. Im Althochdeutschen ward die Tenuis des Anlauts durch das homogene Reibungsgeräusch von t affriziert, also von s, und so ward aus t ein z. Das homogene Reibungsgeräusch von p ist f, die Affrikation von p ist also pf. Da aber Top sich, wie gesagt, nach niederdeutscher Eigentümlichkeit an diesen Affrikationen nicht beteiligt hat, so ist es bis auf diesen Tag Top geblieben. Daß Top = Zopf aber für Mastspitze gebraucht werden konnte beweist uns, daß Zopf ursprünglich nicht das herabhängende, geflochtene Haar, sondern den »Schopf«, das nach oben zusammengefaßte und -gebundene Haar, den obersten Scheitel (toupet) bedeute. Wenn Shakespeare sagt: »To take the present time by the top«; so meinte er ja damit auch nicht die Stirnlocke, sondern vielmehr den Teil des Haarwuchses, an dem man etwa einen Ertrinkenden zu packen hätte, um ihn aus dem Wasser zu ziehen.
Im Niederländischen heißt top so allgemein das Oberste, Äußerste, »die Krone« von etwas, daß man sogar vom »top van den vinger« spricht.
*Top und Takel.*
Vor Top und Takel segeln heißt, ohne jegliches Segel zu setzen sich dem Sturme preisgeben, so daß also lediglich das Schiff selbst und seine Takelage dem Sturme eine Angriffsfläche bietet. Es liegt auf der Hand, daß das äußerste Gefahr bedeutet und auf Leben oder Sterben geht. Darum heißt französisch das »aller à mats et à cordes« auch »aller à la dérive, aller à Dieu et au tems« (Aubin, 1702). Dänisch: »med top og tavl«, ganz und gar, mit Kopf und Schwanz, mit Haut und Haaren. In Holland, überhaupt bei allen seefahrenden Völkern sind ähnliche Redewendungen in Gebrauch; »over Gods genaade drijven«; »sig aan het geweldt der winden en baaren (Wellen) overgeven.«
*Toppnant*, weiblich.
Toppnanten sind »Taue, die an beiden Nocken der Rahen und am Top des Mastes oder auch unter dem Eselshaupt durch einen Block aufs Deck hinunter fahren, diese Taue dienen die Rahen horizontal zu erhalten oder sie auch nach Umständen gegen den Horizont zu neigen«, vergl. Kajen. Treffend heißen die Toppnanten französisch balancines. »On s'en sert pour tenir la vergue en balance, lors qu'elle est dans la situation naturelle, ou pour la tenir haute et basse, selon qu'il est à propos« (Aubin). Was das Wort selbst betrifft, so vermute ich, daß Toppnant nichts weiter ist als eine Verkürzung von Toppenende, das zuerst Toppnend geheißen haben mag und dann ohne Rücksicht auf die Herkunft, vielleicht bei Aufnahme in die neuhochdeutsche Seemannssprache, bei welcher Gelegenheit an gar manchem Orte gesündigt wurde, die gegenwärtige Gestalt erhielt. Daß »Ende«, das Ende eines Taues, für das Tau selbst gebraucht wird, siehe unter Ende.
Die Rahe mittelst der Toppnant auf und nieder bewegen heißt sie toppen.
*tot*
wird in der Seemannssprache in folgenden Verbindungen gebraucht:
1. Totes Gewicht s. Deplacement.
2. Totes Werk. So nennt man den Teil des Schiffes, der über der Schwimmebene liegt, also den Teil des Schiffskörpers, der sich über Wasser befindet. Tot ist dieser Teil, weil er nicht hilft Wasser verdrängen, weil er also nicht mit trägt, sondern getragen werden muß.
3. Totes Holz. So heißen die Kielklötze. Sie heißen so im Gegensatze zu dem lebendigen, beweglichen Schiffe.
4. Tot segeln. Den Strom tot segeln, heißt, gegen den Strom so viel Fahrt machen, daß man ihn überwindet und trotz des Stromes noch vorwärts kommt, seinem Ziele sich nähert. Ein Schiff tot segeln, heißt, es überholen, ihm vorbeikommen, also schneller segeln als es.
*toppen* s. brassen und toppen.
*Törn*, der, s. Seetörn.
*Torpedo*, der.
In der Kaiserlichen Marine versteht man unter einem Torpedo ziemlich ausschließlich einen Offensiv-Torpedo (während die Defensiv-Torpedos Minen genannt werden), also das bekannte zigarrenähnliche Geschoß, mit Schießbaumwolle geladen, von komprimierter Luft durch eine kleine Schraube getrieben, unter Wasser sich mit ziemlicher Geschwindigkeit auf ein feindliches Schiff zu bewegend, um da zu explodieren und das Ziel in die Luft zu sprengen. Das Nähere gehört nicht hierher, ist auch in tiefes Geheimnis gehüllt.
Nur muß bemerkt werden, daß fälschlicherweise im Binnenlande und sogar auch in Kriegshafenstädten oft Torpedo gesagt wird, wo man ein *Torpedoboot* meint, nämlich ein Boot, das lediglich zum Schießen mit Torpedos eingerichtet ist und ausschließlich dazu bestimmt ist, während die großen Panzerschiffe und Kreuzer ihre Torpedoarmierung nur so nebenbei haben.
Torpedos müssen rasch arbeiten; es ist daher ein eigentümliches Zusammentreffen, daß das Wort eigentlich steif, langsam, plump, unbeweglich bedeutet, denn in diesem Sinne hat der dicke, plumpe, unförmige Fisch seinen Namen Torpedo (vom lateinischen torpeo) empfangen. Er hat ihn allerdings für diese moderne Seekriegswaffe nicht hergeliehen wegen seiner Schnelligkeit, sondern seiner Fähigkeit, elektrische Schläge auszuteilen.
*Torpedooffizier*, der.
Ein Torpedooffizier verhält sich zu einem Torpederoffizier wie ein Artillerieoffizier zu einem Feuerwerksoffizier, d. h. der Torpedooffizier steht in der Front und betreibt das Militärische am Torpedowesen, das Exerzieren, Instruieren und Schießen, während der Torpederoffizier sich am Lande dem Technischen und der Verwaltung in Torpedoangelegenheiten widmet als einem dauernden Lebensberuf. Der Torpedooffizier aber ist ein Seeoffizier, der nur eine Zeit lang das Torpedowesen an Bord unter sich hat und dann wieder ein anderes Kommando bekommt, als Batterieoffizier, Erster Offizier, Kommandant u. s. w.
*Trackkarte*, die,
ist eine Seekarte, auf der sich Seeleute ihre Tracks, d. h. die Strecken die sie auf See zurückgelegt haben, einzeichnen, den Weg den sie »gezogen« sind (denn track hängt mit dem niederdeutschen, niederländischen trekken, ziehen zusammen); ihre Seereisen. Seemännischen Wert hat dies nicht, es dient nur als Reiseerinnerung, allenfalls noch als Anhaltspunkt für das Gedächtnis in Bezug auf Strömungen, vorherrschende Windrichtungen, überstandene Stürme, Länge der Seetörns u. s. w.
*Treibbake* = Schwimmbake, s. Bake.
*Treiber*, der,
ist ein ganz hinten am Stern von Lustjachten (manchmal auch bei sonstigen Segelbooten) angebrachtes, an niedrigem Maste fahrendes, über das Heck hinausragendes Schratsegel bei sogenannter Jawl (s. Tjalk) -Takelage. Es soll den Großbaum entlasten und durch den Druck auf das Heck den Bug gegen die See halten.
Ist schweres Wetter, so tritt an die Stelle des Treibers ein kleinerer, stärkerer *Sturmtreiber*.
Früher hatte man auch auf Vollschiffen einen Treiber. Er fuhr an einer Leesegelsspier, die an der Nock der Besansgaffel gehißt war; die Schoten wurden an einer über die Reling gelegten Spier ausgeholt. Es war also dieser Treiber eine Art Rahsegel. Es wurde gesetzt, wenn das Schiff vor dem Winde segelte, der Besan also nicht zur Geltung kam. Viel half der Treiber freilich auch nicht, aber er trieb das Schiff immerhin etwas schneller weiter, half also die Fahrt beschleunigen und so das Verdienst mehren und führte darum den sinnreichen Namen »Brodgewinner.«
*treiben.*
Das bekannte Lied: »Treibe, treibe, Schifflein treibe!« klingt ganz nett im Salon; im seemännischen Sinne ist treiben keine angenehme Bewegung, sondern bedeutet allemal etwas das man lieber nicht sähe. Ein Schiff treibt, wenn es nicht von Dampf oder Segel sondern von der Gewalt eines Sturmes in Bewegung gesetzt wird. Es treibt »vor Top und Takel« wenn der Sturm so schwer ist, daß es keine Segel führen kann. Es treibt »vor Anker« wenn die Anker im Sturm nicht halten, das Schiff also trotz der Anker in Bewegung gerät. Es ist dann oft so gut wie unlenkbar und allen möglichen Gefahren preisgegeben. Ein Schiff treibt ab, wenn Strom oder ungünstiger Wind es von seinem Kurse abdrängen.
*treideln*