Etymologisches Wörterbuch der deutschen Seemannssprache
Part 47
dient, wie auch der Stoßstander, zum Abstützen der Unterrahen wenn das Schiff heftig schlingert und die Rahen sonst hin- und hergestoßen würden, oder wenn auf die Rahe durch das Hissen einer schweren Last viel Kraft kommt. Diese Taljen und Stander haben also ihren Namen nicht davon, daß sie stoßen, sondern davon, daß sie das Stoßen verhüten sollen.
*Strak*, die,
ist die Richtung in der etwas verläuft, die Gestalt oder der Zug wie eine Sache sich ausdehnt. So spricht man von einer Decksstrak, einer Spantenstrak, einer Reelingsstrak und meint damit die Linien in denen sich ein Deck etc. etc. hinzieht. Linie, Strich, Zug, Reihe, Streifen, Strecke u. s. w. bedeutet nämlich das niederdeutsche Wort strack, das auch für Landstrich, Gegend gebraucht wird, es kommt von striken = strecken, eine Bewegung, einen Zug machen.
*Strand*, der,
sonst ein Streifen am Meer, der bald von der Flut mit Wasser bedeckt, bald von der Ebbe trocken gelegt wird, der also einmal Land und einmal Wasser ist; so im »Seebuch,« 1400, und noch bei Röding 1794. Jetzt aber ziemlich gleichbedeutend mit Küste, namentlich wenn diese flach ist. Allenfalls daß man in Seebädern im besonderen Sinne von einem (sandigen, nicht schlickigen) Badestrande redet.
Auch *stranden* wird nicht mehr als scharf umgränzter Begriff gebraucht, sondern häufig mit scheitern zusammengeworfen, wiewohl man doch stranden kann ohne zu scheitern, da schon manches gestrandete Schiff aus eigener Kraft oder mit fremder Hilfe wieder flott geworden ist, sogar ohne irgendwelchen Schaden zu nehmen.
Das Wort Strand ist ziemlich spät aus dem Niederdeutschen ins Neuhochdeutsche übergegangen.
Was die sehr schwierige Deutung des so einsam und allein im weiten Sprachgebiet stehenden Wortes betrifft, so sieht es beinahe so aus als ob die Bedeutung »sandiger (Bade-)Strand« die ursprüngliche wäre, indem, wie Doornkaat anzunehmen geneigt ist, ein schallmalendes Thema stradht zu Grunde liegen könnte, daß das Knirschen des Sandes beim Betreten andeuten dürfte.
*Strandgut*, das, s. Seetriften.
*Stratus*, s. Cirrus.
*Streckbug*, der.
Beim Kreuzen hat man einen Weg die Segel nach der einen, den anderen Weg sie nach der anderen Seite gedreht; d. h. man hat sie einmal über den Backbord-, das andere Mal über den Steuerbordbug gebraßt und sagt dann: »wir fahren über den Backbord- oder über den Steuerbordbug.« Nun geschieht es, daß man über den einen Bug weiter in der Richtung des eigentlichen Kurses vorwärts kommt als über den andern, daß man über den einen Bug eine größere Strecke gewinnt, sich näher dem Ziele entgegenstreckt, darum heißt dieser Bug der Streckbug.
*strecken*, den Kiel.
Hier ist strecken in dem gewöhnlichen hochdeutschen Sinne dieses Wortes gebraucht. Es ist verwandt mit Strak im Sinne von Zug, Richtung, Verlauf. Den Kiel strecken heißt eigentlich ihn grade machen, ihm seine Ausdehnung in der vorgeschriebenen Richtung geben, bedeutet aber im weiteren Sinne alles was zu dem eigentlichen Anfang des wirklichen Baues eines Schiffes, der immer mit dem Kiel beginnt, gehört, die erste an die Öffentlichkeit tretende und etwas von dem zukünftigen Schiffe in die Erscheinung bringende Tätigkeit, nachdem der Zeichensaal und der Schnürboden ihre Schuldigkeit getan haben. Es ist mit dem Strecken des Kiels eine gewisse Feierlichkeit verbunden, und auch in dieser Hinsicht hat die Sache etwas von einer Art Grundsteinlegung an sich.
*Strecktau*, das, s. Laufstag.
*Strich*, der.
Man hat die Kompaßrose oder -Scheibe in 32 Teile eingeteilt und jeden derselben mit einem Strich bezeichnet und ihm einen Namen gegeben. Diese 32 Striche nennt man ganze Striche. Jeder Strich ist aber noch einmal geteilt, und jeder dieser Teile noch einmal, so daß man auf Viertelstriche genau steuern kann. Das war in alten Zeiten anders. Da nahm man es nicht so genau. Von den Zeiten des »Seebuches«, 1400, sagt Breusing in der Einleitung: »Die Kompaßangaben im Seebuche gehen nur bis auf ganze Striche und nicht, wie dies jetzt gebräuchlich ist, bis auf Viertelstriche. Soll die Richtung genauer bestimmt werden, so wird der Zusatz »ein wenig nach« gebraucht (en luttik tegen norden), womit die Größe eines Viertelstriches gemeint sein wird, oder der Zusatz: »reichlich« (wal so nortlik, wal so sutlik), womit die Größe von beinahe einem halben Strich angedeutet sein mag.«
*streichen*
wird seemännisch in der weiteren Bedeutung des niederdeutschen Zeitwortes striken gebraucht; angelsächsisch strikan, altenglisch striken, englisch strike, altniederdeutsch strijken, althochdeutsch strichen, altisländisch strinka, mittelhochdeutsch strichen, strichen lazen = in Bewegung setzen. Striken bedeutet allgemeiner als das hochdeutsche »streichen« irgend eine beliebige Bewegung nach irgend einer beliebigen Richtung hin. Im Seemännischen kommt eine Bewegung nach zwei Richtungen hin in Betracht, eine abwärts und eine rückwärts. Abwärts wurden früher die Segel gestrichen, indem man als Zeichen der Unterwerfung, als Eingeständnis der Niederlage die Rahen fallen ließ, so daß die Segel von selbst mit niedergingen. Da man jetzt im Gefecht keine Segel mehr führt, so streicht das besiegte Schiff seine Flagge, d. h. es holt sie nieder.
Rückwärts werden die Riemen bewegt auf das Kommando: »Streich!« Teils streicht man an Backbord, wenn das Boot sich rascher, als das Ruder es bewirken kann, nach Backbord drehen soll, teils am Steuerbord, wenn es sich um die entgegengesetzte Richtung handelt; teils an beiden Seiten, wenn die Fahrt des Bootes plötzlich aufgehalten oder in eine rückläufige Bewegung geändert werden soll.
Im Mittelniederdeutschen kam striken auch wohl ohne Objekt vor, so daß es unentschieden bleibt, ob Segel oder Flagge gestrichen wurden, so allgemein bedeutete es »sich gefangen geben« Lübische Chronik: »Pawel sprack tho dem Lombarder, he scholde striken und geven de goder van sich«, daher denn auch striken ganz allgemein als »nachgeben, klein bei geben« gebraucht wurde. 1530: »De heillosen papen weren so trotzig, dat se vor gades wort endlick nicht stricken wolden, sundern bleven jummer stiff by eren dingen«; (Lüb. Reformationsgeschichte). So gut streichen bedeutet »aufhören zu kämpfen,« so gut könnte es auch bedeuten »aufhören zu arbeiten,« und wir hätten, wenn wir das Wort in diesem Sinne gebrauchen wollten, einen deutlichen deutschen Ersatz für das Fremdwort striken, die Arbeit einstellen, womit allen Mißhandlungen desselben bis hin zum »Stricke machen« ein Ende bereitet wäre; es wird ja ohnehin manchmal schon streiken geschrieben, und manchmal wird mit dem striken dem Arbeitgeber gewiß ein böser »Streich« gespielt.
Dieses Streichen wirft auch das richtige Licht auf das Wort Zapfenstreich. Die Segel streichen heißt aufhören mit kämpfen, den Zapfen streichen heißt aufhören mit zapfen, so daß der Wirt also den Zapfen zumacht und den Gästen Feierabend gebietet.
*Stringer*, der,
»Längsstringer sind noch weiter (als die Seiten-Kielschweine) seitlich liegende, dem Kielschwein ähnliche Längsverbände. Decksstringer sind auf den Decksbalken an den Bordseiten liegende Platten, welche mit den Balken, der Außenhaut und den Querspanten, verbunden werden.« (Dick und Kretschmer, I. 83.) So gibt es auch Kimmstringer und Kastenstringer. Die Bedeutung wird durch die Herkunft des Wortes vom lateinischen stringo klar, das zusammenziehen, also verbinden bedeutet. Ein Stringer ist also ein Verbinder, ein Ding, das einen Verband herstellt; auf deutsch kurzweg »ein Binder.« Wir haben das Wort auf dem Umwege über England empfangen, wo stringer bedeutet »in ship-building an inside strake of plank or of plates, secured to the ribs and supporting the ends of the beams.«
*Strom*, der,
wird seemännisch nicht für einen schiffbaren Fluß gebraucht, der vielmehr Revier (Rivier) heißt, sondern für Meer, für die freie offene See, und zwar nicht oder wenigstens nicht durchgängig mit Beziehung auf Meeresströmungen, ausgenommen in Meeren wo es solche gibt, die Ebbe- und Flutströmungen, s. unten. Strom ist im Munde des Seemanns das, was man im Mittelniederdeutschen sestrom nannte. In einer alten Göttinger Urkunde steht: »... unde de unse unde ok den gemenen copmann uppe dem vryen seestrome groffliken beschediget.« Desgleichen in einer anderen: »do dusse lude van Engeren uth Britannien verdreven weren und leghen an den seestrome unde krygeden myt den Britanniern.«
Heute sagt man, wenn ein Schiff im Dock oder in einem Binnenhafen lag und es geht in freiem Wasser (wenn es auch ein Hafen ist) an eine Boje oder vor Anker: »Das Schiff verholt auf dem Strom.«
Im »Seebuch« (1400) ist unter Strom meistens der Flut- und Ebbestrom des Meeres verstanden, wobei hoch strome hohe Flut, Springflut bedeutet: »Jtem van Bervlete to Seynehovede in deme varwege (Fahrwasser) maket lege water westsudwesten mane, und also id is hoch strom, so maket lege water west ton suden mane.«
*Stropp*, der,
ist ein in sich selbst zurückkehrendes kurzes Tau, ein kurzes Tau ohne Ende, einen Kranz bildend, ein aus einem Stück Tau gemachter Ring, der durch das Zusammensplissen der beiden Enden entstanden ist. Solch ein Stropp wird um einen Block oder um eine Kausch gelegt, auch sieht man oft (aber nie auf Kriegsschiffsbooten) die Riemen eines Bootes am Dollbord mit einem Stropp befestigt; mit einem Stropp, den man um ihn gelegt hat, wird ein Warenbalken oder sonstiges Stückgut gehißt. Es ist also ein zwar unscheinbares, aber sehr wichtiges und nützliches seemännisches Hilfsmittel. Es war auch schon in alten klassischen Zeiten, sogar unter seinem jetzigen Namen bekannt. Lateinisch stroppus, gedrehter Riemen zur Sänfte oder zum Anbinden der Ruder an die Ruderbank, dünner Kranz von Bast gedreht; griechisch strophos, das von Leder oder Hanf zusammengedrehte oder geflochtene Band, der Gurt, das Tragband, Wickelband, Windel; verwandt mit strophe, das Wenden oder Drehen, daher unser Strophe; vom griechischen strepho, estropha, drehen, wenden, biegen, zusammendrehen. Winkelmann, Geschichte der Kunst, führt ein griechisches Wort an, das stroppos heißt und von Festus in der Bedeutung »Kranz« aufgeführt wird. Gellius hat das lateinische stroppus als »Band.« Grade dieselben Bedeutungen vereinigt das Wort in unser Seemannssprache. Der 560 n. Chr. geborene Erzbischof von Sevilla Isidorus sagt in seinem berühmten Buche Origines s. Etymologiae: »struppi quibus remi ad scalmos alligantur.« Als stropp führt Wright es aus dem Altenglischen an; Kilianus kannte es im Mittelniederländischen; im Mittelniederdeutschen war es im Gebrauch für den Strick des Henkers: »hoe gheerne solde een dief, die enen strop om sinen hals hadde ... weder gheuen, dat hie ghestolen hadde.« Es gab damals auch stropballien, solche Baljen, die mit einem Stropp versehen waren, »dar de Kalk inne vpn thorn gewunden warth.«
Italienisch stroppo, französisch 1702 etrope und estrope, jetzt étroppe, portugiesisch estropo.
*Bestroppen*, etwas mit einem Stropp versehen, z. B. einen Block, und so gebrauchsfertig machen. Daher auch übertragen: »Das werden wir bestroppen,« d. h. »das wollen wir machen.«
*Stück*, das,
war früher ein allgemeiner Ausdruck für Kanone. »Ein Schiff mit 48 Stück.« Zu Roedings Zeiten (1794) waren die Kommandos beim Exerzieren mit Stücken an Bord: 1. Stille! 2. Gebt Acht! 3. Macht die Stücken los! 4. Holt die Stücken ein! 5. Nehmt den Windpfropf ab! 6. Platloth ab! 7. Stopft das Zündgat! 8. Kratzer in die Stücken! 9. Wischer in die Stücken! 10. Öffnet die Karduse! 11. Die Kardus in die Stücken! 12. Setzt die Kardus an! 13. Kugel und Propf in die Stücken! 14. Setzt an Kugel und Propf! 15. Den Bohrpfriem in die Zündgaten! 16. Kraut in die Zündgaten! 17. Deckt die Zündgaten! 18. Stücken an Bord! 19. Faßt den Kuhfuß und die Handspake! 20. Pointirt! 21. Blaset die Lunte ab! 22. Nehmt das Platloth ab! 23. Feuer! Seit jener Zeit war die Bezeichnung Geschütz in den Vordergrund getreten, doch so daß Kommando 3 stets »Kanonen los!« hieß, da doch das unmittelbar vorhergehende Kommando gelautet hatte: »An die Geschütze!« Ganz neuerdings ist durch die Schnellladekanonen das Wort Kanone wieder mehr in den Vordergrund getreten. Stück hat sich aber nie ganz verloren; Stückpforten hat es immer gegeben, und neuerdings ist bei der Kaiserlichen Marine auch die Bezeichnung »Stückmeister« in Aufnahme gekommen.
*Sturmdeck*, s. Deck.
*Sturmtor*, s. Schleuse.
*Sturmtreiber*, s. Treiber.
*Sturzsee*, die,
ist eine See im Sinne von Woge oder hoher Welle, die so hoch ist, daß sie über die im Sturme sich neigende Reling oder das Schanzkleid hinweg auf Deck stürzt; um das überkommende Wasser wieder zu entfernen, sind in das Schanzkleid neuerdings größere Öffnungen dicht über dem Deck eingeschnitten; man nennt sie *Stürzpforten*, weil das Wasser zu diesen Pforten wieder hinausstürzen soll.
*stützen*
kommt in allen hochdeutschen Bedeutungen auch im Seemännischen vor; besonders zu nennen ist daher hier nur der Gebrauch des Wortes beim Steuern. Wenn befohlen war, daß das Ruder nach irgend einer Richtung hin gedreht werden sollte, und es soll nun nicht weiter in dieser Richtung gedreht werden, so wird kommandiert: »stütz!« oder: »stütz so!« Niederdeutsch stütten, welches oft anstatt stützen zu hören ist, anstatt »stütz so« heißt es dann »stütti!« wohl auch in Anlehnung an das englische steady, »steer the ship a steady course«.
*Südwester*, der,
ein in den Nacken hinabfallender Segeltuch- oder Öltuch-Hut zum Schutze gegen Sturm und Regen.
Grimm erklärt West aus dem gotischen vis = Meeresstille. Für unsere Meere paßt das nicht, würde auch zu dem Südwester nicht stimmen, der seinen Namen gerade davon hat, daß es eben bei Süd-West am meisten stürmt und regnet. Doch heißt vis nicht nur Meeresstille, sondern überhaupt Stille, Ruhe, Abend. Grimm vermutet auch eine gotische Form vistr, gegen Abend, adversum occidentem.
*Superkargo*, s. Cargo.
*Süsswasser*, das,
ist dem Seemann der Gegensatz zu Salzwasser, sei es, daß es in Tänks von Hause oder aus irgend einem Hafen mitgenommen, sei es, daß es aus Salzwasser destilliert ist. Früher mußten die Matrosen oft mit vieler Mühe das Regenwasser auffangen. Übrigens sagt der Seemann lieber Frischwasser als Süßwasser, welches doch eigentlich hauptsächlich für die Unterscheidung von Süßwasser- und Salzwasserfischen gebraucht wird.
T.
*Taifun*, der.
Der mit Recht so gefürchtete ostasiatische Wirbelsturm. Das Wort kommt nach einem mir zugegangenen sachverständigen Urteil von der Kantoner Aussprache zweier Charaktere, die sich hier nicht für das Auge wiedergeben lassen, die aber für das Ohr tai fung lauten. »Tai heißt »groß« und fung »Wind«. Nun nennen zwar die Chinesen jeden starken Wind tai fung, während sie für einen Taifun noch den speziellen Ausdruck fung kü haben. Sie sagen ta fung ku. Das ta entspricht dem französischen il fait. Die aus dem Chinesischen kommenden Ausdrücke beruhen ja nicht immer auf der gründlichsten Kenntnis der chinesischen Sprache. Da tai fung außerordentlich häufig (auch schon in der Kinderstube, aus der und von deren Amah's sich wohl vielfach die Kenntnis chinesischer Wörter seitens der früheren Europäer herleiten wird) gehört wird, und da überdies ta fung kü wieder so ähnlich klingt, so glaube ich, braucht man keinen Zweifel zu hegen.
Merkwürdig ist das Verschwinden des g am Ende. Die Engländer schreiben wie taifoon auch Kowloon für kau lung (»Neun Drachen«) die chinesische Stadt und daher auch die britische Halbinsel Hongkong gegenüber. Ich erkläre mir das aus dem Nasenlaute der Portugiesen (von Makao her) und des Französischen der alten katholischen Missionare. So auch Kanton statt Kwang-tung oder Kwang-tong; Tonkin statt Tong king oder Tung-king. Daß der Laut der Kantoner Aussprache für die Europäer maßgebend geworden ist, findet sich auch in dem Worte Japan (japanisch Nippon), von der Kantoner Aussprache Jat pun (mit verschlucktem, kaum hörbarem t in jat). Jat heißt Sonne, pun heißt Ursprung oder Aufgang.«
*Takel*, das,
ein »Flaschenzug«, Windezeug aus zwei oder mehreren Blöcken (s. d.). Niederländisch, dänisch und schwedisch takel, englisch tackle, französisch palan à itague, etague, itacle, itagle, itaque. Von einem Stamme mit Tau. Früher die Gesamtheit aller Taue, überhaupt des ganzen Segelwerkes, wie aus der Zusammenstellung »Vor Top und Takel« hervorgeht.
Kilianus Duffl hat Takel in dreierlei Bedeutung 1. tackel = trajectus, transenna, funis latus in utraque fluminis ripa alligatus, ut pontonem dirigat et provehat. 2. tackel sax: trosse, remulcus. 3. taekel = hofd-touwe = funis nauticus major, also Gien.
Es liegt nahe, an das gotische tagl = Haar zu denken, althochdeutsch zagil, angelsächsisch tägel, englisch tail, altnordisch tagl, cauda, besonders equina, da man ja wohl von je her Taue aus Pferdehaar gekannt hat und die Frauen in Syrien in schwerer Kriegszeit sogar ihre Haare abschnitten zu Schiffstauen, vergl. jedoch *Tau*, s. a. *Gut*. Über die Zusammenstellung »Takel und Mantel« s. Mantel.
Das Takel wird erst durch das Hinzukommen des Mantels ein Takel; ohne Mantel ist es eine Talje (s. d.).
*Takelage*, die,
die Gesamtheit alles dessen das zum Segeln gehört. Das Wort hieß mittelniederdeutsch takelaghe und wird damals kaum takelasche ausgesprochen worden sein, wiewohl diese Bezeichnung eines Sammelbegriffes, die im Mittelniederdeutschen oft vorkommt, kaum anders als unter französischem Einfluß entstanden sein wird. Hätte es auf dem Wege seiner ferneren Entwickelung das h behalten, dann wäre überhaupt kaum jemand auf den Gedanken gekommen, es Takelasche auszusprechen. Übrigens ist die Form des Sammelbegriffes in diesem Falle ganz überflüssig, da Takel ursprünglich für sich allein schon ein solcher Begriff war.
Im 18. Jahrhundert, in der Zeit der Fremdländerei, scheint sich erst die Aussprache asche festgesetzt zu haben. Wenigstens finden wir da erst Segelasche und, was dasselbe, Seilasche gedruckt. Der moderne Sprachgebrauch hat an der Endung solches Wohlgefallen gefunden, daß er sogar Stellasche, Kledasche und -- Fressasche spricht. Kilian hat die Form taekelinghe; Takelung (s. d.) ist aber jetzt etwas anderes.
In Ostfriesland wird heute noch nicht Takelasche, sondern Takelasje gesagt, wie denn überhaupt alle die zahlreichen Wörter mit der Sammelendung -age so ausgesprochen werden.
*Takeln*, *betakeln*, *auftakeln*, *abtakeln*, *Takelung* s. Takler.
*Takler*, der.
Jeder rechte Seemann muß ein Takler sein, d. h. die Arbeit des Takelns verrichten, eine Takelung herstellen, ein Ende betakeln und beim Auf- oder Abtakeln eines Schiffes seinen Mann stellen können. Alle diese Wörter kommen ja schließlich auf eines hinaus: seemännisches Vermögen mit dem Tauwerk richtig umgehen zu können und ihm die Gestalt und Beschaffenheit zu verleihen, in der es an seinem Orte und zu seiner Bestimmung gebraucht wird.
Insonderheit heißt betakeln das abgeschnittene Ende eines Taues so mit einem Bändsel befestigen, daß die Kardeele nicht aufgehen. Takeln überhaupt heißt splissen und knoten und dergl. Will man eine derartige Arbeit ganz allgemein bezeichnen, so nennt man sie eine Takelung. Wird ein Schiff in Dienst gestellt und es bekommt seine Segel und sein Tauwerk und es wird alles an seiner richtigen Stelle gesetzt und geschoren, so heißt das auftakeln, das Gegenteil davon aber abtakeln.
Auf der Werft hat man eigene Takler und eine besondere Werkstatt für sie.
Ein Frauenzimmer, das sich sehr geputzt hat ist »mächtig aufgetakelt«; doch sagt man auch ohne Vorwurf »fein aufgetakelt«, s. Takel.
*Talfahrt*, die,
ist bei der Flußschiffahrt die Fahrt den Strom abwärts, während die Fahrt in umgekehrter Richtung Bergfahrt heißt.
*Talweg* ist der Stromstrich, die Mitte eines Flußes. So wurde am 9. Februar 1801 zu Lunéville, als man das alte deutsche Reich über den Haufen warf, unter Zustimmung von »Kaiser und Reich« beschlossen, der Talweg des Rheins solle die Grenze zwischen Deutschland und Frankreich sein.
*Talje*, die,
ist ein an Bord völlig unentbehrliches Werkzeug, ein Flaschenzug, der oben einen zweischeibigen (Violin-) Block und unten einen einscheibigen Block hat. Die beiden Blöcke sind durch ein Tau verbunden, das, da es über die Scheiben der Blöcke läuft, Läufer heißt, Taljenläufer.
So wie die Talje sich zunächst dem Auge darstellt, nämlich in unbenütztem Zustande, sind die beiden Blöcke noch zusammen, so daß sie wie ein Ganzes aussehen, das in der Mitte einen Einschnitt hat. Von diesem (allerdings nur scheinbaren) Einschnitt kommt der Name. Man kann auch an den Einschnitt denken, der den Violinblock in zwei (ungleiche) Teile teilt.
Französisch heißt der Schneider bekanntlich tailleur, der Einschnitt taille, einschneiden, schneiden tailler; italienisch taglia, spanisch taja, talla, portugiesisch und provençalisch talha = Schnitt, Einschnitt, Wuchs. Das geht alles auf das lateinische talea = abgeschnittenes Stück zurück; (daher auch Detail und Talon). Kilian hat talie = incisura. Niederländisch (1702) taalie. Da die Franzosen den Flaschenzug nicht taille sondern palan nennen, so scheint Talje direkt aus dem Mittelmeer ins Niederdeutsche getragen worden zu sein; gewiß schon früh, denn solch ein handliches und brauchbares Hilfsmittel werden sich die friesischen Kreuzfahrer sicher nicht haben entgehen lassen.
*Tamp*, der.
Jedes Tauende, abgeschnitten oder nicht, heißt Tamp, auch der Tampen. Das Ursprüngliche dürfte das abgeschnittene kurze Ende sein; nämlich das Ende, das zur Aufrechterhaltung der Ordnung dient, wie bei uns in der Schule der Haselstock und in China der Bambus; der Tamp in der Hand eines schneidigen Stabswachtmeisters, eines Mannes, den man früher Rumormeister nannte und von dem Leonhart Frohnsperger im Kriegsbuch berichtet, wenn die Kriegsleute sich nicht mit einander vergleichen (vertragen) wollten, dann habe er »einen Vergleicher, ist ungefährlich eines Armes lang.« Doch ist das Schlagen der Mannschaft jetzt verboten. Nur Schiffsjungen bekommen noch mit diesem Vergleicher ihre Strafe, mit einem Tau, »ungefährlich eines Armes lang«; es geht aber auch ganz gut mit dem nicht abgeschnittenen Ende irgend eines grade in der Nähe aufgeschossenen laufenden Gutes. Tamp ist wohl Nasalierung vom niederdeutschen tap, wie tampon von tapon; tap aber bedeutet einen Schlag, einen »Klapps«; ein Tamp war also ursprünglich das Tau oder der Teil eines Taues, mit dem ein Klapps gegeben wurde und ist dann nach und nach in die allgemeine Bedeutung Tauende übergegangen.
*Tänk*, der,
ist ein an Bord gebräuchlicher Aufbewahrungsbehälter für Wasser, Petroleum, Öl u. s. w., überhaupt für Flüssigkeiten, Wein, Bier etc. etc. ausgenommen; eine Art Cisterne, ein größeres, oft viereckiges, sonst auch dem Raum angepaßtes Gefäß.
Ein Tänkschiff ist ein solches das eingerichtet ist, Petroleum ohne die Fässer in sich aufzunehmen, so daß es drüben in Amerika in die entsprechenden Behälter eingepumpt und hüben wieder ausgepumpt wird.
Das Wort kommt aus dem Englischen, wo es tank heißt. Und zwar ist da, wie die englischen Provinzialismen und das Schottische beweisen, ein s im Anlaut abgefallen. Es stammt vom lateinischen stagnum, eine Pfütze stehenden Wassers (daher auch stagnieren); italienisch stagno, spanisch estanque, altfranzösisch estanc, neufranzösisch étang.
*Tau*, *Tauwerk*, das,