Etymologisches Wörterbuch der deutschen Seemannssprache
Part 45
Man spricht von einem sliding gunter Mast und einem sliding gunter Segel; beide sind zusammen, wie es scheint, durch das moderne Lust- und Rennjachtwesen nach Deutschland gekommen. Sie werden nur selten geführt, am meisten noch bei Kriegsschiffsbooten. Das Segel ist von dreieckiger Gestalt, sein oberer Teil ist an einer Stenge untergeschlagen, die vermöge zweier Eisenringe an dem verhältnismäßig niedrigen Maste auf und niederfährt oder gleitet, daher auch Gleitsegel genannt. Das Wort kommt mit der Sache aus England und bezieht sich -- ursprünglich wohl scherzweise -- auf Edmund Gunter und dessen Sliding-rule, »a sliding scale corresponding to logarithms for performing the multiplication and division of numbers without dividers.«
Man nennt die sliding gunter Takelage auch portugiesische oder Houari-Takelage; houari ist ein Wort der amerikanisch-indianischen Seemannssprache, von den Portugiesen nach Europa gebracht.
*sloopen*
ist soviel wie abwracken, ein altes Schiff in seine einzelnen Teile zerlegen und diese als Brennholz verkaufen. Das niederdeutsche Wort slopen heißt schleifen, abtragen, niederreißen. Es ist unser hochdeutsches schleifen, eine Festung, ein Haus schleifen; sowohl sprachlich als begrifflich.
*Sodraum*, der,
= Kielraum, der unterste Raum im Schiffe, gleichbedeutend mit Bilge. Das sich hier sammelnde Wasser heißt wie Bilge- und so auch Sodwasser. Sod und Bilge sind bedeutungsverwandt. Denn wenn Bilge die rauschende Bewegung des nach ihr benannten Wassers bezeichnet, so bedeutet Sod die siedende Bewegung desselben, wenn das Schiff von den Wellen gerüttelt und geschüttelt wird. Im Uebrigen heißt sod im Niederdeutschen Brunnen, von seden = sieden in der Bedeutung aufkochen, aufbrausen, aufwallen, aufquellen; »wie Brunnen von brennen und Welle von wallen.« Vergl. Bilge am Ende.
*Sog*, der,
heißt in Ostfriesland und in den Niederlanden das Kielwasser. Eigentlich heißt so die Form und Gestalt des Hinterteiles eines Schiffes, der Piek; der Zug oder Verlauf der Linien hinten am Schiffe. Weiterhin hat sich dann der Name auf das Wasser ausgedehnt, das von diesem Teile des Schiffes als bewegtes, schäumendes Wasser bei der Fahrt hinter sich gelassen wird. Das Wort sog ist zwar niederdeutsch, aber da Zug sonst überall im Niederdeutschen tog heißt, so ist hochdeutsche Entlehnung anzunehmen.
*Soldatenloch*, das.
»Der Mars hat in erster Linie den Zweck, dem zur Stütze der Marsstenge nach den Seiten hin bestimmten stehenden Gut die erforderliche Spreizung zu geben, soll nebenbei aber auch die Bedienung der Takelage erleichtern. In der Mitte hat er eine vierkantige Öffnung, das sogenannte Soldatenloch, welches sich noch durch zwei Klappen nach den Seiten hin vergrößern läßt und den Zweck hat, das Auflegen des stehenden Guts des Untermastes, das Aufbringen der Marsstenge, sowie das ungehinderte Andeckfahren eines Teils des laufenden Guts zu ermöglichen.« (Dick u. Kretschmer, II. 87). Im Entern ungeübte Leute, z. B. die (See-)Soldaten, klettern, wenn sie in den Mars wollen, nicht außen herum an den Püttings hinauf, sondern kriechen durch dieses Loch, das daher von ihnen den Namen hat, wahrscheinlich weil sie der Meinung sind, der Zimmermann habe besonders für sie dieses Loch gelassen.
Wie jedes Loch an Bord ein gat genannt werden kann, so ist auch dieses häufig in der Form *Soldatengat*.
*Sonnensegel*, das,
ein aus Segeltuch hergestelltes Schutzdach gegen die Sonne. Das Bedürfnis, sich gegen die brennenden Strahlen zu schützen, ist schon immer empfunden worden, und man hat daher von jeher ähnliche Vorrichtungen getroffen. Die alten Friesen scheinen sich einfach an Deck ein Zelt aufgeschlagen zu haben; sie hatten das Wort dendeschyp (tentschip) = Zeltschiff; doch könnte auch ein Schiff mit einem Leinwanddach gemeint sein.
*Sorgleine*, die,
ist eine am Ruder angebrachte Leine oder Kette, die an Deck fährt oder sonst zugänglich ist und den Zweck hat, für den Fall, daß die übrigen Einrichtungen zum Steuern aus irgend einem Grunde nicht gebrauchsfähig wären, das Ruder wenigstens noch einigermaßen regieren zu können. Darum ist auf jeder Seite des Ruders eine Sorgleine befestigt. Der Name schon deutet den Zweck an: er ist eine Fürsorge für den Fall der Not, schweren Sturmes, Gefechtes etc. etc.
*sorren* s. zurren.
*Spake*, die,
ein hölzerner Hebebaum zum Drehen des Spills, zum Bewegen der Kanonen und vielerlei anderen Verrichtungen an Bord gebräuchlich. Sie muß »handlich« sein, sich mit der Hand regieren lassen; tut sie das, so führt sie den Namen Handspake. Neuerdings hört man unter dem Einfluß des zur See fahrenden hochdeutschen Mannes auch Hand*speiche*. Und in der Tat ist die Rad*speiche* und die Hand*spake* dasselbe. Altenglisch heißt spake, angelsächsisch space, spaca, mittelniederdeutsch speke, althochdeutsch speicha, die Radspeiche, radius. Das althochdeutsche spahha bezeichnete ein abgebrochenes Stück Holz; und diese allgemeine Bedeutung entsprach in den Anfangszeiten der Kultur sowohl dem was wir Spake als dem was wir Speiche und auch dem was wir Spiker (s. d.) nennen.
*Spant*, das.
Die Spanten sind oft und zutreffend die Rippen des Schiffes genannt worden, die am Kiel wie an einem Rückgrat festsitzen. Röding kannte noch die Form Spann. Aber auch ohne sie würde sich die Etymologie von selbst ergeben, da die Spanten vom Kiel ausgespannt werden. Die Wurzel von spannen bedeutet ziehen, die ursprüngliche Bedeutung von Spant ist also »etwas auseinander Gezogenes, auseinander Gespanntes«. -- Ein Spant besteht aus dreierlei Stücken. Unten am Kiel sind die *Bauchstücke* befestigt, auf ihnen sitzen die *Sitzer*; daran schließen sich nach Bedarf die Auflanger. Das Bauchstück heißt auch Lieger; ihm eben entsprechen die Sitzer.
*Spardeckschiff*, das, s. Schiff.
*Speedykessel*, der, s. Kessel.
*Speiback*, die.
Eins der schlimmsten Vergehen wider die Schiffsordnung ist das Andeckspucken. Da aber Tabak kauende Leute öfters genötigt sind zu spucken, so hat man hie und da runde flache Holzgefäße -- Backen --aufgestellt, die mit Sand gefüllt sind und das vorstellen, was man hochdeutsch einen Spucknapf nennt.
*Speigat*, das,
heißt ein Gat, ein Loch in der Bordwand in der Höhe des Oberdecks, im Wassergang, durch das das Schiff das Wasser, das durch Sturzwellen übergekommen ist, das Regenwasser, das Deckwaschwasser gleichsam ausspeit. Nach Röding hätte früher jedes Deck seine Speigaten gehabt. Er schreibt: »Auf Kriegsschiffen haben die Speygaten des untern Decks an der äußersten Seite des Schiffes eine Mamiering, um zu verhindern, daß die See, insonderheit wenn das Schiff auf der Seite liegt, nicht hineinstürze.« Das war trotzdem nicht ohne Gefahr, und darum sind diese Speigaten mit Recht abgeschafft worden.
Bekanntlich hat man bei der Gotik die Wasserspeier mit vieler Sorgfalt behandelt und ihnen die Gestalt von in Stein gehauenen wilden Tieren, aus deren Rachen das Wasser herausfließt, gegeben.
Mittelniederdeutsch spegat; in einem von v. Liliencron herausgegebenen alten historischen Volksliede kommt die Stelle vor, daß infolge eines feindlichen Kanonenschusses »dat blod al ut den spegaten flot.«
*Speisewasser*, das,
hat seinen Namen nicht daher, daß etwa mit ihm die Speisen gekocht würden, was mit Trinkwasser geschieht, sondern es ist das getrennt von diesem in besonderen Tänks aufbewahrte, zum Kochen und Trinken nicht geeignete Süßwasser, das zum Speisen der Kessel, sowie für Bade- und Waschzwecke bestimmt ist.
*Spesen*, die,
nur in der Mehrzahl gebräuchlich, sind die Kosten für Fracht, Beförderung, Kommission, Schiffsversicherung, Hafenabgaben, Zoll u. s. w., also im Allgemeinen: Handlungsunkosten die auf eine Ware kommen. Wörtlich: Ausgaben; italienisch spese, Unkosten, Mehrzahl von spesa = Aufwand; aus dem mittellateinischen spensa, Aufwand, Lebensmittel; lateinisch expensa, Ausgabe.
*Spiegel*, der,
ist der vom Heckbalken und den Randsomhölzern begrenzte Teil des Hecks; er war früher ganz flach, wie er es bei großen Beibooten jetzt noch ist. Bei hohen Schiffen mit entsprechend hohem Heck hatte er Fenster, in denen sich, wenn das Schiff in ruhigem Wasser vor Anker lag, die Wellen spiegelten. Bei niedrigeren Schiffen wurden die Fenster nur durch Holzwerk und entsprechende Malerei angedeutet. Man kennt diese gemalten Fenster als nicht gerade hervorragende Kunstleistungen. Aber eines lag dem Künstler stets nahe: der Gedanke daran, daß, wenn sie wirkliche Fenster wären, sich das Meer darin spiegeln müßte, und so versuchten sie es mit ihrer Kunst, das sich spiegelnde Wasser auf den geschilderten Fenstern zur Darstellung zu bringen.
*Spier*, die,
ist eine Stange, die an Bord vielfach Verwendung findet, z. B. als Backspier, an welcher im Hafen die Beiboote festgemacht werden, als Leesegelsspier u. s. w. Ursprünglich eine »dünne Stange,« eigentlich eine *dünne*, schwanke, kleine Spitze, ein Grashalm. Die Bedeutung hat sich also ähnlich entwickelt wie die von Bram. Spierstaude = spiraea ist als Tautologie anzusehen.
Hernach = Sparren; französisch (1704) esparres, éparres. In Groningen haben sie ein Zeitwort bespieren, jemanden ein (rechtliches) Hindernis in den Weg legen, ursprünglich eine Spier vor einen Weg machen, zum Zeichen, daß er verboten ist; hochdeutsch: »Ich werde ihm ein Stöckchen davor stecken«. Altfriesisch spiri = hasta, Speer. Bremer Wörterbuch: »Spier, eine jede kleine Spitze, und in Sonderheit die zarte Gras- oder Kornspitze, welche eben aus der Erde kommt«. Daher denn auch: Kleinigkeit, ein wenig, ein bischen, etwas Geringes.
Aus germanischer Wurzel spir, platzen, schwellen, wachsen, treiben, sprossen.
*Spiker*, der,
ist jetzt gleichbedeutend mit Nagel, heißt aber eigentlich Holznagel, ja ursprünglich -- s. Spake -- nur ein Stück Holz, dann ein als Bolzen oder Nagel zugespitztes Stück Holz. Man spricht hochdeutsch von einem Speichernagel; tautologisch, denn in diesem »Speicher« steckt Speiche (Spake) = ein Stück Holz, ein Zapfen, ein »Zweck«, der als Nagel dient. Die ersten Nägel waren von Holz und hießen hochdeutsch Speicher, niederdeutsch Spiker. Letzteres hat sich, wie überhaupt im Niederdeutschen, so auch in der Seemannssprache erhalten, während im Hochdeutschen Speicher auf diesem Wege verschwunden ist: Speicher, Speichernagel, Nagel.
*Spill*, das,
ist die Vorrichtung zum Ankerlichten und auch zum Hissen sonstiger besonders schwerer Lasten. Die Ketten oder die Taue, an denen die Last gehißt werden soll, werden um das Spill genommen und dann wird dieses gedreht, so daß sich die Kette oder das Tau auf oder um das Spill wickelt. Auf großen Schiffen hat man ein Dampfspill, wenigstens wenn sie einigermaßen der Neuzeit entsprechen; auf älteren ein Gangspill, auf den alten, kleinen ein Bratspill oder eine Windas (s. d.). Spill ist Zusammenziehung von Spindel. Und zwar ist Bratspill eine liegende Spindel, die wie ein Bratspieß gedreht wird; Dampfspill eine stehende Spindel von starkem Bau; desgleichen das Gangspill, das gedreht wird, indem man Spillspaken in die Öffnungen steckt, mit denen die Matrosen in die Runde gehen.
Ein eigentümliches Schicksal hat das romanische Wort für Spill gehabt. Es heißt englisch capstan, französisch cabestan, aus dem Spanischen stammend, wo es cabrestante heißt. Man hatte ursprünglich einen Bock (cabron) zum Winden mit einer liegenden Spindel, die cabria hieß. Als man dieses Werkzeug verbesserte und die cabria aufrecht stellte, nannte man sie cabrestante, stehende Winde. Soweit wäre die Sache in Ordnung. Aber die Niederländer brachten sie in Verwirrung. Schon bei Kilian ist ein capestant daraus geworden, und 1702 heißt das Spill kaapsta-ander, und daraus machten die Deutschen einen Kopfständer. Doch hatte schon vorher im Mittelniederdeutschen eine andere Verdunkelung stattgefunden, und zwar in kapstange. In einer Livländischen Urkunde vom Jahre 1407 wird als Merkzeichen eines verschollenen Schiffes angegeben: »unde de kapstange si boven spitz und beneden, dar id touwe umme geit, gelike dicke.«
Zu dieser Stelle bemerkt freilich Breusing im sechsten (Nachtrags-) Bande zu Schiller und Lübben S. 176: »Kapstange kann schwerlich capstan sein, da dieses (ein Gangspill) oben gerade einen dicken Kopf hat, weshalb es auch Kopfständer verdeutscht wird. Es wird Signalstange bedeuten, vergl. kapinge. Die wird oben spitz, und unten, wo sie mit Tauen befestigt wird, gleich dick sein.« Ich kann dem nicht beistimmen. Wie soll das verschollene Schiff zu einer Signalstange gekommen sein? Kapinge, das zum Vergleich herangezogen wird, heißt überdies Bake, wie die Bremer Urkunde von 1400 besagt: »ok moghen de Bremere kennynge weten onde kapinge setten edder tunnen legghen oppe den Mellem (Mellum, Sandbank, »Plate« vor der Weser) ofte op dat rode zand.« An Bord führt man keine Baken mit sich. Und wenn das Spill auch allerdings für gewöhnlich einen dicken Kopf hat, so wird eben als besonderes Kennzeichen jenes verschollenen Schiffes angegeben, daß sein Spill oben spitz war. Es hatte also, was andere nicht hatten, oben auf dem dicken Teile noch irgend eine spitz zulaufende Verzierung.
*Spinnaker*, der.
Wenn Rennjachten mit raumem Wind oder achterlicher Brise segeln, so gilt es, wenn sie keine Rahesegel führen, ihnen auf andere Weise die Möglichkeit zu geben, möglichst viel Leinwand vor dem Winde auszubreiten. Dazu hilft ein Spinnaker, »ein großes dreieckiges Segel aus leichtem Baumwollstoff, welches vermittelst eines Falles am Mast gehißt und mittelst eines *Spinnakerbaumes*, der an dem äußersten Schothorn des Segels befestigt und mit der am inneren Ende befindlichen Gabel gegen den Mast gestützt wird, ausgebreitet wird.« (Dick und Kretschmer II. 285/6). Nach der vom Freiherrn von Strombeck in der Marinerundschau (Oktober 1899 S. 1124-1136) veröffentlichten Übersetzung eines Kapitels aus einer englischen Seemannschaft, sitzt der Spinnakerbaum in einem nach der Gestalt *Schwanenhals* genannten Gelenk, das in eine Spur am Mast eingesetzt wird und der Spur des Spinnakerbaumes zur Aufnahme und Stütze und zum Halt dient. Der Spinnaker findet sich nur auf Rennjachten, kann nur bei leichtem Winde gefahren werden, dient dann aber dazu, jedes Lüftchen aufzufangen und auszunützen.
Wort und Sache sind englisch; ersteres »from spin, in sense of to go rapidly.«
*Spinnekopp*, der,
ist ein Hilfsmittel zur Befestigung eines Sonnensegels, das von ferne an das Gewebe einer Spinne erinnert. Es ist ein hölzerner Kopf, ein längliches Stück Holz durch das verschiedene Löcher in regelmäßigen Abständen von einander gebohrt sind. Durch diese Löcher werden dünne Taue gezogen und diese in immer weiterer Entfernung am Firsttau des Sommersegels befestigt. Eben dadurch, daß diese das genannte Segel tragenden Taue von zwei Seiten aus verschiedenen Entfernungen in dem hölzernen Kopf zusammenlaufen entsteht der Eindruck, als habe da eine Riesenspinne ihr Werk getrieben.
*spinnen*
wird im Seemännischen wie im Hochdeutschen gebraucht. Besonders zu erwähnen ist daher nur die Redensart: »ein Garn spinnen«; etwas lang und ausführlich, »mit epischer Breite« erzählen, wie es alte Seeleute, wenn sie überhaupt einmal den Mund auftun, lieben. Sie erinnert an die ursprüngliche Bedeutung von spinnen, die auch in dem studentischen Ausdruck spinnen für trinken und in »Spanferkel« liegt, nämlich ziehen, in die Länge ziehen und dabei drehen, herausziehen, trinkend ziehen, »einen Zug tun«, saugen.
*Spleetflagge*, die,
auch wohl Splitflagge, ist eine Flagge bei der ein dreieckiges Stück ausgeschnitten ist, so daß sie in zwei Spitzen endigt. Sie hat den Namen davon, daß sie wie gespalten aussieht, denn split oder splet ist die niederdeutsche Form für Spalt und bedeutet die Stelle, wo oder von wo aus sich etwas spaltet, der Scheidungspunkt zweier Schenkel, Wege, Linien; von spliten oder spleten = spalten, von einer Wurzel spar, spal = auseinandergehen.
*Sporn*, der,
ist die spitz zulaufende Verlängerung des Vorstevens bei Panzerschiffen, die sie in den Stand setzt ein anderes Schiff zu rammen; daher man auch Rammsporn sagt. Der Reiter hat den Sporn hinten, das Schiff vorne, das Eigentümliche der Bedeutung aber ist »mit den Füßen stoßen,« daher ist auch Spur damit verwandt. (Kluge 355).
*splissen*
heißt zwei Taue so zusammenfügen und in einanderflechten, daß an der fest zusammengefügten Stelle kein Knoten und auch keine merkliche Verdickung eintritt. Damit solches geschehen könne, muß man zuerst das Gegenteil von Zusammenfügen vornehmen, nämlich die beiden Taue, die mit einander verbunden werden sollen, einzeln mittelst des Marlspikers spalten und auseinander teilen, damit dann die beiden Teile ein jeder mit seinen einzelnen Teilen gegenseitig in einander eingesteckt und durch einander durchgesteckt werden können. Splissen nennt man zunächst eigentlich nur dieses Spalten, dann aber die ganze dazu gehörige Arbeit; hochdeutsch spleißen, mittelhochdeutsch splizen; davon auch Splitter als etwas Gesplissenes.
Mit dem Splissen geht das Knoten Hand in Hand. Die beiden Künste werden dem angehenden Seemann zusammen beigebracht. Deshalb heißt der Unterrichtsgegenstand stehend »Splissen und Knoten«. Die verschiedenen Knoten kunstgerecht zu machen ist auch wirklich eine Kunst. Der sinnigste und bedeutsamste ist der englische truelove-knot oder truelover's-knot, ein künstliches, symbolisches Gebilde, das sich ohne Abbildung kaum beschreiben läßt, zumal es verschiedene Arten gibt. Als die Preußische Marine eingerichtet wurde und das Schiffsjungen-Institut ins Leben trat (24. April 1850), wollte man eine Zeit lang sich aufs Vornehme aufspielen und sagte anstatt knoten knüpfen. Das hat aber nicht lange gedauert.
*Splitterdeck*, das.
»Ein in der Richtung der Unterkante des Seitenpanzers liegendes und mit einer stärkeren Beplattung als die gewöhnliche Decksbeplattung versehenes Zwischendeck heißt Splitterdeck.« »Es ist in der Regel nur dann vorhanden, wenn sich an der Oberkante des Gürtelpanzers ein Panzerdeck befindet.« (Dick u. Kretschmer). Es hat die Bestimmung, die unter ihm gelegenen Räume gegen Splitterwirkung zu schützen.
*Sponung*, die.
Das ostfriesische Zeitwort sponen heißt spalten, abspalten, einkerben. An den Stellen wo ein Balken an den andern anstößt oder mit ihm verbunden werden soll, muß, damit er sich fest anlegt, aus dem einen Balken ein Stück von der Gestalt des anderen herausgeschnitten werden. Dieser Schnitt heißt die Sponung. Nach Doornkaat hängt das Wort mit Spahn zusammen, denn auch diesem liegt der Begriff des Gespaltenen zu Grunde.
*Spriet*, das,
eine Stange, Spiere, ein Baum; die Stange die diagonal ein sogenanntes Sprietsegel ausspannt und der schräg liegende Baum, der als Mast angesehen werden kann und, weil er am Bug hinausragt, Bugspriet heißt.
Es kommen in Spriet zwei Begriffe zusammen. An sich bedeutet es, als von sprießen stammend, als etwas Gesprossenes, einen Baum, eine Stange, einen Stab oder Stecken; Kilian: spriet = baculus pastoralis, angelsächsisch spreot = Stange, Pfahl, Spieß; niederdeutsch spret. »Als der Schwedenkönig Erich die Schlacht bei Fyriswall gegen Styrbiörn schlagen sollte, opferte Styrbiörn dem Thor, aber Erich dem Odin, weihte sich ihm und bestimmte die Frist seines Todes auf zehn Winter. Da sah er einen großen Mann mit breitem Hute, der gab ihm seinen Rohrstengel (reyrsproti) in die Hand, ihn über das feindliche Heer mit den Worten zu schießen: »Odin hat euch alle!« Als das geschah, erschien ein Wurfspeer in der Luft, flog über Styrbiörns Schlachtreihen und schlug sein Kriegsvolk wie ihn selbst mit Blindheit.« (Simrock, Myth. 176)
Sodann aber spielt, weil, wie erwähnt, ein Spriet bei manchen Segeln zum Ausspannen gebraucht wird, auch der Begriff *spreizen* dazwischen. Man kann die Begriffe aber so auseinander halten, daß man sagt: bei Bugspriet steht der von Baum, bei Spriet der von spreizen im Vordergrunde; beide aber stammen von der germanischen Wurzel sprut, emporwachsen; mittelhochdeutsch spriezen; angelsächsisch sprutan, englisch sprit; niederländisch spruiten.
*Spring*, der, auch *Sprung*,
ist der Auflauf des Vor- und Hinterschiffes im Vergleich zum Mittelschiff, so daß dieses der niedrigste Teil des Schiffes ist; die Erhebung des Decks nach vorn und hinten zu. Diese Erhöhung hat Einfluß auf die Freibordhöhe. Das Wort kommt von springen im Sinne der Architektur. Wie man sagt: »die Ecke springt vor«, so ist hier gedacht: »das Deck springt höher.«
*Spring*, der.
Wenn man aus irgend einem Grunde das Schiff nicht so liegen haben will wie es sich, von der Strömung abgesehen, von selbst zum Winde legt; wenn man also nicht haben will, daß der Wind von vorne kommt, sondern, besserer Ventilation oder -- beim Kohlen-Übernehmen --grösserer Reinlichkeit wegen, von der Seite; oder wenn nicht Raum genug da ist um in der gewöhnlichen Weise vor Anker zu liegen; oder man will als Kriegsschiff seine Breitseite gegen eine feindliche Stellung kehren -- so gibt man dem Schiffe die gewünschte Lage dadurch, daß man das Hinterteil mit Hilfe einer ausgebrachten Trosse dreht. Diese Trosse kann an der eigenen Ankerkette oder an einem Ducdalben oder einer Boje oder sonstwie festgemacht werden. Man sagt dann: »das Schiff liegt auf dem Spring«, »ist auf den Spring geholt.« Unter den schier zahllosen Dingen und Begriffen, die im Englischen mit Spring bezeichnet werden, befindet sich auch diese Trosse, »a rope passed out of a ships stern, and attached to a cable proceeding from her bow, when she is at anchor. It is intended to bring her broadside to bear upon some object.«
*Springflut*, die.
Das Gegenteil von Nipflut. Während diese letztere die Flut zur Zeit der Mondviertel bedeutet, da die Flut am niedrigsten ist, bedeutet Springflut die höchste Flut wie sie zur Zeit des Vollmondes und Neumondes einzutreten pflegt. Man hat Spring für englisch ausgeben wollen. Es ist deutsch, niederdeutsch. In Ostfriesland heißt Spring das Aufspringen, Aufsteigen, Aufquellen, Aufwallen von Wasser; in Holland spring Quelle, Springbrunnen, Springflut, Ursprung. Aus »entspringen« und »Springbrunnen« sehen wir, daß auch im Neuhochdeutschen das althochdeutsche Spring, sprinc, = Quell, nicht ganz geschwunden ist.
Wie gedankenlos man zuweilen mit der Sprache umgeht beweist der Ausdruck, den man hören und auch lesen kann: Springebbe, der aber ganz mechanisch und äußerlich ohne Rücksicht auf den Sinn von Spring als einfacher Gegensatz von Springflut gebildet worden ist.
»Dat de Mahn de Ebbe und Floht regeret, und de Vorloping des Getides verorsaket, ys jetzunder by ein jeder, und insunderheit by den Seefahrenden genoch bekandt, welckes Natur und Egenschop ys beschreben van Renates descartes, in dem Anfang sinder begehrden Wyßheit, int veerde Deel, dar He anwiset, dat erenehr de Mahn full, offt nie ys, dat alßdenn de Flothen höger, und de Ebben syder fallen, welckes by uns ein Sprinckstrohm genöhmet werd« ... »Beschriving van der Kunst der Seefahrt«, Lübeck 1673.
*Stab*,
der eines Kriegsschiffes, wird gebildet von den Offizieren und höheren Beamten. Im Mittelhochdeutschen war stap = Stab, wie jetzt der Feldmarschallstab das Zeichen hoher militärischer Gewalt, das Zeichen amtlicher, besonders auch richterlicher Gewalt. »Der Stab« im neuzeitlichen Sinne sind die Gehilfen, die ausführenden Kräfte, die ein Befehlshaber um sich versammelt hält, auch wenn er nicht grade den Stab im mittelalterlichen Sinne als Abzeichen seiner Amtsgewalt trägt, wie die Polizisten in England noch heute tun.
Stabsarzt, Stabsingenieur, Stabszahlmeister sind jetzt lediglich Bezeichnungen eines Dienstgrades.
*Staden*, der,