Etymologisches Wörterbuch der deutschen Seemannssprache
Part 43
Die neuen großen Schiffe sind alle durch Querwände in verschiedene Abteilungen geteilt, die mit verschließbaren Türen versehen sind. Sind diese geschlossen, so besteht das Schiff aus einzelnen von einander wasserdicht getrennten Räumen. Wenn nun in Folge einer Havarie einer derselben voll Wasser läuft, so werden die anderen nicht in Mitleidenschaft gezogen und das Schiff bleibt flott.
Bremer Wörterbuch: Schott = Riegel, Schub oder Falltür, wodurch eine zudringende Materie abgehalten wird; schotten = verriegeln, verschließen, absondern durch eine Scheidung, wofür man auch *abschotten* sagt, einen kleineren Raum von einem größeren durch eine Bretterwand trennen.
Bei unseren neuen großen Schleusen haben sie auch Schotten, man hat aber die seemännische Form dafür verschmäht und gemeint, eine hochdeutsche Form wählen zu sollen und sagt daher *Schütze*. Es ist das Schott ja auch ein Schutz, aber Schott hätte genügt; niederdeutsch schot und schüt: »ein Brett oder eine lose Holzwand, ein hölzerner Schieber, eine Holzklappe etc. zum Schütten oder Abhalten (Absperren, Abschließen etc.) und Stauen des Wassers, bz. zum Schutz und zur Sicherheit gegen das Ein- und Durchbrechen des Wassers bei Sturmfluten, oder auch zum Schütten oder Ein- und Aussperren des Viehes.«
In oldenburgischen und ostfriesischen Zeitungen liest man wohl einmal eine Anzeige: »Geschüttet ein Schaf; abzuholen im Schüttstall bei N. N.«
Kilianus: schutten = sepire, intersepire, intercludere, daher: schut, schot = septum, locus conclusus.
*schralen.*
Der Wind schralt, wenn er sich so dreht, daß er anfängt für die Fahrt des Schiffes ungünstig zu werden, so daß man bald nicht mehr Kurs halten kann. Das Gegenteil von raumen. Eigentlich heißt schralen schlecht, ungünstig werden; schral heißt ostfriesisch schlecht, mager, dünn, elend, arm, knapp; man kann schralen also übersetzen mit knapp werden, der Wind wird knapp, nicht in Bezug auf seine Kraft und Stärke, denn das würde abflauen heißen, sondern vielmehr in Bezug auf seine Richtung, so daß man nur noch knapp oder vielleicht schon gar nicht mehr beim Winde steuernd zugleich auch Kurs steuern kann. »Unzureichend« dürfte der allgemeine Begriff von schral sein; niederländisch schraal, westfriesisch schreal, nordfriesisch skral, norwegisch skral, dänisch skral, bei Kilian schrael; alle mit mehr oder weniger verschiedenen Nebenbedeutungen. Beim seemännischen Gebrauch des Wortes ist es nicht ganz ausgeschlossen, daß bei der ungünstigen Drehung, die der Wind macht, auch zugleich ein schwächeres Wehen eintritt, doch ist zunächst sicher nur an die Richtung gedacht.
*schrapen*,
mit einem *Schraper* die Farbe von etwas abkratzen, um es dann neu und besser zu malen. Ein gemeinniederdeutsches Wort, das außer in der Form schrapen auch in der von schrappen und schrabben vorkommt und bedeutet: mit festem Drucke schaben, kratzen, scharren, striegeln, streichen; Rüben schaben, sich den Bart schaben, einen Fisch abschuppen; auch: sich den Bart oder den Mund (behaglich) streichen. In einer Lübecker Reformationsgeschichte von 1529-1531 heißt es: »Und verstunden sik de lude bi dem dome beter up ein mule to schrapen effte enen framen manne sin wyff tho schanden tho maken, als dat se over gades Wort scholden handelen und ordelen.«
Der Schraper ist ein dreieckiges Stück Eisen mit scharfen Kanten und einem Stiel.
Von der Form schrabben für schrapen kommt auch das bekannte Wort *Schrubber*, ein scharfer, steifer Besen zum Scheuern des Fußbodens, des Decks; ein »Leuwagen.«
*Schratsegel*, das.
Alle Segel die nicht an einer Rahe oder Spier fahren sind Schratsegel. Mit diesem Namen werden also alle Stagsegel und alle Gaffelsegel gemeinschaftlich bezeichnet, so daß Jager, Klüver, Stagsegel, Stengestagsegel, Vorgaffelsegel, Großgaffelsegel, Besan und Briggsegel unter dem Begriff und Namen Schratsegel zusammengefaßt werden. Im Niederdeutschen ist schrat das, was einen Winkel bildet, in schräger Richtung verläuft, die Gestalt eines Keils hat, was spitz zuläuft. Der Name ist also gewählt für das was allen Schratsegeln auch wirklich gemeinsam ist, daß sie nicht grade, sondern schief geschnitten sind. So nennt man schratdok »ein dreykantiges Halstuch des Frauenzimmers, deren zwey durch die Zerschneidung eines vierkantigen entstanden sind.« Diese Vorstellung lag wahrscheinlich auch der Benennung der Schratsegel zu Grunde, da ja besonders ein Stagsegel genau die Form eines solchen dreieckigen Busentuches der Frauen hat. Man könnte sich zwar die Sache auch so vorstellen, daß die Schratsegel immer schräge stehen, während die Rahesegel doch zuweilen auch einmal Vierkant gebraßt werden, aber dem widerstreitet doch zu sehr der eigentliche Begriff von schrat, der nicht sowohl das *dreieckig* Geschnittene, sondern vielmehr das dreieckig *Geschnittene* ist, denn die Wurzel dazu ist skru = schneiden, von der auch der Familiennamen Schröder = Schneider kommt. Ein Schratsegel ist also eigentlich ein geschnittenes Segel, gleichsam ein in der Diagonale durchgeschnittenes Rahesegel.
*Schraubenbrunnen*, der,
ist ein im Heck angebrachter Schacht, in dem die Schraube hängt, wenn ein mit Dampfkraft versehenes Schiff segeln will. Die Schraube wird gelichtet, d. h. aus dem Wasser herausgezogen und in dem Brunnen aufgehängt, damit sie beim Segeln die Fahrt nicht hemme. Doch wird durch solchen Schraubenbrunnen das Heck eines Schiffes geschwächt, so daß man in Erwägung gezogen hat, ob dieser Nachteil nicht den geringen Vorteil der Aufhebung des Schraubenwiderstandes aufhebe.
*schricken.*
Man schrickt ein (belegtes) Tau, wenn man es um ein weniges fiert. Es ist z. B. ein Kutter vorn etwas höher gehißt wie hinten; da es aber für das Auge des Seemanns durchaus erforderlich ist, daß der Kutter grade hängt, so muß der vordere Kutterläufer geschrickt werden. Oder es tritt Regen ein, der die Brassen naß macht und zusammenzieht, so daß sie allzu straff angespannt sind, dann werden die Brassen geschrickt. Da das Schricken nur bei einem Tau geschieht auf dem Kraft steht, so ist das Schricken mit einem Ruck verbunden, und der Fierende muß vorsichtig sein, daß er das Ende gut belegt hält, damit das Tau in seiner Gewalt bleibe. Schricken ist mit dem Schreck in Heuschreck nahe verwandt und mit unserem hochdeutschen Worte Schrecken, denn das demselben zu Grunde liegende althochdeutsche screckon heißt auffahren, aufspringen, springen, hüpfen, sich heftig, mit einem Ruck bewegen. Dem entspricht das niederdeutsche schrikken = springen, einen plötzlichen Ruck machen oder bekommen, auffahren, zurückfahren, schrecken, erschrecken. Doch kommt das seemännische schricken nicht unmittelbar vom althochdeutschen screckon, sondern von screcken, mittelhochdeutsch schrecken = springen machen, in Schrecken setzen. Es ist also dasselbe Wort, das eine Köchin gebraucht, wenn sie ein hart gekochtes Ei aus dem heißen Wasser plötzlich in ganz kaltes bringt, damit es sich besser schälen lasse.
*Schrims*, das,
ist Abfall von Tauwerk, ein Durcheinander von kleinen Stücken Garn, teils noch zu zupfen, teils schon gezupft. Das Wort würde wenig bekannt sein, wenn es nicht oft mit Galgenhumor vergleichsweise gebraucht würde, um das gekochte präservierte Rindfleisch zu benennen, das leicht wie Strähne eines aufgedrehten Taues auseinanderfällt, daher es auch noch öfters als Schrims geradezu Kabelgarn genannt wird. Das Wort dürfte aus dem Englischen herübergekommen sein und müßte wohl Schrimps geschrieben werden, denn das -- jedenfalls mit dem mittelhochdeutschen schrimpen verwandte -- englische schrimp heißt Knirps, Zwerg, und mundartlich heißt im Englischen shrimp irgend etwas Kleines, Unbedeutendes, Geringes, was begrifflich mit Schrims als Abfall stimmt.
*Schrubber*, der, s. schrapen.
*Schuner*, der, s. Schoner.
*Schute*, die,
ein gedecktes Fahrzeug, lang und schmal, mit geringem Tiefgang, zur Beförderung von Personen und Gütern auf Flüssen und Kanälen. Sie sind weder zum Rudern noch zum Segeln eingerichtet, sondern werden getreidelt, teils von Menschen, teils von Pferden; daher der niederländische Name trek-schuit, Zieh-Schute; (der Junge der auf dem Pferde sitzt und es antreibt heißt het jagertje). Sie bildet ein sehr angenehmes Beförderungsmittel. Wer einmal mit einem solchen auf einem holländischen Kanal gefahren ist, der wird zu sagen wissen, wie bequem und gemütlich das geht. Zwar etwas langsam, aber sicher. Auch Röding (1794) nennt sie »bequem« und weiß von vielen Arten Schuten in Holland, darunter sogar auch Segelschuten.
Die großen Elbkähne, die von Berlin und anderen Orten die Elbe herunter nach Hamburg kommen, nennt er »Hamburger Schute« und beschreibt sie als stattliche Schiffe von 120 Fuß Länge. In und bei Berlin ist der Name heute noch sehr gebräuchlich. Riecke, »Ursprung und Name der Städte Berlin und Köln an der Spree« behauptet sogar: »Der märkische Name Schute für Kahn ist vom keltisch-gälischen sguit, ein Boot, abzuleiten.« Dagegen spricht aber das frühe Vorkommen des Wortes an der Nordsee. Man möchte daher eher auf niederdeutschen Ursprung schließen. Im Mittellateinischen hieß Schute escauda, das könnte von dem französischen Namen der Schelde kommen, wie denn in der Tat nach einer Urkunde von 1252 ein Schiff, das auf der Scarpe, einem Nebenflusse der Schelde fuhr, scarpoise hieß.
Indessen liegt eine andere Erklärung viel näher. Die Alten haben einem Schiff gerne nach der Bewegung den Namen gegeben. So dürfen wir auch hier annehmen, daß ein von scheten = schießen kommender Stamm schut zu Grunde liegt, indem Schute ein (verhältnismäßig schnell, weil vom Pferde gezogenes,) dahinschießendes Boot ist.
Das Fahrzeug muß schon früh, im Mittelalter, bekannt gewesen sein, wenn man bedenkt, daß es nach der Hamburger Chronik bereits in mittelniederdeutscher Zeit zu einem scherzhaften Vergleich herangezogen werden konnte, die feindlichen Schiffe »weren doch man appelscuten, dar weren se unverzaget vor.«
Kilianus hat schuyte, navigiolum, und schuytken = Boot.
In den Niederlanden muß in früheren Zeiten eine schuit so wohnlich gewesen sein, daß der Gedanke in einer solchen zu wohnen kein abenteuerlicher war. Am 14. April 1649 haben die Generalstaaten ein Plakat erlassen gegen de schadelycke ende Moordtdadige Secte van Jesuiten en andere Priesters, Monicken, ende geseiyde Geestelycke of Religieuse Personen, van de Romsche Religie zynde, weil sie die guten Bürger des Landes ihrer gesetzmäßigen Obrigkeit abwendig machten »ende tot moorderye van Prinsen ende Potentaten« verleiteten. Sie wurden verbannt, und eine Strafe von 200 Gulden dem auferlegt »in wiens Huysen, Velden, Schepen ofte Schuyten« sie ihr Wesen trieben.
*Schutzdeck*, das,
ist ein Deck von Kriegsschiffen, das geschützt ist gegen das Aufschlagen feindlicher Geschosse. Der Schutz wird durch Panzerplatten oder stärkere Stahlplatten, die das Zwischendeck bedecken, gewährt. Dieses heißt daher auch wohl Panzerdeck; das Schutzdeck unterscheidet sich von ihm nur durch die geringere Dicke der Platten.
*Schütze*, die, s. Schott.
*Schwabber*, der,
ist ein Hilfsmittel beim Deckwaschen und vertritt an Bord die Stelle eines Scheuertuches, ist aber kein Tuch, sondern besteht aus losen Strähnen von Kabelgarn, die oben durch eine Takelung quastenartig mit einander verbunden sind, wie denn überhaupt der Schwapper oder Schwabber mit einer großen langen Quaste Ähnlichkeit hat. Man trocknet damit nach dem Deckwaschen das noch an Deck stehende Wasser auf, indem man damit hin und her fährt. Von diesem Hinundherfahren kommt der Name. Ostfriesisch heißt swäpen mit irgendwelchem biegsamen, elastischen, schwanken und schlanken Gegenstande eine Schwingung, eine Hin- und Herbewegung machen; gotisch sveip, angelsächsisch svap, altnordisch sveip sind Präterita von sveipan, svipan, svipa. Davon kommt auch swäpen, mit der Peitsche schlagen und sweper = Besen und viele andere Wörter, die alle mit Hin- und Herbewegung zu tun haben. Aufschwabbern heißt Wasser mit einem Schwabber aufnehmen.
Französisch (1702) souabre; niederländisch swabber, dweil; englisch swab; dänisch svaber; schwedisch svabb.
*schwajen*
auch schwoien, schwojen = schwingen. Das »Bremer Wörterbuch« behauptet, das Wort käme von wehen her. »S wird im Niedersächsischen vielen abgeleiteten Wörtern vorgesetzt zur Verstärkung der Bedeutung, oder eine Heftigkeit der Handlung anzudeuten; slabben von labben = auflecken wie die Hunde; swelen, Gras dörren, von welen = welken; spreden = ausbreiten, von breden. So auch holländisch: slink von link = sinister; swayen, im Winde flattern, von wayen = wehen, slikkern = naschen, von likken = lecken.« Wenn das richtig wäre, könnte man sagen, der Ausdruck schwajen käme daher, daß das Schiff vom Wehen (wajen) des Windes herumgedreht oder geschwungen wird. Aber einmal wird solches doch lange nicht immer vom Winde besorgt, sondern öfter noch von der Strömung, von Ebbe und Flut, in Kanälen auch von Menschenhand, und dann ist auch die ganze Bremische Behauptung von dem vorgesetzten verstärkenden s nicht richtig. In allen den angezogenen Beispielen gehört das s vielmehr wesentlich mit zum Stamm, und die Bremer haben sich mit diesem s ebenso geirrt wie mit dem w der niederdeutschen auf wr anlautenden Wörter, von denen behauptet wird: »W vertritt in unserer Sprache oft die Stelle des äolischen Digamma und wird sonderlich oft dem r vorgesetzt, wo andere Dialekte ihn nicht kennen. Alsdann scheint es die Bedeutung des Wortes zu verstärken und demselben eine größere Heftigkeit beizulegen«. Das verhält sich grade umgekehrt. Das w im Anlaut vor r gehört zum Stamm und ist nicht im Niederdeutschen hinzugefügt, sondern vielmehr im Hochdeutschen abgeworfen. Das Weitere hierüber s. unter Wrack.
Nicht von waijen kommt schwajen, sondern vielmehr von schwingen, dessen Bedeutung es ja auch ganz und voll hat. Im Ostfriesischen heißt es swajen = sich schwingend und schwebend bewegen, einen Schwung, eine Schwingung, Schwenkung, Drehung, Wendung machen, und wird nicht nur von Schiffen und Fahrzeugen, sondern ganz allgemein gebraucht. Doornkaat gibt die Beispiele: »De fögels swajen dör de lücht, he swaide net, as of he 'n bitje anschaten was; de weg swaid bold na links un dan wer na rechts«, und bemerkt dazu: »Es hat hier in swaj zweifellos ein Übergang oder eine Erweichung vom älteren g in j stattgefunden, so daß der Stamm swaj für swag steht, der selbst aber wieder aus swang entstand ... welches zu schwingen gehört.« Die Ableitung von schwingen dürfte richtig sein. Das o in der Schreibweise schwojen mag sich aus der ostfriesischen dunklen Aussprache des a erklären, welche so ziemlich wie o klingt. Am einfachsten hat man die Frage, ob a, ob o in Groningen gelöst, da gebrauchen sie beide Vokale nebeneinander und sagen, um keinem zu nahe zu treten, zwoaien: »Het omkeren van een vaartuig in een Kanaal; is dit smal, dan heft men het op enkele plaatsen verbreed um te kunnen zwoaien; zulk een plaats het (heißt) zwoaiplaats«, ostfriesisch swaj-wik oder auch kurzweg swaje.
Zu dem Übergang von g in j sei bemerkt, daß derselbe sich noch keineswegs befestigt hat, vielmehr noch im Flusse ist und daß unser Seemann das g bei der Aussprache noch hörbar mitklingen läßt, und zwar als palatales am vorderen harten Gaumen erzeugtes Reibungsgeräusch, also ähnlich wie ch.
*Schweinsrücken*, der.
1. Eine Untiefe in der Jade vor der Hafeneinfahrt von Wilhelmshaven, neuerdings durch Schlengenwerk befestigt mit der Absicht, dadurch einen günstigen Einfluß auf Strom-, Schlick- und Fahrwasserverhältnisse auszuüben.
2. Bei modernen Schiffen, die eine von der früheren sehr verschiedene Ankergeschirreinrichtung haben, ein schräger Aufbau auf dem Deck im Bug oder auf dem Heck, auf welchem der Anker lagert.
Das Wort erklärt sich im Vergleich mit dem Eselsrücken in der gotischen Baukunst: von der Gestalt.
*schwellen.*
Im Binnenlande spricht man von schwellenden Segeln, sagt auch dichterisch, daß sich die Segel zur Fahrt schwellen. So gerne nun der Seemann es sieht, wenn sie das tun, seemännisch ist der Ausdruck nicht. Man wird niemals einen wirklichen Seemann von schwellenden Segeln reden hören. Solch dichterische Sprache vermeidet er geradezu ängstlich. Er sagt: »volle Segel.«
*Schwert*, das,
ist eine Vorrichtung die bei flachgehenden Fahrzeugen, wenn sie beim Winde segeln, das Abtreiben und gegebenen Falles das Kentern verhindern soll. Sie besteht nämlich aus einem Brett an jeder Seite, das beim Segeln am Winde in Lee ins Wasser gelassen wird um den Widerstand zu vermehren. Hierzu hat Röding einen seiner äußerst spärlichen etymologischen Versuche gemacht. Er ist artig genug: »Es hat daher seinen Namen, weil es an der Seite des Schiffes ungefähr so hängt, wie ein Schwert an der Seite« (des Mannes). Nur daß es dann doch besser Schild hieße, und die Sache bei unseren modernen Jachten und Rettungsbooten nicht mehr stimmt. Dick und Kretschmer, II. 282: »Für kleine zum Privatgebrauch bestimmte Boote empfiehlt sich mit Rücksicht auf Stabilität, geringen Tiefgang, Schnelligkeit und Manövrierfähigkeit eine breite und flache Form des Bootskörpers. Diese Form bietet aber einen verhältnismäßig sehr geringen seitlichen Wasserwiderstand und besitzt in Folge dessen für das Segeln am Wind oder bei Dwarswind den Nachteil, daß das Boot stark abtreibt. Diesen Nachteil soll das sogenannte Schwert ausgleichen. Es besteht aus einer eisernen oder hölzernen (dreieckigen, trapezförmigen oder rechteckigen) senkrechten Platte, welche entweder für fest am Kiel des Bootes angebracht ist oder aber beweglich ist und mittelst einer einfachen Vorrichtung je nach Bedarf heruntergelassen oder aufgeholt werden kann. In letzterem Fall ist in das Innere des Bootes, in seiner Längsschiffsebene, ein schmaler Kasten eingebaut, welcher das aufgeholte Schwert in sich aufnehmen soll«, -- der Schwertbrunnen.
*Schwertmatte*, die,
eine der an Bord zahlreich gebrauchten Matten, die ihren Namen von der Art ihrer Verfertigung hat. Es fertigen sich nämlich richtige alte Matrosen ihre Matten selbst an. Um die Schwertmatte zu weben, denn ein Weben muß man die Anfertigung nennen, verfährt man ähnlich wie auf einem sehr primitiven Webstuhl, doch so daß zwei Parten von beiden Seiten kommen und sich kreuzen. Damit das Durchstecken der Parten möglich werde, steckt man jedesmal ein hölzernes Schwert durch den Zettel oder Aufzug und dreht es auf die hohe Kante. Von diesem Schwert, oder vielmehr von den zwei Schwertern die gebraucht werden, stammt der Name.
*Schwieping*, die,
das spitz zulaufende Ende eines Taues, das entsteht wenn man das Tau aufdreht und beim Wiederzusammendrehen nach und nach mehr Kabelgarn entfernt. Das Wort heißt niederländisch zweep, und das gibt die Erklärung; zweep, auch zwiep heißt Peitsche; niederdeutsch swepe; angelsächsisch svip, altnordisch svipa. Eine Peitsche wie sie in einfachen Verhältnissen ein Fuhrmann sich selbst aus Hanf zu drehen pflegt, ist oben dick und läuft nach unten allmählich dünn zu; daher der Name dieses dünn zulaufenden Taues, verbunden mit der niederdeutschen Endung ing. Vergl. übrigens auch Hundspünt.
*schwichten*
bedeutet, zwei stehende Taue durch eine Leine hin und her mit einander verbinden und fest zusammenziehen, so daß die beiden ohnehin schon festen Taue nur noch fester, steifer und unbeweglicher stehen. Die eigentliche Bedeutung des niederdeutschen Zeitwortes swichten, niederländisch zwichten ist die unseres hochdeutschen Zeitwortes »beschwichtigen«, also ruhig machen. Aber wenn zwei stehende Taue »ruhig« gemacht werden sollen, so müssen sie »fest« gemacht werden. Auch bei schwichten findet sich dieselbe Lautverschiebung die unter schiften erwähnt ist; althochdeutsch swiftjan, mittelhochdeutsch swiften, beschwichtigen.
*Schwimmdock*, das,
ist eine schwimmende Vorrichtung zum Docken von Schiffen. Es besteht in der Hauptsache aus zwei Seitenwänden, die durch einen Boden mit einander verbunden sind. Die beiden schmalen Seiten vorn und hinten sind offen. Die Seitenwände sind hohl und können voll Wasser gelassen werden. Geschieht das, so sinkt das Schwimmdock so tief ins Wasser, daß ein Schiff sich zwischen die beiden Wände legen kann. Wird das Wasser aus diesen wieder ausgepumpt, so geht das Dock mit dem darin befindlichen Schiffe in die Höhe, letzteres trocken legend. Der Name Schwimmdock dient zur Unterscheidung von einem ausgegrabenen, mit Steinen ausgemauerten Trockendock.
*Schwimmponton*, s. Dock.
*Scotsman*, der,
ist eine hölzerne Latte oder ein entsprechendes Stück Eisen um an gefährdeten Stellen das stehende Gut vor dem Schamfilen zu bewahren, eine Schamfilungslatte. Wie der Normann an der Beting, so wird der Schottländer an der Takelage haben herhalten müssen für eine kurze und bündige Bezeichnung einer seinem Lande eigentümlichen, also von schottischen Seeleuten auf andere übergegangenen Vorrichtung. Der niederdeutsche Seemann pflegte »Schottschmann« zu sagen; daraus wurde durch nachlässige Aussprache Schuttschmann, und hieraus durch volksetymologische Umbildung sogar »Schutzmann«.
*See.*
1. Der See, ein Binnensee.
2. Die See.
a. Das Meer; in See gehen (in die See stechen sagt kein Seemann) heißt absegeln, abdampfen, abfahren. »Ich gehe morgen in See«, »ich gehe nach Hongkong in See«.
b. Eine hohe Meereswoge; »wir nahmen Seeen über«, die Wogen gingen so hoch, daß sie uns über die Reling an Deck schlugen; »wir kamen dwarssees«, so zu liegen, daß die Seeen von der Seite auf uns zukamen. »Eine See nahm den Schiffsjungen mit über Bord«.
Diese letztere Bedeutung von See könnte noch einmal für die Etymologie des Wortes von Wichtigkeit werden. Da das Wort gotisch saiws heißt, so hat man Verwandtschaft mit dem lateinischen saevus, wild, angenommen. Diese Annahme gewönne bedeutend an Wahrscheinlichkeit, wenn man annehmen dürfte, daß die Bedeutung von See = wilde Woge, vielleicht die ursprünglichere wäre. Diese Seeen sind jedenfalls etwas die See im Sinne von Meer Kennzeichnendes. Aber freilich steht See zumeist für Landsee, und das erwähnte gotische saiws heißt mehr Sumpf wie Meer, also eine Senkung, eine Niederung, ein tiefliegendes, überschwemmtes Gebiet, und daher ist, zumal es ein althochdeutsches Wort gisig = See, Sumpf gibt, neuerdings eine germanische Wurzel sik, die sinken bedeutet, in den Vordergrund der Betrachtung getreten, so daß also See auf irgend eine Weise den k-Laut am Ende eingebüßt hatte.
Die Entscheidung in der Frage wird erst gefallt werden können, wenn man sagen kann, was zuerst See genannt wurde: der See, oder die See. Der See steht begrifflich dem Zeitwort sinken nahe, die See dem Eigenschaftsworte saevus.
Vielleicht kann der Gedanke an Verwandtschaft mit Seele uns weiter bringen. Dem Worte Seele liegt eine Bewegungswurzel su zu Grunde, bewegen, regen, erregen, aufregen; wenn man diese auch für See annimmt, dann kommt die See und der See in einem Begriff, »bewegt« zusammen, denn bewegt sind sie beide.
*Seebeine*, die.
Wer überhaupt zum ersten Male oder nach längerem Landaufenthalt zum ersten Male wieder an Bord kommt, der muß zunächst darnach trachten, daß seine Beine sich an die Bewegungen des Schiffes gewöhnen, so daß er auch im Sturm noch einigermaßen sicher stehen und gehen kann. Wenn er soweit ist, dann hat er Seebeine. Französisch (Aubin 1702:) avoir le pié marin; man nennt den Mann der Seebeine hat auch gradezu pié marin; »On apelle ainsi un homme qui a le pié si seur et si ferme, quil peut se tenir debout pendant le roulis d'un vaisseau.« Niederländisch zee-voeten hebben, zee-schoenen hebben, zee-handen en -voeten hebben.
Doch nennt man im Französischen mit tieferer Bedeutung einen Mann pié marin. »Il se dit aussi de celui qui entend bien la navigation, et qui est fait aux fatigues de la mer. Lorsqu'un Officier a le pié marin les gens de l'équipage ont bien plus de confiance en sa conduite.«
*seefest*