Etymologisches Wörterbuch der deutschen Seemannssprache
Part 42
= Stapellauf. Diese Taufe erinnert äußerlich in zweierlei Hinsicht an das christliche Sakrament der Taufe, wie wenig sie auch sonst damit zu tun hat. Einmal ist taufen = tauchen, was früher beim Sakrament der Taufe geschah und jetzt bei der Schiffstaufe geschieht, indem das Schiff, wie es bei den dabei gehaltenen Reden zu heißen pflegt, »in sein Element hinabtaucht.« Sodann ist die Namengebung mit dem Tauchen verbunden. Frühe schon ist das altgermanisch-heidnische Namensgebungsfest mit der christlichen Taufe zu einer Feier verbunden worden. Bis zum Augenblick der Taufe wird -- wenigstens bei uns; bei anderen Nationen ist es, wie auch bei unseren Handelsschiffen, anders --der Name eines Kriegsschiffes geheim gehalten. Es ist daher für die beteiligten Kreise ein spannendes Geschäft, aus den Einladungen, aus den Zurüstungen und Vorbereitungen und zuletzt aus dem Verlauf der Taufrede den kommenden Namen zu erraten.
*schiften*
heißt irgend eine Sache von einer Seite auf die andere bringen, von einer Stelle auf die andere bewegen, ihr einen andern, neuen, besseren, unter veränderten Umständen richtigeren Platz anweisen, etwas teilen, abteilen, absondern, ordnen, anordnen, sichten, schichten. Das Wort ist niederdeutsche Form für schichten, nach dem so oft zur Anwendung gekommenen Gesetz der Lautverschiebung, nach dem Graft und Gracht, Schacht und Schaft, Kraft und kracht und viele ähnliche sich einander entsprechen.
*schlackern*
bedeutet eine Ungeschicklichkeit oder Unvorsichtigkeit beim Rudern, infolge deren das Wasser spritzt und die im Boote befindlichen Leute naß macht. Ein niederdeutsches Wort, das gebraucht wird wenn ein Kind etwas von seiner Suppe auf das Tischtuch oder die Serviette tropfen läßt; sodann auch für anhaltenden feinen Regen, für Nässen, Schmutzen, Beschmutzen. Das Wort ist Iterativum von slaggen, das wir im Hochdeutschen in der Verbindung Niederschlag und Schlagregen kennen.
*Schladding*, die.
Es gibt viele Arten, auf die das Tauwerk an Stellen, wo es dem Schamfilen ausgesetzt ist, bekleidet und geschützt wird. Eine derselben nennt man Schladding, d. h. mit Schladding bekleiden. Das niederdeutsche Wort sladde heißt Lumpen, Lappen, Fetzen, Stück altes Zeug. Eine Schladding ist also die Bekleidung eines Taues mit altem Segeltuch. Sladde ist verwandt mit unserem schlodderig, bedeutet also etwas das schlaff, nachlässig, unordentlich lumpig herunterhängend ist.
*Schlag*, der.
1. Röding: »Wenn man ein Tau um einen Gegenstand herumschlägt, zum Beispiel um ein anderes Tau, um ein Spill u. s. w., so daß es eine ganze Umwälzung um diesen Gegenstand macht und die beiden Enden kreuzweise über einander zu liegen kommen, so ist dieses ein *ganzer* oder ein runder *Schlag*; macht man diese Umwälzung noch einmal, so ist es ein *doppelter Schlag*; geht die Umwälzung aber nicht rund um, so daß sich die beiden Enden nicht berühren, so ist es nur ein *halber Schlag*.«
2. Wenn ein Schiff zu kreuzen genötigt ist und es fährt demgemäß einmal nach einer und dann nach der anderen Richtung, so nennt man jedesmal die nach einer Richtung zurückgelegte Strecke einen Schlag.
3. Der Schlag mit dem Riemen beim Rudern; er ist ein »Schlag ins Wasser«, aber ein wirkungsvoller, nicht, wie im Hochdeutschen, eine vergebliche Arbeit.
4. Wenn ein Schiff ungleich geladen ist und sich infolgedessen auf die Seite neigt, so sagt man: es hat Schlagseite.
Alle diese seemännischen Bedeutungen von Schlag gehen, wie überhaupt auch sämtliche hochdeutsche Anwendungen des Wortes, auf die ursprüngliche Bedeutung des Zeitwortes schlagen zurück, gotisch slahan: unaufgehalten eine gewisse Richtung ein*schlagen*.
*Schlappgording*, das,
gehört zu den Gordingen der unteren, großen Segel und hilft deren Tuch nahe an die Rahe bringen, wenn sie festgemacht werden sollen. Und zwar holen die Buggordinge das Unterliek des Segels nach der Mitte der Rahe, die Nockgordinge das Seitenliek steif längs der Rahe. Nachdem dieses geschehen ist hängt immer loses Tuch schlapp, d. h. ohne daß eine andere Kraft als die der eigenen darauf steht, unter den Rahearmen. So sind denn hier auch noch Gordinge angebracht, die, weil sie das schlappe Tuch an die Rahe holen, Schlappgordinge heißen.
*Schlaufe*, die,
bedeutet das was hochdeutsch eine Schleife heißt, ein Öhr, eine Öffnung, eine Schlinge. Das Wort ist nichtniederdeutsches Dialektwort und daher dem niederdeutschen Seemann wenig mundgerecht. Althochdeutsch slouf, mittelhochdeutsch sloufe (Lexer, 233) von sloufen. Im Niederdeutschen ist slöpe, slove, slöfe = geschlungener Knoten.
*Schlenge*, die,
heißt ein faschinenartiges, von Pfählen festgehaltenes Reisiggeflecht zum Schütze der Küste oder des Ufers und zur Beförderung des Landanwuchses, da die Schlengen den Schlick bei ablaufendem Wasser zurückhalten und ansammeln. Sie finden sich überall da, wo es Schutz gilt gegen das Losreißen von Land durch die Meeresfluten und wo man zugleich dem Meere Land abgewinnen will, wie das am Dollart, an der Jade und anderswo bereits mit großem Erfolg versucht worden ist. Das Wort kommt von schlingen, niederdeutsch slengen, da das Reisig durch Verschlingen und Flechten Festigkeit erhält.
*schleppen*,
kommt für sich allein und in Zusammensetzungen wie abschleppen, aufschleppen, ausschleppen, einschleppen vor und bedeutet, daß ein Schiff ein anderes fortbewegt, das sich aus eigener Kraft nicht fortbewegen kann oder mag. Das schleppende Schiff heißt, wenn es das Schleppen als Beruf betreibt, Schlepper oder Schleppdampfer, und man sagt, daß es das geschleppte Schiff im Schlepp hat. Niederdeutsch slepen, Weiterbildung von slipen, heißt gleiten machen, machen daß sich etwas gleitend bewegt. Daher heißt eine Last schleppen nicht sie auf der Schulter tragen, sondern sie auf dem Boden hinter sich herziehen (s. Schlipp).
*Schleuse*, die.
»Ein sehr nützliches Wassergebäude, vermittelst dessen sich das Wasser in dem von dieser Schleuse eingeschlossenen Raum oder in der Kammer derselben erhöhen und erniedrigen läßt.« (Roeding) Schleusen, die einen Hafen vor den Bewegungen der Ebbe und Flut verschließen, waren demnach vor 100 Jahren noch nicht üblich. Da eine Schleuse ein Verschlußding ist, so hat man zur Erklärung auf das althochdeutsche sliozan, schließen, schließen wollen; das geht aber nicht, weil sonst sich das z zu t im Niederdeutschen und Niederländischen hätte verschieben müssen, das ist aber nicht geschehen, da Schleuse hier nicht slüt und sluyt, sondern slüs und sluys heißt. Daher müssen wir im romanischen Sprachgebiet Umschau halten, wo man früh mit Erbauung von Wasserwerken begann. Schleuse kommt in der Tat von daher. Vom lateinischen excludere ist zunächst das mittellateinische exclusa, sclusa gebildet, davon das spanische esclusa und französische écluse, das sich durchs Holländische -- sluys, sprich sleus -- zum deutschen Schleuse weitergebildet hat.
*Schlick*, der,
ist der an den Nordseeküsten sich niederschlagende zarte, weiche, fette, schlüpfrige, sehr fruchtbare Meeresschlamm, die Erde aus der Kooge, Groden und Polder bestehen, aus der der Marschboden sich gebildet hat. Neuerdings bringt man von der Küste den ausgebaggerten Schlick ins Binnenland zur Verbesserung unfruchtbarer Moor- und Haidestrecken.
Das Wort müßte eigentlich Schlich oder wenigstens Schliek heißen und heißt an Ort und Stelle auch slik mit langem i, weil es von sliken, schleichen, gleiten, schlüpfen kommt; also »schlüpfrige Erde.«
»Schlickrutscher« nennt man an der Nordsee scherzweise die Küstenfahrer.
*schlieren*,
bedeutet das Rutschen einer Sache; z. B. wenn einer ein Tau fiert und er fiert es nicht Hand über Hand, sondern läßt es sich durch die Hand rutschen, was unter Umständen eine schmerzliche Verletzung derselben verursachen kann, so schliert das Tau. Oder es macht einer eine Schlinge, die sich nicht zuziehen soll und er macht sie nicht ganz richtig, daß sie sich doch gleitend zusammenzieht, so heißt es: der Knoten schliert zu. Ein niederdeutsches Zeitwort, eigentlich sliren, mit der Bedeutung gleiten, schlüpfen, rutschen; zusammengezogen aus sliddern, dem bekannten Zeitwort schliddern für schleifen, glitschen, wie es Kinder auf zugefrorener Gosse betreiben.
*schlingern*
bedeutet im Sprachgebrauche des Seemanns das Schwanken des Schiffes nach beiden Seiten hin, das Sichüberlegen bald nach Steuerbord, bald nach Backbord. Das Zeitwort ist Iterativum vom niederdeutschen slingen, und dieses bedeutet eigentlich: sich bewegen wie eine Schlange, Schlangenbewegungen machen, also das hochdeutsche »schlängeln.«
Um die keineswegs zu den Annehmlichkeiten der Seefahrt gehörigen Schlangenbewegungen eines Schiffes zu vermindern, werden in neuerer Zeit an den Schiffen besondere *Schlingerkiele* angebracht. »Sie sind stets symmetrisch auf beiden Schiffsseiten in der Kimm, d. h. an der Stelle des Schiffsbodens angebracht, welche die Abrundung zwischen dem horizontalen und vertikalen Teile bildet. Sie erstrecken sich der Länge nach etwa über die halbe Schiffslänge, und zwar in der Mitte des Schiffes, und sind an den vorderen und hinteren Enden in einer schlanken Kurve abgerundet«.
*Schlipp*, die,
ist eine Art Helling, eine geneigte Ebene am Wasser, auf die man ein ausbesserungsbedürftiges Schiff aufschleppt. Aber nicht vom Schleppen hat sie den Namen, sondern von schlippen; denn nicht daß das Schiff aufgeschleppt wird ist die Hauptsache und hat bei der Benennung den Ausschlag gegeben, sondern die bequeme Art, auf die man das ausgebesserte Schiff wieder zu Wasser bekommt, indem man es einfach schlippen läßt. Darum ist es nicht ratsam, daß man, wie neuerdings wohl geschieht, die Schlipp Schleppe nennt, denn Schleppe ist etwas das geschleppt wird; das fertig ausgebesserte Schiff wird aber nicht geschleppt, abgeschleppt wie ein auf Grund geratenes Fahrzeug, sondern man läßt es schlippen, auf der Schlipp, auf der geneigten Ebene zum Wasser hinab gleiten; grade wie man eine Ankerkette durch öffnen des *Schlippschäkels schlippen*, d. h. ins Wasser hinabgleiten läßt, wenn man keine Zeit hat den Anker zu lichten. Niederdeutsch slippen = schlüpfen, gleiten, hinabgleiten.
*Schloiknie*, das.
»Die Schloikniee dienen dazu, den Auslieger des Galjons von der Seite zu umfassen und mit dem Bug des Schiffes zu verbinden. Auf jeder Seite des Galjons liegen deren zwei; der gebogene Arm liegt mit seiner hohlen Bugt gegen den Bug des Schiffes, und zwar auf dem Bergholz, der andere Arm ist mit dem Ausleger verbolzt.« Bobrik II. 2. 2371. Das für unser Auge etwas sonderbar aussehende Schloi müßte eigentlich Sloi heißen und hat im Niederländischen, woher es stammt, die Form sluy. Unser niederdeutsches sluten = schließen heißt nämlich im Niederdeutschen sluiten, sluyten, und bedeutet ursprünglich biegen, krümmen, zusammenbiegen, vereinigen, verbinden, lateinisch claudeo. Dieser Begriff liegt ganz und voll in Schloiknie, das mit zwei Armen eine Verbindung herstellt zwischen Schiff und Gallion.
*Schlossholz*, das,
ist kein Holz, sondern ein vierkantiges Stück Eisen, das durch das Schloßgat am Fuße der Stenge durchgesteckt wird, so daß die beiden vorstehenden Enden auf die Längssaling aufzusitzen kommen und so die Last der Stenge tragen. Das Schloßholz ist also nicht nur kein Holz, es ist auch kein Schloß. Es müßte Schlußholz oder Schließholz heißen, da es den Anschluß der Stenge an den Mast bewirken hilft und niederdeutsch slotholz, niederländisch slothout, sluthout im Dänischen, sluthult im Schwedischen heißt. Im Mittelhochdeutschen heißt sloz Schlußstein eines Gewölbes.
*Schmack*, die,
ein Küstenfahrzeug mit flachem Boden, vorn und hinten voll und rund gebaut, mit einem Pfahlmast und einem Treiber. Englisch smack: »A large sloop, with a gaff-topsail and a running bowsprit, used chiefly in the coasting and fishing trade.« Französisch semaque, niederländisch smak, niederdeutsch smak und smakke. Das Wort steht für Schnack, vielleicht weil die Erinnerung an Schnack = Geschwätz vermieden werden sollte.
Im Niederdeutschen ist snake eine Art von Schlangen, die sich im Wasser, in Sümpfen und alten Gräben aufhält und herumkriecht und schleicht. Von dieser Bewegung wird das an den Küsten herumkriechende und schleichende -- vergl. »Schlickrutscher« -- glatte Fahrzeug den Namen haben. Schon im Althochdeutschen gab es einen Schiffsnamen snacga, mittelhochdeutsch snacke, und zwar war es ein »langsam fahrendes« Schiff, mit sneggo, Schnecke (s. Schnigge) verwandt, vom althochdeutschen snahan, kriechen, schleichen. Man dachte also jedenfalls an ein schwerfälliges Schiff, denn man machte auch in althochdeutschen Zeiten schon Unterschiede zwischen langsamen und schnelleren Schiffen. So bedeutete seit dem 5. Jahrhundert unserer Zeitrechnung tragamunt, tragemunt, tragmunt ein sehr schnellfahrendes Schiff, altnordisch dromundr; altfranzösisch dromon; griechisch dromon, der Läufer, (nicht zu verwechseln mit dem tragemunt, aus dem unser Dragoman (s. d.) entstanden ist).
Verwandt ist mit Schmack auch das angelsächsische snacca. Aus der französischen Form für Schmack semaque ist das italienische semacca, das spanische, portugiesische zumaca entstanden.
*Schmarting*, die,
ist eine Bekleidung einer dem Schamfilen ausgesetzten Stelle mit altem Segeltuch, also im Wesentlichen dasselbe wie Schladding, nur daß man bei beiden Wörtern von verschiedenen Gesichtspunkten ausgegangen ist; bei Schladding von der Bekleidung, bei Schmarting aber von dem Schaden, der entsteht, wenn die betreffende Stelle nicht bekleidet ist, denn dann gibt es eine Schmarting, ostfriesisch-niederländisch smarting, eine durch Reiben entzündete Stelle auf der Haut, eine schmerzhafte Verletzung; smarten heißt schmerzen, aber nicht so allgemein wie im Hochdeutschen, sondern: »durch Reiben wund werden und dann wehe tun«; daher das Wort smartfel = schampfel (s. schamfilen) für Epidermis, da diese sich durch Reiben an einem harten Gegenstand leicht »schamfilt« und dann sehr schmerzt. Solches Reiben zu verhüten, solche »Schmarting« zu verhindern, wird eine Schmarting angelegt.
*Schmeerreep*, das,
ist ein Sicherheitstau, das geschoren wird, um in Wirkung zu treten, wenn das eigentliche Tau aus irgend einem Grunde nicht halten sollte; also etwas das an sich überflüssig ist und nur der größeren Vorsicht halber, um ein Übriges zu tun, benützt wird, damit man desto besser und sicherer fahre. Es mag der Benennung der Gedanke an das Sprichwort zu Grunde liegen: »Wer gut schmeert, der gut fährt«, d. h. wer dem Kutscher kein Trinkgeld gibt, der fährt zwar auch, wer ihm aber eins verabreicht, der fährt besser, schneller, sicherer. Jemanden schmieren heißt ihn bestechen, sich seiner durch Bestechung versichern, und eine Versicherung ist das Schmeerreep, ist auch die *Schmiergording* gewesen.
Es braucht kaum ausdrücklich bemerkt zu werden, daß das Gesagte nur den Wert einer Vermutung hat und daß unser Wort noch einer wissenschaftlichen Erklärung harrt.
*Schmiege*, die,
heißt der mit einer beweglichen Zunge versehene Zollstock der Schiffszimmerleute, der dazu dient, die Schmiegung d. h. die Abweichung vom rechten Winkel zu messen, wie sie sich der Gestalt des Schiffes gemäß an den Spanten findet; ein Schrägemaß. Die Bedeutung von schmiegen ist »sich eng an etwas drücken«, wobei man sich, wenn es not tut, aus der geraden in eine geneigte Lage bewegen muß, seinen Winkel zu verändern genötigt sein kann. Hierher gehören auch schmücken, weil das schmückende Kleid sich anschmiegt und *schmuggeln*, weil der Schmuggler ein sehr anschmiegendes Wesen haben muß, um hinter einem Baum oder Busch Deckung suchen zu können.
*Schnabel*, der,
meist in der Verbindung Schiffsschnabel, ist der vorderste Teil des Schiffes, wie Schnabel der vorderste Teil des Vogels ist. Schon bei den Alten hatte der Bug eine rostrumartige, geschnäbelte Gestalt, wie die columna rostrata hinlänglich beweist. Aus rostrum ist spanisch und portugiesisch rostro = Angesicht entstanden, wie es auch schon im Lateinischen bei Plautus und anderen Schriftstellern gebraucht worden war, als zwar volkstümliche, aber nicht unedle Bezeichnung. Bei uns wird Schnabel für Mund gebraucht, aber nur in verächtlichem Sinne. Der Seemann sagt von seinem Schiff lieber: »es steckt die Nase in den Wind« als: »es steckt den Schnabel in den Wind«.
Das Wort gehört zu der in schnappen enthaltenen Wurzel snab.
*Schnau*, die,
ein Schiff wie eine Brigg, also zweimastig, mit Rahesegeln, aber mit der besonderen Eigentümlichkeit, daß für den Besan ein besonderer Mast errichtet ist, und zwar ganz dicht hinter dem Großmast, so nahe, daß sein oberes Ende zwischen der Längssaling dieses Mastes befestigt ist. Diese Einrichtung ist geblieben, auch nachdem die Schnau selbst verschwunden ist: man hat heute noch neben den Masten *Schnaumasten* stehen für die Schratsegel und den Besan.
Schnau kommt vom niederdeutschen snau der Schnabel, eigentlich die Schnauze; ursprünglich hat also nicht dieser eigentümliche Mast, sondern der besonders auffallend oder hervorragende Schnabel den Namen hergegeben, das rostrum. Niederländisch snauw, dänisch snau, schwedisch snau, englisch snow, französisch senau, italienisch senau, portugiesisch senau. Das Bremer Wörterbuch sagt: snau = Schnauze, das hervorstehende Maul mit der Nase bei einigen Tieren. Im uneigentlichen Sinne wird es von einigen leblosen Dingen, deren vorderstes Ende hervorragt oder schmal und scharf zugeht, gebraucht, z. B. Schiffe sind *up de snau* gebaut, wenn sie vorne spitz zulaufen.« So hat ja auch im Hochdeutschen eine Kanne eine »Schnauze.«
*Schnicke*, die,
war zu Rödings Zeiten (1794) ein kurzes, rundes, bloß in der Nordsee gebräuchliches Fahrzeug zum Fisch- und Austernfang, kleiner als die Schmack; jetzt (Doornkaat) ein leichtes, langes und spitz zulaufendes Fährboot für Binnenkanäle. Zur mittelniederdeutschen Zeit war es ein Beiboot einer Kogge. In einer Lübischen Urkunde von 1368 heißt es: de stede schollen othmaken teyn cogghen ghemannet mit ghuden wepenern, dat is tho vorstande hunderd wapende man in enen giwelken kogghen onde tho giwelken koggen schollen wesen een schute onde een snykke.« Es ist eigentlich dasselbe wie Schmack, jedenfalls gleichen Ursprungs mit diesem vom althochdeutschen snahan, kriechen, gleiten, schlüpfen, schleichen; es bedeutet also jedenfalls keinen besonderen Schnellsegler. Niederländisch snick, altnordisch, norwegisch snekkja, dänisch snekke, snakke, althochdeutsch snacga.
*Schnürboden*, der.
Wenn die Pläne und Zeichnungen eines Schiffes fertig sind und es geht nun an die Ausführung, so ist die erste Arbeit das Abschnüren des Schiffes. »Es ist dies eine Arbeit, welche das Aufzeichnen der Konstruktionslinien des Schiffes in natürlicher Größe auf dem Fußboden eines besonders hierfür gebauten Raumes, des sogenannten Schnürbodens, ausmacht.« Das Aufzeichnen geschieht nach den betreffenden Maßen der Pläne mittelst der Meßschnur.
*Schoner*, auch *Schuner*, der.
Das Kennzeichnende dieses seetüchtigen, gutsegelnden, leicht zu bedienenden schmucken Segelschiffes ist die ausgiebige Verwendung von Schratsegeln. Wenn man von einer Schuner-Takelage spricht, so sind stets Schratsegel gemeint im Gegensatz zu Rahesegeln. So sagt man z. B. Schunerbrigg zu einem Fahrzeug, das vorne Rahen, hinten Schunertakelage hat. Niederländisch schoener, schwedisch, dänisch skooner, französisch schouner, italienisch, spanisch, portugiesisch scuna, englisch schooner, scooner. Das Wort soll amerikanischen, neuenglischen -- im geographischen Sinne -- Ursprunges sein. »It seems to have been proved beyond controvercy that the name, like the vessel itself, is of American origin, being from a New England word *scoon*, to skim or skip upon the water, to make ducks and drakes. The first vessel of the kind is said to have been built at Gloucester, Mass »by Captain Andrew Robinson about 1713; and the name was given to it from the following circumstance. Captain R. hat constructed a vessel, which he masted and rigged in the manner that schooners now are, and on her going off the Stocks into the water a bystander cried out; »O how she scoons!« R. instantly replied: »A scooner let her be;« and from that time this class of vessels has gone by that name.« Also von der leichten, schwebenden Bewegung ist der Name genommen.
*Schönfahrsegel*, das,
verkürzt *Schoversegel* (bei Röding). Man sollte denken, das wäre die richtige Bezeichnung für Leesegel, weil diese nur bei schönem Wetter gefahren werden. Das ist aber nicht der Fall, sondern das Großsegel heißt so. Offenbar darum, weil es das hauptsächlichste Segel ist, das dem Winde die meiste Fläche darbietet, das also die schönste d. h. schnellste Fahrt verursacht. Auch war es das Segel, das am längsten stehen blieb, wenn andere bereits geborgen waren, das Segel, vor dem sichs am schönsten beiliegen ließ. Der Verfasser der »Beschriving von der Kunst der Seefahrt,« Lübeck 1673, schreibt: »Wie ich Anno 1647 in des Hertzogen von Venetien Diensten war, kamen auff uns zu, zwischen Candia und Malta in der Morgenstund der Admiral von Tripoli, gemondiert mit 36 Stücken und 16 Metanen Bassen: wir fochten mit ihnen von dem Morgen biß an den Abend ungefehr zu 6 Uhren. Es war ein hartes Gefecht, so, daß wir unterweilen ein dem andern eine geraume Zeit an Bort lagen, biß endlich unser Schiff durch 55 Fatiens, oder fünff und fünfftzig hundert Pundt Pulver, mit allen die darinnen wahren auffflohe und das Unterteil ging alsofort zu Grunde. Ich aber war zu meinem Glück gerade zuvor über Bort gesprungen, weil ich sahe, daß ich nicht länger Zeit hatte da zu bleiben, daß Wasser ging aber ziemlich holl, weil wir die vorige Nacht vor ein Schonvorsegel hätten beygelegen, welches auch beyde Schiffe ins bordiren so an einander rammeln thäte, daß man kaum das stehend darin behalten konte.«
*Schore*, die,
oft auch pleonastisch Schorbaum, ist ein als Stütze dienender Balken; so heißen z. B. die Bäume, mit denen man ein aufgeschlepptes oder im Dock befindliches Schiff stützt, Schoren. Niederländisch schoor, altenglisch schore, englisch schore. Es bedeutet ein geschnittenes, gespaltetes Stück Holz und ist mit scheren gleicher Herkunft von skeren (Präter. schor), aus der Wurzel skar, schneiden, spalten.
*Schot*, die,
das Tau, welches die untere Ecke eines Rahesegels nach unten und hinten, die hintere Ecke eines Gaffelsegels oder eines Stagsegels nach hinten holt. Eigentlich heißt aber die Ecke Schot, an der dieses Tau befestigt ist. Der größeren Deutlichkeit wegen, heißt diese Ecke jetzt tautologisch Schothorn oder Schothörn; Schot allein würde aber völlig genügen, wenn eben nicht der Name des Segelteiles auf das daran sitzende Tau übergesprungen wäre. Denn Schot heißt Schooß = Zipfel, Ecke, herunterhängender Teil eines Kleides, Rockschooß. Also: Ecke des Segels. Von Schot kommt altfranzösisch escota, französisch écoute, spanisch, portugiesisch escota, italienisch scotta, von sciozan, schiezan, sciezen, schissen; mit der Urbedeutung des Vorschießens, des Vorspringens. Angelsächsisch sceat, vorspringende Ecke; gotisch skauts, Schooß; mittelhochdeutsch schoz. Der Teuthonista kannte das Wort noch nicht, sonst hätte er nicht eine so umständliche Umschreibung desselben gegeben. Bei Kilian ist es aber deutlich als seemännisch zu erkennen; er hat schoot = gremium, sinus und schoot-horn: pes veli, extremum velis angulus; schoot viere = laxare funem sive imum angulum velis navis.
Die Schot wird im Einzelnen nach ihrem Segel benannt; *Wasserschoten* sind die dem Wasser sehr nahen, manchmal sogar naß werdenden Schoten der Unterleesegel. Die Ausdrücke Binnenschot und Außenschot erklären sich von selbst.
*Schott*, das.