Etymologisches Wörterbuch der deutschen Seemannssprache

Part 41

Chapter 413,524 wordsPublic domain

Als im Verlaufe des 19. Jahrhunderts die Hängematten auf der Reling in den Finknetzkästen ihren dauernden Platz erhielten, da trat an die Stelle des Schanzkleides das wasserdichte Hängemattskleid. Aber an den Marsen sind Schanzkleider geblieben und an der Kommandobrücke sind sie zum Schutz gegen Regen und Wind neu hinzugekommen; jedoch ohne jeglichen Prunk, während mit den früheren Schanzkleidern großer Luxus in Bezug auf Farbenpracht und Verzierung getrieben wurde. Die englischen Kriegsschiffe hatten Schanzkleider mit weißer oder gelber Borde besetzt. In Frankreich hießen sie pavois. Aubin (1702): »Par une Ordonnance de 1670 le Roi de France a voulu qu'a l'avenir les pavois soient de couleur bleue semée de fleurs de lis jaunes, et qu'ils soient bordez de deux grandes bandes blanches.« Man nannte sie auch bastingures. »On met aussi des bastingures aux hunes. Celles des Hollandois sont rouges; ils les font presque toujours de baiette ou de drap, mais en ce cas on les double et on le garnit de telle, sorte entre les deux étofes, que les balles des mousquetes ne les peuvent percer.«

*Schärpe*, die.

Zwar kein seemännisches Wort, aber doch zum dienstlichen Anzug der Seeoffiziere gehörig, verdient es hier seine Stelle zu finden. In früheren Jahren gingen die Armen nicht mit einem Sack, sondern mit einem Topfe betteln. Der Topf hieß Scherbe. Wir sind heutzutage gewohnt, bei diesem Worte an etwas Zerbrochenes zu denken. Das mag daher kommen, daß man, namentlich auf dem Lande, nur zerbrochene Töpfe als »Blumenscherben« vor die Fenster stellt, weil den Leuten ganze Töpfe zu schade sind. Aber ursprünglich lag der Begriff des Zerbrochenen keineswegs in Scherbe. Wenn das Gefäß, in dem sich die Bettler das übriggebliebene Essen aus den Häusern zusammenholten, auch kein sehr elegantes war, heil mußte es doch sein, schon darum weil das Essen meist aus Suppe, Brei, Grütze etc. bestand. Wer sich die Sache recht deutlich vorstellen will der gehe um die Mittagszeit längsseits eines in Dienst gestellten, an der Kaimauer liegenden Schiffes, da kommen die sonderbarsten Betteltöpfe zum Vorschein, sogar alte Präservenbüchsen, für gewöhnlich nur von den Malern gebraucht, werden von armen Leuten herbeigeschleppt um das übriggebliebene Essen in Empfang zu nehmen.

Da nun die Bettler mit ihrer Scherbe in alten Zeiten von Haus zu Haus, von Dorf zu Dorf zogen, so konnten oder mochten sie sie nicht immer in der Hand tragen, befestigten vielmehr ein Band daran und trugen sie über die Schulter gehängt. Bald hieß dieses ebenso wie der Topf, der daran hing: Scherbe. Und aus diesem Bande ist unsere Schärpe geworden. Sie diente schon im 13. Jahrhundert als Abzeichen der Ritter, war aber natürlich breiter und feiner als das Band, das sich die Bettler hatten leisten können. Sie ward entweder von der rechten Schulter nach der linken Hüfte getragen und ist in dieser Gestalt das Vorbild für die breiten Ordensbänder geworden und für die Bänder und Schärpen der studentischen Verbindungen, oder um den Leib gebunden. Die Damen schmückten die Schärpen ihrer Ritter mit feinen Stickereien, banden sich auch bald selbst wohl breite farbige Seidenbänder um die Taille, dem Obi ähnlich, den die japanischen Frauen tragen. Während so auf der einen Seite das alte Ehrenzeichen zum Putzstück herabsank, stieg es andererseits zum Feldzeichen, zum Kommandozeichen eines Heerführers empor, um so als Dienstabzeichen der Offiziere bei uns in Geltung zu kommen. Die beiden Arten, auf welche heutzutage bei der deutschen Kriegsmacht zu Lande und zu Wasser die Schärpe getragen wird, waren im dreißigjährigen Kriege nebeneinander üblich.

*Schau*, das,

kommt nur in der einen Verbindung vor: »Flagge in Schau«, »die Flagge im Schau wehen lassen,« d. h. sie zusammengeknotet oder -gewickelt hissen. Röding: »Es ist dies ein unter allen Nationen gebräuchliches Signal, jemand an Bord zu rufen. Auf einer Reede weht die Flagge im Schau, wenn die am Ufer befindlichen Schlupen an Bord kommen sollen, und man unter Segel gehen will. Auf der See um andern Schiffen zu erkennen zu geben, daß man ihrer Hilfe bedarf und in Not ist. Bei Gewahrwerdung des Landes, um einen Lootsen an Bord zu rufen.«

Jetzt hißt man im ersten Falle den blauen Peter, bezw. das betreffende Bootssignal; im zweiten Falle hißt man als Notsignal die Flagge verkehrt, das Oberste zu unterst; im dritten wird die Lootsenflagge gezeigt.

Man könnte Schau für eines Stammes mit Schauer und Scheuer halten, aus der Wurzel sku, decken, verbergen, weil die Flagge im Schau gleichsam halb verdeckt und verborgen, nämlich so gehißt wird, daß man ihre nähere Beschaffenheit nicht deutlich erkennen kann, doch erregt hiergegen der Umstand Bedenken, daß die ersten derartigen Signale keine Flaggen, sondern sonst irgend ein hißbarer Gegenstand waren, ein Jacke, eine Hose, ein Hemd, wie z. B., nach Ehrentraut, Fries. Archiv, es früher Sitte war, daß ein Wangerooger Schiff, wenn es von der Reise heimgekehrt war, vor der Insel zu Anker ging und ein solches Kleidungsstück halbmast wehen ließ zum Zeichen, daß man ihm vom Lande her ein Boot schicken sollte. So ist es also doch richtiger, anzunehmen, daß wir in Schau das Schau von Brautschau, Deichschau, Heerschau vor uns haben und daß es mit dem schauen in warschauen (s. d.) verwandt ist.

Etwas Ähnliches und doch ganz Anderes geschieht, wenn man die Flagge aufgetucht, also so wie sie zusammengelegt aus dem Schrank kommt, aufhißt. Das tut man, damit sie mit einem Ruck rasch an ihrer richtigen Stelle zum Auswehen gebracht werden kann.

Nach Richthofen wurde im alten Ostfriesland ein Schau als Notzeichen auch am Lande gehißt. »Offtet also voelle op ene tyt, datter eyn rechter worde doet geslagen in den warve, soe sal de meente dat schow op theen ende de clocken an kleppen«. »So soelen se rechtevort en schw dat is een noetteken op setten«.

Deutlich erhellt der Begriff eines seemännischen Schaus aus der »Beschriving van der Kunst der Seefahrt«, 1673: »Wir sahen auch (von einem in schwerem Novembersturm in der Nordsee havarierten Schiffe aus) ein Schiff zu Loffwart von uns; ließen derowegen ein Schau oder Zeichen weyhen, daß wir verlegen waren, also kam er nach uns zu, ich fragte dem Schiffer wohin er sein Will hätte? Er sagte, nach den Flie, ich bat ihn daß er mir helfen möchte, so wolte ich ihm eine Linie zu werffen, damit er ein Kabeltau zu sich holen konte, auff daß er unser Schiff dabey nach dem Flie schleppen möchte; den wir müsten da auch seyn: Er aber gab zur Antwort: es wäre spät im Jahr, auch grauete ihn daß bald Eyß kommen möchte: derowegen must er sein bestes tun daß er zu Hause komme; Es würde auch sein Volck damit nicht friedlich seyn: weil sie schon eine lange Reise gehabt, ich sagte wieder: ich wolte seinem Volcke eine halbe Ostersche Heur geben: oder was gute Männer erkennen könten, er aber antwortete nichts mehr und ging durch.

Wir aber sahen ihn betrübet nach, was thäte aber Gott, weil wir in keiner geringen Noth und Gefahr wahren, schaffte Gotte der Herr daß uns Wetter und Wind zur Stund dienen muste, so, daß wir am andern Tage des Morgens vor dem Flie kamen, da alle Menschen Hülffe verschwunden, allein durch die Hülffe Gottes.

Wie uns nun die Loetzen allda gewahr wurden, kam uns eine Galliot an Bord, die gab uns ein Lotes über, und wir langeten ihm ein Kabeltau, daß er uns schleppen konnte; also hülffen sie uns, weil es eben Fluht war, biß an die vierte Tonn, des andern Tages kamen wir ins Flie; des dritten Tages aber kam das vorbemeldte Schiff, welches uns in der Noht hatte verlassen« ...

*Schauer*, der,

ein plötzlich hereinbrechender aber auch bald wieder vorüberziehender Regen oder Hagel. Der Name kommt daher, daß durch einen solchen der Himmel bedeckt und verhüllt und verdunkelt wird, also von derselben Wurzel sku, von der auch das lateinische obscurus stammt. Niederdeutsch schuur, niederländisch schoer, angelsächsisch scur, altsächsisch skur, althochdeutsch scur, mittelhochdeutsch schur, schuwer, gothisch skura.

*Schauerknoten*, der,

ist ein Knoten am Ende eines Taues der dasselbe so verdickt, daß es hinter einem Loche seines eigenen Umfanges festsitzt, daß es am Durchrutschen durch das Loch verhindert wird. Das Wort ist eine Abkürzung; es müßte eigentlich heißen und hieß sonst auch allgemein Schauermannsknoten, was man auch jetzt noch hören kann. Offenbar weil die Schauerleute Taue mit solchen Knoten (und einem Haken) zum Ziehen und Schleppen der Warenballen zu benutzen pflegen.

*Schauermann*, der,

Mehrzahl: die Schauerleute, ist ein beim Löschen und Laden beschäftigter Mann, der zwar mit dem Schiff und seinen Räumen bekannt sein muß, im Übrigen aber kein Seemann ist oder zu sein braucht. In Groningen werden so genannt »personen die hun brood verdienen met schepen langs het Reitdiep te trekken«. Der in der Stadt Norden wohnhaft gewesene Doornkaat bemerkt zu dem Worte sjauerman: »ein früher vom hiesigen Magistrat angestellter Hafenarbeiter, der die Schiffe aus- und beladen mußte und die Waren aufs Lager zu bringen hatte und zwar gegen eine feste Vergütung, wie sie in der hiesigen Sjauermans-Ordnung bestimmt war.« Niederländisch hießen dergleichen arbeiders (Aubin 1702) siuuwers, chiuwers, tsiuuwers. Weiland: »sjouw een last die zwaar valt om te dragen«, die man darum ziehen, schleppen muß. Man kann das Wort also füglich mit Lastträger oder vielmehr Lastzieher wiedergeben, denn sjauen ist die niederländisch-ostfriesische Form für das althochdeutsche zawjan, mittelhochdeutsch zouwen, aus dem gothischen taujau, aus einer Wurzel tu, du, die eine Bewegung andeutet. Es ist also anzunehmen daß die Form tsjauen aus tauen verschoben ist. Das Niederdeutsche macht sonst freilich die Verschiebung des gothischen t zu ts, z, für gewöhnlich nicht mit und hat demgemäß auch das Zeitwort tauen, englisch tow, beibehalten, es mag aber tsauen als oberdeutsches Lehnwort ins Niederländische gekommen sein, dann ist auf seinem weiteren Wege ins Niederdeutsche das ts zu sch geworden. Also tauermann -- tsauerman --Schauermann: ein Mann der Lasten taut d. h. zieht, schleppt, an einem Tau vorwärts bewegt.

*Schebecke*, die,

»a small three-masted vessel formerly much used by the Algerine corsairs, and now used to a small extent in Mediterranean commerce. It differs from the felucca chiefly in having several square sails, as well as latin sails, while the latter has only lateen sails«. Bei uns gebraucht man die Bezeichnung Schebecken-Takelage eben wegen der lateinischen Segel. Französisch chebec, englisch xebec, spanisch xabeque, italienisch sciabecco, zambecco, vom türkischen sumbeki, arabisch sumbuk, kleines Schiff.

*scheitern*

= Schiffbruch erleiden, bekanntlich auch im übertragenen Sinne von Nichtseeleuten oft gebraucht: gescheiterte Hoffnung, gescheiterte Existenz u. s. w. Das Zeitwort ist von Scheit gebildet. Der Gedanke liegt zu Grunde, daß bei einem wirklichen Schiffbruch das Schiff zu lauter Holzscheiten zerschlagen wird. Wie man auch seemännisch zu sagen pflegt: »es gibt klein Holz«, wenn etwas entzwei geht. Die Grundbedeutung von Scheit liegt in der indogermanischen Wurzel skhait, und kommt auf »scheiden«, spalten, hinaus.

Das Wort ist kaum seemännisch zu nennen, da unsere niederdeutsche Seeleute sich ziemlich ablehnend dagegen verhalten. Der Grund ist klar: es müßte eigentlich in ihrem Mund schitern heißen und das käme doch allzu nah an schiten, das ja auch mit scheitern gleicher Abstammung ist. Weil aber im Hochdeutschen das t in dem Zeitwort für stercorisare sich zu s verschoben hat konnte man da ungehindert schiten für spalten sagen und schit für ein abgespaltenes Stück Holz; und man sagte im Mittelhochdeutschen auch so. Im Neuhochdeutschen diphthongierte sich das i zu ei, aber trotzdem hat sich der Seemann das Wort kaum angeeignet.

*scheren.*

1. teilen, abteilen; daher bescheeren, jedem sein Teil geben.

2. eine Leine scheren, dadurch einen Raum von einem andern abteilen; kann auch durch eine Bretterwand geschehen.

3. ausscheren, sich von der bisherigen Richtung scheiden, trennen von einem Schiffe, von den unteren Wolken.

4. schneiden (mit der Schere); die Haare scheren, Tuch scheren.

5. mähen, Gras scheren, Rasen scheren.

6. sich bekümmern um, sich Mühe machen um -- »Was schert mich Weib, was schert mich Kind« ...

7. gehen, eilen, laufen, sich eilig entfernen, sich plötzlich von einer Gesellschaft trennen: »scheren Sie sich zum T...!«

8. in einer Weberei Garn scheren.

Nur die drei ersten Bedeutungen sind in der Seemannssprache gängig; und zwar ist 2. dahin erweitert, daß »ein Tau scheren« nicht nur gebraucht wird wenn dadurch ein Raum abgeschoren werden soll, sondern ganz allgemein, z. B. Wäschejollen scheren, wobei allerdings zu bedenken ist, daß durch jedes Scheren eines Taues schließlich der Raum in zwei Teile geschieden wird. Die Grundbedeutung ist »abscheiden«. Althochdeutsch sceran, mittelhochdeutsch schern; altnordisch skera, angelsächsisch sceran, im Altfriesischen, wo das Wort eine zahlreiche Verwandtschaft hat, skera.

Die nordischen Scheren bedeuten geteilte, von einander schroff »geschiedene« Felsen, vergl. norwegisch skjera, schwedisch skära, dänisch skjäre.

*Schiemann*, der.

»Der auf den Bootsmann folgende Unteroffizier, dem die Takelage des Fockmastes angeht, so wie dem Bootsmann die Takelage des großen Mastes und dem Bootsmannsmaat diejenige des Besahnmastes.« Kilian: »schim-man (schieman) proreta, qui in prora tutelae navis presidet.« »Vocatur ille in navibus cujus est omnium vasorum et instrumentorum curam habere«. Brem. Mscr. »Und dese jegenwardige beide menne mit ohm (dem Capitain) gesegelt dar dann Gerth Spanman thom ersten schymman, auerst darnach houetbossman gewesen«, Brem. Urk. v. 1580. Nach einer Wismarer Urkunde von 1580 unterschied man: A. hovetbossmann, B. schymman, C. tymmerman, D. E. F. bosmans, G. puitker auf einem Schiffe; letzterer war der Geringste (s. Pütker). Dem deutschen Schiemann entspricht das dänische Skibmand und das schwedische Skipman, und das legt die Annahme nahe, daß Schiemann eigentlich Schipmann (entsprechend den Bootsmann) geheißen habe und daß das p vor m ausgefallen sei, beziehungsweise sich zu m assimiliert habe. Die Frage würde uns nichts weiter angehen, da die Tage des Schiemanns vorüber sind, und mit dem Amt wäre auch der Name ausgestorben, wenn nicht das Wort *Schiemannsgarn* ihn gerettet hätte, die Bezeichnung eines schönen, glatten, sauber geschlagenen zu den verschiedensten Zwecken verwendbaren dicken Bindfadens. Nach Weiland hätte der schimman davon den Namen, »om dat hy is de schim en schaduw van den hoogbootsman« (!)

*Schiff*, das,

hat vom Einbaum bis zum Linienschiff so viele Wandlungen durchgemacht, daß es vermessen wäre, mit wenigen Worten sagen zu wollen, was ein Schiff sei. Wir fragen daher nur nach der Herkunft des Namens »Schiff«. Es ist behauptet worden, es läge ihm ein vorauszusetzendes gotisches Zeitwort skipan zu Grunde, etwa mit der Bedeutung, »hohl machen«. Es ist auch nicht zu leugnen, daß das Wort den Eindruck macht, als habe in frühesten, indogermanischen Zeiten die Stammsilbe den Vokal i getragen. Indessen verschieben sich Vokale leicht, und gerade Schiff hat einen reichen Wechsel zwischen a, e, i und sogar io aufzuweisen. Da ist 1, das hochdeutsche Schiff, 2, das niederländische scheep, 3, das altfriesische skapp, 4, das gädhelische sgiob. Zu 1, gehört mittelhochdeutsch schif, althochdeutsch scif, gothisch und altnordisch skip, angelsächsisch scip, englisch ship, altsächsisch skip, neuniederländisch in der Einzahl schip, dänisch skib, französisch esquif (Boot). Zu 2, die neuniederländische Mehrzahl von schip, schepen, mittel- und altniederländisch scheep, mittelniederdeutsch schep, schepen, scheper, althochdeutsch scef, scefsaufi, scefsaufig-schiffbrüchig, lettisch skepe. Zu 3, bretonisch skaf, gädhelisch scafa, griechisch skafos. Wenn wir nun in so verschiedenen Sprachen in dem Worte das wir Schiff nennen anstatt des i oder des e den Vokal a finden, so kann es nicht allzu kühn sein, auf eine vorgermanische Wurzel skap und auf das althochdeutsche skapjan als Ursprung zu schließen. Dieses letztere Zeitwort skapjan heißt schaffen. Allerdings nicht in dem Sinne des biblischen Schöpfungsberichtes: »etwas aus nichts ins Dasein rufen«, sondern gemäß dem altgermanisch-heidnischen Schöpfungsgedanken: »aus rohem Stoffe etwas zu einer Gestalt herausbilden«. Und zwar geschah solches Herausbilden aus dem Urstoff nach germanischer Vorstellung durch »schaben«. (s. schaffen = essen). Holz war der Stoff an den man dachte. Skapjan heißt, mit irgend einem Werkzeug in Holz arbeiten und aus Holz etwas herstellen, »schaffen«; heißt durch Ausstechen, Ausgraben, Aushöhlen, Schnitzen, Schneiden, Glätten, Hobeln, Schaben einen Baumstamm zu einem Boot gestalten und umschaffen. Das war zunächst nur ein Einbaum, aber so fing eben der Schiffbau an. Und eben darum findet man bei den alten Deutschen so häufig eine Zusammenstellung von Schiffen und Leichen und eine gewisse Gleichstellung von Schiff und Sarg, weil das Schiff sowohl wie der Sarg ein Einbaum war. So einfach die Sache ursprünglich war, so einfach, aber naheliegend war das Wort dafür aus der Tätigkeit bei der Herstellung der Sache zu finden. Eine zwar ebenso einfache, aber doch lange nicht so geistreiche Bezeichnung von Schiff ist vaisseau, provençalisch vaissel, englisch vessel, italienisch vascello vom lateinischen vas, vasculum = Gefäß. Das »Bremer Wörterbuch« glaubt die Sache damit abgetan zu haben, daß es schrieb, Schiff komme von schieben, »weil die ersten Schiffe, deren sich eine Nation bedient hat, ohne Zweifel kleine Schiffe waren, welche mit Stangen fortgeschoben wurden«. Diese Erklärung ist um weniges besser als die scherzhafte, die vom schiefen Bau redet.

Die Ausrüstung etc. etc. eines Schiffes hieß mittelniederdeutsch eskipasje; daraus ist das französische Wort equipage geworden.

Hier eine kurze Übersicht über die Benennung der Schiffe wie sie gegenwärtig üblich ist. Bei den Segelschiffen wird die Unterscheidung nach der Art der Takelage getroffen. Ein *Vollschiff* hat drei vollgetakelte d. h. mit Rahen versehene Masten; eine *Bark*, die besonders stark vertretene Art von Segelschiffen für große Fahrt, hat Groß- und Fockmast mit Rahen, den Besanmast aber mit Schratsegeln, eine *Schunerbark* hat Masten wie eine Bark, aber an Groß- und Fockmast keine unteren Rahesegel sondern Gaffelsegel, eine *Brigg* hat Groß- und Fockmast, vollgetakelt und am ersteren noch einen Besan, der aber Briggsegel heißt; eine *Polackerbrigg*, s. d., eine *Schunerbrigg* oder *Brigantine* ist wie die Schunerbark getakelt, doch ohne Besanmast, ein *Dreimast-Marssegel-Schuner* hat den Fockmast vollgetakelt und der Großmast ist gleich dem Besanmast, ein *Dreimast-Gaffel-Schuner* hat drei Besanmasten, die aber Schunermasten genannt werden; ein *Dreimast-Topsegel-Schuner* ist gleich dem Dreimast-Gaffel-Schuner, nur daß sein Fockmast Mars- und Bramrahen führt; ein *Marssegel-Schuner* hat den Fockmast vollgetakelt und einen Schunermast; ein *Topsegel-Schuner* hat zwei Schunermasten, von denen jedoch der Fockmast Mars- und Bramrahen führt; ein *Gaffel-Schuner* hat zwei einfache Schunermasten mit Gaffelsegel und Gaffeltopsegel und ist der eigentliche, richtige, weitverbreitete, leicht zu handhabende Schuner, wie er mit wenig Bemannung die weitesten Fahrten unternimmt. Die Engländer nennen ihn fore and aftschuner, weil beide Masten gleich getakelt sind, und so kann man ihn auch bei uns nennen hören; ein *Chasse-Marée* s. d.; ein *Lugger* s. d.; ein *Kutter* s. d.; ein *Slup* s. *Schaluppe*.

Außerdem gibt es *Viermastschiffe*, und zwar Viermast-Vollschiffe mit Fockmast, Großmast, Kreuzmast, Jiggermast, von jigger, »a small square sail on a mast and boom at the stern of a boat,« man würde also Treibermast sagen können; *Viermastbarkschiffe* mit Fockmast, Großmast, Kreuzmast und Besanmast; und *Viermastschuner*, ebenfalls mit Fockmast, Großmast, Kreuzmast und Besanmast. Und sogar zu *Fünfmastschiffen* hat man sich verstiegen, nämlich zu *Fünfmastvollschiffen*, *Fünfmastbarkschiffen*, *Fünfmastschunern*; als Namen für die Masten der ersteren sind in Vorschlag gebracht Fockmast, Großmast, Kreuzmast, Jiggermast, Achterkreuzmast; für die beiden letzteren Fockmast, Großmast, Kreuzmast, Jiggermast, Besanmast.

Die *Kriegsschiffe* werden bei uns zur Zeit eingeteilt in Linienschiffe, Küstenpanzerschiffe, Große Kreuzer, Kleine Kreuzer, Panzerkanonenboote, Schulschiffe, Spezialschiffe, Torpedofahrzeuge.

Über die Benennung der Schiffe nach der Anordnung ihrer Decks s. Deck.

*Schiffsbesichtigungskommission*, die,

eine Kommission bei der Kaiserlichen Marine, bestehend aus einem Seeoffizier und den nötigen technischen Mitgliedern, deren Aufgabe es ist, Handelsdampfer auf ihre Brauchbarkeit als Kriegschiffe zu besichtigen und sich über ihre Verwendbarkeit im Falle einer Mobilmachung etc. auf dem Laufenden zu erhalten. Schon vor 600 Jahren wußte man von einer, allerdings nur nach Bedarf im einzelnen Falle zusammentretenden Schiffsbesichtigungskommission. Im Jahre 1293 erteilte König Philipp der Schöne von Frankreich als Lehnsherr über Flandern »den Bürgern und Einwohnern von Lübeck, Gothland, Riga, Campen, Hamburg, Wismar, Rostock, Stralsund und Elbingen und einigen anderen das deutsche Meer befahrenden Kaufleuten, bey ihrer Fahrt auf Flandern oder von da zurück, es sey zu Wasser oder zu Land, in allen Teilen seines Reichs freyen Handel gegen Erledigung der üblichen Abgaben. Jedoch sollten sie nirgends nach Frankreich Wolle, Leder oder andere Waren aus England, Schottland oder Irland oder aus Landesteilen, die der Herrschaft der Engländer unterworfen sind, einführen, noch selbst auf dem Meere verschiffen, bei Verfall des Gutes und anderen Strafen nach des Königs Gutdünken. Ebenso sollten sie keine Güter aus Frankreich nach England führen und daselbst verkaufen, bei gleicher Strafe. *Auch behält sich der König vor, ihre Schiffe, die er zum Kriegführen bedürfe, ihnen abzumieten oder abzukaufen, nach der Schätzung von vier unbescholtenen Männern, zur Hälfte aus ihrer, zur andern aus des Königs Untertanen genommen.*« (Sartorius. -- Lappenberg, Hansa, I 272.)

*Schiffsregister*, das.

»Um nun jederzeit den an den Schiffahrtsverhältnissen beteiligten Kreisen Gelegenheit zu geben, sich über den Zustand irgend eines Schiffes ausreichend zu unterrichten, werden von den Besichtigungsinstituten Register, d. h. Schiffslisten, herausgegeben. Diese enthalten außer dem Namen und dem Unterscheidungssignal der bei dem bezüglichen Besichtigungsinstitut klassifizierten Schiffe die Hauptdimensionen derselben, die Klassenzeichen (s. A), das Datum der letzten Besichtigung und die Angabe des Materials, aus welchem sie erbaut sind, u. dergl. m.« Besonders enthalten sie auch die Klassifizierung nach Art der Fahrten. Dabei bedeutet

k Kleine Küstenfahrt, die Fahrt längs den Küsten des Festlandes und den Inseln der Nordsee vom Kap Gris Nez bis zum Aggerkanal, im Kattegat südlich von Friedrichshaven und Gothenburg, in den Belten und im Sund, sowie längs der Küste der Ostsee.

K Große Küstenfahrt, die Fahrt in der Ostsee, in der Nordsee, im Englischen Kanal, im Mittelländischen und Schwarzen Meer, sowie in überseeischen Gewässern ähnlicher Art.

Atl. Atlantische Fahrt, die Fahrt innerhalb des Atlantischen Ozeans, sowie Zwischenfahrten in indischen und chinesischen Gewässern und im Stillen Ozean.

L. Große Fahrt, die für die vorhergehenden Fahrten festgesetzten Grenzen überschreitende Fahrt.

Schiffe, deren Bug mit besonderen Verstärkungen für die Fahrt durch Eis versehen ist, erhalten außer dem Fahrzeichen noch die Bezeichnung: (E).

*Schiffstaufe*, die