Etymologisches Wörterbuch der deutschen Seemannssprache

Part 40

Chapter 403,406 wordsPublic domain

Indessen hatten Ruder und Remen in *einer* Wiege gelegen, indem beide von einer indogermanischen Bewegungswurzel abstammen, die in der Form ra, re, er, ar, ro vorkommt und jede Art von Fortbewegung bedeuten kann: stoßen, treiben, schieben, ziehen, rücken. Eine Zeit lang sind die beiden Hand in Hand ihren Weg gegangen und haben sich in der Bedeutung wenig von einander entfernt. Wo sich nachher die Trennung vollzogen hat, läßt sich nicht mehr genau angeben. Es kann aber im Griechischen geschehen sein, so daß eretmos noch für beide die gemeinschaftliche Form darstellte. Das hätten wir uns etwa so vorzustellen. Es gab vom gleichen Stamme wie eretmos ein griechisches Wort, rhyma, Seil, Zugseil, von welcher unser (Leder-) Riemen herkommt. Unter Anlehnung an dieses Fortbewegungsmittel rhyma ward aus eretmos das Fortbewegungsmittel remus gebildet, durch Aphäresis des anlautenden e und Schwund des t. Beide, rhyma und eretmos, waren ja Hilfsmittel, das Schiff fortzubewegen, das Zugseil und der Remen, ja vielleicht die Fortbewegung mit dem Zugseil die ursprüngliche und das Rudern kam erst später auf. Dann hätte man also die alte Bezeichnung der Fortbewegung durch Ziehen (»treideln« s. d.) für die neue Fortbewegung durch Rudern beibehalten, etwa wie wir jetzt sagen, das Schiff segelt nach Newyork, wiewohl es sich dabei um einen gar keine Segel führenden Dampfer handelt.

Eretmos aber diente nicht nur zur Fortbewegung des Schiffes, sondern auch zum Lenken desselben. Insofern es nun diese letztere Bedeutung hatte, folgte man naturgemäß nicht dem Zuge und Einfluß von rhyma, sondern bildete eretmos selbständig weiter, und zwar auf dem Wege vom Griechischen zum Germanischen, durch Abwerfen (Aphäresis) des e und Abschwächung der Tenuis zur Media, sowie durch Schwund des m und Vertauschung der griechischen mit germanischer Endung, (vorausgesetzt, daß die Weiterentwickelung des Wortes sich nicht schon in vorgriechischer Zeit auf gemeinschaftlicher indogermanischer Wanderung vollzogen hat). Jedenfalls ist das Wort nicht durchs Lateinische, wie remus, sondern durch das gothische rodra, Werkzeug zum Rudern, als ruodar ins Althochdeutsche gegangen. Hier trafen die beiden Vettern wieder zusammen. Und wenn der fremde -- remus -- sich auch zeitweilig vordrängte, ja sich für das Werkzeug zur Fortbewegung ausschließlich im Gebrauche des Seemanns festsetzte, so hat der einheimische -- als »Ruder« -- sich doch im ganzen Binnenlande behauptet, ja auch bei den Seeleuten als Werkzeug oder Vorrichtung zum Steuern seine Geltung behalten.

Es ist auffallend, wie kurz sich die Isländer ihr Wort für Remen zurecht gemacht haben, sie sagen ar und sind so wieder auf die ursprüngliche Bewegungswurzel zurückgegangen, während doch schon im Sanskrit aritras das Ruder, arita der Ruderer hieß.

*rudern*,

die Tätigkeit, die mit dem Ruder, aber nur in seiner Eigenschaft als Fortbewegungsmittel, ausgeübt wird, (während die Tätigkeit die mit dem Ruder als Lenkungsmittel erfolgt, steuern (s. d.) heißt, daher wird dieses auch im Binnenlande Steuerruder genannt). Aber nur hochdeutsche Leute sagen rudern, was ein niederdeutscher Seemann ist, der sagt *rojen*. Diese Form hat er sich aus der althochdeutschen oder eher noch der angelsächsischen Form für Ruder, ruodor oder rodor, gebildet. Niederländisch roeijen, englisch to row, isländisch roa; »Bágd er ad *róa* einni ár,« mit einem Remen ist nicht gut rudern, vergl. Lüpkes »Seemannssprüche.« Altnordisch róa; »I vindi skal vid höggva, vedri á sjó róa; myrkri vid man spjalla, mörg ern dags augu«, »Im Winde soll man Holz hauen, bei gutem Wetter in die See rudern, im Finstern mit Weibern kosen; viele Augen hat der Tag.« Lüpkes p. 146. Angelsächsisch rôwan.

Es darf nicht unerwähnt bleiben, daß dem Ruder und rudern wohl auch eine Wurzel ru zugeteilt worden ist, die spalten bedeutet, so daß man daran zu denken hätte, wie das Ruder das Wasser »spaltet«; indessen ist das doch ein recht nebensächlicher Gedanke (vergl. Ruder), wenn auch im Altkirchenslavischen graba sowohl »ich grabe« als auch »ich rudere« (grabe in den Wellen) heißt.

*Ruderbälle*, die,

bestehen aus zwei automatisch wirkenden Leinwandkegeln die den Zweck haben, jedem kenntlich zu machen, wie zur Zeit das Ruder liegt. Der eine Ball ist rot, der andere grün. Sie hängen möglichst nach allen Richtungen hin sichtbar, damit man, und das ist das Wichtigste an der Sache, auch auf den anderen Schiffen eines zusammen fahrenden Geschwaders zu jeder Zeit sehen kann, wie der Vorder-, Neben- oder Hintermann mit seinem Ruder manövriert und also wissen kann, wessen man sich von ihm zu versehen hat. Es sollen also Zusammenstöße durch die Ruderbälle vermieden werden.

*Rudergat*, s. Hennegat.

*Ruderjoch*, s. Joch.

*Ruderpinne*, s. Pinne.

*Ruderreep*, s. Reep.

*Rundhölzer*, die,

sind alle walzenförmigen Hölzer die zur Takelage gehören: Masten, Stengen, Rahen, Spieren, Giekbäume, Gaffeln, Sprieten, Ruten etc. etc. Ein Rundholz braucht um so zu heißen nicht notwendig ein Holz zu sein; auch die eisernen Masten und Rahen gehören im weiteren Sinne zu den Rundhölzern und haben auf den Werften ihren Platz im Rundhölzerschuppen. Hier kommt also mehr das Runde wie das Hölzerne in Betracht.

*Rund* achtern! rund vorn!

lautet das Kommando beim Wenden, das erfolgt, wenn das Schiff so weit durch den Wind gegangen ist, daß man die Rahen oder vielmehr die Segel über den anderen Bug brassen kann, so daß dann die Nock, die vorher hinten war, nach vorne kommt, und umgekehrt. Rund ist nicht mathematisch zu nehmen, sondern so zu verstehen, daß die Rahe sich teilweise um den Mast dreht. In der Handelsmarine heißt das entsprechende Kommando: »Gaan!« = gehen.

*Rundsel*, die,

ist der runde Einschnitt im Dollbord in dem die Riemen sich beim Rudern bewegen. Der eigentliche Einschnitt ist zwar nicht rund, aber er ist mit einem runden Metallstück ausgefüttert; daher der Name. Wenn nicht gerudert wird, so wird in den Ausschnitt ein kleines Brett, das Rundselbrett, gesteckt. Das Kommando lautet: »Rundseln dicht«, weshalb die Rundselbrettchen, wiewohl sie eckig sind, manchmal für die Rundseln selbst fälschlicherweise gehalten worden sind.

*Rüst*, die,

ist die Vorrichtung an der Außenbordwand des Schiffes zu beiden Seiten die den Wanttauen bezw. deren Jungfern zum Halt dient. Sie findet sich an Backbord und an Steuerbord, an jedem Mast und besteht aus starken, vorspringenden, gerüstartig angebrachten Planken, die nach unten zu durch schräge eiserne Träger gestützt sind. Das Wort kommt wie das hochdeutsche Gerüst vom althochdeutschen hrustan, zurecht machen, bereit machen, zurüsten; davon mittelhochdeutsch geruste = Vorrichtung, Zurüstung, Bau, Maschine, Werkzeug, Gerät, Waffenrüstung, Schmuck. Neuhochdeutsch müßte das Wort eigentlich Gerüste heißen, aber des Seemannes niederdeutsche Liebe zur Kürze betätigt sich in Weglassung der Vorsilbe und der Endung.

S.

*sacken*

ist ein niederdeutsches Zeitwort das in der Seemannssprache oft gebraucht wird und dem hochdeutschen »senken« entspricht, oder vielmehr entsprechen sollte; senken nämlich ist Faktitiv oder Causativ von sinken: »sinken machen«. Aber wie das Hochdeutsche senken und sinken ebenso oft verwechselt wird wie wägen und wiegen, so macht auch der Seemann zwischen senken und sinken keinen Unterschied, er sagt für beide sacken. Ja man kann sagen, daß sacken in seinem Munde öfters sinken als senken bedeutet. Durchsacken, einsacken, wegsacken, untersacken sind gleich sinken, während auch die Wendung »sacken lassen«, die ebenfalls den Begriff sinken enthält, oft gebraucht wird. Andererseits aber heißt absacken »ein Schiff oder Boot den Strom hinunter treiben lassen«.

Senken heißt althochdeutsch sanchjan; es ist durch Nasalierung der Wurzel sack entstanden, wir haben also in sacken die ursprünglichere, nichtnasalierte Form.

*Saling*, die,

ist ein auf Backen an beiden Seiten des oberen Endes des Untermastes aufsitzendes Gerüst aus Längs- und Querhölzern auf dem hinwiederum der Mars aufsitzt, dessen hauptsächlichster Zweck nicht etwa der eines »Mastkorbes« ist, sondern der, die Jungfern zum Anspannen der Stengewanten zu tragen. Die Saling des Untermastes tritt jedoch, eben weil der Mars auf ihr sitzt, wenig in die Erscheinung, wird vielmehr leicht für einen Teil des Marses gehalten. Eine desto selbständigere Rolle spielt die Bramsaling auf den Backen der Marsstenge; sie ist nicht mit Brettern bedeckt und fällt daher als solche mehr in die Augen. Sie vertritt die Stelle des Marses insofern an ihr die Bramwanten befestigt und gespannt werden.

Der Name Saling kommt von sitzen, aber nicht weil sie sitzt, sondern weil etwas, nämlich der Mars, auf ihr sitzt. Er heißt eigentlich Sadeling = Sattelung; vom gotischen sitan, sitzen, satjan, setzen kommt das althochdeutsche satal, satul, satol, satil; angelsächsisch sadul, sadol, sadl; niederdeutsch sadel; davon sadeling = sadelung. Die Tenuis ward erst zur Media und dann verschwand der Dentallaut überhaupt; indem sich ein langes a aus dem kurzen a und dem e bildete war Saling fertig: ein Ding zum Aufsitzen, Draufsitzen. Darum führt auch die Bramsaling ihren Namen doch mit Recht; wenn auch kein Mars auf ihr sitzt, so sitzen desto mehr die Matrosen oder Schiffsjungen darauf, denen sie ein Stütz- und Ausgangspunkt für die Arbeiten, die sie als Bram- und Oberbramsegelsgäste zu verrichten haben, dient.

*Salut*, der.

Das Schießen eines Saluts ist das Abgeben einer bestimmten Anzahl von (blinden) Kanonenschüssen als Gruß, als Ehrenbezeugung für den Landesherrn und für alle diejenigen, die nach dem Salutreglement dazu berechtigt sind. Dazu werden die Kanonen mit *Salutkartuschen* geladen, (mit Pulver, ohne Geschoß).

*Salutfähig*, d. h. berechtigt oder verpflichtet zu *salutieren* sind aber nur Kriegsschiffe von gewisser Größe und Stärke der Artillerie. Dem Salut gleich stand ursprünglich *Salve*, eine einmalige gleichzeitige Abfeuerung von mehreren Kanonen als Gruß, ein feierliches Begrüßungsschießen, das dem Gegrüßten ein salve! zurufen sollte; hernach wurde eine Begrüßung des Feindes mit geladenen Kanonen daraus.

*Salutleine* nennt man wohl auch das Paradirstrecktau, das Manntau an dem die Matrosen sich festhalten wenn sie zum Gruß und zur Ehrenbezeugung die Rahen bemannen, sich auf den Rahen in Reihen aufstellen.

Es mag in früheren Zeiten manchmal regellos salutiert worden sein. Wenigstens ermahnt ein Geschwaderbefehl d. d. 25. Mai 1652, unterschrieben M. Herberts Tromp, zur Ordnung und Sparsamkeit. »Es wird auch ausdrücklich verboten einige unnöthige Ehren-Schüsse zu thun, sondern deß Landes Pulver und Bley zu bewahren und rathsam damit umzugehen; jedoch so man bei einigen andern außländischen Kriegs-Schiffen kommt, wodurch einige Begrüsung mit Lösung deß Geschützes zu thun, zu des Landes Reputation erfordert wird, in solchem Fall haben sie die Ehre unseres Landes in acht zu nehmen, und in aller Ehrbarkeit Hand zu haben.«

*Salve*, die, s. Salut.

*Sandwichpanzerung*, die, s. Panzerung.

*Sargassosee*, die,

heißt eine Stelle im Atlantischen Ocean, auch atlantische Krautwiese genannt; das Sargassomeer, vom lateinischen sargassum, der Seetang. »Der sich nach der iberischen Küste herwendende und als nordafrikanische Strömung wieder in die Nordäquatorialströmung übergehende Zweig des Golfstromes schließt eine große Ellipse ein, die ein sehr ruhiges Gebiet im Atlantischen Ozean bildet, ein Gebiet von 65000 Quadratmeilen oder ein Drittel so groß wie Europa. Dieser Raum ist nach den Vorgängen Humboldts und Maurys als »Sargassomeer« bekannt geworden, und man erzählte, daß in ihm das Sargasso oder der Meertang (fucus natans) in so ungeheuren Mengen zusammengeballt treibe, daß dadurch die Schiffahrt behindert werde. Neue Untersuchungen ergeben jedoch, daß es sich um mehr oder minder dicht treibende, bis 60 Meter lange, je nach der Windrichtung schwimmende, abgerissene Krautstreifen handelt, die zwischen 20° und 35° nördl. Br. und zwischen 35° west. L. und Westindien und dem Ostrande des Golfstromes vorkommen. Von einer Behinderung der Fahrt durch dieselben ist nirgends die Rede.« (Andree.)

*Sarving*, die,

ist ein aus altem Kabelgarn geflochtener Zopf, der mit Platting Ähnlichkeit hat, aber nicht ganz so platt, sondern dicker ist. Die Sarving wird gebraucht zur Bekleidung von Tauwerk, da wo es viel Reibung auszuhalten hat und der Abnutzung sehr ausgesetzt ist. Um es vor dieser zu bewahren, um es zu (kon)*servieren* wird die Sarving gemacht, die eigentlich Serving heißt. Sarving ist nur die volkstümliche Aussprache.

*Schaar*, die,

ist eine bei Sturmfluten verschließbare Öffnung in einem Deich zum Durchfahren von Wagen etc., eine Lücke, die man absichtlich zu diesem Zwecke gelassen hat. Das Wort ist verwandt mit Scharte, Schießscharte, und stammt von der Wurzel skar, von der auch scheren und Schaar = Abteilung, Haufe stammt, sie bedeutet spalten, scheiden, teilen, schneiden. Das Wort kommt auch als Ortsbezeichnung vor, ebenso wie Siel, da ebenso wie bei diesem auch bei einem Schaar sich gern Menschen ansiedeln, weil hier ohnehin ein großer Menschenverkehr stattfindet, wie auch bei einer Brücke, weshalb zahlreiche Ortsnamen mit Brücke, Brück zu tun haben.

*schaffen*, seemännisch = essen.

Schaffner, Schöffe, Schoppen, Schöpfung, englisch shape = Gestalt und viel andere Wörter dieser großen Sippe kommen alle von der Wurzel skap mit der Grundbedeutung schaffen, schöpfen, ordnen. Dem altgermanischen Heidentum fehlte, wie Schade ausführt, ein Ausdruck für etwas, wovon es keine Idee hatte, nämlich für schaffen, von der höchsten Potenz dieser Tätigkeit, dem göttlichen Schaffen. Daher nahmen die Germanen, als ihnen vom Christentum her die Schöpfungsidee kam, das Wort von einer (man kann wohl sagen kunstmäßigen) Hantierung, vom Formen und Gestalten einer festen Masse durch grabende und stechende Werkzeuge, faßte es gewissermaßen als ein Schnitzen auf (skapjan), während der Lituslave seinen Ausdruck dafür, noch hausbackener, von den Formen einer weichen knetbaren Masse nahm, wozu ihm die tägliche Käsebereitung in jeder ländlichen Wirtschaft ein Bild gab.

Für unsern Zweck genügt es, das althochdeutsche scaffari, scaffare, mittelhochdeutsch schaffaere, schaffaer, schaffer = Schöpfer, Bildner, Hausmeister, Verwalter, Schaffner zu kennen, ein Wort das einen Mann bezeichnet, der das Essen und Trinken durch Schöpfen herbeischafft und aufträgt oder auftragen läßt. Diesem Vorgange ist begrifflich verwandt das italienische minestra = Suppe, minestrare die Suppe anrichten, lateinisch ministrare, bei Tische auftragen.

Hierher gehört die Bremer Schaffermahlzeit, ursprünglich eine durchaus seemännische Veranstaltung, nämlich eine Mahlzeit bei der kurz vor der Wiedereröffnung der Schiffahrt im Frühling Kapitäne und Reeder mit einander den Proviant für die aussegelnden Schiffe kosteten. Schaffer heißt, nach dem Bremer Wörterbuch, der Mann, der die Anordnung und Besorgung einer Mahlzeit hat, auch überhaupt ein Verwandter des Hauses; Aufwärter bei einem Hochzeitsschmause, welches aber bei den Bauern die nächsten Verwandten zu tun pflegen, wie auch die Helfer beim Begräbnis und bei dem Leichenschmaus in Groningen Anschaffer heißen; heutzutage tragen die Schaffer bei der Schaffermahlzeit die Speisen nicht mehr auf, schöpfen sie nicht mehr aus dem Kessel, bedienen nicht mehr bei Tische, sie halten nur die Tischreden und -- bezahlen das Essen; nur insofern kann man noch von herbeischaffen reden. Doch hat schaffer im Mittelniederdeutschen auch einen Mann bedeutet, der die Kasse führte; überhaupt einen, der die Ausrichtung und Besorgung irgend einer Sache übernimmt, einen procurator.

Daß aber der Seemann bei der ursprünglichen Bedeutung geblieben ist und schaffen für essen sagt, erinnert einmal daran, daß in früheren Zeiten die Leute, die zusammen aßen, alle aus einer Schüssel schöpften, sodann daß einer das Essen aus der Kambüse herbeizuschaffen hatte, (der heute »Backschaft« heißt) und endlich daß das Essen eben ein wirkliches Schöpfen war, indem die Leute nicht mit Messer und Gabel, sondern nur mit dem Löffel aßen.

*Schaft*, der,

des Ankers ist der große, lange, schwere, oben dünner werdende Teil des Ankers zwischen den Armen und dem Stock. Man spricht auch von Lanzenschaft, Gewehrschaft, sogar von Stiefelschaft. Das Wort heißt niederdeutsch auch scheft und schecht, wie denn ft und cht im Niederdeutschen sehr leicht in einander übergehen. Das Stammwort ist skaban, unser schaben, niederdeutsch schafen, hobeln. Also ein zurechtgehobeltes Stück Holz. Es ist bekannt, daß der Ankerschaft früher auch bei großen, schweren Ankern von Holz war.

Anstatt schecht kommt auch einfach scheg und schegg vor. So heißt z. B. bei hölzernen Schiffen das vorderste Holz, das noch vor dem Vorsteven sitzt und oben in das Gallion übergeht. Auch spricht man vom Scheg des Ruders und meint damit den Ruderschaft.

*Schäkel*, der,

heißt ein Ring, ein Glied einer Kette. *Schäkeln*, ein Glied der Kette in ein anderes Glied fügen, so daß eine lange Kette daraus wird. Die Erklärung ist am deutlichsten aus dem entsprechenden englischen Worte shackle zu ersehen, das sowohl Kettenglied als auch Fessel, Handfessel, Handschellen, Beinschellen heißt; angelsächsisch sceacul, scacul, Fessel, Halseisen. Offenbar ist diese Bedeutung Fessel die ursprüngliche. Eine Fessel aber war zunächst ein Mittel in der Hand von Räubern, ihre Opfer zu binden. Räuber aber hießen, wie wir aus der Geschichte der Kreuzigung Christi wissen, Schächer. Das niederdeutsche Zeitwort hierzu heißt heute noch schaken, rauben. Der friedliche Kettenschäkel hat also den Namen von der äußeren Ähnlichkeit mit dem unfriedlichen Räuberwerkzeug (s. schaken).

*schaken*

heißt rütteln, schütteln, gewaltsam bewegen; seemännisch das Rütteln und Schütteln mit dem man versucht, bei einem Takel oder einer Talje den Reibungswiderstand der durch die Blöcke fahrenden Taue zu verringern um dieselben beweglicher, läufiger zu machen. *Abschaken* heißt solches vornehmen in der Absicht, nach dem Gebrauch eines Takels die tublocks (s. d.) geholten Taue wieder rückwärts zu bewegen, damit die Blöcke wieder auseinander kommen und so das Takel aufs Neue wieder gebrauchsfähig werde. Das Wort schaken, auf ein aus einer Basis ska erweitertes Thema skak zurückgehend, bedeutet ursprünglich -- wie seemännisch heute noch -- ganz allgemein »bewegen«; dann bewegen mit Anwendung von Gewalt: rauben, mit Gewalt wegführen, eine Jungfrau vergewaltigen, seinen Teil der Beute an sich reißen.

*Schaluppe*, die.

1. Gattungsname für alle Schiffsboote, von der Kapitänsschaluppe (Gig) an bis zur Travaljeschaluppe (Jolle).

2. In deutschen Häfen ist Schaluppe weiterhin ziemlich gleichbedeutend mit Jacht; Fahrzeug mit einem Mast, großem Schratsegel, Topsegel, Brefock.

3. heißt sloop in der englischen Marine ein kleines Kriegsschiff, ehemals eins unter 24 Kanonen, dreimastig oder schnauartig, zwischen Korvette und Kanonenboot.

Der Name bedeutet also Schiffe und Boote von so verschiedener Art, daß sie kaum irgendwie unter einen Hut zu bringen sind, es wäre denn der gemeinschaftliche Begriff »Fahrzeug«. Und in der Tat kommt von dem Zeitwort slupen das Wort. Es heißt schlüpfen, gleiten, sich gleitend bewegen, sich bewegen, »fahren.« Daraus auch französisch chaloupe, spanisch chalupa, niederdeutsch slupe. Im Mittelniederdeutschen gab es ein slope, Fahrzeug zum Fortschaffen von Waren, welches aber auf dem Lande gebraucht wurde. Sloepe als Fahrzeug zu Wasser war aber schon dem Kilian bekannt. Niederländisch sloep; norwegisch, schwedisch, dänisch slup. Das niederdeutsche slupen heißt auch schlüpfen. Es wäre daher denkbar, daß eine slup ursprünglich ein Küstenfahrzeug gewesen wäre, das bei schlechtem Wetter darauf angewiesen war, einen Unterschlupf unter Land zu suchen.

*schamfilen*

heißt durch Reiben verletzen. »Ein Schiff schamfilt an der Schleuse,« d. h. es kommt der Schleuse zu nahe und reibt sich dabei die Farbe ab, daß das Holz zum Vorschein kommt. »Ein Tau schamfilt,« d. h. es reibt sich an einem festen Gegenstand und nützt sich so vor der Zeit ab. Um dergleichen zu verhüten hat man verschiedene Mittel: Fender, Sarving, überhaupt Bekleidung des Tauwerks, und besonders auch *Schamfilungsmatten*.

In Osterstade, jener friesischen Enclave jenseits der Unterweser, heißt schamp ein Fehler an der Gesundheit. In Ostfriesland heißt die Epidermis schampfel, womit nichts anders gesagt sein soll als daß die Oberhaut leicht verletzlich ist, durch Reiben und dergl. leicht beschädigt werden kann. Dem entsprechend heißt das niederdeutsche Zeitwort schampen streifen, im raschen Vorbeigehen leicht treffen und berühren, durch Streifen oder rasches Vorbeigehen und nahes Berühren eines Gegenstandes denselben äußerlich beschädigen und verletzen, jemanden leicht verletzen. In Westfalen heißt der Prellstein sehr bezeichnend schampsten. Aus schampen ist ein Interativum schamperen, schampferen, schamferen, scanferen gebildet worden, Formen die im Mittelniederdeutschen sehr häufig vorkommen, »he hadde nene scanferinge an der Hut gekregen«; doch manchmal auch für Schädigungen und Verletzungen gebraucht, die garnicht so sehr leicht waren: »anno 1428 schamferden de stede vor Kopenhagen des Königs schepe« ... (Lappenberg, Hamb. Chron.) Aber in der Regel ist die Verletzung leicht und nur oberflächlich, wenigstens im seemännischen Gebrauch.

In den Niederlanden ist, nach einem bekannten Gesetz der Lautverschiebung zwischen l und r, schampelen aus schamperen gebildet worden. Und dieses schampelen ist in der Form schamfilen nach Ostfriesland übergesprungen und von da in die deutsche Seemannssprache eingedrungen, in der sich übrigens eine Erinnerung an das ursprüngliche schamp noch insofern erhalten hat, als man meist, wenn man genau zuhört, schampfilen hören kann. Daß i aber an die Stelle von e getreten ist mag eine Erinnerung daran sein, daß die Endung eigentlich -iren heißen müßte, die niederländisch -eren lautet.

*Schandeckel*, der,

ein Schutzdeck, eine Schutzbedeckung, eine Schutz gewährende Bedeckung von Holz, die an verschiedenen Stellen, die eben des Schutzes bedürftig sind, angebracht wird.

Mit dem niederdeutschen Wort schanddeckel hat es keine Gemeinschaft, denn das bedeutet einen Deckel zur Bedeckung einer Schande, und so heißt ein Mann, der für Geld oder eine andere Belohnung ein von einem Reichen entehrtes Mädchen heiratet. Unser Schandeckel aber ist (vergl. schamfilen) aus schampdeckel entstanden, durch Schwund des p und indem sich der bequemeren Aussprache wegen das m in n verwandelte. Ein Schandeckel ist also eine Bedeckung, die das schampen, das Beschädigen des bedeckten Teiles verhindern soll.

*Schanze*, die,

hieß ein Stockwerk hinten auf dem oberen Deck, entsprechend der Back auf dem Vordeck; wurde vormals Hintercasteel genannt, jetzt ist die Kampanje an die Stelle getreten. Der Name kommt daher, daß rings um die Reling dieses Aufbaues im Gefecht eine Schanze errichtet wurde, nicht aus Reisigbündeln, sondern aus Hängematten. Um diese zu verdecken und überhaupt zum Zierrat fiel von der Reling an der äusseren Seite der Relingstütze und des Finknetzes ein etwa vier Fuß breites Tuch nach Art einer Gardine herab: das *Schanzkleid*. Ein solches hatte auch die Reling des Marses.