Etymologisches Wörterbuch der deutschen Seemannssprache
Part 37
Hagen war indessen gegangen auf einen Prahm, Noch eh' sich ihm geöffnet der wohlverschloss'ne Kram, Da schwebten Watens Anker schon hoch ob der Welle, So schied man von dem König der Frauen holde Schar in jäher Schnelle.
Legerlotz bemerkt dazu: Prahm, breites Frachtschiff, noch jetzt in Niederdeutschland gebräuchlich, dänisch pram = Fähre und Rand, altnordisch pramr, eine Art von Schiffen, mittelhochdeutsch pram, breites Flußschiff. Nach Kluge entstammt das Wort dem Slavischen, wo es ein zur indogermanischen Wurzel par gehöriges Wort pramu gibt; die Bedeutung ist die von »übersetzen«, wie sie auch mit fahren zusammenhängt. Der Übergang aus dem Slavischen ins Nordische muß sehr früh, ja kann nur zu der Zeit gesehen sein, da die Slaven nicht nur Wagrien (Ostholstein) bewohnten, sondern auch die ganze Ostsee mit ihren Prähmen beherrschten und die nordischen Küsten so oft mit ihren Raubzügen heimsuchten, daß ihr Name nur mit Furcht und Schrecken genannt wurde, also um die Mitte des zwölften Jahrhunderts. Um diese Zeit trat der berühmte geistliche Seeheld, Bischof Absalon von Roeskilde, auf, ermunterte König Waldemar den Großen -- Absalon war der Größere -- und sein Volk, sich zum Widerstand zu ermannen, das Joch abzuschütteln und den Wenden mit ihren eigenen Waffen zu begegnen. Er wurde so der Schöpfer einer dänischen Marine. Und wie man einst in Rom nach dem Muster eines gestrandeten punischen Schiffes eine Flotte baute, so hat auch Absalon sich die Schiffe seiner Feinde zum Muster genommen. Wie sie aussahen, wissen wir nicht genau, aber jedenfalls waren sie zum Segeln und auch zum Rudern eingerichtet. Denn als einmal die Kälte zu einem so hohen Grade gestiegen war, daß die Mannschaft, die Proviant zu den Schiffen bringen sollte, sich der Wagen nicht bedienen konnte, weil die Räder festfroren und man daher alles auf Pferde packen und diese mit großer Beschwerlichkeit zu Fuße nach dem Hafen, wo die Flotte lag, treiben mußte, beklagte Absalon die Männer und sprach ihnen sein Bedauern aus, daß sie für das Vaterland so viel Mühsal leiden müßten. Sie aber antworteten, sie trügen mit Lust ein Mühsal, welches sie dem Geschicke, als Sklaven auf den Ruderbänken der Seeräuber zu sitzen, vorzögen (vergl. Saxo Grammaticus).
*Praktika*, die,
heißt die Verkehrserlaubniß für ein Schiff. Ist ein solches in einen Hafen eingelaufen, so erscheinen der Hafenkapitän und der Hafenarzt, um festzustellen, ob gesundheitliche Bedenken gegen den Verkehr seiner Besatzung und seiner Passagiere mit dem Lande bestehen. Ist das der Fall, so muß das Schiff Quarantäne halten, ist es nicht der Fall, so erhält es die Praktika; eigentlich die Erlaubnis zu »praktizieren,« französisch pratiquer, italienisch pratticare, mittellateinisch practicare, vom griechischen prattein, tun, machen, handeln, ausüben (die Kunst des Arztes, des Anwaltes). Die üble Nebenbedeutung, namentlich in der Mehrzahl »Praktiken,« ist schon früh dem Worte angehängt worden. Im Französischen heißt pratique überhaupt traite, communication, commerce.
*preien*,
heißt ein anderes Schiff anrufen um mit ihm wichtige Mitteilungen auszutauschen, was, wenn eins von den zweien oder auch alle beide lange Seetörns hinter sich haben, von großer Bedeutung sein kann. Das Anrufen geschieht mit den Worten: »Schiff ahoi!« und oft mit Zuhilfenahme eines Sprachrohres. Die Preidistanz ist das, was man hochdeutsch Rufweite nennt.
Das Wort wird in Ostfriesland auch am Lande gebraucht für jemanden anreden, auf ihn einreden, ihn bereden, ihm zusprechen. Niederländisch preijen, schwedisch preja, dänisch praje. Es hieß altenglisch schon breien und ist das jetzige englische pray beten, bitten, anrufen, ersuchen, einladen, auffordern; altfranzösisch preier, »und dieses wohl aus lat. precari von prex, precis (Bitte)«. Doornkaat. Nach Ehrentraut, Fries. Archiv II, 69 heißt preien auf Wangeroog jemanden anrufen auch in dem Sinne »jemanden wecken.«
Fritz Reuter, »Ut mine Stromtid« I. 288, führt in einem klassischen Seemannsvergleich das Wort in der Form praien an. Die ganze Stelle ist echt seemännisch. »Knapp was hei (Fritz) denn nu mit Lovise ne lütte Tid tausamen west, dunn smet hei den Frugenshaß mitsammt de ganze Erinnerung an Marie Möllers Waschschöttel un Spiskamer äwer Burd un verlöd tau den Ballast von Romanenideen schippslastenwis »die junge aufkeimende Liebe zu Louisen« -- as hei sine nige Ladung för siek sülwst deklarierte -- un as hei des' nu unner sine Hartens-Luken wegstaut hadd und all de Belämmerungen, dei em von sine Jugend wegen noch anhaken künnen, intreckt hadd, un hei nu mit sick sülwst, sine Leiw un sin Schipp klor was, segelte hei los. In de Irst krüzte un lawirte hei herümmer, un sin leiw Tanten stunn om't Äuwer un wüßt nich, wohen hei stüren ded', äwer dat wohrte nicht lang', dann würd sin Kurs strammer, un as hei irst up de hohe See von »seinen Gefühlen« was, un de Topsegel uphiste, dunn sach sei denn mit Schrecken, wohen hei dat Stüer richt't hadd, un dat ehr leiw Swestersähn nich beter as en räuklosen Seeröwer, Pirat un Korsor was, dei up 'ne schändliche Wis' Jagd up de lütte, smucke Brigg maken ded', worin sei all ehre mütterlichen Hoffnungen einschippt hadd.«
Sei praiete em en por Mal an, woso? un woans? äwer de Pirat let sick nich stüren, sei schot en por Mal in ehre Hartens-Angst mit Notsignalen noch ehren Paster 'räwer« ...
*Presenning*, die,
wasserdichte Decke aus (geteertem) Segeltuch, durch Umstellung oft auch in der Form Persenning vorkommend; doch hieß es 1702 bei Aubin schon Preesening. Man gebraucht es zum Zudecken von Luken, zum Bedecken von Proviant in offenen Booten, zum Schutze an Deck stehender Kanonen, überhaupt dazu, etwas vor Nässe zu schützen. Es kommt von préceinte, einem veralteten französischen Worte, das Umhüllung bedeutet und mit dem lateinischen Zeitwort praecingo, ich umgürte, umgebe, zusammenhängt.
*Priel*, der,
eine Wasserrinne im Watt, die auch zur Zeit der Ebbe voll Wasser bleibt, ein schmales Rinnsal, eine Wasserlache, oft recht tief und, weil der Boden Schlick ist, für Jäger oder Fischer die hineingeraten sehr gefährlich, da man sich schwer ohne fremde Hilfe wieder herausarbeiten kann. Es ist das neuhochdeutsche Wort Briel, Brühl, althochdeutsch brogil, broil = Sumpf.
Wenn die Rinne breit und tief genug ist für die Schiffahrt, so heißt sie Balje.
*Prikke*, die,
hat den Zweck einer Bake, ist aber einfacher als diese, indem sie nur ein zur Bezeichnung des Fahrwassers oder einer Untiefe ins Wasser oder vielmehr in den Grund gesteckte Stange ist, etwa mit einem Strohwisch oder Reisigbesen an der Spitze. Es gibt ein weitverbreitetes niederdeutsches und niederländisches Zeitwort prikken, das sowohl stechen als stecken bedeutet; davon das Iterativum prikkeln. Da diese Stangen in die Erde gesteckt werden, so ist die Erklärung ohne Weiteres gegeben.
*Prise*, die.
Wenn ein Kriegsschiff oder ein Kaper ein feindliches Handelsschiff wegnimmt, so ist dieses eine Prise, von prendre, nehmen. Es fragt sich nur, ob es unter Beobachtung des bestehenden Seerechtes geschehen ist. Das muß unter Umständen durch ein Schiedsgericht festgestellt werden. Erklärt dieses, daß das Schiff rechtmäßig genommen ist, so erklärt es damit dasselbe für eine »gute Prise« d. h. für eine rechtmäßige.
*Propeller*, der,
gehört eigentlich der Sprache des deutschen Seemanns nicht an, aber man liest das englische Wort zuweilen in Büchern. Es kommt von propello, vorwärtstreiben. Und zwar bezeichnet es nicht das was einen Raddampfer, sondern das was einen Schraubendampfer vorwärts treibt, man sagt also anstatt Propeller viel besser, deutlicher, kürzer: Schraube.
*pullen.*
Dieses Zeitwort wird wohl öfters einmal anstatt rudern gebraucht; doch, wie es scheint, nur von solchen, die dadurch ihre Bekanntschaft mit dem Englischen dartun wollen, also bewußt als Fremdwort. Der niederdeutsche Seemann sagt rojen, und in der Kaiserlichen Marine heißt es amtlich rudern; pullen muß also um so mehr als unberechtigter Eindringling angesehen werden, als rudern im Englischen selbst viel besser und deutlicher mit row bezeichnet wird, pull aber zunächst ganz allgemein »ziehen« heißt. Da nun beim Rudern ja allerdings am Riemen »gezogen« wird, so bedeutet es unter Umständen auch rudern, es wäre aber kein Schade, wenn das Wort wieder verschwände.
*Pumpe*, die,
die bekannte mechanische Vorrichtung zum Heben von Wasser. Die modernen Kriegsschiffe haben ein so kompliziertes Pumpensystem, daß ein ordentliches Studium dazu gehört, alle die verschiedenartigen Pumpen kennen zu lernen, und daß ein eigener *Pumpenmeister* kommandiert werden muß, der die Pumpen bedient und der womöglich schon während des Baues sich mit ihrer Anlage bekannt gemacht hat. Pumpe ist dasselbe Wort wie Bombe und hieß auch vor zweihundert Jahren im Oberdeutschen noch Bombe. Es ist ein Schallwort (bum!) und bedeutet zunächst ein Geräusch, einen Lärm; daher provençalisch bomba, Prahlerei, Gepränge, spanisch pompa, französisch pompe, neuhochdeutsch Pomp, bombastisch, Pump- (Pomp-) Hose. Lateinisch bombus = Gesumse, Geräusch von einem surrenden, summenden Geschoß; italienisch ribombare widerhallen. Die Pumpe hat also den Namen von dem Geräusch, das sie macht, kann aber zunächst auch vom Zeitwort bombare, trinken, schlürfen, saugen abgeleitet sein, denn die Pumpe saugt das Wasser auf; aber auch dieses Zeitwort ist naturlautmalend, so daß die Sache ziemlich auf dasselbe hinauskommt.
*Pumpensod* s. »Bilge« am Ende und »Sodraum«.
*purren*
wird an Bord für »wecken« gebraucht. Es heißt aber sonst im niederdeutschen Sprachgebiet stechen, stoßen, stacheln, treiben, reizen, kann also nur insofern wecken bedeuten als solches durch Stoßen, Klopfen, Reizen etc. etc. bewirkt wird.
Auch das Hochdeutsche hat ein Zeitwort purren, das heißt aber sausen, brausen, rauschen, brummen. Doch dürften die beiden unter einen Hut zu bringen sein, wenn man beide als lautmalend ansieht (purr! oder auch bloß prrr!). Es liegt auf der Hand, daß bei der Lautmalerei die Begriffe ziemlich weit auseinander gehen können, so daß ein und derselbe Ton sowohl reizen als brummen bedeuten kann.
Diese Erklärung wird unterstützt durch das Zeitwort verpurren: eine Sache verderben, einen Fang verhindern, ein Mißlingen verursachen, etwa durch ein vorzeitiges oder unglückliches purrendes Geräusch.
*Putjer*, der,
ist ein Mensch der geringe, niedrige Arbeit tut. Das Wort stammt aus der Seemannssprache und wird in wegwerfendem, geringschätzigem Sinne gebraucht. Es hieß mittelniederdeutsch putker, puteker und bedeutete Schiffsknecht, Kajütenjunge, den niedrigsten Diener an Bord, der mit den *puten* -- so hießen die Pützen damals -- zu tun hatte, also wusch, scheuerte, rein machte und der jedenfalls auch das nützliche aber wenig ehrenvolle Amt eines Gallionsinspektors versah (die Aborte rein hielt). Davon kommt auch das niederdeutsche Eigenschaftswort pütjerich, pütscherich, kleinlich, beschränkt, gering.
Statt Putjer hört man auch Butjer. Und in dieser Form ist das Wort noch mehr herabgesunken, so daß es jetzt hauptsächlich für Herumsteher, Eckensteher, Bollwerksbruder, Gelegenheitsarbeiter gebraucht wird.
*Püttings*, die,
sind Ketten die den Jungfern der Wanten nach unten zu Halt und Festigkeit verleihen. Die Püttings der Unterwanten sind in die Bordwand eingelassen, fahren durch die Rüst und halten da die Jungfern fest. Die Marspüttings über die der Seemann unter Verachtung des »Soldatenloches« in den Mars entert, also die Püttings der Stengewanten fahren von deren Jungfern durch den Mars hinunter nach dem Unterwant, auf diesem sitzt eine »Wurst«, und an der Wurst sind sie befestigt. In Pütting liegt irgendwie auch der Begriff von »Wurst«. So sonderbar es klingt, wir müssen dabei auf das englische pudding Bezug nehmen, denn das bedeutet ursprünglich ebenfalls Wurst. Französisch boudin, Wurst, eigentlich etwas Aufgetriebenes oder Geschwollenes; ostfriesisch ist püt eine Düte, ein Beutel, eine Tasche, ein Kropf, ein Fleischwulst, Fettwulst, Ausbauschung, Anschwellung. Die Püttings sind aber Ausbauschungen, sie schwellen nach außen zu, nach dem Rande der Rüst bezw. des Marses an; das würde schon allein genügen, sie mit püt zusammen zu bringen. Da aber die Wurst an der sie befestigt sind, ihren Einfluß geltend gemacht haben wird, so lag ein mit Pudding im Sinne von Wurst verwandtes Wort erst recht nicht allzufern zur Bezeichnung dieser Anschwellung.
*Pütze*, die,
heißt an Bord der Eimer. Man hat Holzpützen und Segeltuchpützen (Admirale); Bootspützen, Deckwaschpützen, Teerpützen u. a. m. Im Mittel- und Neuniederdeutschen heißt put der Brunnen, aus dem Lateinischen, von puteus stammend. Daher stammt das niederdeutsche Zeitwort putten, Wasser (aus einem Brunnen) schöpfen. Daher stammt auch das mittelniederdeutsche putse als etwas womit man Wasser aus dem put schöpft. Putse wäre also die richtige Form des Wortes. Woher mit einem Male in die neuhochdeutsche Seemannssprache der Umlaut gekommen ist, ist unerfindlich; man wäre geneigt denselben auf Rechnung des Neuhochdeutschen zu setzen, wenn nicht auch von Wangerooge her püds bezeugt wäre.
Kilian hat schon die kurze Form putse, während der Teuthonista noch puteymer sagt.
Q.
*Quarantäne*, die,
die Zeit die ein Schiff ohne Praktika liegen bleiben muß, weil es aus pestverdächtigem Hafen kommt und daher auf seinen Gesundheitszustand hin beobachtet werden muß. Wie lange solches zu geschehen hat richtet sich nach landesüblichem Gebrauche und den geltenden gesetzlichen Bestimmungen. Ursprünglich wollte man auf alle Fälle sicher gehen und nahm vierzig Tage an. Daß es gerade so viele waren hatte einen ganz bestimmten Grund. Man dachte an die vierzig Tage der Passion, der Leidenszeit Christi. Die hieß zuerst italienisch quarantana, französisch quarantaine, von quaranta, contrahirt aus quadraginta. Von dem kirchlichen Gebrauch hat die Seemannssprache das Wort übernommen.
*Quarter-Deck*, das,
nennt man zuweilen noch -- das Wort ist aber im Aussterben begriffen und wird mehr und mehr durch das reindeutsche Achterdeck verdrängt -- den Teil des Oberdecks hinter dem Großmast bis zum Kreuzmast. Er darf von den Mannschaften nur dienstlich und in angemessener Haltung betreten werden. Auch zwischen denen, für die das Achterdeck vorbehalten ist, wird noch ein Unterschied gemacht, indem im Hafen oder unter Dampf die Steuerbordseite, unter Segel die Luvseite des Achterdecks noch besonders dem Kommandanten vorbehalten bleibt. Quarterdeck kam uns über England aus dem Süden; italienisch quartiere, spanisch quartel, französisch quartier, das abgeteilte Viertel eines Raumes, in weiterem Sinne ein Raum ohne Rücksicht auf genaues Maß, eine Wohnung, Zimmer, Gemach, Quartier, Unterkunft. Bei Stadtviertel ist bekanntlich ebenso wenig von mathematischer oder arithmetischem Viertel die Rede, wie Schiller an Mathematik dachte, da er von der »größeren Hälfte« seiner Schuld sprach, oder wie wir, wenn wir vom »Kreise« Bütow oder Lauenburg reden.
*Quartier*, das,
jetzt gewöhnlich »das Quartier der Wache.« Es gibt Schönwetterzeiten, da der Offizier der Wache mit einiger Sicherheit voraussehen kann, daß während der nächsten Stunden ein Manöver mit der ganzen Wache nicht nötig werden wird. Dann läßt er einen Teil der Wache sich im Zeug an Deck unter ein Sonnensegel zum Schlafen niederlegen, und nur die notwendigsten Leute zum Rudergehen, Postenstehen, Loggen und anderen laufenden Arbeiten bleiben wach. Das ist das Quartier der Wache; es braucht nicht gerade ein Viertel derselben zu sein, es bedeutet überhaupt keine bestimmte Anzahl, sondern nur »Teil« oder »Abteilung« oder »abgeteilte Leute«. Der Begriff Quartier darf um so weniger arithmetisch gefaßt werden als er überhaupt ursprünglich garnichts mit Arithmetik zu tun hatte. Denn früher hieß die ganze Wache Quartier. »Um acht Uhr zog ein neues Quartier auf«, »um zwölf Uhr wurde das alte Quartier abgelöst.« Es hieß also, da man »vier auf, vier ab« oder »Wache um Wache« ging, die Hälfte der ganzen Mannschaft Quartier. Quartier war völlig gleichbedeutend mit Wache. Das erklärt sich sprachlich ganz einfach. Von dem Stamm var, wehren, hüten, wachen, kommt das gothische vards, angelsächsisch ward (vergl. Steward), althochdeutsch wart, mittelhochdeutsch wart = Wart, Wärter, Hüter, Wächter; davon das spanische guardia; durch deutsche Kriegsleute dahin getragen hat wart dasselbe Schicksal gehabt wie wera, das zu guerra wurde; guardia nahm im Französischen die Form garde an, Wächter, und gardes, Wache. Statt gardes kam aber bald quart oder le Quart auf. Das fand als quartier seinen Weg ins Niederländische, und von da kehrte das deutsche Wort in fremder Form als Quartier zu uns, in die niederdeutsche Seemannssprache, zurück. Über Quart hat Aubin (1702) Folgendes, da die niederländischen Formen dabei stehen, gewinnt es für uns an Wert und macht die Sache deutlicher. Quart, Gardes, Le Quart. Niederländisch: Quartier, Wagt. C'est l'espace du tems qu'une partie des gens de l'équipage d'un vaisseau veille pour faire le Service tandisque le rest dort. Chaque nation a son quart de différente durée, et même parmi les vaisseaux d'une même nation le quart est inégal: toutefois il est toujours mesuré et déterminé par horloges, chaque horloge étant fixé à une demi-heure. En France dans les vaisseaux du Roi le quart est souvent de huit horloges. Dans les autres vaisseaux il est tantôt de six, tantôt de sept, et quelquefois de huit. A chaque fois qu'on commence et qu'on lève le quart on sonne la cloche pour en avertir l'équipage. On dit, Ce matelot n'a pas fait le quart. Ce Timonier a fait lever le quart un horloge plutôt qu'il ne faloit. En Angleterre le quart est de quatres heures, et en Turquïe de cinq.« »Quart. Les gens du Quart. Niederländisch: Quartier, Quartiervolk. Le Capitaine, ou Commandant d'un navire doit faire la division de ses Quarts, et en faire écrire la disposition dans un tableau qu'on atache à la porte de sa chambre, ou au mât d'artimon.« »Le premier Quart, ou Quart de tribord. Niederländisch: Eerste wagt, Nagt-wagt, Hoofdtwagt. C'est celui qui est pris le premier, c'est-à-dire, immédiatement après l'aube, ou à l'entrée de la nuit. Ce premier quart est aussi apellé Quart de tribord, et est fait par les Oficiers subalternes en pié, ou par les plus anciens d'entre les subalternes.« »Le second Quart est pris aussi-tôt que le premier quart est fini, ce qui arive ordinairement â minuit. Celui-ci se fait presque toujours par les Oficiers subalternes qui sont en second, ou par les moins anciens Oficiers d'entre les subalternes; Quart de babord. Niederländisch Hondtwagt«, vergl. das deutsche Hundewache. »Quart du jour. Niederländisch de laatste nagt-wagt, Morgen-wagt. C'est celui qui est pris à la fin du second quart, et qui amène le jour, c'est-à-dire que le jour paroît avantque ce quart soit fini.« »Prendre le Quart, Niederländisch op de wagt gaan.« »Etre de Quart, faire son Quart, de wagt hebben, syn quartier waaken.« »Apeller au quart, niederländisch porren, unser purren = wecken.« »Au Quart, au Quart. Niederländisch: Quart, Quart, c'est la manière d'apeller ceux dont le tour vient de faire le quart.« Dieses Purren geschah auch auf deutschen Schiffen mit dem Rufe: »Quartier, Quartier!« Doch wurde dieses Wort nicht bloß gerufen, sondern in der den deutschen Seeleuten eigenen langgezogenen Weise ausgesungen. Und meist begnügte man sich nicht mit den beiden Worten, sondern sang, wie beim Werfen des großen Lothes, einen ganzen Vers, einen Quartiervers. Diese Verse führen in den Gedankengang jener Seeleute ein und zeigen zugleich, welcher Sprache sie sich bedienten. Daher mögen hier ihrer etliche aus der Mitte des siebzehnten Jahrhunderts eine Stelle finden.
Quarteer, Quarteer, wilt my verstahn, Ein ander Quarteer mut waken gahn, Gott vorlehn uns synen Frede, Glück und beholden Reiß darmede!
Hir fahre wy mit Gott vorheven, Gott will uns unse Sünd vorgeven, Unse Sünd und Missedaht, Up Gott steit all unse Thoverlaht.
Glück und beholden Reiß, Gottes Genad uns begleit, Gut Weder vor de Wind, Gott mack unsen Fiend blind.
Gott der Herr gewe gut Gesicht, Achter düster, vör dat Licht, Einen rumen Wind und gut Vorspoet! Dat doet uns allthosamen goht.
Gott wil dit gute Schip bewahren, Mit all de jenen de dar mit fahren, Mast, Kehl, Steng, Rohr, Stag und Wand, Bewahr uns Herr durch dine Hand!
Gott bewahr dit gode Schip, Vor einigen Ungelück, Vor See, vor Sand, vor Führ, vor Strand, Vor den bösen Höllschen Vyand!
Gott bewahr uns vor Ungelück, Vor Rövers, Törcken und er Tück, He holde uns by synem Wort, Dat wy ehn prisen hir und dort.
Gott help uns in ein gude Have, Na unsen Wunsch und synen Lave, Mit ein dicht Schip gesunden Mann, Heruth Quarteer in Gottes Nahm.
Heruth Quarteer und beydt nicht lang, Und wilt den Mann tho Rohr verfangen Laht ehn ock nicht langer stahn, Dit Quarteer mut schlapen gahn.
Gott laht den Schipper lange leven, Wen he uns wert den Brandwin gewen, Gott geve ehm guds tho aller Stund! Dat wünsch ick ehm van Harten grund.
De Stürmann ys van guder Art, He schrifft he past des Schepes Fahrt, Mit synen Bage ys he bereit, Wen ehr de Sünn naed Süden geit.
Man tho Rohr guder Held! Wyl gy syn ant Rohr gestellt, Wacht dat Rohr stüret gewiß, Unsre Höpening up juw ys.
Unser Klenod dat Compaß, Ein wackend Oge und dat Glaß, Is ein Foht dar men up buwet, Doch alleen unsen Gott vertruwet.
Jungmann stet hirup bedacht, Nehmt de Pump in guder acht, Brucket dat Loth sparet neen Lien, Lath de Vorsorge by juw syn.
Riset up Kock gode Maht! Muntert juw uth juwen Schlap, Vor frischet juw Fisch unde Fleisch, Gott geve uns Glück und beholden Reiß.
*Quartier geben*
ist = Pardon geben. Quartier ist hierbei im Sinne von Unterkunft zur Erhaltung des Lebens genommen, s. Quarter-Deck. Wenn einer einen Gefangenen macht und ihm das Leben schenkt muß er ihm auch für Unterkunft sorgen und zwar schon seines eigenen Vorteils wegen für eine *sichere* Unterkunft.
Den Ausdruck Quartier geben für die eine Seite entspricht auf der anderen »Quartier begehren« d. h. die Waffen strecken.
*Quast*, der,
heißt wegen der Ähnlichkeit der Gestalt in der Seemannssprache der Pinsel. Eigentlich ist -- vergl. Badegast -- Quast ein Laubbüschel, Zweigbüschel, Reisigbündel. Es kommt als quest häufig und in vielen Verbindungen im Mittelniederdeutschen vor: klederquest, Kleiderquast, die Kleider auszuklopfen; heide-quast, Quast aus Heidekraut, die Töpfe und anderes Küchengerät zu reinigen, wi-quest, Weihwedel; witjen-quest, dicker Pinsel von Schweinsborsten um die Wände zu witjen, zu weißen. Hochdeutsch kennen wir das Wort hauptsächlich als Quaste.
»Mit dem weißen, dem schwarzen Quast malen« sagt der Seemann, je nachdem der Vorgesetzte bei der Besichtigung des Schiffes gnädig oder ungnädig ist.
R.
*Rabatteisen*, das, s. Kalfaten.
*Rack*, das,