Etymologisches Wörterbuch der deutschen Seemannssprache
Part 35
griechisch okeanos, bei Homer der die Erde wie das Meer rings einschließende Weltstrom, Urquell alles dessen was ist, aus dessen Fluten sich die Gestirne erheben, so wie sie auch wieder in ihn zurückkehren. Später das Weltmeer, von dem es im Besonderen wieder einen indischen und westlichen Ocean gab. Okeanos war in der griechischen Mythologie personifiziert, Sohn des Uranos und der Gäa, Gemahl der Thetis, Vater einer Menge von Söhnen und Töchtern (der Gewässer), ein Gott, der an Macht nur dem Zeus wich. Der deutsche Seemann kennt nur drei Oceane, den atlantischen, den er gern kurzweg den Atlantik nennt, den großen, für den er gern Südsee sagt, und den indischen. Die Engländer haben außerdem noch einen arctic und einen antarctic ocean.
In dem Worte Ocean steckt unser altdeutsches aha, lateinisch aqua = Wasser, mit verdunkeltem a wie bei dem oog in Wangeroog, Spiekeroog, Langeoog etc. etc.
*Ochsenauge*, das,
war vor hundert Jahren für nichts anderes im Gebrauch als für eine Öffnung, die man bei dickem Wetter in den Wolken sieht, ein Stückchen blauen Himmels bei sonst grauer Bedeckung. Roeding meint, durch solch eine Öffnung habe sich der Wind einen Weg gebahnt und man bekomme ihn daher oftmals kurz nachher von der Seite, wo sich diese Öffnung zeigt. »Wenn ein Ochsenauge der Sonne gegenüber steht, so hat es die Farben eines Regenbogens, und alsdann nennt man es auch eine Wettergalle. Steht es aber bei der Sonne, so ist es gewöhnlich ein Vorbote von schlechtem Wetter.« Seit uralten Zeiten waren große Augen bei den Frauen für schön geachtet, daher das berühmte boopis im Lateinischen wiedergegeben werden konnte mit »grandibus oculis praedita.« Es lag nahe, einen solch freundlichen Himmelsblick ein Auge zu nennen, daß es gerade ein Ochsenauge sein mußte, zeugt davon, daß unter unsern Seeleuten schon im 18. Jahrhundert sich junge Leute befanden, die die Bänke hoher Schulen gedrückt und mit dem vermeintlich freien Seeleben vertauscht hatten.
Heute heißt in begrifflicher Anlehnung an diesen Gebrauch von Ochsenauge ein kleines, rundes, wenig aber doch immerhin etwas Licht spendendes Stück Glas, das in einer Kammer die Stelle eines Fensters vertritt, sei es, daß es von oben durch das Deck, sei es, daß es von der Seite durch die Bordwand leuchtet, Ochsenauge; englisch bull's eye, daher auch bei uns meist Bullei genannt.
*orientieren*,
kommt ursprünglich aus der Baukunst und wurde zuerst von Kirchen gebraucht, die nach altchristlichem Gebrauch so gebaut wurden, daß der Chor nach Osten zeigte. Eine solche nach oriens gerichtete Kirche hieß und heißt orientiert. Nach einer orientierten Kirche konnte sich jeder leicht in Bezug auf die Himmelsrichtungen unterrichten, weshalb man bald »sich oder jemanden orientieren« gebrauchte für informieren, zurechtweisen, belehren u. s. w. Aus dem Umstande, daß mittelalterliche Kirchen entweder im ganzen oder gar nur in einzelnen Teilen nicht genau orientiert sind, hat ein Baumeister unserer Tage geschlossen, man habe die Orientierung der betreffenden Kirchen zwar nach der Magnetnadel vorgenommen, aber die Mißweisung außer Acht gelassen.
*Orkan*, der.
So heißt jetzt jeder Sturm, der sich über das gewöhnliche Maß des Sturmes hinaus steigert, ja im Binnenlande ist man mit der Bezeichnung orkanartiger Sturm schon bei der Hand, wenn irgendwo einmal ein Glasdach abgedeckt wird; ursprünglich waren aber nur die besonders schweren westindischen Stürme, die Cyclone, damit gemeint, denn aus dem karaibischen Meer haben die Spanier das Wort mitgebracht; spanisch huracan, welches die dem Ursprünglichen am nächsten kommende Form sein dürfte; italienisch uracano, französisch ouragan, niederländisch orkaan. Die Engländer haben das anlautende h stehen lassen und sagen hurricane. Bei uns ist es erst in der neuhochdeutschen Zeit in Aufnahme gekommen.
*Orlogschiff*, das, s. Kriegsschiff.
*Orlopbalken*, *Orlop*, *Overlop*, s. Deck.
*Ort*, der.
Es gibt fünf verschiedene Bedeutungen von Ort: 1. Schusterahle, 2. Maß, 3. eine Münze, 4. eine Landspitze, 5. ein Platz. Sie kommen aber alle fünf in dem einen Begriff Spitze zusammen, spitzer Punkt, Anfang, Ecke, Winkel, Rand, Platz; einem Begriff, der sich an der See in den Bezeichnungen Darserort, Brüsterort, Friedrichsort erhalten hat und der in dem althochdeutschen Ort und dem mittelniederdeutschen oort noch ausschließlich lag; wie denn auch im Altfriesischen oerd für Schwertspitze gebraucht ward, und in Groningen noch heute oort die Messerspitze heißt, wie im Angelsächsischen ord ganz allgemein Waffenspitze. In Bezug auf die Bedeutungen Maß und Gewicht und Münze sagt Kluge, 276: »Zunächst ist diese Bedeutung von dem viereckigen durch ein Kreuz in vier Orten, d. h. Ecken geteilten Münzen ausgegangen und erst dann auf Maß und Gewicht übertragen worden.«
Die Bezeichnung Örtje, Örtchen für die kleine ostfriesische Münze, im Werte von 1-1/4 alten hannoverschen Pfennigen, ist in dem Spottgedicht verewigt, das Mitte des vorigen Jahrhunderts ein Offizier der hannoverschen Garnison in Aurich auf Ostfriesland gemacht hat.
»Wen gy von ein Land na dat ander segeln willen, und gy alßden juw Gissing willen maken, so möcht gy erst den Huck offt Ort des Landes, dewars, von juw aff gegeben, ehr und bevor gy de Glese kehren,« »Beschriving van der Kunst der Seefahrt«, 1673. Daß Ort ein langes o hat, geht schon aus den obigen alten Formen hervor, wird aber bestätigt durch das »Seebuch« von Manson, Lübeck 1735: »Vons West Ende von Femern nach dem Inlauff von Kiel ist es Westen zum Süden 5 Meilen, die Förde ist groß und weit, ihr lasset das Casteel, *Friedrichs Ohrt* im Aufsegeln am Stührbord, man gehet dann das Förde auf nach der Stadt zu.
Von Kieler-Föhrde biß Eckern-Förde ist es Nord-Nordwesten 2 Meilen ist gleichfals eine grosse weite Förde, man segelt hier für die Stadt gleiches Nahmens.«
*ösen*
heißt schöpfen, ausschöpfen, besonders das Wasser aus einem Boot mit einem Schöpfer, Ösfaß genannt, ausschöpfen. Schon Kilian übersetzt oozen mit haurire, und von einer Form dieses Zeitworts stammt es auch, indem es aus haustum weitergebildet ist mit geschwundener Aspiration. Das beweisen die Formen mit au, in der Edda ausa, gießen; auster das Wasser das sich am Boden eines Fahrzeuges sammelt, eigentlich das Auszuschöpfende; aust-skota, das Schöpfgefäß. Es beweisen es auch die Formen die bis auf heute das h des Anlautes behalten haben. Wangeroogisch und überhaupt neuniederdeutsch hozen, neuniederländisch hoosen = schöpfen, hoosvat = gieter, Gießer.
Friesisch eaze, mittelst des easfet. »Wol beslein, zei Anke de scipper, it scip forlern, ind it easfet bihalden.« Bei der Lüneburger Salzgewinnung heißt oseammer, osammer der Schöpfeimer und der Solschöpfer führt den Namen oser. Von Bremen bis Wangerooge heißt der unterste Rand des Daches von dem das Regenwasser auf die Erde tröpfelt oese und oesing, also Dachtraufe. Kurz im ganzen niederdeutschen Sprachgebiet heißt ösen schöpfen oder gießen; »een öse, dar dat segel mit genettet werdt.« Und auch im Oberdeutschen heißt Oese das Schöpfgefäß; nicht zu verwechseln mit Oese = Ohr, Henkel, Griff, denn das kommt gemäß einem bei Willmans I. 85 auseinandergesetzten Lautverschiebungsgesetze vom gothischen auso, das = Ohr ist.
Man sagt, wenn einer etwas mutwillig umkommen läßt: »er verast es;« das muß eigentlich heißen: »er veröst es«, gießt es aus, verschüttet es.
P.
*P. and O.*
Abkürzung für Peninsular and Oriental Line, eine Schiffahrtslinie die ihre Verbindungen mit der Peninsula d. h. Spanien und Portugal und mit dem Orient d. h. mit Ostindien etc. etc. unterhält. Im Abkürzen sind die Engländer groß; Gib für Gibraltar und Frisco für Francisco und Hock für »Hochheimer« kann man auf jedem englischen Kriegsschiffe hören, und in ganz Indien, China und Japan hört man nie anders als von P. and O. = Dampfern reden, wenn man von dieser englischen Linie und ihren Schiffen spricht.
*p. m.* s. a. m.
*Pageie*, die,
heißt nach Roeding (1794) bei den Negern an der afrikanischen Küste und auch bei den Indianern eine Art Riemen mit breitem Blatt. Wort und Sache scheinen zu uns auf dem Wege über Frankreich gekommen zu sein, französisch pagaye, Zeitwort pagayer, und der Ruderer mit diesem Werkzeug heißt pagayeur. Die Pageie wird nicht auf den Dollbord aufgelegt, sondern der an der Bordwand des Bootes sitzende pagayeur rudert aus freier Hand, die Pageie auf und nieder haltend. »L'effet de la Pagaye est plus considérable que celui de l'aviron, mais sa manoeuvre exige plus de force et fatigue davantage.« (Bonnefoux et Paris, marine à voiles 542.)
*paddeln*
heißt auf eigentümliche Art rudern oder im Wasser sich bewegen. Es scheint, daß in England sich der Name Pageie nicht eingebürgert hat, (s. d.) vielleicht weil man dorten für ein ähnliches Werkzeug den sehr populären Namen paddle hatte, der sich nicht verdrängen ließ, »a sort of short oar with a broad blade used in propelling and steering canoes and boats.« Paddel ist aber auch bei uns neben Pageie in Gebrauch, besonders indessen das Zeitwort paddeln, eine Tätigkeit anzeigend durch die das Wasser, sei es durch Rudern, sei es durch eigentümliches Schwimmen, so bewegt wird, wie ein Frosch es beim Schwimmen bewegt. Ein Frosch oder eine »Kröte« hieß aber angelsächsisch pada und heißt englisch paddock, niederdeutsch padde.
*Packung*, die.
Packen heißt zuerst ein Packet machen, dann seine Sachen für die Reise in einen Koffer legen, dann sie in einer Truhe, einer Kommode unterbringen, in Ordnung bringen, sichern; daher heißt die Dichtung einer Gas- oder Dampfröhre, weil sie eine Sicherung darstellt, Packung s. Bagger, Baginrahe, Packetboot.
*Packetboot*, das,
ein Schiff das regelmäßige Fahrten ausführt und dabei Passagiere, Güter, Packete und Briefe befördert, also das vorstellt, was man jetzt gewöhnlich einen Postdampfer nennt. Das Wort Packet ist mit dem niederdeutschen bag verwandt, das Sack bedeutet, s. Bagger und Bagienrahe. Aus balg = Tierhaut ward bag = Sack; aus bag ward Pack, denn wer keinen bag hatte, der band sein Zeug einfach mit einem beliebigen Stück alter Leinewand zusammen, und das stellte dann auch einen Pack vor. Dann erweiterte sich der Begriff dahin, daß alles was zusammengeschnürt oder auch nur in ein Papier eingewickelt war schon als Packet angesehen wurde. Die Post die dergleichen besorgt heißt Packetpost, das Schiff das dergleichen befördert Packetboot.
*Pall*, das,
ist eine eiserne Sperre am Spill, dessen Rücklauf zu verhindern. Pall, englisch pallet, heißt das im Winkel gebogene Ende des Armes eines sogen. Ankers in einer Uhr, das in die Zähne des Zahnrades eingreift. Das Bremer Wörterbuch kennt das Wort in verschiedenen Bedeutungen. »Wenn das Sperreisen in eine solche Kerbe greift, so rufen die (das Spill drehenden) Matrosen: Pall! und machen eine Pause. Daher haben wir die sehr gebräuchlichen Redensarten: pall staan: unbeweglich stehen, standhafte Gegenwehr tun; to Pall setten, fest setzen; slim to Pall kamen, übel anlaufen, mit vieler Mühe seinen Zweck erreichen.«
Auch in der Seemannssprache unserer Tage adverbial gebraucht: Das Schiff steht pall, steht fest. Überhaupt ist mit dem Worte der Begriff »*fest*« verbunden. Er hat also nichts mit dem Pall in Pall-Mall (Malje) zu tun, das von palla = Ball und maglio (malleus) Hammer kommt und ein ehedem auch in deutschen und niederländischen Städten (Halle, Altona, Utrecht) beliebtes Ballspiel bedeutete, sondern kommt vom lateinischen pala, der Spaten. Dieses Werkzeug scheinen die Alten aber ausgedehnter gebraucht zu haben als wir, denn es kommt seinerseits von pango = festschlagen; allerdings schlagen auch wir die Kanten des mit dem Spaten Gegrabenen mit dem Spaten fest, aber in pala scheint der Begriff »fest« doch noch stärker zur Geltung gekommen zu sein.
Ich finde das Substantivum »die Pallen« zuerst in der »Beschriving van der Kunst der Seefahrt«, 1673: »Es sähe überall sauer aus, und die Noth war da, derohalben entschloß ich, daß wir wolten daß erste Land für das beste erkiesen; auff daß wir in der See nicht vergehen möchten; den zuvor dürffte ich mich nicht mit dem harten Wind an den Wall geben, weil die Pallen von daß Bratspieß weg wahren, den so wir zum Ancker gehen mußten, konnten wir solches nicht wieder auffbekommen, gedacht auch, so der Wind Westlich blieb, wolten wir den andern Tag unser Korß nachs heilige Land (Helgoland) setzen, den wir waren damahls neben dem Eylande Just, so an die Fresische Kost gelegen ungefehr acht Meilen von de Wall.«
*palmen*
heißt Hand über Hand holen, also nicht wie solches auf Kriegsschiffen gewöhnlich geschieht, den zu hissenden Gegenstand auflaufen, sondern mit wenig Matrosen, indem jeder von ihnen eine Hand vor die andere setzt, in die Höhe ziehen; das Gegenteil davon ist fieren, was auch Hand über Hand geschehen muß damit der zu fierende Gegenstand oder vielmehr das an ihm befestigte Tau nicht schliere.
Kommt vom lateinischen palma, das Innere der Hand, von dem auch die stolzen Palmen wegen der Ähnlichkeit ihrer Blätter mit einer flachen Hand und ihren ausgebreiteten Fingern den Namen haben.
Die Hand wurde auch ebensogut wie der Fuß und der Ellbogen als Maß benutzt und man gebraucht dementsprechend palmen auch für messen.
*Palstek*, der.
Stek heißt Stich, vom Durchstechen eines Tauendes durch eine Schlinge; Pal heißt Pfahl; darum aus dem Ganzen einen »Pfahlstich« zu machen ist ein unangebrachter Versuch der Verhochdeutschung eines gut niederdeutschen Seemannswortes. Das Eigentümliche des Palsteks ist, daß er nicht zuschliert wenn er um einen Poller oder Dükdalben gelegt wird, auch wenn Kraft darauf kommt, und daß man, sobald die Kraft zu wirken aufhört, den Palstek ohne Weiteres wieder von dem Pfahl, dem Poller, dem Dükdalben abnehmen und über einen anderen streifen kann, wenn etwa ein Schiff verholt werden soll.
*Pampero*, der,
ist ein heftiger, plötzlich und überraschend aufkommender, mit schwerer Bö einsetzender Wind an der Küste von Südamerika; aus Westen wehend, hat er seinen Namen von den Pampas, über die er hinwegstreicht. Schon manches Schiff lag dem Kentern nahe oder ist gekentert, wenn es sich an jenen Küsten von einer so schwer vorherzusehenden »weißen Bö« überraschen ließ.
*Pantry*, die,
ausgesprochen Päntry, also über England zu uns gekommen, bedeutet jetzt den zu einer Messe gehörigen Anrichteraum, in dem die Gläser, Teller, Messer, Gabeln etc. etc. aufbewahrt und auch abgewaschen werden. Vorräte werden in diesem Raume nicht verstaut, doch muß früher wenigstens ein gewisser Vorrat von (Hart-) Brot in der Pantry gehalten worden sein, denn von panis, das Brot, hat sie ihren Namen, der also eigentlich Brotkammer bedeutet; das Mittelglied zwischen panis und pantry ist das französische paneterie.
*Panzer*, der.
Die gewaltigen Panzerschiffe die jetzt den Ocean durchfurchen haben ihren Namen vom Unterleib. Panzer ist ein Lehnwort aus dem Lateinischen. Da heißt pantex der Leib, gewöhnlich in der Mehrzahl und poetisch gebraucht als pantices, die Eingeweide. Daraus ward italienisch pancia, spanisch panza, provençalisch pansa, französisch panse; mittelniederdeutsch panse, pantze, pantse, der Pansen, Wanst, Bauch, Magen, Kuhmagen, Magen der Wiederkäuer. Von Menschen wird es jetzt nur noch in sehr freier Rede gebraucht und in stehenden derben Redensarten: »Ich trete Dir vor, in den Pans!« »Sük de Pans full fräten.« Doch spricht das Volk auch ganz harmlos: »Mit ledige (leeren) Pansen is god dansen«, wo der Gebildete sagen würde: »plenus venter non studet libenter.«
Den Teil der Rüstung der den Unterleib deckte nannten die Italiener panciera, spanisch pancere, altfranzösisch panchire, mittelniederdeutsch (Kil.) pans-yser oder panssier. Es war eine schuppenförmige Stahlschürze, die hat sich inzwischen zu halbmeterdicken Stahlplatten ausgewachsen.
Die Panzerung eines Schiffes besteht aus einzelnen Panzerplatten die je nach dem Material, dem Erfinder, dem Ort der Verfertigung ihre Namen führen; so spricht man von Stahlpanzerplatten, Compoundpanzerplatten, Nickelstahlplatten, Harweyisierten Platten, Tressiderplatten u. s. w.
*Pardun*, das.
Die Parduns sind stehendes Gut und stützen die Stengen nach der Seite und nach hinten zu und verleihen ihnen festen Halt. Die Endung un, oen geschrieben, kommt im Niederländischen, woher das Wort -- es lautet daselbst perdoen -- stammen wird, häufig vor; katoen, blazoen, latoen, plantsoen, festoen, galjoen, menizoen, vermiljoen. Die Stammsilbe par dürfte von bar, par = tragen kommen, denn das Pardun ist ein tragendes, haltendes, festhaltendes Etwas. Es müßte, wenn diese Ableitung richtig ist, eigentlich Parun heißen; aber so gut man, wie in Kiel geschieht, der bequemeren Aussprache wegen anstatt Karl Kardel sagen kann, so gut kann sich auch hier das d eingeschlichen haben, zumal bar, par die Neigung hat, sich mit d weiterzubilden, wie Geberde und Hellebarde, Helleparte beweisen.
*Part*, die.
Das Wort kommt von pars, der Teil, und wird schon im Mittelhochdeutschen für Teil, Anteil, Abteilung gebraucht. Demgemäß wird es noch heute häufig gehört: Halbpart, Partei, Partie Waren, eine »gute Partie«, eine Landpartie; seemännisch als Anteil an einem Bodmereigeschäft, Schiffspart, und dann sehr häufig im Gebrauch für »Teil eines Taues,« und dann auch wohl die Parte. So heißt jeder einzelne Teil des Läufers eines Takels der von einer Scheibe bis zur anderen geht, so daß ein Takel doppelt so viele Parten hat als Scheiben.
Ein einfaches Tau, das überhaupt durch keine Scheibe geschoren ist, das man also im Binnenlande einfach als Strick bezeichnen würde, nennt der Seemann eine enkelte Part, einzelne Part. Wird aber dasselbe zusammengebogen, so daß dessen beide Enden neben einander liegen, so heißt die so gebildete Bucht eine doppelte Part.
*Passat*, der,
ist der nördlich und südlich vom Äquator regelmäßig aus Nordost bezw. Südost und annähernd stets in der gleichen Stärke wehende, dem Seemann hochwillkommene Wind. Das unter Passer erwähnte spanische paso heißt nicht nur Schritt, Gang, Art zu schreiten, in welcher Bedeutung es schon allein zur Erklärung von Passat genügen würde, sondern auch »Strich der Vögel«. Wie nun die Vögel auf ihrem Zuge nach oder vom Süden stets den gleichen Strich inne halten, so streicht auch der Passat stets auf demselben Strich, aus bekannten physischen Ursachen. Englisch heißt der Passat tradewind; trade heißt ursprünglich Weg, Lauf, Pfad; Passat wäre also ein Wegwind, der stets denselben Weg weht. Es liegt auf der Hand, daß in diesem allgemeinen Sinne auch die Monsune Passate sind; doch haben die ihren eigenen arabisch-persischen Namen behalten.
*Passer*, der,
ist das was uns jetzt unter dem Namen Zirkel geläufiger ist. Ursprünglich hieß unser Kompaß in den romanischen Sprachen compasso und bedeutete weiter nichts als Zirkel = Meßinstrument; die jetzige Bedeutung als Instrument zum Messen der Himmelsrichtung ist später hinzugekommen. Im Spanischen hat paso neben vielen anderen Bedeutungen auch die von Takt, Versmaß, überhaupt von Maß und von Werkzeug zum Messen. Fuß, Spanne, Hand (palma), Elbogen, Klafter sind Maße vom menschlichen Leibe genommen; ein solches Maß ist auch der Schritt, sogar jetzt im Zeitalter des Meters noch sehr gangbar. Vom Schritt zum Messen und vom Messen zum Meßwerkzeug war jedesmal nur ein Schritt.
Insbesondere wurde der Passer zum Absetzen auf der Seekarte gebraucht, die man darum auch Paßkarte nannte.
*Pegel*, der.
Maß zum Messen des Wasserstandes bei Meeren, Seen, Flüssen. Es bedeutet im Mittelalter ganz besonders ein Maß zum Messen von Getränken, wobei die messende Skala an der inneren Wand des Trinkgefäßes angebracht war. Das von einigen Gelehrten Ende des 18. Jahrhunderts herausgegebene »Bremer Wörterbuch« bemerkt hierzu: »Vor Zeiten bedeutete Pegel ein gewisses Maß flüssiger Sachen. Nächstdem nannte man hier auch also einen inwendigen Ring einer Kanne, der zum Abmessen des Trunkes bei den Gelagen diente. Unter den Meisterstücken der hiesigen Zinngießer ist noch jetzt eine Kanne mit Pegeln gebräuchlich. Da eine solche Kanne mit verschiedenen dergleichen Ringen versehen gewesen, so hatte ehedem ein jeder der Saufbrüder grade bis auf einen solchen Ring, ohne abzusetzen, trinken müssen. Hatte er diesen verfehlt, so war er genötigt, zur Strafe auf den folgenden zu trinken. Wobei der ziemlich unhöfliche Zuruf gewöhnlich gewesen: Suup up den Pegel, du Flegel! Daher sagt man auch noch: enen goden Pegel supen, einen guten Trunk verstehen können, ein großer Säufer sein.« Daher also stammt der Ausdruck picheln für Trinken. Man sieht, die Deutschen befleißigten sich von jeher des Trunkes nach allen Regeln der Kunst. Doch tat der Pegel gute Dienste beim Einschenken, indem man, wie bei den Kindersaugflaschen, durch die Striche an der Wand genau den Inhalt des Gefäßes sehen konnte. So konnte jeder wissen, ob er für sein Geld auch sein rechtes Maß bekam. »Sed to, ys dat recht getappet? Is dar doch ein gantz pegel weggeschnappet«, beklagte sich im Mittelalter ein Mecklenburger beim Wirt. Ebendaher stammt auch der Vers: »Is it ein mester, moet man en firen, so moet he am ersten sinen pegel utliren.« Der alte Kilianus Duffläus erklärt peghel mit capacitas sive mensura vasis; peghelen mit metiri, mensurare und sagt auch schon öfters peylen anstatt peghelen (s. peilen). Nordfriesisch heißt Pegel nicht nur ein Maß an oder in einem Trinkgefäß, es kommt der Ausdruck auch beim Kornmessen vor. Also ist die Bedeutung ganz allgemein die eines Maßes. Die Verwandtschaft mit Beil ist wahrscheinlich. Beil hieß altnordisch biegel, althochdeutsch pigil und heißt in Bayern heute noch Beichel. Man hat sich also die Sache so zu denken, daß ursprünglich die Maße am Rande des (hölzernen) Gefäßes Einschnitte oder Kerben, mit einem Beile gehauen, waren.
*peilen*,
etwas abmessen, untersuchen, beobachten, messen, feststellen, bestimmen. Die Sonne peilen, sie mit einem Peil- oder Azimutal-Kompaß beobachten, in welcher Himmelsgegend sie steht. Den Grund peilen, die Tiefe desselben mit dem Senkblei, welches daher das Peillot genannt wird, untersuchen; das Land peilen oder die Lage desselben mit dem Peilkompaß bestimmen, wie weit vom Schiffe und nach welchem Kompaßstriche es liegt. Die Pumpe peilen oder mit dem Peilholz untersuchen, wie hoch das Wasser in der Pumpe steht. Peilen ist zusammengezogen aus pegelen, indem das g der größeren Bequemlichkeit wegen ausfiel und aus den beiden dann zusammengetroffenen e der Diphthong ei wurde. Pegelen aber kommt von Pegel (s. d.). Was heute Peilkompaß heißt, nannte der Verfasser der »Beschriving van der Kunst der Seefahrt« 1673 noch durchgängig Pegel-Compaß. »Tho Pegelinge averst der Landen, Torens, Huken und Baken, imgeliken der Sünnen up und underganck, is nichts bequemeres, den ein recht Pegel-Kompaß, wil se averst mennigen tho dür sin (dar doch offt Schip, Man und Gut angelegen is) so werender ock weinig by der See gefunden, de se gebrucken offt bei sik föhren, behelpen sick, in Platz von dessen, mit ein Kompaß mit ein Pin, dar man sik ok thor Noth wohl mit behelpen kan, wen man wet dat de Drat unter de Rose Süden und Norden gelecht is. Dat seckerste holde ick awerst vor best.«
*Penterhaken*, der.