Etymologisches Wörterbuch der deutschen Seemannssprache
Part 32
Wie er aber näher kam, kehrten wir ihm daß hinter Schiff zu, und paßten auff, daß wir ihn mit unserm hintern Geschütz, so neunpfündige Kugeln schoß ziemlich wol traffen, loffeden auch alsoford wieder an, der Türcke aber kam inmittelst etwas zu Loffwart hinten aus, er folgete uns aber wieder nach, und wolte wieder an Bort kommen, wir machtens aber wieder wie zuvor, und kehrten ihm das hinterste zu, gaben auch indem auf ihn Feuer, traffen ihn also, daß sein Vormarssegel nicht allein von oben nieder fiel, sondern auch von einem Ende zum andern auffrisse, dadurch er uns nicht so bald wiederumb besegeln konte: der Vice-Admiral aber von den Türcken gedachte unssern Cammeraten an Bort zu legen, der ihn auch solches verdrehete und ihm daß Hinterschiff zukehrte, daß dem Vice-Admiral sein Bochspret vor die Steve hing, derowegen konnte er sein Segel nicht schrab (fest) setzen, daß er uns ferner verfolgen konnte; die andern drey so noch zurücke waren, schossen zwar mit ihren Bochstücken hinter uns an, welches ihn zurücke hielt, und was wir hinter aus schossen, foderte uns, so, daß wir endlich vor ihm das Land bekamen, sie aber dürfften dem Land nicht so nahe kommen, weil der Vice-Admiral durch sein Bochspret redloß war, derhalben musten sie uns endlich verlassen, wir aber gingen längst dem Wall nach S. Hubes, umb allda erstlich in Salvo zu kommen, und ferner Compagney mit uns nach S. Lucas zu suchen, dahin unser Wil war.«
*Luvart*
kommt in der Verbindung zu luvart häufig als Bezeichnung der Richtung vor aus der der Wind kommt. »Das Schiff segelt zu luvart von uns«; Gegensatz: »Das Boot fährt in Lee von uns«. Die Präposition zu ist fälschlich zu luvart gekommen in einer Zeit in der man die Zusammensetzung von luvart nicht mehr im Bewußtsein hatte. Dieses Wort heißt nämlich eigentlich luvwärts und ist über luvwart zu luvart geworden, doch so, daß von dem geschwundenen w manchmal noch etwas zu hören ist, wenn nicht das Wort noch bequemer und nachlässiger luvert ausgesprochen wird. Die Form »luvwart« ist bezeugt als »Loffwart« in der »Beschriving van der Kunst der Seefahrt« 1673; der Verfasser trieb schwer havarirt in einem Novembersturm in der Nordsee: »Wir sahen auch ein Schiff zu *Loffwart* von uns; liessen derowegen ein Schau oder Zeichen weyhen, daß wir verlegen waren« ...
*Luvgierig*
ist ein Schiff, wenn es die Neigung hat, sich mit seinem Bug dem Winde zuzudrehen, sei es infolge seiner Bauart, oder falschen Stauens der Ladung oder verkehrter Segelführung. Die beiden letzteren Ursachen lassen sich beseitigen, gegen den erstgenannten Fehler läßt sich nichts weiter machen, als daß man mit Ruderführung und Segelstellung die Luvgier zu heben sucht.
Das Gegenteil nennt man leegierig; dabei fällt das Schiff allzuleicht ab und ist schwer beim Winde zu halten.
*Luvküste*, die, s. Upperwall.
M.
*Maat*, der.
Bei der Kaiserlichen Marine heißen die Männer, die man bei der Armee Unteroffiziere nennt Maate, die Sergeanten Obermaate, und werden je nach ihrem Dienstzweig noch näher bestimmt als Bootsmannsmaat, Feuerwerksmaat, Steuermannsmaat, Wachtmeistersmaat, Maschinistenmaat, Feuermeistersmaat, Meistersmaat, Materialienverwaltersmaat, Artilleristenmaat u. s. w., das sind dienstliche Titel. Eine vorübergehende Beschäftigung hat der Stewardsmaat, ein Matrose, der zur Unterstützung des Stewards befohlen ist. Dieser letztere Maat ist aber der eigentlichen allgemeinen Bedeutung des Wortes nach der richtige Maat, denn das Wort bedeutet einen Gehilfen, Gesellen, Genossen, »Assistenten«. Kilian übersetzt maet mit socius, collega, hat auch die überflüssigerweise erweiterte Form med-maet, wie man im Mittelniederdeutschen die pleonastische Form mategeselle hatte. Niederländisch maat, maatschappy, Gesellschaft. Englisch mate, Genosse, Gefährte in so allgemeinem Sinne, daß es sogar husband oder wife bezeichnen kann; auf Handelsschiffen der Steuermann, auf Kriegsschiffen wie bei uns. Nach dem Bremer Wörterbuch heißt dorten ein Kamerad maat; es nennt auch ein Mädchen das andere das neben ihm in *einem* Hause dient maatske. Maat ist Verkürzung des althochdeutschen gimazo, das ist einer, der mit einem anderen zusammen die Speise, maz, verzehrt, ein Mitspeisender, Mitesser, Tischgenosse, und zwar Genosse in seiner ursprünglichen Bedeutung von »zusammen etwas genießen«, d. h. essen. Das alt- und mittelhochdeutsche maz, gothisch maths, altnordisch matr, englisch meat heißt Speise, Nahrung, Essen, besonders zum Essen bestimmtes, zartes, schieres, weiches, gehacktes Schweinefleisch; niederdeutsch met, so daß also Maat und Mettwurst zusammengehören.
Alle in Nowgorod sich aufhaltenden fremden Kaufleute waren in Haus- und Tischgenossenschaften abgeteilt; eine solche wird in einer Hansa-Urkunde des 14. Jahrhunderts mascop genannt; sonst heißt aber dieses Wort in jener Zeit matscop und matschop, also ähnlich dem angeführten maatschappy. In einer Lübecker Urkunde von 1347 heißt es: »Laten jo sere dancken, dat gy osen vrent onde osen math, heren W. hebbet vrentliken wedderdan sinen schaden.« In der Lübecker Chronik lesen wir: »Biscop Engelbert van Colne wart dot gheslaghen van greven Vrederike van Altena, de syn man was unde sin maath.« Doch war schon immer, so lange wir schriftliche Aufzeichnungen niederdeutscher Seemannssprache besitzen, das Wort maat in besonderem seemännischen Gebrauch. 1379: »Jtem dat B. syn knape sluch to der Sluus opt dat lant enen maten schipmann vor de noeze, dat he bloede.« 1564: »Darna Jacob geropen: mathe, wor syn ghy? helpet uns pumpen.« 1580: »Gerth sy houetbossmann unde Erasmus houetbossmanns mate gewesen.« 1580 also begegnet uns zum ersten Male der Bootsmannsmaat.
*machen*
wird im seemännischen Sinne nicht nur für »zurücklegen einer Strecke« gebraucht, z. B. wir machen neun Knoten oder Meilen, es heißt auch erreichen, in Sicht bekommen, anlaufen; z. B. wir machen Rio, sie machten Cap Skagen; genau wie im Englischen, »they that sail in the middle can make no land of either side.« Es ist hier ganz allgemein »etwas zu Stande bringen«, ähnlich wie in dem vor einigen Jahren wie eine Krankheit grassierenden »m. w.« = »machen wir.«
*macklig*,
richtiger macklich, denn es kommt von machen, niederdeutsch maken und bedeutet etwas, das so gemacht ist wie es gemacht sein muß um recht gemacht zu sein und damit man etwas Rechtes damit machen kann; also etwas Zweckentsprechendes, Brauchbares, Bequemes, Handliches wird man macklich nennen. »Der Hammer ist macklich«, d. h. er liegt gut in der Hand, man kann bequem damit arbeiten, »der Riemen ist macklich«, man kann bequem damit rudern. Macklich ist besonders im seemännischen Sinne auch das »was seemännisch gut gehalten ist«, vor dem Auge eines Seemannes Gnade findet. Ein echtes, rechtes nach Salzwasser riechendes Seemannswort, das aber bei neumodischen Seeleuten anfängt zu veralten. Vielleicht vom althochdeutschen Substantivum gimah (= Gemach, Bequemlichkeit, Annehmlichkeit, Behaglichkeit, Gemächlichkeit, Ruhe, Pflege, häusliche Bequemlichkeit, wohnliche Räumlichkeit, Zimmer wo man sichs bequem macht) oder vielmehr vom niederdeutschen gemak, im gleichen Sinne, vergl. das Sprichwort: »frejen (freien) under en dak, is'n grot gemak« abgeleitetes, jedenfalls aber von maken = machen abstammendes Adjectivum.
*Maifeld*, das,
heißt bei nautischen oder architektonischen Messungen, besonders beim Hafenbau, der gewachsene Boden des festen Landes im Gegensatz zum Wasser. Und zwar nicht eigentlich der gewachsene Boden, sondern seine bewachsene Oberfläche, besonders als Wiese gedacht, als ein Feld das gemäht wird. Mähen heißt niederdeutsch maien; das niederdeutsche Maifeld hat also mit dem Wonnemonat nichts zu tun, sondern bedeutet Mähfeld. Doornkaat: »Ein zum Mähen oder Grasschneiden bestimmtes oder liegen gebliebenes Feld oder eine Wiese.«
*Makler*, der,
Schiffsmakler, auch Mäkler, ein Unterhändler in Schiffsangelegenheiten, bei Käufen und Verkäufen, Ausrüstungen u. s. w. Das Wort kommt von machen, niederdeutsch maken, und zwar von dem Iterativum dazu makeln. Man kann es ins Hochdeutsche übersetzen mit »Macher« im Sinne von Gelegenheitsmacher, Heiratsmacher oder -Vermittler, letzteres ostfriesisch makesman.
Insofern ein Vermittler eines Kaufes unter Umständen bestrebt sein muß, um die Sache zu stande zu bringen, den Gegenstand des Handels schlecht zu machen und allerlei daran auszusetzen, »mäkelt« er daran herum, »bemäkelt« er sie.
*mallen.*
Wegen des Übrigen s. abmallen; hier nur die Erklärung (nach Dick und Kretschmer) was »gemallte Tiefe«, moulted depth, bedeutet, nämlich bei eisernen Schiffen die vertikale Entfernung der Oberkante des oberen Deckbalkens des Vermessungsdecks bis zur Oberkante des Kiels; bei hölzernen Schiffen die Entfernung der Oberkante der Oberdeckbalken bis zur Unterkante der Kielsponung.
*»Mann über Bord!«*
Ein Ruf, der sofort wie mit einem elektrischen Schlage das ganze Schiff in Bewegung bringt. Ist ein Mann über Bord gefallen, so ist das Nächste, ihm eine Rettungsboje zuzuwerfen und das Schiff zum Stillstand zu bringen; was bei einem Segelschiffe keine so ganz einfache Sache ist. Aber in diesem Falle werden die notwendigen Arbeiten seitens der Leute stets mit besonderem Feuereifer ausgeführt, so daß es einer Anspornung nicht bedarf. Es ist als ob jeder das Gefühl hätte, daß von seiner Bemühung das gefährdete Menschenleben abhänge.
*Mamiering*, die.
Ein Schlauch aus wasserdichtem Segeltuch, der über eine Röhre gestreift und daran befestigt ist, zum Zweck die durch die Röhre fließende Flüssigkeit weiter zu leiten. Offenbar steckt in der ersten Silbe das niederdeutsche mau = Ärmel, aber eigentlich nicht Ärmel in unserem Sinne, in dem ein solcher festgenäht ist, sondern loser Ärmel, wie man ihn früher über den Arm streifte. So heißen heute noch im Niederdeutschen die Pulswärmer, die auf den Unterarm gestreift werden, Muffen, was mit mau nahe verwandt ist; auch heißt Muffe ein eiserner Ring, der über die Verbindungsstelle zweier eiserner Rohre zur stärkeren Befestigung und Dichtung gestreift wird. Es liegt eine Wurzel zu Grunde, die mu lautet und drängen oder schieben bedeutet, von der auch das lateinische moveo, ich bewege, kommt. Der Begriff des Überstreifens ist also in mau gegeben; miering dürfte aus meren = verlängern gebildet sein, mit der niederdeutschen Endung ing: eine Verlängerung stellt die Mamiering ja unzweifelhaft dar, eine Verlängerung der Ausflußröhre, auf die die Mamiering ärmelartig aufgestreift ist. So müßte das Wort eigentlich maumering heißen; unter dem Einfluß der Zusammensetzung ist aber die erste Silbe durch Ausfallen des u gekürzt, die zweite aber unter dem Einfluß der Endung ing assimilierend in i umgelautet.
*Manilaleine*, die,
ein sehr leichtes, aber festes und haltbares, sauber und reinlich aussehendes Tauwerk; »dasselbe zeichnet sich vor dem Tauwerk aus gewöhnlichem Hanf durch größere Geschmeidigkeit, Elasticität und Dehnbarkeit sowie durch größere Unempfindlichkeit gegen Schamfielungen aus. Diese Vorteile im Verein mit dem Umstand, daß es auf dem Wasser schwimmt, machen es besonders geeignet zu Verholtrossen.« (Dick und Kretschmer, II. 3). Gefertigt aus Manilahanf, der Faser einer hauptsächlich auf den Philippinen wachsenden, von Manila ausgeführten musa-Art, genannt musa textilio. Sie ist nahe verwandt mit der musa sapientum oder paradisaica, die wir besser unter dem Namen Banane kennen, und mit der musa, die sich in unseren Gärten auf Rasenflächen als Solitärpflanze so vornehm ausnimmt.
*Manöver*, das,
eigentlich Handwerk, Handarbeit, französisch manoevre, italienisch manovra, spanisch maniobra, provençalisch manobra, mittellateinisch manopera, vom lateinischen manus, Hand und opera, Arbeit.
Jetzt im seemännischen Gebrauch jede größere gemeinschaftliche auf Kommando ausgeführte Arbeit zur Bedienung des Schiffes oder zur Ausbildung der Leute. Das erste Kommando dabei heißt: »Klar zum Manöver!« sei es, daß ein Teil der Wache, die ganze Wache, alle Mann gewünscht werden, was dann dem Worte klar vorangehend näher bezeichnet wird. Den Höhepunkt aller Einzelmanöver bilden die großen Herbstmanöver, bei denen eine ganze Flotte sich zu gemeinschaftlichen Übungen versammelt.
*mannen*,
ein Boot, ein Schiff bemannen, mit Mannschaft versehen, namentlich auch mit Kriegsmannschaft. Im Mittelniederdeutschen hieß es -- natürlich nur für den weiblichen Teil -- heiraten: »Dit en secge ic nicht allene van den wiuen, de ghemannet syn, mer oec van den megheden, de noch mannen willen, onde dat schynt, dat eyn gemannet wyf beter is dan eyn maghet, de noch mannen sal.« Seemännisch spricht man von mannen im Sinne von: »von Mann zu Mann weiter geben«; Schiller: »durch der Hände lange Kette, um die Wette, fliegt der Eimer« ... daher Geschoßmanner, Pulvermanner etc. etc.
*Mannloch*, das.
Womöglich soll man im Schiff, auch bei den jetzigen labyrintartigen Raumverhältnissen, an jede Stelle, auch an solche, die für gewöhnlich unzugänglich ist, zur Vornahme gewisser Arbeiten wie Malen, Reinigen etc. gelangen können. Dazu sind in den sonst dichten Wänden kleine verschließbare Öffnungen angebracht, grade so groß, daß ein Mann hindurchkriechen kann; sie heißen Mannlöcher.
*Mantel*, der.
Dieses aus dem lateinischen mantellum stammende Lehnwort wird bekanntlich nicht nur zur Bezeichnung eines Kleidungsstückes für Menschen, sondern überhaupt im Sinne von Schutzkleid, Schutzbekleidung, sei sie von Holz, Stein oder Eisen, gebraucht. So hat man an Bord einen Schornsteinmantel und im neuesten Rettungsboot ist am Ruder ein metallener Mantel angebracht, der beweglich ist und bei schwerem Wetter als Verlängerung des Ruders herabgelassen wird, damit auch bei schwerem Wetter und hohem Seegang das Ruder nicht wirkungslos in der Luft schwebe.
Siehe auch »Mantel und Takel.«
*»Mantel und Takel«.*
In dieser Verbindung bedeutet Mantel ein feststehendes starkes Tau und Takel einen Block mit Scheibe und Läufer. Breusing im Jahrbuch für niederdeutsche Sprachforschung 1876 S. 5 sagt: »Mantel ist das italienische Wort amanti, das spanische amantillos, das portugiesische amantilhos. Man hatte vergeblich nach der Herkunft desselben gesucht, bis uns Böckh in seinen »Urkunden über das Seewesen des attischen Staates« gelehrt hat, daß es im Mittelalter aus dem altgriechischen Worte himantes verderbt sei.« Darnach hätten wir in diesem Mantel eine volksetymologische Umbildung vom italienischen amanti und Anlehnung an Mantel zu sehen.
*Manntau*, siehe Laufstag.
*Marine*, die,
das Seewesen, besonders das Seekriegswesen. Es ist zwar unter Marine auch die Handelsschiffahrt mit einbegriffen, doch muß dies besonders kenntlich gemacht werden, »Handelsmarine«; wenn keine besondere Unterscheidung hinzugefügt wird, so ist Kriegsmarine zu verstehen, (»Mein Sohn will zur Marine«, d. h. er will Seeoffizier werden) was schon aus der Bezeichnung »Reichs-Marine-Amt«, Marine-Offizier hervorgeht. Was dieses letzte Wort betrifft, so ist Marine-Offizier der weitere Begriff, auch die Offiziere der Marine-Infanterie, die Sanitäts-Offiziere, Ingenieure u. s. w. umfassend, während diejenigen Offiziere die man im Binnenlande Marine-Offiziere nennt, sich selbst als »See-Offiziere« bezeichnen. Unkundige Leute, die einen Bootsmannsmaaten nicht von einem Matrosen, geschweige denn von einem Feuerwerksmaaten, unterscheiden können, helfen sich in unseren Seestädten mit der allgemeinen Bezeichnung »Mariner«; im Binnenlande sagt man im gleichen Falle, zum Unterschied von einem Matrosen, bei dem man zunächst an einen Handelsmatrosen denkt, »Marinesoldat«.
Während bereits im Altenglischen die Form mariner vorkommt, ist Marine bei uns zum ersten Male 1728 von Sperander à la mode-Sprache der Teutschen gebucht.
Vom lateinischen Adjektivum marinus, das Meer betreffend.
(Marinieren heißt eigentlich »Seegeschmack geben«.)
Von diesem ward im Mittellateinischen marinarius gebildet, woraus das italienische marinaro, das französische marinier, das englische marine entstand und auch das mittelhochdeutsche marinaere und abgekürzt marner.
Das sae-man im Beówulf bedeutet nur: »Krieger zur See«.
*marlen*
heißt zwei Dinge durch Marlschläge mit Marlleine mit Hilfe des Marlspiekers mit einander verbinden, z. B. das Segel an sein Liek festnähen. Ein Marlschlag entsteht, wenn man die Marlleine so um ein Tau etc. etc. legt, daß der Schlag das lose Ende festhält, so daß es sich nicht aufwickeln kann; was den Vorteil hat, daß, wenn einmal die Marlleine irgendwo bricht, nicht die ganze Leine aufgeht, sondern nur die Bruchstelle. Marlen nennt man auch das Verbinden von Tauwerk mit (altem) Segeltuch zum Schutz vor Nässe, doch ist dieses nicht mit Trensen oder Schmarten zu verwechseln. Der Marlspieker wird, weil r vor l für viele Zungen allzuschwer ist, so daß mancher Karl seinen eigenen Namen nicht aussprechen kann, meist Malspieker ausgesprochen und in Marlleine wird wohl das eine l als überflüssig ausgelassen, »marlin«.
Marlen ist Iterativum (marrelen) zu marren, merren = festbinden, binden, befestigen; Teuthonista: merren; im Niederländischen wird der Mistelzweig marrentakken genannt, »dewyl men met de plant, om hare taaiheid maren, dat is binden kan.« Französisch heißt die Marlleine merlin, und davon ist das Zeitwort merliner = marlen gebildet, also ein recht unnötiger Umweg. Übrigens hieß die Marlleine im Mittelniederdeutschen marling und sogar marlink. »Item so scholen ock nene segelmaker to Kope hebben marlinge, husenge segelgarne to der schipper behuff, sundern scholen dat halen van den repern.« Lübecker Zunftrecht. Insonderheit hieß auch der Strick, an dem einer gehenkt wurde marling. Der alte Chronist Eggerik Beninga erzählt, daß zu König Radbods Zeiten ein Jüngling, der bereits tot am Galgen hing, durch des Missionars Wulfram Gebet wieder erweckt wurde, »und de Ketting und Marling sinnen tho bracken, de jungeling is thor erden gefallen.«
*Mars*, der:
»Mastkorb.« Oft genug sind Binnenländer, die von einem Mastkorb sprachen, mitleidig über die Achsel angesehen worden, »als ob der Mars ein Korb wäre, damit hat er ja nicht die geringste Ähnlichkeit«! Und doch hat Mastkorb seine volle Berechtigung. Früher ist er wirklich ein Korb gewesen, ein einfacher schlichter Korb, der mächtige Bau den wir jetzt Mars nennen. Der niederdeutsche Seemann sagt Märs oder Mers und beweist auch hier wieder sein zähes Festhalten am Ursprünglichen. Daß er »die« Mers sagt hängt nicht nur mit der niederdeutschen Unbestimmtheit des bestimmten Artikels zusammen, sondern mag noch eine ferne Erinnerung an merx, die Ware, Kaufmannsware sein, aus der Mers sich entwickelt hat.
Im Mittelalter hatte das aus Italien nach Deutschland gekommene Institut des Feilbietens im Umherziehen, des Klein- und Hausierhandels, eine große und wichtige Bedeutung; es war »Handel _und Wandel_«. Wie so manches andere Kaufmannswort brachte der wandernde deutsche Händler das Wort merx aus Italien mit über die Alpen und gebrauchte es in der Form meersse, mersse, mers. Heißt doch heute noch im Französischen und im Munde und auf den Schildern deutscher Ladeninhaber Kramhandel mercerie, oft in Verbindung mit quincaillerie, das, so französisch es auch aussieht, doch deutsch ist. Die mers nun, die zum Hausieren bestimmte oder auch an den Straßenecken ausgebotene Ware ward in Körben herumgetragen und feil gehalten. So nannte man bald den Korb nach seinem Inhalte mers. Schon Kilianus sagt meersse, meers heiße »Korf«, corbis institutoris, canistrum institutorium, und zwar ist institutor ein Mann, der irgendwo steht, um Sachen zu verkaufen, bei uns hat er aber mehr gehockt als gestanden, denn wir nennen ihn Höcker. Meersmann aber übersetzt Kilian mit circitor, circuitor, das ist einer, der keinen festen Stand hat, sondern mit seinem Korbe umherzieht; meers-schiip aber mit corbita, siehe unter Korvette.
Erst hieß also Mers nur die Ware im Korb; dann Ware und Korb; zuletzt Korb allein. In diesem Sinne, als Korb, wurde dann der Mers am Mast befestigt für den Mann am Ausguck. Mit dem Wachsen der Takelage und der damit verbundenen Notwendigkeit, Leute nach oben zu ihrer Bedienung zu schicken, ergab sich dann nach und nach das Bedürfnis, den Mars als Korb fallen zu lassen und ein Holzgestell mit einem Korbgeflecht oder Netzwerk als Schutz gegen Absturz zu errichten, aber der einmal angenommene Name blieb. Und wir sollten der größeren Deutlichkeit wegen lieber auch so schreiben wie der Seemann spricht, schon damit keiner auf den Gedanken komme, das Wort habe mit dem Kriegsgotte Mars (Mavors) etwas zu tun. Auch würden wir uns damit wieder in Übereinstimmung mit dem Sprachgebrauch der großen, herrlichen Seemannszeit der Hansa setzen. Denn daß die Mers sagte, dafür noch einige Beispiele. »Also halp en got, dat sie den Koggen behelden myt werhafter hant onde skoten dar mit haghelscote onde worpen mit stenen vte der mersen« (»Bremische Geschichtsquellen«). »Na mennighen daghen horden se bulderinghe der bulghen, alze eft se yegen eyn land floeghen onde lethen enen op styghen in de mersch, eft he yennich lant vernehme« (»Dänische Chronik«). Die im 15. Jahrhundert erschienene Chronik des Lübecker Dominikaners Hermann Korner erzählt von »66 schepe mit merssen vnde vorkastelen.«
*Maschine*, die,
lateinisch machina, griechisch mechane; es gibt neuerdings auf einem großen Linienschiffe so viele Dampf- und elektrische Maschinen, daß es sich von selbst verbietet, sie hier auch nur dem Namen nach aufzuzählen. Doch muß festgestellt werden, daß, wo einfach von Maschine die Rede ist, ohne nähere Bezeichnung die Schiffsmaschine gemeint ist. Der weiten Ausdehnung ihres Berufes wegen heißen die Leiter des Maschinenwesens an Bord neuerdings nicht mehr Maschinen-Ingenieure, sondern schlechtweg Ingenieure -- Ingenieur, Oberingenieur, Stabsingenieur, Oberstabsingenieur.
*Masut*, das,
ist Braunkohlenteeröl, das neuerdings anstatt der Kohlen vielfach zum Heizen von Schiffsdampfkesseln gebraucht wird. Die Sache stammt aus Rußland, und dementsprechend auch das Wort, das in den slavischen Sprachen »Fett« bedeutet, so daß also das Fettige, Oelige bei der Benennung den Ausschlag gegeben hat.
*Mast*, der,