Etymologisches Wörterbuch der deutschen Seemannssprache
Part 30
Eine der zahlreichen Bezeichnungen die der Seemann für das Erzeugnis des Reepschlägers oder Seilers anwendet. Roeding sagt: »Dünne Taue von verschiedener Dicke, die zu mannigfaltigem Gebrauch auf Schiffen dienen.«
Altfriesisch lina, neuniederdeutsch lin, angelsächsisch line. Kommt vom lateinischen linum, das nicht nur Lein, Flachs bedeutet, sondern auch alles was daraus hergestellt wird: Faden, Schnur, Leinwand, Linnen, Segel, Netz, Seil, Tau.
In übertragenem Sinne, da die Leine als Leitseil diente, directorium, disciplina, also ein sittlicher Begriff.
Auch unser Lineal stammt von linus, von der Leine mit der die Zimmerleute sich auf das zu behauende Holz eine Linie -- daher der Name -- ziehen (daher die ganze Wendung »Linien *ziehen*«), indem sie die geschwärzte Leine anziehen und dann auf das Holz schnellen lassen, wo es abfärbt.
Von den vielen Linien, die man auf Kartenblätter zog um die Grade zu bezeichnen war Eine so die Hauptlinie, daß man sie schlechthin »die Linie« nannte (Äquator.) Wer diese zum ersten Male passiert, muß sich gefallen lassen, daß allerlei »Hänselei« (von Hansa, denn wer in eine solche eintrat mußte allerlei über sich ergehen lassen) mit ihm getrieben wird; Linientaufe. Die Hauptsache dabei ist das (Unter-)Tauchen. Da taufen und tauchen ein und dasselbe Wort ist, so ist der Name treffend (s. Schiffstaufe.)
*Leitblock*, der,
ist ein Block, der den Zweck hat, das durch ihn fahrende Tau in eine andere Richtung zu leiten. Es kommt z. B. ein Läufer in senkrechter Richtung zur Verwendung, geholt soll er aber in wagrechter Richtung werden; dann muß ein Leitblock die senkrechte in die wagerechte Richtung überleiten.
*Leiter*, der,
ein ganz anderes Wort als die von lehnen stammende Leiter, die an die Wand etc. gelehnt wird zum Steigen, nämlich ein Tau an dem etwas geführt, von dem etwas geleitet wird, also ein schönes, kurzes Wort für Leitseil. Bei Stagsegeln etc. laufen sie, wie Roeding es passend vergleicht, wie eine Gardinenstange auf der sich die Lägel als Ringe bewegen.
*Leiwagen*, der.
Es ist ein t ausgefallen, das Wort heißt eigentlich Leitwagen, wie Dabovich es auch schreibt und schon Roeding gekannt hat. Es ist ja auch ein Leiwagen eine Vorrichtung auf der die Ruderpinne hin und her geleitet wird. Bei -wagen ist aber nicht an einen wirklichen Wagen zu denken, sondern an das niederdeutsche wege, welches zwar dasselbe Wort wie Wagen, Wage und Wiege ist, aber noch allgemeiner den Begriff des Bewegens darstellt: ein Gerät zum Hin- und Herbewegen. Nun ist zwar Leiwagen kein Gerät, sondern eine am Deck befestigte Vorrichtung, auf der sich die Pinne bewegt, aber er trägt seinen Namen doch mit Recht, denn er dient dazu, die Bewegung der Pinne zu leiten. Und auch wo der Leiwagen nicht für die Pinne, sondern für eine Schot bestimmt ist, dient er doch demselben Zwecke: die Bewegung der Schot zu leiten.
Das Wort wird öfters auch Leuwagen geschrieben, diese Form gebührt aber einem ganz anderen Dinge, s. Leuwagen.
*lenz*,
als Adjektivum und Adverbium in häufigem Gebrauch; es bedeutet *leer*. Das Bremer Wörterbuch sagt: lens = trocken, da keine Nässe mehr ist. De Pumpe geit lens: die Pumpe will nicht mehr ziehen, kein Wasser mehr geben (weil keins mehr da ist); de kann is lens: die Kanne ist ausgetrunken. Enen lens maken, einen so lange beschmausen, bis das Getränk alle ist. Niederländisch lens = zonder vocht. Mit dem Lenz, der Frühling bedeutet und seinen Namen vom Längerwerden der Tage hat, hat dieses lenz nichts zu tun, es soll vielmehr mit dem lateinischen lentus zusammenhängen. Dieses hat aber dreierlei Bedeutungen, von denen sich jeder die ihm einleuchtende aussuchen kann: 1. die von »erschöpft«. 2. langsam, träge (so wie das Letzte aus einem Gefäß ausfließt). 3. zäh, klebrig, (so wie das Unterste bei vielen Flüssigkeiten zu sein pflegt). So recht will keine von den dreien, will überhaupt das ganze lentus nicht einleuchten, aber noch ist nichts Besseres gefunden. Übertragen: »ich bin lenz«, ich habe kein Geld mehr.
*lenzen.*
1. vollständig leer und trocken machen, den Inhalt eines Fasses, einer Cisterne, eines Brunnens, einer Kanne, einer Flasche, eines Tänks, der Bilge erschöpfen; übertragen: jemanden ausplündern bei Spiel. 2. vor einem Sturme fahren, so daß der Sturm das Schiff mit nur wenigen und kleinen Segeln oder auch ganz ohne solche (»vor Top und Takel«) vor sich hertreibt.
Die Erklärung wird etwas erschwert dadurch, daß manchmal ohne Berechtigung und ohne Verständnis für den eigentlichen Hergang lenzen einfach mit »vor dem Winde segeln« gleichgesetzt wird. Die Wahrheit ist die, daß lenzen einen Sturm voraussetzt, der so stark ist, daß ein Segel nach dem andern weggenommen werden muß. Nun haben wir unter »lenz« gesehen, daß es leer bedeutet; lenzen also heißt leeren, zunächst von Flüssigkeiten; es kann aber auch im übertragenen Sinne gebraucht werden und in ganz allgemeiner Bedeutung von leeren; und so werden wir es hier anzusehen haben: die Rahen, den Mast, die Takelage leer machen von Segeln, so daß das Schiff schließlich nicht nur keine vollen Segel, sondern überhaupt keine Segel mehr führt. Von dem transitiven Gebrauch zum intransitiven war nur ein Schritt, und die Bedeutungsentwicklung von: »die Segel entfernen« bis zu: »das Schiff lenzt« lag nahe. Daß »lenzen« einen Sturm voraussetzt, beweist auch die Bezeichnung *Lenzsack*; den führt ein Rettungsboot im Inventar und gebraucht ihn bei hohem Seegang. Bei Dick und Kretschmer (II. 315) ist er anschaulich beschrieben: »ein trichterförmiger Sack aus starkem Segeltuch, dient dazu, das Boot der Länge nach vor der See zu halten und damit zu steuern, wenn durch hohe See das Hinterteil des Bootes so gehoben wird, daß Steuerriemen oder Steuerruder aus dem Wasser kommen. Hätte man dann keinen Lenzsack, so würde das Boot von der See quer geworfen und übergerollt werden. Der Lenzsack wird, mit der Öffnung nach vorn, an einem starken Tau geschleppt, während eine dünne Leine an dem spitzen Ende befestigt ist. Da beim Schleppen die Mündung nach vorn ist, so füllt sich der Sack mit Wasser, leistet einen beträchtlichen Widerstand und hält dadurch das Boot vor der See. Wirft man das stärkere Tau an der Mündung los und holt die dünne Leine an dem spitzen Ende ein, so wird der Sack umgekehrt, klappt zusammen und kann mit leichter Mühe ins Boot geholt werden.«
*Leutnant zur See.*
So sehr man auch versucht hat das Wort Leutnant als deutsches in Anspruch zu nehmen, so wird es doch bei der französischen Abstammung sein Bewenden haben müssen. Es ist sonst an ambacht, Ambt, Amt gedacht worden, weil das Volk in manchen Gegenden Leutnamt sagt, als ob ein Leutnant ein Mann wäre der ein Amt über Leute hätte. Allerdings findet sich schon ums Jahr 1500 die Form Leutenamt und so hieß das Wort auch während des 30jährigen Krieges, aber das sind höchstens Versuche, das Wort mundgerecht zu machen und dem Deutschen anzubequemen. Die ältesten Spuren führen nach Frankreich, wo das Wort schon im 15. Jahrhundert im Gebrauch war, bestehend aus lieu und tenant und ursprünglich demgemäß für eine Statthalterwürde gebraucht. »Des Königs Lieutenant« ist der Mann, der »*anstatt*« des Königs das Kommando führt.
Noch vor Kurzem bedeutete Lieutenant zur See den jetzigen Oberleutnant zur See, der jetzige Leutnant zur See aber mußte sich mit Unterlieutenant zur See begnügen.
*Leuchtturm*, s. Blüse.
*Leuwagen*, der,
ist ein Stock mit einer Bürste daran zum Waschen des Schiffes, ein Schrubber. In diesem Worte ist nicht wie bei Leiwagen ein t ausgefallen, denn hier wird keine Bewegung geleitet. Allerdings deutet das -wagen auch eine Bewegung an, aber man wird annehmen dürfen, daß das Geschäft des Schiff- bezw. Deckwaschens als ein wenig angenehmes nicht gerade mit besonders fleißigen Bewegungen geschah und geschieht. Leu heißt aber im Niederdeutschen faul, träge, unlustig zur Arbeit, insonderheit wird es auch von einem Menschen gebraucht, der faul in seinen Bewegungen ist; also auch einen, der sich nicht gern bückt. Ein solcher mag den Stiel an der Bürste erfunden haben, die ursprünglich sicher ohne ein solchen gebraucht wurde, also beschwerliches Bücken erforderte. Ganz peinliche und reinliche Hausfrauen halten heute noch darauf, daß ihre Dienstmädchen die Arbeit der Stubenreinigung nicht im Stehen abmachen. Ihnen mag die Anbringung eines Stabes an den Scheuerbürsten als eine »faule« Sache erschienen sein, so daß sie das Arbeiten mit dem ihnen unlieben Instrument als eine »leue Bewegung« zu brandmarken versuchen. Es hat sich aber doch Bahn gebrochen.
*levendig*,
werden die Segel gebraßt, wenn der Wind sie so fassen soll, daß sie killen, d. h. sich bewegen, nicht tot und steif stehen wie ein Brett, sondern flattern wie ein lebendiges Wesen. Lebendig ist Weiterbildung des Participiums lebend, und levendig ist niederdeutsche Form dafür. So weit wäre die Sache richtig. Aber es wird nicht, lebendig entsprechend, levéndig, sondern lévendig ausgesprochen. Doch hieß lebéndig früher auch lébendig, der Ton lag also auf der Stammsilbe, was im 17. Jahrhundert noch vorkommt, bei Gryphius: »Man hat ein zartes Kind noch lebendig geschunden.« »Das dauert landschaftlich in vielen Gegenden von Deutschland noch jetzt, die Rückung des Tones auf lebéndig ist aber auch schon im 14. Jahrhundert nachzuweisen« (Heyne).
»Do he en sag liggen also, Ward he wedder unfro Darumme, dat Brûn noch levendig was.«
Reinke de Fos.
Wegen der Betonung weist Kluge auf Holunder hin, dem es ebenso wie lebendig gegangen ist.
*lichten*
ist besonders in der Verbindung »Anker lichten« bekannt. Es ist von lichten = leicht machen, gänzlich verschieden, denn es heißt eigentlich lüften, nicht im Sinne von »frische Luft in eine Stube lassen«, sondern von »in die Luft erheben«. Man hört auch hie und da -- in Stade z. B. -- Anker lüften. Die niederdeutsche Form ist aber liften; englisch lift. Im Niederdeutschen nun, und je mehr es nach dem Niederländischen zugeht, desto leichter wird f in ch umgewandelt: gracht für Graft, kracht für Kraft, lucht für Luft etc. So hat sich auch liften in lichten verschoben.
*Liderung*, die,
im Maschinenwesen ein Verschluß, ein Verschließen oder Verpacken irgend einer Öffnung, die man dicht haben will. Es ist das niederdeutsche Wort lid = Deckel, Verschluß, Tür, und dasselbe wie Lid in Augenlid, Altsächsisch hlidan, angelsächsisch hlidan, altenglisch hliden = bedecken, schließen; altfriesisch hlidia.
Von lid auch das Zeitwort *lidern*, schließen, verpacken.
*Lieger*, der,
ist ein Mann von der Brabank, der auf einem nicht in Dienst befindlichen, auf der Werft liegenden Kriegsschiffe wohnt, d. h. nicht bloß am Tage da weilt, sondern auch nachts da schläft (liegt). Er hat das Schiff in Bezug auf Feuer etc. zu bewachen, für richtigen Verschluß aller Räume zu sorgen. Früher war ein Lieger ein ganz anderer Mann, nämlich wie Hirsch, Danzig, S. 227 berichtet, ein dispositionsfähiger Handlungsgehilfe im Unterschied von nichtdispositionsfähigen Handlungsknechten.
Lieger heißt auch das Bauchstück der Bodenwrange.
*Lik*, *Liek*, das.
Das Tau, mit dem ein Segel eingefaßt ist. Bei einem Rahsegel unterscheidet man viererlei Lieke: Das Rahliek oben, das Unterliek und die beiden stehenden Lieke rechts und links.
Unser deutsches Wort »gleich« bestand ursprünglich aus der Vorsilbe ga und lika. Lika heißt Körper. Unser »Leiche« hatte nämlich noch im Mittelhochdeutschen nicht die Bedeutung »toter Leib« sondern galt auch für den lebendigen Leib, für die Körpergestalt, (so wie stinken früher eine vox media war und auch von Rosen und Veilchen und der köstlichen Nardensalbe der Maria zu Bethanien gesagt wurde). Wir sprechen aber täglich unzählige Male ahnungslos das Wort aus in dem Suffix = lich; männlich ist einer der die Gestalt, Form und Art eines Mannes hat; königlich ist einer der die Haltung und Gestaltung eines Königs besitzt, *gleich* einem Könige ist. Im Niederländischen und überhaupt im Niederdeutschen hat sich g nicht eingebürgert, da hält man sich mit der Vorsilbe auch in ihrer abgekürzten Gestalt nicht auf, sondern sagt liek, wie denn in Ostfriesland in früheren Zeiten eine politische Partei liekedeler hießen, Gleichteiler.
In der Bedeutung Gestalt hat sich dieses Wort allein im Seemännischen erhalten, denn unser Liek ist ja das Tau, das die Umrisse der *Gestalt* des Segels genau darstellt. Eine beachtungswerte Verwendung hat unser Liek im Französischen gefunden in dem Worte ralingue, aus Rahliek entstanden. Das -liek hatte man aber nicht in seinem Werte erkannt, sondern für eine Art Endung gehalten, etwa für die niederdeutsche Endung -ing, und so wurde ralingue aus einem Worte, das eigentlich ralique hätte werden müssen.
*Linie* = Aequator, s. Leine.
*Linienschiff*, das,
ist das größte und stärkste Panzerschiff, ein Schlachtschiff erster Ordnung, Hochseeschlachtschiff; müßte eigentlich Schlachtlinienschiff heißen, denn es ist ein solches, das stark genug ist, in einer Seeschlacht in der Schlachtlinie zu kämpfen.
*Lloyd*, der.
In der ganzen Welt, besonders in der seemännischen, ist dieser Name bekannt, weil ihn eine ganze Reihe großer Schiffahrtsgesellschaften tragen. Es gibt einen österreichisch-ungarischen, einen russischen, einen germanischen Lloyd, einen Lloyd francais und vor allen Dingen denken wir an den »Norddeutschen Lloyd.« Von Bremerhaven nach Lehe geht es erst durch die »Bürgermeister Smidt-Straße«, dann durch die »Lloydstraße«. Wer Bürgermeister Smidt war, das steht deutlich genug an seinem Denkmal auf dem Bremerhavener Marktplatze zu lesen. Aber wer war Lloyd?
Es gab bereits zu Anfang des achtzehnten Jahrhunderts in London eine Matrosenkneipe die »Lloyds coffee-house« hieß. Was dieser Mr. Lloyd sonst für ein Mann war wissen wir nicht, aber die Verpflegung bei ihm muß gut gewesen sein, denn es verkehrten nicht bloß Matrosen bei ihm, es fanden sich nach und nach auch Steuerleute, Schiffskapitäne, Makler, Kaufleute, Reeder bei ihm ein. Da gab denn ein Wort das andere, und weil es lauter Leute waren, die mit dem Seewesen zu tun hatten, so kann man sich denken, daß sich die Unterhaltung meist um Schiffe und Schiffahrt gedreht hat. Und besonders lag ihnen die Schiffsversicherung am Herzen. Aus diesen Besprechungszusammenkünften entstand 1716 eine Gesellschaft, die nach dem Orte ihres Beisammenseins den Namen »Lloyds« führte und heute noch besteht. Ihre Aufgabe ist: »The collection and diffusion of marine intelligence, the insurance, classification, and certification of vessels and the transaction of business of various kinds connected with shipping.« Bei der Übernahme des Wortes ins Deutsche ist das Genetiv-s in Lloyds, das man in England bis heute treu bewahrt hat, verloren gegangen. Dieses vielen schon so befremdlich vorgekommene s, oft für eine Pluralform gehalten, ist als eine Erinnerung an jenes Kaffehaus geschichtlich berechtigt.
*Log*, das,
ein flaches Brettchen wie ein Quadrant gestaltet dessen Radius etwa 15 cm mißt; es ist eine Leine daran befestigt, die *Logleine*, die über eine Rolle, *Logrolle*, läuft. *Loggen* heißt mit Hilfe dieses Logs, dieser Loggvorrichtung, die Fahrt des Schiffes messen, indem man das Log ins Wasser wirft, das *Logglas*, eigentlich Loggglas, d. i. eine kleine Sanduhr, umdreht, die Leine eine von dem Glase angegebene bestimmte Zeit ablaufen läßt von der Rolle und dann an den Knoten der Leine abliest, wie viel Knoten das Schiff läuft, d. h. wie viele den Knoten entsprechende Seemeilen in der Stunde.
Edward Wright hat zu London 1599 ein Werk unter dem Titel: »the Haven-finding art« herausgegeben, in dem die erste Beschreibung, in dem auch zum ersten Male der Name Log zu finden ist. Darüber schreibt Roeding (1794): »Der Verfasser dieser Beschreibung, oder der Erfinder dieses Instrumentes ist nicht bekannt; auch findet man nicht eher wieder davon Erwähnung, als in der Beschreibung einer Reise nach Ostindien, vom Jahr 1607, welche Purchas herausgab, nach dieser Zeit aber wird in mehreren Reisebeschreibungen davon geredet, und es scheint auch von Ausländern allgemein angenommen worden zu sein; es erwähnt dessen z. E. Günter 1623, Snellius 1624, Metius 1631, Oughtred 1633, Herigone 1634, Saltonstall 1636, Norwood 1637, Fournier 1643, und fast alle neueren Schriftsteller, die von der Navigation geschrieben haben. Es ist dieses Instrument jetzt noch eben so beschaffen, als wie es erfunden wurde, ungeachtet man verschiedene Versuche gemacht hat, dasselbe zu verbessern, oder es durch andere Erfindungen ganz zu entbehren.«
Die Erfindung dürfte also in England gemacht sein; dahin deutet auch der Name, denn Log ist das englische log, das einfach ein Stück Holz heißt. Ursprünglich war also von der Form eines Kreisausschnittes für das Brettchen keine Rede, es war das Log überhaupt kein (weil unten beschwert aufrechtstehendes) Brettchen, sondern ein beliebiges Stück Holz an das die Leine befestigt war.
Das *Loggbuch* ist das Schiffstagebuch, in welches der Offizier der Wache alles Bemerkenswerte einträgt sobald die Wache vorüber ist. Die Benennung geschieht a potiore, weil die richtige Eintragung der richtig geloggten Fahrt, d. h. der während der Wache zurückgelegten Strecke, eine sehr wichtige Sache ist. In der »Beschriving von der Kunst der Seefahrt«, Lübeck 1673 wird das ursprüngliche Stück Holz schon »ein hölzernes Schiffchen oder dreieckig Brettchen« genannt: »By etliken wert de wech, so dat schip aver see maket, mit ein gemarckede Lin, welckes dorch ein holten schepigen offt drehuckig bretien wert utgedreven, gefunden und affgemeten, welckes averst veel belemmeringe an sich heft und by nacht nicht wol tho dohnde ys.« Es ist aber trotz der Belemmerung heute auch noch nichts Besseres erfunden.
Lucas Janszoon Waghenaer im »Spiegel der Zeevaerdt« empfiehlt schon damals, 1588, die Einrichtung einer Art Loggbuches: »Item tis oock goet dat een Stuerman alle morghens ende auonts by gheschrifte stelle oft dve stellen, wat coursen hy ghezeyelt ende behouden heeft, op datmen daer nae inde Caerte af steecken ende ouerslaen mach, hoe de hoecken ende canalen van hem syn legghende.«
*Logger*, der,
englisch Lugger, und so auch öfters in neuerer Zeit bei uns, wo es dann aber nur ein offenes Boot oder kleine Jacht bedeutet mit Luggersegel, d. h. Segel das nach chinesischer Art (doch ohne die Querlatten) so angeordnet ist, daß beim Wenden und Halsen kein Dippen erforderlich ist.
Sonst war Logger ein »zum Kriege ausgerüstetes schnellsegelndes Fahrzeug« mit zwei Masten, sehr starkem Ausleger und einem Treiber (»Brodgewinner«). Der Ausleger ermöglichte das Führen mehrerer Stagsegel. Weil die Stagsegel nicht treibend, sondern ziehend gedacht werden, so ist als Etymon zu Logger und Lugger das Zeitwort luken, ziehen, zerren, reißen, zupfen in Betracht zu ziehen; englisch lug.
*Logis*, das,
ist der Ort an Bord wo die Matrosen wohnen und schlafen. Bemerkenswert ist an diesem Fremdworte die Aussprache. Unsere Seeleute sprechen das s deutlich mit aus. Daran kann man merken, daß das Wort über Holland zu uns gekommen ist, wo auch in Commis und anderen französischen Wörtern das stumme s als nicht stumm angesehen wird. Auf Wangerooge ist das Logis wenn kein Raum an Deck dazu da ist ein farunner (s. d.)
*Lohen*,
die Segel, heißt sie mit Lohe tränken um sie dichter und haltbarer zu machen; sie empfangen dadurch das bekannte braune Aussehen der Segel auf unseren Küsten- und Kanalfahrern; die Eichenrinde heißt englisch tan, to tan heißt dementsprechend gerben, aber auch braun machen, dann übertragen bräunen, von den Sonnenstrahlen, von Wind und Wetter.
*Lootse*, der,
ein Mann, der Seefahrt und des Ortes kundig, der den Beruf hat, einem Schiff in schwierigem Fahrwasser den Weg in den Hafen oder aus dem Hafen zu zeigen; das Schiff zu lootsen. Um dieses Wort richtig erklären zu können, müssen wir vor allen Dingen von dem italienischen, französischen, englischen, holländischen piloto, pilote, piloot, pyloot ganz absehen, wenigstens zunächst. Diese Wörter werden oft mit Lootse zusammengebracht, haben aber nichts damit zu schaffen und können daher die Untersuchung nur trüben und verwirren. Auch der Versuch, das Wort zu Lot zu stellen, als sei der Lootse ein Mann der durch Loten die Tiefe des Wassers feststelle, muß aufgegeben werden. Das Bremer Wörterbuch sagt zwar: »Loots, Lootsmann = Piloot, der mit dem Senkblei die Tiefe des Wassers ergründet. Überhaupt ein erfahrener Mann, der das Fahrwasser, die Tiefen und Untiefen kennt«, aber dadurch wird die Sache nicht besser, denn wenn auch das zweite, mit dem erfahrenen Mann stimmt, das erste, mit dem Loten, stimmt keineswegs. Wer auch nur einmal in seinem Leben mit einem Lootsen gefahren ist, der muß wissen, daß ein solcher viel zu sehr mit anderen Dingen beschäftigt ist und auf zu viel anderes zu achten hat, als daß er sich aufs Loten einlassen könnte. Dazu wird eigens ein Matrose abgeteilt, der die gelotete Tiefe laut aussingt.
Auf die richtige Spur leitet uns das niederländische lodsman, englisch loadsman, altenglisch lodeman. Dieses lod aber hat mit lod = Blei nichts gemein, sondern heißt Weg. Ein lodsman ist also ein Wegmann, ein Mann der den Weg zeigt, und zwar, sinnverwandt mit dem brim-wisa = Führer zur See, ein Wasserwegweiser. Im Seebuch (1400) heißt der Name loedman und loetsman, lootsmann und dieser Ausdruck kehrt, wie Breusing (Jahrbuch V. 8) anführt in allen nordischen Quellen des Seerechts wieder; »in den Jugemens d'Oleron als lodemann; water regt van Damme als laedsage; kostumen van Westcapelle als leydtsman; Waterrecht van Wisby als Leytsager und leytsman.« Kilian, der pylloot freilich mit »expertus nauta, qui bolide altitudinem maris explorat, nauta loci peritus« übersetzt, hat doch auch die Form lootsman.
In einem Hansareceß von 1437 lesen wir: »Int erste hebbe ik gegeven deme losmanne, de my segelde in de Temese 6 Pf.« Und anderweitig: »So wan en schip van nodt wegen queme vor eyn land, dar yd hauen moste, vnde vmbekant were, so dat ydt eynen leydsagen bederuede« ... Weiter: »Wor en scipper wynnet enen sturman, eder enen letsagen edder enen schepesknapen, deme synt se to rechte schuldich syne reise wol to donde.« Auch im übertragenen und bildlichen Sinne in einem Adventsgebet: »O heerscopper aller heren vnde weldighe leytsaghe des slechtes Israhel.« Das früheste Zeugnis für die Form letsaghe fällt in das Jahr 1299: »So wellik letsaghe jof sturman oder schipman, de sic vormedet heuet eneme unseme borghere, wil he enen vnsen borghere vorklaghen, dat schal he don vor sineme oldermanne« (Lüb. Urk.)
Das Wort lootsman hat sich in dieser Gestalt, wie die Stelle aus dem Bremer Wörterbuch beweist, zwar bis in die neuere Zeit erhalten, daneben aber hat sich allmählich das Wort durch Verschlucken der Endsilbe in Lootse abgeschliffen, zunächst nur in der gesprochenen Sprache, so wie man boatswain Bosen ausspricht und das mann in Bootsmannsmaat verschluckt und Bootsmaat sagt.
Das Wort ist also ein echt germanisches. Heißt doch im Altenglischen der Nordstern loadstar, Weg-, Leitstern, und der Magnet loadstone = Weg-, Leitstein. Und zwar ist das erste Wort in der Zusammensetzung mit unserem neuhochdeutschen *leiten* = führen verwandt, die wörtliche Übersetzung von Bootsmann also »Geleitsmann«. So war das Wort im Mittelalter in Deutschland, England, Holland und auch in Frankreich in Gebrauch.