Etymologisches Wörterbuch der deutschen Seemannssprache

Part 28

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ein Seeschiff von festem, aber plumpem, breitem, rundem Bau, mit zwei Masten. Ostfriesisch, wangeroogisch, niederländisch kuf, so daß der Hinweis auf Kufe von selbst gegeben ist, mit der sich eine Kuff wegen der runden Bauart auch sehr wohl vergleichen läßt. Die Abstammung eines so alten, in die frühesten Kulturzeiten zurückweisenden und auf Flechtwerk als erste Entstehungsart hindeutenden Wortes (vergl. Korvette) vom lateinischen cupa = Faß will Hildebrand (Grimm V 2531) nicht glaubwürdig erscheinen; er nimmt zwar bei einer in Raum und Zeit so weit verzweigten Entwicklung ein Verflechten mit romanischen Anklängen an, aber in der Form von Wechselwirkung; nur beim Weinbau am Rhein, der ja von den Römern eingeführt wurde, nimmt er eine unmittelbare lateinische Beeinflussung von Kufe durch cuba an.

Der Begriff des Runden und Plumpen ist in dem modernen Bewußtsein so sehr mit Kuff verbunden, daß man jedes auch ganz anders getakelte Schiff, ja jeden plumpen Dampfer verächtlicherweise eine Kuff nennt.

Öfters hat die Kuff zur Erhöhung der Stabilität ein Schwert. Trotzdem nimmt sie viel Wasser über, vergl. Lüpkes, Seemannssprüche 12:

Kuffen un Smakken Sünd Waterbakken; Hoekers un Buisen Sünd Seemannshuisen.

*Kuntje*, das.

»Wenn unsere Seeleute von Spanien Wein holten, so sahen sie, daß man die Fässer mit Keilen feststaute. Da nun im Spanischen ein Keil cuno heißt, so werden bis auf den heutigen Tag diese Staukeile von unseren Seeleuten Kuntjes genannt.« So hat das Wort Breusing im Jahrbuch des Vereins für niederdeutsche Sprachforschung richtig erklärt, nur daß der Keil im Spanischen cuna, nicht cuno (Münzstempel) heißt.

*Kuhbrücke*, die, s. Kuhl.

*Kuhl*, die.

Das niederdeutsche Wort kuhl bedeutet Vertiefung, Einsenkung, Höhlung, Loch, Grube, Grab. Die Kuhl an Bord war früher größer, weiter ausgedehnt, denn sie umfaßte den ganzen vertieften Raum zwischen Back und Schanze (jetzt Kampanje), der nun in zwei Teile zerfällt, in den Teil hinter dem Großmast: das Achterdeck, und den vor dem Großmast, die Kuhl. Während der erstere Teil an Würde und Ansehen sehr gestiegen ist, ist der zweite eben so sehr gesunken, indem hier nun der Hauptraum von der Barring, die auch *Kuhbrücke* (eigentlich Kuhlbrücke) heißt, überdeckt wird. Es werden nämlich die Borgstengen und Borgrahen, überhaupt die Reserve-Rundhölzer hier so angebracht und gelagert, daß sie eine Art Deck, ein Dach, eine Brücke bilden, eben die Kuhbrücke. Auf dieser werden dann die schweren Schiffsbeiboote, Barkassen und Pinassen, aufbewahrt. Der Raum unter der Kuh(l)brücke heißt besonders die Kuhl, der Raum »*vor* dem Mast«; da ist die Mannschaft unter sich und kann sichs gemütlich machen, doch herrschen auch hier, wie bei jedem Zusammenleben von Menschen, ungeschriebene, stillschweigend anerkannte Gesetze der Raumverteilung.

*Kuhfuss*, der,

mittelniederdeutsch kovot = Brechstange. Also nicht zu verwechseln mit dem scherzhaften Namen für das Gewehr. Die Brechstange ist von Eisen und dient auch als Hebel zur Handhabung schwerer Lasten. Das eine Ende ist platt und hat eine Klaue wie eine Kuh, so daß man Nägel damit ausziehen kann wie mit einem »Kistenöffner.«

*Kühlte*, die.

In der Regel wird der Wind als kühlend angesehen, namentlich in unseren Breiten. Je mehr er also kühlt, desto stärker wird sein Wehen sein. Daher wird durch das Substantivum Kühlte der Grad der Windstärke ungefähr angegeben. Roeding: »Wenn bey stillem Wetter oder flacher See etwas Wind entsteht, der eine leichte Bewegung des Meers verursacht, so nennt man solches eine kleine Kühlte oder schlaffe Kühlte.

Wird der Wind etwas stärker, so ist es eine labbere Kühlte, bey welcher ein Schiff ungefähr 3-4 Meilen in einer Wache zurücklegt ... Unter Bramsegelskühlte versteht man eine labbere Kühlte, bey welcher man Bramsegel führen kann, und unter Marssegel-Kühlte eine frische Kühlte, bey welcher man die Marssegel nicht reeft.« Bei steifer Kühlte fährt man mit gereeften Marssegeln, vergl. Windstärke.

*Kurs*, der.

Die Richtung die ein Schiff nehmen muß um an seinen Ort zu kommen. Lateinisch cursus, italienisch corso, französisch cours, Lauf, Weg, Gang einer Münzsorte, Stand eines Wertpapiers, Geldwert. Früher, im Seebuch 1400 und überhaupt im Mittelniederdeutschen, gebrauchte man anstatt des Lehnwortes das gut deutsche holt = Halt, vom Halten der Ruderpinne. »Ich halte (die Ruderpinne so, daß mein Schiff nach oder) auf Lübeck (fährt).« Jetzt nur noch in der Bedeutung »abhalten auf« ... gebraucht, wenn der Kurs geändert wird auf eine bestimmte, von der bisherigen abweichenden Richtung. Lucas Janszoon Waghenaer in seinem »Spiegel der Zeevaerdt«, 1588, hat noch ein besseres und deutlicheres deutsches Wort für Kurs, nämlich Gang. »Een Schip comende van Cizarga oft Cesarien (soo ons volck dat noemen) ouer de Spaensche Zee met een noort noordtooste ganghe nae Heyssant« ... »Item een Schip dat comt van de Cape de Finisterre met een Noort noordtooste ganghe, ende vintet diep 80 vadem, so is hy van landt vier en twintich mijlen de grondt is cleyne swerte steenkens ghemengt met groff root sandt.«

*Kurr*, die, auch (besser) Kur,

ist ein Schleppnetz, in einem Rahmen eingespannt, zum Strand- und Grundfischen. Die Küstenbewohner der Nordsee schieben die Kur teils mit einer Stange vor sich her, die Kurbaum heißt, teils ziehen sie an einer Leine, der Kurleine, hinter sich her. Sonst niederdeutsch und nordfriesisch korre, altfriesisch koer, niederländisch korre, ursprünglich ein korbartiges Geflecht, denn das westfriesische koer heißt auch heute noch neben Netz *Korb*; auch eins mit kor in der Bedeutung Gefäß, Bienenkar. Wie weit Bedeutungen sich von ihrem Ursprung entfernen können beweist die Tatsache, daß in der Pfalz Knaben die sich für ihre gefangenen Hummeln ein Lehmgehäuse zusammenkneten, dieses auch Kar nennen.

*Küste*, die,

= Ufer, Seeufer, Gestade; hochdeutsch seit dem 17. Jahrhundert, (zuerst bei Stieber). Romanisches Wort, altfranzösisch coste, neufranzösisch côte, italienisch und spanisch costa, eigentlich Rippe, Seite, dann auf die Seite, den Landstreifen am Meere übertragen. Wenn Hildebrand (Grimm V 2878) meint: »zu uns wird es über Holland gekommen sein, denn schon Kilian am Ende des 16. Jahrhunderts verzeichnete kuste, koste, sodaß der Übertritt des o in ü mit von dort ausging«, so ist daraus nicht zu schließen, daß bei Kilian sich die erste Spur des Wortes überhaupt findet, denn schon 1400 hat das Seebuch kost und koste. Meist heißt freilich im Mittelniederländischen die Küste »wal«. »So de wind lange up de wal hadde gestahn und sick den wedder na der see kehrt, so kamen de floden spader.« Niederländisch wal, »aan den wal gaan«, an Land, auf Urlaub gehn. Kilian hat auch schon die Form see-kant, die als waterkant an der Nordsee weit verbreitet ist. Im Beówulf dagegen kommt wael vor, Wall, Damm, Schanze, Ufer.

*Küstenbezirksinspektor*, der,

ist ein von der Marine angestellter höherer zur Disposition gestellter Seeoffizier, der in seinem Küstenbezirk die Aufsicht über die richtige Betonnung des Fahrwassers, die Leuchtfeuer, Feuerschiffe, Baken, Bojen u. s. w. hat.

*Kutter*, der,

in der Marine das Beiboot zum Rudern oder Segeln, das besonders für die Fahrten der Offiziere an Land etc. etc. bestimmt ist, größer als die Jolle, kleiner als die Barkasse und auch vornehmer in Linienführung und Ausstattung.

Sonst ein Fahrzeug das sich wenig von einer Jacht unterscheidet. Der Kutter, den Roeding abgebildet hat, trägt einen Pfahlmast, daran einen Besan, ein Marssegel geringeren Umfangs, ein Bramsegel und davor ein Stagsegel und einen Klüver; er macht den Eindruck eines »schneidigen« Seglers. Daher hat schon Halbertsma, Lex. Fris. vermutet, der Name komme von cut, schneiden (französisch couteau, lateinisch cultellus, Messer): »a nimble boat cutting the water.« Roeding berichtet von seiner Zeit (1794): »Wegen ihrer außerordentlichen Geschwindigkeit im Segeln werden sie in England viel zum Kontrebandehandel gebraucht. Die Regierung hält daher auch Kutter zu Küstenbewahrern, um diese Schleichhändler einzuholen. Letztere führen ungefähr 30 Mann Besatzung, 6-8 Kanonen und einige Drehbassen. Kutter welche in England zur Kauffardey bestimmt sind, dürfen nach den Gesetzen nicht so hohe Takelasche führen, als die Küstenbewahrer, damit sie diesen nicht entgehen können. Die Kutter dienen im Kriege auch zur Kaperey und als Advis-Jachten und Paquet-Bote. In Frankreich und insonderheit zu Dünkirchen bauet man sie jetzt ebenfalls.«

L.

*Labber*

kommt nur in der Verbindung »labbere Kühlte« vor und ist gleichbedeutend mit dem sonstigen niederdeutschen labberig, das zumeist vom Geschmack gebraucht wird: fade, weichlich, süßlich, kraftlos, schlaff. Das letztere nähert sich dem seemännischen Gebrauch, denn bei der unter Kühlte angegebenen Fahrt, die ein Schiff bei labberer Kühlte macht, müssen die Segel wenigstens zeitweilig ziemlich schlaff herunter hängen. Indessen ist nicht nach dem Geschmack sondern nach dem Gehör das Wort gebildet, nach einem Schallstamme von dem Geräusch des Schmatzens beim Essen von Süßigkeiten und beim Küssen; daher Labberei, Schleckerei, Schmatzerei, Küsserei. Auch das seemännische labber erklärt sich aus dem Schall, aus dem Geräusch das die Segel machen, wenn ihnen zeitweilig der Wind ganz ausgeht; dann flattern und flappern, wappern und lappern (auch sonst schlagen: »he lapde hum en an de oren«) und labbern sie.

*Labsalen.* Tauwerk mit Teer einreiben.

Hat mit Labsal nichts zu tun, wiewohl ein richtiges Seemannsherz der Meinung ist, der Teer sei für das Tau ein Labsal. Aber der Seemann sagt gar nicht labsalen, das ist vornehmer sein sollende neuhochdeutsche Seemanns-Schiffssprache, er sagt labsalben und das Einreiben oder Einschmieren, was ist es anders als Einsalben? Und auch das »lab« erklärt sich auf sehr einfache Weise. Das Salben geschieht mit einem Lappen, niederdeutsch lap -- also lap-salben ist die richtige und ohne weiteres verständliche Form.

Lap-döse (Lappendose) heißt der Kasten auf dem Schiffe, der die Lappen (zum Verbinden), Pflaster, einige Arzneien und Instrumente chirurgischer Art enthält, also »Pflasterkasten«; lap-dös bedeutet aber auch Flicken- oder Flickkorb, und also auch in dieser Hinsicht ein für manche fatale Bedeutungsähnlichkeit mit Pflasterkasten.

In Groningen schimpft man einen der zerrissenes Zeug an hat Lapsak und Lapsalver, scherzweise auch Laplander. Schlecht angezogene Leute, »Lumpen und Lappen« wurden früher auf der Jagd zur Umstellung des Wildes gebraucht, daher: »durch die Lappen gehen.«

Ueber die Erklärung von labsalen hilft sich Kilian hinweg, der doch ganz richtig lapsalven hat, mit der leichthin geäußerten Bemerkung es werde wohl »quacksalven« sein.

*Labskausch*, der,

eine Speise, Rindfleisch und Kartoffelmus gemischt. An Bord, von präserviertem Rindfleisch hergestellt, ist das oft ein zweifelhafter Genuß. Wenn aber der Seemann sich erst einmal der Seefahrt begeben hat und in die so beliebte Zivilversorgung gegangen ist, dann fängt dieses Essen an, ihm in verklärtem Lichte zu erscheinen, er denkt wunders wie fein es ihm einst geschmeckt habe und veranstaltet feierliche Labskauschessen. Die Etymologie ergibt sich schon aus Kilians Uebersetzung von lap, smout, »pinguis liquor ex coriorum loris sive segmentis,« also aus Streifen oder Lappen Fleisch, aus Lappenstücken; die waren kein Abfall, kein übrig Gebliebenes, sondern Stücke des weichen Bauchfleisches, der Bauchlappen des Rindviehs. Das Zeitwort lappen aber übersetzt Kilian mit farcinare, »farcieren«, eine »Farce« bereiten aus Fleisch. Die erste Silbe von Labskausch bedeutet also Hackfleisch; (die Kartoffel ist erst nachträglich hinzugekommen). Die zweite Silbe ist das niederdeutsche Kaus = Schüssel, Schale, so daß das Ganze also »eine Schüssel Gehacktes« heißt. Der Geschlechtswechsel hat sich vollzogen in einer Zeit, wo dem Sprachbewußtsein -Kausch als Schüssel nicht mehr gegenwärtig war.

*laden*,

mit Tragbarem beschweren, ganz verschieden von laden, wohin berufen. Unser laden heißt gothisch hlathan, eine Last auflegen. Es kommt manchem Schiffe für seine Fahrt sehr darauf an, daß es richtig geladen sei, daß es in Bezug auf die richtige Verteilung der Last sein Recht empfange, wenn das geschehen ist, dann nennt man es: »das Schiff ist auf seinen Paß geladen.« Der Raum für die Ladung heißt *Laderaum*. Die Linie, bis zu welcher das Schiff ohne Gefahr geladen werden kann, die *Ladelinie*, die Gesamtheit des Geladenen die *Ladung*; Schiffsladung, auch ein (allerdings ziemlich unbestimmtes) Maß bezeichnend, »Schiffsladung, Ladung schottischer Kohlen«.

Das Laden einer Kanone, eines Gewehrs erinnert, wie das gleichbedeutende Fremdwort chargieren, noch deutlich an das Beschweren mit Tragbarem.

Uebertragener Sinn: »er hat zu schwer, er hat schief geladen.«

*Laffete*, die,

das Gestell auf dem eine Kanone ruht. Zuerst bei Stieler 1691: Lafet, Lafete; Goethe: Lavete. Ein Lehnwort, französisch l'affût, aus dem lateinischen ad und fustis = Stock, Prügel, Baum, Holz; spanisch fuste, provençalisch fust. Noch vor hundert jahren, 1794, als Roeding sein Lexikon schrieb, war Laffete an Bord nicht ausschließlich in Gebrauch, da sagte man auch noch Rapert und Rampert, niederländisch rampaard, also Rammpferd, »Rollpferd« sagt Roeding. Das Gestell hieß also Pferd, (vergl. Bock, Widder, Krahn) und ward näher bezeichnet als Rammpferd, weil es aus- und eingerammt wurde beim Schießen und Exerzieren.

*Lage*, die,

alle Kanonen, die an einer Seite eines Schiffes auf einem Deck stehen (liegen), eine halbe Batterie, eine Breitseite. Sind mehrere Decks vorhanden, die Kanonen tragen, so heißen alle zusammen an einer Seite eine volle Lage. Dem entsprechend heißt: »eine Lage geben«, »eine volle Lage geben« die betreffenden Kanonen zugleich, (in Konzentration) auf ein feindliches Ziel abfeuern. Auch übertragen: »eine Lage Bier geben«, eine Runde Bier ausgeben, so daß jeder Teilnehmer der Tafelrunde ein Glas bekommt; jemanden mit einer vollen Lage von Schimpfwörtern dienen.

*Lägel*, der, auch Legel.

1. Kurze Stücke von Tauen deren Enden an das Liek eines Segels gesplißt werden, so daß sie mit diesem eine Art Ring oder wenigstens einen Halbkreis bilden. Es werden an ihnen die Bulins und anderes laufendes Tauwerk befestigt.

2. Die Ringe um das Stag, an die das Vorliek des Stagsegels befestigt ist, an denen dieses Segel am Stag auf- und niederläuft; ebenso die Ringe um Schnaumast und Gaffel durch die die Gaffelsegel sich auf und nieder bewegen lassen. Den Ringen zu vergleichen, mit denen man eine Gardine oder Portière bewegt.

Gehört zum niederdeutschen lag, leg = leer, frei, ledig, unbehindert, und zwar im Sinne der leichten Beweglichkeit, und dieses ist Kontraktion von ledig. Ledig ist einer der sich leicht rühren und bewegen kann; von Arbeit, Mühe, Beschwerde oder sonstiger Hinderung frei. Daher vermutet Dornkaat mit Wahrscheinlichkeit das ledig = lidig sei; lid aber heißt Glied, Gelenk, Stelle wo Arm und Beine sich bewegen, so daß die Gelenkigkeit, die Beweglichkeit und ein Zustand bezeichnet wird, in dem einer oder etwas, oder ein Mittel durch das einer oder etwas biegsam, geschmeidig, beweglich, lenksam ist, sich frei bewegen kann. Diese Bedeutung stimmt mit dem Begriff von Lägel oder besser: Legel überein, denn ein Legel kann man sehr wohl als Glied oder Gelenk bezeichnen, dadurch das Segel bewegt und gelenkt und gerichtet wird.

*längsdeck*,

ein viel gebrauchtes Adverbium, die Längsrichtung des Decks bezeichnend; die Rahe liegt längsdeck, die Leute laufen mit dem Taljenläufer längsdeck. »Mit jemandem längsdeck gehen« heißt im übertragenen Sinne, ihm »über« sein, ihn überwältigen, ihm seinen Meister zeigen.

*Längsstringer* s. Stringer.

*Landung*, die,

allgemein (die Landung des Columbus auf Guanahani) das Anlanden an einer Küste; besonders aber das Anlandsetzen von Waren; auf Kriegsschiffen das Ausschiffen von Truppen, im Frieden als Landungsmanöver geübt.

Das Zeitwort landen hieß und heißt teilweise noch im Hochdeutschen länden, aber das niederdeutsche landen hat es wegen des Übergewichts der Seeschiffahrt in den Hintergrund gedrängt. Das Landen ist nicht immer wörtlich zu nehmen, es wird auch wohl von solchen Häfen gesagt, die gar keine Häfen sind, sondern offene Reeden, wer z. B. in Montevideo »landet«, der liegt so weit vom Lande ab, daß wenig genug davon zu sehen ist.

*Landmarke* s. Kennung.

*Lanen*, die,

des Bootes sind die manchmal gitterartigen, dann auch Gräting genannten Bretter, die den inwendigen Boden des Bootes bilden. Sie liegen lose auf den Bauchstücken und können daher abgenommen werden, wenn man sie reinigen will oder wenn man das Wasser ausöst. Im Ostfriesischen heißt läne, län = Lehne, Geländer, Gitter, woran man sich hält oder worauf man sich stützt, worauf man einen Stütz- und Ruhepunkt findet. Lane dürfte also zu unserem Lehne zu stellen sein, die zwar jetzt besonders einen Halt und eine Stütze für Hände, den Kopf oder den Rücken bedeutet, aber ursprünglich war das anders, da bedeutete Lehne ein Lager, und lehnen »eine schiefe Stellung bilden, eine schräge Lage einnehmen« und diese nehmen die Beine der im Boot Sitzenden, namentlich der Rudernden ein, indem letztere sie noch gegen auf Lanen angebrachte Fußleisten anlehnen.

*laschen*

heißt zunächst verlängern, besonders von der Tätigkeit der Schiffszimmerleute gesagt, wenn sie zwei Balken so zusammenfügen, daß sie zwar auf einander liegen, aber zusammen doch nur die Dicke des einen haben. Sie werden dann so zusammen verbunden. Daher heißt laschen auch überhaupt verbinden, befestigen, festbinden, zwei Dinge mit einander zusammenbinden. Eine Lasche ist ein Stück Zeug oder Leder, das man irgendwo einsetzt, dazwischen setzt, ansetzt um etwas zu verlängern. Die Erklärung macht Schwierigkeiten. Doch gibt Kluge einen Weg an, auf den sie sich dürften heben lassen; darnach wäre das Wort mit Lappen verwandt, indem im Althochdeutschen ein vorausgesetztes lafska sich in laska verwandelt hätte.

*Last*, die.

1. Die Ladung, das Geladene; auch als bestimmtes Gewicht: eine Last Kohlen, eine Last Torf.

2. Der Raum in dem die Ladung verstaut ist oder werden kann. Es ist Ableitungsform von laden, (du ladest mit ausgefallenem d) wie mittelniederdeutsch lest (von lädst). »Das deutsche Wort drang ins Romanische, französisch lest, Ballast, laste, italienisch lasto, Last, als Schiffsgewicht«. (Kluge). Diejenige Last, also derjenige Raum, der für eine stets sich gleich bleibende Ladung bestimmt ist, die zur Versorgung des Schiffes dient, wird nach dem was er enthält benannt: Brotlast, Fleischlast, Wasserlast.

*Lastadie*, die.

»Navale, locus ubi naves constituuntur, aedificantur, aut quassatae reparantur« ist bei Kilianus eine Lastagie, sonst meist, wie viele Straßen- und Platznamen in deutschen Seestädten beweisen, in der Form Lastadie gang und gäbe. Es fragt sich, welches die ursprünglichere Form ist. Die Endung agie ist eine weitverbreitete mittelniederdeutsche Kollektivendung. Ueberall wo eine Menge zusammengehöriger Dinge zusammengenannt werden soll, geschieht dies durch Anhängen der Endung agie. Sie wird zwar meist wie asche ausgesprochen, aber agie, asje, asche, acze, aghe abwechselnd geschrieben: Takelasje, Fustage, Fastage, Budelaghe, Segelasche, Segelacze, Segelacie, Stellage, Slytage, Ankeragie, Ankeracie, Eskipage: sogar Priesteragie für Pfarrhaus kommt vor. Im Englischen steht dafür die Endung age; lastage = Last im Sinne von Ladung, auch Ballast, und Last im Sinne von Laderaum. Und das eben gibt uns die ursprüngliche Bedeutung an die Hand. Stelle am Ufer, wo die für Schiffe bestimmten Lasten aufgestapelt waren, oder wo der Ballast lagerte, also Laststelle, Ladestelle, natürlich auch Löschstelle. Beim Laden oder Löschen stellt sich wohl das Bedürfnis heraus, an Ort und Stelle kleinere Reparaturen auszuführen, dafür wurden zunächst recht einfache und vorübergehende Einrichtungen in Anspruch genommen, aus denen sich jedoch nach und nach eine richtige Schiffbauwerkstätte, eine Werft entwickelte, die aber den Namen behielt, den der Ort von der Last erhalten hatte.

Aber wie ward aus Lastagie Lastadie? Oder, für den Fall, daß doch Lastadie die ursprüngliche Form wäre, woher kommt das d in der Endung? Da ist auf das schöne deutsche Wort Staden hinzuweisen. Es ist gleichbedeutend mit Kai, Kaje (Quai!). In Straßburg i. E. gibt es einen St. Nicolausstaden, einen Schifferleutstaden, Fischerstaden, Pariser Staden, Kaufhausstaden u. s. w. Leider ist aber auch der Gebrauch dieses Wortes so ziemlich auf das Gebiet Hochdeutschlands beschränkt. Dafür kennt das Niederdeutsche ein allerdings immer ungebräuchlicher werdendes Stade, welches zunächst so viel wie Gestade, Ufer ist, dann aber auch allgemein Stätte, Stelle, Platz, Ort u. s. w. bedeutet und, wie Staden, von einem Zeitwort kommt, das die Bedeutung hat: etwas irgendwo hinstellen, zu Statten bringen, zum ruhigen Bestande bringen, aufstellen, sich verheiraten, einen begraben etc., womit auch das Wort Stalhof (Stadelhof) verwandt ist, wie das Haus hieß, das die Oesterlinge zur Zeit der Hansa in London hatten, in dem die deutschen Kaufleute ihre Waren ausgestellt hielten, (es mag hauptsächlich ein Musterlager gewesen sein, weil man ein Muster, eine Warenprobe heute noch einen Stal, ein Stälchen nennt).

Also die Stätte, wo eine Last lagerte hieß Stade. Wie nahe lag da die Verbindung Laststade. Das eine st wurde als lästig gefallen ausgewiesen, so wie aus Raststede Rastede wurde. Der bloße Gedanke an Stade konnte bewirken, daß aus Lastagie Lastadie wurde. Da für letzteres aber auch die Form Lastadigen bezeugt ist, was eine Erinnerung an das von der richtigen Stelle verdrängte g von Lastagie sein könnte, so gewinnt dadurch die Ansicht das Übergewicht, daß Lastagie die ursprünglichere Form ist, aus welcher durch Anlehnung an die Vorstellung Last-stade Lastadie sich gebildet hat. Jetzt ist es durch Werft völlig verdrängt.

*Lateinische Segel*

haben als besonderes Kennzeichen die Eigenschaft dreieckig zu sein und an einer langen Rahe zu sitzen, die ihrerseits an einem niedrigen, meist etwas vornübergeneigten Mast sitzt. Diese Art stammt aus dem Mittelmeer, aus dem eigentlichen Sprachgebiet des Lateinischen, und wird daselbst von Galeeren, Schebecken, Pinken, Tartanen, Felucken, Galioten und überhaupt fast allen dort gebräuchlichen Fahrzeugen geführt. Solche Schiffe sind leicht zu bedienen und segeln gut beim Winde.

*Laterne*, die.

Diese allbekannte Lichtspenderin wird an Bord in verschiedenen Arten und zu verschiedenen Zwecken geführt, muß aber allemal so gesichert sein, daß auch der Sturm das darin brennende Licht, eine dicke Kerze, nicht auslöschen kann. Man hat Lauflaternen, Kompaßlaternen und besonders Positionslaternen. Diese sind von der größten Wichtigkeit, weil sie in der Dunkelheit das einzige Mittel sind, die Position, also nicht nur das Vorhandensein eines Schiffes überhaupt, sondern auch seine Fahrtrichtung zu erkennen zu geben oder zu erkennen. Zu diesem Zwecke brennt vorne an Steuerbord eine grüne, vorne an Backbord eine rothe Laterne, ist das Schiff ein Dampfer, so brennt hoch über den beiden am Stag eine Laterne mit weißem Licht, die Staglaterne.

*Laufendes Gut*

nennt man alle Taue die ihrer Natur und Bestimmung nach beweglich sind und bewegt werden durch Menschen, neuerdings auch durch Dampfkraft. Gegensatz: stehendes Gut, das nicht nur für sich selbst fest und unbeweglich zu stehen hat, sondern auch dazu hilft, daß andere Teile des Schiffes fest stehen, weil sie von ihm gestützt sind.

*Läufer*, der,