Etymologisches Wörterbuch der deutschen Seemannssprache

Part 26

Chapter 263,423 wordsPublic domain

ist nichts weiter als das unter dem Einfluß des englischen clinch = Klinke etwas umgebildete deutsche Wort Klinke, entweder im Sinne von »gekrümmtes, umgebogenes Ende eines Dinges« oder eines »haftenden, packenden, haltenden Etwas«; beide Bedeutungen von klinken (s. Klinkerboot) passen auf Klinsch sehr wohl; klinken heißt allerdings »nieten«; aber das Nieten besteht darin, daß das spitze Ende eines Nagels, der durch das zu Nagelnde durchgedrungen und auf der andern Seite wieder herausgekommen ist, durch Klopfen umgebogen wird; dieses Umbiegen ist die ursprüngliche Art des Nietens, und im Gedanken an Biegung ist Klinke, ist auch Klinsch gebildet, denn eine solche ist ein solcher Knoten oder Stek, bei dem das Ende eines Taues in der Weise umgebogen ist, daß ein Auge entsteht; zunächst ein festes Auge; und dann wird noch einmal gebogen und der Tamp durch das feste Auge so durchgeholt, daß ein laufendes, bewegliches, veränderliches, sich dem zu befestigenden Gegenstand durch Biegen anpassendes Auge entsteht.

*Klote*, die.

Kloten sind kleine Hölzer in Gestalt einer Kugel oder eines Zylinders mit einem Loch in der Richtung der Längsachse, um laufendes Gut zu leiten. Man unterscheidet Wantklote und Rackklote; letztere (nach Dabovich, Naut.-techn. Wörterb.) italienisch bertoccio per trozze (Pater, paternostro); französisch pomme de racage, englisch parrel-truck; erstere italienisch conduttore di manovra (Mandola), französisch margouillet, englisch bull's eye, shroud truck. Die Erklärung ist in dem Begriff Kugel gegeben. Klot heißt in Ostfriesland die Kugel die bei dem berühmten »Klotschießen« (einem Werfspiel das im Winter wenn die Graften zugefroren sind mit Leidenschaft als Wettspiel zwischen Dorf und Dorf betrieben wird); heißt niederdeutsch überhaupt Kugel (und Hode), Ball, Klumpen, Kloß; mittelhochdeutsch kloz, Klumpen, Ball; es ist demnach unser hochdeutsches Kloß, entsprechend dem französischen pomme, Apfel; oder auch unser Klotz.

*Klumpblock*, der,

unterscheidet sich von einem gewöhnlichen einscheibigen Block durch den geringeren Scheibendurchmesser und die kürzere, gedrungenere Gestalt, hat also seinen Namen von Klumpen, wie auch der dicke, wenig zierliche Holzschuh der Ostfriesen und Holländer klump oder klumpe heißt.

*Klüse*, die.

Die Klüsen sind zwei Löcher an jeder Seite des Vorstevens durch die das Ankertau oder jetzt vielmehr die Kette fährt; mit Blei oder Kupfer ausgefüttert, damit das Wasser nicht zwischen die Inhölzer laufe.

Es lag nahe, diese beiden Löcher mit zwei Nasenlöchern oder auch zwei Augen zu vergleichen, und dieser Vergleich ist denn auch in ausgiebiger Weise gemacht worden, namentlich in wenig vornehmer Rede, manchmal in recht vulgärer Art, so daß das Wort Klüse einen etwas knotigen Beigeschmack empfangen hat, ähnlich wie Panse, (»ich haue Dir eins in die Klüsen«). Klüse ist die niederdeutsche Form für Klause, althochdeutsch clusa, mittelhochdeutsch kluse = einsamer, *abgeschlossener*, (clusum von cludere, clausum von claudere) enger Raum (eines Einsiedlers, Klausners): abgeschlossener Behälter, Gebirgspaß, Engpaß, (»durch diese hohle Gasse muß er kommen«). Dieser letztere Begriff hat das Wort bei den Seeleuten in Aufnahme gebracht. Es kommt auch, wie (1702) im Niederländischen dafür die Form kluisgaaten bezeugt ist, die Verbindung klusgat = Klüsenloch vor, was aber ein tautologischer und volksetymologischer Verdeutlichungsversuch ist.

*Knagge*, die,

auch der (»ich schneide mir einen tüchtigen Knaggen Brot ab«) Dick und Kretschmer, Seemannschaft I 444: »Mitunter hat das Ruder noch eine Einrichtung, welche den Zweck hat, besonders beim Rückwärtsgang des Schiffes den Maximalausschlag des Ruders zu begrenzen. Zu dem Ende ist an jeder Seite des Ruders, etwa etwas höher als die obere Wasserlinie, ein eiserner oder metallener Knaggen oder Ansatz angebracht, der sich bei ganz hart gelegtem Ruder gegen den Steven legt und so ein weiteres Drehen des Ruders über den Maximalwinkel hinaus verhindert.« Das niederdeutsche Knagge, auch Knag, bedeutet dickes, unförmliches Stück, Brocken, Klumpen, Knorren, harter Ast im Holze, Baumstumpf, Wurzelstock; dann weiter Leiste, Zapfen, Pflock, hölzerner Wirbel.

*Knecht*, der.

Die Knechte sind aufwärts stehende Hölzer bei den Masten mit Querstücken an ihren oberen Enden und drehbaren Scheiben für die Führung schweren laufenden Gutes. In den Querstücken stecken die Nägel zum Belegen der durch die Scheibe geholten Enden. Das Wort Knecht ist nach dem Muster von »Stiefelknecht«, »stummer Diener« etc. gebraucht.

*Kneifsteck*, der,

ist ein Stek, der den Vorteil hat, leicht gelöst werden zu können; er ist nämlich so eingesteckt, daß das Ende, wenn Kraft darauf kommt, bekniffen ist; hört aber die Kraft auf, so kann man das bisher bekniffene Ende bequem herausziehen und den ganzen Stek leicht lösen; und selbst wenn Kraft darauf steht kann das bekniffene Ende ohne große Mühe dem Zustande des Bekniffenseins entzogen werden. »Bekniffen« sein in übertragenem Sinne ist ein wenig angenehmes Gefühl, nämlich eine Art von moralischem Katzenjammer, eine Lähmung und Hinderung fröhlicher Tatkraft in Folge eines gemachten Fehlers.

Weil ein Kneifsteck, sobald man an dem bekniffenen Ende zieht, aufgeht, »schlippt«, so heißt er auch (s. d.) Schlippsteck.

*Knickstag*, das,

ist ein Sicherheitsstag, das in Tätigkeit zu treten hat, wenn das eigentliche Stag gebrochen ist. Es heißt darum auch wohl im Deutschen wie in den anderen Seemannssprachen der Nordsee Borgstag. Es ist also ein Reservestag, das seinen Namen vom niederdeutschen knick hat = Bruch, Sprung, Riß, weil es, wenn das betreffende Stag knickt, d. h. bricht -- ein Tau »reißt« nie, es »bricht« in der Seemannssprache -- als Knickstag an seine Stelle tritt.

*Knoten*, der.

1. s. splissen und knoten. 2. s. Log. »das Schiff segelt sechs Knoten«, d. h. es segelt sechs Seemeilen in der Stunde. Die Meilen entsprechen den in bestimmten Entfernungen von einander befindlichen Knoten der beim Loggen abrollenden Logleine. Ein Schiff fährt so viele Seemeilen in der Stunde als Knoten der abrollenden Logleine in der Zeit eines ablaufenden Logglases (Sanduhr) gezählt werden.

*knoten* s. splissen und knoten.

*kockpit*, die.

»An apartment under the lower gun-deck of a ship of war, ordinarily forming quarters for junior officers (and in action devoted to the surgeon and his assistents and patients).« Eigentlich der Kampfplatz für einen Hahnenkampf. Da nun »junior officers« manchmal etwas Kampfhahnartiges an sich haben, namentlich wenn sie allzulange zusammen an Bord desselben Schiffes bleiben, so hat man ihren Raum nach jener Arena genannt, wie man auch denselben Namen gegeben hat, »to the room in Westminster in which her majesty's privy-council hold their sittings«; es wird zwar behauptet, der Name käme, »from its having been the side of what was formerly the cock-pit belonging to the palace of Whitehall« ... aber wenn das wahr ist, so wird es doch höchstens die äussere Veranlassung gewesen sein, der innere Grund für die dauernde Herrschaft des Namens liegt wohl tiefer.

Der Name ist für einen entsprechenden Raum wohl auch auf deutschen Kriegsschiffen gehört worden, vor 20-30 Jahren häufiger wie heute.

*Kofferdamm*, der,

und Korkdamm sind neumodische Wörter für neumodische Dinge, nämlich für bei der Panzerung notwendig gewordene Vorsichtsmaßregeln gegen Überflutungen durch über das Panzerdeck tretende Wassermassen. Sie haben also beide den Zweck eines Dammes, der eine in Gestalt von kofferartigen wasserdichten Zellen, der andere gleicht diesem in Gestalt, doch sind die Zellen mit Kork, Cellulose, Pflanzenmark oder dergl. angefüllt. Wenn ein Schuß durch ein eisernes oder stählernes Schiff geht, so ist das für das Schiff, und wie sich neuerdings vor Taku herausgestellt hat, auch für die Mannschaft gefährlich. Durch den Kork etc. etc. soll dann wenigstens bewirkt werden, daß das Loch sich einigermaßen wieder zuzieht, wie früher beim Holzschiffbau, zu dessen Zeiten manchmal ein Schiff ungezählte Schüsse bekam ohne zu sinken.

*Kogge*, die,

war das altfriesische Seeschiff von breiter und plumper Bauart, vorne und hinten rund und stumpf zulaufend, das nachher, etwas verbessert, in der Geschichte der Hanse eine große Bedeutung gewonnen hat. Die Koggen waren sowohl Handels- als Kriegsschiffe und werden in der friesischen Geschichte zur Zeit der Kreuzzüge oft erwähnt, da die Friesen in diesen Schiffen die Fahrt nach Palästina machten. Von der letzten, recht unglücklichen, die 1269 unter König Ludwig dem Heiligen unternommen wurde, erzählt Klopp, Ostfriesische Geschichte, I 136: »Also wurden wieder in allen Kirchen die eisenbeschlagenen Blöcke errichtet und Reiche und Arme brachten ihre Beisteuern dar. Aber durch die Erfahrung der früheren Züge konnten viele Fehler vermieden werden. Den Weibern ward die Teilnahme am Zuge völlig untersagt, damit die auf früheren Fahrten häufig vorgekommenen Ärgernisse das Mal unterblieben. Es wurde eingeschärft, daß nur diejenigen am Zuge Teil nehmen möchten, die sich mit Lebensmitteln genügend selbst versorgen könnten. Deshalb sollte jeder einzelne Pilger mindestens mitnehmen: sieben Mark Sterling, ferner ausreichende Kleidung, Waffen, sechs Fäßchen Butter, einen Schinken, eine und eine halbe Rindsseite oder zwei Scheffel Mehl. Am Freitage nach Ostern 1269 war alles bereit. Die Schiffe wurden von den Priestern geweiht und gesegnet und dann stiegen die Pilger andächtig hinein, viele von ihnen mit Blutschulden beladen, die sie durch tapfere Taten an den Türken zu sühnen gedachten. Aber bei Borkum wurden sie durch niedrigen Wind drei Wochen lang aufgehalten. Man zählte in Allem aus Friesland 50 Koggen ... Der König Ludwig war schon vorausgesegelt und kämpfte in Afrika. Dort vereinigten sich die Friesen mit seinem Heere, vollbrachten mit demselben wackere Taten und starben durch die Anstrengung und die Einwirkungen des ungewohnten warmen Klimas haufenweise dahin. Nach dem Tode des Königs schwand die Aussicht auf Erfolg. Zwar segelten die Friesen weiter nach dem gelobten Lande, aber nur, um nach Darbringung reichlicher Beisteuern von da aus wieder heimzukehren. Auf der Rückkehr trennten sie sich, wurden hierhin und dorthin verschlagen, geplündert und beraubt und wenige gelangten nach vielen ausgestandenen Drangsalen arm und entblößt ins Vaterland wieder heim«; doch wohl kaum ohne etwas von der Seemannssprache des Mittelmeeres mitgebracht zu haben. Man hat oft verwundert gefragt, wie denn schon so früh ein arabisches, griechisches, lateinisches Seemannswort solle ins Niederdeutsche gekommen sein. Die rege Beteiligung der Friesen an den Kreuzzügen mag einen der Wege andeuten.

Die älteste Erwähnung einer Kogge finde ich in einer, bei Friedländer, Ostfries. Urkundenbuch I. 12, abgedruckten Urkunde des Königs (Heinrichs III.) von England, d. d. Bedford, 13. Juli 1224: »Mandatum est maiori et vicecomitibus Londonensibus, quod, non obstante mandato domini regis eis facto de navibus arestandis, cogam Lamberti de Brema et cogam Bracheri de Amethis apud Londonum arestatas occasione predicta permittant sine inpedimento ad partes suas abire«. In den Urkunden, Recessen und Schraen aus der Hansazeit kommt das Wort unzählige Male vor, da es die damals gangbare Art von Schiffen bezeichnet, auch Kriegsschiffen. Der Name oorlogschip ist aber niederländisch. Die Hansa nannte ihre Kriegsschiffe Friedeschiffe, vredekoggen, weil sie eben als Kriegsschiffe für den Frieden und die »Befriedigung« des Handels zu sorgen hatten. Nach Hirsch, Handels- und Gewerbsgeschichte Danzigs 263, wird unter Kogge das Seeschiff im Gegensatz zum Flußschiff verstanden und sind holk, krever, barse und schute nur verschiedene Arten von Koggen. Doch sind bekanntlich dergleichen Schiffsnamen schwer auseinander zu halten; ihrer viele sind auch, weil die Formen und Größenverhältnisse zu unbestimmt sind, schwer zu bestimmten »Typen« zusammen zu bringen, wie denn z. B. in folgender Urkunde vom Jahre 1368 aus Lübeck schute doch nur ein Beiboot zu einer Kogge ist. »de stede ... schollen vthmaken teyn cogghen ghemanned mit ghuden wepeneren, dat is tho vorstande hunderd wapende man in enen giwelken kogghen onde tho giwelken koggen schollen wesen een schute onde een snykke.«

Auch im Altnordischen kommt das Wort schon früh vor, doch bemerkt Müllenhoff, daß es nur von hanseatischen, sächsischen Seeschiffen gebraucht wird; was also auf südlichen, romanischen Ursprung schließen läßt, so daß vielleicht grade die Kogge durch die erwähnten Kreuzzüge, in Gemeinschaft mit französischen Schiffen unternommen, das Wort in Aufnahme gebracht haben: altfranzösisch coque (neufranzösisch coche), spanisch, italienisch coca, cocca, vom lateinischen concha, Muschelschale, muschelartiges, muschelförmiges Gefäß, dann überhaupt Gefäß. Daher auch italienisch cocchio, Personenwagen, unsere Kutsche.

*Kohlenbunker* s. Bunker.

*Kohlenstander* s. Stander und Kohlenwippe.

*Kohlenwippe*, die.

Dick und Kretschmer, Seemannschaft 1. 314: »An einem Strecktau aus Stahldraht, welches je nach der Takelage oder der sonstigen Einrichtung des Schiffes zwischen den Unterrahen, den Ladebäumen, den Bootsdavits oder zwischen besonders vorgesehenen und im Bedarfsfalle aufzubringenden Spieren ausgeholt wird, werden in passenden und nach der Lage der Kohlenlöcher oder Kohlenpforten berechneten Abständen einfache Jollentaue angenäht, deren Läufer an dem einen Ende mit Haken versehen sind und deren holende Parten durch auf Deck befestigte Leitblöcke geschoren werden. In die Haken werden die gefüllten Kohlenkörbe gehängt, die holenden Parten werden entweder durch Menschenkraft oder durch Maschinenkraft durchgeholt. Die Jollentaue führen speziell den Namen »*Kohlenwippen*«, während das Strecktau auch mit dem Namen »*Kohlenstander*«? bezeichnet wird.«

Diese Bezeichnungen müssen als treffend anerkannt werden, denn das Strecktau steht zwar nicht, woran man gewöhnlich bei Stehen denkt, »auf und nieder,« sondern horizontal, aber es ist doch ein stehendes, festes, möglichst unbewegliches Tau; das Jollentau aber muß wegen der Ortsveränderung, die mit dem Korbe voll Kohlen vor sich zu gehen hat, eine wippende d. h. schaukelnde Bewegung machen; wippen niederdeutsch: auf- und niederschweben machen, in's Schwingen und Schweben bringen; auch sich selbst schwingen, tanzen, hüpfen. Althochdeutsch wifan = winden; gothisch veipan, umwinden; Wurzel wip, winden.

*Koje*, die.

Im Sprachgebrauch der Kriegsmarine nur Bett, niemals Kammer, wiewohl es mit Kabine, Kambüse und Kajüte verwandt ist. Die bei Erklärung dieser Worte angeführte Stammsilbe kab heißt niederdeutsch nicht nur kave, sondern auch kove und kowe. Da damit immer nur ein sehr bescheidener Raum bezeichnet wurde so lag es nahe, dem kowe die Diminutivendung je anzuhängen; bei der Aussprache fiel dann das w von selbst aus und Koje war gebildet. Derselbe Vorgang wäre anzunehmen, wenn man etwa das Wort vom lateinischen cuba, Schlafgemach, ableiten wollte. Das wäre nur noch etwas umständlicher und weitläufiger; und warum in die Ferne schweifen? Beachtenswert ist, daß schon zu Kilians Zeiten Koje nicht Kammer sondern Bett hieß. »Koye int schip: cubile nauticum, lectulus nautae.«

Eine einfache hölzerne Bettstelle, wie sie an Bord gebraucht wird, führte früher den Namen Setkoje, Setzkoje, weil sie -- im Gegensatz zu fest eingebauten Kojen -- beweglich ist und von einem Ort an den anderen gesetzt werden kann. Zwei von dieser Art haben dem Verfasser der »Beschriving van der Kunst der Seefahrt« im J. 1647 das Leben gerettet (s. Schönfahrsegel und Luv am Ende): »Mir war auch unter dem Wasser nicht allzuwol zu muthe, so, daß ich bald wieder oben kann, fühlete auch indem neue Krafft, und kam eine See die hub mich auff, so, daß ich biß unter die Arme aus dem Wasser kam, mir lieff auch kein Wasser über das Haupt wie zuvor geschehen, so, daß ich etwas von mir sehen konte, ward auch indem zwo Setkoyen oder kleine Betsteten, so man auff Schiffen gebrauchet gewahr, die von der See alsobald zu mir geworfen worden, also legte ich auff jeder Koje einen Arm und hing so in der Mitte, biß die Türken kamen und holten mich aus dem Wasser.«

*Koker*, der.

Bei hölzernen Schiffen wird der Ruderhals, bei eisernen die Ruderspindel in einem Umbau wasserdicht in das Schiffsinnere eingeführt, in der Regel indem an der Spindel eine Stopfbuchse angebracht wird. Diese Einführung, also die Hülle um die Spindel, heißt Koker. Das ist dasselbe Wort wie das ebenso gebräuchliche niederdeutsche kaker = *Köcher*, Gehäuse, Büchse, Futteral, Behälter, Röhre, Rinne. Verwandt mit Kogge, und Kachel und concha, von einer Grundbedeutung »umschließen,« und noch in verschiedenen anderen Verwendungen an Bord, immer aber mit dem Begriff »Umschließendes« -- Köcher -- gebraucht.

*Kolderstock*, der,

eine veraltete Rudervorrichtung, nämlich ein vertikaler Handgriff an der (horizontalen) Ruderpinne, durch das Koldergat, bezw. die Kolderluke nach oben führend. Hildebrand in Grimms Wörterbuch V 1612 hat von Chyträus, M. Kramer und Adelung das Wort übernommen und trotz der Veraltung beibehalten; er meint für Weiteres sei zuerst die allgemeine Bedeutung zu ermitteln. Nun haben bei vielen Benennungen die Geräusche, die die benannten Sachen machen den Ausschlag gegeben. Ich nehme daher an, daß Kolder nach dem Geräusch genannt ist, das durch das Steuern mit dem Kolderstock notwendig verursacht werden muß. Der Stock fährt nämlich der leichteren Beweglichkeit halber durch eine hölzerne Rolle, »Nuß« genannt, die sich mit ihm hin und her bewegt. Das kann nicht ohne das eigentümliche kullernde, kollernde Geräusch vor sich gehen, das sich allemal hören läßt wenn Holz auf Holz gerollt wird. So wäre also an kollern zu denken. Nun ist aber aus Holder Holler geworden; warum soll nicht auch aus Koller Kolder werden können? Zumal wenn vielleicht einem hochdeutschen Munde Koller nicht vornehm genug war? Man denke an die scherzhafte Bildung Klopfstock für Klopstock. Auf dem Wege vom Niederdeutschen ins Hochdeutsche haben viele Seemannswörter ähnliche Verdunkelung erfahren, vergl. löschen, Pferd, Maifeld.

*Kofferkessel*, s. Kessel.

*Kolk*, der.

Grimm, V. 1613. hat viererlei Bedeutung für Kolk: 1. Erdloch, das von Wasser ausgespült oder ausgerissen worden ist. 2. Als Cisterne, Grube mit Wasser, braucht es selbst Luther einmal in der Bibel III. Mose XI. 36. 3. Strudel im fließenden Wasser. 4. Doch die ursprüngliche Bedeutung scheint einfach Erdgrube, Grube überhaupt.

Darnach wäre das Wort eine Weiterbildung des Stammes kul in Kuhle = Loch. Hildebrand weist aber für die unter 1. angegebene Bedeutung selbst auf kolken hin, gleich klucken, kluckern, klangmalend und »strudeln, gurgeln« bedeutend, ein dumpfes rollendes Geräusch machen, wie wenn Wasser sich mit Gewalt durch eine enge Bahn bricht. Kolk in der ersten Bedeutung, und nur mit dieser haben es Seeleute zu tun, ist aber, nach Dornkaat, »ein Loch oder eine Vertiefung in der Erde, welches beim Durchbruch oder Riß eines Deiches durch das mit Gewalt einströmende und die Erde herauswühlende Seewasser entsteht (wie z. B. 1825 bei der großen Sturmflut der über hundert Fuß tiefe Kolk bei dem Dorfe Larrelt, oder der Larrelter Kolk)«. Allerdings ist auch an der Wasserkante Kolk ebenfalls ein mit dem Spaten ausgegrabenes Loch, aber es ist doch anzunehmen, daß die durch kolkendes Wasser entstandenen Kolke eher waren als die von Menschenhand. Denken wir daran, daß der Kolkrabe seinen Namen jedenfalls vom Ton hat, den er von sich gibt, und daß im übertragenen Sinne »kolken«, »dazwischen kolken« doch auch nur »krächzen wie ein Kolkrabe« bedeutet, so gewinnt für Kolk unter 1, die Lautmalerei sehr an Wahrscheinlichkeit, und es mögen 2, 3 und 4 Bedeutungserweiterungen bezw. -Verschiebungen sein, vielleicht vom Gedanken an Kuhle beeinflußt. Für die Ableitung von kolken = gurgeln spricht in Sonderheit die Bedeutung unter 3., Strudel, dessen Geräusch gurgelnd ist.

*Kommodore*, der.

»1. An officer, generally a captain, holding a temporary commission with a rank between that of captain and admiral, who commands a ship or detachment of ships in the absence of an admiral. 2. A title given by courtesy to the senior captain when three or more ships of war are cruising in Company. 3. The senior captain of a line of merchant vessels. 4. The President of a yachting club. 5. The convoy or leading ship in a fleet of merchantmen, which carries a light in her top to conduct the other ships.« Bei uns zeitweilig nur im Sinne von No. 1 in Gebrauch. Vom spanischen comendador.

*Kompagnie*, die.

Der unter diesem Namen bekannte Truppenverband der Armee und der Marine am Lande heißt an Bord Division; nicht zu verwechseln mit anderen, größeren Verbänden dieses Namens. Kompagnie ist ähnlich gebildet wie Kamerad (von Kammer) oder Geselle (von Saal), nämlich von panis und cum; die Leute von einer und derselben Kompagnie sind also Kumpane zusammen, Leute die mit einander gemeinschaftlich ihr Brot essen; daher auch Kumpanie und mit komisch-lateinischer Endung in alten Studentenliedern Kumpaneia.

*Kompass*, der.

Das bekannte Werkzeug zur genauen Bestimmung der Himmelsrichtung. Daß ein so wichtiges Stück der Seemannschaft im Laufe der Jahrhunderte vielerlei Verbesserungen erfahren hat, läßt sich denken. Es gibt gar verschiedene Arten von Kompassen. Hierher gehört nur das Sprachliche. Dieffenbach, »Celtica«, sucht mit großem Aufwand von Gelehrsamkeit zu beweisen, das Wort komme aus dem Keltischen, und zwar aus dem kymrischen Ast, nämlich von der Wurzel kam, kamp, Krümmung, davon comminus, Weg auf dem man umkehrt und so eine Krümmung macht; Schritt, Weg, Felge am Rad. Das ist doch weit hergeholt. Viel näher liegt und viel einfacher ist auf das Lateinische zurückzugehen, wie denn das Wort doch auf den ersten Blick dahin zurückweist, compassus = com-passus wurde auf dem Wege ins Altfranzösische schon im Provençalischen zu compas = gleicher Schritt, (Mitschritt); daher, wie auch im Spanischen, Takt, Versmaß, Maß und Werkzeug zum Messen. Wie nahe lag es da im Nautischen das wichtigste Maßwerkzeug, als es in den seemännischen Gebrauch kam, einfach schlechthin *das* Werkzeug zu nennen; der hat dann solches Übergewicht erlangt, daß es nur in dieser einen Bedeutung ins Deutsche (und viele andere Sprachen) überging. Das Italienische nennt zwar den Kompaß selbst bussola, (und demgemäß liest man in älteren deutschen Schriftstellern das Wort wohl auch einmal), aber es hat doch compasso für Zirkel als Meßinstrument, und es wäre kein Schade gewesen, wenn es die Weiterbildung dieses Wortes, die die Franzosen vornahmen mitgemacht hätte, denn Kompaß gibt doch eine viel sinngemäßere Bezeichnung ab als bussola, das nichts weiter als eine Büchse bedeutet, oder vielmehr ein Büchschen, lateinisch buxula von buxus, der Buchs, die Büchse; Arzneigefäß aus Buchsbaum. Der Begriff des Messens liegt so sehr in Kompaß, daß man lange Zeit im 16. Jahrhundert eine Vorrichtung zum Messen der Zeit, ein solarium, horologium, ein Sonnawer -- Sonnenuhr -- einen Kompaß nannte; noch Schönsleder 1618 hat compasz oder Sonnenuhrlin.

*Kontre-Admiral*, der.