Etymologisches Wörterbuch der deutschen Seemannssprache

Part 25

Chapter 253,539 wordsPublic domain

2. Ein früher gebräuchliches sehr empfindliches Verfahren, das teils bei der Linientaufe als grausamer Scherz, teils von Rechts wegen als bitterer Ernst geübt wurde, darin bestehend, daß einer an einem Tau von der Nock der einen Seite der Großrahe unter dem Kiel durch zur Nock der andern Seite der Großrahe geholt wurde. Wenn man in Deutschland und Holland auch nicht, wie anfänglich bei großen Seeunternehmungen in England, die Gefängnisse entleerte um die Schiffe zu bemannen, so waren die Männer, die in früheren Zeiten ihren Handel in großen Wassern trieben, doch nicht grade die allersanftesten Brüder und mußten in strenger Zucht gehalten werden. Aubin beschreibt das Kielholen so: »C'est une sorte de punition qu'on pratique parmi les Hollandais, en cette maniére. On mène le coupable au bord du vaisseau, et on y atache une corde, au milieu de laquelle il est lié par le milieu du corps; ou-bien, on amène la vergue sur le vibord, et aïant mis le coupable sur le bout, on y atache la corde. Autour de son corps on met quelque chose de pesant, ou-bien l'atache à ses piés. La corde est aussi longue qu'il faut pour passer sous la quille du vaisseau. Un des bouts en est tenu de l'autre coté, par quelques-uns des plus forts matelos de l'équipage; et l'autre bout est celui qui est ataché au vibord, ou à la vergue. Le coupable, à lordre qu'en donne le Quartier-maitre, étant jetté à la mer, ceux qui tiennent la corde à l'autre bord du vaisseau, la tirent le plus vite qu'ils peuvent, de sorte qu'il passe avec une grande rapidité, dans l'eau, sous la quille. On recommence même quelquefois, et on le jette autant de fois que la Sentance le porte. Ce châtiment est rude et dangereux, car le moindre defaut de diligence ou d'adresse, de la part de ceux qui tirent la corde, ou quelque autre petit accident, peut être cause, que celui qu'on tire, se rompe ou bras, ou jambes, et même le cou, ou quelque autre parti du corps; si-bien qu'on le met au rang des peines capitales.«

Der »Artykelbrief« der Generalstaaten, das Reglement der Marine der Niederlande, die Grundlage der Disziplin an Bord, hält strenge auf Zucht, Ordnung und Gottesfurcht. Es mögen hier einige Bestimmungen in Aubin's Übersetzung Raum finden. I. L'Amiral, le vice-amiral, le Capitaine, Lieutenant, ou tout autre qui commandera un vaisseau, prendra soin qu'on fasse tous les matins et tous les soirs la priére sur son bord, ou tout le mionde se tiendra prêt pour y assister, sur peine, en cas de défaut, de quatre sous d'amende pour la premiére fois; du duble pour la seconde fois; et d'être huit jours aux fers, au pain et à l'eau, pour la troisiême fois. II. Ceux qui ne se comporteront pas comme il faut, pendant qu'on lira la Parole de Dieu, ou qu'on fera la priére; qui riront, qui feront du bruit, et qui, de quelque maniére que ce soit, ne se tiendront pas dans un êtat modeste, seront conduits devant le mât, y recevront des coups de corde de tour de tout leur Quart, et paieront six sous d'amende au profit du Prévôt. III. Quiconque prendra le nom de Dieu en vain, ou jurera, sera aussi mené devant le mât, et battu de coups de corde par son Quart, et paiera deux sous d'amende, aplicable aux pauvres, et six sous au Prévôt. XXIX. Ceux qui demeureront endormis lors-que le siflet se fait entendre, et lors-qu'il faut venir faire le quart, seront punis pour la premiére fois arbitrairement, par l'ordre du Capitaine, et de l'avis des Oficiers; pour la seconde fois ils seront battus de bouts de corde par tout l'équipage; et la troisiéme fois ils auront *la cale par-desous la quille*.«

*Kiellinie*, die.

Wenn das Signal: »Im Kielwasser des Admirals folgen!« befolgt wird, dann segeln, oder vielmehr dampfen die Schiffe eines Geschwaders in Kiellinie, eines hinter dem andern, in genau abgemachten und inne zu haltenden gleichen Abständen, so daß also die Verlängerung der Linie des Kiels aller Schiffe in *einer* graden Linie verläuft.

*Kielwasser*, das,

der Streifen schäumend bewegten Wassers, den das Schiff bei seiner Fahrt hinter sich läßt. Der Winkel, den die Linie des Kielwassers mit der Richtung des Kiels macht, zeigt die Größe der Abtrift an. Doch wird Kielwasser wohl auch gleichbedeutend mit Kurs genommen, was z. B. geschieht, wenn der Befehl an die Schiffe eines Geschwaders ergeht, daß sie im Kielwasser des Admirals folgen sollen.

*Kielschwein*, das.

Verstärkung des Kiels. Mit Schwein hat das Wort aber nichts zu tun. Das hat Reinhold Werner »Schule des Seewesens« sehr wohl erkannt und sagt darum durchgängig anstatt Kielschwein Kielschweif. Das ist aber nur ein Verlegenheitsgriff und bringt uns nicht weiter. Wir müssen einen andern Weg der Erklärung einschlagen. Der niederdeutsche Seemann sagt Kielswin (eigentlich Kolswin s. Kiel). Swin heißt nun freilich auch Schwein, aber das Swin in Kielswin ist eben ein ganz anderes Ding als das Borstentier, das seinen Namen von der Diminutivform oder vielmehr Femininumform von Sau hat. Unser -swin hat von der Verstärkung den Namen. Das mittelniederdeutsche Wort swin hieß stark. Es ist zwar dasselbe wie das Hochdeutsche geschwind, früher mundartlich und auch jetzt noch manchmal ohne die Vorsilbe einfach schwind, aber es hieß anfänglich weiter nichts als groß, heftig, stark. »Do bouweden se en slot, unde is ein swinde vast hus.« (Lübecker Chronik.) »Dar weren sulen van glaze, de weren swynde grot« (Lübecker Passional.) Der Wechsel oder vielmehr die Erweiterung liegt nahe. Von swind in der Bedeutung stark kann man leicht zu geswind in der Bedeutung schnell kommen, man braucht nur an einen starken, kühnen, kräftigen, unternehmenden Menschen zu denken, der wird allemal auch ein schneller Mensch sein. Schon zu Anfang des 17. Jahrhunderts hatte sich diese Erweiterung bereits vollzogen und im Seegebrauch festgesetzt, wie wir aus dem niederdeutschen Fastnachtsspiel »Scriba«, das 1616 in Hamburg aufgeführt ward, erfahren. Da will eine Bäuerin ihren Sohn gern Latein lernen lassen und sagt zu dem Schreiber: »Herr Schryver, he haft suss en schwinden vorstand, he schol dat Lackyn wol grypen mit der hand.« Ja schon 1498 ist sie nachzuweisen. In diesem Jahre erschien die erste Ausgabe des Reineke de vos in niederdeutscher Sprache. Da heißt es: »Reinke log ser und swinde. Brun folgede en na alse ein blinde.«

*Kill*, die,

auch Kille, die, ist, ähnlich wie Priel, eine natürliche Wasserrinne, ein natürlicher Wasserlauf, namentlich auf dem Watt; niederländisch kil; altnordisch, isländisch kyll; nordfriesisch kiel = Brunnen, Quelle. Mit diesem letzteren Worte ist es eins, wie denn das Stammverbum zu Quelle auch ein i anstatt des e hat; gothisch qillan.

*Kikebuse*, die,

ein kleines, über Reifen gespanntes, tonnenförmiges Netz, worin das sich allmählich verengende und spitz zulaufende Ende des Stellnetzes oder der Fuke hineingesteckt wird, damit sich die in dem Stellnetze gefangenen Fische darin sammeln. Verbindung von kike = Gefäß (Feuerkike) und bus = Stall, Viehstall.

Am Dollart werden diese Kikebuse noch jetzt aus Weiden geflochten und für sich allein zum Fangen von Aal und Granat gebraucht.

*killen.*

Die Segel killen, wenn sie hin- und herschlagen oder wappern, weil der Wind aus Versehen des Steuernden oder wegen plötzlicher Richtungsveränderung weder von vorne noch von hinten kommt, sondern grade aus der Richtung in der die Rahe gebraßt ist; killen = schwappern, flattern, hin- und herschlagen, und zwar kurz und kräftig, nicht lahm und langsam wie wenn überhaupt kein Wind geht. Trotzdem ist es dasselbe Wort wie niederländisch killen, englisch kill = töten, d. h. schlaff machen, der treibenden Kraft berauben; althochdeutsch quellan, chellen, chelen, mittelhochdeutsch quellen, quälen, töten, altenglisch quell, sterben, langsam hinsterben, hinschwinden, abnehmen, sich vermindern, nachlassen, was der Bedeutung wegen beachtenswert ist, weil die Fahrt des Schiffes durch das Killen vermindert wird und nachläßt. Neuenglisch chill, das Zittern und Beben der Hände vor Frost in oberdeutschen Mundarten kellen oder gellen, »o Mutter die Hände gellen mir so!« sagt ein Kind, wenn die Hände so kalt sind, daß die Fingerspitzen sich anfühlen als bohre ein Wurm darin.

So wenig das Killen eines ganzen Segels gewünscht wird, so ist es doch das Kennzeichen eines guten Rudergasten, daß er, wenn er hoch beim Winde steuern soll, so nahe an den Wind geht, daß wohl die Luvschot der Oberbramsegels, aber nicht das ganze Segel killt; das ist dann der Beweis, daß er nicht höher steuern kann, aber auch nicht voller steuern will.

*Kimm*, die, auch Kimmung, die.

1. Der Horizont, der äußerste Gesichtskreis auf freiem Felde, besonders auf See; der äußerste Rand, da wo Erde und Himmel, besonders wo Meer und Himmel sich zu berühren scheinen, sich scheinbar mit einander verbinden. Mittelniederdeutsch kimme, niederländisch kim, englisch chimb, chime = Zarge, Rand einer Türe oder eines Tisches. Es liegt ein Thema zu Grunde mit der Bedeutung Zusammenfügung, Verbindung, Fuge, Verbindungsstelle. Im Angelsächsischen heißt cimbing commissura, Naht, wo zwei Dinge zusammentreffen. Niederdeutsch der äußerste Rand eines Dinges, nach dem Bremer Wörterbuch die über den Boden hinausspringenden Enden der Faßdauben.

Da die Stelle, wo Himmel und Erde sich verbinden, das äußerste Ende der Erde darstellt, so konnte sich, wie Doornkaat bemerkt, von selbst die Bedeutung des Äußersten oder Entferntesten in Bezug auf ein Land und seine Bewohner entwickeln, und demgemäß der Volksname der Kimbern und der Landsname Kimmerien oder Kimbrien.

2. Im Schiffbau derjenige Teil der Außenbordwand wo die größte Krümmung ist, wo der Boden in die Seite übergeht, wo also eine Verbindung des Bodens mit der Seite stattfindet, wie die Erde sich mit dem Himmel verbindet.

Wenn ein Schiff bei einer Strandung auf die Seite fällt, so kommt es nach dem Gesetz der Schwere auf diese Kimmung zu liegen; etliche Planken ober- und unterhalb dieser Stelle heißen Kimmplanken, und die Weger oder Wäger (s. Wägerung) heißen Kimmwäger.

*Kinbacksblock*, der.

Jeder Block der eine Scheibe hat, hat auch eine gewisse Ähnlichkeit mit einer Kinbacke, oder vielmehr mit zweien, da die beiden Backen zu den Seiten der Scheiben sich damit sehr wohl vergleichen lassen. Kinbacksblock heißt einer aber besonders, weil er neben den Kinbacken auch gleichsam noch einen Mund hat, nämlich einen Ausschnitt, durch den man das Tau über die Scheibe legen kann ohne erst das Ende einstecken und ganz durchholen zu müssen, was oft gar nicht angängig wäre, weil beide Enden mit irgend einem umfangreichen Gegenstande verbunden sind und nicht von ihm gelöst werden können.

*Kinke*, eine,

ist eine Windung, eine Falte, ein Auge, eine Drehung in einem Tau, die sich leicht bildet, wenn es neu und zu hart gedreht ist; eine sehr gefährliche Sache, wenn das Tau durch einen Block laufen soll; es ist dann »unklar« und muß schleunigst klariert werden. Auch nennt man wohl die Biegungen eines aufgeschossenen Taues Kinken und warnt bei schnellem Ablaufen derselben: »Die Beine aus den Kinken bergen!« damit die Gewalt des abrollenden Taues sie nicht breche. »Sich aus den Kinken bergen« heißt auch allgemein in übertragenem Sinne sich vor irgend einer Gefahr in Sicherheit bringen. Die Benennung ist von kinke, einem niederdeutschen Worte für »gewundene Schnecke«, entnommen, das von conchile kommt; kinken niederländisch krumm liegen, verwirren; auch niederdeutsch verwickelt; das Bremer Wörterbuch sagt: »Auch die Schneider brauchen dies Wort, wenn der Faden im Nähen sich selbst verwickelt und einen Knoten macht.« Auf Wangerooge kink.

*Klabautermann*, der,

kommt von dem mittelhochdeutschen Kobold (und Mann, Koboldermann), lächerliche aus Holz oder Wachs gebildete Figur eines neckischen Hausgeistes (ursprünglich Götzenbild, Bildnis eines Hausgeistes, das über dem Herde angebracht wurde. Nachher in der christlichen Zeit wurden dergleichen Bilder nur noch zum Scherz oder zur Zierde auf den Kaminsims gestellt, aber ursprünglich hatten sie tiefere, religiöse Bedeutung, Simrock, Mythologie S. 450, 6. Aufl. Bonn 1887). Griechisch Kobalos, verschnittener Possenreißer, mittelniederländisch coubout, neuniederländisch Kabout, flämisch Kabot, Kabotermanneken. In dem immer mehr verschwindenden Aberglauben der Seeleute ein guter Schiffsgeist, der unten und oben, im Schiff und in der Takelage sein munteres Wesen treibt.

*klabastern*,

eigentlich klabautern, wie man auf Wangeroog sagt, (»dat is 'n ewig klabautern«, wenn lange gekreuzt werden muß). Es heißt schlagen, purzeln, polternd laufen, neckend jemand nachlaufen, sich dabei überstürzen (»Kobold schießen«) wie ein Kobold. Da dieses Wort zum Scherz herausfordert, so ist klabastern offenbar auch eine scherzhaft gebildete Form für klabautern. Um das Holländische als einen ans Lächerliche grenzenden deutschen Dialekt darzustellen behaupten Unkundige immer wieder, es heiße »und seine Jünger folgten ihm nach« in der holländischen Bibel »en sijne jongelingen klabasterten achter hem naa«; das ist eine böswillige Herabsetzung der kräftigen, klangvollen, für die öffentliche Rede wie für die zarte Lyrik gleich geeigneten holländischen Sprache, in der es kein Zeitwort klabastern gibt und in der die Jünger Jesu discipelen genannt werden. Wohl gibt es ein Zeitwort klauteren = klimmen, klettern, aber das könnte auch von klaauw = Klaue kommen, käme es aber auch von Klabautermann, so hat es dennoch nichts Lächerliches an sich.

*Klafter*, das, vergl. Faden,

kommt auch männlich, ja nach Kluge, sogar in allen drei Geschlechtern vor. Althochdeutsch klaftra. Die romanischen Wörter für Klafter braza, brasse sind bedeutungsverwandt, denn es ist das Maß der ausgespannten Arme; seemännisch nur Längenmaß von verschiedener Ausdehnung, (wie Fuß auch). Sonst auch als Kubikmaß gebraucht, »ein Klafter Holz«, ursprünglich so viel man mit den Armen umklaftern kann. Der Teuthonista sagt: clafter, clater, later, vadem, dat is eyns menschen lenghd, weil angenommen wird, daß ein Mensch so groß ist wie die Entfernung von Fingerspitze zu Fingerspitze bei ausgebreiteten Armen.

Apostelgeschichte 27, 28 in der Uebersetzung Luthers: »Und sie senkten den Bleiwurf ein und fanden zwanzig Klafter tief«; das griechische Wort heißt orgyia und kommt von orego, ich strecke aus; es ist also hier der Raum zwischen den ausgestreckten Armen gemeint.

*klameien*, s. kalfatern.

*Klampe*, die

1. die einfachsten Klampen sind weiter nichts als Stücke Holz, Klötze oder Kloben, dazu dienend, einer anderen Sache Festigkeit zu verleihen, z. B. Klampen der Mastspuren, Klampen auf denen die Wasserfässer fest liegen, Bugspriet-Wuhlings-Klampen, Treppenklampen an der Außenbordwand (Fallreepstreppe) für die Füße zum Treten und für die Hände zum Festhalten, Betingsklampen, Nockklampen u. s. w.

2. Eine Vorrichtung zum Belegen, d. h. Festmachen des Endes eines Taues; hierbei hat das unter 1. erwähnte Stück Holz ungefähr die Gestalt eines Ambosses bekommen, dessen Mitte an der Bordwand befestigt ist, dessen beide Seitenarme aber frei stehen, so daß man das betreffende Tau mehrmals um sie schlagen und zuletzt mit einem Kopfschlag befestigen kann; diese heißen Belegklampen.

3. Verholklampen haben lediglich den Zweck beim Holen oder Verholen dem Tau als Führung zu dienen.

Niederdeutsch klump oder klampe bedeutet etwas womit man einem andern Dinge Haft, Halt, Festigkeit, Verbindung, Zusammenhalt gibt, Querholz, Kloben, Klotz, Querriegel, auch einen Steg über einen Graben. Niederländisch klamp = Klammer, Zapfen, Band; englisch clamp, Balken, Latte, Leiste, Stück Holz zur Verstärkung und Befestigung; norwegisch und schwedisch klamp, Klotz, Baumstumpf, Holzkloben. Es stecken also zwei Bedeutungen in dem Wort: Klammer und Klumpen. Beide liegen auch schon in dem Zeitwort klimpan, von dem Klampe abstammt und dessen Grundbedeutung nicht nur spalten (Klumpen also = gespaltenes Stück Holz) sondern auch klammern = anhangen, verbinden, haften ist; sie kommen beide in Klampe zusammen: »Stück Holz zum Befestigen.«

*klar.*

Dieses vielgebrauchte Seemannswort ist und bleibt in allen seinen Verwendungen immer das lateinische clarus = *rein*. Ob es nun klar, hell, deutlich, durchsichtig, unvermischt, schier, abgeklärt, gahr, fertig, bereit bedeutet, immer ist der Begriff rein das Ausschlaggebende. Sogar wenn das Kommando »Klar Schiff zum Gefecht!« kommt, ist die Bedeutung zunächst nur: rein das Schiff von allem was im Gefecht hinderlich sein könnte, fort mit allem was im Wege ist (und dann: her mit allem was zur Schlacht gebraucht wird, was man haben muß um zum Kampfe bereit zu sein). So sehr also »Rein Schiff« und »Klar Schiff« begrifflich von einander verschieden sind, sprachlich stehen sich die beiden Kommandos sehr nahe, nur daß bei »Rein Schiff« der Schmutz, bei »Klar Schiff« was sonst im Wege ist, entfernt wird.

Mittelniederdeutsch: klar = klar, hell, strahlend, herrlich, schön. Ein Hansareceß von 1386 spricht von einem »klare vorste unde dorluchtige here;« auch von einer claren eddelen vorstinne, von einer claren edelen juncvrouwen ist in jenen Tagen die Rede. Aber auch schon damals ward das Wort seemännisch gebraucht für »in guter Ordnung sein«: »und haelden beyde schepe tho hope und hadden unse dynck klaer« (zum Gefecht); »als wy nu menden, dat wy it klaer hadden, so horde wy, dat dar noch folk under der luken was.«

»Wache klar zum Manöver!« »Alle Mann auf, klar zum Manöver!« »Klar zum Wenden!« etc. etc. »Klar beim Bolzen, klar beim Fall, klar bei der Schot« ... sind alles Befehle an die Leute die es angeht, sich bereit zu halten zu dem Kommenden und ihre Aufmerksamkeit auf das zu richten, was dabei zunächst zu geschehen hat. »Klar machen zur Musterung!« bedeutet noch nicht die Musterung selbst, sondern den Befehl, sich dazu fertig zu machen. »Klar machen zur Kirche!« heißt den Altar aufstellen, Stühle und Bänke zurechtsetzen, den Kirchenwimpel anstecken, fertig zum Hissen etc. etc. »Gig klar, Kutter klar!« lautet der Befehl, das betreffende Boot zu Wasser zu lassen, zu bemannen und fertig zum Einsteigen an die Fallreepstreppe zu legen, was, wenn es alles geschehen ist, dem ersten Offizier gemeldet wird: »Kutter klar!« (*ist* klar), »Klar Deck«, »klar Deck überall!« heißt das Deck nach einem Manöver wieder in den vorigen Stand versetzen, so daß alles wieder für ein neues Manöver gebrauchsfähig bereit ist. Ein »*klarer Anker*« ein von seinem Tau, seiner Kette freier, d. h. wohl an dieselbe befestigter, aber von ihr frei d. h. ungehindert sich bewegender Anker, in seiner Verwendung von Tau oder Kette nicht gehemmt. Daher tragen die Unteroffiziere der Marine, die nicht direkt etwas mit der Seemannschaft zu tun haben, einen klaren Anker, ohne Tau, die seemännischen Unteroffiziere einen unklaren, von einem Tau umschlungenen, in ein Tau verwickelten Anker, weil angenommen wird, daß sie in der Lage sind, einen unklaren Anker zu »*klariren*« d. h. klar zu machen. Klariren ist etwas anderes als aufklaren, indem letzteres ganz allgemein aufräumen bedeutet, ersteres aber gesagt wird, wenn eine Sache nicht so ist wie sie sein soll, um ihren Zweck zu erfüllen, wenn z. B. ein Tau einen Kink hat und man diesen beseitigt.

Das von klar kommende hochdeutsche erklären heißt niederdeutsch-seemännisch *verklaren*; daher *Verklarung* vor Gericht (s. d.) Das mittelniederdeutsche Zeitwort klaren bedeutet hell machen, ins Reine bringen, eine Rechnung bezahlen; intransitiv: erhellen.

Ein so häufig gebrauchtes Wort wird selbstverständlich auch in übertragenem Sinne angewandt. So heißt z. B. »klar beim Bolzen« überhaupt bereit sein zu irgend einem Werke, und »klar Deck machen« irgendwo aufräumen, dazwischenfahren, Ordnung schaffen; wie denn im Mittelniederdeutschen unklar sogar in moralischem Sinne gebraucht ward für unehrlich; Lübecker Totentanz: »hefet unklar gewest in talle, mate, wichte, rekenschop und ok in kope«, sagt der Tod zum Kaufmann.

Eine ganz auffallende Bedeutungsverschiebung hat sich mit dem Wort klar im Englischen vollzogen. Da nennt man heutzutage allgemein Rotwein claret. Klaret war aber im Mittelniederdeutschen weißer Wein, weißer Gewürzwein, nämlich über Gewürz abgezogen und dann geklärter Wein. Schiller und Lübben, Mittelniederdeutsches Wörterbuch II. 473: »In dem Catal. med. (Lübeck 1784) wird vinum claretum als weißer, vinum hippocraticum als roter Gewürzwein aufgeführt, und letzterer doppelt so hoch angesetzt als ersterer. Die Bereitung beider beschreibt Gwaltherus Ryff in seiner kleinen Apoteck oder Konfektbüchlein, Straßburg 1552.

»Ein kostlick klareth edder czuckerwater; wenn men czucker int water werpet, so isset nicht mehr water, sunder ein köstlich klareth edder czuckerwater.«

*Klau*, die.

Die Gaffeln sind zwar gabelförmig gestaltet aber die Gabelung daran heißt merkwürdigerweise nicht Gabel, sondern Klau = Klaue, weil sie wie eine Tierklaue den Schnaumast umklammert. Es heißt aber auch, nach einer auch anderweitig durch Seeleute mündlich bestätigten Angabe des Kapitänleutnants Frhrn. von Strombeck in der Marine-Rundschau (Übersetzung eines Kapitels über Jacht-Seemannschaft) der Teil des Segels, der sich zunächst der Klau befindet, Klau; in dieser Klau des Segels befindet sich eine Kausch zum Befestigen desselben.

*Kleid*, das,

heißt im Munde des Seemanns nicht dasselbe wie im Hochdeutschen, sondern nur Decke, wie im Ostfriesischen und überhaupt im Niederdeutschen und Niederländischen kleed = Decke, Teppich ist. Auch im Althochdeutschen war dem so; da hieß kleit Zeug, Tuch, (wie das englische cloth), banckleit = Bankdecke, (aber nicht Bankkissen, denn das hieß bankphulwe, wie noch jetzt in Hochdeutschland ein Kissen »Pilwe« heißt). Mittelhochdeutsch satelkleit = Satteldecke. Seemännisch: Hängemattskleid, Zwischendeckskleid.

Dem entsprechend wird auch kleiden gebraucht, doch siehe in Bezug hierauf Schmarting, Platting, Schladding und Sarving; auch heißt das Wegnehmen nicht entkleiden, sondern *abkleiden*.

*»Klein Holz«.*

Die Redensart: »es gibt klein Holz« besagt so viel als: es geht etwas entzwei, es wird etwas zertrümmert, es zerbricht etwas (auch wenn es nicht von Holz ist); ja man kann auch, wenn ein ganzes Schiff am Felsen zerschellt, sagen daß es »klein Holz« gibt; das bedeutet dann »scheitern« in seiner wörtlichen Bedeutung.

*Klinkerboot*, das,

ist ein Boot, das als Außenhaut eine einfache Plankenlage hat, deren einzelne Gänge um einen geringen Teil ihrer Breite über einander greifen, indem jede Planke mit ihrer unteren Kante die Oberkante der unter ihr liegenden Planke bedeckt. Die über einander liegenden Plankenteile werden durch kupferne Gatnägel mit einander verbunden.

In Oldenburg, Ostfriesland und Holland heißen die Ziegelsteine mit denen die Chausseen gepflastert sind Klinker, weil sie so hart gebrannt sind, daß sie klingen wenn man daran klopft. Mit diesem Worte hat jedoch unmittelbar das Klinker in Klinkerboot nichts zu tun, vielmehr kommt zunächst das niederdeutsche klinken = nieten, festmachen, festschlagen ein Etwas auf ein anderes Etwas, fest verbinden mit einander; und zwar ist dabei an das Geräusch gedacht, das bei dem dazu nötigen Klopfen entsteht, indem klinken eine nasalierte Form von kliken ist, das den Ton andeutet der entsteht wenn Eisen auf Eisen schlägt: »klick«. Englisch clinch, nieten. Dasselbe onomatopoietische Wort wie unser klingen.

*Klinsch*, eine,