Etymologisches Wörterbuch der deutschen Seemannssprache
Part 23
der Raum, in dem der Kapitän haust, auf Passagierschiffen der gemeinschaftliche Raum der Kajütspassagiere. Mit Kambüse, Kabine, Koje und Kampanje verwandt, ähnlich wie Kambüse tautologische Zusammensetzung, nämlich vom keltischen cab = Bretterverschlag, und Hütte, vielleicht unter dem Einfluß des französischen cahute entstanden. Schon bei Kilian: kaiute, kaiuyte, cubile naucleri, cubiculum nauarchi, aber auch locus in navi ubi remi et gubernacula reponuntur. Im Dänischen hat sich das h von Hütte noch erhalten: kahyt.
Das Wort Hütte ist auch für sich allein in seemännischem Gebrauch, s. s. v.
*Kalfatern*,
richtiger Kalfaten, heißt an einem Schiffe die Nahten (Fugen zwischen den Planken) mit Werg verstopfen, solche nachher mit kochendem Pech überziehen (und das Pech, welches neben den Nahten auf den Planken sitzen bleibt, mit Schrapern abschrapen). Das Werg wird mit den Kalfateisen, worauf mit dem Kalfathammer geschlagen wird, in die Nahten getrieben. »In Holland, Frankreich, Spanien, Portugal und in etlichen andern Ländern gibt es eigene Arbeiter, welche die Schiffe kalfaten, und solche werden Kalfaterer genannt. An solchen Orten aber, wo eben keine Kriegsschiffe erbaut werden, wie z. B. in Hamburg, verrichten die Schiffszimmerleute diese Arbeit selbst! Man braucht dazu, 1. ein *Scharfeisen*, die Nahten etwas zu erweitern, damit das Werg besser eindringe, 2. ein *Kalfateisen*, stumpf, das Werg einzutreiben, 3. ein *Rabatteisen*, der Länge nach einmal oder zweimal wie eine Rabatte im Garten durch eine Vertiefung geteilt, zum weiteren Eintreiben des Wergs, und 4. das *Spikereisen* mit einer halbrunden Schneide, das Werg bei den Spikern und hölzerne Nägeln einzuschlagen.«
Mit den *Nahthaken* wird vorher das alte Werg aus den Nahten herausgerissen.
Bei großen Schiffen, deren Planken der Bordwände sehr stark sind, wird statt des Rabatteisens ein *Klamei*eisen gebraucht, mit einem eisernen Stiel, mit dem ein Kalfaterer das Eisen auf das Werg hält, während ein anderer mit dem *Moker* darauf schlägt; das nennt man *klameien*; (Weiterbildung des niederdeutschen klam = Pressung, Druck, Drang, Zwang, weil das Werg in die Naht gezwängt, gedrängt, gepreßt wird, mit Klamm, klemmen eins). Moker aber ist ein niederdeutscher Ausdruck für einen zweischlägigen Hammer, wahrscheinlich wegen seiner an beiden Seiten abgestutzten Gestalt, wobei man an mittelhochdeutsch mocke zu denken hat. (Möglich wäre auch immerhin, daß einmal von ganz ungewohnter Seite her ein Wort in die deutsche Sprache eingedrungen wäre, nämlich aus Finnland. Breusing schreibt: »Jakob Grimm erzählt in seinem Berichte über das finnische Heldengedicht Kalewala, daß es ihm früher nicht möglich gewesen wäre, die Herkunft dieses Wortes festzustellen; nun aber zeige es sich, daß es finnischen Stammes sei, denn mou-kara bedeute malleus maximus.«) Die Frage ist nun, was ist kalefaten für ein Wort? Es ist in der absonderlichsten Weise gedeutet worden. Schon Kilian erwähnt eine Deutung die mit kalos = schön und fat = Faß zusammenhängt. Das Bremer Wörterbuch schreibt: »Vom französischen cale, der untere Teil des Schiffes und fait von faire, machen.« Und Weiland hat kein Bedenken getragen, sich dieses anzueignen. Es liegt aber auf der Hand, daß davon keine Rede sein kann.
Hätten wir nur das lateinische calefacio oder calefacto, dann wäre die Sache einfach, denn das heißt »warm machen,« und der Teer oder das Pech mit dem die Nahten ausgefüllt werden, muß dazu warm gemacht werden, daher Brabank, (s. d.) der Ort wo das Kalfaten geschieht. Nun kommt aber das Arabische dazwischen und zwar nicht etwa bloß das Neuarabische, sondern ein gut altarabisches, altsemitisches Wort, das auch im Syrischen und im Targum-Aramäischen zu finden ist. Die Bedeutung ist eigentlich = »entwinden, schälen«, dann »beschneiden,« dann »aufspunden« (den Pech- oder Lehmverschluß von einem Fasse nehmen), dann »schäumen« von Most; dann aber auch »ein Schiff kalfatern und teeren«. Darnach scheint, trotz des Teerens, der Begriff des Warmmachens doch nicht besonders in dem Worte zu liegen, sondern der Hauptnachdruck auf das Arbeiten mit dem Werg gelegt werden zu müssen, da dieses doch eine Rinde darstellt, die durch Entrinden oder Schälen des Hanfs genommen wird, ja es unterscheidet sich Werg geradezu dadurch von Hanf, daß es noch nicht ganz von der Holzfaser des Hanfstängels befreit, daß diese noch nicht genügend entrindet ist. So ist denn auch die Hauptbedeutung von Kalafa: »die Ritzen eines Schiffes mit Werg verstopfen« und dann erst bedeutet es, weil der Teer eben auch noch dazu gehört, teeren oder verpichen. Von »wärmen« ist also abzusehen, es müßte denn sein, daß durch das Dichten das ganze Schiff wärmer würde, allein daran denkt kein Seemann beim Kalfaten, nicht einmal in unserem rauhen Klima, geschweige denn unter der Sonne des Südens, und demgemäß ist calefacto bei Seite zu stellen, und bis auf Weiteres, nämlich bis jemand den Zusammenhang zwischen kalafa und calefacto darlegt, müssen wir die Ähnlichkeit beider Wörter für ein zufälliges Zusammentreffen erklären und kalfaten für ein Lehnwort aus dem Arabischen ansehen -- es gibt deren ja eine ganze Anzahl in der Seemannssprache. Zumal auch das mittelgriechische kalafatein entlehnungsverdächtig ist, das türkische kalfat aber einfach »Verstopfung« heißt, also mit »warm« nichts zu tun hat. Der Weg auf dem das Wort zu uns kam, ist durch diese Formen angedeutet: italienisch calafatare, spanisch calafatear, provençalisch calafatar, französisch calafater, niederländisch kalfateren, kalfaten.
Der Kalefaktor, der bei einer Behörde die Amtsstuben heizt, kann sich also nicht für einen Verwandten des Kalfaterers ausgeben.
In einem Briefe an Frau von Stein schreibt Goethe: »Ich kalfatere jetzt Fenster und Türen und will sehen, wie lange ich mich gegen die Unbilden der Witterung halte«; er gebraucht auch die Wendung »ein Kleid kalfatern.«
*Kaliber*, das,
die innere Weite eines Geschützrohres, auch »Seele« genannt, oder überhaupt eines Gewehrrohres. Das Wort wird aus dem Arabischen abgeleitet, kalib = Modell, also Modell zum Gießen des Geschützes, wobei das Modell die innere Seite des Rohres bestimmt. In Frankreich heißt calibre das Modell nach dem ein Schiff gebaut wird, unser Mall. Eine andere Ableitung ist die von qua libra? d. h. »von welchem Pfund oder Gewicht?«, wobei an die Kugel, an das Geschoß gedacht wäre; unwahrscheinlich.
*Kalmen*, die,
sind für Segelschiffe sehr unbeliebte windstille, heiße, regenreiche Striche am Äquator, oft, weil sie sich in der Richtung desselben gürtelartig weiterziehen, auch Kalmengürtel genannt. Man denkt dabei zuerst an Windstille und verbindet in der Vorstellung viel Regen damit, die Benennung kommt aber von der Hitze. Im Spanischen und Portugiesischen heißt calma, wie auch im Italienischen, nicht bloß Windstille, Ruhe, sondern auch »heiße Tageszeit.« Mittellateinisch calma, die Sonnenhitze, vom griechischen kauma, Brand, Hitze, wobei die Entstehung des l aus au wohl in Anlehnung an calor geschehen ist. Die heiße Tageszeit nötigt, Schatten und Ruhe zu suchen, und so mochte das Wort die Bedeutung Stille, Ruhe entwickeln; d. h. für die Binnenländer und überhaupt die Leute am Lande; der Seemann hat das Wort wohl im umgekehrten Gedankengang in Gebrauch genommen; da es ihm zunächst und vor allen Dingen um Wind zum Vorwärtskommen zu tun ist, so hat er die erzwungene Ruhe, die lästige Windstille in den Vordergrund gestellt und denkt dabei wenig oder gar nicht mehr an die Hitze, wiewohl diese natürlich grade auf See, wo sonst der Seewind das Leben erträglich macht, ziemlich unerträglich ist. So sehr ist der Begriff Hitze zurückgetreten, daß man behaupten kann, daß in der Seemannssprache Kalmen gleichbedeutend mit Windstille sind; was schon daraus hervorgeht, daß »bekalmt« sein nichts weiter heißt als »ohne Wind sein«, »in Windstille liegen« und auch von Segeln gesagt wird, die doch kein Gefühl für Hitze haben.
*Kambüse*, die,
die Schiffsküche. Eigentlich Kabüse und verwandt mit Kabine als eine Weiterbildung von cab. Jetzt steht die Kambüse an irgend einem beliebigen passenden Orte im Schiffe, aber eigentlich ist sie ein Bretterverschlag an Deck, ein Decksaufbau oder Deckshaus, das früher nicht nur als Küche sondern auch als Schutz- und Zufluchtsort für die Matrosen diente, sogar auch als Raum zum Aufbewahren von Vorräten. Niederländisch kabuis und kombuis, wie Hochdeutsch neben Kambüse auch Kombüse vorkommt. Keltisch cab, davon französisch cabinet. Bei Kilian kabuyse = promptuarium, cella promptuaria, plenaria. Exedra in navi, culina nautica. Die nasalierende Weiterbildung von Kabüse zu Kambüse entspricht der französischen von cab zu chambre, sowie im Englischen dem Verhältnis von cabin zu chamber. S. Kampanje. Die Lautverschiebung Kambuse-Kombüse hängt mit der niederdeutschen dumpfen und dunklen Aussprache des a zusammen, (Korl statt Karl). Das keltische cab bedeutet Bretterverschlag; -üse ist die niederdeutsche Form huse für Haus mit aphäriertem Anlaut, bezw. mit Schwund des aspirierten Anlautes wegen der Zusammensetzung mit cab. Das Wort hat also ursprünglich cabhus gelautet. Die Zusammensetzung ist um so eher zu begreifen, als die Bedeutung Haus bei cab schon früh nicht mehr gefühlt wurde und man doch recht deutlich sein wollte. Ich werde in dieser Annahme durch die Tatsache bestärkt, daß im Mittelniederdeutschen das Kern*haus* eines Apfels kabuse hieß.
*Kambüsenbesteck*, das.
Am Lande haben Köchinnen ihre militärischen Freunde manchmal vielleicht nur deshalb weil hie und da einmal etwas Eßbares abfällt. Ganz aus demselben Grunde hat der in der Kambüse sein Wesen treibende Koch seine Freunde unter den Unteroffizieren. Als einst auf hoher See die sämtlichen Mitglieder der Offiziermesse an Wurstvergiftung erkrankten, zeigten sich nicht nur bei dem Steward und seinen Maaten, sondern auch beim Koch und einigen Bootsmannsmaaten, die mit ihm befreundet waren, dieselben Vergiftungserscheinungen. So ist denn öfters in den Freizeiten in und bei der Kambüse gemütliche Versammlung in der über dies und jenes, namentlich aber auch über die Fragen, wie groß das Etmal und wie wohl das Mittagsbesteck sein möge, verhandelt wird. Da aber wissenschaftliche Bestimmungsmittel fehlen, so wird das Besteck »gegißt,« (s. gissen). Naturgemäß wird oft »vorbei« gegißt und das Besteck ist verkehrt. Darum nennt der Seemann jede falsche Vermutung, jede unrichtige Nachricht ein Kambüsenbesteck.
*Kampanje*, die.
Der Aufbau auf dem Achterdeck, ganz hinten am Heck, der ursprünglich Hütte hieß und lange Zeit auch neben Kampanje so genannt wurde; eigentlich nur das erhöhte Deck selbst, was daraus hervorgeht, daß die Kammern unter dem Aufbau Kammern *unter* der Kampanje genannt werden; indessen ist doch das Ganze eins und heute noch als Hütte anzusehen. So haben wir also auch hier wie bei Kabine, Kajüte und Kambüse auf das unter Kabine behandelte keltische cab zurückzugehen, und zwar auf die romanische Form capanna. Von dieser ist ein niederländisches Diminutivum kapannje gebildet, ein n fiel aus und das m kam rhinistisch hinzu durch Nasalierung des ersten a, wie in Kambüse. Bald verdunkelte sich auch, ebenfalls wie bei Kambüse, Kombüse in niederdeutscher Weise das a zu o, so daß schon Kilianus die Form kompanghe hat, op-boetsel, Acroteria. Die übrigen bekannten mittelniederdeutschen Formen sind kompandie, compannie, companie, compandie, sogar compagnie, stets erklärt mit: »Platz oben auf der Hütte«, vergl. die unter Badegast angeführte Stelle der Hamburger Chronik.
Französisch ist das niederländische kompanje oder kampanje 1702 von Aubin übersetzt mit »le dessus de la Dunette proche du couronnement.« »On fait souvent devant la porte de la Dunette un couvert comme un petit appentis (Schutzdach), soutenu par des pilers et aux bouts du demipont des apuis et des balustrades, fort bien ouvragées« ... »On met au-dessus des dunettes, auprés du couronement, un banc pour s'asseoir, et au dessous une cage pour des volailles et pour des pigeons«; also war schon damals die Kampanje der Versammlungsort der (dienstfreien) Offiziere, die da auch schon ihre mitgebrachten Papageyen etc. etc. hängen hatten. Aber man darf Kampanje doch nicht mit Kompanie, Kumpanie = Gesellschaft zusammenbringen; auch nicht mit campagne für champagne von campania, Flur, Gefilde, »angenehmer Aufenthaltsort«; noch weniger mit campus, Schlachtfeld, wovon das deutsche Kampf kommt. Dergleichen Gedankengänge leiten die Sprache bei dergleichen Benennungen nicht; sie verfährt nüchtern und knüpft an das Nächste, wo möglich etwas Sichtbares und Greifbares, an; und das war hier der keltische Name cab = Hütte.
*Kamerad*, der,
italienisch camerata, spanisch camarada, französisch camarade, Gefährte, Genosse, eigentlich Kammergenosse, ursprünglich, wie Frauenzimmer, ein Kollektivbegriff, eigentlich Stubengenossenschaft, nachher erst auf eine einzelne Person angewandt.
*Kammer*, die,
kommt in der Sprache der Kriegsmarine in vielfacher Bedeutung vor.
1. Der Privat-Wohn- und Schlafraum eines Offiziers etc. etc., der nur mit diesem Namen, niemals etwa Kabine genannt wird.
2. Der Raum zur Aufbewahrung des Zeugs für die Mannschaft und zwar nur für neues, noch ungebrauchtes, unverausgabtes Zeug, das unter der Obhut eines Kammer-Unteroffiziers steht.
3. Der Raum am Gewehr.
4. Die so wichtigen Pulverkammern.
5. Die Schiffskammer, die ihren Namen davon hat, nicht etwa daß sie auf dem Schiff wäre, denn da ist sie nicht, sondern auf der Werft, sondern davon daß sie für ein bestimmtes, zur Zeit nicht in Dienst gestelltes Schiff die Ausrüstungsgegenstände, Geräte, Möbel, Decken, Matten, Laternen, Besen und dergl. birgt; diese steht unter der Aufsicht eines (Werft-) Kammerverwalters, der die Sache verwaltet und in Ordnung halten und putzen läßt.
In allen diesen Bedeutungen steckt zwar nicht der ursprüngliche engere Sinn von Kammer, griechisch kamara, lateinisch camera, althochdeutsch camara, mittelhochdeutsch kamera, nämlich Gewölbe, gewölbter Raum, sondern der spätere, weitere von Raum überhaupt.
Neuerdings kommt, bei dem mächtigen Aufschwung der Photographie, außer der camera auch noch wohl eine Dunkelkammer in Aufnahme.
In Ostfriesland heißt Kammer zum Unterschied von (heizbarer) Stube nur Schlafstube. Dagegen wird in Groningen Kammer für Haus gebraucht in der Verbindung Armenkammer, und man sagt daher wohl, wenn einer da hinein gesteckt worden ist, er sei »Kammerherr« geworden.
*Kanal*, der,
ein Wort das neuerdings mehr als je die Gemüter beschäftigt und die Menschen bewegt, weil der überhandnehmende Eisenbahnverkehr gebieterisch Kanäle fordert.
Das Sprachliche ist unter »Kahn« zu ersehen. Wie eine naiv-gottesfürchtige Zeit über die physische Möglichkeit und sittliche Berechtigung solcher »Störung der Natur« dachte, geht aus einer Stelle im »Durchläuchtigsten Seehelden« hervor, wo von der Entdeckung der Magellanstraße die Rede ist; »... hatten die Spanier mit den Portugiesen wegen derselben Moluccas einige Streitigkeit unter einander gehabt, immassen man, seit des Columbi Reisen, allezeit einen Durch-Zug nach den Osten durch einen oder andern Weg zu finden gesuchet, weil aber das Glück diesem Vorhaben nicht fügen wollen, hat man bereits (d. h. nicht 1681 beim Erscheinen des Buches, sondern 1520 vor dem Antritt von Magellans Reise) den Gedanken gehabt, den Isthmum oder die Landenge von Darien, wo sie am schmälesten, zu durchgraben, daß, wenn also Norden mit dem Süden vereinigt würde, die Wahren und Kauffmannschafften desto leichter aus der einen in die andere See zu bringen wären. Weil aber ihrer viel über dieser Sache die Meinung hatten, daß man die den Wellen der See gesetzte Dämme und Gräntzen, welche die Natur selber gesetzet, nicht leichtsinniger Weise wegnehmen sollte, indem nicht sonder Bedenken, daß wenn die zwo Seeen in eines zusammengebracht würden, und die Norder-Wasser sich erheben sollten, das gantze Land möchte unter Wasser gesetzet werden. Daß eben um dieser Ursache willen vormals der König in Egypten Sosestris und zu unser Zeit der Türkische Kayser Soliman bewogen, die Durchgrabung der Cathabatnischen Land-Enge nicht vorzunehmen; andere konnten auch nicht begreiffen, daß alle harte und schwere Steinfelsen, welche die Natur der See gleichsam zu einen Zaum gegeben, solten können durchboret und viel weniger Weg genommen werden, haltend es für eine Thorheit und Leichtfertigkeit, dasjenige abzubrechen, und nach seinen Sinn wieder aufzurichten, was durch die höchste Weisheit so vorsichtig und füglich verordnet worden, und hielten darfür, daß man die Strafe von Gottes mißfälliger Hand darüber mit Recht zu fürchten hätte, also, daß wegen dieser und andern Ursachen und Absehen beschlossen ward, keine Veränderung in der Gestalt der Natur zu machen.«
*Kanthaken*, s. kentern.
*Kaper*, der,
ist ein Schiff, das im Kriege darauf ausgeht, dem Feinde Schiffe wegzunehmen oder sonst Schaden zu tun. In früheren Zeiten nahmen die kriegführenden Parteien Privatkapitäne mit ihren Schiffen als Kaper an und gaben ihnen Vollmacht und Auftrag, dem Feinde Abbruch zu tun. Wer einen Kaper-, mittelniederdeutsch bestel-Brief aufweisen konnte, der wurde als kriegführend angesehen, wer nicht, als Seeräuber. Aber nicht immer hielten sich die Kaper an ihren Brief, sondern verursachten auch Schaden zu dem sie nicht ausgesandt waren, also auf eigene Faust, als Seeräuber. »Dusse seerovers hebben sick eigens gewalts understahn den gemeinen kopman wedder alle recht unde billicheit up der gemeinen apenbaren see tho beschedigende baven ohre eigene bestellbreve« (1539). Als Königin Margaretha von Norwegen und Dänemark gegen Albrecht von Mecklenburg als König von Schweden Krieg führte und nach der Schlacht bei Falköping 1389 Stockholm belagerte, entstand in dieser Stadt eine furchtbare Hungersnot. Da erließen die Städte Rostock und Wismar eine Aufforderung an alle Seeleute, mit mecklenburgischen Kaperbriefen ausgerüstet die Küsten Dänemarks und Norwegens zu plündern, zugleich aber auch das bedrängte Stockholm mit Viktualien zu versehen. So strömte eine Menge Freibeuter herzu, die sich wegen dieses Auftrages Viktualienbrüder nannten oder kurzweg Vitalienbrüder. Damit aber war ein Strom entfesselt, der sich Jahrzehnte lang nicht wieder bannen ließ, denn diese Brüder mit ihrem Losungsworte: »Gottes Freund und aller Welt Feind!« machten zwischen Freund und Feind keinen Unterschied und fielen über jedes Schiff her, das ihnen in den Weg kam. Auch nach dem Friedensschluß, da jeder Schein einer Berechtigung aufgehört hatte, hörten sie mit ihrer Seeräuberei nicht auf, die sie besonders von der ostfriesischen Küste aus gegen die Hamburger und Bremer Schiffe trieben, ja bis nach Rußland und in den Meerbusen von Biskaya ausdehnten. Klaus Störtebeker, Goedecke Michael, Wichmann und Wigbold waren die namhaften Führer. Leider haben sich die ostfriesischen Häuptlinge dazu hergegeben, ihnen Unterschlupf zu gewähren und gemeinschaftliche Sache mit ihnen zu machen; ja es konnte da heißen: »gleiche Brüder, gleiche Kappen«, denn der Seeräuberei waren diese Häuptlinge auch ohne die Vitalienbrüder schon eifrig genug ergeben. Überhaupt waren die sittlichen Begriffe in diesem Stücke so verwirrt worden durch die Kaperei und blieben auch das ganze 16. Jahrhundert über noch so verworren, daß alle Anlieger der Nordsee diesem »unerlaubten Nahrungszweig« huldigten. Außer den Ostfriesen werden besonders die Engländer und Norweger namhaft gemacht. Der Herzog Wolfgang von Pfalz-Zweibrücken-Veldenz war den Hugenotten mit einem ansehnlichen Heere zu Hilfe gezogen und nach siegreichem Zuge durch ganz Frankreich kurz vor dem Frieden von St. Germain (1570) zu Nessun bei Limoges gestorben. Sein Leichnam sollte in seiner Residenz Meisenheim am Glan beigesetzt werden. Man wagte aber nicht den Landtransport, sondern wählte den Seeweg. In der Hugenottenfestung La Rochelle fand man einen »Schiffsmann« aus Lübeck, welcher »sich zur Heimreise anschickte«, also Rückfracht suchte. Demselben mußte jedoch der Inhalt der an Bord gebrachten Kiste verheimlicht werden, weil nach dem damaligen Aberglauben ein mit einer Leiche segelndes Schiff unrettbar seinem Untergange entgegenging. Zuerst warf ein Sturm das Schiff südwärts an die spanische Küste und nachdem es endlich den Ärmelkanal erreicht, wurde es dort durch heftiges Unwetter hin- und hergeworfen und entging nur mit Not den Überfällen englischer und norwegischer Seeräuber. Endlich wird nach vielen Fährlichkeiten am 11. August 1571 der Hafen von Lübeck erreicht. (Heintz, Schloßkirche zu Meisenheim, S. 32. 33).
Das Wort kommt vom lateinischen capio.
*Kapitän*, der,
ist der Führer, bezw. Befehlshaber eines Schiffes, der Oberste, »das Haupt«, denn vom lateinischen caput kommt das Wort. Von demselben kommt auch Kadett, Korporal, Kapital, Kapitel, Kapitularien, kapitulieren, Kapitell, Kap, Kappes, Kappzaum, Kapuze, da capo, Chef, Kataster etc. Kapitän hieß mittellateinisch capitaneus, altfranzösisch chevetaine und chataine, daher das englische chieftain.
Noch zu den Zeiten des achtzigjährigen Krieges war an Bord der Kriegsschiffe der Hauptmann nicht derjenige Mann an Bord, der das Schiff, sondern derjenige, der die eingeschifften Soldaten unter sich hatte. Dieser letztere war der eigentliche Kapitän und hieß auch so, während jener Schiffer, Steuermann, Bootsmann hieß und nur die seemännischen Manöver und überhaupt das Nautische zu besorgen hatte. Wandte man ja auch auf ihn einmal das Wort Kapitän an, so sagt man, um Verwechslungen vorzubeugen, Seekapitän. In der Marine gibt es gegenwärtig folgende Kapitäne: 1. Kapitän zur See = Oberst. 2. Fregattenkapitän = Oberstleutnant. 3. Korvettenkapitän = Major. Diese werden alle drei angeredet: »Herr Kapitän!« Aus Höflichkeit, ohne daß er einen Anspruch darauf hätte, wird wohl auch hie und da einmal so genannt: 4. Der Kapitänleutnant = Hauptmann.