Etymologisches Wörterbuch der deutschen Seemannssprache
Part 21
auch Hagjedag, hieß früher der Tag an dem die Mannschaft Fleisch zu essen bekam und keinen Stockfisch, keine Erbsen und dergl. Was das in einer Zeit, wo es noch keine Konserven gab, bedeutete, ist leicht zu ermessen, und daher ists zu verstehen, daß ein solcher Tag ein Freudentag genannt wurde. Sich högen heißt ja sich freuen, vergl. högetid, Freudenzeit, Erntezeit, högedag, Gedenk-, Erinnerungstag, jeder Fest- und Freudentag; jetzt hochdeutsch nur noch in der Form Hochzeit gebräuchlich, welches also nicht »hohe Zeit«, sondern Freudenzeit bedeutet, (ebenso wenig hat auch goldene Hochzeit mit Gold etwas zu schaffen, sondern bedeutet eine unfruchtbare Hochzeit, die keine Kinder im Gefolge hat).
*Hohle See*, s. hohe See 1.
*Holen*,
ziehen, zerren, reißen, raffen, schleppen, bringen, tragen, im Besonderen: *an einem Tau ziehen*. Ein weitverbreitetes deutsches Wort, niederdeutsch holen und halen, althochdeutsch halon, altenglisch halien, angelsächsisch geholian, altnordisch hala, spanisch halar, französisch haler (wie alle mit h beginnenden Seemannswörter des Französischen, aus dem Deutschen). Insofern holen nun wirklich ziehen bedeutet, ist das Kommando: »Hol steif, hol an« ohne weiteres klar, denn es bedeutet: »Zieh an!« Aber wenn hernach aus demselben Munde der Befehl kommt: »Fest holen!« und damit gemeint ist, daß nun nicht weiter gezogen werden soll, so bedeutet das eine holen das gerade Gegenteil von dem andern holen. Die Erklärung liegt im Niederdeutschen; holen und holen sind da zwei ganz verschiedene Wörter. Sie sind nur zufällig in der Form holen zusammengetroffen. Das eine heißt eigentlich halen, das andere holden.
Da die Niederdeutschen, besonders die für das Seemännische so wichtigen Friesen, das a so dunkel wie o aussprechen, so klingt halen in ihrem Munde wie holen. Und da sie sichs mit dem Sprechen gar zu gern bequem machen, wobei es ihnen auf eine Hand voll Buchstaben nicht ankommt, so ließen sie in holden das d verschwinden und es ward ebenfalls zu holen. Das konnte um so eher geschehen als eine Verwechslung des einen holen mit dem andern für ein niederdeutsches Ohr ausgeschlossen war, teils weil sie verschieden ausgesprochen und betont wurden, teils wegen sehr wesentlicher Verschiedenheiten in der Konjugation. Alle diese Unterscheidungsmerkmale fielen aber bei der Aufnahme ins Neuhochdeutsche fort und dadurch ist erst die Verwechslung der beiden Zeitwörter mit einander möglich geworden. Um solche in Zukunft zu vermeiden, wird es kaum ein anderes Mittel geben als einfach die beiden zusammengefügten Zeitwörter wieder zu scheiden und sie schiedlich und friedlich neben einander zu gebrauchen als holen und halten. Dann kann kommandiert werden: »Holen!« und, wenn die Leute strammer, fester zufassen sollen: »Fest holen!«, wenn sie aber aufhören sollen mit holen: »Fest halten!« (nämlich so lange bis das Tau belegt oder doch wenigstens abgestoppt ist).
Die angeführten Wörter fremder Sprachen haben den Vokal a; Beweis daß sie nicht von holden sondern von dem weit seemännischeren halen stammen. Über ein von haler gebildetes haleur s. unter treideln.
*Hoch*,
Adverbium, in der Verbindung »hoch beim Winde segeln«; es heißt dies: so nahe oder so dicht beim Winde segeln als solches ohne Durchdrehen überhaupt möglich ist, also daß die Segel zwar noch fest voll Wind stehen, eine bestimmte von dem Manne am Ruder ins Auge gefaßte Schot aber ein wenig Leben und Bewegung zeigt, d. h. killt. Hoch kommt übrigens allermeist nur in der Verneinung vor, wenn der wachthabende Offizier den beim Winde steuernden Leuten die Warnung (vor dem Fangen einer Eule) zuruft: »Nicht zu hoch!«
*Hoft*, *Hofd*, das,
kommt für sich allein selten vor, wie es scheint nur hie und da im Sinne von Schleusenhaupt oder Molenhaupt. Über die Verbindung Dodshofd siehe dieses. Hier ist Hofttau zu erklären. Es heißt Haupttau als etwas Hauptsächliches, Wichtiges, Dickes, Starkes; Hofttaue sind die dicken, starken Taue, die (mit den Weveleinen) die Wanten bilden, die dem Mast nach beiden Seiten hin festen Halt verleihen. Sie haben also den Zweck von Stagen, nur daß sie nicht in der Längsrichtung des Schiffes sondern in der Querrichtung stützen. Sie gehören zum stehenden Gut. Im Französischen heißen sie haubans, aubans, haut-bans (1702).
*Hochdruckmaschine* s. Maschine.
*Höhe*, die.
1. Die *(Sonnen-)Höhe* nehmen oder messen heisst die Mittagshöhe der Sonne mit dem Oktanten beobachten, messen, peilen. Es geschah früher mit dem Quadranten, vorher mit dem Jakobsstab.
2. *Seehöhe.* In diesem Sinne bei Luther, Luc. V. 4: »Fahre auf die Höhe und werfet eure Netze aus.« Hierüber äussert sich Breusing in der Einleitung zum »Seebuch«: »Die Gesetze der Perspektive fordern, daß bei Abbildung einer von oben gesehenen ebenen Fläche die entfernteren Punkte höher liegen als die näheren. So scheint auch dem Auge der am Strande Stehenden die See wie ein Hügel aufzusteigen, und ein Schiff, welches sich vom Strande entfernt, hat diesen Hügel hinaufzufahren. Von dieser Anschauung geleitet nennt der Seemann das äusserste dem Auge sichtbare Wasser die »Seehöhe«, und das in dieser Entfernung oder Höhe befindliche Schiff ist boven, während das dem Strande nahe als unten erscheint. Dem niederdeutschen boven entspricht das oberdeutsche »ob«, z. B. in Obwalden, d. h. Land oberhalb des Waldes, und in Land ob der Ens, d. h. oberhalb der Ens, und das englische off. In der hochdeutschen Schriftsprache ist uns das Wort (nämlich boven) leider abhanden gekommen, welches vollständig durch: »auf Seehöhe in der Nähe von« oder kurz durch »auf der Höhe von« wiederzugeben wäre«. So treffend hiervon manches ist, so ist doch der Unterschied von »Seehöhe« und »auf der Höhe von« nicht festgehalten. Und das muss er werden, denn wenn einer sagt: »ich bin jetzt auf der Höhe von Kap Skagen«, so meint er nicht die (vermeintliche) perspektive Höhe, sondern etwas ganz Reelles und Wirkliches, nämlich dass er nun »frei« von Kap Skagen ist und seinen Kurs ändern kann, was besonders angenehm ist, wenn man sich mühsam auf solche Höhe aufgekreuzt hat und nun abhalten darf. Das ist eine andere Höhe als wenn Christus zu Petrus sagt: »Fahre auf die Höhe!« nämlich
3. »*Höhe von*« das heisst
(a) die Höhe eines Vorgebirges haben, nämlich -- vgl. das eben unter 2 Gesagte -- sich soweit luvwärts von dem Vorgebirge befinden, dass man dasselbe umsegeln kann.
(b) die Höhe einer Insel oder einer Stadt haben heisst mit ihr auf demselben Breite- bezw. Längegrade sein. »Wir befanden uns auf der Höhe von »Bermuda«; wir waren gerade auf der Höhe von Habana.«
Von hohem dichterischem Schwunge ist das Bild unter dem im Beówulf das Meer headu genannt wird. Head heisst hoch. Ob nun das Meer schlechthin hoch und erhaben genannt sein soll, oder ob dabei an die Höhe wie bei Petri Fischzug gedacht ist, bleibt natürlich dichterischem Verständnis überlassen. Ich möchte mich für das Letztere entscheiden, und zwar wegen der Zusammensetzung headu-lidend, welches Seegänger heisst, also einen Mann bedeutet, der auf die Höhe, auf die hohe See, auf grosser Fahrt fährt, im Gegensatze zu einem Binnenschiffer.
*Hohe See*, die.
1. Es ist hohe See, es steht hohe See, heisst: die Wellen gehen hoch, das Meer ist sehr bewegt, nicht von kleinen, unruhigen Wellen, die ein frisch aufgekommener Wind erzeugt, sondern von den großen lang dahinrollenden, durch anhaltendes Wehen erzeugten Ozeanwogen. Diese nennt man auch »*Hohle See*« namentlich wenn ihr Erzeuger sich bereits gelegt hat; hohl im Sinne einer Höhle, mit der man bei einiger Einbildungskraft und gutem Willen wohl das zwischen zwei hohen Wellenbergen gelegene Wellenthal vergleichen kann.
2. »Auf hoher See sein« wird im Gegensatz zur Küste gesagt, vgl. Höhe 2. Wann die hohe See anfängt, ist nach Seemeilen nicht mathematisch genau zu sagen. Es beruht auf dem Gefühl. Mancher wird erst von Hoher See sprechen, wenn ihm alles Land aus Sicht gekommen ist, was aber der für die Sicherheit verantwortliche Seemann ist, der betrachtet sein Schiff schon als auf Hoher See befindlich, wenn er es so weit vom Lande ab hat, dass das Land ihm nicht mehr gefährlich werden kann, dass er also ungehindert von irgend einer Küste seinen Kurs absetzen kann.
*Holm*, der,
hieß im Mittelniederdeutschen Insel, auch in einem Flusse gelegene Insel, hauptsächlich im Ostseegebiet, doch nicht auf dasselbe beschränkt, denn »a. 1203 quemen de graven tor Hoya ut Fresslande (sic) und begunden eine festen to buwen up einen holm, so in der Wesser beflaten was.« Heute gebrauchen wir das Wort nur noch als Ortsbezeichnung: Bornholm, der Dänholm, Stockholm etc. etc. Im Angelsächsischen bedeutet es Meer, See; doch steht diese Bedeutung da ganz allein, so daß sie auf irgend einer Zufälligkeit beruhen mag, und uns nicht hindern kann, das Wort da hinzustellen, wohin es sprachlich gehört, zu collis, culmen.
Weil auf solch einem Holm häufig ein Platz zum Schiffbau sich fand, so ist das Wort auch eine der mancherlei Bezeichnungen für Werft.
Ein Holm ist bewachsen, vgl. Manson, See-Buch, Lübeck 1735, die Segelanweisung nach Wismar. »Die Wissenschaft oder die Märke hinein zu lauffen seynd diese: drinnen in Wißmar stehen zweene hohe Thürm, der Westere ist dick und oben stumpf, der östere schmal und spitzig, und die Kirche, da der schmalste Turm aufstehet, heist St. Nicolai-Kirche. Wenn man kommt aussen vor Hannibal, und wil ins Mittel-Tieff ein, soll man so lauften, daß man den östlichen schmalen Turm von St. Nicolai Kirchen in etwas nahe zusammen mit der westlichen Ecken von Pöel bekomme, und halte die so stehend, und gehen Süd-Südosten in und lasse Hannibal an Baackbord, und Lips, welches ist ein kleiner Graßholm, am Stührbord, von welchem Holm auf allen Seiten langer Grund ausschiest.«
»Manchmal auch unbewachsen; derselbe über die Einfahrt von Gothland: »bleiben zweene kleine blosse Holmen am Baakbord.«
Manchmal auch ein Berg; vergl. Lucas Janszoon Waghenaer »Spiegel der Zeevaerdt«, 1588, »Van daer naer de Corona zeyltmen aen S. ende S. ten O. ter tijt toe men een stuck weechs binnen den toren is, die op een ronde holm oft berch staet, so sietmen aen stuyerboort een cleyn Eyland daer een Kercxken op staet.«
*Hosenboje*, die,
ist eine bei den Stationen der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger vorrätig gehaltene Boje, die von oben wie eine gewöhnliche Ring-Kork-Boje aussieht, ausserdem aber von unten noch mit einer Vorrichtung versehen ist, die einer Segeltuch-Badehose ähnlich sieht. Der Mann, der von einem gestrandeten Schiffe mit dem Rettungstau gerettet werden soll, hat mit den Beinen in diese Hose zu fahren, die Arme aber auf die Boje zu legen und wird so in der Boje an Land geholt.
*Houari* = Takelage s. sliding gunter.
*Hub*, der.
1. In der Hydrographie die Höhe der Flut, das Mass um das die Flut sich *hebt*.
2. In der Technik: Kolbenhub, Einzelhub, Hub vorwärts, Hub rückwärts, Doppelhub, Hubhöhe, Hublänge, Hubwechsel, Hubzähler etc. alles von heben, im Munde unserer seegehenden Maschinenleute dadurch etwas verundeutlicht, daß sie das b meist wie p aussprechen und Hup mit sehr langem u sagen, wodurch das Wort einen englischen Eindruck macht.
*Huk*, die,
heißt seemännisch eine Landzunge oder Landspitze, eine etwas vorspringende Küste; sonst auch Ecke, Winkel, ferner Angel, Türangel, Fischangel im Niederdeutschen. Die Nordsee bevorzugt Huk, Huk von Logum, Huk von Holland (geschrieben hoek, ausgesprochen Huk), Fährhuk (die Stelle an der der Kriegshafen Wilhelmshaven erbaut wurde); die Ostsee bevorzugt das Spitze bedeutende -ort: Friedrichsort, Darßerort, Brüsterort. Schon im »Seebuch« (1400) heißt huk und huek die Spitze eines Vorgebirges, Landspitze, -- »men moet den huek schuwen unde lede den by den lode uppe 5 ofte 6 vademe«; »de wil setten unter de cape Vincentz, de sal den ersten huk laten liggen und segelen bet under den anderen huk.«
Kommt von der Wurzel kuc, biegen, krümmen, ist also genau genommen eine Stelle, wo man um die Ecke biegt, so daß man dann »under« ist wo man vorher boven war; siehe »Höhe.«
Auch das äußerste Ende eines Bollwerks kann man Huk nennen; vergl. Manson, Seebuch, 1735: »Wil man auch in Travemünde einsegeln, so stehen Westen bey die andern Häuser in Travemünde 3 oder 4 dwaß Häuser, unter einem Dach, so daß man von das Norderste den weissen Giebel sehen kann, bringet den Hueck vons Osten Bollwerk, und dem Giebel überein, dar ist das Tieffste Wasser.«
*Huker* ist ein breit und plump gebautes Nordseeschiff, wahrscheinlich ursprünglich ein Schiff zum Fangen von Fischen mit der Huk, der Schellfischangel.
*Hulk*, die,
heißt jetzt ein altes, für seinen Zweck nicht mehr gebrauchtes Schiff, das als Kaserne, Werkstatt, zu Unterrichtszwecken benützt wird. Das Wort ist heruntergekommen, denn im Mittelniederdeutschen war eine Hulk oder Holk etwas ganz anderes, Höheres, nämlich ein großer Kauffahrer, den die Schiffsbesichtigungskommission, wenn es damals schon eine gegeben hätte, hätte im Auge behalten müssen, denn er war so gebaut, daß er leicht als Kriegsschiff eingerichtet werden konnte. »Unde wunnen ene af dre grote holke unde etlicke andere clene schepe.« »Aldus quemen dar twe grote holke.« »De Lübeschen hadden by der borch ein gros schip, eynen holck.« »Eyn schipher van Lubeke seghelde myt eneme groten holke wol geladen.« (Lüb. Chron.) »Dar bleff eine nye holcke van Lubeck van 300 lasten.« Das Geschlecht wechselt also zwischen männlich und weiblich; jetzt ist es weiblich. Kilian, der mehr nach dem Niederländischen neigt, hat die Form hulcke: koop-vaerders schip = Holcas, navis oneraria, gravis, frumentaria, lata, navigium latum vastumque. Das »Bremer Wörterbuch« übersetzt Holk mit Kauffahrer: »1445 fingen die Bremer einen Holck mit Ledder« ... »Se nehmen ock einen Holck mit Figen, Rosinen und anderen Guderen.« Der Name stammt ans dem Griechischen: helkein, ziehen, holke das Ziehen, holkus der Zug, so daß wir uns die Hulk ursprünglich als gezogenes, getreideltes (Fluß-)Schiff zu denken haben. Als seegehendes Schiff ist es aber bereits durch eine Urkunde König Aethelreds (978-1016) bezeugt: »si adveniat ceol vel hulcus et ibi jaceat 4 denarii ad telonium.«
*Hundewache*, die,
auf deutschen Kriegsschiffen die Wache von 12 bis 4 Uhr nachts. (Anderweitig wird andere Wachzeit so genannt.) Das Wort hat mit Hund nichts zu tun, sondern ist nur eine volksetymologische Anlehnung daran, etwa mit dem Gedankengang: nachts von 12 bis 4 sollte man keinen Hund in Sturm und Wetter hinausjagen. Es ist wohl eigentlich Hintewache. In ganz Deutschland sagt man für »heute Nacht« heint oder hint, auch heinte oder hinte, wie man für »dieses Jahr« heuer sagt, diesjährig heurig; Hintewache ist also = »Heutnachtwache«; wer sie einmal gegangen ist in stürmischer Finsternis, der wird von der Form Hundewache nicht befremdet sein.
*Hundspünt*, der,
das spitz zulaufende Ende eines Taus um das eine Art Gewebe oder Netz gelegt ist. Solche Taue läßt man in der Form eines Hundspüntes auslaufen, die man häufiger durch eine enge Öffnung stecken muß, weil sie ohne diese Vorsichtsmaßregel auf die Dauer in ihre einzelnen Duchten auseinander gehen, sich »aufrebbeln« würden; = penis eines Hundes. Früher war auch Hundsfott im seemännischen Gebrauch für einen kleinen Stropp. Doch wird es jetzt selten gehört, außer etwa in der Bedeutung des Schimpfwortes, das freilich auch so lange die Studenten ihren Landesvater steigen lassen nicht aus dem deutschen Sprachgebrauch schwinden wird; »ein Hundsfott der ihn schimpfen soll.«
*Hüsing*, das,
eine Art dicken, starken Bindfadens, eine schön fest gedrehte Schnur, ein dünnes festes Seil, eine dünne aus drei Garnen geschlagene Leine oder wie man es nennen will, der Seemann nennts eben Hüsing. Das Wort kommt nur bei den an der Nordsee wohnenden Seeleuten vor, hier aber auch bei allen, und sonst nirgends; es muß also an den Nordseeküsten seinen Ursprung haben. Doornkaat vermutet daher wohl mit Recht, daß es ursprünglich eine Leine bedeutet habe mit der die Husen oder Hausen (von denen die Hausenblase kommt) gefangen werden. Eine gewöhnliche Angelschnur genügt zu diesem Zwecke nicht und es muß also etwas stärkeres genommen werden. Diese Vermutung erhält eine wesentliche Stütze durch die Verbindung die das Wort in Groningen eingegangen ist: huzelntau, huzelingtau (z = s), wie denn auch Molena (»Groningische Mundart«) sich die Vermutung Doornkaats angeeignet hat.
*Hütte*, die,
war lange Zeit der vornehmste Raum an Bord, auch auf Kriegschiffen, nämlich der Aufbau, das »oberste Stockwerk« des Hinterschiffes, also der Raum unter der Kampanje, wo die Kapitänskajüte und (die) Kammern der Offiziere waren. »Durchl. Seehelden«: »Der gute Admiral Lieutenant Tromp ward als er von der Hütte gieng geschossen; da er niederfiel ward er wieder aufgehoben, und auf Kissen in der Hütte niedergeleget, und starb mit diesen Worten im Munde: Ich habe gethan, halt guten Muth, o Herr sey mir und diesem armen Volck gnädig.« Das hat sich inzwischen durch den veränderten Schiffbau geändert, man hört das Wort kaum mehr außer in Holland, aber auch da bedeutet es nicht mehr was es früher bedeutete, sondern nur »een verblyfplaats der stuurlieden en andere mindere bevelhebbers«, also nicht grade das »Logis des Volks«, aber doch auch nicht mehr die Kajüte des Kapitäns, sondern etwa Unteroffiziermesse. Das geht auch aus dem wahren Sinne des seemännischen Sprichworts hervor, das Lüpkes, »Seemannssprüche« S. 44 angeführt: »Als het in die Kajuit regent, dan druipt het in de hut.« Das heißt aber nicht bloß, daß, wenn die Höheren leiden, die Niederen in Mitleidenschaft gezogen werden, sondern daß es diese in verstärktem Maße trifft, wie man sagt »Aus dem Regen in die Traufe kommen«; die Meinung ist die: Wenn der Kapitän den Steuermann in die Kajüte bittet und ihm da etwas vorhält etwa mit den Worten: »ich muß doch bitten«, so gibt der diese »Bitte« mit einem saftigen Donnerwetter weiter an die Leute in der Hütte.
J.
*ja! ja!*
Der Posten an Bord ruft nachts ein dem Schiff sich näherndes Boot an: »Boot ahoi!« Für die Antwort aus dem Boot kommt es darauf an, wer darin sitzt. Ist es der Kommandant so wird der Name des Schiffes gerufen, ist es ein Offizier oder im Offiziersrang stehender Beamter, so lautet die Antwort ja! ja! Ist niemand von diesem Range im Boot, so wird nein! nein! gerufen.
Es wird dabei an das, was an Bord zum Empfang des Bootes zu geschehen hat, gedacht worden sein, besonders auch um anzugeben, an welcher Seite des Schiffes das Boot anlegen wird, da nur die Offiziere etc. etc. an Steuerbord, alle andern an Backbord anlegen dürfen, bezw. müssen.
*Jacht*, die,
eigentlich nur ein einmastiges aber schnellsegelndes kleines Schiff. Holländisch jagt: »een jagtschip voor den pronk en het gemak. Van jagen, omdat het snel zeilt, of schielyk voortgetrokken wordt; avysjagt, oorlogsjagt, speeljagt, trekjagt, Zeiljagt enz.« In Ostfriesland ist jachtje ein Fuhrwerk, Pferd und Wagen zusammen, so wie es sich auf der Landstraße zeigt. Auf Wangerooge jacht, mit einem Mast. Kilian: jaght = Liburnica, (Liburnen hießen die von den Illyriern erfundenen Schnellsegler) celox navis praedatoria piratica, myoparo, piraticus myoparo, navis triremis forma, incredibilis celeritatis. Die Seeräuber haben von jeher gehabt und mußten der Natur der Sache nach haben die schnellsten Schiffe.
Unter dem »Schiffzeug auff der Donauw« das 1565 Frohnsperger anführt, kommen unter anderm vor: »weiter über die hundert guter ziemlicher ander Schiff, auch groß klein und ander Nachen, *Renn und Jagschiff*, so gleicher gestalt mit aller notturfft zu der Wehr und Streit gegen den Erbfeind (Türken) verordnet.« Eine nordische Expedition die 1594 von Holland aus über »Nova Zembla« hinaus unternommen und von Johann Huygen, einem der Teilhaber, beschrieben worden ist, bestand aus drei Schiffen. »Auf dem Schiff von Amsterdam war Schiffer und Steuer Mann, Wilhelm Barentz von der Schelling, Bürger zu Amsterdam, ein erfahrener und wohl versuchter Seemann. Der hatte ein Schellinger Fischer-Jacht bey sich, ihn auf seiner fürgenommenen Reyse, wenn er etwa von den andern solte abkommen, Gesellschaft zu halten«. Ob er diese Jacht an Deck genommen hatte? Jedenfalls führte das Admiralsschiff eine Jacht an Bord mit, die ausgesetzt werden konnte. »Mittlerweile daß sie also durch das Eiß hinfuhren, sahen sie etliche Morsen oder Meer-Pferde auf den Eißschollen liegen; Einer von deß Admirals Volck schoß einen davon mit einer Kugel, und weil sie vermeynten, daß er dasselbe genug getroffen, *setzten sie die Jacht auss*, und verfolgten es so nahe, daß sie ihm noch ein Harpun in den Leib wurfen, und also eine gute Weile mit genügsamer Leine nachschleppten; gleichwol konnten sie es dennoch nicht überwältigen, weil es sich so gewaltig wehrte, daß es allen, die in der Jacht waren zu thun genug machte, ja gegen sie anflohe, die Hacken samt den Rudern, damit sie wieder dasselbige sich widersetzten, mit seinen Pfoten ergriff, und die Eisen gantz krum biß, seine Zähne über den Bord hin schlug, die Schuyte umzureißen.« Es wird also hier Jacht und Schuyt (Schute) gleichbedeutend gebraucht. Doch waren unter Admiral Piet (Peter) Heyn Jachten ganz ansehnliche Kriegsschiffe. »Die Jacht der Windhund, fünffzig Last groß, mit zehn Stücken Geschütz und dreyssig Boots Gesellen. Die Jacht der Hase, von sechzig Lasten, zehn Stücken und vierzig Bootsgesellen führend.« »Die Jacht Armuyden, von neunzig Lasten, mit zehen Stücken und vier und fünfzig Matrosen«. »Die Jacht der David von sechzig Last, mit vierzehn Stücken, sechs Steinstücken, und zweiundvierzig Bootsgesellen.« Die große Jacht der Holländischen Ostindischen Kompagnie vom Jahre 1671 avoit 66 piés de long, 19 piés de large, et 6 piés de creux sous les goutieres.« »L'étrave avoit 9 pouces d'épais endedans, 6 pouces en-dehors, 2 piés 3 quarts de large par le bas, 2 piés et un quart par le haut, 12 piés de hauteur, 10 piés de quete; la quille 12 pouces de large et 10 pouces d'épais u. s. w. Siehe Aubin, wo auch alle übrigen Maße ausführlich angegeben sind. Die »Heere Jacht« die er abbildet ist ein ganz ansehnliches Schiff mit hohem stark vornüber neigendem Mast. Bemerkenswert ist, daß schon vor zweihundert Jahren das Wort französisch Yacht geschrieben wurde und daß auch damals in Holland neben Jacht, Jagt, die Form Yacht gebräuchlich war. Diese ist also nicht etwa englisch, sondern die Engländer haben den Namen mitsamt der Sache aus Holland bekommen. Daß sie sowohl, wie die Franzosen, Yacht und nicht Jacht wählten, geschah aus Gründen der Aussprache, wie hätten die Engländer, wie vollends die Franzosen Jacht aussprechen sollen?
In unserem gegenwärtigen neuhochdeutsch-seemännischen Sprachgebrauch wird das Wort -- Jacht geschrieben und leider noch immer oft Jot gesprochen -- kaum anders als in diesem Sinne gebraucht: »a light and elegantly fitted up vessel, used either for pleasure trips or racing, or as a vessel of state to convey kings, princes etc. etc. from one place to another by sea. There are two distinct species of yacht: the mere racer with enormous spars and sails and deeply-ballasted hull, with fine lines, but sacrificing everything to speed; and the elegant, commodious, well-proportioned travelling-yacht, often with steam propelling machinery, fit for a voyage round the world.«