Etymologisches Wörterbuch der deutschen Seemannssprache
Part 20
ist der hinterste oberste Teil des Schiffsrumpfes und bedeutet einen eingehegten Raum, d. h. einen solchen, der an drei Seiten mit einem Heck (= Hag, Hecke, Zaun, Einfassung) umgeben ist. Das Bild wird deutlicher wenn man bedenkt, daß, ähnlich wie bei Schiffen mit einer Kampanje, früher das Hinterteil nicht mit einer festen, massiven Bordwand sondern nur mit Stützen (vergl. Reeling) umgeben war, die etwa wie Zaunpfähle, nur weiter aus einander, standen und unter einander mit Tauen oder Ketten verbunden zu werden pflegten. Verwandt ist hegen = schützen, da das Heck vor dem Überbordfallen oder vielmehr vor dem Inswasserfallen schützen soll. Im Nordfriesischen ist heck ein kleiner, abgemachter Teil vor den Fenstern. Das »Bremer Wörterbuch« kennt hek als Zaun von Brettern, auch Tür eines Zaunes, »Heckgatter«, Schlagbaum. In Holland ist es »een getralied -- also ein gegittertes -- afschutsel.« Ostfriesisch hek, Einfriedigung, Gitter, Gitterwand, Gitterpforte.
*Heckbalken* heißt der Hauptquerbalken, der die beiden Hauptteile des Achterschiffes scheidet, den unteren oder Spiegel und den oberen oder das Heck. *Heckbord* ist der Rand, die Reeling des Hecks, zu dem sich oder zu der sich die ursprünglichen einfachen Stützen allmählich ausgewachsen haben. Schon früh gab es Schiffe mit besonders hohem oder sonst bedeutsamem Heck, wie eine Urkunde der Gräfin Margaretha von Flandern aus dem Jahre 1252 zeigt: »Navis que dicitur Hegboth, que habet retro anulos ferreos debet Comiti IIII denarios et feodatis quatuor denarios; sie vero retro anulos ferreos non habuerit debet Comiti duos denarios et feodatis duos denarios.«
*Heckanker*, s. Anker.
*Heckdavit*, s. Davit.
*Heissen*, s. hissen.
*Helgen*, s. Helling.
*Heling*, die,
ist ein Knoten oder Stek, mit dem zwei Taue an einander gebunden werden. Es gibt verschiedene Arten, die am elegantesten aussehende ist die Kreuzheling. Das deutsche Zeitwort halten, niederdeutsch holden, neigt, wie im Hochdeutschen so in verschiedenen anderen germanischen Sprachen stark nach e hin; »du hälst«; altsächsisch haldan, held; angelsächsisch healdan, heold, englisch hold, held, altnordisch halda, helt. Es steht daher zu vermuten, daß Heling eigentlich Helding hieß, einen Knoten der hält, der zwei Taue zusammenhält, bezeichnend.
*Hellegat*, das,
ein dunkler Raum ganz unten im Schiff in dem allerlei Material und Inventar aufbewahrt wird. Bootsmannshellegat, Zimmermannshellegat, Feuerwerkshellegat u. s. w. sind die Hellegats, wie die Mehrzahl des Wortes lautet, die unter der Verwaltung des betreffenden Deckoffiziers stehen.
Gat heißt Loch in allen hochdeutschen Bedeutungen, also auch, wie hier, im Sinne von: dunkler, kleiner Ort. Helle bedeutet etwas Ähnliches, nämlich einen (dunklen) Ort in dem man etwas verbergen, bergen, aufbewahren kann. Der richtige Sinn steckt in dem verwandten neuhochdeutschen *hehlen*. Dieser findet sich zwar auch in »Hölle«, aber ohne daß man sagen dürfte, daß Hölle auf die Bedeutung und Benennung unseres Helle eingewirkt hätte, die beiden stehen vielmehr selbständig neben einander, denn hel oder helle bedeutet im Niederdeutschen und besonders im Ostfriesischen sowohl Hölle, (altnordisch hel, die Todesgöttin, Totenreich, Reich der Hel, Unterwelt) als Ort wo man etwas birgt, als auch 1. Loch, Höhlung, Vertiefung, Spalt, Graben, Wasserleitung, 2. den unteren, in der Regel fensterlosen und dunklen Raum in der Mühle, der als Bergeraum für die Geräte dient, 3. den dunklen Raum unter dem Werktische der Schneider, worin die beim Zuschneiden abfallenden Tuchreste geworfen werden, 4. das Aschenloch unter dem Herde zum Bergen der Asche, 5. unser Hellegat. Das -gat könnte also als tautologisch ganz wegfallen und der Sinn des Wortes bliebe derselbe.
Englisch hall; also ist Halle, was man kaum denken sollte, mit Hellegat nahe verwandt: Bergungsort.
*Helling*, die;
eine zum Wasser geneigte Ebene auf einer Werft, auf der ein neues Schiff gebaut wird, geneigt, damit es, wenn es fertig ist, beim Stapellauf die schiefe Ebene hinab in sein Element gleiten kann. Oft wird Helling auch für Werft selbst gebraucht, da bei ihr sich allerlei Schiffbauvorrichtungen (siehe Lastadie) befinden. Kommt von hellen, einer Assimilisation vom niederdeutschen helden = hängen, Hang und Neigung haben, neigen, überhängen, eine schräge, abschüssige, schiefe Ebene bilden; althochdeutsch heldan, mittelhochdeutsch helden, hellen, altnordisch halla; althochdeutsch halda, mittelhochdeutsch halde = Halde, Bergeshalde, Bergesabhang; verwandt wohl auch hold und Huld, im Sinne von jemandem geneigt sein. Hierher gehört der Name des Hafens »de Helder«, Stadt auf der äußersten Spitze von Nordholland, deren Bewohner nicht in Helder, sondern »op den Helder« wohnen, so daß die Herkunft des Wortes von helder in der allgemeinen Bedeutung »Land das der See zugeneigt ist« sich von selbst ergibt. Und zwar ist Helder der sonstigen Bedeutung in Bezug auf die Lage außendeichs, auf den Seeanwuchs, auf die Fruchtbarkeit, genau dasselbe wie Groden, nur daß bei helder daran gedacht ist, daß das Neuland nach dem Deich zu ansteigt oder vielmehr nach der See zu abfällt, niedriger ist. Altfriesisch hilde = declivitas aggeris, helling der dijk. Im Jahre 1364 bekundet der Pastor Liuppold von Larrelt bei Emden einen Güterkauf: »Sunt autem predia infrascripta duo graminata in Cornmede, tria graminata in liteka Helum« etc. etc., zu gleicher Zeit kommt auch die Form helliken schon vor. Upheldinge hieß mittelniederdeutsch das Letzte im Faß, die Neige, weil man, wenns aufs Letzte geht, das Faß auf die heldinge = Helling, Neigung, legt. Bremer Wörterbuch: »de Tunne ligt up der Helnge«; »van der Helnge drinken«, von dem Rest aus dem Fasse trinken. Uhlenbeck, Gothisches Wörterbuch, vergleicht gothisch hallus, Fels (doch wohl auch im Sinne von Felsabhang) mit dem altnordischen hallr, Bergabhang, Fels, und setzt beide zu der indogermanischen Wurzel +kel heben, emporragen, so daß die Helling also doch nicht von oben, sondern von unten her den Namen bekommen hätte, nicht von der schief abfallenden, sondern von der schief ansteigenden Ebene. Aubin 1702: abatre un vaisseau = een schip doen hellen om te Kiel-halen, wo also das Aufdieseiteneigen des Schiffs gemeint ist. Kilian hat den weiteren Begriff helling als schepwerf, navale, neben dem Zeitwort helden = inclinare.
*Helm*, der.
1. Als Kopfbedeckung mit Hülle und Hellegat verwandt, als Schutz, Verbergung des Hauptes.
2. Für Ruder gebraucht und in diesem Sinne gewöhnlich für ein englisches Wort gehalten. Es ist aber von jeher in Deutschland im Gebrauch gewesen und wird noch gebraucht. Die eigentliche Bedeutung ist Ruderpinne. Ostfriesisch helm, Ruder, Steuerruder, Steuer, Ruder*pinne*. Wangerländisch hellem-holt Ruderholz, Ruderstange, Holz oder Stange zum Steuern. Althochdeutsch halm, heim, manubrium, in jochhalm, mittelhochdeutsch giechholme, Riemen oder Seil am Joch zum Leiten, Lenken, Steuern der Rinder. Im Mittelniederdeutschen heißt helm Handgriff; daher ist Hellebarde gekommen, eigentlich helm-barde = heftesachs, Schwert mit langem Handgriff, und helm-exe. Zu beachten ist, daß auch im Englischen helm zunächst nur die Bedeutung Griff hat, handle, und daß man bei der Erklärung des Wortes von einem Rade, das an Stelle des Handgriffes, der Pinne, getreten ist, völlig absehen muß.
Die Verwandtschaft des gleichlautenden englischen und mittelniederdeutschen helve muß hier dahingestellt bleiben; möglich wäre es schon daß beiden dieselbe Wurzel zu Grunde läge mit der Bedeutung fassen, halten.
*Hennegat*, das,
die Öffnung in der Gilling des Hecks in welcher der Kopf des Ruders in das Innere des Schiffes führt. Damit das Seewasser nicht zugleich mit hineindringe, ist das Loch um den Kopf herum mit geteertem Segeltuch umkleidet. So kommt das Wort also nicht etwa von Henne = Hinten, wie angenommen worden ist, was es aber garnicht giebt; auch nicht von Hengegat, weil der Kopf des Ruders darin hinge, denn nicht der Kopf sondern das Ruder selbst hängt in den Fingerlingen, ich nehme vielmehr an, nach niederdeutschem Sprachgebrauch, besonders dem ostfriesischen, daß das Wort eigentlich Heinegat heißen muß, denn heinen heißt einfriedigen, umzäunen, umschließen, umgürten, umfriedigen; hein ist ein umschlossenes Gebiet und ist mit hegenschützen verwandt, so daß also ein Hennegat ein Gat ist, das durch einen Kranz von geteertem Segeltuch vor dem Einströmen des Wassers geschützt ist. Diese Erklärung paßt auch besonders gut für die Zusammensetzung *Henneschott*, die zwar etwas pleonastisch ist, da Schott schon allein etwas Schützendes bedeutet, aber dergleichen liebt die Sprache des Volkes, läßt sich wenigstens dadurch nicht stören, zumal gewöhnlich die Bedeutung des einen der beiden in der Zusammensetzung steckenden Wörter dem Bewußtsein entschwunden ist.
*Henneschott*, das, s. Hennegat.
*Hering*, der.
Weil das a in dem scherzhaft gebrauchten »Harung« sich in vielen germanischen und namentlich auch romanischen Sprachen immer wieder ernstlich vordrängt, so hat man auf Abstammung vom lateinischen halec, halex, Salzfisch, Salzlake geschlossen. Doornkaat, Ostfriesisches Wörterbuch II. 41 führt jedoch überzeugend aus: »Da dieser Fisch den Küstenbewohnern der Nordsee jedenfalls viel früher bekannt war, als sie mit den Römern in Berührung kamen und er gerade zu den am Häufigsten und in großen Mengen an unseren Küsten vorkommenden Fischen gehört, bezw. besonders im Frühjahr stets massenhaft in den aggen genannten Reusen auf den Watten gefangen wird und demnach auch wohl von Urzeiten her und lange vor Entstehung der Seeschiffahrt schon ein Hauptnahrungsmittel unserer Küstenbewohner bildete, so ist es viel wahrscheinlicher, daß häring ein ur-niederdeutsch-friesisches Wort ist ... und von har, haer, her = Heer, Menge, Schaar abgeleitet wurde.«
*Heringsbüse* s. Büse.
*Heuer*, die,
das Geld, der Lohn den ein Seemann für seine Dienste als Matrose empfängt, auch der Dienst selbst, z. B. Heuer auf einem Dampfer nehmen, sich auf eine Brigg verheuern. Das Wort ist eine Verhochdeutschung des niederdeutschen hür, das Miete in allen hochdeutschen Bedeutungen ist; hüren, mieten, ein Mädchen, eine Wohnung, ein Haus, (in Holland kann man sogar einen Ofen huuren). Im 17. Jahrhundert ist das Wort ins Hochdeutsche aufgenommen. Im Teuthonista heißt es huyren. Englisch hire, wie es sich denn in allen germanischen Sprachen und Mundarten findet, oft mit einem i anstatt des ü, so daß eine Verwandtschaft mit Heirat, früher Heurath, althochdeutsch hirat nicht unwahrscheinlich ist, (zu eines altdeutschen Mannes Hausgesinde gehörten alle Hausgenossen, die Diener, die Kinder, die Frau) und daß also die auch in Ostfriesland bekannte scherzhafte Redensart der Groninger: »de lange huur ingoan«, »die lange Miete eingehen«, für sich verheiraten, einen tieferen Sinn hätte, als die meisten Groninger sich träumen lassen.
*Heuerbaas* s. Baas.
*Hielen*, *Hiel*, *Hieling*, die.
Hiel oder Hieling heißt der Fuß des Mastes, der in einer Spur steht, und der Fuß der Stenge, in dem sich die Scheibe des Stengewindreeps und das Schloßgat befinden. So heißt auch das hinterste Ende des Kiels. Es steckt also beides in dem Worte: *unten* und *hinten*. Was sich nun unten und hinten am menschlichen Leibe befindet, das ist die *Ferse*. Und in der That heißt niederdeutsch und auch in hochdeutschen Mundarten die Ferse Hiel. Ostfriesisch hil, hile; wangerländisch hil, angelsächsisch hel, englisch heel, niederländisch hiel. Auch der Fuß der Spanten heißt Hiel.
Das Zeitwort hielen heißt ostfriesisch hilen und bedeutet up de hilen lopen, auf den Hacken oder Absetzen gehen; seemännisch aber bedeutet es »*nach hinten über hängen*«, so daß besonders hielen von einem Schiffe gesagt wird, das hinten tiefer liegt als vorne, bei dem also der Hiel des Kieles die hinterste und unterste Stelle ist, und man sagen kann, das Schiff läuft gleichsam auf den Hacken.
*Hieven*
ist eigentlich kein deutsches Seemannswort, wurde auch früher von deutschen Seeleuten nicht gebraucht, es scheint vielmehr als ob es erst in den Anfangszeiten der preußischen Kriegsmarine von England herüber gekommen sei, vielleicht durch in England und Amerika ausgebildete Seekadetten. Im Englischen spielt to heave eine große Rolle, (verwandt mit heben) besonders im Seemännischen: »to apply power to, as by means of a windlass, in order to pull or force in any direction; as, to heave a ship ahead, that is, to bring her forward when not under sail by means of cables or other appliance; to heave a ship astern, to cause her to recede; to heave up an anchor, to raise the anchor from the bottom of the sea.« Hieven wird man am besten mit »durch Anwendung von Kraft heben und bewegen« wiedergeben.
*hissen*, hochziehen.
Das »Handwörterbuch für technische Ausdrücke in der Kaiserlichen Marine,« welches 1879 von der Kaiserlichen Admiralität herausgegeben worden ist, sagt dafür, »heißen« und fügt in Klammern bei »früher auch hissen.« Aber das Wort muß auch jetzt noch hissen und nicht heißen heißen. Früher, im Mündungsdelta des Rheins rief der Bootsmann (s. Hochbootsmann) den Matrosen sein Ho! zu, aber weiter östlich an den Nordseeküsten von West- bis Nordfriesland lautete der Zuruf an die Matrosen, zugleich an einem Tau zu ziehen, anders. Das sind gerade die Gegenden, wo die Leute sich, weil sie so ungern den Mund auftun, die offenen Endsilben, die früher ihre Sprache so klangvoll machten, gründlich abgewöhnt haben. Selbst wenn sie wirklich einmal etwas sagen wollen, muß sich das Wort mühsam den Weg durch das Gehege der geschlossenen Lippen und Zähne suchen. So ist also hier nicht das offene freie Ho! zu erwarten, man ließ den Mund zu und benutzte mehr bequem als höflich dasselbe Geräusch, das man mit der Zunge macht, wenn man Hunde, Schweine oder Gänse hetzt, man erzeugte die langgezogene Sibilans wie sie die Gänse selbst auch erzeugen, und daraus entwickelte sich lautmalend der Naturlaut hissss! Daraus entstand das Zeitwort hissen.
In dem berühmten Teuthonista finden wir es als hysen, reizen, eine Schlange oder Gans; beim Kilianus als »hißen, hißchen, hitschen, hußen, sibilare, hetzen, instigare, agitare, Hunde auf den Wolf hetzen. Das Bremer Wörterbuch hat hisen und hiesen, warnt aber davor, diesen Schiffsausdruck mit hißen, hetzen, »den Hund up dat Swin hißen« zusammenzubringen. Eine Warnung die uns nicht abhalten kann, es dennoch zu tun. Denn wenn sowohl die Grundbedeutung als auch die Form beider Wörter dieselbe ist, wie kommen die Bremer Gelehrten dazu, zweierlei Wörter anzunehmen? Die höfliche Rücksicht, die den Menschen nicht mit einem Tier vergleicht, übt die Sprache nicht; der Hund wird angetrieben, den Wolf zu fassen, der Matrose wird angetrieben das Tau zu fassen und daran zu holen, für beides sagt sie hissen.
Wenn nun infolge des Zurufes: »hiß, hiß!« an dem Tau geholt wird, das über eine an erhöhtem Punkte angebrachte Rolle läuft, so hat das zur Folge, daß der Gegenstand der an dem anderen Ende dieses Taues befestigt ist, in die Höhe geht. Dieses Indiehöhegehen hat im Laufe der Zeit mit hissen den Gedanken an hochziehen aufs Innigste verbunden, so innig, daß wir hissen einfach für hochziehen gebrauchen. Wir brauchen auch gar nicht mehr aufhissen zu sagen, in hissen allein liegt uns das »auf« schon mit. Darum wird auch nicht, oder wenigstens nicht immer, kommandiert »Hiß auf die Flagge!« sondern einfach »Hiß die Flagge!« oder vielmehr -- hochdeutsch sein sollend -- »Heiß die Flagge!« Sollte es mit aller Gewalt hochdeutsch sein, dann müßte hetzen gesagt werden. Aber: »Hetz die Flagge!« geht nicht; »heiß die Flagge« geht zwar auch nicht, aber es geht doch, weil das seemännische Ohr, namentlich das jüngere, sich schon daran gewöhnt hat.
Im Französischen hatte 1702 das aus dem Niederdeutschen übernommene hißer schon genau dieselbe Bedeutung wie heute: »Hißer, ißer ... c'est hausser quelque chose ou l'élever. On dit Hisse la grande vergue, Hisse la vergue de miséne. Il nous le fit connoitre en hissant et amenant sept fois le pavillon. Il amena le pavillon qu'il voulut rehisser sur le champ. On dit, Hisse de la caliorne (Gien); Hisse du palan (Takel); Hisse d'avant; Hisse d'arriére; Hisse du palan d'étai (Stagtakel), Hisse du bredindin (kleineres Takel für leichtere Lasten); Hisse partous. C'est ainsi qu'on nomme la manoeuvre, pour faire hisser un fardeau à bord.« Die Franzosen gestehen aber die Herkunft aus dem Deutschen nicht gerne ein, wie ihnen überhaupt das häufige Vorkommen deutscher Wörter in ihrer Seemannssprache kein angenehmer Gedanke sein mag. In seinem 1848 erschienenen Glossaire nautique bemüht sich Jal, allerdings wohl nach des berühmten Ducange Vorgang, hissen von dem griechischen hypsos, die Höhe, abzuleiten. Sonst ist sein Buch aber ganz verdienstvoll und lehrreich; die Widmung lautet: »Aux Marins qui ne dédaignent pas la Science historique, Aux Erudits qui s'occupent de Marine«.
Im Holländischen ist aus dem Hetzruf hiss! huss! hoss! auch noch das Zeitwort hossen entstanden, das auf holländischen Kirmessen laut genug ertönt. Die sonst etwas bequemen und langsamen Holländer geraten bei dieser festlichen Gelegenheit mächtig in Bewegung, selbst in Städten wie Amsterdam, Rotterdam, 'sGravenhaage, Utrecht. Da muß der Fremde auf der Hut sein, sonst wird er auf offener Strasse in einen Strudel von Männlein und Fräulein gezogen, die ihn bekannt oder unbekannt, gern oder ungern, wohl oder übel an den Händen fassen und mit ihm in langen Reihen dahin chassieren, singend, johlend und »hoß! hoß!« rufend; das nennt man hossen.
Im Englischen hat das Wort die Gestalt hoist angenommen. Es ist aber gleicher Herkunft, nämlich von dem auch im Englischen vorkommenden to hiss, welches dreierlei Bedeutung hat. 1. »To make a sound like that of the letter s by driving the breath between the tongue and the upper teeth, especially in contempt or disapprobation. (The merchants among the people shall hiss at thee. Ezechiel 28, 36). 2. To emit a similar sound: said of serpents, geese, and other animals, of water thrown on hot metal (gischen), of steam rushing through a small orifice. 3. To whizz, as an arrow or an other thing in rapid flight. (Shod with steel we hissed along the polished ice);« daß aber to hoist von diesem to hiss kommt, dafür spricht nicht nur die Übereinstimmung der Bedeutung, sondern auch die Form im Altenglischen to hoise, schottisch heeze. »The t seems to have been added as in against, amongst.« Als Bedeutung aber wird angegeben: »To raise, to lift, to heave; specially, to raise by means of block and tackle; as to hoist a sail, to hoist a heavy package to an upper room.«
*Hochwasser* s. Flut.
*Hock*, das.
Die Engländer nennen jeden Rheinwein »hock«, das zunächst nur eine Abkürzung von »Hochheimer« ist (wie Gib von Gibraltar und Frisco für San Francisco), darum hat dieses Hock mit dem vorliegenden keine Gemeinschaft, welches einen Verschlag von Brettern bezeichnet, der zur Unterbringung von Tieren dient, Hühnerhock, Schafhock etc. etc. Die zum Schlachten mitgenommenen Tiere mußten sich mit den dunkelsten, schlechtesten Ecken begnügen, da wurde für sie ein Bretterverschlag abgeteilt. Der Raum hieß hok = Spitze, Ecke, Winkel, auch Richtung etc. etc. Als hernach den Schlachttieren ein anderer Platz angewiesen ward, blieb die hok natürlich wo sie war, aber der Bretterverschlag wanderte, beweglich gestaltet als Käfig, mit an den neuen Standort. Da man aber gewohnt war: »Die Schafe stehen in der hok«, so blieb man dabei und sagte weiter: die Schafe stehen in der hok, auch als sie frei an Deck im Käfig standen, der dann leicht für die eigentliche hok gehalten wurde. So kam der Verschlag zum Namen Hock, und da es nun einmal verhochdeutscht war mit kurzem o und ck (wohl in Gedanken an die Tiere die darinnen *hocken*) so kam es auf etwas Änderung mehr oder weniger nicht an, man machte das Femininum zum Neutrum. Von Hocken = gebückt sitzen, soll Höcker = Krämer kommen. Bedenkt man aber, daß hok = winkel ist und daß in Holland der Laden winkel und der Ladeninhaber winkelier heißt, weil in irgend einem Winkel er seinen Kram ursprünglich feil bot, so wird wahrscheinlicher daß Höcker, Höker von hoek = winkel kommt, wie ja auch der Laden von einem der großen Welthäuser ursprünglich nur ein (Fenster-)Laden war.
*Hochbootsmann*, der.
Ein Wort, das zwar von der Kriegsmarine nicht mehr gebraucht wird, aber doch noch nicht ganz aus dem Sprachschatze des Seemannes entschwunden ist. Wenn im alten Griechenland die vielen Ruderer eines Schiffes zugleich anrudern und überhaupt Takt halten sollten, worauf nicht nur wegen des ordentlichen Aussehens allein, sondern vor allen Dingen auch der grösseren Kraftentfaltung zu Liebe gehalten werden musste, so konnte das nur durch ein Kommando, das für alle hörbar war, geregelt werden. Dieses Kommando gab der Keleustes, der Rudermeister, Bootsmann, Taktangeber oder wie man das Wort übersetzen will. Wie er das Zeichen gab, erhellt aus seinem griechischen Namen, der von keleuo kommt, rufen, zurufen, antreiben, ermahnen, befehlen; davon keleuma der Zuruf, der Befehl, das Gebot, der Takt, in welchem gerudert ward. Keleustes heißt also ursprünglich Zurufer. Was aber der griechische Bootsmann seinen Ruderern zurief, welche Töne er von sich gab, welche Laute er hören ließ, das wissen wir nicht. Bekannt ist aber, daß auf Trieren, also auf Kriegsschiffen, der Bootsmann durch einen Maaten mit der Pfeife unterstützt wurde. Der hieß trieraules, der Schiffsflötenspieler, Schiffspfeifer.
Nun übte im Mittelalter das Amt des Keleustes nachweislich der Bootsmann aus, und zwar mit Hilfe des Zurufes: »Hou, hou!« Er wurde dadurch, wie Kilianus sich ausdrückt, zum hortator, der die Leute ermahnte, durch Zuruf antrieb, *zugleich* ihre Kraft zu irgend einer gemeinsamen seemännischen Arbeit einzusetzen. Das kann allerdings auch und muß unter gewissen Umständen ohne lautes Rufen geschehen. Beim Wettrudern z. B. gibt der Bootssteurer nur durch das energische rythmische Vorbeugen des Oberkörpers den Takt an. Man hört dabei keinen Laut und darf keinen hören, außer dem eines allerdings mit großer Kraftanstrengung den Ruderern an die Köpfe gehauchten h! Das h nimmt unter den Buchstaben eine eigene Stellung ein. Es ist kein Konsonant, weil der Mundkanal bei seiner Bildung nicht verengert wird; es ist auch kein Vokal, weil ihm der Stimmton fehlt. Da wissen es die Gelehrten nirgends so recht unterzubringen. Wenn sie einmal einen eifrigen Bootsmannsmaaten beim Wettrudern sein h! herausschmettern hörten, dann wüßten sie, was ein h ist, nämlich noch immer das was es ursprünglich war, ein gutturaler Reibelaut, wobei je nach Geburt, Herkunft und Muttersprache, der eine mehr einen Velarlaut, der andere mehr einen Palatallaut artikuliert. Ist aber eine gemeinsame Kraftanstrengung der Matrosen bei Gelegenheiten herbeizuführen, wo es nicht so sehr auf peinliche Stille ankommt, dann bedient sich der Bootsmannsmaat des bekannten Zurufs: »Zugleich!« indem er das »zu« so herausstößt, das es durch eine kleine, die Aufmerksamkeit spannende Pause von dem »gleich« getrennt ist, damit die Leute, sobald sie nun dieses »gleich« hören, alle mit einem Ruck ihren Biceps in Thätigkeit setzen. Der Bootsmann in Kilians Tagen aber begnügte sich weder mit dem gutturalen Reibegeräusch beim Wettrudern noch gebrauchte der das »zugleich« der Arbeitsverteilung, sondern schrie nur immer »hou« oder »ho!« darum hieß er Ho-Bootsmann. Und als hernach die Rollenverteilung so vorgenommen wurde, daß dem Schiemann die Aufsicht über die Takelage des Fockmastes, dem Bootsmannsmaaten diejenige über den Kreuz- oder Besanmast, dem Bootsmann aber die über den Großmast übertragen wurde, der auch »der hohe Mast« (wohl nach dem Dänischen) hieß, so konnte aus Ho-Bootsmann leicht Hochbootsmann werden.
*Högedag*, der,