Etymologisches Wörterbuch der deutschen Seemannssprache
Part 19
Dieses Wort mit dieser Bedeutung kommt dem Sprachforscher ziemlich unbequem, denn Hafen paßt so schön zu haben, da aber Haff Meer bedeutet, so wird diese Verwandschaft schwankend. Kluge, Etym. Wörterbuch, 5. Auflage S. 150 sagt darüber: »Da man keine ursprüngliche Verschiedenheit von Worten für *Hafen* und *Meer* anzunehmen braucht und da jedenfalls die Bedeutung »Hafen« aus der Bedeutung »Meer« abgeleitet ist -- das Umgekehrte wäre wohl nicht denkbar -- so wird die unter Hafen gegebene gewöhnliche Annahme, Hafen sei eigentlich »Behälter,« problematisch. Wahrscheinlich ist also *Hafen* etwa »marina« im Sinne von »statio marina« zu deuten. Angelsächsisches haef »Meer« als »sich erhebendes« im Sinne von lateinischem altum (»hohe See«) zu *heben* (Wurzel haf, vorgermanisch kap) zu ziehen, ist nicht unmöglich, aber kaum wahrscheinlich.« Doch hat letzteres sehr viel für sich, wenn man bedenkt, wie gern heut noch der niederdeutsche Seemann von der »hohen See« spricht und sich der Wendungen bedient wie »auf der Höhe von«, »Hochseeschiff«. Das Meer stellt sich nicht nur in dichterischer Sprache als etwas »Erhabenes« dar, es ist in der That etwas für das Auge des Beschauers »sich Erhebendes«, einerlei ob er am Strande steht, ob an Bord eines Schiffes, oder etwa auf dem Kraterwall des Pics von Tenerifa. Wer je auf diesem gestanden hat, wird es nie vergessen, wie ringsumher das Meer so hoch aufsteigt, daß man auf einer Höhe von beinahe viertausend Metern das Gefühl hat, die Kimm liege einem grade gegenüber auf gleicher Höhe.
*Hahnepot*, die,
ist ein von einem bestimmten Punkte aus in verschiedene Zweige auseinander gehendes Tau, sei es zur Verteilung einer Last indem man die Angriffspunkte vermehrt, sei es zum Schutze einer dem Schamfilen ausgesetzten Stelle. Der Name kommt von der Ähnlichkeit mit einem Hahnenfuß. Die Sache ist im Grunde dieselbe wie die unter Spinnekopf behandelte. Doch geht beim Piekfall das eine Tau nur in zwei Arme, die die Gaffel tragen, aus einander.
*Haken*, der,
ist in der Seemannschaft wie in vielen anderen Zweigen menschlicher Tätigkeit ein vielgebrauchtes unentbehrliches Ding und kommt in unzähligen Fällen zur Anwendung. Sprachlich bedürfen indessen kaum zwei oder drei ein Wort der Erklärung. Etwa Kenterhaken; ein Haken mit einer Stange daran, dazu dienend Balken zu kentern, d. h. durch umkanten weiter fort zu bewegen. Enterhaken wurden, als überhaupt noch geentert wurde, zum Heranholen und Festhalten des feindlichen Schiffes verwandt. Bootshaken ist der Haken mit längerer, dünner Stange daran, mit dem ein abfahrendes Boot abgesetzt, ein landendes angelegt, d. h. ans Schiff, ans Bollwerk, an die Treppe herangeholt wird. Für Kenterhaken hört man eben so oft Kanthaken.
*Halbstocks* oder *Halbmast*
sind zwei Adverbia als nähere Bestimmung zu den Zeitwörtern holen oder hissen. Die Flagge nämlich wird Halbstocks oder Halbmast geholt oder gehisst zum Zeichen der Trauer, sei es daß ein hervorragender Toter am Lande geehrt werden soll, sei es daß ein Gestorbener sich an Bord befindet. Früher wurden auch die Marssegel nur auf halber Höhe geführt an Bord eines Schiffes, auf dem sich die Leiche eines Offiziers befand. Vor Zeiten, vergl. Gösch, wo man mit Flaggen größeren Aufwand trieb, als heute, und wo ihre Farbe und Form noch nicht so genau vorgeschrieben waren, es auch noch keine festen Salut- und Flaggenvorschriften gab, wurden je nach Gefühl und Vermögen mancherlei Flaggehrungen gewährt. »Lorsque Witte Cornelesz. de Wit, Vice-amiral de Hollande fut tué dans la bataille du passage du Sond, qui se donna entre les Suédois et les Hollandois l'an 1658 et que les Hollandois gagnérent, aïant forcé le passage, le vaisseau de ce Vice-amiral périt dans le tems que les Suédois s'en rendoient maîtres, et il ne leur en resta que le corps de Witte de Wit. Le roi de Suéde fit revêtir ce corps de satin blanc; fit couvrir son cercueil d'un magnifique drap mortuaire avec les armes du défunt; le fit mettre dans une galiote painte de noir, où il n'y avoit pour pavillons que des flames noires, et le renvoia au Lieutenant-Vice-admiral Général de Wassenaar, ou d'Opdam.« Die Leiche mit der Nationalflagge zu bedecken war damals noch nicht üblich; dagegen wurden bereits in einem Leichenzuge am Lande die Fahnen mit schwarzem Flor umwunden. »Im Jahre 1629 ward die Admiral-Lieutenants-Stelle von Holland offen, durch den Tod des Herrn von der Leck, und dieweil nunmehr auch Dorp (der sonsten die Flotte auf der Flämischen Küsten als General kommandiert hatte) in dem Lager zu Felde gebraucht ward, und derhalben notwendig ein Admiral zur See gehn müßte, hat der Herr Printz von Uranien Peter Heyn, der wegen so vieler stattlichen Taten in grosser Achtung war, dazu erwehlet. Dieses war nun der höchste Ruhm, den er allhier zu Lande erlangen kunte, er hat ihn aber nicht lange besessen und genossen, denn als er vor Duynkirchen lag, und nun vor hatte dasselbige Behältniß und zugleich das alte Raubnest zu stopfen, gerieth er mit den Duynkirchern in ein heftiges Gefechte, in welchem er dreyn von deß Feindes Schiffen eroberte, es wolte aber das Unglück, daß er im Anfang des Treffens durch eine große Stuckkugel benebenst dem Kapitän Blom, zu großer Betrübniß meist aller Einwohner getroffen und erschossen ward. Sein Leichnam ward auf den vierdten Julii mit einem grossen Zulauf von Menschen begraben. Vor der Leiche gingen zween Fahnen Bürger in Trauerwaffen, und hatten ihre Koller mit schwartzen Bändern besetzet, die Fahnen mit schwartzen Band aufgewunden, wie auch die Trommeln mit schwarzem Tuch überzogen, die Musqueten unter den Armen tragend; und die Picken nachschleppend. Darauf folgeten, diejenigen so die Waffen und Kriegsgereitschafft trugen, welche alle Seekapitäne dieses Landes waren. Hauptmann Liedekerken trug das Wappen. Capitain Bornon, der älteste von den See-Capitainen ward das Casquet oder Helm angetragen, damit vor der Leiche herzugehen, weil er aber zu ohnmächtig war solches zu thun, alss der seine Gliedmassen in deß Landes-diensten verlohren hatte, ward solches Evert Antonissen von Amsterdam anbefohlen. Darnach folgete die Leiche, unter einer Decke, die von allen See-Capitainen, die zu Lande waren, getragen ward« ... (»Durchl. Seehelden«) Die romanischen Seefahrer brassen auch zum Zeichen der Trauer, besonders am Karfreitag, ihre Rahen über Kreuz, d. h. so, daß die einen nach vorn die andern nach hinten weisen. Natürlich kann Halbstocks die Flagge nur gesetzt werden wenn sie wirklich an einem Stock, Flaggenstock, geführt wird, sonst weht sie halbmast, und wenn sie an der Besansgaffel fährt heißt das betreffende Kommando: »Flagge halb!«
Ein seemännisches Auge wird am Lande oft dadurch verletzt, daß es an Freudentagen Flaggen sehen muß, die nicht ganz vorgeholt sind. Das sieht dann wie Halbstocks aus oder erinnert doch wenigstens daran und macht daher den Eindruck einer Trauerkundgebung. Um dieses zu vermeiden sollten auch die Flaggenstangen so gestaltet sein, daß über den Knopf, bis zu dem die Flagge gehißt wird, keinerlei Verzierung hinausragt, auch keine Kaiserkrone; die gehört da nicht hin.
*Hals*, der,
Mehrzahl die Halsen; so heissen die unteren Ecken der Untersegel und die vorderen Ecken der Stagsegel, Schratsegel und Bootssegel; so heißen auch die daran befestigten Taue mit denen die Untersegel nach vorne geholt werden und (an der Luvseite) steif gesetzt werden, (während die an gleicher Stelle angebrachten Schooten das Segel nach hinten zu festhalten). Bei Besansegeln, Stagsegeln etc. etc. wird der Hals allerdings »geholt«, aber die Vermutung Breusings, der Name des Halses käme von diesem Holen oder Halen, ist doch nicht nahe liegend genug. Jedenfalls liegt die gewöhnliche Bedeutung von Hals viel näher und genügt zur Erklärung vollständig. Der Hals bildet ja nicht bloß das kürzere oder längere bewegliche Verbindungsglied zwischen Kopf und Schultern, sondern auch an leblosen Dingen das dünne, lange, grade oder gebogene, vorgestreckte Ende; man denke an den Hals einer Flasche, einer Kanne, eines Ankers. Und das Tau am Hals des Segels dürfen wir um so eher Hals nennen als ein mittelhochdeutsches Halse auch ein Tau bedeutete, nämlich den Strick, die Leine (oder den Riemen) der Leithunde, der ihnen, um sie zu führen, um den Hals gelegt wird. Das ergibt ein ganz ähnliches Bild. Im Angelsächsischen ward der Bug sehr sinnreich und treffend, namentlich bei der damaligen Bauart des Vorstevens, heals genannt; dichterisch (Beówulf) fâmig-heals, auch flota fâmig-heals, das schaumhalsige Schiff; jedenfalls schöner wie fàmig-bord, Schaumbord.
Das Auge, (die Öffnung, das Loch im Segel) durch welches bei Gaffel- und Topsegeln der Hals am Mast befestigt wird, heißt *Halsauge*. Die Öffnung in der Bordwand -- sei es an Steuerbord, sei es an Backbord -- durch welche der Großsegelshals in das Schiff führt, heißt *Halsgat*; dieses liegt, wenn die Rahen beim Winde gebraßt sind, lotrecht unter der Nock der Großrahe.
*Halsen*
unterscheidet sich von wenden, mit dem es die Bedeutung »umkehren« gemein hat, dadurch, daß beim Wenden das Schiff durch den Wind gedreht wird, während man beim Halsen das Schiff so weit es überhaupt abfallen kann, abfallen läßt und es dann über den andern Bug wieder an den Wind bringt. Letzteres geschieht, weil dadurch viel gewonnenes Luv verloren geht, nur wenn entweder eine Wendung versagt (manche Schiffe sind wegen ihrer Bauart schwer durch den Wind zu bringen) oder in ganz schlechtem Wetter, bei Sturm und hoher See, wo sich das Wenden von selbst verbietet. Daraus folgt, daß man beim Aufkreuzen nicht halsen darf, wenn man etwas gewinnen will, sondern wenden muß. Beim Halsen müssen die Halsen besonders gut bedient werden und spielen eine so wichtige Rolle, daß es kein Wunder ist, wenn das ganze Manöver nach ihnen genannt ist.
*Halten* die See,
heißt in See bleiben, auch wenn dieselbe sehr stürmisch wird. Es gehört dazu ein tüchtiges Schiff und eine brauchbare Besatzung. Kann ein Schiff die See nicht mehr halten, so muß es einen Hafen zu gewinnen suchen oder wenigstens irgendwo »unter Land«, d. h. im Schutze einer Küste ruhigeres Wasser aufsuchen.
*Hamen*, der.
1. In hochdeutschen Mundarten ein Angelhaken, aus dem Lateinischen stammend.
2. Ein ganz anderes Wort trotz der äußerlichen Gleichheit ist Hamen wie es in der Seemannssprache und überhaupt im Niederdeutschen gebraucht wird, nämlich für ein Netz zum Fischfang. Besonders häufig ist an der Nordseeküste der schufham, das Schiebnetz, ein Netz, das oben an einem starken mit einer langen Stange versehenen Reifen versehen ist und auf dem Grunde des Wassers hingeschoben wird. Das Wort hängt mit dem althochdeutschen hamo, Kleid, Decke, Hülle, Hemd, Sack, Beutel zusammen; über »Netzbeutel« mag der Weg zu Netz gegangen sein. Der Sinn ist jedenfalls klar, denn die Wurzel ham bedeutet umfassen, erfassen, in sich befassen, beschließen. Luther: »Da beschlossen sie eine grosse Menge Fische.«
*Hand über Hand*
an einem Tau holen oder dasselbe fieren, indem man immer mit einer Hand über die andere greift. Sehr wichtig ist es oft, daß das Fieren Hand über Hand geschehe, damit der zu fierende Gegenstand stets noch mit einer Hand festgehalten wird, das Tau also nicht schlieren und der Gegenstand nicht rauschen kann. Wer jemals Träger einen Sarg ins Grab senken sah, der mag wohl das Gefühl gehabt haben, die Seile könnten ihnen durch die Hand rutschen und der Sarg würde mit einem Ruck hinabfahren. Haben aber Seeleute die Stricke gefaßt, so kann man ruhig sein, denn sie lassen den Sarg »Hand über Hand« hinab.
*Handpferde*, die,
sind in gewissen Abständen auf das Jackstag aufgestreifte Stroppen, die den aus- und einlegenden Bramrahegästen zum Festhalten mit den Händen dienen. Ein sonderbar gebildetes Wort. Die Pferde, die den Füßen unter der Rahe Halt gewähren, sind schon fälschlicherweise zu Pferden gestempelt worden, da sie doch mit solchen nichts zu thun haben, sondern dazu da sind, daß man auf sie peddet, tritt, was man bekanntlich mit dem Fuße besorgt, und nicht mit der Hand. Handpferd ist also ein Wort von Leuten gebildet, denen die eigentliche Bedeutung von (Fuß-) Pferd gänzlich unbewusst war.
*Handspake*, die,
heißt ein mit der Hand regierbarer hölzerner Hebel, mit dem ein Spill gedreht, eine Kanone bewegt und allerlei sonstige Arbeit getan wird, wohl auch einmal die, die sonst mit einem tüchtigen Knüppel verrichtet wird. Es wird z. B. eine Handspake einem gefangenen Haifisch, wenn er an Bord geholt und auf Deck gelegt ist, tief in den Rachen gestoßen, damit er nicht um sich beißen kann.
Das Ende der Spake, das für die Hand bestimmt ist, ist rund, das zum Einstecken der Spake in die vierkante Spillspur oder Geschützspur ist dementsprechend vierkant. Da im Mittelniederländischen die Formen spake und spaike nebeneinander vorkommen, so ist klar, daß Spake nichts anderes ist als _Speiche_, und wirklich hört man zuweilen anstatt Handspake Handspeiche sagen.
*Hansa*, die.
Aubin hat die »villes anséatiques«, welche zusammen »la Honze Theutonique« bildeten, auf holländisch als »Aanzeesteeden« (Anseestädte) bezeichnet; auch wenn die Hansastädte wirklich alle an der See gelegen hätten, würde diese Erklärung doch nur den Wert eines Kuriosums haben. Aber auch diejenigen dürften irren, welche das Wort von den Ansen ableiten. Allerdings nannten, wie schon Jornandes, der es wissen mußte, bezeugt, die Gothen ihre Vornehmen und Reichen so, als ob sie nicht bloß Menschen, sondern von den Asen abstammende Halbgötter wären, wie alle die gewaltigen nordischen Helden. I. Grimm sagt: »In der nordischen Mythologie gilt für den Begriff deus die Benennung ås. Dieser Name muß auch in Hochdeutschland und Sachsen früher allgemein gewesen sein,« und zwar war er es in der althochdeutschen Form ans. Nun würde ja die Erklärung der Aspiration keine Mühe machen, aus ans kann leicht genug hans werden, aber so lange sich eine näherliegende Erklärung findet, darf man sich bei einer ferneren nicht beruhigen. Und sie findet sich in dem ebenfalls gothischen Worte hansa, welches Verein, Gesellschaft, Haufe, Menge, Abteilung, Schar bedeutet. Karl der Große gab einer von ihm zu Regensburg errichteten Vereinigung den Namen hans. Dann kommt freilich das Wort nicht eher wieder vor, als bis es 1127 in Flandern auftaucht, als ein in der Kaufmannschaft gebräuchliches für Handelsinnung und Eingangszoll. Die Bedeutung Eingangszoll mag von dem Gebrauch kommen, Eintrittsgeld beim Eintritt in einen Verein zu bezahlen, wie denn wirklich Hense oder Hanse auch das Geld hieß, das bei der Aufnahme in eine Hanse bezahlt wurde. In der Bedeutung Handelsinnung aber erscheint das Wort 1236 in Hamburg und verbreitet sich bald so, daß es im Jahre 1309 heißen konnte: »mercatorum societas, que vulgariter hanse dicitur.« Doch kämpft der weitere Begriff »Kaufmannshanse« noch lange mit dem engeren »Innungshanse«. 1315: »si quis hanzam pistorum -- Bäckerinnung -- intraverit.« 1345: »de der handwerken hanze winnet in der Stadt to Driburch, de dridde penninc is de unse.« Also selbst in der Zeit, wo die Hansa schon in Blüte stand, war das Wort immer noch für eine gewöhnliche Handwerksinnung in Gebrauch. Kilian sagt allerdings, ein Hans sei ein »antecellens caeteros mortales fortuna et opibus,« und die Hansen seien »magnates, optimates; Ansi sive Hansi Gothica lingua dicuntur ii, qui caeteros mortales fortuna et opibus antecellunt: heroum et semideorum conditioni proximi et humanae sortis terminos egressi,« aber vorher hat er doch hans schlechtweg und kurz und bündig mit socius, collega übersetzt, was eben Genosse, Innungsgenosse bedeutet. Allerdings war die ursprüngliche Bedeutung mehr und mehr in den Hintergrund getreten, und mehr und mehr beschränkte sich das Wort darauf, der Name des großen Bundes der weltberühmten Handelsstädte zu sein, die allerdings einen »Verein, Haufen, eine Schar« bildeten, die sich sehen lassen konnte.
In einer Urkunde des Erzbischofs Siegfried von Bremen aus dem Jahre 1181 kommt Hansa als Handelsabgabe vor, und in einer Urkunde, die Kaiser Friedrich Barbarossa ein Jahr vor dem Kreuzzuge, von dem er nicht zurückkehren sollte, ausgestellt hat, 1188, ist es in demselben Sinne gebraucht: »absque hansa et absque thelonio.« Es war also jedenfalls ein in der Handelswelt sehr früh schon allgemein bekanntes und gebräuchliches Wort.
*Hängematte*, die,
ist eine ziemlich gewagte Anlehnung an zwei deutsche Begriffe, hängen und Matte, die beide in dem ursprünglichen Worte nicht vorhanden sind. Es stammt aus Westindien und hieß da hamaca. So haben es mit der Sache die Spanier gefunden und in dieser Gestalt haben sie es übernommen, »a word of Indian origin. Columbus in the Narrative of his first voyage says: »A great many Indians in canoes came to the ship today for the purpose of bartering their cotton, and »hamacas« or nets in which they sleep.« Daraus haben die Franzosen hamac gemacht. Bei der Übernahme ins Niederländische begann die volksetymologische Anlehnung an vorhandene Begriffe; die hamac hing; also ward eine hangmak daraus. Der deutsche Seemann hinwiederum konnte sich unter hang*mak* nichts Rechtes vorstellen und gestattete sich abermals eine kleine Andeutung an einen ihm geläufigen Begriff und machte unser Hänge*matte* daraus. Das konnte er um so eher, als im Laufe der Zeiten aus dem Netz ein Stück Segeltuch geworden war, das den Gedanken an eine Matte nicht abenteuerlich erscheinen ließ. Übrigens ist diese Schlafgelegenheit, die bei Kriegsschiffsmatrosen vorgeschrieben und bei Touristen neuerdings als Sport sehr in Aufnahme gekommen ist, bei unsern Zivilmatrosen bis jetzt erfolgreich auf Widerstand gestoßen; die schlafen nach wie vor in ihrer Koje, einem Bretterverschlag mit Strohsack und richtigem Bettzeug, wie es die Leute auf den Friedens- d. h. Kriegskoggen der Hansa auch noch taten, denn erst als man anfing (im 16. Jahrhundert) auch im Zwischendeck Kanonen aufzustellen, wurden, da zu ihrer Bedienung der Raum frei sein mußte, Hängematten, die eben damals von Indien her eindrangen, eingeführt. Und zwar scheinen es Seeräuber gewesen zu sein, die zuerst auf den Gedanken kamen, das ursprünglich an zwei Bäumen hängende Ding als Schlafgelegenheit an Bord aufzuhängen. 1702: les Flibustiers s'en servent pour y dormir lorsqu' ils sont en mer«; so wenig allgemein war also vor zweihundert Jahren der Gebrauch der Hängematten. Sogar das Wort war 1681 dem Verfasser des »Durchläuchtigsten Seehelden« als hochdeutsches noch ungeläufig, denn er schreibt von Indianern: »Wenn sie essen, so sitzen sie auff der Erden und wenn sie schlaffen, so tun sie solches in hangenden Decken, darunter sie des Nachts Feuer unter machen« ...
*Hanger*, der,
ist ursprünglich ein kurzes Ende eines dicken Taues, das um den Top des Mastes oder die Nock der Rahe gehängt wird und in dessen herunterhängendem Ende sich eine Kausch befindet, in die das Seitentakel des Mastes, das Nocktakel der Rahe, eingehängt wird. Es versteht sich von selbst, daß der Hanger des Mastes ebenso wie der der Rahe paarweise vorkommt. Jetzt nimmt man natürlich Drahttau dazu; Dick und Kretschmer: »Die Hanger des Fock- und Großmastes bestehen aus je einem kurzen Drahtende, in dessen Tampen Kauschen eingesplißt sind und in dessen Mitte ein auf den Top des Mastes passendes Auge eingebunden ist.« So wird also der Hanger doppelt. Die beiden Hanger eines Tops haben dann vier Arme; die des Kreuztops aber sind einarmig.
*Harpune*, die,
eine speerartige Waffe mit Widerhaken zum Harpunieren von Fischen; von der *haken*förmigen Gestalt so genannt, von der auch Harfe den Namen hat, wenn der nicht vielmehr von dem entsprechenden Zeitwort im Spanischen, Portugiesischen und Provençalischen arpar, französisch harper, packen, anhaken, reißen, zupfen (»Zupfgeige«) kommt, was aber in Bezug auf die sprachliche Verwandtschaft nichts ändern würde. Spanisch heißt die Harpune arpon, portugiesisch arpao, französisch harpon. Über das hinzugekommene h im Anlaut, die Aspiration, vergl. die Bemerkung Willmanns unter Havarie.
*hart*,
die eigentliche Bedeutung von hart ist. »stark, fest.« Sie kommt in dem seemännischen Kommando: »hart Backbord, hart Steuerbord, hart das Ruder!« zum Ausdruck, denn damit wird befohlen, daß das Ruder so stark wie möglich nach der betreffenden Seite hin gedreht, oder vielmehr, wie der Seemann noch immer, auch wenn ein Rad da ist, zu sagen pflegt, gelegt werden soll. Es erinnert der Gebrauch von »hart« noch an die Zeit der Pinne; diese wurden ja früher auch auf großen Schiffen allein zum Steuern gebraucht, und wenn es hieß »hart!« so wurde sie hart an die betreffende Bordwand heran gelegt.
*Havarie*, die,
= Seeschaden an Schiff und Ladung, (oft auch übertragen und scherzhaft gebraucht, so daß z. B. ein Seemann zu einem kleinen Mädchen dessen Puppe entzwei ging, sagen kann: »Du hast wohl mit deiner Puppe Havarie gehabt«). Die Erklärung wird für die Engländer ziemlich schwierig weil zwei Wörter in einander spielen, die schwer auseinander zu halten sind, average im Sinne von Havarie und average im Sinne von Abschätzung, Durchschnitt, Verteilung; doch das ist ihre Sache. Für uns ist die Erklärung einfacher, wiewohl auch hier viel mit der Stange im Nebel herumgefahren worden ist. So ist z. B. (siehe »Bremer Wörterbuch«) behauptet worden, es käme von averig, übrig, sei also das dem Kapitän überher bewilligte Geld, Zugabe, so daß für Havarie schließlich der Begriff Trinkgeld herauskäme. (»Anno 1405 wurd dat Rahthues to Bremen gebuwet, do idt fullenbracht, gaff de Raht den Arbeiderluden averich tom besten 2 Schinken«).
Aber auch die Ableitung von Hafen, so daß Havarie ursprünglich Hafengeld wäre, erregt Bedenken. Wohl hat in den romanischen Sprachen das Wort diese Bedeutung, dazu auch noch die von Ausgangszoll, aber da das Niederdeutsche sie nicht kennt, so ist schon aus diesem Grunde diese Erklärung durch Dietz mit Recht abgelehnt worden. Das Richtige wird sein, daß es von dem arabischen awar kommt, »gebrochen«, auf Waren bezogen: Beschädigung. Wahrscheinlich kam das Wort mit dem Handel nach italienischen Seestädten und wurde da romanisiert; italienisch und portugiesisch avaria, spanisch averia und haberia, französisch avarie, niederländisch avary, havary, alles = Schaden an Schiff und (oder) Ladung. Über das Hinzukommen des h spricht sich Wilmanns, Deutsche Grammatik I 72 aus. Nachdem er von dem Wegfallen des h gesprochen hat, sagt er: »Hinzugefügt ist h in heischen, althochdeutsch eiscôn (wohl unter dem Einfluß von heißen), vielleicht in heikel, ferner in einigen mundartlichen Wörtern und in den fremden Hartschier (it. arsiero), Hawarie (frz. avarie, it. avaria). In anderen wie Hoboë (frz. hautbois), Harpune (ndl. harpoen, frz. harpon), Harlekin (früher frz. harlegin, jetzt arlequin) ist das stumme Zeichen zum Laut erhoben.« Wobei zu bemerken ist, daß das h in havarie doch am Ende im Gedanken an Hafen sich festgesetzt hat.
Havarie grosse oft auch bloß Grosse genannt, ist eigentlich nur »beträchtliche« Havarie, hat sich aber zu einem bestimmten seerechtlichen Begriff herausgebildet. Wenn es aber heißt mettre de l'argent à la grosse, so hat das mit Havarie grosse nichts zu tun, sondern es ist dabei zu ergänzen (à la grosse) avanture, d. h. Geld auf Bodmerei geben.
Schon Kilian hat das Wort in beiden Gestalten des Niederländischen: haverye und averye = jactura sive damnum in mari.
*Heck*, das,