Etymologisches Wörterbuch der deutschen Seemannssprache
Part 18
französisch goëlette, ist eigentlich ein Wort der italienischen Seemannssprache, wird aber wohl auch aus deutsch- und namentlich österreichisch-seemännischem Munde vernommen; ins Deutsche wird man es am passendsten mit Schuner übersetzen, und zwar, da sonst noch verschiedene nähere Bestimmungen dazu kommen müssten, mit Schuner in der einfachsten Form eines Gaffelschuners, eines Vor- und Achterschuners. Der Name dürfte, ähnlich wie vlyboot von dem Vly, von der Festung Goletta genommen sein, die in der Seekriegsgeschichte eine so grosse Rolle gespielt hat, als Kaiser Karl V. in eigener Person sie dem Chaireddin Barbarossa nach blutiger Belagerung mit Sturm abnahm. Davon erzählt der Verfasser der »Durchläuchtigsten Seehelden«: »Die Gelegenheit nun des Orts Goletta ist also beschaffen: Ein steinern Thurn, nebenst angebautem Boll-Werk, stehet an der Enge, durch welche der Meer-Busen von Carthago, die Wellen der See in den darbey gelegenen Meer-Raum einlässet, und vor kleine Schiffe, biß an die Stadt Tunis hinan, Raum und Zugang giebt. Dieses Meer ist swölff italienische Meilen breit und lang, aber an beyden Seiten so seichte, daß man anders nicht, als in der Mitten der Tieffe dahinein kommen kann. Den Zugang aus der See, verwahret der obgemeldte Thurn, der mit dem umherliegenden Boll-Werk oder Bevestigung beschützet wird, die so groß, daß man einen großen Haufen Volcks darinne zur Besatzung lassen kann. Diesen Thurn hatte Barbarossa mit vielen Geschütze versehen, um dadurch seine Flotte, die inwendig in dem Meer aufgeleget war, zu beschirmen« ... »Niemals, seit dem Gebrauch des Geschützes in der Welt gewesen, hat man weder, mit grösserer Gewalt, Zurüstung, Fleiss einen Ort angegriffen, denn dergestalt war das Knallen und Donnern des niemals still stehenden Geschützes, daß die Erde nicht allein zu erzittern und zu beben begonte, sondern auch dem Ansehen nach selber von einander bersten, und alles verschlingen wollte: Die See selber, die vorher stille und ruhig gewesen war, ward hierdurch gleichsam mit verunruhiget, da inzwischen der Himmel durch den unaufhörlichen Dampff und Rauch sich aus dem Gesichte verlohr.«
*Golf*, der,
gleichbedeutend mit Meerbusen. Erst spät ins Deutsche eingedrungenes Wort, vom griechischen kolpos stammend, mit wölben von einer Wurzel, = Busen, Schoß, Falte im Gewand, busenartige Vertiefung, Meerbusen, Bucht; italienisch golfo, spanisch golfo, provençalisch golfo. Davon französisch golfe und gouffre, woraus zu sehen, daß das Wort aus Frankreich zu uns gekommen ist, und zwar über die Niederlande, da Kilian es in der Form gouffre verzeichnet hat.
*gondeln*,
scherzhaft für »zur See fahren.« »Nun gondeln wir in diesem angenehmen Wetter schon acht Tage umher«, wird wohl gesagt wenn Sturm und Regen die Fahrt recht unangenehm machen. Den scherzhaften Beigeschmack dürfte das Wort auf dem Wege über Berlin bekommen haben, wo die Aussprache bekanntlich »jondeln« ist, und so ausgesprochen klingt es noch um einen Ton scherzhafter. Byron beschreibt diese venezolanische Wasserdroschke, Gondola genannt, so:
Didst ever see a gondola? for fear You should not, I'll describe it exactly: 'Tis a long covered boat that's common here, Carved at the prow, built lightly but compactly. Row'd by two rowers, each call'd »gondolier,« It glides along the water looking blackly, Just like a coffin clapt in a canoe, Where none can make out what you say or do.
Gondel ist frühzeitig, d. h. vor etwa 360 Jahren in (hoch-)deutschen Gebrauch gekommen, Kluge führt die Diminutivform Gündelein an und bemerkt, daß Gondelein schon 1574 in Zeitungen über italienische Verhältnisse vorkommt. Die Seemannssprache hat sich, abgesehen von der modernen scherzhaften Weise, dem Worte gegenüber ablehnend verhalten.
*Gording*, die.
Gordinge heissen mit Ausnahme der Geitaue alle Taue mit denen ein Segel aufgegeit wird. Und zwar heißen Bukgordinge diejenigen, die am unteren Liek des Segels befestigt sind und den unteren Teil, den Buk d. h. Bauch desselben aufholen; alle viereckigen Segel haben solche »Bukerdings,« wie der Seemann das Wort gerne ausspricht. Grosse viereckige Segel haben auch noch Nockgordinge (»Nockgordings«) die am stehenden Liek befestigt sind und die Seiten des Segels aufholen. Sehr hohe Marssegel haben zu Zeiten wohl noch weitere Gordinge am stehenden Liek, die man Schmiergordinge nennt. Der Unterschied zwischen Gordingen und Geitauen ist der, daß erstere vor, letztere hinter dem Segel zur Rahe hinauffahren. Dempgordinge nennt man die Taue mit denen Besan = (Schrat-)Segel unter die Besansruthe oder -Gaffel geholt werden.
Gording heißt auf hochdeutsch Gürtung, da die Segel gleichsam gegürtet werden, die Gordinge (und Geitaue) also Gürtel darstellen; gothisch gaird, altsächsisch gyrdels, althochdeutsch gurtila, altnordisch gjörd; in der Edda wird der Kraft verleihende Gürtel das Tor megin-gjardar genannt.
*Gösch*, die,
heißt die Flagge die am Ende des Bugspriets an einem Stocke, dem Göschstocke, an Sonn-, Feier- und anderen Tagen von besonderer Bedeutung weht. Bei unseren Kriegsschiffen besteht die Gösch aus dem oberen inneren Felde der Kriegsflagge, schwarz, weiss, rot mit dem eisernen Kreuz. Das Wort Gösch muß eigentlich Gös heißen, denn es ist aus Holland zu uns gekommen, wo es geus heißt, ausgesprochen Gös. So hießen die Kämpfer in dem Unabhängigkeitskriege der Niederländer gegen Spanien. Das Wort bedeutet Bettler. Als die 300 Verbündeten am 5. April 1566 zu Brüssel der Regentin Margarethe ihre Bittschrift überreichten und diese sich zu entfärben schien, flüsterte ihr der Graf von Barlaimont zu, sie solle sich vor einem Haufen Bettler (gueux) nicht fürchten. Dessen eingedenk trank man sich alsbald darauf bei der Tafel unter diesem Namen zu, und: es leben die Geusen! wurde mit allgemeinem Geschrei des Beifalls gerufen. Nach aufgehobener Tafel erschien der Graf von Brederode mit einer Betteltasche und bald waren alle mit solchen versehen. Das Dasein seiner Beschützer mußte dem Volke versinnlicht und der Eifer der Partei durch ein sichtbares Zeichen in Athem erhalten werden; dazu war kein besseres Mittel, als diesen Namen der Geusen öffentlich zur Schau zu tragen und die Zeichen der Verbrüderung davon zu entlehnen. In wenig Tagen wimmelte die Stadt Brüssel von aschgrauen Kleidern, wie man sie an Bettelmönchen und Büßenden sah. Die ganze Familie mit dem Hausgesinde eines Verschworenen warf sich in die Ordenstracht. Einige führten hölzerne Schüsseln mit dünnem Silberblech überzogen, eben solche Becher, oder auch Messer, den ganzen Hausrat der Bettlerzunft, an den Hüten oder liessen sie an dem Gürtel herunterhängen. Um den Hals hingen sie eine goldene oder silberne Münze, nachher der Geusenpfennig genannt, deren eine Seite das Brustbild des Könige zeigte, mit der Inschrift: »Dem Könige getreu.« Auf der andern sah man zwei zusammengefaltete Hände, die eine Provianttasche hielten, mit den Worten: »bis zum Bettelsack.« Daher schreibt sich der Name der Geusen, den nachher in den Niederlanden alle diejenigen trugen, welche vom Papsttum abfielen und die Waffen gegen den König ergriffen. (Schiller.) Oft wurden sie auch watergeusen genannt wegen ihrer Tüchtigkeit zu Wasser. Leute die so sehr auf äußerliche Abzeichen hielten, hatten gewiß auch ein solches, oder mehrere in der Flagge die sie führten. In der Tat erfahren wir, daß es in jenen kriegerischen Tagen bei den Geusen eine Flagge gab mit drei P., die bedeuteten »Pugno Pro Patria.«
Bekanntlich fing der eigentliche Krieg mit der Einnahme der Festung Briel durch die Geusen an. Davon lesen wir: »Lorsque le Comte de la Marc vint devant la Brille avex ses vaisseaux il portoit dix deniers dans son Pavillon, pour marquer qu'il venoit s'oposer à la levée du dixiéme denier que le Duc d'Albe vouloit exiger.« Es werden die Geusen in ihrem Stolz und Trotz auch noch andere ihrer Abzeichen in der Flagge geführt haben. Nach ihnen sahen Leute, die den Namen Geusen als einen Ehrennamen ansahen, mit Begeisterung. Wäre es da ein Wunder, wenn die Flagge, die Geusenzeichen trug, selbst geus genannt worden wäre? Und wirklich belehrt uns Aubin, daß die Bugflagge zu seiner Zeit, Ende des sechzehnten Jahrhunderts, geus geheißen hat, (wie sie denn auch noch jetzt so heißt). Sonst werden wohl die Leute nach ihrer Flagge genannt, hier finden wir den umgekehrten Fall, daß die Flagge nach den Leuten heißt. Daß aber grade die Bugflagge den Namen der Geusen führt, mag zufällig sein, kann aber auch irgend einen besonderen geschichtlichen Grund haben und dürfte mit dem Umstande zusammenhängen, daß überhaupt in jenen Tagen die Bugflagge häufiger als heute gesetzt ward. Und die Geusen werden sie nach dem was wir von ihnen gehört haben nicht weniger, sondern mehr als andere Leute geführt haben.
Man hört den oberen inneren Teil der Kriegsflagge, welcher die Gösch ausmacht, auch wohl Jack nennen. Das kommt von der englischen Bezeichnung »Union Jack« für dieses Feld. »The union or union flag of Britain, the national banner of the United Kingdom, is formed by the union of the cross of St. George (red on a white ground), the diagonal cross or saltire of St. Andrew (white on a blue ground), and the diagonal cross of St. Patrick (red on a white ground)«; stellt also die Union zwischen England, Schottland und Irland dar. Jack aber ist im Englischen eine populäre Form für James (vom französischen Jacques, Jakob), eine so populäre, daß sie in unzähligen Wendungen, Bedeutungen, Zusammensetzungen und sprichwörtlichen Redensarten gebraucht wird. Union Jack aber »was named after James I, under whose direction the first union flag was constructed and who signed his name Jacques.« Wobei zu bemerken ist, daß es in den Zeiten schwerer innerer Kämpfe auch eine Flagge gab, die union flag hieß, rot mit der Inschrift: »For the protestant religion And the Liberty of England«; es war also nichts Ungewöhnliches, daß man die Flagge in Zeichen oder Worten zu denen reden ließ, die unter ihr fuhren.
*Granate*, die,
modernes Geschoß von zerstörender Wirkung, namentlich durch sein Zersplittern. Es kommen sprachlich vier ziemlich gleichlautende Wörter in Betracht: 1. Granat als Baum; 2. Granat als Edelstein; 3. Granat als Geschoß; 4. Granat als Seekrustentier. Davon kommen die ersten drei von granum, das Korn; 1. wegen der vielen Körner die die Frucht, der Granatapfel, enthält; (Granáda, die Stadt der Granatbäume); 2. wegen der körnigen Beschaffenheit; 3. wegen der in ihnen enthaltenen Pulverkörner; 4. aber hat dagegen den Namen von den beiden langen Fühlhörnern, die genau aussehen wie (Gersten-)Grannen. Was die Granate, die hier allein weiter in Betracht kommt, angeht, so ist bekannt, dass sie ursprünglich nicht aus Kanonen geschossen, sondern als Handgranate mit der Hand unter die Feinde geworfen wurde. Der Mann, der dieses immerhin nicht ungefährliche Geschäft zu besorgen hatte, mußte ein alter, erprobter, kaltblütiger Soldat sein; er führte von seinem Geschäft den Namen Grenadier, so daß derselbe also ursprünglich für einen Soldaten, der keine Handgranaten warf, eine Auszeichnung, ähnlich wie Gardist, sein sollte.
*Gräting*, die.
Ein Gestell von unter einander übers Kreuz verbundenen Latten, von dem das Wasser bequem abfliesst, überall da angebracht wo Leute an Bord lange stehen sollen, damit sie trocken stehen, am Ruder, am Fallreep etc. etc. Ein aus dem Lateinischen stammendes, mit niederdeutscher Endung versehenes, englisch ausgesprochenes Wort. Lat. crates, Korb, heißt althochdeutsch cratto und chrezzo, Geflecht, Korbgeflecht (noch jetzt in Hochdeutschland Keez = Kiepe). (Auch die Form grede kommt für Unterlager für Waren vor; diese vielleicht aber, weil das Wort auch Stufe und Treppe bedeutet doch wohl vom lat. gradus). Aus dem Diminitivum von crates, craticola, entstand das französische grille, Rost, Gitter, italienisch gretola, Stäbchen des Käfigs. Niederländisch kratte = Korb; littauisch Kratis, Gitter und Kratelis, Rost. Sehr früh traten an die Stelle von crates Formen mit anlautender Media, mittellateinisch grates, graticula, italienisch grata, Flechtwerk, Gatter, Rost; spanisch gradilla, Rost; englisch grate (daher cradle Korb, Flechtwerk, geflochtene Wiege). Bedenkt man, dass Gräting auch eine Vorrichtung ist, die vor Türen liegt, damit man, ehe man eintritt, die Füsse daran reinige, und dass an Stelle des einem Geflecht nicht unähnlichen Holzgitters vielfach wirkliches Reisig-Geflecht tritt, (ja, dass heute noch in manchen Gegenden Deutschlands in ärmlichen Verhältnissen einfach ein Zweig Tannenreisig vor die Tür gelegt wird) so ist die Bedeutungsentwickelung ohne weiteres einleuchtend.
Die deutschen Eisenarbeiter nennen Gräting die Gittertür eines Ofens, also ganz im Sinne von Rost.
*Groden*, der,
heißt in Ostfriesland und Oldenburg ein bereits grün bewachsenes, durch Buhnen, Schlengen etc. etc. dem Meere abgewonnenes Land, und zwar eigentlich aussendeichs, doch behält es den Namen auch wenn es nachher eingedeicht wird, so daß manchmal von einem Groden die Rede ist da wo gar kein Deich mehr zu sehen ist; nordfriesisch Koog, (könnte Cuxhaven wohl gleich Koogshaven sein?), westlich der Ems Polder. Es kommt -- vergl. Crew -- vom friesischen groya, groien = crescere, wachsen, eigentlich grünen. Es muss ja grün werden was wachsen soll. In der Edda heißt poetisch die Erde groandi, die »Grünende.« Gothisch gras = Gras, altsächsisch und althochdeutsch gras, gehören hierher, ablautend mit dem mittelhochdeutschen gruose, junger Trieb der Pflanzen; die indogermanische Wurzel ist ghro, vergl. das lateinische gramen, Gras; griechisch chloros, grün, welches wohl eine Dissimilation aus chroros ist. Früher hatte man für Groden auch die Form groenden; die Tossenser groenden in Butjadingen werden im J. 1566 in Verhandlungen über das Spatenrecht genannt.
*Grog*, der,
das bekannte Getränk, ursprünglich nur aus Rum und Wasser gemischt. »From »Old Grog«, a nickname given to Admiral Vernon, who introduced the beverage, from his wearing a grogram cloak in rough weather.« Von anderer Seite wird einleuchtender behauptet, das Wort stamme vom Admiral Sir Evans W. Grog her, der Ende des 18. Jahrhunderts zuerst den Matrosen den Rum mit Wasser gemischt allowanceweise verabreichen ließ. Das mag diesen schlecht gefallen haben und um ihrem Mißfallen Ausdruck zu geben nannten sie das so wenig kräftige Getränk mit dem Namen seines Erfinders; sie sahen es eben als eine Verschlechterung des Rums, nicht als eine Verbesserung des Wassers an. Wie leicht Getränknamen sich einbürgern ist bekannt, man braucht nur an den Pariser »Bock« zu denken. Selbst Wörter, die bisher einen ganz anderen Sinn hatten, nehmen in manchem Munde ausschließlich den eines Getränkes an: Korn, Kümmel, Benediktiner. Sekt war sonst immer der »trockene« spanische Wein, den Sir John Falstaff zu gerne trank und hat erst durch den berühmten Schauspieler Devrient die Bedeutung von Champagner erhalten. Über allowance s. Launs.
*Grossmast*, der,
auf Vollschiffen oder Barken der mittelste, größte, meist auch höchste Mast; ein sehr wichtiges Ding für ein Segelschiff. Was der Erste Offizier unter den Offizieren ist, das ist der Großmast unter den Masten. Geht doch auch, nach dem seemännischen Sprichwort, der Erste Offizier nur in Begleitung des Grossmastes von Bord.
Alles was an Segel, Tauen u. dgl. an Bord mehrfach, nämlich für jeden Mast besonders vorhanden ist, wird nach dem Mast benannt zu dem es gehört, und zwar durch Vorsetzen des Namens des betreffenden Mastes, also Großmarsrahe, Großrahe, Großbramstenge, Großmars, Großrüst u. s. w. Alles sich auf den Großmast Beziehende wird unter der Bezeichnung »Großtop« zusammengefaßt, wie alles auf den Kreuzmast Bezügliche »Kreuztop« heißt; Focktop wird jedoch nicht gesagt, weil hier auch noch das ganze Vorgeschirr in Betracht kommt; man sagt statt dessen »Vortop«.
Abweichend von der übrigen Benennung der Segel heißt das unterste derselben am Großmast: *Grosssegel*.
*Grummetstropp*, der,
ein runder Stropp, aus einem Kardeel vom aufgedrehten Stück eines (bereits gebrauchten, alten) Taues. Es hat dieses Grummet mit dem Grummet = Grünmaht, dem zarten Schnitt des (nur grünenden, nicht wie beim ersten blühenden) Grases wohl nichts zu tun, wiewohl man diesen auch als »Überbleibsel« bezeichnen könnte, und wiewohl auch unser Grummet nach dem Material genannt wird aus dem man ihn anfertigt. Es gibt nämlich ein niederdeutsches Wort grumm = Schutt, Zerriebenes, und eine Mehrzahl grumpen = Stücke, Brocken, Zerbröckeltes, also auch Auseinandergeteiltes, besonders aber auch Überbleibsel. Das niederländische grommen, die Eingeweide ausnehmen, hängt damit zusammen. Und eben ein auseinandergedrehtes, übrig gebliebenes Stück Tau, dem die Kardeele wie Eingeweide aus dem Leibe geholt sind, wird zu einem Grummetstropp benützt, und es kann dazu um so eher altes Tauwerk genommen werden, als ein solcher nichts weiter zu halten, sondern nur zu verhüten hat, dass an den betreffenden Stellen die Takelage schamfilt.
*Grund*, der,
wird in der Seemannsprache hauptsächlich im Sinne von Meeresboden gebraucht. Beim Lothen mit dem Handloth hört man den damit beauftragten Matrosen oft genug aussingen: »15 Meter und keinen Grund!« Eine wichtige Sache ist es, mit dem grossen Loth den Meeresgrund auf seine Beschaffenheit zu untersuchen. Zu diesem Zwecke wird das Lot mit Talg bestrichen, die Erde die dann daran hängen bleibt, wenn es den Meeresgrund berührt, ist eine Grundprobe, je nach ihren Bestandteilen aus Sand, Muscheln oder dergl. hat man unter Umständen einen gewissen Anhaltspunkt für die Gegend in der sich das Schiff befindet.
Sonst ist der Seemann ängstlich bemüht, eine »gründliche« Berührung zu vermeiden, nicht nur weil es überhaupt gefährlich ist, wenn das Schiff auf Grund kommt, sondern es steckt offenbar den Seeleuten noch eine Scheu davor im Blute von den Zeiten her, da es Rechtens war, dass ein Schiff mitsamt seiner Ladung dem verfiel, dessen Grund es berührt hatte. Ein barbarisches Recht, oder vielmehr Unrecht, diese grundroringe, das Grundrührrecht, das sich übrigens nicht nur auf Schiffe und die See beschränkte, sondern auch von anderen Fahrzeugen auf dem festen Lande galt. So konnte es vorkommen, daß einer mit seinem Wagen über eine Brücke fahren wollte und wegen schlechten Zustandes derselben umwarf; dann wurde nicht der, der die Brücke hätte bauen und bessern sollen, bestraft, sondern der Fuhrmann, und zwar durch Beschlagnahme des Wagens samt der Ladung. Karl V. (peinliche Halsgerichtsordnung, Art. 218) schaffte dieses »Recht« ab.
*Grünes Licht* s. Laterne.
*Gut*, das.
Die Takelage, das gesamte Tauwerk an Bord heißt mit dem Sammelnamen »Gut«; wird aber dann auch in »stehendes Gut«, »laufendes Gut«, Reservegut u. s. w. unterschieden.
»Gut« heißt auch die Gesamtheit der geladenen oder zu ladenden Güter. Bestehen diese aus Kisten, Fässern, Ballen und dergl., so spricht man von Stückgut, während Korn, Kohlen, Salz u. s. w. Stürzgut ausmachen.
H.
*h.* s. a. m.
*Haartuch*, das,
ist grobes, haarenes Tuch, das in der Gestalt von Läufern an Deck gelegt wird wenn man Geschosse mannt, damit möglichst jeder Stoß vermieden werde. Die sprachliche Erklärung muß mit zwei Wörtern rechnen, mit Haar in der Bedeutung Menschenhaar, Pferdehaar, und einem veralteten Haar das Flachs bedeutete, (in Flachshaar kommen die beiden zusammen). Doch ist Haartuch nicht von Flachs, sondern der Name Haar muß auch für Werg in Gebrauch gewesen sein, denn aus Werg war das härene Tuch ursprünglich gefertigt; englisch hards = Werg.
*Hackbord* = Heckbord, s. Heck.
*Hafen*, der,
kommt von haben = halten, ist also ein Ort wo das Schiff gehalten wird, ein (sicherer, bequemer) Halteort. Zu vergleichen ist das althochdeutsche hafjan, heffjan = heben, aufheben, Grundbedeutung: fassen, greifen, halten, behalten, lateinisch capere. So ist also Hafen = Topf dasselbe Wort, ein Gefäß, das etwas enthält. Auch Hof ist nahe verwandt, und ists also im Grunde ein Streit um des Kaisers Bart wenn darüber gestritten wird, ob ein Wort wie Marienhafe eigentlich Marienhof oder Marienhafen zu deuten sei. Die niederdeutsche Schreibweise ist Haven. Es war also eine Anerkennung des niederdeutschen Wesens der Seemannssprache als König Wilhelm I. befahl, den am 17. Juni 1869 nach ihm getauften neuen Kriegshafen Wilhelmshaven mit einem v zu schreiben. (Otfried, ein Mann aus Franken, in Weißenburg 868 seinen »Krist« schreibend, hat zuerst, und zwar nur im Inlaute, das v angewandt anstatt f).
Das englische harbour hat mit unserem Hafen nichts zu tun, ist vielmehr dasselbe wie das deutsche »Herberge«, ein Platz, wo ein Heer sein Nachtlager aufschlug. Dagegen ist Kabel mit unserm Worte einer Abstammung. In der Edda hat das Wort hafn noch so sehr den Begriff haben und halten, daß es nicht nur Besitz (»Habe«) und Hafen, sondern auch die Schiffsmannschaft bedeutet, die Mannschaft die das Schiff enthält, skipshofn.
Das französische havre ist noch umstritten; die Aspiration deutet auf deutschen Ursprung. Da aber ein spanisches und portugiesisches abra = Hafen vorhanden ist, so ist man hierfür auf das keltische aber in Ortsnamen zurückgegangen, welches Flußmündung, auch das Zusammentreffen einer solchen mit einem Hafen bedeutet. Es wäre aber noch eher denkbar, daß die Spanier das ihnen ohnehin ungelegene h einfach fallen ließen.
*Hafengeld*, das,
ist eine an den Staat zu entrichtende Abgabe, die, je nach ihrer Größe verschieden, ein und ausgehenden Schiffen für Benützung der Einrichtungen, als da sind Bollwerke, Kajen, Bojen, Tonnen, Leuchtfeuer eines Hafens, berechnet werden.
*Hafenkapitän*, der,
ist der Offizier, gewöhnlich ein zur Disposition gestellter Seeoffizier, der die Aufsicht über den Hafen hat, der auch besonders die Ordnung und Reihenfolge der im Hafen liegenden Schiffe bestimmt, das Aus- und Einlaufen regelt, die Arbeiten beim Durchschleusen und überhaupt den ganzen Schleusenbetrieb leitet, die Deiche im Auge zu halten, bei Sturmfluten auf seinem Posten zu sein hat u. dergl. Wo es sich nicht um einen Kriegshafen handelt, heißt der entsprechende Beamte *Hafenmeister*.
*Hafenwache*, die.
1. Die Wache die an Bord der Kriegsschiffe im Hafen gegangen wird im Gegensatz zur Seewache, zwar länger wie diese, nämlich einen ganzen Tag dauernd, aber nicht so verantwortungsvoll und daher minder anstrengend. 2. Die Hafenpolizei, ihr Wachthaus am Hafen und ihr Polizeiboot auf dem Hafen.
*Hafenzeit*,
ist die Zeit zu der ein bestimmter Hafen Hochwasser hat. »Die Verzeichnisse der bekannten Hafenzeiten geben unmittelbar nur die Zeitpunkte des Hochwassers an Neu- und Vollmondstagen. Für die übrigen Tage müssen also im erforderlichen Falle die Tidestunden durch Rechnung gefunden werden. Der Hauptpunkt dieser Rechnung ist die tägliche Verspätung des Mondes, d. h. der Zeitunterschied zwischen seiner Kulmination und derjenigen der Sonne, weil sich demgemäß ... auch die Tidestunden ändern. Die genaue Berechnung kann nur mit Hülfe nautischer Kalender oder astronomischer Ephemeriden geschehen.« (Bobrik, Seefahrtskunde I 161.)
*Haff*, das.
Kurisches Haff, Frisches Haff, Pommersches Haff, die drei großen Strandseen an der Küste der Ostsee. Haff heißt eigentlich Meer; angelsächsisch haef, nordisch haf, mittelniederdeutsch haf; 1255: »The bruthere (des Ordens) geven vri that haf und then Strand to allerhande donde.« »Se vurden de Konynge to schepe auer dat wilde haf.« Hamb. Chron.