Etymologisches Wörterbuch der deutschen Seemannssprache
Part 16
Auch hundert Jahre später (1681) in den »Durchläuchtigsten Seehelden« bedeutet Fregatte noch nicht das große Kriegsschiff späterer Zeiten, sondern ungefähr das was wir heute einen Aviso nennen. Da lesen wir nämlich bei Gelegenheit der Beschreibung der Seeschlacht von Lepanto: »Und als sie nun die Standarte des Verbündnüsses, welche in der Mitten ein Creutz hatte, zum Zeichen des Streites aufgestecket, wolte er (nämlich der Oberbefehlshaber »Don Jan«, Don Juan d'Austria) noch einmal in Person die ganze Flotte durchsehen, und nachdem er benebenst Louis de Cordona und Johann Sora, auf eine *schnelle und leichte Fregatt* sich begeben, gantz in weissen Waffen, und ein Christen-Bild in seiner linken Hand haltend, hat er aller Orten den Leuten einen tapffern Muth zugesprochen« ... Aubin (1702) unterscheidet: Frégate legére: »C'est un vaisseau de guerre, bon voilier, qui n'a qu'un pont: il est ordinairement monté depuis seize jusques à vingtcinq piéces de canon«. Frégate d'avis: »C'est un petit vaisseau qui porte des paquets et des ordres à l'armée. On s'en sert aussi pour aller reconnoître les vaisseux« Frégaton: »Cest un bâtiment Vénitien commun sur le golphe Adriatique, coupé à coupe quarré et qui porte un artimon, un grand mât et un beaupré.«
Roeding (1794): »Ein dreymastiges Kriegsschiff, welches weniger als fünfzig Kanonen führt. Die Fregatten sind überhaupt scharf gebaut und zum Schnellsegeln eingerichtet. Sie müssen dabei insonderheit die Eigenschaft haben, gut beim Winde zu segeln, und auch bei schwerem Winde See halten zu können, weil sie hauptsächlich zum Kreuzen bey einer Flotte gebraucht werden, oder die Bewegung des Feindes auszukundschaften, Depeschen zu überbringen, Kauffahrer zu convoyieren und dergleichen mehr.« Also ganz Aviso.
Fregatte ist also in Bezug auf Gestalt, Bauart, Takelage u. s. w. eine nichtssagende Bezeichnung und heißt eigentlich weiter nichts als Schiff. Ein solches wird italienisch bastimento, etwas Gebautes, genannt. Mit demselben Rechte oder noch größerem kann man es etwas Gezimmertes nennen, und das tut Fregatte, denn es kommt von fabricor, zimmern; fabricata, zusammengezogen farcata, fracata, italienisch fregata, spanisch fragata, portugiesisch fragata, holländisch fregat, dänisch fregat, schwedisch fregatt, englisch frigate.
Aus der neuen Dienstgradbezeichnung der deutschen Marine, Fregattenkapitän, Oberstleutnantsrang, Mitte zwischen Korvettenkapitän und Kapitän zur See, kann man ungefähr erkennen, wie hoch eine Fregatte an maßgebender Stelle eingeschätzt wird: höher als eine Korvette und niedriger als ein (von einem Kapitän zur See geführtes) Linienschiff.
*Freibord*, der.
Der über Wasser gelegene Teil eines Schiffes, der demselben die nötige Sicherheit bietet, weil er die Reserveschwimmkraft darstellt. Je *freier*, d. h. je höher *der Bord* sich über das Wasser erhebt, ein je größerer Teil des Schiffes sich also über Wasser befindet, eine desto größere Schwimmsicherheit ist vorhanden. Es ist klar wie wichtig es, namentlich für die offene, sturmbewegte See, sein muß, das richtige Verhältnis des Freibords zum eingetauchten Teil des Schiffes, d. h. die richtige Ladelinie, zu finden, damit das Schiff seine volle Ladung nehmen kann und doch nicht überladen wird. Man hat verschiedene Methoden der Berechnung angewandt, Ratschläge erteilt, die Sache wissenschaftlich erforscht, Verordnungen erlassen, Gesetze gegeben, in Deutschland, dem Lande der Gesetze, besteht jedoch noch kein staatliches, kein Reichstiefladeliniengesetz, auch kein Tiefladelinienzwang; nur ein freiwilliger Versuch ist 1900 unter Kaiserlicher Belobigung gemacht worden.
*Freiwache*, s. Wache.
*Frischwachs*, das,
spielen ist eines der beliebtesten Seemannsspiele, aber etwas derb. Der Name ist ebenso sonderbar wie das, übrigens schon vor mehr als 200 Jahren von uns aus zu den Franzosen übergegangene, Spiel. Es besteht darin, daß einer stehend sich mit dem Kopf in den Schooß eines ihm gegenüber Sitzenden neigt und so sich »die Hosen spannt«. Dann hauen die Umstehenden mit der flachen Hand ihn kräftig, manchmal recht kräftig auf den Hinteren, und er soll nach dem Gefühl erraten, wer ihn geschlagen hat. Gelingt es ihm, so muß der Erratene seine Stelle einnehmen; gelingt es -- wie meistens -- nicht, oder doch nicht auf den ersten Schlag, so geht das Spiel weiter und es wachsen die Schläge frisch, d. h. immer wieder aufs Neue, wie jedes Jahr der Kohl wieder frisch wächst.
*Frischwasser*, das,
heißt jedes auch noch so alte »Süßwasser« im Gegensatz zu Salz-, See- oder Brackwasser. Die Frischwasserfrage ist seit Erfindung der Destillierapparate nicht mehr so brennend wie früher, wo sie eine Lebensfrage war für seegehende Schiffe und belagerte Festungen. Man hat daher lange über die Frage der Herstellung von Süßwasser aus Salzwasser nachgedacht, Prämien ausgeschrieben und viele vergebliche Versuche angestellt, bis unsere Zeit die verhältnismäßig so einfache Sache zu Stande brachte, die übrigens schon einmal der Lösung nahe gewesen zu sein scheint. Bei der Belagerung der Festung auf Gerbi durch die Türken 1560 entstand unter den Belagerten eine große Not, »indem der Mangel an Wasser in der Festung je länger je grösser ward, woraus erfolgete, daß sie erst das Meel mit See-Wasser kneten und backen, wie auch die Speise kochen mußten, die doch ohne dieses, damit sie desto länger sollte wehren, an sich selbst gesaltzen genug war. Welches alles, nebenst der beharrlichen Arbeit und grosser Hitze, den Durst noch grösser machte. Diesen gewaltigen Durst, entweder zu entgehen, oder zu mindern, durfften die armen Leute nicht wohl genug essen, wodurch sie so verschmachteten, daß sie sich selber schwerlich auf den Beinen halten, ich geschweige denn, die Arbeit und den Streit ausstehn konnten, und warlich dieses machte sie verzweifelt, daß sie lieber wünschten zu sterben, als zu leben, und die noch das Leben etlichermaßen lieben konnten, erwehleten etwas anders, das noch schlimmer war, als der Tod, und gaben sich selber in der Türken Hände, für denen sie doch von Natur ein Schrecken hatten, und verkauften ihre theure und köstliche Freiheit für einen schlechten Bauch voll Wassers. Alles Gold und Silber, das da vorhanden seyn mochte, verlor seinen Preiß und Werth, angesehn ein groß Stück Geldes nicht genug war ein klein Faß voll Wasser zu bezahlen. Derjenige, welcher alles genau aufgezeichnet hat, was in diesem Jammerstande fürgefallen, erzehlet, daß einer ist gefunden worden, der alle seine Güter, die viel tausend Ducaten werth waren, abstehen wolte, an dem, der ihm die gantze Zeit über, dieser äussersten Noth, mit Wasser unterhalten und versorgen würde.
Ein Sicilian Sebastian de Pollere genandt, schlug vor, mit distilliren und überziehen eine gute Menge Wasser zu verschaffen, für welche Erfindung ihm Don Alvaro eine große Verehrung versprochen. Also ließ er durch die Teutschen, so allda waren, achtzehn-Brenn-Zeuge verfertigen, weil man nicht Materie, mehr dergleichen zu machen, bey der Hand hatte, und also grieff man zum Werk, aber was man immer brennete, so konte man doch des Tages nicht mehr, als fünff und dreissig Barilen, oder kleine Väßlein, und bißweilen nicht mehr als fünff und zwantzig überziehen, welches ein kleiner Vorrat für so viel Volcks war. Dieses überdistillierte Wasser ward so süsse befunden, daß wenn es mit Wasser aus den Zieh-Brunnen vermenget ward, wie saltzig dasselbe auch war, dennoch keinen unangenehmen Schmack gab. Der General Alvaro machte demnach eine Vermischung auf diese Weise: Er nahm fünfftzig Väßgen Zieh-Brunnen-Wasser, vierund zwantzig von dem distillirten Wasser und hundert von dem Wasser aus Cisternen, und wenn er das also zusammen gemenget, gab er davon zwey Saltzierlein des Tages für einen jeden Soldaten, der in dem Gewehr, und eines für denjenigen, so nicht bewehret war.«
*Fuke*, die,
beschreibt Doornkaat, Ostfr. Wörterbuch I 567 als ein »Stellnetz mit weit aufgesperrten Seitenflügeln, was sich nach innen zu immer mehr verengt und hinten eine kleine Öffnung zum Durchschlüpfen der Fische hat, vor welchem wieder ein zweites kleines Netz (Kikebus) vorgebunden wird, um solches abbinden und die gefangenen Fische mit Leichtigkeit herausnehmen zu können. Fig. Enge, Klemme, Bedrängnis.« Es gibt auch noch ein friesisches Wort fak = Fischbehälter, Umzäunung im Wasser für den Fischfang; beide kommen offenbar -- verwandt mit pangere von einer Wurzel pak in der Bedeutung fassen, greifen halten, umfassen, umschließen.
*Fuse* s. Bake.
G.
*Gaan achter!*
und gaan vor! sind Kommandos beim Wenden, auf Handelsschiffen öfters gehört. Auf Kriegsschiffen wird: »Rund achtern«, »Rund vorn!« kommandiert, was deutlicher und zutreffender ist, denn auf dieses Kommando hin sollen sich doch die Segel, bezw. Rahen von dem einen Bord nach dem andern drehen und das können sie nicht ohne daß man an das Rundgehen eines Karrussels erinnert wird. Gaan ist die niederdeutsche Form für gehen, gemeint ist rund gehen.
*Gaffel*, die.
Wenn man in deutschen Wörterbüchern liest: »Gaffel, eine Art Rahe«, so ist damit wenig genug gesagt, und das Wenige ist nicht einmal richtig. Denn die Segel an Bord werden ja in Rahsegel und Gaffelsegel grade mit Rücksicht darauf unterschieden und auseinandergehalten, ob sie an einer Rahe, ob sie an einer Gaffel befestigt sind. Wenn nicht gesegelt wird so steht die Rahe quer zur Längsachse des Schiffes, die Gaffel aber liegt mit ihr in einer Linie. Gaffel bedeutet Gabel, wegen der gabelförmigen Gestalt in der sie sich an den (Schnau-) Mast anschließt, ihn gaffel-, gabelartig umfassend. Wegen der Ableitung kommt das althochdeutsche gibil = Giebel in Betracht, (gothisch gibla, altnordisch gafl, Giebel in gabelförmiger Gestalt, so daß die beiden Giebelbalken, am Dachfirst übereinander ragend, sich kreuzend, eine Gabel bilden, Edda: gafl, gabelförmige Giebelwand), verwandt mit gebal, Schädel, und also mit dem griechischen kefale, Kopf, von indogermanischer Grundform ghebhala. Den Giebel kann man sich sehr wohl als den Kopf, das Haupt des Hauses vorstellen. Von der (gabelförmigen) Gestalt desselben hat sich dann erst die Bedeutung Gabel entwickelt, aber bereits im Althochdeutschen, gabala, mittelhochdeutsch gabile. Man hat zwar behauptet, Gabel komme von geben, aber dann müßte man an eine Heu- oder Mistgabel denken, denn Eßgabeln sind eine sehr junge Erfindung; es sind noch keine 200 Jahre her, daß ein Altenaer Drahtzieher sich über solch ein Ding als etwas ihm Unbekanntes wunderte, und ein Meierin in der Grafschaft Limburg ihre Leute aufforderte: »Kinner, wasket iuk de finger, vi hett silad.« Von der Ähnlichkeit mit Giebel käme dann weiter gapan = gaffen, klaffen, gähnen, den Mund weit aufmachen; ginundagap = Chaos, Urzustand der Erde in der germanischen Mythologie. Französisch gable = Giebel. Dietz sagt, das erinnere an das altlateinische gabalus = Kreuz; »da indessen das Wort in den übrigen romanischen Mundarten fehlt, so wird es ratsamer sein, es auf das althochdeutsche gabala, Gabel, als seine nächste Quelle zurückzuleiten.« Nach Grimm, Deutsche Sagen, I. 7. wäre der Name des gothischen Stammes der Gepiden mit Gaffel verwandt. Er erzählt nach Jornandes, die Gothen wären anfangs aus Scanzien unter Berich blos mit dreien Schiffen ausgefahren. »Von diesen Schiffen fuhr eins langsamer wie die andern, darum wurde es Gepanta (das gaffende) geheißen und davon bekam der Stamm den Unnamen der Gepiden.« »Die gewöhnliche Ableitung von beiten (goth. beidan) warten ist unzulässig, die hier gegebene von Gapan, Gepan, unserm Gaffen, dagegen natürlich; das Wort bedeutet: das Maul aufsperren, stutzen, gähnen, und hat gleich dem lat. hiare den Nebensinn von harren, faul und unentschlossen sein.«
*Gaffelgeer*, s. Geer.
*Gaffelklau*, s. Klau.
*Gala*, die.
Die Uniform der Seeoffiziere bei besonders feierlichen Gelegenheiten. Aus dem Arabischen. Es gibt zwar ein althochdeutsches Wort geili, Üppigkeit, Stolz, Prunk, und das würde der Bedeutung nach das Etymon sein können; auch könnte man an das althochdeutsche galan denken, welches singen, (daher Nachtigal), fröhlich sein, Feste feiern bedeutet, so daß Gala also ein Festgewand wäre. Das ist es auch, aber der deutsche Sprachgebrauch bietet, so viel ich sehen kann, keinen Anknüpfungspunkt, während im Spanischen gala schon früh Feierkleid, Anstand, Anmut heißt. Da liegt der Gedanke an das arabische chalach, Ehrenkleid als fürstliches Geschenk, so nahe, daß wir ihn nicht abweisen dürfen, wenn uns einer mit dem griechischen kalos, schön, oder agallein schmücken, dazwischen kommen möchte.
*Galeere*,
Galei, Galeide, Galee, Galé, Galea, Galia, Galine, Galeasse, Galeone, Galeote, Galiote, Galeazza, Galerate, Galione, Galizabra, Galeota u. s. w. sind verschiedene Formen eines Schiffsnamens dessen einfachste Gestalt Galee ist. Bei allen landesüblichen Verschiedenheiten ist doch bis in die neuere Zeit dies festgehalten worden: es handelt sich um ein *schmales* Schiff das *gerudert* wird, oder, wenn es für gewöhnlich auch segelt, doch in gewissen Fällen gerudert werden kann. Hier eine lateinische Beschreibung aus Venedig aus dem Jahre 1501: »Galeacearum quamlibet cuparum quingentarum sub tegmine: in detecto autem totidem pondus deportare, inquiunt. Cupas (Tonnen) vero singulas ponderis mille librarum computant ... Galeacearum quaelibet ducentorum fere hominum ministerio, stipendio conductorum indigere videtur. Ad remorum, ac velorum administrationem, centum quinquaginta addicuntur, tot enim remos quaelibet ipsarum (quamvis ob Navigii magnitudinem remis parum utantur) affert. Nam solo tempore malaciarum, ut proximum aliquem portum ingrediantur, et exeant, aut se in aliquam partem mutent, et convolvant, remis agitur.« Und eine niederdeutsche (Rostock 1519): »So we avervaret mit einer Galleiden, dat is ein lankhaftich schip, unde geit van dem einen over bet to dem anderen jo bilank dem overe unde holt alle nacht to lande, unde heft sostich banke in beiden halven, unde to jewelker bank horen dre man mit roderen unde en schutte, unde nemet alle dage versche spise unde kost, des men in den koggen nicht hebben mach.«
Zur Erklärung hat man auch hier gemeint, das Arabische heranziehen zu sollen und an châlia, junges Kamel, dann kleines Schiff gedacht. Und wer wüßte nicht, daß umgekehrt das Kamel oft genug »das Schiff der Wüste« genannt worden ist. Aber wir haben eine nähere, bessere Erklärung: das griechische galeos, Haifisch, oder galeotes, Schwertfisch. Namentlich die Gestalt des letzteren dürfte bei der Benennung den Ausschlag gegeben haben, war auch besonders passend wegen des »Rammsporns« von dem wir in einer alten Beschreibung der Galea lesen: »lignum a prora praefixum habet et vulgo calcar dicitur, quo rates hostium transfiguntur percussae.« Althochdeutsch galie, galine = Galeere, langes Ruderschiff, davon galiner, Schiffer auf einer galine, und galinhus, Schiffshaus, Arsenal. Mittelhochdeutsch hieß galiot Seeräuber, Schiffer, Fährmann, eigentlich Galeerensklave. Gerade durch die armen an die Ruderbank Jahre lang Tag und Nacht angeschmiedeten Gefangenen ist das Wort Galeere ja zu weiterer Verbreitung gelangt als andere mittelalterliche Schiffsausdrücke.
Für unsere heimische Seefahrt kommen jetzt nur noch (Galeassen) Galjassen (s. Fastgaljaß) und Galioten in Betracht. Letztere, Wangerooge sagt galjot, haben zwei Masten und ein rundes Heck, wodurch sie sich von den Galjassen mit plattem Heck unterscheiden.
*Galion*, *Gallion*, das,
ist ein Vorbau vor dem Vorsteven. Noch vor Kurzem, ehe der Eisenschiffbau alle alten Formen über den Haufen warf, ragte das Gallion mehr oder weniger weit nach vorn in mehr oder weniger schön geschwungener Form, so daß von dem Verlauf seiner Linien viel von der Schönheit eines Schiffes abhing. Es war aber eigentlich eine unnütze Beschwerung des Vorschiffes und beförderte die Kielgebrechlichkeit. Bald wird von dem ehemaligen Bau nur noch zweierlei übrig sein.
1. Das Gallion im Sinne von Abtritt. Wo das Gallion überragte eignete es sich hierzu besonders gut, namentlich wenn eine Mamierung als Leitungsröhre untergenagelt war. Der Mann der die Sitze und Grätings reinhält führt den Titel Gallionsinspektor. Jetzt ist es dem Gallion gegangen wie der Kombüse. Es ist an irgend einen passenden Ort im Schiffe verlegt worden, aber der Name ist geblieben.
2. Das Gallionsbild, eine Figur in der die Linien des Gallions bezw. des Buges auslaufen oder mit der dieser Teil des Schiffes geschmückt ist. Der Schmuck muß in Beziehung zum Namen des Schiffes stehen. Trägt es den Namen eines Menschen, so ist dessen Büste üblich; eines Tieres, so wird das ganze Tier in Holz nachgebildet. Bei anderen Namen hilft man sich mit Wappen, Emblemen, Allegorien, Idealfiguren u. s. w. In den Niederlanden wurde als Gallionsbild lange Zeit ausschließlich der niederländische Löwe verwandt, so daß »der Löwe« gleichbedeutend mit Gallionsbild war.
Der Name »Galion« bezeichnete Jahrhunderte hindurch namentlich in Spanien und Portugal, schwere dreimastige Kriegsschiffe, s. Galeere. Es kam vor, daß Galionen einen Vorbau hatten von mehr als dem zehnten Teil ihrer ganzen Länge. Als nun der Name als Bezeichnung einer Schiffsgattung außer Gebrauch kam, ist er wenigstens in eingeschränkter Bedeutung als Bezeichnung des vordersten Teiles, des Teiles der für jene Schiffe besonders bezeichnend war, geblieben. Und zwar ging das so zu, daß längere Zeit hindurch Galion beides hieß: Schiff und Vorbau; Kilian: galeon navis major und rostrum navis.
Die Edda, die ein Gallion nicht kennt, kennt aber ein geschnitztes Bild am Vorsteven, das offenbar das Bild eines menschlichen Gesichtes vorstellen sollte, denn es hieß grima, die Maske. Wenn sie daher den vordersten Teil des Schiffes hofud, Haupt, nennt, so ist das nicht bloß dichterisch zu verstehen, sondern wir haben dabei an ein wirkliches, am Vorsteven angebrachtes Gallionsbild in Gestalt eines menschlichen Hauptes zu denken.
Bei den Alten nannte man zwei starke mit eisernen Spitzen versehene Balken am Vorderteil der Kriegsschiffe rostra, Schnäbel; griechisch embola. Mit denselben suchte man die feindlichen Schiffe zu rammen. Die den Antiaten abgenommenen Rostra wurden als Siegestrophäen auf dem Forum aufbewahrt, woher dann die Rednerbühne und der sie umgebende Raum den Namen rostra führte. Bekannt ist die columna rostrata des Duilius.
*Garn*, das,
ein dünnes Gespinst aus Hanf, einfach, doppelt, drei- und mehrfach zusammengedreht. Das dünnste ist das Nähgarn, zweidrähtig zum Nähen der Segel. Dann kommt das Segelgarn, dann das Kabelgarn, das zu allen Arten von Tauwerk zusammengeschlagen wird; Schiemannsgarn s. Schiemann, Stoßgarn, Liengarn, Trensgarn u. s. w. Gewisse Arten, z. B. Schiemannsgarn, wurden früher an Bord selbst gesponnen und mit einer Mühle, Woid genannt, gedreht. Daher bildlich »ein Garn spinnen« = eine Geschichte erzählen indem man sehr ausführlich wird und die Sache in die Länge zieht.
*Gangspill* s. Spill.
*Garnat* s. Stagtalje.
Nicht zu verwechseln mit dem kleinen wohlschmeckenden Seekrustentier, das in Holland Garneele und Graneele, in Ostfriesland Garnat und Granat heißt. Letzteres ist offenbar die ursprüngliche Bezeichnung wegen der beiden eigentümlichen und sehr auffälligen Fühlhörner die ganz wie Gerstengrannen aussehen.
*Gat*, das,
oft in der Verkleinerungsform Gatje oder Gatchen, heißt eigentlich nichts anderes als Loch, sei es für sich allein, sei es in Verbindungen wie Hellegat, Speigat, Soldatengat. Die Grundbedeutung ist: Öffnung durch die man oder etwas hindurchgehen kann, von der Wurzel ga = gehen. Gothisch gatoo, althochdeutsch gaza, Gasse; altnordisch gata, Pfad, schmaler Gang. Beówulf geat = Öffnung, Tor, durch das gegangen wird; Edda: gatt, Eingang, Tür (Gatter). Teuthonista: gat = hol, lock. Bei Kilianus hat gat schon die Bedeutung, die im Mittelniederdeutschen weit verbreitet war (und es in Holland heute noch ist: foramen podicis, so daß dorten sogar der sogen. cul de Paris »het gatje« hieß:) »Unde hadde one yn deme water ghehat, mit beyden benen wente an dat gath.« »Unser vyande stryt is dat, dat se uns vleigen in dat gat.« »So prechtig seten er de Kleder up er gat.«
Überhaupt heißt wie das Hinterteil eines jeden Dinges, so auch besonders des Schiffes Gat. Ein rundgattet Schiff ist ein Schiff mit rundem, gerundetem Heck, im Gegensatz zu einem plattgatteten.
Gat wird auch topographisch gebraucht für eine enge Durchfahrt, z. B. Kattegat (Katzengat), Schottegat auf Curaçao: Waghenaer, 1588, schreibt: »Van Garmsey tot Jarsey S. O. ontrent vyf mylen, al waer mede goede Rede is: van Jarsey tot S. Malo ontrent Zuyden ist acht mylen ende is een tye hauen daer Clippen voor 'tgat liggen.«
*Garnierung* s. Wägerung.
*Gast*, der.
Dieses Wort wird in besonderem seemännischem Sinne gebraucht um einen Mann (Matrosen etc. etc.) zu bezeichnen der vorübergehend irgendwo einen Posten auszufüllen hat, z. B. Oberbramsegelsgast, Rudergast, Bootsgast. Aber auch (eigentlich fälschlich, da Gast doch nur einen irgendwo vorübergehend sich Aufhaltenden bedeutet) zur Bezeichnung einer dauernden Verwendung, wie Steuermannsgast; ja sogar eines *Lebensberufes*: Zimmermanns-, Bäckers-, Malers- etc. etc. Gast. Mehrzahl sonst meist Gasten, jetzt mehr Gäste, da das Hochdeutsche über das Niederdeutsche die Oberhand gewinnt. Sowohl unserem Gast als dem lateinischen hostis liegt die westindogermanische Form ghostis = Fremdling zu Grunde, (dessen Wurzel ghas = essen sein soll, so daß ein Gast also zuerst als Esser erscheint). »Beachtenswert ist« sagt Kluge treffend, »nach wie verschiedenen Seiten Germanen und Römer das alt ererbte Wort für »Fremdling« begrifflich umgebildet haben: dem Römer wird der Fremdling zum Feind, bei den Germanen genießt er die größten Vorrechte.«
In Holland und Ostfriesland heißen die Armenhäuser Gasthäuser, entsprechend den hochdeutschen Elendenherbergen, Unterkunftsstätten *für Fremde*.
*Gebeling*, die,
(auch wohl Gobelung) ist eine im Laderaum angebrachte Bretterwand, die in der Kielrichtung läuft und verhüten soll, daß die Ladung übergeht, d. h. beim Schlingern von der einen auf die andere Seite geschleudert wird. An das niederdeutsche Zeitwort kippen, das allerdings sich auf die Seite legen, stürzen, fallen, rücken, hin- und herbewegen, stoßen, schlagen, umschlagen bedeutet, ist nicht zu denken, schon darum nicht, weil diese Wand gerade das Umschlagen der Ladung verhindern soll. Offenbar ist Gebeling eine niederdeutsche Weiterbildung von Giebel, ostfriesisch gäfel, sonst niederdeutsch und niederländisch gevel. Denn dieses gevel heißt nicht nur Giebel, sondern auch -- ebenso wie Giebel auch -- Giebelwand, und hieraus konnte sich leicht der allgemeine Begriff Wand entwickeln. Vergleiche altnordisch gafl, Giebel, Endwand eines Hauses; norwegisch gavl, Endbrett, Querbrett.
Durch die niederländische Form geveling, die dänische geveling oder die schwedische gafling hat sich Roeding verleiten lassen, anstatt Gebeling Geweling zu schreiben, wozu im Deutschen kein Grund vorhanden ist.
*Geck*, der.
1. Die Gabelstange einer Pumpe, in der der Geckstock, der Pumpenschwengel, sich dreht.
2. Eine Rauchhaube, ein drehbarer Schornsteinaufsatz.
Da das Wort auch sonst im Niederdeutschen ein (drehbares) Gelenk bedeutet, so ist anzunehmen, daß der Begriff des Drehens, des Drehbaren in diesen Wörtern steckt. Vielleicht gehört auch Geck = Narr dazu, weil ein solcher als ein lustig tanzender, springender, sich drehender Mensch gedacht werden kann. S. auch Giek und Gig.
*Geer*, die,