Etymologisches Wörterbuch der deutschen Seemannssprache
Part 15
ist eine militärische Feierlichkeit an Bord der Kriegsschiffe im Hafen, nämlich das feierliche Hissen der Flagge um 9 h. a. m. und das feierliche Niederholen (nicht Streichen) derselben bei Sonnenuntergang. Dabei tritt die Wache ins Gewehr, die Musik spielt den Präsentiermarsch und der Flagge werden die militärischen Ehren erwiesen, während die an Deck befindlichen Offiziere durch Anlegen der Hand an die Mütze sie grüßen. Das ist ein alter Brauch. Von der abendlichen Flaggenparade erzählt schon Frohnsberger 1565, er gebraucht zwar das Wort nicht und erwähnt auch die Flagge nicht, aber es ist doch nichts anderes. »Item wann es auf dem Meer oder Wasser schier zu der Sonne niedergang kompt, so entbieten alle umbhaltende oder fahrende Schiff dem öbersten Potentaten ehr und reverentz, zu dreymal auff einander, durch ein laut und groß Wasser, gleich einem Ave Maria oder Feldgeschrey, oder werden etwan mit Stück Büchsen drey schüß kurtz auff einander, zum zeichen der nachtwach, gethan, dazu etwan mit Baucken, Trommeten, sampt anderen Pfeiffen und Trummen, überlaut zum dritten mal gegen deß öbersten Schiff erzeiget. Hergegen wird dem gantzen Hauffen oder allen Schiffen, so umbher oder mit fahren und halten, hinwider ein gruß mit dancksagen erzeigt, darauff die Losungen auff etliche stund, zu halber oder gantzer nacht, nach dem es dem Herrn gefällig, empfangen.«
*Flaschenpost*, die.
Wenn Schiffbrüchige ihre letzten Grüße auf einen Zettel schreiben, in eine Flasche stecken und diese fest verschlossen über Bord werfen, in der Hoffnung, es werde ein günstiger Strom sie an irgend eine zivilisierte Küste treiben, so nennt man dies eine Flaschenpost, wiewohl es mit unserem Lehnwort Post (von positis equis) wenig genug zu tun hat. Man wirft aber auch ohne schiffbrüchig zu sein zuweilen Flaschenposten über Bord mit Angabe des Ortes, des Datums und der Adresse des Absenders, um aus dem Orte ihrer Ankunft auf die Richtung der Meeresströmung schließen zu können.
*flau*,
flaue Brise = schwacher Wind; davon die Wendung »der Wind flaut ab«, wird schwächer; auch: »das Interesse flaut ab«, »flaue Geschäftszeit« etc. etc. Wenn wir das Wort vom althochdeutschen flawen fließen, strömen, schwimmen, waschen, spülen, ableiten dürfen, so ist das Wort nicht nur jetzt seemännisch, sondern ist es auch immer gewesen, und wir hätten uns die Bedeutungsentwicklung so vorzustellen: auf oder im Wasser schwimmend, durch Liegen in Feuchtigkeit erweicht, weich, matt, schwach, kraftlos, gleichgültig (wie ein »Waschlappen«), verschwommen, blaß.
*Flechting*, die.
Scheinbar sind die beiden einander an Steuerbord und an Backbord entsprechenden Hofdtaue zwei Taue, in Wirklichkeit bestehen die beiden aber aus einem Tau, das in der Mitte ein großes Auge hat, mit dem es über den Top des Mastes gestreift wird, so daß die eine Hälfte nach Steuerbord, die andere Hälfte nach Backbord fährt. Dieses Auge muß fest um den Mast sitzen und glatt anliegen, so als ob es um den Mast geflochten wäre. Da ihrer mehrere über einander zu liegen kommen, so sieht das Ganze in der Tat wie ein Geflecht aus, und der Name hat also seine Berechtigung.
*Flibustier*,
der = Seeräuber, stammt in seiner gegenwärtigen Gestalt aus dem Französischen, aber der Ursprung ist deutsch. Es gibt in England ein Fährschiff das den Namen flyboat führt und aus den Niederlanden übernommen ist, wo es vlieboot heißt, nach den Vlielandern auf Vlieland, welche Insel durch het Vlie von Terschelling getrennt ist. Da es nun geschichtlich nur zu fest steht, daß die Bewohner der ganzen friesischen Küste von den ältesten Zeiten her bis zu den Tagen der Kontinentalsperre nicht immer die Seefahrt als »erlaubten Nahrungszweig« betrieben, sondern den Bremer und Hamburger Schiffen ebenso gut nachgestellt haben, wie die binnenländischen Ritter den Wagen der Kaufleute auf der Landstraße, so könnte das Wort schon von Fliebooter kommen, wenn nicht die alte französische Form fribustier neben flibustier stünde. Das kann ja nun eine der überall so beliebten aus sprachphysiologischen Gründen geschehene Verwechslungen von l und r sein. Doch wäre es denkbar, daß dieses r als organisch angesehen werden könnte, und dann müßte man das Wort von Freibeuter ableiten; sonst auch Aventurier, und im Mittelalter Vitalienbrüder (s. d.) genannt, in amerikanischen Gewässern bucaneer, französisch boucanier, von boucan einem caribischen Worte für räuchern, weil die ersten französischen Ansiedler auf Hayti wilde Ochsen und Schweine jagten und ihr Fleisch räucherten, dann aber auch gegen die Spanier freibeuterten. Vlieboote waren seegehende Kriegsschiffe; im Treffen bei Cadix 1596 waren ihrer etliche mit Erfolg tätig auf Seite der Engländer, »Durchläuchtigste Seehelden« I. 405: »In allen diesen grausamen Gefechten, waren der Englischen nicht über hundert Mann geblieben, wiewohl viel von ihren Schiffen offtmals durch und durch geschossen worden, ja etliche wol zu Zwey- und zwantzig malen. Der Pinas, des Ritters Robert Southwell, der zu Kühn war, das Schiff Philippus anzugreifen, ward mit demselbigen verbrandt, das Volck aber davon gerettet. Einer von den holländischen Vlie-Booten, der sich durchgehends tapffer und wol gehalten, gerieth auch durch sein eigen Pulver in Brandt, und blieb mit allem Volck, ausgenommen sieben oder acht Mann, die durch angewendeten grossen Fleiß erhalten wurden.«
*Flieger*, der,
ein für gewöhnlich nicht gefahrenes, auf Kriegsschiffen überhaupt nicht übliches Segel das nur bei gutem beständigem Wetter zwischen dem Stengenstagsegel und dem Bramstengenstagsegel gesetzt wird, überhaupt alle zwischen den eigentlichen Stagsegeln angebrachten Hilfsstagsegel. Ein Schiff mit solchen gewährt einen besonders schönen Anblick und kann auf den Beschauer den Eindruck erwecken als flöge es.
Auf Wangerooge heißt dagegen flieger eine schmale Flagge die am Maste fliegen gelassen wird und die durch ihr Fliegen die Windrichtung angibt. Vergl. Verkliker.
*flott*,
ist das was schwimmt, weshalb auch im Niederdeutschen die Sahne, der Rahm der auf der Milch schwimmt, Flott genannt wird; dergleichen ein auf der Suppe schwimmendes Fettauge. In übertragener Bedeutung »flotter Bursch, flotter Student«, im 18. Jahrhundert zuerst in der Studentensprache gebraucht. Das Wort ist verwandt mit dem griechischen ploo schwimmen, plotos schwimmend, das auf einer Wurzel plu beruht, die, im Lateinischen pluit es regnet, pluvium Regen bildend, im Althochdeutschen zu flawen geworden ist. Angelsächsisch flowan und fleotan, fließen, altnordisch floa auf dem Wasser treiben, altfriesisch fleta fließen, dazu fleth, flethe, flette = beweglich, vlottend gued = bewegliches, mobiles Gut, Möbel. Wenn ein Anker sich vom Grunde losgerissen hatte und trieb, so nannte man ihn altfriesisch flodfarend und billigte dem vor seinem Anker treibenden Schiffe Suspension der Seevorschrift zu: »Iding thing is ter set umbe thes flodfarende anckeren.«
Wenn ein Schiff »aufgefahren« ist, so werden alle Versuche angestellt, es wieder flott zu bekommen, es wieder zum Schwimmen zu bringen. In den »Durchlauchtigsten Seehelden« 1681 wird flott = gehend gebraucht. Peter Petersen Heyn, der holländische Admiral, machte einen Anschlag wieder die Portugiesen in Bahia, »darüber die Holländer nicht mehr als fünfzig Mann verlohren, nebenst etlichen Verwundeten, worunter der Admiral selber war, welcher eine Kugel durch den linken Arm, und einen Splitter vor das Schienbein bekommen hatte. Sein Schiff benebenst dem Schiffe Geldria geriet auch auf den Sand, da sie von dem feindlichen Geschütz tapfer getroffen wurden. Geldria, wiewohl es mehr als sechzig mahl getroffen ward, ward endlich wieder *flott oder gehend*, aber das Admiral-Schiff ward also fest sitzend beschossen, kunte aber nicht wieder flott oder gehend werden, daher es in den Brand gestecket und verlassen ward.«
*Flotte*, die,
ein Verband von Schiffen, Kriegsflotte, Handelsflotte, Fischerflotte, Panzerflotte; auch der ganze Bestand einer Nation an Kriegsschiffen, »die deutsche Flotte« etc. etc. Das Wort stammt von der unter flott angegebenen Wurzel und hat sich selbständig im niederdeutschen Sprachgebiet entwickelt. Es gibt allerdings auch ein italienisches, gleichbedeutendes Wort flota, portugiesisch frota, spanisch flota, französisch flotte. Aber unser »Flotte« hat mit ihnen nichts zu tun, weit eher umgekehrt. Denn wenn die romanischen Wörter auch von fluctus kommen, da altfranzösisch flote Menge, Schwarm hieß, -- man sagte flote de gens, flote de nefs, flote de poile, Haarflocke --, ja wenn es auch sogar den Anschein hat, als sei das Wort nach Hochdeutschland -- *nach* 1565, da der Ulmer Leonhart Frohnsperger es noch nicht kennt und statt dessen Armada sagt, wie denn überhaupt seine Kenntnisse sich auf südliche Seemannswörter beschränken, von der Hansa und deren Sprachgebiet hat er kaum eine Ahnung -- nicht aus Niederdeutschland, sondern aus dem Mittelmeer gekommen, was aus der Form in der es zuerst auftrat: Flotta zu schließen ist und um derentwillen es 1617 im »Teutschen Michel« als Fremdwort verspottet worden ist, so bemerkt doch Diez gewiß richtig, daß seine ursprüngliche Bedeutung durch den Einfluß des niederländischen vloot eine der modernen sich anbequemende nähere Bestimmung erhalten habe. Jedenfalls hat an den Küsten der Nordsee Flotte schon früh eine Vereinigung von Schiffen bedeutet. Altfriesisch flothe: »ende thet bi der Elwa biland tha flothe.« Und wenn auch im Beówulf flota nur ein einzelnes Schiff bedeutet, so genügt das Wort dennoch zum Beweis für ein vom Mittelmeer unabhängiges Dasein.
Dagegen ist Flottille rein romanischen Ursprungs vom spanischen flottilla, kleine (Silber-)Flotte, 18. Jahrhundert.
Der Übersetzer der »Durchläuchtigsten Seehelden« 1681 gebraucht das Fremdwort Flotta und das einheimische Flotte neben einander; wahrscheinlich hat er ersteres aus seinem hochdeutschen Sprachbewußtsein, letzteres aus seinem Original, das holländisch geschrieben ist. Eine holländische Flotte segelte 1628 nach Westindien unter Pit Heyn. »Das Schiff, der schwartze Reuter, das Einhorn und der Fuchs, bekamen Befehl vorauß zu segeln, und darob zu seyn, daß sie deß Morgens allezeit wieder bei der Flotta seyn möchten. Und als sie sich den zehenden Julii auf der Höhe von vierzehn Graden und sechs und zwantzig Minuten, und deß andern Tages auf dreyzehen Graden und vier und fünfzig Minuten Norderbreite befunden, befahl der General (Admiral Heyn nämlich) der Jacht (Aviso!) dem Fuchs, nach dem Untergang deß Mondes vorauß zu segeln, und wenn sie etwa Land gewahr würden, der Flotte solches mit einem Schuß kund zu thun.«
*Flut*, die,
das Zuströmen, Anschwellen des Wassers, oft gleichbedeutend mit Welle, vielfach im übertragenen Sinne (Flut von Schimpfreden, altfriesisch im Sinne von Einfall, Überfall: »jenst den wilda witzinges (Seeräuber) floed«). Stammt mit den unter flott und Flotte besprochenen Wörtern von der Wurzel plu, flu = fließen; davon gothisch flodus, Flut, altnordisch flod, angelsächsisch flod, althochdeutsch fluot; auch in vielen slavischen Wörtern die in irgend einer Verbindung mit Wasser, schwimmen fließen, stehen steckt dieselbe Wurzel. Was man aber unter Flut im engeren und besonderen seemännischen Sinne versteht, das ist der Gegensatz zu Ebbe, das Heranfließen des »kommenden«, »steigenden« Wassers; mit Ebbe zusammen eine Tide bildend, doch so, daß Flut in der Verbindung beider das größere Gewicht hat, so daß bei Tide immerhin mehr an die Flut als an die Ebbe gedacht wird.
*Fluttor* s. Schleuse.
*Fock*, die,
das unterste große viereckige Segel an dem nach ihm benannten *Fockmast*, entsprechend dem Großsegel am Großmast. War früher dreieckig, was schon daraus hervorgeht, daß es ein viereckiges Segel gibt, das Breitfock heißt; das kann nur Sinn haben, wenn die eigentliche Fock schmal d. h. dreieckig war, wofür auch der Name der Fock in den romanischen Sprachen zeugt, italienisch trincheto, portugiesisch traquete, spanisch trinquete, (das englische trinket ist zwar gleicher Herkunft, bedeutet aber ein anderes Segel, eins das jetzt noch dreieckig ist, ein Topsegel) vom lateinischen triquetrus, dreieckig; französisch trinquet, Fockmast, also Mast der dreieckige Segel trägt. Es heißt aber auch mât de miséne, von miséne = Fock. Daher hat Aubin (1702) bei der Übersetzung der holländischen Wörter breefock und stagfock das Wort fock beibehalten und foques de miséne gesagt. Er rechtfertigt das mit folgenden Worten: »Comme on ne sait point quel nom ont en François ces deux voiles qu'on voit, en Hollande, aux galiotes, et à diverses sortes de petits bâtimens, on prend la liberté de leur donner celuici, qui peut assez leur convénir, si en éfet il n'y en avoit point encore d'autres; et s'il y en a d'autres on sera obligé à ceux qui voudront les aprendre. Cependant on ne voit pas qu'on puisse se dispenser de parler de ces sortes de voiles. Elles servent toutes deux tour-â-tour, selon le vent, et jamais ensemble. C'est le mât où est la grande voile, qui les soutient aussi: elles sont par-devant vis-â-vis de la foque de beaupré. Celle qui s'apelle Bree-fok, est une voile quarée qui sert quand on a vent arriére, ou vent largue; et quand on va à la bouline (»beim Winde«) on l'ôte, et on lui substitue l'autre voile, apellée Stag-fok, qui est à tiers point, et fort pointue par le haut.« Unzweifelhaft ist also das Wort niederländisch-niederdeutsch, und an der Nordsee haben wir nach dem Etymon zu suchen. Nun kennt schon Kilian ein focke = minimum velum ad proram, also Stagfock, auch ein breede focke, aber auch ein Zeitwort focken = velefico. Focken hieß also schon damals ganz einfach »segeln«, wie es heute noch in Holland heißt. Ganz im Allgemeinen aber hat das mittelniederdeutsche focken den Sinn von *ziehen*, aufziehen. Die Fock ist also ein *Ziehding*, wobei es wenig ausmacht, ob sie gezogen wird oder zieht. Das Nächstliegende ist wohl, daran zu denken, daß sie aufgezogen wird, so daß also die Stagfock das Ursprüngliche und Namengebende wäre. Da man indessen hinten (im Boot) einen Treiber hat, warum soll man nicht vorne im Schiff einen Zieher haben? Es wäre dann also die (Stag-)Fock als das vorderste Segel als das Schiff hinter sich herziehend gedacht.
So sehr hat das niederdeutsche focken alle Bedeutungen von ziehen, daß das Wort auch für »es zieht,« »es ist Zug,« »Zugluft« gebraucht wird, selbst wenn der Zug sich zum Sturm verstärkt; dänisch fyge, in einem Schneesturm treiben, schwedisch foga, vom Winde gejagt werden, isländisch fok, Schneesturm; mittelhochdeutsch foche, Windfegemühle, fochen, das Getreide durch den Wind derselben von der Spreu sondern; dialektisch focher = Blasebalg; neuhochdeutsch fauchen; beim Teuthonista vocken = wehen.
Niederdeutsch heißt Focke ein Ort, wo es zieht, ein Platz der dem Winde sehr ausgesetzt ist.
Auch »von dannen ziehen« heißt das Wort im Mittelniederdeutschen. Im »Reinke de Vos« sucht der Fuchs den Wolf zu überreden, ihn frei zu lassen. Der antwortet ihm aber:
Og, wo sholdestu mi dänne fokken, Lete ik di los mid sodaneme lokken.
Auch ziehen im Sinne von erziehen und aufziehen heißt focken; in Ostfriesland wird es sowohl vom Aufziehen eines Menschen als auch eines Tieres, also für erziehen und züchten, gebraucht; fokkere, Züchterei, Viehhof, fokker, Erzieher, Züchter; doch ist zu bemerken, daß das Wort focker im Sinne von reicher Mann, Geizhals nicht von unserem focken stammt, sondern eine niederdeutsche Form für den Familiennamen Fugger ist, die schon Kilian gebraucht hat für Alleinhändler, Monopolist, monopola, ja er sagt sogar »pantopola vulgo fuggerus«; fokerye = monopolium.
Und damit ja keine Bedeutung von »ziehen« fehle, so heißt mittelniederdeutsch focken sogar »jemanden aufziehen« in der Bedeutung von foppen.
*Föhrde*, die,
eine Bucht, Bai, ein Meerbusen. Eigentlich eine Furt (mundartlich Fahrt), Fahrstelle, Fahrweg, Einfahrt, Durchfahrt; sodann in Ostfriesland das Thor einer Einfahrt; Sprüchwort: »wen de forde krakd, is se nog net to, wen dat kalf blarrd is het nog gen ko.« Altfriesisch forda, daher der alte Name für Münster i. W.: Mimigardaforda; englisch ford, Furt; altnordisch fjördhr, schwedisch, dänisch fjord; althochdeutsch vurt. Kommt nicht etwa von porta, sondern von fahren, weil, wenn man aus der offenen See kommt, die Föhrde den verengerten Weg darstellt, auf dem man in den Hafen oder die Flußmündung hineinfährt.
*Fracht*, die.
1. Gebühr für Beförderung der Waren.
2. die Ladung eines Wagens oder Schiffes,
3. die Ware selbst
Die zuerst genannte Bedeutung ist die ursprüngliche. Man hat zur Erklärung an das niederländische Iterativum von fahren: verchen = führen, gedacht und dabei eine Metathesis angenommen; dem könnte das schweizerische fergen, anfahren anbringen, die im Hause gefertigte Ware in der Fabrik abliefern, entsprechen, das jedoch auch eine Zusammenziehung von fertigen sein könnte, wobei zu bemerken ist, daß auch dann der Ursprung das Zeitwort fahren wäre. (Fertig: bereit zum Fahren). Einleuchtender ist aber die Ableitung vom althochdeutschen frehton verdienen, freht Verdienst, Lohn; französisch fret, spanisch flete, portugiesisch frete, mittellateinisch fretta, schwedisch frakt, dänisch fragt; englisch freight. Möglicherweise steckt unser fragen in frehton, daß man also an das Fragen im Sinne von Fordern, Ausmachen oder Ausbedingen des Lohnes für die Beförderung von Ware zu denken hätte. Doch ist zu bedenken, daß 1673 in der »Beschriving van der Kunst der Seefahrt« Fracht gleichbedeutend mit Reise gebraucht ist.
*Fregatte*,
jetzt ein großes, vollgetakeltes Kriegsschiff, dessen Gestalt und Größe sich aber bei dem Wechsel der Benennungen wie von Schiffen überhaupt, so besonders von Kriegsschiffen nicht genau angeben läßt. Bis vor Kurzem hießen in der deutschen Marine diejenigen Schiffe Fregatten, die vor zwanzig Jahren gedeckte Korvetten hießen und die man jetzt »Große Kreuzer« nennen könnte, wenn sie nicht Schulschiffe wären und hießen, »Stein«, »Moltke«, »Gneisenau« etc. etc., also Vollschiff mit Batteriedeck. Aber so wars nicht immer. Leonhard Frohnsperger in seinem »Kayserlichen Kriegßrecht«, 1565, führt alle zehn Arten von Schiffen auf die damals zu einer Armada gehörten:
Zu besserem verstandt und gemeiner eynleitung wirdt solches hiemit ungefährlichen nachfolgender gelegenheit zu halten fürgenommen, demnach ein oberster Kriegßherr oder Potentat, stattliches oder geringes vermögen, darzu in die nehe oder weite, auch lang oder kurtz mit einer Armada zu verrücken, willens oder vorhabens ist, so wirt ein jedes Schiff, so zu der Wehr gericht, mit seim eigen und besonderen Schiffherren oder Hauptmann, sampt der notwendigen Personen zu jeder sachen tauglich, auff nachfolgender monier, art oder gattung, versehen, etc.
Erstlich erfordert ein Armada vor allem, zu dem wenigsten ein groß gewaltigs Lastschiff, in oder bey welchem sich der öberst sampt sein verordneten Kriegßrähten, meistes theils eigner Person pflegt zu erhalten, derwegen solches vor allem mit gutem Kriegßvolck, Geschütz, Munition und Profandt nach notturfft, auch zu der Gegenwehr mit widerstand versehen.
Zu dem andern, so folgen aller nechst bey solchem etliche grosse streit Schiff, welche gleicher gestalt in ziemlicher grösse, vor den Galeen zum Schiff streit, Sturm oder Schlachten, mit gutem Geschütz, Kriegßvolck, Munition und ander notturfft, so denn zu dem schertz gehört, oder der sachen gemäß und tauglich, auch nach notturfft versehen werden, etc.
Zu dem dritten, folgen auff solche der grossen Galeen oder Galleatzen, welche auch nicht minderer gestalt dann hie oben vernommen, zu der Wehr und streit mit gutem Geschütz und dero zugehör, nach dem besten mit aller notturfft versehen.
Zu dem vierdten, folgt weiter bey solchen der geschnebelten grossen Galleen, welche mit guter Ruder Ordnung so zu dem nachtrieb, angriff oder lauff, auch sonst mit aller notturfft seiner art, nach dem besten versehen.
Zu dem fünfften, so wirt auch neben oder bey solchen, der gar grossen und hohen Galeen geschiffet, aber doch nicht so groß als die streit Schiff, welche vor andern zu dem Sturm und streit dienstlichen angeführt, auch mit aller notturft demnach verordnet werden.
Zu dem sechsten, werden auch daneben andere grosse Schiff, welche etwan Mathonen[1] genannt, mit geschiffet, so auch gleicher gestalt zu dem Feind mit Geschütz, Wehr und streit allermassen versehen, zur neben Profandt und ander Kriegßrüstung, darinn und mit fort gebraucht mag werden.
[1] Wenn wirklich damals die Galeeren Mattonen hiessen, so hat sich doch diese Bezeichnung ziemlich bald darauf eingeschränkt auf einen Teil einer Galeere, und noch dazu einen gar nicht besonders wichtigen oder hervorragenden Teil. Im vorigen Jahrhundert hiess Mattone nur »ein Tau, das an einen am untersten Ende des Carro befindlichen Ring befestigt wird, und vermittelst welches man die Rahe nach hinten oder nach vorne zieht, wenn man das Segel wenden will«. Natürlich handelt es sich um eine lateinische Rahe, deren unterer Teil eben Carro heisst.
Zu dem siebenden, werden nachfolgend grosse raub, jag und Rennschiff, auch zu gleich mit gutem leichtem Geschütz, und der Land oder Wasser art und gelegenheit erkündiget, mit Kriegßleuten wol besetzet, durch welche der Gegenteil oder Feind erstmals ersucht, zu Scharmützeln auß und an zu reitzen oder umbzuschweiffen, abgefertiget werden.
Zu dem achten, folgen auch einer Armada, groß, lang, tieff, weit Nachen, so aller massen und gestalt nach notturfft zum Streit, Krieg und Wehr, wie andere, mit geführt, und nach notturfft in widerstand gerüst und versehen werden.
Zu dem neundten, werden erklärter massen mittel und ander klein Nachen, welche auch etwan Rahaten genannt in ziemlicher anzal mit geführt, in welchen auch nicht minder allerley nottürfftige Kriegßrüstung, neben zu schiffen, mit verordnet und geführt werden.
Zu dem zehenden, werden ander art oder gattung aber noch kleiner Schiff, welche etwan Strazapinen auff Spannisch genannt unter solchem Zeug mit zu führen verordnet, darzu noch weiter ein ziemliche notturfft Zillen, Kannen oder Weidling,[2] auß oder in welchen von einem in das ander zu fahren oder kommen ist, solche werden aber doch fast neben andere so was groß, angehenckt, mit und fortgebracht, etc.
[2] Kommt, wie Zille, nur im oberdeutschen Sprachgebrauch für Boot vor; ob ursprünglich korbartig aus Weiden geflochten?
Zu oberzeltem schiffen werden noch mehr art oder Geschlecht vernommen, welches zu lang alles nach notturfft oder ein jedes insonderheit auszuführen ein überfluß, dieweil sonst ein jedes mit seinem eigen Namen, Fanen oder Panier, zu einem gemerck underschiedlichen verzeichnet, darmit eins vor oder gegen dem andern erkennt und gebraucht mag werden, zu dem so fehrt jede gattung nach der Armada gebrauch darzu, etwan mit aufrechtem oder außgesteckten Fendlein in ziemlicher weite von dem andern, doch in guter bequem und tauglicher Schiff und Zugordnung, welche der zal nach nicht wol müglichen underschiedlich zu erklären, dann ein Schiff etwan über drey, vier odert fünffhundert Personen, so hergegen ein schlechtes nit halb sovil, minder oder mehr, sampt anderer notturfft pflegt zu ertragen, etc.
Auffallenderweise ist hier nicht von Fregatten die Rede, wiewohl Frohnsperger doch sonst mit mittelländischen Seemannsausdrücken besser bekannt ist als mit niederdeutschen. Dagegen führt er unter den Schiffen die »auff der Donauw« fahren eine Fregaten auf, und zwar als »nit so vollkommenlich und starck als ein Bergantin oder ein Fusten«, also nichts Hervorragendes.