Etymologisches Wörterbuch der deutschen Seemannssprache

Part 12

Chapter 123,462 wordsPublic domain

auch wohl dreggen, heißt etwas auf dem Grunde des Meeres Liegendes auffischen, aus dem Wasser ziehen. Ziehen ist die eigentliche Bedeutung des Wortes. Es ist mit tragen verwandt, niederdeutsch dragen, altfriesisch draga, drega, angelsächsisch dragan, altnordisch draga, schwedisch draga, dänisch drage, englisch drag, gothisch dragan, althochdeutsch tragen, trakan -- alles heißt ziehen, schleppen, hinziehen, ausziehen. Das Werkzeug zum draggen heißt *Dragge*, *Dregge*, *Dreg*. Es ist ein ankerartiges Ding mit vier Armen, manchmal auch nur mit dreien, die auf dem Grunde des Meeres hin und her bewegt den gesuchten Gegenstand fassen, greifen, festhalten sollen, damit er in die Höhe gezogen werden kann. Weil man die Arme mit den Klauen eines wilden Tieres, etwa eines Drachen, vergleichen kann, so haben harmlose Erklärer an dieses fabelhafte Tier gedacht um das Wort zu erklären. Nicht besser ist die Erklärung des Bremer Wörterbuches: »dragge, eine Art Anker mit 3 oder 4 Haken. Vielleicht von traag = tardus, weil er das Schiff an der Fahrt hindert« -- also »träge« macht (!) Noch schöner ist das Wort Dragge von dem Herausgeber des Kilianus'schen Wörterbuches, Gerhard Hasselt aus Arnheim, 1777 gedeutet worden: »dregge a drieghen, quia eo pisces *decipiuntur*.« Nicht besser ist eine vierte Deutung, nach der dregge = dre-egge wäre: »tribus cuspidibus vel manibus anchora.«

Französisch drague, Hohlschaufel um Sand, Erde, Schlick aus dem Wasser zu ziehen; englisch drag, Zugnetz. Immer spielt der Begriff des Ziehens in die Bedeutung hinein.

Dann ist aber freilich, weil die Dragge oder der Dreg Ankergestalt hatte, die Zusammensetzung Dreganker aufgekommen, auch Draganker; man hat auch wohl Anker wieder fallen lassen ohne daß das Wort die Bedeutung änderte; so kommt es, daß im Wangerländischen drag Bootsanker heißt.

*Dragoman*, der,

ist ein bei auswärtigen Gesandtschaften, bei Konsulaten in See- und Hafen- und anderen Städten angestellter Dolmetscher. Das Wort ist ursprünglich chaldäisch und bedeutet Erklärung (targumim); davon arabisch targana, auslegen, übersetzen, dolmetschen; arabisch targoman, mittellateinisch dragumanus, drogamundus, italienisch dragomanno, spanisch dragoman, französisch drogman. Tragemunt war im mittelhochdeutschen ein weitgereister, sprachkundiger Pilger, nicht zu verwechseln mit dem schnellsegelnden Schiffe tragamunt, s. Schmack.

*Drehfeuer* s. Blinkfeuer.

*Drehreep*, das.

Roeding mißbilligt es, daß Drehreep oft mit Fall für ein und dasselbe gehalten werde. Das ist aber kein Wunder, denn sie haben beide denselben Zweck, ja es ist ursprünglich das ganze Fall der Rahsegel weiter nichts als ein Drehreep gewesen, nämlich ein Reep das bei (beweglichen) schweren Rahen an Deck genommen, ums Spill gelegt und gedreht wurde, wodurch die Rahe in die Höhe ging. Um dieses weitläufige Manöver nicht immer nötig zu haben, hat man an das Drehreep eine starke Talje (ein Takel) angebracht, mit der die Rahe bequem gehißt werden kann. Sie heißt Fall. Indessen muß beim Aufbringen oder an Decknehmen der Rahe auch heute noch die Talje ausgeschaltet und das Drehreep selbst an Deck genommen und, wenn auch nicht immer ums Spill gedreht, so doch mit kräftiger Besetzung geholt oder gefiert werden.

*Dreidecker* s. Deck. *Dreimaster* s. Mast.

*Dreischäftig*

heißt das Tauwerk, das aus drei Schäften, Strängen, Strähnen geschlagen ist, die man jetzt Kardeele nennt. Für die Abstammung dürfte am ehesten an das lateinische scapus, Schaft, Stiel, Stengel zu denken sein, und an seine Wurzel skap, die fassen, halten, befestigen bedeutet, so daß dreischäftiges Tauwerk solches wäre, das von drei Teilen zusammen*gehalten* würde.

*Drempel*, der.

Die Bretter die in den Stückpforten liegen und die vier Seiten derselben bilden. Sie bedecken die leeren Räume die zwischen den Inhölzern bleiben, damit zwischen dieselben kein Wasser dringen kann. Man unterscheidet einen Unterdrempel, zwei Seitendrempel, einen Oberdrempel, aber eigentlich gebührt der Name nur dem ersteren, und auch diesem nur uneigentlich, denn Drempel bedeutet Schwelle, Thürschwelle und kommt von trampen, trampeln, den unteren Teil des Thürrahmens, über den man ins Haus, in die Stube eintritt.

*Drift* s. Trift.

*Dübel*, der,

heißt in der österreichischen Marine (nach Dabovich) der Zylinderzapfen, hat aber mit dem Teufel nichts zu thun, sondern ist eine Umbildung des englischen dowel, welches jeden beliebigen Zapfen bezeichnet, französisch douille, lateinisch ductile von duco, ich führe; also eigentlich Führung(s-Zapfen).

*Dublieren*,

um ein Vorgebirge herumsegeln. Der Begriff des doppelten ergiebt sich leicht, wenn man bedenkt, daß man das umschiffte Kap einmal von der einen und das andere Mal von der anderen Seite, also doppelt, zu sehen bekommt. »Sailing along the coast he doubled the promontory of Carthage.«

*Duc d' Alben*, *Dukdalben*, *Dükdalben*.

Pfähle im Wasser, fest eingerammt und -- gewöhnlich zu dreien -- mit einander verbunden, zum Festmachen, Verholen u. s. w. von Schiffen dienend. Die falsche Meinung, der Name komme von dem des Herzogs von Alba, hat sich so festgesetzt, daß sie nur sehr schwer zu beseitigen sein wird. Allerdings heißt dieser im Holländischen Duc d'Alba, im Munde des Volkes Duc d'Alf. Der Gedanke an ihn lag also nicht allzufern, wenn man das Wort Dukdalben las. Ja es lag allzu nah, als daß man nicht Verdacht schöpfen sollte, denn das Nächste ist in sprachlichen Dingen nicht immer das Beste. So hat denn auch außer Onno Klopp in seiner ostfriesischen Geschichte meines Wissens niemand direkt und bestimmt gesagt, daß das Wort von Herzog Alba komme, es ist immer nur vermutet worden. Klopp bringt aber auch keinen Beweis für seine Behauptung.

Nun ist freilich das Wort vor der Zeit des 30jährigen Krieges unbezeugt. In den vielen Hansa-Rezessen, -Skraaen und sonstigen -Urkunden, die ich durchgesehen habe, habe ich nichts davon gefunden. Das 1400 geschriebene »Seebuch« kennt nichts dergleichen; Der Teuthonista, 1475 zu Cleve erschienen, ebenfalls nicht. Cornelius Kilianus Duffläus, 1548, kennt das Wort auch nicht, wiewohl er in Antwerpen lebte. Insofern könnte es also von Duc d'Alf kommen. Aber daß das Wort nicht bezeugt ist, beweist noch nicht, daß es nicht vorhanden war. Matthias Kramer, der im Jahre 1719 im Alter von 79 Jahren zu Nürnberg »Das königliche Nider-Hoch-Teutsch u. Hoch-Nider-Teutsch Dictionarium« veröffentlichte, könnte es haben wenn es von Alba herkäme, hat es aber nicht. Auch das um 1700 erschienene, in Amsterdam gedruckte »Dictionaire de Marine« von Aubin hat es nicht. Der Holländer Bilderdyk, ein scharfer Kopf, der vor 100 Jahren schrieb, hat es zuerst und nennt es auch gleich ganz richtig, oder wenigstens annähernd treffend »eene moedwillige verbastering von dokdulf.« Mit dem dokdulf hat er zwar nicht Recht, desto mehr aber damit, daß er die Form Duc d'Alf eine »mutwillige Verschlechterung« nennt. Wenn wir genau zuhören, wie der niederdeutsche Seemann sagt, so hören wir gar nicht Dükdalben oder Dükdalfen, sondern *Dükdallen*, und zwar mit dem dunklen niederdeutschen a das wie o klingt. Dallen, dollen sind aber Balken, Pfähle. In Stralsund heißen die Pfähle am Bollwerk Dallen. In Friesland heißt unser Wort dykdollen; Halbertsma: »stirpes modicae arborum ad corroboranda lignea aggerum propugnacula;« also genau wie in Stralsund. Ist -dallen so klar gestellt, so fragt sich was das Dük- bedeutet. Es ist früher an Deich = Diek gedacht worden. Aber es liegt ein anderer Gedanke viel näher, das ist der an das niederdeutsche Zeitwort duken. Wir übersetzen es gewöhnlich mit tauchen, es bedeutet aber vor allen Dingen ducken, beugen, neigen, wie in der Wendung »de bomen duken sik för de wind.« Und diese Bedeutung paßt vortrefflich. Die Pfähle der Dükdallen stehen nicht gerad aufrecht, sie sind schief eingerammt, stehen im Winkel zu einander geneigt; die Dallen sind also gedukt -- und das Gedukte ist gerade das in die Augen Fallende, das Charakteristische an ihnen: daher Dukdallen, das zu Dükdallen geworden ist wie Duker, der Taucher, zu Düker. So rechtfertigt sich auch der Plural. Es heißt stets Dükdallen, nie, auch wenn nur von einem einzelnen die Rede ist, Dükdall; das würde unverständlich sein, wenn an den Alba zu denken wäre, versteht sich aber von selbst, sobald wir an mehrere Dallen denken, die zu einem Dükdallen gehören.

*Ducht*, die,

Ruderbank. Manchmal auch Duft, da f und ch sehr oft in einander übergehen. Das holländische doft hat Aubin (1702) mit banc de Galëre, de Galéasse übersetzt: »c'est un siége pour asseoir ceux, qui tirent à la rame, soit forçat, bonavoglie, ou matelot.« Doft oder Docht ist ein gemeingermanisches, sehr frühes Wort, althochdeutsch dofta, angelsächsisch thofte, und kommt von einer Wurzel, die bücken, niederbücken, sich *ducken* bedeutet, so daß Ducht die Bank ist, auf der diejenigen sitzen, die sich beim Rudern vorn über neigen, nach vorne bücken, das ist eine zu bezeichnende Bewegung beim Rudern, als daß sie nicht hätte zur Bezeichnung verwandt werden sollen. Vielleicht auch ist dabei gedacht an das Niederhocken der Ruderer auf der Ducht.

*Ducht* (nannte oder) nennt man auch einen aus einer Anzahl Fäden zusammengedrehten Strang; drei Duchten bilden ein Kardeel, mehrere Kardeele werden zusammengeschlagen zu einem Tau. (s. dreischäftig) Dieses Wort hat mit dem obigen nichts zu tun, sondern ist unser hochdeutsches Docht; mittelhochdeutsch und althochdeutsch taht, altnordisch thattr, Faden, Docht.

*Durchdrehen*,

unabsichtlich, durch einen Fehler des Mannes am Ruder beim Segeln am Winde so hart an den Wind gehen, daß der Wind das Segel von der verkehrten (vorderen) Seite füllt, »back« legt, und so das Schiff dazu kommt, über den Achtersteven, rückwärts zu segeln; eine, besonders bei schwerer See nicht ungefährliche Sache. Man nennt das auch wohl »eine Eule fangen«, wohl Anklang an das Sprichwort: »do hät en Uhl säten«, »da ists unglücklich zugegangen«. Französisch faire chapelle. »Durchgedreht« sagt der Seemann auch von einem, der einen Sparrn zu viel hat, oder den er im Ärger für »verrückt« erklärt, ohne daß der Betreffende wirklich geisteskrank zu sein braucht.

*Durchholen*,

ein Tau durch einen Block holen, ohne daß zugleich eine Last, die an dem Tau befestigt wäre, geholt würde, also das lose Tau holen, »die Lose durchholen« wie der seemännische Ausdruck lautet. Da dieses kein anstrengendes Geschäft, sondern eher ein Vergnügen ist, so heißt »die Lose durchholen« auch im Munde des Seemanns »sich amüsieren«. »Da wollen wir einmal die Lose durchholen«, sagt wohl einer zum andern nach langer Seefahrt angesichts des winkenden Hafens.

*Dürrkessel*, s. Kessel.

*Düne*, die,

Sandhügel, Sandrücken, sandige Erhöhung am Meer. Es ist an Verwandtschaft mit dem griechischen thin, Haufe, Sandhaufe am Meeresufer, gedacht worden und an eine Sanscritform, die eilen, laufen bedeutet, so daß die Düne wegen ihrer Veränderlichkeit und Beweglichkeit so hieße (Weigand); aber dem widerspricht doch sehr der Gebrauch des Wortes in allen keltischen Sprachen, wo es als Endung keltischer Städtenamen geradezu einen festen, befestigten Ort bedeutet; gaedhelisch dun, kymrisch din, Breizonek, kornisch dun: Anhöhe, Burg, Hügel; englisch town, Stadt und down, Düne; französisch dune. Vielleicht verwandt mit der Wurzel des althochdeutschen Zeitworts thenian, dehnen, ausdehnen, in die Höhe gehen.

*Dünung*, s. Deining.

*Dwaidel*, der,

ein Wischer, aus alten Lumpen gefertigt, die an einem Stiele befestigt sind, womit der Matrose auf Handelsschiffen, namentlich kleineren, sein Fahrzeug reinigt. Auch Dweil. Ist das sonst im Niederdeutschen gebräuchliche Dwele, Handdwele, altdeutsch dwahila, niederländisch dwaele, englisch towell, franz. touaille, wangerländisch dweil. Hochdeutsch Quehle und Zwehle mit großer Verwandtschaft in allen germanischen und romanischen Sprachen. Grundbedeutung: Etwas zum Netzen, Naßmachen, Waschen.

Davon Zeitwort dweilen, waschen, Deck waschen.

(Davon durch Aphäresis des d und indem der Lippenlaut w zu einem Zungenlaut f wurde: Faidel, Feidel, Feudel, Scheuertuch).

*Dwars*

bedeutet *quer* und ist nur eine andere, niederdeutsche Form eben dieses Adverbiums. Althochdeutsch twer, dwer, angelsächsisch thveores, altnordisch thvers, altfriesisch thwers, twers, mittelniederländisch dwars. Im »Seebuch«, 1400, dweers, im Teuthonista dwerss; Kil. dwaers, dweers. In oberdeutschen Mundarten zwerch. Das Wort wird an Bord oft gebraucht, namentlich bei Geschwadermanövern, wo neben der Kiellinie die *Dwarslinie* eine wichtige Formation der Schiffe ist.

In Ostfriesland wird dwars und dwas auch außerhalb der Seemannssprache überall da gebraucht, wo man im Hochdeutschen quer gebraucht, sogar dwaskop wird für Querkopf gesagt; von dwas, dwass im Sinne von verdreht kommt dann unser vulgäres dwatsch.

»Dwars ab« von einem Turm, einer Bake heißt, sich dem Turm oder der Bake gerade gegenüber befinden. »Item twisschen Engelandesende unde Lizart middes in de Montzbaye licht en hochachtich berch, dat is ene gude kenninge, also en man kumpt dwers ut der See« heißt es im »Seebuch« (1400); Engelandesende ist das, was wir jetzt kurz Landsend nennen; noch bei Waghenaer, 1588, heißt dieses Vorgebirge Engellandesende.

E.

*Ebbe*, die,

das Zurückfließen des Wassers nach einer Flut und der Stand des niedrigsten Zurückgeflossenseins. Man hat das Wort mit ebnen zusammen bringen wollen, so daß Ebbe die ausgleichende, ebnende Meeresbewegung darstellte, durch die nach den Anschwellen der Flut der Meeresspiegel wieder gleich und glatt gemacht würde. Aber das tut die Ebbe gar nicht, sie macht das Meer weder eben noch gleich, bringt es nicht auf den mittleren Wasserstand, sondern unter denselben hinunter, macht also den Wasserstand immer aufs Neue wieder ebensogut wie die Flut ungleich. Auch hat es nichts mit dem in »Abend« steckenden Begriff des Abnehmens, des Sinkens zu tun, vielmehr kommt für die Erklärung das gothische ibuks, sich rückwärts bewegend, in Betracht, und das althochdeutsche ippihhon, zurückrollen, und abuh, abgewendet, umgewendet, verkehrt; mittelhochdeutsch ebech, ebich, ebch = umgedreht; noch heute in oberdeutschen Mundarten im Gebrauch, wo gesagt wird: »Du hast deinen Strumpf auf die ebche Seite angezogen«, »der Baum steht auf der ebchen (der Sonne abgekehrten) Seite des Berges«; auch eber, aber, appa, Stelle am Ufer wo das Wasser still steht (Ulm), und für das Schmelzen des Schnees gebraucht (»es ist so schön appa, sand d' Alma so grün«, schwäbisch, »der Schnee ist weg (und deswegen) sind die Hochweiden so grün«). Ebbe ist also das sich rückwärts bewegende, zurückfließende, zurückkehrende Wasser im Sinne des lateinischen recessus. Altfriesisch ebba: »dy Frisa thoer oen neen heerferd fora fara dan mitta ebba ut ende mit da floed op.« Angelsächsisch ebba, englisch ebb, hier besonders oft im übertragenen Sinne gebraucht, »I felt them slowly ebbing, name and fame«, Tennyson; auch als Adjectivum: »The water there is very low and ebb«, Holland. Mittelniederdeutsch schon ebbe, niederländisch eb, dänisch ebbe, schwedisch ebb, französisch (1702) ebe, il y a ebe.

Eine Ebbe und eine Flut zusammen heißt eine Tide, (nicht englisch, sondern deutsch auszusprechen).

*Eiland*, das,

im Munde des niederdeutschen Matrosen gebräuchliches Wort für Insel. Man hat es mit Einland erklären wollen, allein für sich im Meer liegendes Land, ähnlich wie Einsiedler gebildet. Bedenkt man aber, daß in der Edda ey für sich allein schon Insel bedeutet; norwegisch oy, schwedisch ö, dänisch oe, mittelhochdeutsch owe, awe, ouwe, ouge, auwe, ouw, auw, althochdeutsch awa, auwa, ouwa, owa; mittelniederländisch ooghe, oghe, aeghe, auge; friesisch oge, oog; (neuhochdeutsch Aue, grünes, wasserreiches Land; daher Aurich, Owen in Württemberg, die »goldene Aue« und viele Zusammensetzungen mit au), und daß alle diese Formen sich dem gothischen ahva = Wasser, lateinisch aqua, ungezwungen zugesellen lassen, so kann kein Zweifel sein, daß Eiland nichts weiter als Wasserland, Land im Wasser bedeutet. Die Wurzel ist ak, sich bewegen, eilen, rennen (daher auch equus, das Pferd) *rinnen*; erhalten in vielen deutschen Ortsnamen, die am Wasser liegen: Kreuznach, Teinach, Neckarsteinach, (dann in vielen Flußnamen in denen das k zu einem h verflüchtig und dieses demnächst ganz ausgefallen ist: Ahe und A, auch Ehe, wohern Emden = Ehemünden). Bei der Neigung, aus a ein o zu machen (Wald, wold, Karl, Korl) mußte ach im Niederdeutschen, besonders im Friesischen zu og, oog, ooge werden; Wangerooge, Spiekeroog, Langeoog, Schirmonnikoog, Middoge, Nordernye(oog); (die Erklärung: Auge ist schön gedacht aber nicht sprachlich begründet). Wir haben in dem ei von Eiland eine der zahllosen Formen zu sehen, die a = Wasser im Niederdeutschen angenommen hat; wangerländisch öeland, mittelostfriesisch oyelauhn, mittelniederdeutsch eyland, eland, oland; altfriesisch alond; schwedisch öland (die Insel Oeland, vergl. Far oer, Far-Inseln).

Im Jahre 1286 hieß der Name der Insel Neuwerk am Ausfluß der Ebbe: O; 1299 und 1300 kommt dann die Bezeichnung nova O vor; vergl. Greifswalder Oie.

*Einbuchtung*, s. Bucht.

*Einender*, s. Kessel.

*Einfieren*, s. Fieren.

*Einholen*, s. holen.

*Einkeepen*, s. Keep.

*Eins*,

seemännische Redensart: »in Eins bringen«, d. h. zwei feste Punkte am Lande so peilen, daß sie sich decken, daß sie *ein* Punkt werden. »Du darfst (um in die Moolen einzufahren) das Ruder nicht eher hart Steuerbord legen, als bis du das rote Licht und die große Bake »in Eins« gebracht hast, oder auch bloß »in Eins« hast.«

*Eisdragge*, Eisanker s. Dragge.

*Eisenkrank*,

ist ein (hölzernes) Schiff, dessen Eisenteile, namentlich die Bolzen verrostet sind und der Ausbesserung bedürfen. Krank kann eigentlich nur sein, was lebet und sich zu bewegen vermag (vergl. krängen), aber der Seemann personifiziert gern, namentlich sein Schiff, wie denn überhaupt das Volk gerade durch Personifikation sich sehr treffend auszudrücken vermag; »die Tür schreit nach Öl« wenn sie rankst; »die Stange will ihr Recht«, sagte ein Maurer, der Löcher für eine Eisenstange machen sollte in die Leibung eines Fensters; vergl. deisen.

*Embargo*, der,

eine Beschlagnahme eines Schiffes, sei es im Kriege durch eine feindliche Macht, sei es im Frieden durch obrigkeitliche Anordnung. Durch Embargo wird das Schiff verhindert, den Hafen zu verlassen, also in seiner Bewegung beschränkt. Daher ist die Form des Wortes und die nächste Herkunft zwar spanisch, die Abstammung aber deutsch, denn das mittelhochdeutsche barre (s. Barre) hieß schon nicht mehr bloß Balken, sondern Zaun, Gehege, *Schranke*.

Früher nannte man »ein Schiff mit Embargo belegen« auch das, was jetzt zu den Obliegenheiten der Schiffsbesichtigungskommission (s. d.) gehört. In England ist das Wort so gang und gäbe, daß man es bildlich anwenden kann, »to lay an embargo on free speech.«

*Ende*, das.

Seemännisch das Ende (oder auch der Anfang) eines Taues; dann aber auch alles was zwischen Anfang und Ende ist, das ganze Tau. Ende ist der Punkt oder die Stelle in Raum und in der Zeit wo etwas aufhört. »Da indessen zwischen Anfang und Ende stets eine gewisse Strecke und Länge (dem Raum und der Zeit nach) liegt und ein Ende nicht sein kann, ohne daß vom Anfang bis zum Schluß von Etwas eine gewisse Raum- und Zeitlänge verfließt, so gebraucht man das Wort Ende auch in der Bedeutung von einer mehr oder weniger langen Erstreckung und Ausdehnung in den Raum oder in die Zeit hinaus.« (Doornkaat). So spricht man von einem kürzeren oder längeren Ende Wurst, oder sagt: ich will dich noch ein Ende begleiten. Zu bemerken ist, daß, wenn man bei einem Tau von einem Ende spricht, man zwar zunächst an einen Teil eines Taues denkt, daß der Teil aber nicht etwa abgeschnitten zu sein braucht; im Gegenteil, nur weil er noch ein Teil vom Ganzen ist, kann das ganze Tau nach ihm Ende genannt werden, pars pro toto.

Sprichwörtlich sagt der Seemann: »da ist das Ende von weg«, d. h. »es hört »sich« alles auf«, »es ist gar nichts mehr zu machen,« »es steht sehr schlimm.«

*enkelt*

heißt einzeln und wird in der Verbindung enkelte Part gebraucht für ein Tau, das nicht eine Talje bildet, nicht (in gleichsam zwei besonderen Teilen) über eine Scheibe läuft, überhaupt ohne technisches Hilfsmittel, also auch ohne Kraftersparnis, wie ein gewöhnlicher Strick, gebraucht wird.

Bei Kilianus eenckel, simplex. In Westfalen heißt en enkelten daler ein Taler in *einem* Stück; in Ostfriesland oft im Gegensatz zu doppelt gebraucht, auch für einfache, nicht gefüllte Blumen. Verwandt mit dem gothischen ainakls, einzeln, einsam, wobei Uhlenbeck auf das altschwedische aenkja Witwe und aenkil, Witwer, hinweist.

*entern*,

ein feindliches Schiff in der Seeschlacht mit *Enterdreggen* (s. Dragge) an sich ziehen um dasselbe zu ersteigen und zu erobern; dabei wurde eine säbelartige Waffe geschwungen, die in der Marine noch als »*Entermesser*« bekannt ist. Vom spanischen entrar, lateinisch intrare, hineingehen, welches bereits auch die Bedeutung eindringen, hineindringen, angreifen hatte, die unserm entern eigen ist. Das englische to enter wird in den allerverschiedensten Bedeutungen auch seemännisch gebraucht, to enter into a harbour, to enter a ship at the custom-house, aber nicht im Sinne von entern, das heißt board = »to go on board a vessel; specifically, to enter a vessel by force in combat.« Das Gleiche gilt für das Französische; da kommt entrer oft genug vor, unser entern aber heißt aborder, und das Substantivum abordage, zugleich ein Übersegeln, Rammen. Kilianus kennt das Wort noch nicht, er hat wohl ein endteren, aber das bedeutet bei ihm »schnattern wie eine Ente.« Auch Leonhard Frohnsperger 1565 gebraucht das Wort nicht an einer Stelle, wo er es hätte gebrauchen müssen, wenn es ihm bekannt gewesen wäre, und es wäre doch gerade bei ihm am ehesten zu vermuten, da er unter Carl V. gedient hat und mit seiner ganzen Seemannschaft stark dem Spanischen zuneigt; vergl. das Kapitel seines berühmten Buches »Von Kayserlichen Kriegßrechten etc. etc.«: »Von dem Meer, See, Schiff oder Wasser krigen, fahren und ziehen, sampt dero nottürftigen gebräuch, an Kriegßvolck zu Roß und Fuß, Geschütz und Munition, in lust, schimpff oder ernst, gegen Freunden oder Feinden, zu halten und zu gebrauchen.« MDLXV Kluge: »seit Stielers Zeitungslust 1695 verzeichnet; schon bei Chyträus Kap. 36 bezeugt.«

In der bisher behandelten Bedeutung ist aber das Wort angesichts der neuzeitlichen artilleristischen Seekriegsführung so gut wie veraltet, da wohl kaum je mehr ein Schiff wird geentert werden. Desto mehr Bedeutung hat aber das Wort und wird es behalten in einem anderen Sinne. In Anlehnung an den Begriff hinüberklettern, hinaufklettern, der in Entern liegt, hat man durchgängig in der Seemannssprache das Wort entern für »klettern« in Gebrauch genommen, und zwar nicht nur für das Hinaufsteigen, was ja dem eigentlichen Sinne noch entsprechen würde, sondern auch für das demselben entsprechende Wiederhinabsteigen: aufentern, niederentern. Kommandos: »enter auf!« »enter nieder!«