Etymologisches Wörterbuch der deutschen Seemannssprache
Part 11
achteraus gehen. Deisig oder diesig nennt der Seemann trübes, nasses, unfreundliches, »dreckiges«, nebliges Wetter. Es ist anzunehmen, daß das nordische mist für Nebel, diesiges, deisiges Wetter, wegen des Schmutzigen, Schmierigen, Mistigen des Nebels gewählt ist. Wenn aber für deisig mistig gesagt werden kann, so lag bei deisig auch der Gedanke an Mist machen, seine Notdurft verrichten nahe. Bei diesem Geschäft gehen viele Geschöpfe rückwärts, »über den Achtersteven«; man denke an einen Hund, oder auch an noch edlere Wesen. Auf diese Weise mag deisen zu der Bedeutung achteraus gehen, »über den Achtersteven« gehen gelangt sein. Bestärkt werde ich in dieser Vermutung dadurch, daß man von einem rückwärtsgehenden Schiffe auch sagt: »es deist aufs Gat«, und Gat heißt nicht nur Loch im Sinne der Ehre, sondern auch der Unehre.
Im Althochdeutschen hieß der Mist, der Stalldreck deisk, daisk.
*Deissel*,
Deiksel, Deksel, der, ein vielgebrauchtes Werkzeug der Zimmerleute, einer Axt ähnlich; doch steht beim Deissel die Schneide nicht parallel zum Stiel sondern perpendiculär. Das Wort kommt von einer Wurzel die hauen, hacken, spalten bedeutet und ist mit Deichsel zusammenzustellen, niederdeutsch dissel, althochdeutsch dihsila, mittelhochdeutsch dichsil, weil eine Deichsel ursprünglich nur eine abgehauene Stange war. Deichseln oder deikseln heißt etwas mit dem Deissel oder Deiksel zurechthauen und wird an Bord oft auch auf andere als hölzerne Dinge übertragen, etwa im Sinne von machen, fertig bringen. »Das wollen wir schon deikseln«, »das werden wir schon kriegen;« »das hast du fein gedeikselt!«
*Dempgordinge*, die,
sind die Taue mit denen der Besan gegeit wird, die Besansgeitaue, und zwar wird mit ihnen der obere schiefe dreieckige Teil des Besans nach der Besansgaffel zu geholt, während der untere Teil, der grade, viereckige mittelst der Besansbrook nach dem Schnaumast zu gegeit wird. Das niederdeutsche Zeitwort dempen heißt (s. Doornkaat) ersticken, löschen, niederdrücken, vermindern, stopfen, drückt also das, was in der Tat mit dem Segel geschieht beim Segelbergen, mit aller Deutlichkeit aus. Davon das Substantivum demper, dämpfer, »dar mut ins 'n demper up setd worden«, und das Adjectivum dempig, asthmatisch. Niederländisch dempen, mittelniederdeutsch dampen; in einer Urkunde von 1450 kommt das Wort vor im Sinne von »de kulen dempen und towerpen.« Althochdeutsch demphan, mittelhochdeutsch dempfen, dämpfen.
*Deplacement*, das,
ist das Gesamtgewicht eines Schiffes. Man unterscheidet totes Gewicht und nützliche Zuladung. Zum Gewicht gehört (Dick und Kretschmer I. 29.)
1. Das Gewicht des Schiffskörpers mit allen seinen Einrichtungen.
2. Das Gewicht der Bemastung mit Segeln, Takelage und Rundhölzern, der Kambüsen, Wasserkasten.
3. Das Gewicht der Mannschaft mit Leibesbedürfnissen, des Proviants, des Speise-, Wasch- und Trinkwassers.
4. Das Gewicht der Ausrüstung, des Inventars und Materials.
5. Das Gewicht der Maschinen, der Kessel mit darin befindlichem Wasser, der Kondensatoren, Rohrleitungen, des Treibapparats (Schraube, Schaufelrad und dergl.) mit Zubehör, der Reserveteile, des Materials und Inventars für die Maschine.
6. Das Gewicht des Heizmaterials zur Dampferzeugung in den Kesseln und für sonstige Betriebe.
7. Gewicht des etwa benötigten Ballastes.
Die nützliche Zuladung oder Nutzladung umfasst:
1. Gewicht der Frachtgüter.
2. Gewicht der Passagiere mit Leibesbedürfnissen (Effekten), deren Proviant und Trinkwasser.
Hierzu tritt bei Kriegsschiffen:
3. Gewicht der Geschütze mit Munition, der Torpedoarmierung mit Munition, des Panzers mit Holzhinterlage, des Panzer- und Schutzdecks, des Korkdamms, der Besatzung, der sonstigen Artillerie-, Torpedo- und Sprengdienstausrüstung, der elektrischen Einrichtungen, Apparate und Hilfsmaschinen.
*Detail*, das.
Inventar und Material an Bord stehen unter besonderer Aufsicht von Deckoffizieren, so das jeder sein ihn angehendes besonderes Teil zu verwalten hat. Diese Einzelnheit heißt Detail, Bootsmannsdetail, Steuermannsdetail etc. etc. Französisch détailler, eigentlich zerschneiden, von tailler, mittellateinisch taliare, zerstocken. Detail als ein zugeteiltes Stück würde seinen völlig ausreichenden und bezeichnenden Ausdruck finden in dem Worte Teil.
*Deutel*, der.
»Kleine viereckige spitze Keile von eichen Holz, welche in die Köpfe der hölzernen Schiffsnägel getrieben werden, damit sie durchaus fest schließen, und das Wasser auf keine Weise bey den Seiten der Nägel durchdringen kann«. (Röding). Das Wort heißt in Holland auch dreutel und dreutel ist offenbar auch bei uns die ursprüngliche Form gewesen. Wegen der Aussprache des Holländischen dreutel = drötel dürfen wir das Wort von dröteln ableiten, der niederdeutschen Form und Aussprache für das Hochdeutsche trödeln, dessen eigentliche Bedeutung drängen, pressen, drücken ist. Trödeln in unserem gewöhnlichen Sinne des Wortes heißt also sich langsam Herum*drücken*, sich um eine Arbeit drücken, oder auch wie man kurz zu sagen pflegt: »sich drücken«. Die Bedeutung des Drückens, Drängens hat unserm Dreutel oder Deutel den Namen gegeben, weil der Holzkeil mit Gewalt in den Holznagel hineingedrängt wird. Um dies desto leichter zu können schlägt man vorher mit einem Eisen welches aber dieselbe Gestalt des Deutels hat und *Deuteleisen* heißt, ein Loch in den Kopf des Nagels.
*Deviation*, s. Variation.
*Diagonalboot*, das.
Der Name bezieht sich auf die Bauart der Bordwand des Bootes, oder der Außenhaut. Beim Diagonalboot besteht diese aus zwei Plankenlagen die entweder so angeordnet sind, daß die einzelnen Gänge in einem Winkel von 45° zum Kiel geneigt sind und sich gegenseitig ungefähr rechtwinklig kreuzen oder daß nur die innere Lage die diagonale Richtung hat und die äußere in der Längsrichtung des Bootes verläuft. Beide Lagen werden durch kupferne Gatnägel mit einander verbunden.
*Dichten.*
Die wichtige seemännische Arbeit die einzelnen Nähte zwischen den hölzernen Schiffsplanken wasserdicht zu machen. Dieses Dichten hat also mit der Dichtkunst eines Goethe oder Schiller nichts zu thun, die aus dem lateinischen dictare herkommt, sondern ist mit Deich und deichen verwandt. Das mittelniederdeutsche diken heißt noch deichen und dichten zugleich (deichen, dämmen, dicht machen, stopfen und graben.) Die gemeinsame Bedeutung ist: aus einem weichen, leicht zu bearbeitenden Stoff einen Schutz gegen eindringendes Wasser herstellen. Das Nähere über dichten s. u. kalfatern.
*Diesig*,
auch deisig, nennt der Seemann ein nasses, kaltes, unfreundliches, trübes, nebliches Wetter; ein Wetter das auch »mistig« genannt wird. Diesig und mistig sind sehr nahe Bedeutungsverwandte, weil beide von Wörtern abstammen die »Excremente« bedeuten. Denn mistig kommt von Mist; zwar zunächst in der bei den germanischen Sprachen so weit verbreiteten Bedeutung von Nebel, aber die geht doch weiterhin wegen des Schmutzigen, Schmierigen des Nebelwetters auf Mist = Kot zurück. Und diesig, deisig, geht zurück auf das althochdeutsche deisc, daisc, dheisc, theisc = Mist, Dünger, Unrat. Beide Eigenschaftswörter, diesig und mistig, bezeichnen also »dreckiges Wetter.«
*Dingey*, *Dingi*, das.
Das kleinste der Schiffsbeiboote, gebraucht wenn ein einzelner Offizier, ohne viele Umstände zu machen und ohne eine größere Bootsbesatzung dem Schiffsdienst zu entziehen, von oder an Bord gehn will. Diese Bootsart ist erst in den letzten dreißig Jahren aufgekommen. Name und Sache stammen aus Ostindien: »dinghi, dingey, a boat varying in size in different localities: the dinghies of Bombay are 12 to 20 feet... the dinghies of Calcutta are small passage-boats for the poorer classes, rarely used with a sail; they are not painted, but merely rubbed with nut-oil, which imparts to them a sombre colour. This name is now also applied to a ship's small-boat.«
*Dippen*,
die Flagge, sie zum Gruße niederholen. Das Wort müßte eigentlich diepen geschrieben werden. In Ostfriesland heißt es düpen und bedeutet tiefen, tiefer machen, niedriger hängen, herunterziehen. Die neuerdings (Herbst 1900) zwischen der Mehrzahl der deutschen Reedereien getroffene Vereinbarung über den Austausch des *Flaggengrusses auf See* für die Schiffe der deutschen Handelsmarine enthält folgende Bestimmungen: 1. Sobald ein in Sicht kommendes Schiff als solches erkannt wird, mit dem Flaggengruß zu wechseln ist, ist sofort die Heckflagge zu setzen, ohne Rücksicht darauf, ob das andere Schiff dieselbe bereits führt, oder welchem Schiff die Pflicht des ersten Grußes obliegt. Die Flagge ist zu setzen, so lange die Positionslaternen nicht angezündet sind. 2. Die Pflicht des ersten Grußes hat: a. wenn ein Schiff vom andern überholt wird, das überholende Schiff, b. wenn eines der Schiffe still liegt, das in Fahrt befindliche Schiff, c. auf den von Europa ausgehenden Linien das auf der Ausreise befindliche Schiff, d. in allen übrigen Fällen dasjenige Schiff, das am nördlichsten steht. Beim Ein- und Auslaufen auf Häfen, sowie auf Revieren (d. h. Flüssen s. Revier), hat immer das nach See steuernde Schiff zuerst zu grüßen. Das hiernach zum Gruß verpflichtete Schiff hat seine Flagge zu dippen, sobald das andere Schiff in der Peilung zwei Strich vorderlicher als dwars steht, jedenfalls aber nicht später; die Flagge bleibt dann solange gedippt, bis von dem anderen Schiff der Gegengruß erfolgt ist, und ist alsdann wieder vorzuheißen. Haben die Schiffe einander passiert, so hat das zum ersten Gruß verpflichtet gewesene Schiff die Flagge zuerst wieder niederzuholen, sofern die Flagge nicht aus besonderen Gründen gesetzt bleiben muß.
*Dirk*, die,
hieß früher auch das Piekfall der Besansgaffel, jetzt heißt so nur noch die Besansdirk oder Besansbaumdirk, kurzweg auch Baumdirk, neuerdings auch Besanstoppnant oder Baumtoppnant genannt, das Tau mit dem der Besansbaum aufgetoppt, oder wie man wegen der Dirk sagt, aufgedirkt wird. Dirk als Abkürzung von Dietrich ist ein im Gebiet der deutschen Seemannssprache sehr verbreiteter Vorname. Auch der falsche Schlüssel Dietrich heißt hier Dirk, und ein Schloß mit einen solchen öffnen nennt man dirken. Irgend einen Zusammenhang zwischen diesem Dirk und der seemännischen Dirk habe ich vergeblich gesucht. Daß Spitzbuben hinter Dietrich, dem beliebten Vornamen, ihr Diebeswerkzeug in der Gaunersprache zu verbergen suchen, beweist Kluge dadurch, daß der falsche Schlüssel auch Peterchen und Klaus genannt wurde. Man findet das begreiflich, weil sie das Ding nicht beim rechten Namen nennen durften. Aber warum sollte dies auch bei der Baumtoppnant der Fall sein?
Wir müssen uns daher anderweitig umsehen. Die Dirk, sei es als Piekfall, sei es als Baumdirk, dient zum Auftoppen, man *zieht* also etwas damit in die Höhe. Es mag daher der Begriff »ziehen« in Betracht kommen, der in dem niederdeutsch-niederländischen Zeitwort trecken steckt; es hieß dieses im Gotischen trikan. Davon konnte leicht ein Substantivum trik gebildet werden. Da aber das vorgermanische Thema zu trikan darg ist, so mag trik auch drick gesprochen worden sein; drik aber konnte leicht, schon in Erinnerung an darg, aber auch sonst durch Metathelis leicht zu dirk werden, so daß die Dirk also ein Ziehding wäre. Das sind freilich alle Taue, aber warum soll nicht wenigstens eins davon von Ziehen den Namen haben?
Unter den vielen Bedeutungen die das englische trick hat ist auch eine im Sinne von »Zug.«
*Dispacheur*, der,
der Mann, der Sachverständige, der schätzt, berechnet und verteilt, wieviel ein jeder, der an einem Schiffe Anteil hat, zahlen muß, zur Ausgleichung des Schadens, wenn das betreffende Schiff Havarie gelitten hat. Es muß ein vereidigter, vertrauenswürdiger, zu dem Amte staatlich bestellter Mann sein.
Das Wort kommt von Dispache und dieses vom spanischen despachar, abfertigen; englisch despatch; französisch dépécher; deutsches Fremdwort depeschieren, Depesche. Das Zeitwort soll vom spätlateinischen dispedico -- dis als Negation und pedica, Fessel -- kommen, würde also einen bedeuten, der mit ungefesseltem, eiligem Fuß abgefertigt ist, eine Botschaft zu bestellen, zu expedieren.
*Division*, die.
Dieses Wort wird in der Marine in dreierlei Bedeutung gebraucht:
1. Die gesamte Mannschaft eines Schiffes wird, wie in seemännischer Hinsicht in Wachen, so in militärischer Hinsicht in Divisionen eingeteilt, also in Verbände, die man ungefähr den Kompagnien bei der Landarmee vergleichen könnte.
2. spricht man von Matrosendivisionen, Werftdivisionen, neuerdings auch von einer Schiffsjungen-Division. Das sind militärische Verbände am Lande, von einem Stabsoffizier kommandiert, etwa den Regimentern vergleichbar.
3. heißt Division ein Verband von Kriegsschiffen, ein Teil eines Geschwaders oder einer Flotte. Es besteht zur Zeit über die Anzahl dieser Schiffe noch kaum eine bestimmte Vorschrift, doch wird in Zukunft die Vierzahl eine große Rolle spielen. In früheren Zeiten waren ziemlich genau bestimmte Zahlen festgelegt. Nach Brommy bestand eine *Flotte* gewöhnlich aus wenigstens siebenundzwanzig Linienschiffen, außer Fregatten und anderen Fahrzeugen, und wurde in drei *Geschwader*, jedes zu drei *Divisionen*, geteilt. Aubin, 1702, sagt über Division: »C'est une certaine quantité de vaisseaux d'une armée navale, qui sont sous le commandement d' un Ofizier Général. La signification de ce terme n'est pas encore bien déterminée, car on s'en sert quelquefois pour marquer la troisième partie d' une armée navale, qu'on apelle autrement Escadre, et quelquefois c' en est la neuvième partie, ce qui arive lors-que l'armée est distribuée en trois escadres; car alors chaque escadre est distribuée en trois divisions, comme il se pratiqua pendant les campagnes navales de 1672 et 1673 dans la jonction des armée de France et d' Angleterre. Celle d' Angleterre formoit deux escadres, la rouge et la bleue, chacune partagée en trois divisions, et l'armée de France, qui formoit l'escadre blanche, étoit aussi distribuée en trois divisions. »Le Duc d' York commandoit l'escadre rouge, qui formoit le corps de bataile. Le Comte de Montaigu, ou de Sandwich, commandoit l'escadre bleüe qui faisoit l'aile gauche, et le Comte d'Estrée commandoit l'escadre blanche, qui faisoit l'aile droite. II y avoit aussi trois escadres dans l'armée de Hollande, et chaque escadre etoit pareillement distribuée en trois divisions. Sa marche étoit sur une ligne droite: le Lieutenant-amiral Général de Ruiter etoit an milieu avec la principule escadre«« ... Was also in Zukunft die Vierzahl bedeuten wird, bedeutete in jenen Tagen die Dreizahl.
*Dobber*, der,
ein auf dem Wasser schwimmendes Stück Holz oder Kork, das die Stelle einer Boje versieht und die Lage eines unter Wasser befindlichen Gegenstandes, einer Angel, eines Netzes, eines Ankers anzeigt. Ostfriesisch dubber, vom Zeitwort dubbern, schlagen, pochen, stoßen, hin- und herschlagen, schwingen, schwanken; von der Bewegung die ein auf Wasser schwimmender, von den Wellen auf und nieder bewegter Gegenstand macht; »auf dem Wasser tanzen« nennt man sie wohl.
Kilianus kennt das Wort nur als zum Angelgerät gehörig: »calamus, qui suspendit hamum, ne fundum petat; cortex subereus lineae piscatoriae.« Halbertsma hat für Friesland die Form doaper, »in genere fluitans quid, quod suspendit hamum reteve; speciatim parallelopipedon ligneum parvum in aqua natans et sustinens funem, qui desinit in hamum.« Im Husumer Seerecht heißt es: »Kombt ein schip in einen haven driven, dat schal ein dubber up einen ancker hebben.«
Im Mittelniederdeutschen heißt der Dobber auch Kogert: »unde licht enich anker sunder douwer ofte kogert, onde schade off queme, den schall he half beteren«.
*Dock*, das,
ist ein ausgegrabener und mit Quadersteinen ausgemauerter Raum, in dem ein Schiff ausgebessert wird. Wenn das zu dockende Schiff in diesen Raum hineingefahren ist, wird das Dock hinter ihm mit einem Ponton abgesperrt und das Wasser wird mit einer Dampfpumpe ausgepumpt. Je mehr das Schiff dadurch trocken fällt, desto mehr wird es von beiden Seiten mit Balken abgestützt bis es schließlich ganz trocken dasteht. Doch heißt nicht deswegen solch ein Dock Trockendock, sondern weil es im Gegensatz zu einem Schwimmdock (s. d.) auf dem Trockenen angelegt ist. Docken heißt ein Schiff ausbessern; »das Schiff wird gedockt«, man kann aber auch sagen »das Schiff dockt«, wie man sagt das Schiff »löscht«.
Kilian hat eine niederdeutsche Form docke für Renne, Wasserrinne. Dem entsprechend leitet Grimm Dock vom italienischen doccia, französisch douche, spanisch ducha = Wasserröhre, Wasserrinne, ab. Und diese gehen entweder auf das lateinische (aquae) ductus oder auf das griechische doche, dochos, docheion = Gefäß, Behälter zurück.
Im Englischen heißt dockyard Werft, dock allein meist in der Mehrzahl docks wird auch gebraucht für einen Liegeplatz von Schiffen. Da wo mir das Wort im seemännischen Sinne zuerst begegnet ist, bei Aubin 1702, wird es neben Dock in unserem Sinne auch als Ankerplatz oder Liegeplatz gebraucht. Es übersetzt nämlich Aubin das niederländische dok mit chambre, bassin, darsine und paradis. Er bemerkt dazu: »C'est la partie d'un port de mer la plus avancée dans la ville. Elle sert à retenir les galéres et autres bâtiments de mer, et est fermée d'une chaine. Elle est apellée Darsine sur la Méditerranée; mais sur l'Océan on apelle Paradis, Bassin, Chambre, les lieux retirez du port, oú les vaisseaux sont en plus grande seureté.« Vorher hat er aber auch dieselben Namen bassin, chambre und Darsine angewandt auf »un petit port particulier pratiqué dans un plus grand, oú l'on radoube les vaisseaux. Il ya de deux sortes de bassins; les uns qu'on peut toujours tenir secs, parce qu'on les ferme avec des portes; les autres qui sont ouverts, et dont le fond étant toujours mou et bourbeux, se remplit d'eau quand le flot monte, et se vuide quand la mer descend.« Im Jahre 1794 scheint es in Deutschland noch keine Docks gegeben zu haben, wenigstens weiß Röding von keinen zu berichten, da er doch schreibt: »Die neuerbauten Docken zu Karlscrona und Kronstadt, wovon die erste in einen Fels gehauen ist, sind unstreitig die musterhaftesten, auch sind die französischen in den Häfen zu Toulon, Brest und Rochefort und nicht minder die englischen merkwürdig. In Spanien, Portugal und Dänemark sind die Docken ebenfalls auf ähnliche Weise eingerichtet.«
Im Jahre 1850 mußte das erste, neueingerichtete Schiffsjungenschulschiff »Mercur« in Karlskrona docken.
Mehrzahl: *die Docks*.
*Dodshoft*, das,
eine besondere Art von Block oder Scheibe mit einem runden oder auch länglichen Loch in der Mitte; ihrer je zwei werden zum Festsetzen stehenden Gutes verwandt. Der Name mag von dem Loch kommen, das Dodmannsauge heißt. Die Einbildungskraft des Seemanns hat offenbar diese leere Höhlung im Block mit der leeren Augenhöhle eines Totenschädels verglichen und Dodsmannsauge genannt. Den Block der das Dodmannsauge aufweist Dodshoft (Dodmannshoft) zu nennen lag dann nahe. Zusammensetzungen, in denen Tod oder tot bildlich gebraucht sind, kommen nicht selten vor. Im »Seebuch« (1400) kommt dodeman, Dodemanshovet als Übersetzung für das Vorgebirge Deadmans Point vor. Sogar ein Gebäck aus Mehl, Zucker und Mandeln nennen sie in Groningen doodmansvinger.
*Dollart*, der.
Name des im 13. und 14. Jahrhundert nach und nach durch Deichbrüche, ähnlich wie die Jade, entstandenen Meerbusens. Es ist behauptet worden der Name komme von der »tollen Art« dieses seemännischen Gewässers. Aber diese Behauptung hat nicht mehr Wert als die andere, daß Wangerooge »das Auge« von Wangerland heiße (da oog doch gleich dem hochdeutschen ach, Wasser ist). Der Dollart hat keine tollere Art wie die anderen Busen der Nordsee; verschiedene Fluten haben an seiner Entstehung gearbeitet (zuerst 1277); aus kleinen Anfängen ist er entstanden; zuerst mag nur ein Loch vorhanden gewesen sein, ein Kolk oder dergl. Nun gibt es im Ostfriesischen ein vielgebrauchtes Wort dollerd, dollert, dullert für talähnliche Mulde, Vertiefung, Senkung, großes weites Loch im Boden, Untiefe, Sumpf. Das hat zweifelsohne den Namen gegeben. Er ist in vielen deutschen Dialekten als delle erhalten; englisch dell.
*Dollbord*, s. Dolle.
*Dolle*, die,
hölzerner (jetzt meist eiserner) Nagel in dem Dollbord des Ruderbootes befestigt, dazu bestimmt dem Riemen (Remen) beim Rudern als Stütz- und Drehpunkt zu dienen. Heißt eigentlich nichts weiter als ein Stück Holz, Baumstamm, Balken, Stange, Holzpflock, Bolzen. Von einem Stammverbum dolon, das mit dem Perfektum von fero, tuli, und mit tollo, tolero, tragen, halten (also auch mit unserem »Geduld«) verwandt ist. Althochdeutsch dolon, tholon, dolen, tholen; mittelhochdeutsch dolen; gothisch thulan; friesisch heißt Dolle dol, angelsächsisch thol, englisch thole, auch thole-pin (»Angli per abundantiam thole-pin, ut fit cum propria vis vocis in oblivionem cadit, notio enim clavi (pin) jam in thole haeret.«) Nach Vilmar ist Dolle, Dollnagel im Fuldaischen technischer Ausdruck der Zimmerleute für den starken hölzernen Nagel, welcher halb in den Durchzug und halb in den Balken befestigt wird, damit sich die Balken nicht verschieben.
Kilianus hat schon die Form dolle: »lignum teres, cui struppis alligantur remi et obex remi.«
*Dollbord* ist die oberste Planke der Bootsaußenhaut, an der die Dollen befestigt sind. Der Name Dollbord ist auch da geblieben wo, wie beinahe durchgängig bei der Marine, die Dollen verschwunden sind und Rundseln Platz gemacht haben. Nur das Dingey und die Gig haben keine Rundseln, allerdings auch keine Dollen, sondern Gabeln, in denen der Riemen sich bewegt; sie haben aber den Namen Dollen behalten.
*Domper*, der,
das Tau (aus Draht) das der blinden Rahe Halt nach unten zu gewährt. Ganz vorne am Bug und niedrig über dem Wasser angebracht muß der Domper bei Seegang notwendigerweise mit dem Wasser in Berührung kommen und bei jeder höheren Woge untertauchen. Davon hat er den Namen. Früher, als man die Kanonen noch auf sehr einfache Art befestigte, kam es vor, daß sie durch das Schlingern des Schiffes vornüber fielen, das nannte man »die Kanonen dompen«. In Ostfriesland ist ein Zeitwort dumpen (niederländisch dompen) im Gebrauch: stoßen, drücken, niederdrücken, unterdrücken, ducken, tauchen, eintauchen, sinken machen, versenken; davon ist domper gebildet. Da unser tauchen dasselbe Wort ist wie taufen, und gothisch daupjan hieß, altsächsisch dopan, niederdeutsch dopen, so ist klar, daß das ostfriesische dumpen und das niederländische dompen rhinistische Formen (durch Nasalierung entstanden) von dopen sind, Domper also nichts anderes ist und bedeutet als Taucher. Das Zeitwort dompen wird auch sonst an Bord gebraucht im Sinne von »etwas nach unten zu bewegen.«
*Downtonspumpe* s. Pumpe.
*Draggen*