Etymologisches Wörterbuch der deutschen Seemannssprache

Part 1

Chapter 13,606 wordsPublic domain

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Etymologisches Wörterbuch

der

deutschen Seemannssprache.

Von

Gustav Goedel.

Kiel und Leipzig.

Verlag von Lipsius & Tischer.

1902.

A.

*A.*

Dieser Buchstabe wird in der deutschen Seemannssprache angewandt zur Bezeichnung der Klasse, in der ein Schiff sich nach der Einschätzung seines Wertes durch den Germanischen Lloyd befindet. Die Jahre nach deren Verlauf die Besichtigung zu einer neuen Einschätzung zu wiederholen ist, werden dem Buchstaben eingefügt ([Symbol]), deuten also schon den höheren oder geringeren Wert eines Schiffes an, der dann noch näher bestimmt wird durch eine dem A vorgesetzte Zahl, die bis 100 gehen kann und die Klassennummer des Schiffes angibt; je höher die Nummer, desto größer der Wert. Im Übrigen s. Schiffsregister.

*a. m.*

heißt ante meridiem. Von den astronomischen Berechnungen her ist dem Seemann diese Bezeichnung so geläufig, daß er sie auch am Lande gerne als Zeitbestimmung anwendet. Es ist auch deutlich und bequem zugleich, die Zeit von nachts 12 h bis mittags 12 h mit a. m. und die Zeit von mittags 12 h bis nachts 12 h mit p. m. (post meridiem) näher zu bestimmen. Es heißt dann a. m. nicht bloß vormittags, sondern auch morgens und nachts; denn 1 h a. m. bedeutet nachts 1 h; und p. m. heißt nicht nur nachmittags, sondern auch abends und nachts, indem 11 h 50 p. m. nachts 10 Minuten vor zwölf bedeutet. h. ist hora, Stunde, Uhr und kommt ebenfalls von den nautischen Berechnungen her.

*abandonniren*,

von Seiten des Versicherten dem Versicherer ein verunglücktes oder vom Feinde genommenes Schiff gegen einen gewissen Prozentsatz der Versicherungssumme _überlassen_ und sich aller Ansprüche darauf begeben. Ein Wort, das wir zwar in französischer Form gebrauchen, das auch samt dem Substantiv Abandonnement aus dem französischen Seerecht zu uns herübergekommen ist, das aber seinerseits doch wieder von dem echt deutschen Worte ban, bann stammt, welches ein Gebot oder Verbot unter richterlicher Strafandrohung, Gerichtsbarkeit und deren Gebiet bedeutet, entsprechend dem angelsächsischen bann, englisch bann, Bann, Acht, Aufgebot, Bekanntmachung (Kluge). Schon früh entlehnten die Franzosen das Wort aus dem Deutschen, vermutlich in der Merowingerzeit, und machten das altfranzösische bandon, Befehl, Jurisdiction, öffentliche Verkündigung daraus; in Verbindung mit dem Präfix a und der Endung er ward es zu dem neufranzösischen Zeitwort abandonner ausgestaltet, mit seinen zahlreichen Bedeutungen, denen allen aber der Begriff verlassen, aufgeben gemein ist.

*abgewinnen.*

Es gilt für ein Zeichen besonderer seemännischer Tüchtigkeit, wenn es dem Kapitän eines Schiffes gelingt, einem anderen die Luv oder den Wind abzugewinnen, d. h. sein Schiff so geschickt zu führen, daß es näher, höher, dichter an den Wind kommt als das andere. Zu Zeiten der Herrschaft des Segels konnte dies für Kriegsschiffe in der Seeschlacht von entscheidender Bedeutung werden und ist es mehr als einmal geworden; jetzt handelt es sich dabei mehr um einen seemännischen Ehrenpunkt. Das andere Schiff ist dann »unter dem Winde« und hat die Luv verloren. Man sagt auch: einem den Wind _abkneifen_.

*abdichten* s. kalfatern.

*Abendwache* s. Wache.

*abentern* s. entern.

*abfallen* s. abhalten.

*Abfahrtssignal* s. Blauer Peter.

*abflauen* s. flau.

*abfieren* s. fieren.

*abhalten*

1. so segeln, dass das Schiff, das beim Winde segelt, raumeren (s. d.) Wind erhält, also »die Richtung des Schiffes dergestalt ändern, daß der Wind, welcher vorher auf das Vorderteil oder die Seite desselben gerichtet war, mehr von hinten in die Segel fällt« (Roeding). Natürlich kann man aber ein Schiff nur soweit abhalten bis der Wind recht von achtern kommt; würde das Abhalten dann noch fortgesetzt, dann würde Anluven daraus (s. d. und »Halsen«).

2. überhaupt eine Kursveränderung vornehmen, ohne Rücksicht auf die Windrichtung, auch auf Dampfschiffen, wenn es gilt auf ein Ziel, das außerhalb der bisher gesteuerten Richtung lag, loszusteuern, z. B. abhalten auf ein begegnendes Schiff, auf ein treibendes Boot. Das Wort abhalten führt uns in die ältesten Zeiten germanischer Schiffahrt zurück, in denen man mit einem Riemen steuerte, den man frei in der Hand hatte und hielt; daher steuern im Althochdeutschen auch haban, halten hieß; abhalten also wörtlich: das Schiff von seiner alten Richtung ab in eine neue steuern.

Die Bewegung, die das Schiff macht, auf dem abgehalten wird, heisst *abfallen*, das Schiff fällt ab; was freilich auch manchmal ohne Abhalten, d. h. ohne Absicht, in Folge von Unachtsamkeit beim Steuern geschehen kann.

Abfallen ist fälschlich mit Abtreiben (s. d.) für eins gehalten worden.

Die Friesen gebrauchen affalle in übertragenem Sinne. »Wie täusche ich mich«: »Ho falt my dat af« (Halbertsma).

*abkleiden* s. kleiden.

*abkneifen* s. abgewinnen.

*ablandig*,

von einem Winde, der vom Lande ab nach See zu weht. Das Wort wird schon im Jahre 1400 gebraucht in einer Segelanweisung für die französische Küste: »Item van der Pleymark to Gloylande dat sind twe Kenninge; dat Kors is ostsutost up enen afflandigen wynt«. »Item wille gy tusschen den sande doer segelen bet toe Kerkloe up enen afflandigen wint, so mote gy tusschen sunte Margreten sande unde deme lande insegeln uppe 6 offte 7 vademe unde leyden dat sant bet to Jerremode«. (Eine Kenning war in jenen Tagen nicht nur ein Kennzeichen, sondern besonders eine gute Anseglungsmarke; hier aber ist eine gewisse Strecke Weges gemeint, drei oder vier Meilen, je nachdem ene cleyne, gude oder grote Kenning gemeint war. leyden heißt vorbeifahren).

*Ablenkung* s. Variation.

*ablegen*,

gleichbedeutend mit *absetzen* im Sinne von: ein Boot mit einem Bootshaken so weit vom Fallreep (s. d.) oder der Landungstreppe entfernen, daß man die bis dahin hochgehaltenen Riemen fallen lassen und anrudern kann. Beide Worte, ablegen und absetzen, haben auch die allgemeine Bedeutung von abfahren, jedoch nur der gegebenen Erklärung gemäß, mit dem Boot, nie mit dem Schiff«. »Das Boot legt um 6 Uhr von der Mole ab.« »Der Kutter setzt Punkt 2 Uhr von Bord ab;« dabei ist die für das Boot eigentlich passive Bedeutung in die aktive Rede umgewandelt. Absetzen ist etwas gebräuchlicher als ablegen.

*abmallen*,

auch bemallen. Wenn die Schiffszimmerleute ein Stück Holz in eine bestimmt und genau vorgeschriebene Form behauen wollen, so machen sie sich erst aus dünnen Brettern ein *Mall*, d. h. eine Art Modell. Nach diesem zeichnen sie sich die richtigen Linien auf dem zu behauenden Holz vor: das heißt ab- oder bemallen; offenbar nichts weiter als das Hochdeutsche malen, welches von Mal kommt, und dieses bedeutet Fleck, Narbe, Zeichen, malen also: mit einem Zeichen versehen.

Mit dem weitverbreiteten niederdeutschen Adjectiv mall hat das Wort wohl kaum etwas zu tun, denn das bedeutet wirbelig, mutwillig, leichtfertig, unklug, töricht, verliebt, toll, verrückt, schlimm, schlecht u. s. w.

Eine viel größere und wichtigere Rolle spielt das Mall im modernen Eisenschiffbau, wo es als Holzschablone, nach welcher die Eisenspanten und andere Teile des Schiffes ausgearbeitet werden, unentbehrlich ist. *Mallkante* der Spanten ist diejenige Kante, von welcher aus auf dem Schnürboden (s. d.), wo ein Schiff zuerst für die Bauausführung in natürlicher Größe aufgezeichnet wird, die Schmiege (s. d.) des Spantes der Schiffsform entsprechend abgesetzt wird. Eben nach der Linie der Spantenkanten wird das Mall angefertigt.

*Gemallte Tiefe* ist die Tiefe eines Schiffes, welche gemessen, bezw. berechnet wird um den Freibord (s. d.) festzustellen, oder die Tieflade-Wasserlinie. Hier heißt mallen einfach messen.

Wenn die Ableitung von malen nicht so nahe läge, müßte man sich versucht fühlen an das lateinische Wort für Maß modus zu denken, modulus, im Altfranzösischen contrahirt zu molle; englisch mould.

*abmoien.*

Das nicht mit dem allgemein niederdeutschen Worte moie, Muhme, Tante, auch nicht mit moie, Mühe, Arbeit, Kummer, in Verbindung zu bringende Adjectiv *moi* scheint -- außer im seemännischen Gebrauch -- nicht über Holland und Ostfriesland hinausgekommen zu sein. Hier ist es aber ganz allgemein verbreitet und im Sinne von *schön* im Gebrauch; en moie meid (holl: een mooie meisje) ein hübsches Mädchen, moi weer, schönes Wetter. Verfasser fuhr einmal in ostfriesischem Sprachgebiet durch frisches Maiengrün auf dem Rade. Da begegnete ihm ein Bauer, der mühsam etliche Schweine vor sich her trieb. »Dat is moier dan Swindriven,« meinte er vom Radeln.

Wenn das Wetter sehr trübe und stürmisch war und der Himmel wird klarer (klart auf, siehe aufklaren 1.) und der Sturm nimmt ab, dann sagt der Seemann »es moit ab.« Beide Begriffe, das Schönerwerden des Wetters und das Abnehmen des Sturmes sind in abmoien sehr treffend vereinigt; offenbar hat auf die Zusammensetzung der Präposition ab mit dem von moi gebildeten Zeitwort moien der Gedanke an das Abnehmen, Abflauen (s. d.) des Windes eingewirkt.

Die Spanier erst scheinen das jetzt so sehr eingebürgerte Wort nach den Niederlanden gebracht zu haben. Sie führten wohl als Kenner weiblicher Schönheit ihr Wort majo, zierlich, geputzt, geschmückt, viel im Munde.

Daß es mit dem Mai, als dem Monat der die Natur schmückt, zusammenhängt, muß bezweifelt werden. Das hat sich ein Dichter so zurechtgelegt; die Sprache verfährt nüchterner. Hat doch »Wonnemonat« nicht einmal etwas mit Wonne zu tun. Bleibt also für majo nur die Herkunft aus dem lateinischen majus, groß, hehr, ansehnlich, stattlich, übrig.

*abmustern* s. mustern.

*abreiten*,

einen Sturm vor Anker. Es lag nahe an das Reiten auf einem Pferde zu denken, denn das vor einer oder mehreren Ketten auf den hochgehenden Wogen auf- und abtanzende Schiff mag wohl mit einem mutig stampfenden und steigenden Pferde verglichen werden, aber es hat dieses »reiten« damit so wenig zu tun wie Friedhof mit Frieden. Denn einmal sagt man nicht bloß: »Das Schiff reitet einen Sturm ab«, sondern es reitet auch bei schönem Wetter, sobald es auf einer Reede vor Anker liegt. Sodann müßte das Wort, wenn es unser hochdeutsches Reiten anginge, niederdeutsch riden heißen, es heißt aber reiden, weil es von dem niederdeutschen reide = Reede kommt, von der Reede auf der ein Schiff liegt, wenn es zur Abfahrt bereit ist, oder die es aufsucht um besseres Wetter vor Anker abzuwarten; reiden, rheden war im Mittelniederdeutschen gleich »vor Anker liegen«; wir würden also gut tun, größerer Deutlichkeit halber auch heute noch reiden und abreiden zu schreiben. Althochdeutsch ritan. Das heißt übrigens nicht reiten in unserem modernen Sinne, sondern überhaupt sich von einem Orte zum anderen bewegen, fahren zu Wagen oder *zu Schiff*, von einem Stamme rid mit dem Grundbegriff der Ordnung, der ordnungsmäßigen Bewegung. Und so kommen (wie Friedhof und Freithof) das Reiten auf einer Reede und das Reiten auf einem Pferde schließlich doch auf einen und denselben Ursprung hinaus. Das Nähere unter Reede.

*abschaken* s. schaken.

*abschlagen.*

1. Auf Kriegsschiffen mit der Trommel ein Zeichen geben, daß die Musterung oder sonst ein Schiffsdienst beendet ist und die Leute wegtreten können.

2. Allgemein seemännisch: Ein Segel von einer Rahe losmachen, nicht im Sinne des Kommandos: Segel los! sondern im Sinne der Taklerarbeit ein Segel völlig von der Rahe loslösen und an Deck nehmen; das Gegenteil von »ein Segel unterschlagen«. Der Gebrauch beider Wörter, wie auch von Beschlag und beschlagen, erklärt sich aus dem unter *Schlag* Gesagten.

3. = Abschnüren (s. d.)

*abschleppen* s. schleppen.

*abschlingern.*

Wenn ein Schiff so heftig schlingert (s. d.), daß von der Gewalt der Schlingerbewegung ein Mast bricht und über Bord geht, so hat sich das Schiff diesen Mast abgeschlingert.

*abschnüren.*

(Vergl. abmallen und Schnürboden). Mit einer Meßschnur die Form und Gestalt der einzelnen Teile eines zu erbauenden Schiffes im natürlichen Maßstabe aufzeichnen.

*absegeln.*

1. In See gehen. Ursprünglich von Segelschiffen gebraucht, erhielt es die allgemeine Bedeutung von abfahren, abreisen und wird heutzutage in diesem Sinne auch von Dampfern gebraucht die gar keine Segel führen.

2. Einen Mast, gewöhnlicher: sich einen Mast absegeln. Es geschieht wenn für die betreffende Windstärke zu viel Segel geführt werden oder wenn bei plötzlich aufkommender Bö die Segel nicht schnell genug verkleinert bezw. geborgen werden können.

3. Eine bestimmte Strecke in einer bestimmten Zeit unter Segel zurücklegen.

*abschricken* s. schricken.

*absetzen.*

1. ein Boot s. *ablegen*.

2. Das Besteck, (s. d.), den Ort des Schiffes, an dem es sich nach der Mittags- oder einer sonstigen Berechnung oder auch nach Gissung (s. d.) zur Zeit befindet, auf der Karte durch ein kleines Kreuz mit einem Kreis darum ([Symbol: crosshairs]) bezeichnen. Setzen (Factitiv von sitzen, urgermanisch aus der Wurzel sed, gothisch sitan, lateinisch sedere) verbunden mit ab, letzteres aus der Vorstellung heraus, daß das Etmal, (s. d.) das abgesetzt wird, ein von der ganzen zurückzulegenden Strecke abzuziehender, abzunehmender, abzurechnender Teil ist.

3. Das Deck mit dem Absetzer. Dieser ist ein einem Schrubber ähnliches Werkzeug, mit dem nach einem Regen oder nach dem Deckwaschen das Wasser nicht nur oberflächlich beseitigt, sondern, soweit es sich tun läßt, aus den Decksplanken herausgedrückt und gepreßt wird, damit sie desto rascher trocknen. Noch vor zwanzig Jahren nahm man auch auf Kriegsschiffen zu diesem Zweck ein einer Handspake (s. d.), nicht unähnliches Stück Holz, das an einem Ende entsprechend abgeflacht war, jetzt noch auf kleinen Handelsschiffen in Gebrauch ist und Handabsetzer heißt. Die K. M. gebraucht nur noch die schrubberähnlichen Gummiabsetzer.

4. *Absetzdock* nennt man eine neue besondere Art von Schwimmdocks (s. d.), welche das aus dem Wasser gehobene Schiff auf eine entsprechend konstruierte Helling abladen (absetzen) können, worauf sie dann sofort ein neues Schiff zu heben und abzusetzen im Stande sind. Englisch depositing dock.

5. Auf dem Schnürboden (s. d. und abmallen): die Formen des zu bauenden Schiffes in natürlicher Größe aufzeichnen.

*abstoppen*, Abstopper s. stoppen.

*abtakeln* s. takeln.

*Abtrift.*

Das niederdeutsche Wort drift (Wurzel drib) heißt: 1. Viehweide, weil man dahin das Vieh treibt. 2. Eine Herde, die getrieben wird. 3. Betreiben, Trieb, Eifer, Ungestüm. 4. Das Antreiben von Schiffen und Gütern an den Strand. Eine Oldenburgische Urkunde vom Jahre 1565 sagt, dat alle angeschlagene roerlose schepe, wrack, drift und guider der hogen overicheit vorfallen sin. 5. Das Antreiben eines Schiffes an ein anderes. Ein altes Bremer Statut bestimmt: So welk man den anderen anzeghelt up ene drifft ... de anzeghelinge effte de drift scal men tughen (verklaren, s. d.). Dazu das Adjectiv driftich, auf dem Wasser treibend, von Schiffen und Gütern; Bremische Urkunde von 1564: Jacob R. sy mit synem bochsprete inn ohre houwet tow gedreuen, dar her also se beide thosamende drifftich gewurden unde inn grundt gedreuen weren.

Abtrift, Abtreiben (nicht zu verwechseln mit Abfallen) ist zwar nicht so schlimm, wie denn überhaupt das Wort drift seiner schlimmsten Bedeutung nach und nach verlustig gegangen ist und jetzt eigentlich nur noch den Sinn von Bewegung hat, indessen ist doch etwas Unangenehmes, weil nicht genau Berechenbares dabei. Abtrift entsteht nämlich wenn ein Schiff beim Winde segelt; dann kann die Richtung der Fortbewegung nicht ganz gleich der Richtung des Kieles sein, es wird stets etwas nach Lee (s. d.), nämlich nach der Seite hin abgetrieben, nach der der Wind weht. Daher bei Notierung des gesteuerten Kurses stets ein gewisser Bruchteil eines Kompaßstriches nach mutmaßlicher Schätzung als Abtrift in Rechnung gebracht werden muß.

Die Abtrift wird auch der Leeweg genannt. (s. Lee).

*abwracken*, s. Wrack.

*Ache*, die.

Hochdeutsches, wohl nur mundartlich gebrauchtes Wort; die Ache, oft auch der Achen, niederdeutsch ak und aak, französisch aque, acque.

Früher hießen am Rhein hochbordige Boote mit flachem Boden so, in denen der Rheinwein nach Holland gebracht wurde. Jetzt kann man am Rhein jedes beliebige Ruderboot »Ache« nennen hören. In Ostfriesland heißt but-ak ein kleines Boot zum Buttfang. In Holland aak eine Art von Lastschiffen mit plattem Boden, eine »Kölnische« aak. Es ist unser allbekanntes Nachen mit abgefallenem N. Dieses selbst ist freilich in seiner Abstammung noch zweifelhaft. Kluge läßt die Verwandtschaft mit dem lateinischen Worte navis, bezw. den Übergang des indogermanischen nav -- in das germanische naq -- dahin gestellt. Doornkaat steht nicht an, nicht nur ein abgefallenes n anzunehmen, sondern meint, es sei auch vor dem n noch ein s abgefallen, wie lateinisch nix aus snix entstanden sei. Dann böte die Abstammung aus der Wurzel snu, bewegen, laufen, eilen, fließen, schwimmen und treiben sehr wenig Schwierigkeit, und es wären zugleich auch die beiden Bootsbezeichnungen Schnicke und Schnacke und der Schiffsname Schmacke erklärt, (ostfriesisch smak, holländisch smakk, englisch, schwedisch smack) wovon französisch semaque, italienisch semaca, spanisch, portugiesisch zumaca kommen, »ein Seeschiff oder Frachtfahrzeug mit flachem Boden, was vorne und hinten sehr voll und rund gebaut ist und neben dem Hauptmast (aus einem Stück) hinten auf dem Heck noch einen kleinen Besahn-Mast hat«. Dann wäre das Wort auch mit dem ostfriesischen snake, snak, Schlange, englisch snake verwandt, entweder wegen der Gestalt oder der Bewegung.

*Achtknoten*,

Knoten in Gestalt einer 8; wie dergleichen Knoten geknüpft werden, ist einem, der nicht in die Geheimnisse des »Splissens und Knotens« eingeweiht ist, schwer verständlich zu machen.

*achter*, *achtern*

steht allgemein im Niederdeutschen an Stelle des Hochdeutschen after, *hinter*, *hinten*. Im Altniederdeutschen, z. B. noch im Heliand, hieß es auch after, aber im 9. und 10. Jahrhundert brach sich die Lautverschiebung von f in ch Bahn; vergl. Luft mit lucht, Kraft und Kracht, Graft mit gracht.

Als Präposition, als Adjektiv, als Adverbium, stets bezieht sich achter oder achtern auf das Hinterteil des Schiffes, allein oder in Zusammensetzungen. Hier einige der wichtigsten. *Achterebbe*, die letzte Zeit der Ebbe, und achtervlot, die letzte Zeit der Flut, kommen an der Nordseeküste nachweislich schon um das Jahr 1400 vor. *Achtersteven* (s. Steven) ist schon 1548 bei Kilianus Duffläus zu finden, der puppis bald mit achtereynde, bald mit achterkasteel, bald mit achtersteven wiedergibt. Wenn ein Schiff sich rückwärts bewegt weil die Segel »back« (s. d.) stehen, so wird nicht ohne Galgenhumor gesagt: »wir segeln über den Achtersteven«; wofür man auch sagen kann, »over stür«, oder noch kürzer aber weniger fein »achterärs«, welcher Bezeichnung die alte französische Redewendung culer ziemlich genau entspricht, um 1700 bei Aubin vorkommend. In Westfalen (Woeste) kommt ächteraers für rückwärts im Allgemeinen vor, vergl. die Redensart: »dat get ächteraers as de hane krasset,« wie denn daselbst auch von einem, der zwei Fliegen mit einer Klappe schlägt, gesagt wird: »vör bitt hä, ächter schitt hä«, von einem Bauer hergenommen, der Birnenessen und seinen Behuf verrichten zu vereinigen wußte.

Die hintere Last (s. d.) im Schiffe heißt *Achterlast*; ist es hinten zu schwer beladen, so ist es *achterlastig* (welches Wort man in der Gegend von Groningen zur Bezeichnung eines gewissen Dranges anwendet). Bekanntes Kommando: »Alle Mann *achteraus*!« wenn die Mannschaft eines Kriegsschiffes sich auf dem *Achterdeck*, das sie nur dienstlich betreten darf, versammeln soll.

Auf größeren Schiffen hat der Kommandant außer einer mehr offiziellen Vor- noch eine mehr private *Achterkajüte*.

Edda: aptr, rückwärts, hinten, wieder, zum zweiten Male. Beówulf: äfter, darauf, nachher, zurück, in Folge; im Angelsächsischen blieb das f unverschoben und ist so ins Englische übergegangen.

*Admiral*, der.

»Von gewalt, Amt und Befelch eines General Obersten, den man auff dem Wasser oder Meer Admiral pflegt zu nennen,« schreibt 1565 Leonhart Frohnsperger, »Bürger zu Ulm«, in seinem Buch »Von Kayserlichen Kriegßrechten etc. etc.: »Erstlich, wo ein Herr selbs nit bey dem fürgenommen Krieg sein kann, wil oder wer, der mag oder soll an statt sein, ein fürtrefflichen, erfahrnen, geübten, dergleichen der dazu von hohem stammen, oder sonst ehrlichs geschlechts geboren, zu einem Obersten über alle Schiff und Hauffen, zu Roß und Fuß, Geschütz, Munition und was dern notturft mehr erheißt, haben, ordnen und dem Kriegsvolck fürsetzen etc. etc.« Noch bis in das 17. Jahrhundert hinein bedeutet das Wort Admiral ganz allgemein einen Befehlshaber zur See; titelhaft ist es erst vor etwa 250 Jahren geworden. Wir unterscheiden: Admiral mit dem Range eines Generals der Infanterie, Vize-Admiral mit dem eines Generallieutnants, Kontre-Admiral mit dem eines Generalmajors; zusammenfassend werden alle drei als Flaggoffiziere bezeichnet, weil sie das Recht haben, als Zeichen ihrer Kommandogewalt eine Admiralsflagge zu hissen.

Das Wort hat eine lange Geschichte. Seine Abstammung aus dem Arabischen ist unbestritten. Nur fragt es sich, ob es bloß aus amir oder aus amir-al-bahr entstanden ist. Letzteres heißt Befehlshaber zur See, ersteres bloß Befehlshaber. Insofern wäre die Abstammung von amir-al-bahr entschieden vorzuziehen, wenn nur nicht die älteste Form des Wortes im Spanischen, das es uns übermittelt hat, almiraje *de la mar* hieße, hernach almirante de la mar. Wenn almiraje und almirante aus amir-al-bahr entstanden wären, dann hießen sie ja schon allein für sich, ohne das de la mar, Befehlshaber zur See, da man sich aber veranlaßt sah, um einen Befehlshaber zur See zu bezeichnen das de la mar hinzuzufügen, so folgt daraus, daß almiraje oder almirante für sich allein noch nicht Befehlshaber zur See bedeutete, also nicht aus amir-al-bahr, sondern aus dem einfachen amir entstanden war, da man doch annehmen kann, daß in alten Tagen die Spanier arabisch genug konnten, um zu wissen, daß al-bahr = de la mar war.

Zwar spricht wegen der Endung al in Admiral der erste Eindruck für die Ableitung aus amir-al-bahr, denn sie klingt arabisch genug. Es stellt sich aber bei näherem Zusehen heraus, daß das al in der Endung mit der arabischen Genitivpartikel al gar nichts zu tun hat, denn in der ersten Zeit der Übernahme aus dem Arabischen fehlt das al am Schlusse ganz, es ist also nicht mit übernommen worden. Die Endung des Wortes hieß vielmehr zunächst echt spanisch aje (almiraje) und verwandelte sich hernach, offenbar in Anlehnung an die geläufigen Endungen von commandante und imperante, ebenfalls in ante (almirante). Daß ein l zwischen a und m gelangt ist, so daß zuerst der Anfang des Wortes so lautete wie jetzt der Schluß, al, hat vielleicht in einer unbewußten Huldigung an die arabische Herkunft seinen Grund, das l hat sich aber kein allgemeines Bürgerrecht zu erwerben gewußt, nicht einmal im Spanischen selbst, wo neben almirante sich immer wieder auch amirante findet.