Part 1
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Empfindungen aus meinem Leben.
~WIEN~,
gedruckt bey Joseph Kurzböcken kais. kön. illyrischen und aller orientalischen Sprachen Hofbuchdruckern, und Buchhändlern.
1774.
Vorrede.
Da man meistens noch niedere und falsche Begriffe von den schönen Wissenschaften hat; so möchte ich gern ein kleines Liecht vorausstellen, welches die Schatten zerstreuen soll, womit finstere Köpfe die schönere Natur anschwärzen. Will die fühllose Dummheit ihr kaltes Herz nie zu einer edlen Empfindung erwärmen, so soll sie wenigstens ihre unheiligen Blicke wegwenden; sie soll sich in die ewige Nacht ihrer Unwissenheit einhüllen, und mich ungekränkt und unbemerkt den sanften und stillen Umgang der Musen genießen lassen.
Wisse, unbilliges Vorurtheil! wahre Poesie ist Würde und Hoheit des Menschen — vergieb mir diesen stolzen Ausdruck, ergeht nicht auf meine Person; sondern auf die Sache, die ich behandle.
Die höchste Würde des Menschen bestehet in der Hoheit seines Geistes, und in dem Adel seines Herzens, die Erhebung des Geistes der sich mit einer außerordentlichen Fülle äußert, ist Begeisterung, die gereinigte Zärtlichkeit eines gefühlvollen Herzen, ist ihr Adel: der höchste Grad der Begeisterung und Zärtlichkeit, wo sich Wahrheit und Natur mit aller Stärke und Anmuth schildern, ist der höchste Grad der Dichtkunst.
Ihr, derer lieblose, verwilderte Herzen keiner feinen Empfindung fähig sind, die ihr die Erhöhung der menschlichen Seele, das Gefühl des wahren Schönen, den Enthusiasmus der Weisheit und Tugend nicht kennet! eitle, unbedeutende, kriechende Geschöpfe! die ihr auf niederen Gewinn bedacht, nur nach eurem Futter wiehert; nie euern Verstand speiset, und schon zu leben glaubet, wenn ihr gleich dem Vieh, esset, schlaffet, und euch begattet, — widerleget, wenn ihr könnt!
Uebrigens habe ich nur die ächte Dichtkunst vertheitigen wollen, deren Ausdruck Harmonie, und deren Inhalt begeisterte Weisheit ist. — Denn bloß zum Zeitvertreib witzig zu tändeln, die Einbildungskraft auf Kosten des Verstandes zu unterhalten, oder durch den unverschämten Muthwillen der in der Brumft gehenden Litteraturstuzer die grobe Sinnlichkeit zu reizen, ist wohl der Endzweck der schönen Wissenschaften nicht. Sie sind zur Beglückung des Menschen, zu seinem edleren Vergnügen, und nicht zur Nahrung seiner Ausschweifungen geschaffen.
Und die unmännlichen Figuranten, die sich ewig mit süssen Kleinigkeiten beschäftigen; die, wann sie schwätzen, zu denken, und wann sie schwärmen zu empfinden glauben; die die Natur durch Künsteley ersetzen wollen; beständig mit Endsilben in Geburtsnöthen liegen, und sich mit Ach und Weh begeistern — soll man diese auch Dichter nennen? nein, Stümper, die die Wissenschaften entehren. Lichtwer weist ihnen ihre Stellen an.
Ihr Thoren, lernt dafür nähn, hobeln, oder schmieden! Minervens Priesterthum ist Stümpern nicht beschieden.
Weder diesen, noch mir selbst will ich das Wort reden; ich habe nur zeigen wollen, was für ein Ziel ich mir gestecket habe: wie weit ich es erreiche, müssen unparteyische Kenner entscheiden, derer Einsicht ich meine Versuche willig unterwerfe.
~Inhalt.~
Seite.
I. Aussöhnung mit meinem Schicksale. 1. II. Die zärtliche Schwermuth. 12. III. Aufmunterung. 14. IV. Die Weisheit im Schoose der Natur. 19. V. Die Begeisterung. 27. VI. Das Glück der Zärtlichkeit. 29. VII. Verträulichkeit zwischen Liebe und Natur. 31. VIII. Schutzort der Weisheit. 35. IX. Einladung auf das Land. 37. X. Die Gaben des Weisen. 39. XI. Sehnsucht nach Vergnügen. 41. XII. Meine Geliebte. 43. XIII. Das freywillige Leiden. 44. XIV. Kampf einer Leidenschaft. 48. XV. Die Quelle des Unmuths. 50. XVI. Erinnerung an die Jahre der Unschuld. 55. XVII. Der Gottesacker. 59. XVIII. Die philosophische Melancholie. 68. XIX. Die Mitternacht. 79. XX. Die Seele an ihren schlaffenden Leib. 87. XXI. Die Ruhe. 91. XXII. Meine Grabschrift. 95.
~Aussöhnung~ mit meinem Schicksale.
Mein Geist drang mit einem edlen Unwillen sich von dem Pöbel hinweg; aber meine Glieder fühlen noch die Mühe, womit sie den unsicheren Weg zurück gelegt haben. Wie schwer ist das Geblüt in meinen Adern geworden; seit dem ich in deinen feindseligen Mauern, o Stadt! gewandelt habe! Hart ist das Pflaster, worauf glänzende Sorgen, mit Thorheit beladen, wo drückende Laster prächtig einher treten! Nun bin ich — der Vorsicht sey Dank — hinaus aus dem Schwarm der Lieblosen. Wie weit wollt ihr mir noch nachschleichen, ihr schwarzen Gedanken der Schwermuth und des Kummers? Verlaßt mich, ach verlaßt mich! ich habe genug mit Unglück und Verfolgungen gekämpfet. Ich fliehe euch nicht, ich hasse euch nicht, ihr Menschen, o nein, mein Herz klopfet stets zu eurem Besten; es fließt vor Empfindung gegen die Redlichen über, die des Mitleids und der Gegenliebe fähig sind, und die übrigen bedaure ich ihres Unglückes wegen, daß sie Menschenfeinde sind. Ich fliehe nicht sie, nur ihre Lieblosigkeit. Das Leben ist kurz: schwermüthiger Tiefsinn, Ernst und Kummer fangen an, meine Nerven zu schwächen, und heimlich meine Gesundheit zu untergraben. Ich bedarf der Erquickung. Genug ward ich bey dem inneren Ruf meiner Seele von den lauten Stimmen der Dummheit und des Eigennutzes übertäubt, ungerecht gegen mich selbst, Muth und Zutrauen zu verlieren. Ein heißhungriches Geschrey tönte mir überall entgegen: das Studium der Wahrheit und Pflichten ist nicht zum Brod gewinnen; Weisheit und Tugend, Erhabenheit des Geistes, Adel des Herzens sind unbekannte Nahmen. Ich ward in meinen zartesten Jahren zum rauhen Pöbel verstossen, wo ich verkennet und ungetröstet, mich im Verborgenen nach Menschenliebe sehnte, und ach! vergebens sehnte. Die schweren Seufzer meiner Betrübniß haben meine Brust beklemmet, und nun will ich wieder einmal freyen Athem hohlen. — In deinem wohlthätigen Schoose, liebreiche und weisheitsvolle Natur! Will ich von meinem Schicksale ausruhen, und aus deiner inbegriffenen Göttlichkeit überirdische Hofnung, und den Trost des Mitleids schöpfen, den mir die Sterblichen versagen. — Verlaßt mich, ach verlaßt mich, ihr schwarzen Gedanken der Schwermuth und des Kummers! Zurück! Hier sind die Gränzen der unverdorbenen Natur. Mit unverwandtem Blicke will ich mich dem Schutzorte der Unschuld nähern. O Glück! Noch etliche Schritte, und dann bin ich der Natur im Arm! Schon ist der Boden gelinder und die Luft reiner. Zephir bringt Wohlgeruch auf seinen Flügeln, und ich athme Gesundheit in mich. — Sey mir gesegnet, heiliges Dunkel, das ehrfurchtvoll in diesen verjährten Tannen schwebet! kein feindseliger Sturm müße je durch diese ruhige Dämmerung fahren. — Ich will hinein gehen. —
Hier ist der wundersame Baum, der von obenher seinen Ursprung genommen hat, seine Wurzeln kriechen an Felsen. — Sie haben einen bequemen Sitz geflochten; ich will hier ruhen — Sein Stamm neiget sich unter mir herunter, als wollte er der Erde seiner Mutter danken, die ihm Nahrung auch ausser ihrem Schoose reichet! Aber er hebt sich wieder von der Mitte empor. Sein Saamen wuchs wie der Gedanken des Weisen, von sich gegen die Erde, und von der Erde gegen den Himmel. — Hier ist der Sitz der Begeisterung, hoch von Natur, nicht durch Zwang und Uebermuth, abseits vom Getümmel, ungebahnt für träge Unwissenheit, weit erhaben über die Denkmäler der Ueppigkeit und Herrschsucht, worunter die niedern Seelen wie Gewürme im Schutthaufen herum kriechen. Die Spitze der Thürme, die falsche Hoheit in die Luft gehoben hat, um über Mitmenschen hinaus zu sehen, reichen nicht zu meinen Füßen. Ich bin verborgen und sicher. Voll erhabener Wildheit hangen die Zotten des Reisicht über mir her; und ewig grünende Fichten streuen ehrwürdige Schatten auf den Felsen, dessen bemooste Höhlung mir zur weichen Lehne dienet. Horchende Stille wachet einsam in diesem Tempel der Schöpfung, den nie unheilige Blicke entweyhten; denn der Pöbel verirret sich nicht in dein Heiligthum, o Natur! Dein Freund ist der einsame Dichter, der aus dem Gedränge verscheuchet, dem Felsen die Gefühllosigkeit seiner Mitmenschen klaget. Hier ist das Vaterland meiner Empfindungen, hier ists, wo mein Geist, in die Zaubergegend der Dichtkunst hingerücket, von dem Nektar der begeisternden Weisheit kostete. — Kommet ihr ländlichen Kamönen, einzige Trösterinnen meines Lebens! reichet mir noch einen stärkenden Trunk und weyhet mich euren Geheimnißen ein; schließet mir eure verborgenen Schätze auf: ich will mit Popen und St. John die Kleinigkeiten der Welt dem niederen Ehrgeize und dem Stolze der Könige lassen. In euren liebvollen und freundlichen Wohnsitz will ich vergessen, daß es störische und harte Menschen giebt; in Unschuld und Ruhe, in Gesundheit und Freyheit will ich künftig meines Lebens froh werden. Mäßigkeit wird die Bewegungen meines Geblüts besänftigen, und mein Herz nur den gereinigten Empfindungen der Natur und Menschenliebe offen seyn. In einer ruhmlosen Hütte will ich ein redliches Alter erreichen, unbeneidet, genügsam und sicher. Verborgen vor dem Hof sollen meine Tage so still und ruhig dahin gleiten wie die kleinen Silberwellen durch das einsame Veilchenthal. Nie wird ihr heller Boden von kriegerischen Rossen zerwühlet, nie ihr klares Naß von schwärmenden Städtern trübe gemacht. Bey einem stillen häußlichen Glücke will ich zwischen Lilien und Rosen, den Spuren der Unschuld und Liebe treten, und auf den sanften Boden der Natur wandeln. Dort wo Gebüsche unter hangenden Felsen den Eingang mit feyerlicher Dämmerung decken, in der träumerische Grotte wird mich meine Muse in süsse Begeisterung einschlummern. Oft werde ich den einsamen Hügel besuchen, wo mein Herz hinschmolz, und mein Geist in sanfte Wehmuth zerfloß. Oft werde ich am Abend empfindungsvoll mich unter den Schatten eines Baumes vergessen. Oft wird zum Dank der Wohlthaten meines Schöpfers, oft zum Andenken meiner Freunde eine zärtliche Thräne auf den blumichten Hügel hingleiten, worauf ich mein Haupt stütze; dann wird aus der nahen Hütte meine fromme Gattinn kommen, und meiner Empfindung den stillen Beyfall in ihren sanften Blicken zulächeln; sie wird mit ihrer Hand mein gerührtes Herz fühlen, und mit mir die erhabene Wollust der Zärtlichkeit und tugendhafter Gesinnungen theilen. An ihrem Arm will ich — — Süsser Traum! Von welch entzückenden Vorstellungen ward mein Geist betrunken! Hab Dank, wohlthätige Muse! Daß du Mitleid mit meinem Schicksale hast, und Oel in meine Wunde gießest. Begeistre mich mit Hofnung; wenn auch in dem Rathschluße des Ewigen mir nie so ein schmeichelhaftes Glück sollte vorbehalten seyn. Gott, du kannst kein Mißfallen an unschuldigen Wünschen deiner Geschöpfe haben; du selbst hast den Trieb zum Vergnügen tief in ihre Herzen gepflanzet, du hast sie zur Glückseligkeit bestimmet. Du magst diese Bestimmung hier schon oder dort erfüllen; ich will sie mit Dank zum voraus empfinden, und mich durch die Hofnung der Zukunft mit Standhaftigkeit für das Gegenwärtige bewaffnen. Ich hoffe und wünsche; — aber, Herr! was du thust, ist gerecht; sollte auch hienieden mein Leiden beschlossen seyn. In der Schule des Unglücks verlernet man Leichtsinn und Thorheit, und vor den Blicken des Geistes verschwindet der Nebel, der die höhere Aussicht verdunkelt. Mich stärket der grosse Gedanken der Ewigkeit, wodurch mein Geist, vom Staube ungesättiget, sich mit dem Vorgeschmack der Seligkeit nähret; mich tröstet die Hoffnung, daß meine Seele, durch Trübsale gebessert, sich von eingebildeten Bedürfnissen entwähne, und einst zum Genuße deiner Wohlthaten fähiger seyn wird. Die sanfte und stille Landlust, Unschuld und Einfalt, diese schöne Natur, die so voller Spuren der Liebe ist, und die Erinnerung, Herr! daß ich mich bestrebet habe, dir zu gefallen und rechtschaffen zu seyn, o die wird mir jedes Ungemach meines Lebens versüssen. In deiner Vorsicht will ich mich ganz beruhigen; keine Klage wider den Lauf der Dinge soll jemals meinen Lippen entfahren; mit einem Blicke in deine göttliche Weisheit werde ich alle menschliche Thorheit vergessen, und wie leicht vergesse ich dann auch das Glück der Welt, — das mich bisher getäuscht hat.
Die zärtliche Schwermuth.
Am stillen Hügel, den der Schatten Des Baumes deckt, wo unverrathen Mein Herz geheime Wehmuth nährt; Wo durchs Gebüsch die blassen Stralen Des Mondes einsam, schüchtern fallen Und nichts die leisen Seufzer stört.
Hier wo verschwiegne Dunkelheiten Den Trauerflor um mich verbreiten, Hier sinken, von dem harten Loos Des Schicksals müde, meine Glieder Auf schwarz bethautem Mose nieder — Hin in der stillen Schwermuth Schoos.
Dir Nacht vertrau ich meinen Kummer, Der meinen Geist in düstern Schlummer Der Wehmuth senkt: verhüll mein Leid; Laß mich in deine Tiefe weinen, Und meinen Schmerz mit dir vereinen; Sey Zeuge meiner Zärtlichkeit.
Ach dieses Herzens tiefe Wunden! Die noch kein Mitleid mir verbunden! Ach sie verbluten! Liebe quillt Heraus — verkennte Menschenliebe. Kommt, theilt mit mir die sanften Triebe Dieß Herz — das allzu zärtlich fühlt.
Aufmunterung.
Auf träger Geist! die Zeit verflieht; Der Lenz, der Jugend Flor verblüht: Sey dankbar und genieß dein Gut! Sey Jüngling! Lern voll edlen Muth, Wann stürmend Ungewitter blitzen, Mit Weisheit dich, und grauer Klugheit schützen.
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Der Gram entehrt, ermuntre dich! Er setzt die Seele unter sich Bis zur Unthätigkeit herab, Und baut aus uns ein wandelnd Grab. Die Embrionen edler Thaten Erstickt in dir des Unmuths düstrer Schatten.
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In Tiefsinn wandelst du herum, Gleich deinem Schatten traurig stumm; Geselligkeit und freyer Muth Weicht vom Gesicht; dein junges Blut Eilt nicht mehr froh, von Gram gehemmet, Der in den Adern schleicht, dein Herz beklemmet.
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Dein scheuer Blick, dein trüber Sinn Kriecht niedrig an der Erde hin. Flieh, flieh von dir, von deinem Gram! Soll Unmuth, unverdiente Scham. Und Blödigkeit die Stirn umhüllen? Die Ehre ist im Herzen: lern sie fühlen.
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Vor andern arm, verachtet, klein, Lern, ohne Zeugen groß zu seyn. Sey standhaft; denn auch dein Geschick Steht in der Vorsicht Buch. Dein Glück, Das itzt noch schläft, wird einst erwachen, Und doppelt dich die Freuden Fühlen machen.
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Noch lebt so mancher Menschenfreund, Der Kunst mit Redlichkeit vereint, Der Recht und Tugend noch vertheidigt, Den Deine Armuth nicht beleidigt, Der Menschen gerne glücklich siehet, Zum Mitleid nicht zu vornehm, dich nicht fliehet;
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Der an den Seufzern Antheil nimmt, Die Thräne, die im Auge schwimmt, Als Freund zu trocknen sich bemüht; Als Freund, wann er dich fehlen sieht, Dir nachsichtvoll entgegen eilet, Und den Verstand von Wahn und Irrthum heilet.
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Noch läßt das Schicksal — Deiner Jugend Den Trieb zur Redlichkeit und Tugend; Noch kann dein zärtliches Gefühl, Wenn dich das Glück auch hassen will, Im stillen Schatten seelger Linden Des Frühlings Lust, und die Natur empfinde.
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Sey größer, als dein Unglück ist, Erhabner, als die niedre List Und Frechheit eines Pöbels reicht, Der, Würmern gleich, im Finstern schleicht, Der das, woran er stoßt, nur fühlet, Durch sich gestraft, im Stoffe Blindlings wühlet.
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Ist dieser Vorzug dir zu klein; so must du selbst unedel seyn. Ein edler Geist, in sich beglückt, Zu stolz, was ihm die Welt entrückt, Um Pupentand, und Eitelkeiten Den Müssigen, den Thoren zu beneiden,
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Kriecht sklavisch nicht um Ehr und Glück Ihm schwärzt kein niedres Bubenstück. Die heitern Mienen im Gesicht. Gelassen thut er seine Pflicht; Sieht aufrecht auf der Tugend Wegen, Sich selbst bewußt, der Ewigkeit entgegen.
Die Weisheit im Schoose der Natur.
Wer küßt und drückt und lästert, hat Verstand; Wer redlich spricht, gehöret auf das Land.
Kleist.
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Du Wohnsitz stiller Musen, Empfang mich, heitre Flur, Auf deinem grünen Busen! Sanft lächelnde Natur, Aus deinem reichen Schoose Trink ich des Frühlings Lust, So wie den Thau die Rose, Nun in die freye Brust.
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Ein Blick der Weisheit stralet Aus jedem Reiz hervor, Und bessre Freude wallet In meiner Brust empor. Ich brauch, mich zu beglücken, Nur Mensch, nicht reich zu seyn; Ein edleres Entzücken Nimmt meine Seele ein,
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Rührt, ohne zu verletzen, Mein jugendlich Gemüth Mit zärtlichen Ergötzen. Ein reineres Geblüt Wallt schon durch meine Glieder; Der Geist wird heiterer, Er öffnet sich hier wieder, Denkt frey, und fühlet mehr.
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Hier drohn nicht rasche Pferde Dem müden Wanderer; Kein Wagen, von der Heerde Vergoldter Diener schwer, Worin der Unterthanen, Der Bürger theure Last, Müd vom Verdienst der Ahnen, Mit dummen Lächeln rastt.[A]
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Durchlauchtgen Rossen schnauben Nicht feile Menschen vor. In Schatten sicherer Lauben Irrt froher Hirten Chor Mit sanften Schäferinnen. Lieb und Zufriedenheit Geht segnend neben ihnen, Nicht Rangsucht, Stolz und Neid.
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Der Menschheit Recht verdrehet Kein hochgebohrnes Thier, Das sich in Sänften blähet; Nur Menschen sieht man hier. Die Tugend giebt den Titel, Die Eintracht den Gewinnst; Nicht Zufall, Rang und Mittel Verdrängen das Verdienst.
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Zum Laster ungeschicket, Das sich aus Hochmuth neigt, Krumm, heuchlerisch gebücket, In heiligen Tempeln schleicht, Und das im Harmeline Bey Hof mit frechen Schritt Und tückisch hoher Miene Bis zu dem Fürsten tritt,
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Durch Einfalt glücklich, irret Im Thal die Schäferinn; In Unschuld, sittsam führet Sie ihre Lämmer hin, Wo ruhig ihre Jugend Der Schöpfung Freuden fühlt; Wo unbemerkte Tugend Dem Schöpfer sich enthült. Frey wandelt in Gesträuchen Ihr Fuß längst einem Bach; Nicht freche Buben schleichen Dort ihrer Unschuld nach. Die Kunst des süssen Herren, Der geil aus Wohlstand spricht, Geld, Ordensband entehren Verwaiste Mädchen nicht.
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Hier schwärmt durch grüne Schatten Kein Midas, groß durch Gold, Berühmt durch fremde Thaten, Der seinem Bauch nur hold, Standtsmäßig auszuschweifen, Und durch des Bürgers Schweiß Sich Tafeln aufzuhäufen, Sich fett zu prassen weiß.
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Taub, Mitleid zu empfinden, Zu fühllos, selbst sein Glück In anderer Glück zu finden, Sieht er sich nicht zurück, Der Große, wann Bedrängte Mit Thränen nach ihm sehn; Wann ohne Schuld gekränkte Um seinen Beystand flehn.
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Dich, sanfte Stimm vom Himmel, Natur! Dich überschreyt Das irdische Getümel Der prächtgen Eitelkeit! Weg ihr verhaßten Thürme, Wo, in den Schlamm getaucht, Dieß irdische Gewürme Nur giftge Laster haucht!
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In lärmenden Pallästen, Da herrscht die Weisheit nicht; Nur feige Schmeichler mästen Sich, wo der Bösewicht Und Thor den Lüsten frohnet, Wo Fleiß und Tugend trauert, Wo Tod im Lächeln wohnet, Und das Verderben lauert,
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Wo alle Mienen trügen, Sich Mädchen klug durch Geld, Und schön durch Schminke lügen, Dem Wuchrer preis gestellt! Wo tausend wilde Triebe, Der Leidenschaft Gewühl Die zärtlich keusche Liebe, Das reinere Gefühl
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Der Menschlichkeit ersticken; Wo Untreu, Buhlerey Aus finstern Mauern blicken; Wo faule Schwelgerey, In Schlössern stolz bewachet, Wo hämisch Schadenfreud Aus halben Vorhang lachet, Im Sitz der Ueppigkeit.
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Fern von der Gratulanten, Betrüger, Schmeichler Heer, Von Stutzern und Pedanten, Kann ich hier ruhiger Natur, Nach deinem leisen, Verborgnen Triebwerk spähn; Dich und die stillen Weisen Des Alterthums verstehn!
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Nicht in betrogne Spiele Des Witzes eingewebt; — In feyerlicher Stille, Von Grazien umschwebt, In edler Einfalt glänzet Sie, auf beblümten Pfad, Die Weisheit, unumgränzet, Verscheucht von Hof und Stadt.
[A] Die Wahrheit wird von selbst die Verehrungswürdigen, die den Adel nicht nur in ihren Wappen, sondern auch in ihrer Seele führen, gegen die =Usurpatores= ihrer Vorrechte vertretten.
Die Begeisterung.
Welch eine geheimnißvolle Schönheit dringet überall aus deinen manigfältigen und wundervollen Scenen hervor, o Natur! Meine Sinnen sind trunken von deinen zauberischen Reizen! mein Geist ist ganz voll, ganz in die Tiefe einer unbekannten Anmuth hingerissen! — Was fühle ich? Wie ahnungsvoll, wie stark klopfet es in meinem Herzen! — Ja, hier ist die Quelle der Liebe, sie fließet durch mich, und ergießet sich in die ganze Natur. — Wie wallen meine Adern! Feuer ist in meiner Brust, und meine Augen sind mit heissem Oele durchströmmet! — — Sättige mich, Natur! mit deiner Schönheit! in dich, in deine inbegriffene Göttlichkeit bin ich entzücket. Ihr Geschöpfe, Ausflüße der Gottheit, von kleinsten bis zum größten, alles, was in der Natur ist, was lebet und schwebet, was mich umgiebt, seyd mir gesegnet! gedeyhet mir, neiget euch gefällig zu meinem Wohl; theilet eure Richtigkeit, Ordnung und Schönheit, theilet euch mir mit, drücket die Spuren eures Ursprungs euer Glückseligkeit tief in mein Herz, nähret meine Begeisterung mit der Weisheit und meine Empfindungen mit der Seeligkeit eures Schöpfers; damit meine Handlungen nach dem erhabensten Muster, nach den ewigen Gesetzen der Schöpfung gebildet werden.
Das Glück der Zärtlichkeit.
Ein Herz, das durch erhabne Triebe, Durch Zärtlichkeit und Menschenliebe Von der Natur geadelt ist, Ein fühlbar Herz ist jene Quelle, Die unversieglich in die Seele Der Liebe süsse Wollust gießt.
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Ein Geist, der frey und edel denket, Durch niedern Vortheil nicht gelenket, Nicht prächtgen Sklaven zinnsbar ist, Wo Sanftmuth, edle Einfalt wohnet, Zufriedne stille Tugend thronet, Die stets wohlthätig überfließt;
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