Dresden und die Sächsische Schweiz

Part 6

Chapter 63,149 wordsPublic domain

Bei dem Bilde Correggios mochte der Dieb wohl ganz besonders sein Augenmerk auf den mit Edelsteinen (?) besetzten silbernen Rahmen gerichtet haben. Der Diebstahl wurde natürlich am nächsten Morgen sofort entdeckt und von seiten der Galeriedirektion dem Entdecker oder Wiederbringer der gestohlenen Bilder eine Belohnung von 1000 Dukaten zugesagt. Wenige Tage darauf fand ein Laternenwärter, als er frühmorgens die Laternen auslöschte, in der Nähe des jetzigen Hôtel Bellevue an einem Laternenpfahl eine Kiste angelegt mit einem Briefe, der unmittelbar an „Se. Durchlaucht den Kurfürsten zu Sachsen“ gerichtet war. Bei der Öffnung der Kiste fanden sich die Bilder van der Werffs und Seibolds und der Brief enthielt das Verlangen, dem unbekannten Übersender der Bilder 1000 Dukaten an einen Halbstundenstein in der Nähe des Wilden Mannes bei Dresden-Neustadt niederzulegen, worauf auch das Bild Correggios wieder ausgeliefert werden würde. Durch diese seine Handschrift und einige unvorsichtige Äußerungen hatte sich der Dieb bald selbst verraten, es war ein übelberufener Feldbesitzer in der Neustadt, Johann Georg Wochaz, der am 8. November bereits eingezogen werden konnte, nachdem man sich durch List noch eine zweite Probe seiner Handschrift verschafft hatte. Der Übeltäter leugnete zwar, wurde aber bald überführt, da man unter den aufgehobenen Dielen des obersten Bodens bei der mitten im Dache aufsteigenden Esse, nächst anderem gestohlenen Gute, auch das noch fehlende Bild von Correggio fand nebst dem größeren Goldrahmen und dem kleineren silbernen Rahmen, aus dem die Steine zwar ausgebrochen, aber noch daneben verwahrt waren. Der Verbrecher, der auch überführt wurde, die katholische Hofkirche beraubt zu haben, büßte seine Taten mit lebenslänglichem Zuchthause. Übrigens erhielt die Magdalena von Correggio den gefährlichen Silberrahmen nicht wieder. Auch in späteren Zeiten bis in die Mitte des neunzehnten Jahrhunderts kamen Diebstähle vor, denen u. a. ein kleines Bild Holbeinscher Schule und eine Skizze von Adrian Brouwer zum Opfer fielen; doch wurde ein berühmtes kleines Bild von Gabriel Metsu „Die junge Briefleserin“, das 1849 von einer Frau aus Langensalza entwendet wurde, in Leipzig wiedererlangt, wo es unvorsichtigerweise zum Kaufe angeboten war.

In demselben Jahre kam die Galerie zum letzten Male in große Gefahr, als während des Maiaufstandes in Dresden der Kampf zwischen dem von Militär besetzten Stallgebäude und den Aufständischen, die die Häuser auf der anderen Seite des Neumarktes besetzt hielten, wütete. Zwar waren die besten Bilder noch zeitig von den Wänden, die den Geschossen ausgesetzt waren, abgenommen; trotzdem wurden mehr als 70 Gemälde von Kugeln durchbohrt, darunter leider auch die Madonna von Murillo, ferner Bilder von Rubens, Celesti, Le Brun, Sylvestre und ein Pastellbild von Liotard. Unentdeckt ist leider die Frevelhand geblieben, die 1858 am 9. März, um Mittag, während der Besuchszeit, die Bilder von Guido Reni, Der trinkende Bacchus, und von Albano, Die badende Diana, mit einem spitzen Instrument durch Stiche verletzte und aus einer Kreuzigung Christi den Christuskopf herausschnitt.

Die Räume, in denen diese Gemäldesammlung ein Jahrhundert lang aufgestellt gewesen war, erwiesen sich aber, je länger um so mehr, als unzureichend, als bedenklich, ja als gradezu verderblich; denn die Bilder konnten nicht gegen den eindringenden Steinkohlenrauch geschützt und vor den Einflüssen starker Temperaturwechsel bewahrt werden, weil es keine Heizvorrichtungen gab. Man mußte ein langsames, aber unausbleibliches Verderben des unersetzbaren Schatzes befürchten; davon hatte sich auch die Regierung überzeugen müssen. Ein Gutachten des Kunstmäcens J. G. von Quandt ging 1842 dahin, daß es eine Verpflichtung gegen die ganze zivilisierte Welt sei, ein Museum zu bauen, dessen Lage Gemälde von so hohem Werte vor zerstörenden Einflüssen sichere. Ehe Regierung und Landtag sich aber über die Wahl des Ortes einigten, wo der Neubau errichtet werden sollte, vergingen noch einige Jahre, bis die Stände 1845/46 die geforderte Summe von 350000 Talern bewilligten und den vorgeschlagenen Platz an der nördlichen Abgrenzung des Zwingers genehmigten. Auf diese Stelle als die geeignetste hatte der berühmte Baumeister Schinkel in Berlin schon zehn Jahre früher hingewiesen. Vor allem war aber König Friedrich August selbst auf das wärmste dafür eingetreten, der immermehr in ihrer Eigenart als unschätzbar anerkannten Gemäldesammlung ein ihrer würdiges Bauwerk zu errichten. Die Ausführung wurde dem genialen Gottfried Semper übertragen, worauf dann die Grundsteinlegung am 23. Juli 1847 erfolgte. Erst acht Jahre später, 1855, war der monumentale Bau im Äußeren und Inneren vollendet (Abb. 55).

Aber schon seit 1852 hatte man unter Schnorrs Leitung (von 1846-71) auf Neuerwerbungen Bedacht genommen, wenn auch anfänglich in bescheidenem Maße. Die neuere Malerei konnte aber erst seit 1873, als in einmaliger Bewilligung des Landtages bedeutende Mittel zur Verfügung gestellt wurden, in ausgedehnter Weise berücksichtigt werden. Dazu standen seit 1880 auch noch die Zinsen der Pröll-Heuer-Stiftung zur Verfügung.

Wir kehren nach dieser Abschweifung ins neunzehnte Jahrhundert wieder in die Mitte des achtzehnten Jahrhunderts zurück.

„Die Zeit größerer Bauten und anderer Kunstunternehmungen erscheint mit Vollendung der im Jahre 1751 zwar nicht völlig beendeten, aber eingeweihten katholischen Hofkirche vorerst abgeschlossen. Die Greuel des Siebenjährigen Krieges brachen herein, und sie, nicht nur die notgedrungene Zahlungseinstellung der sogenannten Pensionen an die immer noch zahlreichen Hofkünstler, vertrieben eine schaffende Kraft nach der anderen, denen übrigens weder der Adel noch andere Wohlhabende in einer Zeit Hilfe zu bieten vermochten, wo jeder, der nur irgend konnte, Dresden verließ.“ (Wießner.)

[Sidenote: Die Gründung der Kunstakademie.]

So konnte denn eine Kunstakademie erst unter dem Kurfürsten Friedrich Christian und seiner hochbegabten, kunstverständigen Gemahlin Maria Antonia ins Auge gefaßt werden; aber die Verwirklichung erfolgte erst nach dem unerwartet plötzlichen Tode des Kurfürsten (17. Dezember 1763) unter der Administration des Prinzen Xaver August, der dann auch das Protektorat über die Akademie übernahm.

Nachdem schon eine sogenannte Malerakademie in den vorhergehenden Jahrzehnten nur gelegentlich ein dürftiges Dasein gefristet hatte, trat nach dem Reskript vom 6. Februar 1764 eine volle Kunstakademie (Abb. 56 u. 57) mit den vier Abteilungen für Malerei, Bildhauer-, Kupferstecher- und Baukunst unter einem deutschen Generaldirektor, unter Christian Ludwig v. Hagedorn ins Leben.

Zu den Lehrern, die bereits 1766 an die Akademie berufen wurden, gehörten auch die beiden Schweizer Anton Graff (1730 bis 1813) und Adrian Zingg (1734-1816), und zwar Graff als Porträtmaler und Zingg als Kupferstecher und Landschaftsmaler. Ihnen werden wir in unserer Darstellung der Sächsischen Schweiz noch einmal begegnen. Zingg war der erste, der von den malerischen Ansichten des Sandsteingebirges die ersten naturgetreuen und wenn auch manierierten, so doch nicht stilvoll verzerrten Darstellungen entwarf. Die Arbeiten seiner Schüler, zu denen Chr. Klengel (1751-1824) und C. A. Richter, der Vater von Ludwig Richter (1803-1884), gehörten, haben wohl ebensoviel wie die Beschreibungen zum Bekanntwerden der mannigfachen Schönheiten der Sächsischen Schweiz beigetragen.

Zu den Zierden der Akademie gehörten in späterer Zeit die Maler Schnorr von Carolsfeld (1794-1872), Ludwig Richter (1803-1884), Bendemann (1811 bis 1889), Preller (1838-1901), Prell (geb. 1854), die Bildhauer Rietschel (1804 bis 1861), Hähnel (1811-1891), Schilling (geb. 1828) und der Architekt Semper (1803-1879). Dreien derselben und zwar Richter, Rietschel und Semper sind auf der Brühlschen Terrasse, wo sich auch die neue von Lipsius (1890-1894) erbaute Akademie erhebt, Denkmäler errichtet.

[Das Königliche Opernhaus.]

Hervorragende Bauwerke wurden in der zweiten Hälfte des achtzehnten Jahrhunderts, außer der schon erwähnten Kreuzkirche, nicht mehr errichtet, ebensowenig in der schwer auf Sachsen lastenden napoleonischen Zeit. Erst unter König Friedrich August II. (1836-1854) erhielt Dresden erhöhten Glanz in architektonischer Hinsicht durch Gottfried Semper, einen der geistvollsten Vertreter der Renaissance. Sein Museum (1846-1855) gehört zu den hervorragendsten Bauwerken der Neuzeit. Die Wirkung des Außenbaues wird durch den plastischen Schmuck wesentlich gehoben. Sempers zweites Werk, das Hoftheater (1838-1841), wurde leider 1869 durch Feuer vollständig zerstört. Und wenn auch das neue, ebenfalls von Gottfried Semper und seinem Sohne Manfred erbaute Königliche Opernhaus (Abb. 58) an demselben Platze in der Nähe des Museums und des Schlosses und in demselben Stil entworfen wurde, so macht selbst der größere umfängliche Bau, infolge gesteigerter Ansprüche an die Inszenierung der Spiele, nicht den einheitlichen sympathischen Eindruck wie das erste Werk. Das neue Opernhaus entstand in den Jahren 1871-1878, und zehn Jahre später wurden nach der Jubelfeier des Hauses Wettin 1889, an das ein von Schilling entworfenes Denkmal in Gestalt eines Obelisken in der Nähe des Schlosses (Abb. 59) erinnert, auch, zunächst durch Bewilligung der Stände dem allverehrten Könige Albert die Mittel angeboten, dem Schlosse selbst äußerlich einen reicheren und eines Fürstensitzes würdigen Schmuck zu verleihen. So erheben sich nun in der Umgebung des Schloß- und Theaterplatzes eine Anzahl von Staatsgebäuden, wie sie kaum in solcher Pracht in einer Großstadt auf so kleinem Raum vereinigt sind und doch dem Beschauer freien Umblick nach allen Seiten gestatten.

[Sidenote: Die Bevölkerung Dresdens.]

Wir wollen nun einen kurzen Blick auf das Wachstum der Stadt werfen und werden daraus ersehen, daß wie fast alle deutschen Städte, die Zunahme der Bevölkerung in früheren Jahrhunderten sehr langsam vor sich ging, teils weil es damals weit schwieriger war, einen festen Wohnsitz in der Stadt zu erlangen, teils weil der Mauerring eine Vermehrung der Wohnungen erschwerte und die Vorstädte außerhalb der Mauern sich nur in bescheidener Weise ausdehnten, da die Bewohner in unruhigen Zeiten, in Kriegen stets des Verlustes ihrer Häuser gewärtig sein mußten. Das hatte sich von den Hussitenzeiten bis zum Siebenjährigen Kriege bestätigt gefunden. Erst als seit 1811 die Stadtmauern niedergelegt, die Wallgräben ausgefüllt wurden und Dresden aufhörte eine feste Stadt zu sein, trat allmählich eine raschere Zunahme der Bevölkerung ein. Doch unterscheidet sich das Wachstum nach 1860 wieder auffällig von der vorhergehenden Zeit. Zwischen 1860 und 1890 wuchs die Einwohnerzahl in je zehn Jahren um je 50000; auch 1890 ward die jährliche Zunahme noch bedeutender, wozu auch die immer noch andauernde Einverleibung der Vororte wesentlich beitrug.

[Sidenote: Die Schulen Dresdens.]

Im ganzen Mittelalter erreichte die Stadt noch nicht die Zahl von 10000 Bewohnern, für 1699, also in den ersten Regierungsjahren Augusts des Starken, wird sie auf 21000, 1727 auf 46000 und 1752 auf 63000 Einwohner angegeben. Damit sind wir am Ende der ruhigen Entwickelung des achtzehnten Jahrhunderts angelangt. Die verhängnisvollen Zeiten von 1756-1815 verminderten die Bevölkerung und erst 1834 konnte wieder ein sichtliches Wachstum auf 74000 Einwohner wahrgenommen werden. Im Jahre 1855 wurde die Zahl von 100000 überschritten und damit trat Dresden in die Zahl der Großstädte ein. 1861 zählte die Stadt 128000, 1871: 177000, 1880: 221000, 1890: 277000, 1900: 295000. Nach der Einverleibung der nächsten Vororte Strehlen, Striesen, Gruna und Pieschen folgten die Dörfer Räcknitz, Zschertnitz und Seidnitz links der Elbe und am 1. Januar 1903 Mickten, Übigau, Kaditz und Trachau rechts der Elbe, sowie Plauen, Löbtau, Cotta, Naußlitz und Wölfnitz auf dem linken Ufer. Dadurch hat die Stadtgemeinde von Dresden nahezu die Bevölkerung von einer halben Million Einwohner erreicht. Das Stadtgebiet umfaßt nunmehr einen Flächenraum von 6230,31 _ha_, also über 62 Quadratkilometer. Wenn aber neben der immer wachsenden Zahl der einheimischen Bevölkerung auch eine große Anzahl von Fremden zeitweilig ihren Wohnsitz in Dresden nimmt, so sind neben den Kunstsammlungen, die im achtzehnten Jahrhundert allein eine große Anziehungskraft ausübten, im neunzehnten Jahrhundert noch andere Gründe hinzugetreten. Zunächst die vorzüglichen Leistungen der Königlichen Theater, namentlich der Oper mit dem festbegründeten Ruf der Königlichen Kapelle unter der Leitung von Komponisten wie Reissiger, Weber (Abb. 60) und Wagner oder Dirigenten wie Rietz, Wüllner und Schuch. Dann aber ist Dresden auch durch seine Schulen berühmt. Wenn Herder die Stadt Dresden noch eine Schule der Artigkeit nannte, dann ist es im neunzehnten Jahrhundert auch für viele Fremde eine Schule der Bildung geworden. Die wissenschaftlichen Arbeiten werden wesentlich durch die schon von Kurfürst August im sechzehnten Jahrhundert begründete Bibliothek im Japanischen Palais (Abb. 61) gefördert, die über 400000 Bände zählt. Unter den Schulen sind in erster Reihe die drei Hochschulen zu nennen: die Technische Hochschule, die Kunstakademie und die Tierärztliche Hochschule, ferner vier Gymnasien, unter ihnen als ältestes die Kreuzschule (Abb. 62), zwei Realgymnasien, ein Reformgymnasium, zwei Schullehrerseminare, ein Lehrerinnenseminar, Kunstgewerbeschule, Taubstummen- und Blindenanstalt, zahlreiche gewerbliche Fachschulen, Baugewerkenschule sowie viele Bürger- und Volksschulen, außerdem aber noch mehrere private Realschulen, Mädchenschulen und Pensionate. Von diesen Bildungsanstalten verdient wegen ihrer Beziehung zur Pflege der bildenden Künste die Kunstgewerbeschule noch eine besondere Erwähnung. Diese Bildungsanstalt zweigte sich von dem Polytechnikum 1865 als Königliche Schule für Modellieren, Ornament- und Musterzeichnen ab. Einen Aufschwung nahm diese Schule erst 1875 als Königlich Sächsische Kunstgewerbeschule. Mit dieser Schule ist ein Kunstgewerbemuseum verbunden. Einzig in ihrer Art ist die Gehe-Stiftung durch unentgeltlichen Besuch ihrer Vorträge und Benutzung der reichhaltigen Bibliothek.

Endlich hat sich im neunzehnten Jahrhundert auch die Industrie in verschiedenen Zweigen mächtig entwickelt und in manchen Zweigen eine führende Rolle eingenommen. Weltberühmt sind die Drogen von Gehe & Cie., ferner Schokoladen, Nähmaschinen und Fahrräder, Mineralwässer, künstliche Blumen, photographische Apparate und Papiere, Lichtdrucke, Zigaretten, Gummiwaren, Hohlglas- und Steingutwaren und bedeutende Bierbrauereien; dazu kommen noch in den Vororten zahlreiche Kunst- und Handelsgärtnereien.

[Sidenote: Industrie und Handel Dresdens.]

Diesen blühenden und sehr mannigfachen Gewerben entsprechend, hat sich auch der Handel entwickelt, der wiederum durch zwei größere Banken, die Sächsische und Dresdener Bank und mehrere Privatbanken eine gewichtige Förderung findet.

Dem wachsenden Verkehr innerhalb der Stadt wurde Rechnung getragen durch den Durchbruch großer Straßenzüge aus der Mitte der Stadt nach den Vorstädten. Diese erfolgten nur in der von Haus aus enger und winkliger gebauten Altstadt. Es sind die Wettinerstraße, König-Johann-Straße und Johann-Georgen-Allee. Dann wurden auch die Alleen auf den ehemaligen Festungsgräben und Stadtwällen in breite Ringstraßen verwandelt. Doch hat auch die Neustadt nach Verlegung der Kasernen in die Albertstadt auf dem Boden der Dresdener Heide bedeutende Bauflächen auf dem rechten Elbufer gewonnen, durch welche von der Carolabrücke her die Albertstraße gelegt ist, an deren Anfang auf beiden Seiten, mit der breiten Front gegen die Elbe, die beiden stattlichen Neubauten der Ministerien sich erheben.

Der Verkehr auf der Elbe erhielt einen bedeutenden Aufschwung durch die Eröffnung der Dampfschiffahrt. Nachdem die Sächsisch-böhmische Dampfschiffahrtsgesellschaft am 6. Juli 1836 die Genehmigung von der Regierung erhalten hatte, wurde am 30. Juli 1837 mit dem ersten Dampfschiffe die erste Übungsfahrt von Dresden nach Meißen unternommen und damit der Dampferverkehr eröffnet. Gegenwärtig besitzt diese Gesellschaft siebenunddreißig Personendampfer, drei Schraubendampfer, einen Schiffsbauplatz in Laubegast und einen Winterhafen in Loschwitz.

Außerdem sind für den Frachtverkehr auf der Elbe tätig: Die Kette, Deutsche Elbschiffahrtsgesellschaft, die ihren Schiffsbauplatz in Übigau besitzt, ferner die Österreichische Nordwest-Dampfschiffahrtsgesellschaft, die Dampfschleppschiffahrtsgesellschaft der vereinigten Elbe- und Saale-Schiffer und die Deutsch-österreichische Dampfschiffahrts-Aktiengesellschaft.

Der Eisenbahnverkehr wurde 1839 durch die Leipzig-Dresdener Eisenbahn eröffnet. Daran schloß sich die schlesische Linie nach Görlitz 1847, die böhmische Linie 1851, die Linie nach Chemnitz 1869 und die nach Berlin 1875 an. So liegt Dresden gegenwärtig im Knotenpunkte der Verkehrslinien, die von Westen nach Osten Deutschland durchschneiden und von Norden nach Süden die Hauptstädte des Deutschen Reiches und Österreichs verbinden. Alle Linien laufen in dem neuen Hauptbahnhof (Abb. 63), der an die Stelle des Böhmischen Bahnhofes getreten ist, in der Altstadt zusammen. Die Verbindung der Eisenbahnlinien rechts und links der Elbe erfolgte nach Vollendung des Baues der Marienbrücke, unterhalb der Alten Brücke, 1852, die aber auch zugleich für den Wagenverkehr zwischen Altstadt und Neustadt diente. Diese Verbindung ist 1901 aufgehoben, nachdem eine besondere Eisenbahnbrücke nahe unterhalb der Marienbrücke infolge des wachsenden Verkehrs notwendig wurde. Auch oberhalb der Alten Brücke erheischte die immer größere Ausdehnung der Stadt noch den Bau von zwei steinernen Brücken: der Albertbrücke 1877 und der Carolabrücke 1895. Somit besitzt die Stadt nunmehr vier Brücken, die ihrem Verkehr dienen und eine dem Staat gehörige Eisenbahnbrücke. Dresden ist eine der schönstgelegenen und auch im Inneren schönsten Großstädte des Deutschen Reiches.

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[Sidenote: Berühmte Dresdener.]

Anhangsweise seien hier noch die berühmten Männer, die in Dresden geboren sind, in alphabetischer Reihe genannt:

Ernst Julius Hähnel, Bildhauer, 1811-1891; Guido Hammer, Tiermaler, 1821-1900; Julius Hammer, Dichter, 1810-1862; Theodor Körner, 1791-1813; Heinrich von Maltzan, Forschungsreisender, 1826-1874; Edwin v. Manteuffel, Feldmarschall, 1809-1885; Gustav Nieritz, 1795-1876; Oskar Peschel, Geograph, 1826-1875; Mathäus Daniel Pöppelmann, 1662-1736; Ludwig Richter, 1803-1884; Heinrich v. Treitschke, Geschichtsforscher, 1834-1896; Nikolaus Ludwig v. Zinzendorff, Begründer der Brüdergemeine, 1700-1760.

V.

Die Sächsische Schweiz. Allgemeines.

[Sidenote: Die Sächsische Schweiz.]

An den Dresdener Talkessel schließt sich gegen Südosten als zweites Zwischenglied zwischen dem Erzgebirge und dem Lausitzer Hochlande das Sandsteingebirge an, das unter dem Namen der „Sächsischen Schweiz“ allgemein bekannt ist. Die Sand- und Plänerablagerungen der Kreidezeit haben sich hier in größerem Zusammenhange erhalten, während sie im Talkessel der Elbe in die Tiefe gesunken sind. Das ist besonders in Dresden selbst bei Bohrung eines artesischen Brunnens auf dem ehemaligen Antonsplatz, der jetzt von der städtischen Markthalle eingenommen wird, nachgewiesen, denn hier liegen die Schichten derart übereinander, daß zu oberst eine 15 _m_ mächtige Schicht von Sand und Geröll liegt, darunter 129 _m_ mächtig unterer Pläner, darunter 19 _m_ unterer Quadersandstein und dann erst folgen ältere Gesteine, namentlich roter Sandstein. In der Sächsischen Schweiz spielt dagegen der Quadersandstein eine weit größere Rolle als der Plänerkalk und die Ausdehnung des Sandsteins bestimmt daher auch die Grenzen der Sächsischen Schweiz. Die Westgrenze bildet etwa die nordsüdliche Linie von Pirna über Berggießhübel an der Gottleuba aufwärts und weiter über Tyssa nach Königswald an der Eisenbahnlinie von Bodenbach nach Teplitz; auch die Grenze gegen den Dresdener Elbtalkessel verläuft rechts der Elbe von Pirna nach Bonnewitz noch in derselben Richtung. Von Bonnewitz, östlich vom Porsberge gelegen, läuft die Grenze, ohne daß der Gegensatz des Lausitzer Granitgebietes und des Sandsteinlandes überall orographisch sofort in die Augen fiele, erst in östlicher Richtung über den Lohmener Wald, Hohnstein, Lichtenhayn und Ottendorf nach Hinterhermsdorf und wendet sich von hier mehr südlich über Hinterdaubitz nach Kreibitz. Von hier aus kehren wir nach der Elbe zurück, überschreiten sie bei Tetschen, wo das Schloß auf dem südlichsten Sandsteinfelsen an der Elbe sich erhebt und verfolgen von hier weiter westwärts das Tal am Südfuße des Hohen Schneebergs bis nach Königswald. Die so umschriebene Fläche hat nur die Größe von 450 _qkm_. Also seiner Ausdehnung nach gehört das Gebirge mit zu den kleinsten in Deutschland und ebenso gehört es auch zu denen, die durch ihre Höhen und Gipfelpunkte keineswegs einen bedeutenden Eindruck machen.

Wenn trotzalldem die Sächsische Schweiz zu den von Fremden am meisten besuchten Gebirgen in Deutschland zu rechnen ist, so muß sie reizvolle Einzelheiten bieten, die eine große Anziehungskraft ausüben. Diese Eigenart ist schon in dem Namen Sächsische Schweiz angedeutet, wenn auch ein ernster Vergleich der wirklichen Schweiz mit unserem Gebirge das Maß der Ähnlichkeiten gewaltig einschränken würde.

[Sidenote: Die Entstehung des Namens Sächsische Schweiz.]

Es liegt in dem Namen aber auch zugleich ausgesprochen, daß der Vergleich aus verhältnismäßig neuer Zeit stammen muß und daß er natürlich erst in einer Zeit erteilt sein konnte, wo man die Schönheiten der wirklichen Schweiz zu würdigen lernte; und das geschah erst in der ersten Hälfte des achtzehnten Jahrhunderts.

Man darf zunächst daraus schließen, daß das Sandsteingebiet früher einen anderen Namen gehabt habe, und wenn man auch zugeben muß, daß Gebirge und Flüsse nur selten in langen Zeitläuften ihren Namen ändern, so wird man hier doch nach einem solchen forschen. Die Kleinheit des Gebirges und die geringen Erhebungen seiner Gipfel lassen aber zugleich die Vermutung aufkommen, daß, wenn das Gebiet nicht einen besonderen Namen getragen hat, es zu einem anderen, mächtigeren Gebirge muß gerechnet gewesen sein; denn man mag von den Höhen der Lausitz oder von den östlichen Höhen des Erzgebirges sich der Sächsischen Schweiz zuwenden, immer wird man überrascht sein, den Blick nach unten, aber nicht nach oben richten zu müssen, also das Sandsteingebirge gleichsam unter sich zu sehen.