Dresden und die Sächsische Schweiz
Part 11
Die Verwitterung greift die Steilwände zuerst und zwar von oben her an. Die Abrundung der Felsmassen geht von oben nach unten vor sich. Eingedrungener Regen, Schnee, Frost und Wiederauftauen des Eises in den Klüften arbeiten beständig an der Erweiterung der Spalten; auch eingedrungene Baumwurzeln können dazu beitragen; aber dieser Zerstörungsprozeß geht sehr langsam vor sich. Vor allem aber fällt ins Gewicht, daß das tonige Bindemittel, das den Sand der alten Meerablagerung zu festen Steinbänken verkittet hat, sehr leicht durch Wasser aufgeweicht wird und damit das Gefüge gelockert wird. Dagegen widersteht das kieselig tonige Bindemittel, wie es in den meisten feinkörnigen Sandsteinen vorhanden ist, weit besser der Zerstörung. Wie stark diese Auflockerung und Auflösung des Gesteins gewesen ist, sieht man an allen den unzähligen senkrechten Wänden. Wenn nicht am Fuß derselben ein Rinnsal oder gelegentlich ein Bächlein entlang fließt und den herabgefallenen Sand mitnimmt und fortspült, findet man überall an den Felsenwänden einen Schuttkegel von Sand und Blöcken mit einer bedeutenden Böschung aufgehäuft, die namentlich an den alleinstehenden Steinmassen auffällt und eine typische Erscheinung aller „Steine“ bildet. Die Verwitterung greift vor allem die Schichtenfugen und die Klüfte an. An kahlen Felstürmen verwittern die Gipfel dermaßen zu rundlichen Köpfen, daß man ihnen Namen gegeben hat, wie Mehlsäcke und die Hafersäcke am „Brand“. Derartig abgeschliffene Formen finden sich auch in den Schrammsteinen und am Großen Zschand (Abb. 111, 112, 113). Wenn aber vollends die oberen Bänke aus besonders weichem Gestein bestehen und sich daher völlig in Schutt und Sand auflösen, der auf den unteren festeren Schichten zum Teil liegen bleibt, dann entstehen großartige Felsterrassen wie am Teichstein in der Nähe des Zeughauses oder an den Wänden nordöstlich vom Prebischtor. Hier erscheinen die Steilwände der unteren Bänke schon fast ganz in dem Schuttkegel begraben.
[Sidenote: Felsformen am Gorisch.]
Nur wo das Gestein der Verwitterung trotzt, zeigen auch die Felsplatten und Felstürme wunderlich eckige oder höckerige Oberflächen (Abb. 114), auf denen der Fuß nur schwierig einen festen Stand gewinnen kann; oder es zeigen die Felstürme nicht eine abgerundete, abgeschliffene Kopfform, wie sie bei den Mehlsäcken beschrieben sind, sondern es bleiben Zacken, Widerhaken und abenteuerliche Spitzen stehen. Für diese Gestaltung ist vor allem der Gorisch charakteristisch. „Die Oberfläche der Felsenpfeiler ist nach Theiles Beschreibung in Über Berg und Tal, 1887, S. 157, meist sehr uneben, an vielen Stellen mit kegelförmig zugespitzten Höckern versehen oder zeigt Nachbildungen von ganzen Gebirgslandschaften.“ Eine höchst seltsame, wohl einzig in der Sächsischen Schweiz dastehende Bildung zeigt ein isolierter Steinkegel (unterhalb der eigentlichen Tafel des Berges) in der Nähe des westlichen Endes. Dieser Turm läuft oben in eine stumpfe Spitze aus, die mit allerhand wunderlichen Felszacken und Spitzen besetzt ist.
[Sidenote: Auswitterungen und Höhlen.]
Die letzte Form dieser Art von Zerstörung der Felsmassen könnte man schon als Auswitterung bezeichnen; allein im engeren Sinne soll darunter der Angriff der Atmosphärilien auf die senkrechten Wände und einzelne Steinblöcke bezeichnet werden, die durch raschen Wechsel der Temperatur, durch anschlagenden Regen, durch einfressenden Nebel, vielleicht auch durch anhaftende Moospolster verursacht werden können. Es entstehen Aushöhlungen am Gestein, die bei weiterem Fortschritt zu wirklichen Höhlen sich auswachsen können.
[Sidenote: Das Prebischtor.]
Vor allem sind die Schichtungsfugen der wagerechten Bänke den Angriffen der Luft ausgesetzt. Reihenweise erscheinen die Aushöhlungen dann nebeneinander, meistens in den höheren Teilen der Wände. Klein, rundlich und von wenigen Centimetern Tiefe und Breite stehen sie da mit gewölbter Decke und wagerechter Sohle, von der nächsten Höhlung oft nur durch zierliche Pfeiler getrennt, die in ihrer Gestalt an Sanduhren erinnern. Auch übereinander treten sie auf (Abb. 115). Wenn die Pfeiler dann auch gefallen oder verwittert sind, vereinigen sich die benachbarten Vertiefungen schon zu größeren Höhlungen. Beispiele dafür bietet das Bild einer Felswand am Gorisch, rechts vom Aufstieg zur Tafel des Berges; aber hier finden sich die Höhlungen ziemlich niedrig an der Felswand. Weiter fortgeschritten sieht man solche Bildungen auch am Quirl und hier namentlich die große Höhle des Diebeskellers, die 29 _m_ tief in den Felsen eindringt. Und schließlich können, wenn schmalere hochaufragende Felswände oder Felsmassen von zwei entgegengesetzten Seiten in dieser Art von der Auswitterung angegriffen werden, große Höhlen und Tore, wie der Kuhstall (Abb. 116) und das Prebischtor entstehen, die als die berühmtesten ihrer Art kleinen Nachbildungen wieder ihren Namen verliehen haben wie Kleines Prebischtor, Großer und Kleiner Kuhstall auf dem Pfaffensteine, wenn diese auch nicht auf dieselbe Art entstanden sind. Auch die Kleinsteinhöhle (Abb. 117) gehört hierher. Man ist früher der Ansicht gewesen, diese großen Höhlen seien durch Meeresbrandung ausgewaschen und hat auch die schrägliegenden und gestürzten Sandsteinbänke an den Nikelsdorfer Wänden mit den von der Brandung angegriffenen Klippen an der See verglichen oder auf die Stufenabsätze am Teichstein und am Prebischtor hingewiesen; allein wirkliche Spuren eines hier vorhandenen Meeres in der Diluvialzeit sind nicht nachzuweisen und es müßten, wenn die Höhlen durch Wellen und Brandung geschaffen wären, dieselben doch in annähernd gleicher Meereshöhe liegen. Das ist aber nicht der Fall. Das Prebischtor liegt 420 _m_, der Kuhstall 309 _m_, die Kleinsteinhöhle 325 _m_ überm Meer. Allerdings muß zugegeben werden, daß das Prebischtor, statt durch Auswitterung, auch durch Ausbrechen der lockeren inneren Quadern entstanden sein kann. Jedenfalls bleibt dies Tor die merkwürdigste und sehenswerteste Bildung im ganzen Sandsteingebiet und wird außerdem noch wegen seiner einzig schönen Aussicht geschätzt.
Endlich gibt es noch eine Art von Auswitterung, die den Fels nur auf der Oberfläche angreift, ohne ihn völlig umzugestalten. Es entstehen dadurch an den Wänden schmale vortretende Simse oder wagerecht verlaufende Leisten. Oder es bilden sich auf den höchsten Steinplatten beckenförmige Vertiefungen, gleichsam rundliche Steinwannen, die eine allzu geschäftige Phantasie für Opferbecken aus der Heidenzeit erklärt hat, weil man an der Gestalt dieser Becken glaubte, die Arbeit von Menschenhand zu erkennen. Häufig findet sich Wasser in diesen Becken, wie auf dem Großen Zschirnstein, wo man diese Wanne das Rabenbad genannt hat; auch auf dem Lilienstein findet man ein solches Becken, das über 1 _m_ lang und 40 _cm_ tief ist.
[Sidenote: Die Auswitterung.]
Eine wirkliche Kleinarbeit trifft man aber an einzelnen Felsen namentlich in höheren Lagen, wo die Oberfläche so zierlich durchlöchert ist, daß man diese Auswitterungen mit Honigwaben oder mit einem Schwamm verglichen hat. Häufig ist hier der Sandstein von einem eisenschüssigen Bindemittel durchsetzt und rostbraun gefärbt, und wenn hier das Eisen nicht den ganzen Stein durchdringt, sondern nur eine Oberflächenschicht erfüllt, dann wird, da das Eisen sich am schnellsten zersetzt, nur der Überzug durchlöchert, wie bei einer Filigranarbeit, und diese fällt, wenn sich nach innen der Zusammenhang mit der Hauptmasse des Steines verloren hat, ab und sinkt zu Boden oder kann sehr leicht abgeschlagen werden. Als Beispiel für diese Art der Auswitterung geben wir zwei Ansichten, erstens von einem Felsblock unmittelbar am Eingange zur Götzinger-Höhle (Abb. 118). Hier ist die Oberfläche rostfarben von Eisen durchsetzt und die Oberflächenschicht an manchen Stellen schon abgefallen, so daß man den glatteren Fels sieht. Die zweite Ansicht zeigt einen grauweißlichen Sandstein, die untere Felsbank am Schuttkegel im Hochtal oberhalb des Großen Domes (Abb. 119). Hier wird nicht bloß die Oberflächenschicht angegriffen, sondern die Auswitterung dringt tiefer, die ausgewitterten Höhlungen sind verhältnismäßig größer.
Die Ursache dieser Art von Aushöhlungen ist noch nicht mit Sicherheit gefunden. Gutbier schreibt dem Nebel die Ursache zu, und seine Begründung hat viel für sich. Nach seinen Beobachtungen werden diese Auswitterungen hauptsächlich am Fuß der Felsen angetroffen. „Diese Zone ist unabhängig von der Höhe über dem Meere, unabhängig von gewissen Schichten des Sandsteines, sie steht dagegen in genauester Beziehung zu den sogenannten Fichtendickichten, zu der Höhe, in welcher junge Nadelhölzer am dichtesten zusammengewachsen sind, tiefen Schatten verursachen und jeden Luftzug verhindern.[2] In dieser Zone schlagen sich an vielen Tagen im Jahre die Nebel nieder und können nicht entweichen. Die Feuchtigkeit hängt sich in Tropfen an das Gestein und wird zum großen Teile von demselben aufgenommen. Ein kieselig toniges Bindemittel, wie in den meisten feinkörnigen Sandsteinen vorhanden, widersteht am besten der Zerstörung; waltet aber der Ton vor, so nimmt er begierig das Wasser auf, welches ihn mechanisch aufweicht und ausführt; kalkiges Bindemittel wird durch die Kohlensäure im Wasser zersetzt, ebenso wird der vorhandene Eisenocker ausgelaugt und zur Zerstörung und Umbildung des Gesteines benutzt... Während der Wintermonate verstärkt der Frost den Verwitterungsprozeß, indem die kleinen Eiskristalle der eingedrungenen Feuchtigkeit das Gestein auseinander treiben und zum Zerfallen bringen. Wie schwer außerhalb der Nebelzone die ersten Anfänge der Verwitterung auf Felswände mit frischem Bruch einwirken, zeigt eine hohe Wand an der Nordseite des Pfaffensteines, welche sich durch helle Färbung vor ihren Nachbarn heraushebt. Am 3. Oktober 1838 fand nämlich hier ein Felsensturz statt, und die seit fast zwanzig Jahren bloßgelegte Wand hat ihre Farbe bis jetzt (1857) noch nicht im mindesten verändert. Sie ist aber auch der Wirkung aller Stürme bloßgestellt. Die architektonischen Verzierungen an der Spitze des Höckerigen Turmes zu Meißen, welche gegen 500 Jahre der Witterung ausgesetzt waren, haben kaum einen Zoll Stärke von außen herein eingebüßt. Welche Zeiten werden nötig gewesen sein, um die Felsensäule des Bieler Grundes aus dem Zusammenhange ihrer Schichten zu bringen! Je mehr sie aus der ursprünglichen Verbindung heraustraten, desto mehr wurden sie der Nebelzone, die überall in den Klüften herrscht, entrückt, desto langsamer ging in den letzten Jahrtausenden ihre Zerstörung von statten.“
[2] Daß aber in allen Gegenden unseres Gebirgslandes seit Jahrtausenden viele Generationen der Nadelhölzer heranwuchsen, mithin jeweilig überall am Fuße der Felsen Dickichte bildeten, darüber wird niemand im Zweifel sein. --
VIII.
Die Steine und Felsenhöhen.
[Sidenote: Die Steine und Felsenhöhen.]
[Sidenote: Vergleich der Felsenhöhen rechts und links der Elbe.]
Was den spülenden Wassern der Elbe und ihren Zuflüssen, und was den zersetzenden Einwirkungen der Luft auf dem Boden der Sandablagerungen widerstand und im ganzen Gebirge durch seine auffälligen Gestalten und seine Höhe vor allen den Blick auf sich zieht, sind die Felsenhöhen, die nackten und zerrissenen Klippenreihen und die einzeln aufragenden Steine. Ihre Höhe nimmt nach Norden ab; eine durch ihre Gipfelpunkte oder Bergplatten gezogene Linie würde die allmähliche Neigung nach Norden deutlich zum Ausdruck bringen. Aber es besteht doch ein Unterschied zwischen den Bergen und Felsen rechts und links der Elbe; ähnlich wie uns die Lagerung der Sandsteinbänke rechts der Elbe wagerecht, links vom Strome nach Norden geneigt erscheint. Links von der Elbe liegen die höchsten bewaldeten Bergplatten und einzeln aufragende Steine, rechts die höchsten Basaltkuppen und zahlreiche Felsenkessel und Klippenzüge. Wir wollen die höchsten und bekanntesten Höhen hier einander gegenüberstellen.
Links der Elbe: Rechts der Elbe:
Schneeberg 721 _m_ Rosenberg 620 _m_ Großer Zschirnstein 561 _m_ Großer Winterberg 551 _m_ Kleiner Zschirnstein 471 _m_ Kleiner Winterberg 500 _m_ Papststein 452 _m_ Rudolfstein 486 _m_ Pfaffenstein 428 _m_ Lilienstein 411 _m_ Königstein 360 _m_ Basteifelsen 305 _m_
Über den Ebenheiten oder über den Fuß des Berges erheben sich diese Höhenpunkte durchschnittlich etwa 200 _m_, mit Schwankungen von 120-270 _m_. Es sind das natürlich nur annähernd zutreffende Zahlen, weil sich bei manchen dieser Berge der Fuß nicht sicher angeben läßt. Die angesetzten Zahlen sollen nur eine allgemeine Vorstellung davon geben, wie hoch sich über der umgebenden Landschaft die einzelnen Felsenberge mit ihren Steilwänden erheben und welchen Einfluß diese kühnen Formen auf das Landschaftsbild ausüben müssen, so daß sich die Sächsische Schweiz dadurch schon in weiter Ferne von den Umrissen der Lausitzer oder Erzgebirgischen Höhen durchaus unterscheidet.
[Sidenote: Der Hohe Schneeberg.]
Wir beginnen mit der Beschreibung der wichtigsten Berge auf dem linken Elbufer. Der Hohe Schneeberg (Abb. 120) stellt eine von Südwest nach Nordost gestreckte Bergplatte von fast 2 _km_ Länge und 700 _m_ Breite dar. Die Sandsteintafel, die ganz mit Wald, auch an den Abhängen, bedeckt ist, neigt sich in der Richtung der Längserstreckung und fällt vom höchsten Punkte im Süden, 721 _m_, auf 628 _m_ im Nordosten. Der Berg bricht allenthalben in Steilwänden in den ihn rings umgebenden Wald ab, namentlich aber nach der Südseite, wo der rasche kurze Abfall ins Tal des Eulaer Baches einen Höhenunterschied von 500 _m_ ausmacht, während auf der Nordseite der Unterschied höchstens 200 _m_ beträgt. Der Abfall nach Süden ist aber nicht, wie bei den meisten „Steinen“, durch eine einzige senkrechte Felswand erfolgt, sondern in mehreren Absätzen und es sind hier infolge der großen Verwerfungsspalte am ganzen Südrande des Erzgebirges die etwa 10 _m_ starken Sandsteinbänke unter einem Winkel von fünf Graden nach Süden eingefallen. Im Jahre 1824 wurde auf der höchsten Stelle des Berges ein Steinwürfel gesetzt mit der Inschrift: _Monumentum astronomico-geometricum_. Er bildete also einen wichtigen Knotenpunkt für die Landesvermessung von Böhmen. Östlich von dem Denkstein erhebt sich seit dem Jahre 1864 ein hoher steinerner Aussichtsturm, von dem aus man die schönste und umfassendste Aussicht im ganzen Sandsteingebirge genießt; denn man hat von hier aus nicht bloß das landschaftlich schönste Bild namentlich gegen das Böhmische Mittelgebirge vor sich, sondern auch die belehrendste Rundsicht, insofern man vier verschieden gestaltete Gebirge: Erzgebirge, Mittelgebirge, Sandsteingebirge und Lausitzer Gebirge um sich erblickt. Der südliche Abhang des Schneeberges ist an der tektonischen Bruchlinie mit einem ausgedehnten Felsenmeere von mächtigen Sandsteinblöcken überdeckt.
[Sidenote: Die Zschirnsteine.]
In einer Entfernung von 8 _km_ Luftlinie beginnt nun im Norden vom Hohen Schneeberg die Zone der „Steine“. Die Zone erstreckt sich von Südost nach Nordwest, hat eine Länge von etwa 16 _km_ und eine Breite von 6 _km_ und liegt mit Ausnahme der von der Elbe umflossenen Halbinsel des Liliensteins ganz auf dem linken Ufer des Stromes. Meistens liegen diese Steine paarweise, wie der Große und Kleine Zschirnstein, der Zirkelstein und die Kaiserkrone, der Katzstein und der Müllerstein, Koppelsberg und Kohlbornstein, Papststein mit Gorisch und Kleinhennersdorfer Stein (hier liegen drei Steine zu einer Gruppe vereinigt), Pfaffenstein und Quirl, Bernhardstein und Nickolsdorfer Stein, Große und Kleine Bärenstein. Diese Steinpaare liegen stets nordsüdlich zueinander. Dabei ist der südliche Stein höher als der nördliche, wenn auch in einzelnen Fällen nur um einige Meter.
Getrennt voneinander durch das tiefe Elbtal und einsam liegen die beiden Stromwächter Königstein und Lilienstein.
Der Große Zschirnstein (561 _m_), der höchste Sandsteingipfel in Sachsen, bildet fast eine rhombische Gestalt mit der Längsachse von Südost nach Nordwest und erhebt sich von allen Seiten in steilen, zum Teil überhängenden Wänden. Die Bergplatte ist etwa 1 _km_ lang und im Norden etwa 40 _m_ niedriger als im Süden. Der Buchenwald auf der Höhe deutet auf das Vorkommen von basaltischem Gestein. Es ist Dolerit, ein Feldspatdolerit, der gelegentlich in Feldspatbasalt übergeht, aber sich nicht in Säulen absondert. Der Sandstein ist grobkörnig und arm an Versteinerungen. Die Aussicht von seiner Höhe gehört durch die prächtige Gruppierung der ihn umgebenden Berge und Felsenhöhen zu den reichsten und reizendsten in der Sächsischen Schweiz, daher manche sie auch jener vom Großen Winterberge, der nur 10 _m_ niedriger ist, vorziehen. Der Kleine Zschirnstein (471 _m_) fällt nur gegen Norden in steilen Wänden ab. Nordöstlich vom Zschirnstein liegen, in der Luftlinie nur einen Kilometer von der Elbe entfernt, der Zirkelstein (385 _m_) und die Kaiserkrone (358 _m_), beide nur noch Trümmer ehemaliger Tafelberge, aber weil von offenen, etwa 270 _m_ hohen Ebenheiten umgeben, weithin sichtbar und immer eine charakteristische Erscheinung in der Landschaft. Der Zirkelstein ist nur noch ein bewaldeter Felsturm, der in zwei Absätzen aufgebaut ist, so daß man auf der unteren Stufe ganz um den Felsen herumgehen kann, der sich als oberer Absatz noch 42 _m_ hoch als steile Wand erhebt und in einer Schlucht erstiegen wird. Von Odeleben meinte, der so einzig und sonderbar gestaltete Zirkelstein könnte dem Mathematiker und Geometer als Symbol dienen.
[Sidenote: Kaiserkrone, Papststein und Gorisch.]
Die Kaiserkrone ist bis auf drei einzelne Felsspitzen zertrümmert, die in der Ferne eine gewisse Ähnlichkeit mit einer einfachen Krone, aber nicht mit einer Kaiserkrone haben mögen. Früher hieß der Felsen Galitzstein, ein Name, der erst im neunzehnten Jahrhundert verdrängt wurde. Beide Felsen bestehen aus grobkörnigem Gestein, ihre Zertrümmerung muß dem ehemaligen Elblauf, dessen Spuren wir weiter westlich noch im Cunnersdorfer Tal finden, zugeschrieben werden.
Nordwestlich von ihnen erheben sich die drei Steine: Papststein (452 _m_), Gorisch (448 _m_, Abb. 121 u. 122) und Kleinhennersdorfer Stein (395 _m_). Von ihnen sind die beiden ersten einer kurzen Beachtung wert. Die Paßhöhe der Straße, die zwischen diesen Bergen hindurchführt, beträgt 350 _m_, die „Steine“ an beiden Seiten ragen also nur 100 _m_ darüber hinaus und sind daher in einer Viertelstunde von der Straße aus bequem zu ersteigen. Die Felsbildungen auf dem Papststein bieten nichts Eigentümliches; aber der Berg wird vornehmlich seiner Aussicht wegen besucht; er trägt seinen Namen nach dem nahegelegenen Orte Papstdorf und wurde, seitdem der sächsische Prinz und Mitregent, später König Friedrich August, ein großer Naturfreund, 1830 oben gewesen war, bequem zugänglich gemacht und erhielt 1852 einen Aussichtsturm. Die Ausblicke sind durch den Vordergrund bewaldeter Felsberge in der Nähe malerischer als vom Gorisch oder Pfaffenstein. Man könnte den Papststein ein Idyll nennen, lieblicher, traulicher als die anderen Felsennachbarn. Die Rundsicht dagegen vom Turme aus umfaßt zwar den ganzen Gesichtskreis, ist dadurch lehrreich, aber eigentlich nicht schön.
Einen ganz anderen Charakter zeigt der Gorisch, der sich südlich vom Dorfe Gorisch erhebt. Er hat im Grundriß fast dreieckige Gestalt und wird durch eine von Nordwest nach Südost gehende Kluft in zwei Teile getrennt, von denen der nördliche mehr als doppelt so groß als der südliche ist. Außerdem ist früher (S. 103) schon darauf aufmerksam gemacht, daß der ganze Felsberg auch noch durch zahlreiche Spalten in der Richtung von Südwest nach Nordost zerschnitten ist. Die Sandsteinmasse hat der Verwitterung gegenüber einen ungleichen Widerstand geleistet. Es ist auf den oberen Bänken nur wenig Humus gebildet worden, meist sind die höckerigen und seltsam ausgewitterten Platten der Oberfläche ohne Pflanzenwuchs und so rauh und uneben, daß man nicht darüber hingehen kann. Die wunderlichen Felsgebilde haben ebenso wunderliche Namen, wie Schildkröten, Hundsköpfe, ruhende Löwen, Vögel, Drachen u. s. w. veranlaßt. Nach dem Westende zu sieht man auf einer Felsplatte, die wie mit lauter kleinen Pyramiden besetzt zu sein scheint, auch die Riesenmaske eines menschlichen Gesichts (natürlich etwas verzerrt) liegen. Besonders schön ist der Berg an seiner Ostseite; tief unten an den Felswänden finden sich jene zierlichen Höhlenbildungen, wie man sie auch an der Nordseite des Königsteins antrifft. Der Basalt tritt an der Ostseite des Schuttkegels zu Tage, und hier findet man auch die Nachbildung der Basaltsäulen von Sandstein geformt. -- Die Zerrissenheit der ganzen Felsmasse, die wildrauhen Verwitterungsflächen und die Schwierigkeit, einen bequemen Platz zum Umschauen zu gewinnen, haben lange Zeit von einem Besuch des Berges abgehalten, bis er im Jahre 1886 bequem zugänglich gemacht wurde, so daß er nun gerade wegen seiner von anderen Felsbergen abweichenden Erscheinung, seinen seltsamen Verwitterungen und einzelnen fesselnden Landschaftsbildern häufiger besucht wird.
[Sidenote: Der Pfaffenstein.]