Part 20
Als Gegenstück hierzu eine +Hochzeitsfeierlichkeit bei den Javanern+. Hier wählen die Eltern für ihre Kinder die Ehegatten aus und beraten über die Mitgiftsbedingungen. Die Eltern des Mädchens geben denen des Knaben ein Verlobungspfand, die ihrerseits bald darauf den Kaufpreis für die Braut in Silber, Schmucksachen, Stoffen und Eßwaren anbieten; Vater und Mutter des Mädchens erhalten noch ein besonderes Geschenk. An dem Tage, an dem diese Geschenke überreicht werden, finden sich Freunde und Angehörige beider Parteien auf Einladung zu einem Festessen ein. Am Vorabend der Hochzeit bleiben die zukünftigen Eheleute wach; täten sie dies nicht, dann könnte ein Unglück eintreten. Am nächsten Tage findet die Eheschließung nach mohammedanischem Brauch in der Moschee statt. Musik geht voran, der Bräutigam, von seinen Freunden begleitet (Abb. 270 und 273), folgt mit bemaltem Gesicht in einem Prunkgewand (Abb. 272); die Braut aber bleibt zu Hause und wird in der Moschee durch ihren Vormund vertreten. Alsdann begibt sich der Bräutigam, nachdem er ein anderes kostbares Gewand angelegt hat, in das Haus seiner Frau, die ihn erwartet. Sie ist aufs feinste geschmückt (Abb. 275); ihr Gesicht ist gleichfalls bemalt, ihr Oberkörper und die Arme sind unbedeckt, jedoch mit einer Mischung aus Mohnöl und Safran gesalbt. Nachdem sie ihrem Gatten zum Zeichen des Gehorsams die Füße gewaschen hat (Abb. 274), wird sie im feierlichen Zuge zu dem Heim ihrer neuen Familie geleitet, wo für alle Gäste ein Festessen stattfindet. Am nächsten Tage wiederholt sich das Fest im Hause der Eltern der Braut, und erst am dritten Tage darf sich das junge Paar im eigenen Heim häuslich einrichten. -- Zu allen Festlichkeiten, die aus Anlaß einer Geburt, Hochzeit oder eines Todesfalles stattfinden, pflegen die Javaner Opfer in Nahrungsmitteln darzubringen (Abb. 269). Die Malaien im Süden Sumatras schlachten zu ihren Festen jedesmal einen Ochsen. Nachdem dieses vorüber ist, hüllen sie den Kopf des Tieres in weiße Tücher und legen ihn unter das Haus des Dorfhäuptlings oder des Gastgebers (Abb. 268). -- +Kinderverlobungen+ kommen bei den Javanern zu dem Zwecke vor, dem Kinde beizeiten eine vorteilhafte Partie zu verschaffen; in diesem Falle bleiben die beiden Kleinen in ihrem elterlichen Heim, bis sie die Reifezeit erreicht haben, worauf dann erst die Ehe vollzogen wird.
Die weitaus häufigste +Eheform+ des malaiischen Archipels ist die Einehe, jedoch begegnen wir auch der +Vielweiberei+ und selbst Spuren der Vielmännerei. In der Landschaft Lampong (Südsumatra) heiraten manche Männer mehrere Frauen, um sie gegen Bezahlung an andere auszuleihen und damit ein einträgliches Geschäft zu machen. Diese Gepflogenheit machen sich sehr wohlhabende junge Leute zunutze, indem sie ein armes Mädchen, das sie lieben, aber als unter ihrem Stande stehend nicht heiraten können, gegen Bezahlung einem armen Menschen aufhängen und dann im Hause als gern gesehener Hausfreund verkehren. An die +Vielmännerei+, die früher auf den Keyinseln üblich gewesen sein soll, erinnert die Sitte der Punan im Innern von Borneo, daß alte Männer, die in kinderloser Ehe mit einer jungen Frau leben, einen gesunden, kräftigen Burschen ins Haus nehmen, damit er als dritter im Bunde dem Gatten zur Vaterschaft verhelfe. Mag vor der Ehe sexuelle Freiheit der jungen Mädchen bestanden haben oder nicht, auf jeden Fall ist die verheiratete Frau verpflichtet, dem Manne die Treue zu halten. Nur vereinzelt kommen Ausnahmen vor und dies nur aus besonderem Anlaß; wenn zum Beispiel gute Freunde oder Blutsbrüder einander besuchen, dann überläßt der Hausherr seinem Gastfreunde für die Nacht gelegentlich wohl seine Frau. Sonst aber ist den +Frauen strenge Keuschheit+ zur Pflicht gemacht. Der beleidigte Gatte hat meistens das Recht, auf frischer Tat den Verführer und seine schuldige Gattin zu töten, oder letztere als Sklavin zu verkaufen. Bei manchen Stämmen der Dajak hat auch der Mann die Pflicht, die eheliche Treue zu halten. Die betrogene Ehefrau soll mitunter befugt sein, ihrer Nebenbuhlerin mit einer Keule auf den Kopf zu schlagen. +Ehescheidung+ ist im allgemeinen auf dem malaiischen Archipel nicht so leicht, wie zum Beispiel in Ozeanien, jedoch können die Dajak jederzeit ohne triftigen Grund, schon auf den Laut eines unheilverkündenden Tieres hin, die Frau fortschicken. Es soll daher dort nicht selten vorkommen, daß Frauen sieben- bis achtmal den Gatten gewechselt haben, bevor sie für immer in den Hafen der Ehe einlaufen. Im allgemeinen aber geben Untreue der Frau, auch wohl von seiten des Mannes, und Mißhandlung der Frau die wichtigsten Scheidungsgründe ab. Im letzteren Falle erhält der Ehemann nicht nur den Brautpreis nicht zurück, sondern muß auch die bei der Hochzeit erhaltenen Geschenke herausgeben, ebenso deren Kosten zurückzahlen. Auf Java dagegen ist die Ehescheidung leicht, dank den Erleichterungen, die der Islam den Männern gewährt; hier sind solche beinahe etwas Alltägliches. Der Ehemann kann sich freimachen, wenn er nur die ausbedungene Summe an die Frau zahlt.
Der +Glauben der Malaien+, sofern sie nicht Anhänger des Islam sind, kennt drei Arten Geister. Erstens übernatürliche Geister, die sehr weit in kaum geahnten Fernen wohnen, große Macht besitzen, in alle menschlichen Dinge einzugreifen und gleichsam die wirklichen Götter vorstellen; sie erfreuen sich großer Scheu und Verehrung. Zweitens die Geister lebender und verstorbener Personen, jene in Verbindung mit den Weissagetieren und solchen Tieren, wie Schwein, Hund, Krokodil, Huhn und einigen anderen mehr. Drittens eine Unmasse Geister, die sich unter die vorstehend genannten Gruppen nicht einreihen lassen, die aber nach dem Aberglauben der Malaien alles auf der Erde umgeben. Sie sind bald wohlwollend, bald übel gesonnen, meistens aber das letztere. Als solche gelten zum Beispiel die Geister, die nach dem allgemeinen Glauben die im Hause hängenden erbeuteten Schädel umgeben.
Der Malaie glaubt, daß die Götter über alles, was sein Leben anbetrifft, die Oberaufsicht führen. Auch unter ihnen unterscheidet er freundliche und unfreundliche Wesen. Wenn Bitten an sie zu richten sind, so geschieht dies durch die Seelen der Schweine oder Hühner, von denen jedesmal ein Tier geschlachtet wird, so oft man die Götter unter Beihilfe des aufsteigenden Rauches eines Feuers anrufen will (Abb. 271). Richten die Kajan Gebete an die Götter zum Besten des ganzen Hauses, dann pflanzen sie einen Baum in die Erde, aber mit der Krone nach unten und mit der Wurzel himmelwärts; dadurch meinen sie eine Art Verbindungsleiter mit ihnen herzustellen. Für gewöhnlich wird auch eine feierliche Handlung vor einer roh geschnitzten Figur (Abb. 276) vorgenommen, die vor dem Hause steht, die aber keinen Götzen vorstellen soll, sondern eher als Altar oder Symbol des Gottes aufgefaßt werden muß. Als Überbringer der Botschaften von den Göttern sieht man Tiere (Abb. 277), im besonderen Vögel an. Da diese also die Verbindung zwischen Göttern und Menschen vermitteln, sind sie Gegenstand besonderer Ehrfurcht. Überhaupt spielt die Weissagung bei allen wichtigen Angelegenheiten eine große Rolle; stets pflegt man dann die betreffenden Tiere zu Rate zu ziehen. Wenn die Untersuchung der Eingeweide eines Schweines (Abb. 279) oder eines Huhnes kein gutes Vorzeichen zutage gefördert hat, tötet man noch mehr Tiere, bis es vielleicht den Weissagern gelingt, eine günstige Vorbedingung zu verkünden. Sehr häufig werden den Göttern auch Opfer gebracht; hier sind es wiederum in erster Linie das Schwein und das Huhn, die dazu verwendet werden. Aber auch kostbaren Besitz ihnen darzureichen scheut man sich nicht; so zum Beispiel schneidet eine Frau ihr Haar bei Erkrankung des Kindes als Opfer ab. Alle Geister der dritten Gruppe sind böswillig oder wenigstens leicht beleidigt und imstande, Männern wie Frauen Unglück zu bringen. Die einflußreichsten unter ihnen pflegt man mit den schon erwähnten eingetrockneten Menschenköpfen in Zusammenhang zu bringen, die bei irgend einem Überfall erbeutet wurden. Indessen darf man sie nicht für die Geister derjenigen ansehen, von deren Schultern der Kopf abgehauen wurde, sondern es sind dies fremde Geister, die um die Köpfe herumzuschweben scheinen. Sind sie beleidigt worden, etwa durch Nichtbeachtung der gebräuchlichen Aufmerksamkeiten, die man, wie üblich, den abgeschlagenen Köpfen zollen muß, dann beleben sie diese und lassen sie mit den Zähnen klappern.
Die +Kopfjagden+ sind so weit verbreitet, als Malaien wohnen, von Assam an über die Sundainseln bis nach den Molukken und den Philippinen hinauf. Die Beweggründe für das Heimbringen von Köpfen der erschlagenen Opfer sind mehrfache. Zunächst gilt derjenige, der möglichst viele Köpfe erbeutet hat, für einen großen Krieger und erfreut sich besonderer Achtung unter seinen Dorfgenossen; ein Jüngling, der ein solches Zeichen der Tapferkeit noch nicht aufzuweisen hat, findet bei seiner Schönen kein Gehör. Außerdem pflegt man die Handgriffe der Schwerter und die Schilde mit Menschenhaar zu schmücken (Abb. 278). Je mehr Köpfe ein Mann von seinem Kriegszuge nach Hause bringt, um so höheres Ansehen genießt er. Auf den Mentaweiinseln wird seine Tatauierung mit jedem erbeuteten Kopfe reicher, und an der Kleidung der Naga in Assam macht sich in gleicher Weise die Zahl der erbeuteten Köpfe in bestimmten Abzeichen bemerkbar. Ferner erfordert der Brauch, daß beim Bau eines neuen Hauses menschliche Opfer dargebracht werden; man begnügt sich mit menschlichen Köpfen, die unter den Pfeilern eingegraben werden, und wählt dazu die Köpfe der Feinde aus. -- Zieht man zur Erlangung von Köpfen aus, dann geschieht dies meistens ganz verstohlen bei Tagesanbruch. Man umzingelt ein bestimmtes Haus, steckt es in Brand und sucht die herausstürmenden Menschen im Kampfe niederzuschlagen. Nachdem den Gefallenen die Köpfe abgehauen worden sind, tritt man in großer Eile den Rückzug an aus Furcht, aufgelauert oder verfolgt zu werden. Ein Gefangener wird für gewöhnlich nicht getötet; nur wenn man keinen Kopf eines Erschlagenen erbeuten konnte, haut man einem schwerverwundeten Gefangenen den seinen ab. Hat man auf der Expedition Erfolg gehabt, dann schmückt man die Boote bei der Heimfahrt mit Palmblättern; die erbeuteten Köpfe werden leicht angeräuchert und am Heck des Bootes untergebracht. Vor jedem Dorfe, bei dem man vorbeikommt, wird ein lauter Kriegsgesang angestimmt, und diejenigen, die einen Kopf sich verschafften, stehen im Boote auf. Im Heimatdorfe findet eine große Jubelfeier statt, an der sich alle Dorfbewohner beteiligen. Die Köpfe werden in besonderen Hütten geräuchert und sodann unter Absingen von Kriegsgesängen und Darbringung von Opfern ins Haus überführt (Abb. 281). Hieran schließt sich ein allgemeiner Freudentaumel, bei dem die Frauen die Köpfe ergreifen und phantastische Tänze aufführen (Abb. 280 und farbige Kunstbeilage); das gleiche tun die Männer in vollem Kriegsschmuck. Schließlich werden die Köpfe sorgfältig mit Rotang umwunden und neben den bereits früher erbeuteten aufgehängt (Abb. 247). Im Anschluß hieran wird noch ein großes Festessen veranstaltet, bei dem man den Köpfen ein Stück Schweinefleisch in den Mund steckt und das aus Reis hergestellte Nationalgetränk, Borak, in einen daneben hängenden Bambusbecher füllt. Man nimmt an, daß die mit den Köpfen verbundenen Geister diese Opfergaben verzehren, wenn auch nicht direkt, so doch deren Seele. Ein Feuer brennt beständig unter den Köpfen, damit diese sich warm und behaglich fühlen, überhaupt erweist man ihnen die größte Achtung. Denn man nimmt von ihnen an, daß sie dem Haushalte nützlich sind und ihn beschirmen, sofern man ihnen nur die geziemende Verehrung zollt, und daß sie nur, wenn sie vernachlässigt oder mißachtet werden, sich beleidigt fühlen und Unheil anrichten.
Neben diesen Geistern der Köpfe gibt es aber in der Natur noch eine Unmasse anderer, wie die der Flüsse, Berge, Gräber, Höhlen und so weiter. In der Tat besitzt nach dem Glauben der Malaien eine jede Örtlichkeit ihren Geist, und das Volk ist darauf bedacht, alle erforderlichen Vorschriften und Gebräuche zu erfüllen, um sich ihrer Gunst zu versichern. Je entlegener ein Ort ist, desto mehr ist sein Geist zu fürchten; die Menschen, die sich zum ersten Male dorthin begeben, achten wohl darauf, daß sie genau die vorgeschriebenen Zeremonien erfüllen, die ganz besonderer Art sind. Auch Kinder tun dies; kommen sie zum ersten Male in eine unbekannte Gegend, dann stecken sie zum Beispiel ein Ei in das Ende eines Bambusstockes, um sich den Ortsgeist geneigt zu machen (Abb. 283).
Wir knüpfen hieran einige andere +Gebräuche+ der Dajak, im besonderen des Kenjahstammes. Wird ein +neues Haus bezogen+, so überführt man die Köpfe aus dem alten mit dem gleichen Gepränge, wie es bei der Heimkehr der triumphierenden Krieger üblich ist. Da man aber nicht liebt, mehr als dreißig Köpfe in seinem Hause zu beherbergen, so benutzen die Kenjah diese Gelegenheit, sich der überflüssigen Köpfe zu entledigen. Sie schlagen eine besondere Hütte für diese auf und bringen darin diejenigen, die sie los werden wollen, unter. Damit die Geister aber nicht merken, daß man sie im Stiche gelassen hat, unterhält man an dem neuen Aufbewahrungsort ein schwelendes Feuer und glaubt, daß, wenn dieses erlischt, die Geister, auch wenn sie kommen wollten, sich zu rächen, hierzu nicht mehr imstande sind.
Ganz eigenartig ist die +Art und Weise+, wie die Dajak +einen gewichtigen Gast empfangen+. Dieser läßt zuvor auskundschaften, ob etwa auf dem Hause, das er zu besuchen beabsichtigt, ein Tabu ruht. Nach günstigem Bescheid begibt er sich mit seiner Umgebung zur Galerie des Hauses, spricht und sieht eine Minute lang seinen Gastgeber aber nicht an, der sich übrigens auch um ihn nicht kümmert; im Gegenteil, er macht sich mit seiner Zigarette zu schaffen und blickt auf die Erde. Der Gast seinerseits räuspert sich höchstens oder hüstelt; darauf bringt ihm jemand eine Zigarette, worauf erst der Gastgeber die Unterhaltung aufnimmt mit der üblichen Frage nach der Herkunft und der Zeit des Aufbruchs des Fremden. Wenn nach etwa einer Stunde etwas zu essen gereicht wird, Reis oder Schweinefleisch, läßt der Gast einen Rest davon auf seinem Teller zurück, um anzuzeigen, daß er nicht gierig nach der Speise ist; außerdem erfordert es die gute Erziehung, daß er seine Zufriedenheit mit der Mahlzeit ausdrückt, indem er langsam und laut durch die Nase ausatmet. Darauf spült er sich den Mund mit Wasser, speit es zwischen die Fußbodenbretter aus, putzt sich die Zähne mit dem Zeigefinger und wäscht sich die Hände. Beim Abendessen wird Reisschnaps vorgesetzt und ein voller Becher zuerst dem Gastgeber gereicht, der den Weissagevögeln und anderen geneigten Geistern ein Trankopfer hinschüttet und sodann trinkt. Ein zweiter Becher wird dem Ehrengast kredenzt, der mit den Lippen schnalzt und grunzt, um dadurch seine Anerkennung zum Ausdruck zu bringen. Bei der Mahlzeit werden Trinklieder angestimmt, in deren Endreim alle Anwesenden einstimmen.
Wie bei jeder wichtigen Handlung im Leben die +Weissagungen+ zu Rate gezogen werden, so geschieht dies auch, bevor man mit dem Säen beginnt. Die Jahreszeit, wenn die Aussaat stattfinden soll, bestimmt ein darin bewanderter Mann mittels einer Art Sonnenuhr (Abb. 282). Wenn der Schatten eines senkrecht stehenden Stockes zur Mittagszeit eine bestimmte Länge angenommen hat, dann ist der richtige Augenblick gekommen. Ein Schwein oder ein Huhn wird geopfert, und das Blut an eine Holzfigur vor dem Hause geschmiert. Darauf begibt sich eine Anzahl Eingeborener in den Wald, um den Flug und Ruf bestimmter Vögel, besonders des Mauerspechts, Habichts und Trogons zu beobachten. Währenddessen ruht auf jedem Hause ein strenges Tabu; niemand außer den eigenen Bewohnern darf es betreten, und nur die notwendigste Arbeit darf darin vorgenommen werden. Sind die Vorbedeutungen günstig, so erfolgt die Aussaat. Während die Frucht heranwächst, werden über sie viele Zaubersprüche ausgesprochen und abergläubische Handlungen an ihr vorgenommen. So zum Beispiel schwenken die Frauen einen verzauberten Gegenstand oder ein Huhn über die Ernte und erteilen ihr, desgleichen den Ratten, Sperlingen und anderen Schädlingen ernste Ermahnungen. Wenn die ersten Erntesammler, die stets Frauen sind, irgend etwas sehen oder hören, das von böser Bedeutung ist, gehen sie zurück ins Haus und verbleiben hier bei Androhung von Todesstrafe oder schwerer Krankheit achtundvierzig Stunden lang. Ist das Korn eingebracht, dann darf niemand auf die Dauer von zehn Tagen das betreffende Haus betreten; dies wird durch ein Tabuzeichen kenntlich gemacht (Abb. 284). Erst wenn das Einbringen gute Fortschritte gemacht hat, wird ein Fest veranstaltet, bei dem das Saatgetreide für das nächste Jahr schon vorbereitet wird. Um die gleiche Zeit wird noch ein anderer interessanter Brauch geübt. Vier Wasserkäfer werden eingefangen und in ein mit Wasser angefülltes großes Gong gesetzt. Ein alter Mann beobachtet nun ihre Bewegungen und legt diese entweder als gute oder unheilvolle Zeichen für die kommende Ernte aus. Gleichzeitig ruft er die Erntegottheit (Laki Ivong) an, damit sie die Seele des Korns in die Wohnungen führe. Nachdem Zuckerrohrsaft auf das Wasser gegossen ist, trinken es die Frauen, während die Käfer wieder vorsichtig herausgenommen werden, um die Botschaft der Menschen den Erntegöttern zu überbringen. Hierauf setzt lärmendes Vergnügen ein. Die Frauen kochen klebrigen Reis, bedecken ihn mit Ruß und bespritzen damit die Männer, so daß die Spuren davon an ihnen haften bleiben. Bei dem allgemeinen Tanz (Abb. 291), der nun folgt, verkleiden sich die Frauen als Männer (Abb. 286), diese aber geben Vorstellungen, indem sie Tiere, wie Affen und Nashornvögel, nachahmen.
Auch bei ihren Kriegszügen, sei es, daß sie zur Erlangung von Köpfen oder um Rache für vorausgegangene Beleidigungen oder aus ganz allgemeinen Gründen unternommen werden, werden allerlei Vorzeichen zu Rate gezogen. Es geschieht dies besonders vor Antritt der Kopfjagden unter großem Aufwand von Förmlichkeiten. Zwei Männer, die dazu besonders ausgesucht und in den Busch gesandt wurden, müssen den Laut und die Bewegung gewisser Tiere beobachten (Abb. 285 und 287), und erst wenn ihre Meldungen nach jeder Richtung hin günstig lauten, zieht die Mannschaft in ihren Kriegskanus aus (Abb. 288). Trotzdem verhält sie sich noch tagelang untätig, bis ausgesandte Spione oder die Untersuchung einer Schweineleber (Abb. 271) die Bewegung des Feindes festgestellt haben. Jeder beteiligte Mann beachtet inzwischen bestimmte Tabu; man darf nicht rauchen, Knaben müssen in zusammengeduckter Haltung schlafen, Feuer darf nur durch Reibung erzeugt werden (Abb. 289) und anderes mehr. Darauf schreitet man bei Tagesanbruch zum Angriff vor. Der weitere Verlauf der Kopfjagd wurde bereits oben beschrieben.