Part 18
Allgemein verbreitet ist die Sitte der +Zähneverunstaltung+ (Abb. 259), der beide Geschlechter zur Zeit, wenn die Kinder die geschlechtliche Reife erlangen, unterworfen werden. Mittels eines kleinen eisernen Meißels und eines hölzernen Hammers werden die Schneidezähne beider Kiefer sowie vereinzelt auch noch die Eckzähne stückweise abgesprengt, bis sie die richtige Form und Länge erhalten haben, und die Kanten durch Feilen geglättet. Durch dieses sehr schmerzhafte Verfahren erhält das Profil der Zähne ein sägeartiges Aussehen. An das Feilen schließt sich dann noch das Schwarzfärben sämtlicher Zähne an. Zugespitzte und geschwärzte Zähne gelten allgemein für sehr schön, und mit nicht zu verkennender Verachtung blicken die so verschönten Malaien auf die Europäer herab, deren Zähne „denen der Hunde gleichen“. Vornehme Bataker lassen sich überdies noch schmale Goldstreifen an den Zähnen entlang legen oder sie mit Goldschlägerhäutchen, die wieder kleine Ornamente aufweisen, überziehen, auch sie selbst mit Gold- oder Perlmutterstückchen auslegen (Abb. 259). Die Vornahme des Zähnefeilens ist vielfach mit Festlichkeiten, zum mindesten mit einem Schmaus verbunden. Auf Celebes beobachtete man, daß der Operateur für die Arbeit, die er an einer Prinzessin vorgenommen hatte, ein Huhn erhielt, diesem darauf ein Stück vom Kamm abbiß und das aussickernde Blut über Zähne und Lippen der Schönen fließen ließ.
+Tatauierung+ ist gleichfalls ein beliebtes Verschönerungsmittel; die Muster, die dabei entstehen, pflegen recht abwechslungsreich und oft ganz geschmackvoll auszufallen (Abb. 261).
Bei einzelnen Stämmen Borneos und Celebes’ begegnen wir auch der +Verunstaltung des Kopfes+ (Abb. 263). Für gewöhnlich wird der Kopf der Neugeborenen zwischen zwei festen Gegenständen, von denen der eine die Unterlage für das Hinterhaupt bildet, der andere, ein Brettchen, über die Stirn zu liegen kommt, zusammengepreßt, so daß eine Abflachung der vorderen Kopfpartie daraus hervorgeht, was gleichfalls für ein Schönheitszeichen angesehen wird. Auch besondere Vorrichtungen sind hierfür vorhanden (Abb. 262). Auf Celebes muß das Kind in dieser qualvollen Enge monatelang verharren, nur alle zwei Tage wird es für kurze Zeit davon befreit, um gebadet zu werden. Auf Borneo dagegen ist das Vorgehen der Mutter weniger barbarisch, im Gegenteil, man beobachtete, daß sie mit besonderer Fürsorge sich um ihr Kind kümmerte, zwischen Brett und Kopf ein Kissen oder ein Polster aus weichen, fleischigen Blättern legte, ziemlich häufig nachsah und den Apparat lüftete, sobald ihr Kind ein Unbehagen äußerte. -- Auch die +Ohren+ bleiben von der +Verunstaltung+ nicht verschont (Abb. 260). Das Läppchen wird durchbohrt und durch Bambuspflöcke oder Tuchknäuel in genügender Weise erweitert, um einen oder mehrere Ringe aus Messing oder Edelmetall und so weiter als Schmuck darin einzuhängen, die durch ihr Gewicht das Ohrläppchen noch weiter ausdehnen, oft bis zu solcher Länge, daß es wie eine Schlinge bis auf die Schulter herabhängt. Auch die oberen Teile der Ohrmuschel werden durchlöchert und mit zierlichen Ringen geschmückt. -- Die Weiber pflegen sich auch vielfach die Haare am Unterleib abzurasieren oder mittels Pinzette auszurupfen.
Vor Eintritt der Pubertät werden Knaben und auch Mädchen der +Beschneidung+ unterworfen, namentlich ist dies unter der mohammedanischen Bevölkerung Brauch. Unbeschnittenen Mädchen ist es verboten, in geschlechtlichen Verkehr zu treten oder eine Ehe einzugehen.
+Familienzuwachs+ wird von allen malaiischen Stämmen mit Freuden begrüßt, besonders sind es Knabengeburten, die gern gesehen werden, weil dadurch für Fortführung der Familie Gewähr geleistet wird. Eine Frau, die bei den Batakern dem Gatten keine Knaben schenkt oder alle Söhne durch den Tod verloren hat, kann nicht nur von ihm verstoßen werden, sondern ihr Vater muß ihm auch den für sie seinerzeit gezahlten Brautpreis zurückerstatten.
Damit die +Schwangerschaft+ einen guten Verlauf nehme und das Kind sich wohl entwickle, müssen allerlei Opfer dargebracht oder bestimmte Zeremonien vollzogen werden. Fühlt sich zum Beispiel eine Frau auf den Seranglaoinseln Mutter, so muß sie ein Stück Ingwer von einem Priester durch Anblasen und Abbeten einer Koransure weihen lassen, einen Teil davon kauen, ihn wieder von sich speien und den Rest gut verwahren, auf der Insel Roti muß sie dem Geiste Tefamuli ein Opfer, bestehend in einem roten Hahn, einem Büschel Pisang, sieben Sirehfrüchten, einem Teller Rohreis und einer Kokosschale darbringen; auf Borneo muß die Dajakfrau den Wassergeistern ein kleines Häuschen opfern, das unter Gesang und Trommelschlag entweder in den Fluß versenkt oder in den Wipfel eines Baumes gestellt wird. Das in ihm befindliche, die Schwangere darstellende Püppchen soll all das Unheil, das der angehenden Mutter drohen könnte, an sich ziehen. Bei anderen Stämmen trägt die Schwangere ein Amulett, um sich und ihre Frucht gegen die bösen Geister zu schützen, oder befolgt aus dem gleichen Grunde bestimmte Vorschriften. Bei den Alfuren im nördlichen Celebes hütet sie sich, mit fliegendem Haar einherzugehen, weil sich in ihm die bösen Geister mit Leichtigkeit festsetzen könnten, ebensowenig darf sie abends oder bei Regen das Haus verlassen; auf Roti kaut die Schwangere das Stroh ihres Hauses und speit es von Zeit zu Zeit um sich aus; auf Nias darf sie nicht an Orten vorbeigehen, wo vordem einmal ein Mensch ermordet oder ein Tier getötet wurde, ebenso kein Schwein stechen oder zerlegen, weil sich sonst bei dem Kinde etwas einstellen würde, das den Krümmungen des sterbenden Menschen oder Tieres gleicht, sie darf auch nicht in einen Spiegel oder ein Bambusrohr hineinsehen, weil das Kind sonst einäugig oder schielen würde, nichts verkorken oder verstopfen, weil das Kind sonst an Verstopfung leiden würde, an keinem Orte vorbeigehen, wo der Blitz eingeschlagen hat, weil sonst das Kind eine schwarze Haut erhielte, aus dem Kochtopf nicht essen, weil sonst die Nachgeburt hängen bliebe und vieles andere mehr. Verschiedentlich vermeidet es die Schwangere auch, daß ihr Blick auf häßliche Gegenstände oder Tiere fällt, weil sie fürchtet, daß das Kind davon etwas annehmen könnte. So darf sie zum Beispiel bei den Kenjah sich keinen langnasigen Affen ansehen. Wie auch anderwärts sind der Frau, die guter Hoffnung ist, eine ganze Reihe Speisen verboten, die unter Umständen so zahlreich sind, daß man meinen könnte, daß ihr eigentlich nichts mehr zu essen übrig bliebe.
Selbst der Ehemann bleibt von bestimmten Tabuvorschriften nicht verschont. Wenn er bei den Alfuren nach seiner Rückkehr die Leiter seines Hauses hinansteigt, muß er einzelne Stufen auslassen, damit die Geister, die ihm folgen könnten, auf eine andere Fährte gelenkt werden und somit nicht mit in das Haus eindringen; bringt er seiner Frau gekochten Reis von einem Feste heim, so muß er ein paar Dornen in die Speise stecken und, bevor davon gegessen wird, etwas unter die Hütte werfen; bei den Atschinesen darf er während der ersten fünf Monate der Schwangerschaft kein Tier töten, auch nicht einmal einen Tiger oder eine Schlange, weil sonst die Geburt sich schwer abwickeln und das Kind Eigenschaften dieses Tieres annehmen würde; auf den Mentaweiinseln muß er eine Reihe häuslicher Arbeiten verrichten, die sonst der Frau zufallen, und anderes mehr.
Auch Verwandte und Freunde nehmen gelegentlich an den bevorstehenden Mutterfreuden Anteil. Erfahren sie zum Beispiel auf Java, daß eine Frau guter Hoffnung ist, dann bringen sie ihr Geschenke dar. Bei den Ärmeren bestehen diese in Reis, der durch Safran gelb gefärbt ist, in wohlriechenden Ölen und Kerzen; in den höheren Ständen fügt man noch Kleidungsstücke, goldene und silberne Armbänder, goldene Schmucknadeln und Kupferbecher hinzu. Im siebenten Monat erwidern die Eltern die Geschenke durch einen Festschmaus, bei dem die Schüssel mit Reis, der gelb -- die Glücksfarbe -- gefärbt ist, niemals fehlen darf. Darauf wäscht die angehende junge Mutter ihren Körper mit der Milch einer Kokosnuß, die der Gatte geöffnet haben muß; auf ihre Schale sind ein Knabe und ein Mädchen mit größter Sorgfalt gezeichnet; hierdurch soll die Mutter günstig beeinflußt werden, daß sie ein schönes Kind zur Welt bringt. Nach dieser Waschung nimmt sie noch ein Bad, in das lieblich duftende Blumen gestreut worden sind, zieht sich sodann neue Kleider an und macht der Hebamme, die sie bei ihren Reinigungen unterstützte, ein Geschenk an Reis, Kokosnüssen und Betel. Am Abend findet noch eine Vorführung des Wayangschattenspieles (siehe S. 250) statt.
Viele Malaienstämme haben bestimmte Weiber, die, ähnlich wie bei uns, berufsmäßig Hebammendienste bei der Niederkunft verrichten, das heißt der Gebärenden nicht nur beistehen, sondern auch die Wöchnerin pflegen, ihr Rat in Kinderangelegenheiten erteilen und Abtreibungen vornehmen. Dagegen ziehen die Tenggeresinnen und Baliinsulanerinnen nur männliche Hilfe bei ihren Geburten hinzu. -- Wie während der Schwangerschaft, so sucht man auch bei der +Niederkunft+ nach Möglichkeit den schädigenden Einfluß der Dämonen, die nach Ansicht der Malaien das ganze Leben des Menschen bedrohen, fernzuhalten. Zu diesem Zweck vertreibt man sie auf den Aaruinseln durch Trommeln. Auf den Inseln des Sawuarchipels wehrt man den bösen Geist Wango durch Dornengebüsch von dem Hause ab; auch feindlichen Überfällen sucht man durch solche Sicherheitsmaßregeln, im besonderen durch aufgehäufte Bambussplitter zu begegnen (Abb. 264). Auf Nias stellt man neben der Kreißenden ein Götzenbild in Gestalt eines schwangeren Weibes auf, das sie vor dem Dämon Bechumatiana schützen soll. Bei den Atschinesen hängt man, um einem anderen gefährlichen Dämon den Eintritt in das Haus zu verwehren, an der Decke des Gebärraumes einen bestimmten dornigen Zweig auf, zündet vier kleine Holzfeuer an den Ecken des Hauses an, namentlich wenn die Niederkunft in der Nacht erfolgt, und wirft von Zeit zu Zeit in sie Salz, Pfeffer, Schwefel und Hornstückchen hinein, wodurch ein mächtiger Gestank entsteht, der in gleicher Weise wie die Dornen den Dämon fernhalten soll; außerdem reibt die Hebamme die große Zehe der Kreißenden, als dessen mutmaßliche Eintrittspforte, mit einem Gemisch von fein gestoßenem Pfeffer, Zwiebeln und ~Asa foetida~ ein. Bei schwerer Geburt lassen die Atschinesen die Kreißende lauwarmes Wasser trinken, in dem sich eine sogenannte Jerichorose entfaltet hat. Auf Ambon und den Uliaseinseln legt man zur Erleichterung der Geburt auf den Platz, wo die Niederkunft stattfindet, alte Kleidungsstücke des Mannes, damit das Kind, durch den ihnen anhaftenden Schweißgeruch angezogen, recht schnell erscheine.
An die +Nachgeburt+ knüpft sich mancherlei Aberglauben. Eine ganz eigenartige Auffassung über ihre Bedeutung besteht bei den Bewohnern der Inseln Bali und Nias, bei den Atschinesen und so weiter. Sie halten diese nämlich für den Bruder, beziehungsweise die Schwester des Neugeborenen und glauben, daß, wenn jemand stirbt, ihm die Seele seiner Nachgeburt auf dem halben Wege entgegenkomme, um dem Verstorbenen den Weg zum Paradiese zu zeigen. Daher wird die Nachgeburt auch sorgfältig behandelt; meistens pflegt man sie zu waschen und in einem Gefäß, Bambusrohr, in der Blütenhülle des Pinang (Arekablüte) und ähnlichem gut verpackt, entweder im Hause aufzuheben oder in dessen Nähe zu vergraben. Bei anderen Stämmen ist es Sitte, sie auf einem kleinen Bambusfloß, das mit Blumen und Früchten festlich geschmückt und mit Kerzen beleuchtet ist, den Fluß hinabtreiben zu lassen, als ein Opfer für die Krokodile, welche die Seele der Vorfahren beherbergen. Der Aberglaube von dem Nachgeburtszwilling treibt noch weitere Blüten. Wird ein Kind krank, so meint man, daß die Nachgeburt in ihrem Grabe krank geworden sei, und legt daher die Heilmittel auf die Stelle, wo sie verscharrt wurde; bessert sich trotzdem das Befinden des Kindes nicht, so ist man überzeugt, daß die Nachgeburt kein angenehmes Lager gefunden habe, gräbt sie wieder aus und beerdigt sie an einer anderen Stelle. Man vermutet ferner, daß die Seele der Nachgeburt zeitweilig ihre Stätte verlasse, um mit ihrem Zwillinge zu spielen, und daß ein Lächeln des Kindes im Schlafe darauf hindeute. -- Die Abtrennung der +Nabelschnur+ wird meistens mit einem Bambussplitter vorgenommen; wollen bei den Atschinesen die Eltern, daß ihr Sohn eine gute Stimme bekomme, so wird dieser Splitter aus einer Bambusflöte geschnitten. Meistens trocknet man den Nabelschnurrest und bewahrt ihn auf: bei Erkrankungen wird er entweder zu Pulver gestoßen und dem Patienten eingegeben oder in Form von Umschlägen angewendet. Verschiedentlich tragen die Kinder ihre eigenen Nabelschnurreste auch als Amulett um Hals und Bauch.
Die +Wöchnerin+ wird allgemein als unrein angesehen. Während dieser Zeit haben bei den Atschinesen nur Frauen zu ihr Zutritt, ausgenommen der Ehegatte, der ihr Essen bringt, aber nur das Notwendigste mit ihr sprechen, sie nie berühren, noch von den Speisen und Getränken, die sie angefaßt hat, etwas essen darf. Merkwürdig ist der Brauch auf den Tanembar- und Timorlaoinseln, daß in der ersten Zeit nach der Geburt der Ehegatte das Kind zu pflegen und zu besorgen hat, während die Frau ihrer gewohnten Tagesbeschäftigung nachgeht; offenbar handelt es sich hierbei um die letzten Ausklänge der ursprünglichen Sitte des Männerkindbettes. -- Die jungen Mütter pflegen ihr Kind oft jahrelang selbst zu stillen, aber daneben ihm auch andere Kost zu verabreichen. Ist eine Mutter aus irgend einem Grunde außerstande, ihr Kind selbst zu nähren, dann übernimmt vielfach die Großmutter diese Funktion. Infolge des Reizes, der durch das wiederholte Anlegen an die Brust auf diese ausgeübt wird, kommt es trotz des Alters doch noch zur Absonderung von Milch. Bei der Arbeit schleppt die Mutter ihr Kind in einem Korbe auf dem Rücken mit sich herum (Abb. 265).
Stirbt die Mutter bei der Geburt, so pflegt man allgemein auch das Kind zu töten, weil man entweder annimmt, daß es an dem Tode der Mutter schuld ist, oder weil man fürchtet, daß es doch nur ein Unglücklicher werden würde. Meistens geschieht die Tötung auf grausame Art. Die Dajak legen das Kind lebend in den Sarg der Mutter, die Niasser stecken es in einen Sack und hängen ihn im Wald an einem Baume auf, die Mentaweiinsulaner drücken ihm den Kopf ein und halten ihm Mund und Nase zu und anderes mehr.
+Künstliche Abtreibung+ der Leibesfrucht wird auf den Inseln des malaiischen Archipels in großem Umfange geübt; einige Stämme sollen es zu großer Fertigkeit darin gebracht haben.
+Zwillinge+ werden vielfach, wie auch anderwärts, als ein Unglück angesehen, zumal, wenn sie verschiedenen Geschlechtes sind. Die Dajak geben den männlichen Zwilling als Sklaven fort, die Balinesen verhängen schwere Strafen über die Mutter; sie verbannen sie für mehrere Monate an einen einsamen Ort, brennen ihre Hütte nieder, reinigen das ganze Dorf, und bringen zahlreiche Opfer dar, um die vermeintliche Blutschande im Mutterleibe zu sühnen. Auf einzelnen kleineren Inseln dagegen werden Zwillinge hochgeschätzt, als ein Geschenk der Götter angesehen und besonders gepflegt.
Mit dem +Neugeborenen+ werden ebenfalls allerlei Zeremonien vorgenommen und Mittel angewendet, um den Einfluß der bösen Geister zu verhindern. Sehr beliebt ist als Opfer für sie ein Huhn, dessen Blut über das Kind gespritzt wird. Bei den Batakern läßt man einen Zauberer kommen, der dem Kinde das Horoskop stellen, das heißt sagen muß, ob es unter günstigen oder ungünstigen Gestirnen geboren ist. Bei den Kenjah wird der neue Weltbürger mit Trommelschlag begrüßt, und jeder der anwesenden Hausgenossen erhält für gewöhnlich eine Handvoll Salz zum Geschenk. Wenn sie sich nicht im Hause befinden, erwartet man umgekehrt von ihnen, daß sie dem Kinde ein Geschenk machen. Sehr wichtig ist auch, daß kein Fremder von dem Kinde Notiz nimmt, da man fürchtet, daß eine solche Beachtung die Aufmerksamkeit der Geister auf dasselbe lenken könnte; vergeht sich der Fremde gegen diese Vorschrift, so muß er zur Sühne dem Kinde etwas schenken. -- Auf Java wird bei der Geburt eines Knaben ein scharfer Bambusspan in ein Papier, das mit dem javanischen Alphabet beschrieben ist, eingewickelt, in eine Kanne getan und vergraben. In der ersten Nacht nach der Geburt bewachen Leute das Kind und lesen ihm eine Art Erzählung vor; einige Tage später erhält es seinen Namen. Ist es neun Monate alt, dann findet eine Wayangvorstellung statt. Bei den Dajak erfolgt die Namensgebung auf ein bestimmtes Wahrzeichen hin. Man kitzelt dem Kinde mit einer Feder die Nasenschleimhaut; nießt es, so gilt dies für eine günstige Vorbedeutung und die Namensgebung erfolgt; andernfalls wird sie auf später verschoben. Bei der Namensgebung nimmt die Mutter das Kind vor das Haus, badet es, hebt es dreimal nach Westen und dreimal nach Osten in die Höhe, wobei sie Segenswünsche für sein Gedeihen ausspricht, opfert darauf ein Huhn, bespritzt mit dessen Blut ihr Kind und gibt ihm den Namen. Die Alfuren auf Celebes opfern bei dieser Gelegenheit für einen Knaben zwei Böcke, für ein Mädchen nur eine Ziege, deren Köpfe, Fell und Pfoten vergraben werden. Natürlich knüpfen sich an alle diese Handlungen größere oder kleinere Feste. -- Bei den Klemantanen erhält das Kind in den ersten paar Jahren seines Lebens noch keinen Namen; man spricht von ihm in unbestimmten Ausdrücken, wie etwa „das Dingsda“ oder „das kleine Wurm“ und dergleichen. Man fürchtet nämlich, daß, da das Kind noch klein und schwächlich ist, es für die bösen Geister empfänglicher ist, und daß es deren Aufmerksamkeit wahrscheinlich noch leichter auf sich lenken könnte, wenn es mit einem Namen gerufen würde. Erst im Alter von drei bis vier Jahren erhält es einen solchen. Für gewöhnlich wird der Name des Großvaters beziehungsweise der Großmutter dazu gewählt, wenn diese besonderes Glück im Leben gehabt haben. Wird das Kind aber von Unglück verfolgt, oder bekommt es eine ernste Krankheit, dann wird sein Name gewöhnlich gegen einen anderen vertauscht. Manchmal wählt man auch einen unschönen Namen, etwa entsprechend unserem „Dung“ oder „schlecht“ aus dem schon angegebenen Grunde, um die unfreundlichen Geister irrezuführen. Bei den Kajan am oberen Rejang ist die Namensfeier sehr verwickelt. Die Dajong, eine Frau, die im Namengeben bewandert ist, wird gerufen, und alle Familienmitglieder werden zu einem großen Festessen eingeladen, zu dem man alles mögliche Eßbare an Fischen und Tieren, auch Bananen herbeischleppt. Die Dajong bringt ein Hühnerei mit und bestreicht damit das Kind vom Nabel bis zur Stirn; bei jedem Strich spricht sie einen Namen aus, bis sie glaubt, einen passenden gefunden zu haben. Dann wird das Kind in einen großen Raum gebracht, wo ein Huhn geopfert und seine Eingeweide auf etwaige gute Vorbedeutung untersucht werden. Trifft diese zu, dann stimmt die Dajong einen Gesang an und erbittet den Schutz der guten Geister für das Kind. Nachdem sodann sechzehn Männer und ebensoviele Frauen, deren Eltern noch am Leben sind, Wasser zur Benutzung für Mutter und Kind herbeigebracht haben, beginnt das Essen. Einige der Gäste essen dabei zum Besten des Kindes, wenn es noch zu jung ist, um selbst daran teilzunehmen. Acht Tage später wird der Schutz der Geister wiederum angerufen, und das Kind den Hausgenossen gezeigt. Ein naher Verwandter zeichnet ihm mit einem Stück Holzkohle ein Kreuz auf den rechten Fuß; sodann bringt man das Kind vor die Tür eines jeden Dorfbewohners, damit er es beschenkt. Hierauf muß es acht Tage in dem Raum der Eltern bleiben, ehe es wieder heraus darf. Wenn dann bis zum nächsten Herbst dem Kinde kein Unglück zugestoßen ist, wird sein Name bestätigt; ist ihm aber irgend etwas geschehen, so erhält es den Namen irgend eines Verwandten, dem es gut geht, dafür verliert es den ersten Namen. Selten behält übrigens ein Angehöriger der Klemantanen den Namen, der ihm als Kind gegeben wurde, sein ganzes Leben lang. Nach einer jeden Krankheit oder irgend einem Unglück wird er gewechselt, damit die bösen Mächte, die beständig in der Umgebung der Menschen weilen, unter dem neuen Namen ihn nicht mehr erkennen.