Die Religion innerhalb der Grenzen der bloßen Vernunft Text der Ausgabe 1793, mit Beifügung der Abweichungen der Ausgabe 1794

Part 7

Chapter 72,856 wordsPublic domain

Aber Eines ist in unsrer Seele, welches, wenn wir es gehörig ins Auge fassen, wir nicht aufhören können, mit der höchsten Verwunderung zu betrachten, und wo die Bewunderung rechtmäßig, zugleich auch seelenerhebend ist; und das ist: die ursprüngliche moralische Anlage in uns überhaupt. -- Was ist das, (kann man sich selbst fragen,) in uns, wodurch wir von der Natur durch so viel Bedürfnisse beständig abhängige Wesen, doch zugleich über diese in der Idee einer ursprünglichen Anlage (in uns) so weit erhoben werden, daß wir sie insgesammt für nichts, und uns selbst des Daseins für unwürdig halten, wenn wir ihrem Genusse, der uns doch das Leben allein wünschenswerth machen kann, einem Gesetze zuwider nachhängen sollten, durch welches unsere Vernunft mächtig gebietet, ohne doch dabei weder etwas zu verheißen noch zu drohen? Das [52] Gewicht dieser Frage muß ein jeder Mensch von der gemeinsten Fähigkeit, (A 54-55). der vorher von der Heiligkeit, die in der Idee der Pflicht liegt, (B 57-59). belehrt worden, der sich aber nicht bis zur Nachforschung des Begriffs (R 56-57). der Freiheit, welcher allererst aus diesem Gesetze hervorgeht,[40] (Ha 212-13; versteigt, innigst fühlen; und selbst die Unbegreiflichkeit dieser eine b 143-44). göttliche Abkunft verkündigenden Anlage muß auf das Gemüth bis zur [53] Begeisterung wirken, und es zu den Aufopferungen stärken, welche ihm die (A 55-56). Achtung für seine Pflicht nur auferlegen mag. Dieses Gefühl der (B 59-60). Erhabenheit seiner moralischen Bestimmung öfter rege zu machen, ist als (R 57-58). Mittel der Erweckung sittlicher Gesinnungen vorzüglich anzupreisen, weil (Ha 213-14; es dem angebornen Hange zur Verkehrung der Triebfedern in den Maximen b 144-45). unserer Willkühr gerade entgegenwirkt, um in der unbedingten Achtung (K 57). fürs Gesetz, als der höchsten Bedingung aller zu nehmenden Maximen, die ursprüngliche sittliche Ordnung unter den Triebfedern, und hiemit die Anlage zum Guten im menschlichen Herzen, in ihrer Reinigkeit wieder herzustellen.

Aber dieser Wiederherstellung durch eigene Kraftanwendung steht ja der Satz von der angebornen Verderbtheit der Menschen für alles Gute gerade entgegen? Allerdings, was die Begreiflichkeit d. i. unsere _Einsicht_ von der Möglichkeit derselben betrifft, wie alles dessen, was als Begebenheit in der Zeit (Veränderung) und sofern nach Naturgesetzen als nothwendig, und dessen Gegentheil doch zugleich unter moralischen Gesetzen, als durch Freiheit möglich vorgestellt werden soll; aber der Möglichkeit dieser Wiederherstellung selbst ist er nicht entgegen. Denn, wenn das moralische Gesetz gebietet, wir _sollen_ jetzt bessere Menschen sein; so folgt unumgänglich, wir müssen es auch _können_. Der Satz vom angebornen Bösen ist in der moralischen _Dogmatik_ von gar keinem Gebrauch: denn die Vorschriften derselben enthalten eben dieselben Pflichten, und bleiben auch in derselben Kraft, ob ein angeborner Hang zur Uebertretung in uns sei, oder nicht. In der moralischen _Ascetik_ aber will dieser Satz mehr, aber doch nichts mehr sagen, als: wir können in der sittlichen Ausbildung der anerschaffenen moralischen Anlage zum Guten, nicht von einer uns natürlichen Unschuld den Anfang machen, sondern müssen von der Voraussetzung einer Bösartigkeit der Willkühr in Annehmung ihrer Maximen der ursprünglichen sittlichen Anlage zuwider anheben, und, weil der Hang dazu unvertilgbar ist, mit der unablässigen Gegenwirkung gegen denselben. Da dieses nun bloß auf eine ins Unendliche hinausgehende Fortschreitung vom Schlechten zum Besseren führt, so [54] folgt: daß die Umwandlung der Gesinnung des bösen in die eines guten (A 56-58). Menschen in der Veränderung des obersten innersten Grundes der Annehmung (B 60-62). aller seiner Maximen dem sittlichen Gesetze gemäß zu setzen sei, sofern (R 58-59). dieser neue Grund (das neue Herz) nun selbst unveränderlich ist. Zur (Ha 214-15; Ueberzeugung aber hievon kann nun zwar der Mensch natürlicherweise nicht b 145-46). gelangen, weder durch unmittelbares Bewußtsein, noch durch den Beweis (K 57-58). seines bis dahin geführten Lebenswandels; weil die Tiefe des Herzens (der subjective erste Grund seiner Maximen) ihm selbst unerforschlich ist; aber auf den Weg, der dahin führt, und der ihm von einer im Grunde gebesserten Gesinnung angewiesen wird, muß er _hoffen_ können, durch eigene Kraftanwendung zu gelangen: weil er ein guter Mensch werden soll, aber nur nach demjenigen, was ihm als von ihm selbst gethan zugerechnet werden kann, als _moralisch_-gut zu beurtheilen ist.

Wider diese Zumuthung der Selbstbesserung bietet nun die zur moralischen Bearbeitung von Natur verdrossene Vernunft unter dem Vorwande des natürlichen Unvermögens allerlei unlautere Religionsideen auf (wozu gehört: Gott selbst das Glückseligkeitsprincip zur obersten Bedingung seiner Gebote anzudichten). Man kann aber alle Religionen in die der _Gunstbewerbung_ (des bloßen Cultus) und die _moralische_, d. i. die Religion des _guten Lebenswandels_, eintheilen. Nach der erstern schmeichelt sich entweder der Mensch: Gott könne ihn wohl ewig glücklich machen, ohne daß er eben nöthig habe, _ein besserer Mensch zu werden_, (durch Erlassung seiner Verschuldungen); oder auch, wenn ihm dieses nicht möglich zu sein scheint: _Gott_ könne ihn wohl zum _besseren Menschen machen_, ohne daß er selbst etwas mehr dabei zu thun habe, als darum zu _bitten_; welches, da es vor einem allsehenden Wesen nichts weiter ist, als _wünschen_, eigentlich nichts gethan sein würde: denn wenn es mit dem bloßen Wunsch ausgerichtet wäre, so würde jeder Mensch gut sein. Nach der moralischen Religion aber (dergleichen unter allen öffentlichen, die es je gegeben hat, allein die christliche ist,) ist es ein Grundsatz: daß ein Jeder, so viel, als in seinen Kräften ist, thun [55] müsse, um ein besserer Mensch zu werden; und nur alsdann, wenn er sein (A 58). angebornes Pfund nicht vergraben, (Lucä XIX, 12-16), wenn er die (B 62-64). ursprüngliche Anlage zum Guten benutzt hat, um ein besserer Mensch zu (R 59-60). werden, er hoffen könne, was nicht in seinem Vermögen ist, werde durch (Ha 215-16; höhere Mitwirkung ergänzt werden. Auch ist es nicht schlechterdings b 146-47). nothwendig, daß der Mensch wisse, worin diese bestehe; vielleicht gar (K 58-60). unvermeidlich, daß, wenn die Art, wie sie geschieht, zu einer gewissen Zeit offenbart worden, verschiedene Menschen zu einer andern Zeit sich verschiedene Begriffe, und zwar mit aller Aufrichtigkeit, davon machen würden. Aber _alsdann_ gilt auch der Grundsatz: »Es ist nicht wesentlich, und also nicht Jedermann nothwendig zu wissen, was Gott zu seiner Seligkeit thue, oder gethan habe;« aber wohl, _was er selbst zu thun habe_, um dieses Beistandes würdig zu werden.[41]

Der philosophischen Religionslehre [57] zweites Stück. (A 61-62). Von dem (B 67-68). Kampf des guten Princips mit dem bösen, (R 65-66). um die (Ha 219; Herrschaft über den Menschen. b 151). (K 63).

Daß, um ein moralisch guter Mensch zu werden, es nicht genug sei, den Keim des Guten, der in unserer Gattung liegt, sich bloß ungehindert entwickeln zu lassen, sondern auch eine in uns befindliche entgegenwirkende Ursache des Bösen zu bekämpfen sei, das haben unter allen alten Moralisten, vornehmlich die Stoiker durch ihr Losungswort _Tugend_, welches (sowohl im Griechischen als Lateinischen) Muth und Tapferkeit bezeichnet, und also einen Feind voraussetzt, zu erkennen gegeben. In diesem Betracht ist der Name _Tugend_ ein herrlicher Name, und es kann ihm nicht schaden, daß er oft prahlerisch gemißbraucht, und, (so wie neuerlich das Wort Aufklärung) bespöttelt worden. -- Denn den Muth auffordern, ist schon zur Hälfte so viel, als ihn einflößen; dagegen die faule sich selbst gänzlich mißtrauende und auf äußere Hilfe harrende kleinmüthige Denkungsart (in Moral und Religion) alle Kräfte des Menschen abspannt, und ihn dieser Hilfe selbst unwürdig macht.

Aber jene wackern Männer verkannten doch ihren Feind, der nicht in den natürlichen bloß undisciplinirten, sich aber unverhohlen Jedermanns Bewußtsein offen darstellenden Neigungen zu suchen, sondern ein gleichsam unsichtbarer, sich hinter Vernunft verbergender Feind, und darum desto gefährlicher ist. Sie boten die _Weisheit_ gegen die _Thorheit_ auf, die sich von Neigungen bloß unvorsichtig täuschen läßt, [58] anstatt sie wider die _Bosheit_ (des menschlichen Herzens) aufzurufen, (A 62-64). die mit seelverderbenden Grundsätzen die Gesinnung insgeheim (B 68-70). untergräbt.[42] (R 66-67). (Ha 220; Natürliche Neigungen sind _an sich selbst betrachtet, gut_, d. i. b 151-52). unverwerflich, und es ist nicht allein vergeblich, sondern es wäre auch (K 64-65). schädlich und tadelhaft, sie ausrotten zu wollen; man muß sie vielmehr nur bezähmen, damit sie sich untereinander nicht selbst aufreiben, sondern zur Zusammenstimmung in einem Ganzen, Glückseligkeit genannt, gebracht werden können. Die Vernunft aber, die dieses ausrichtet, heißt [59] _Klugheit_. Nur das Moralisch-Gesetzwidrige ist an sich selbst böse, (A 64-65). schlechterdings verwerflich, und muß ausgerottet werden; die Vernunft (B 70-71). aber, die das lehret, noch mehr aber, wenn sie es auch ins Werk richtet, (R 67-68). verdient allein den Namen der _Weisheit_, in Vergleichung, mit welcher (Ha 220-21; das Laster zwar auch _Thorheit_ genannt werden kann, aber nur alsdann, b 152-53). wenn die Vernunft genugsam Stärke in sich fühlt, um es (und alle Anreize (K 64-66). dazu) zu _verachten_, und nicht bloß als ein zu fürchtendes Wesen zu _hassen_, und sich dagegen zu bewaffnen.

Wenn der _Stoiker_ also den moralischen Kampf des Menschen bloß als Streit mit seinen (an sich unschuldigen) Neigungen, sofern sie als Hindernisse der Befolgung seiner Pflicht überwunden werden müssen, dachte: so konnte er, weil er kein besonderes positives (an sich böses) Princip annimmt, die Ursache der Uebertretung nur in der _Unterlassung_ setzen, jene zu bekämpfen; da aber diese Unterlassung selbst pflichtwidrig (Uebertretung), nicht bloßer Naturfehler ist, und, nun die Ursache derselben nicht wiederum (ohne im Zirkel zu erklären) in den Neigungen, sondern nur in dem, was die Willkühr, als freie Willkühr bestimmt, (im inneren ersten Grunde der Maximen, die mit den Neigungen im Einverständnisse sind) gesucht werden kann, so läßt sich's wohl begreifen, wie Philosophen, denen ein Erklärungsgrund, welcher ewig in Dunkel eingehüllt bleibt,[43] und obgleich unumgänglich, dennoch unwillkommen ist, den eigentlichen Gegner des Guten verkennen konnten, [60] mit dem sie den Kampf zu bestehen glaubten. (A 65-67). (B 71-73). Es darf also nicht befremden, wenn ein Apostel diesen _unsichtbaren_, (R 68-69). nur durch seine Wirkungen auf uns kennbaren, die Grundsätze verderbenden (Ha 221-22; Feind, als außer uns, und zwar als bösen Geist vorstellig macht: »wir b 153-54). haben nicht mit Fleisch und Blut (den natürlichen Neigungen), sondern (K 66-67). mit Fürsten und Gewaltigen -- mit bösen Geistern zu kämpfen.« Ein Ausdruck, der nicht, um unsere Erkenntniß über die Sinnenwelt hinaus zu erweitern, sondern nur um den Begriff des für uns unergründlichen, _für den praktischen Gebrauch_ anschaulich zu machen, angelegt zu sein scheint; denn übrigens ist es zum Behuf des letztern für uns einerlei, ob wir den Verführer bloß in uns selbst, oder auch außer uns setzen, weil die Schuld uns im letzten Falle um nichts minder trifft, als im ersteren, als die wir von ihm nicht verführt werden würden, wenn wir mit ihm nicht im geheimen Einverständnisse wären.[44] -- Wir wollen diese ganze Betrachtung in zwei Abschnitte eintheilen.

Erster Abschnitt. [61] (A 67-68). Von dem Rechtsanspruche des guten Princips auf die Herrschaft (B 73-74). über den Menschen. (R 69-70). (Ha 223-24; b 155-56). a) Personificirte Idee des guten Princips. (K 68-69).

Das, was allein eine Welt zum Gegenstande des göttlichen Rathschlusses, und zum Zwecke der Schöpfung machen kann, ist die _Menschheit_, (das vernünftige Weltwesen überhaupt) _in ihrer moralischen ganzen Vollkommenheit_, wovon als oberster Bedingung, die Glückseligkeit die unmittelbare Folge in dem Willen des höchsten Wesens ist. -- Dieser allein Gott wohlgefällige Mensch »ist in ihm von Ewigkeit her;« die Idee desselben geht von seinem Wesen aus; er ist sofern kein erschaffenes Ding, sondern sein eingeborner Sohn; »das _Wort_, (das Werde!) durch welches alle andren Dinge sind, und ohne das nichts existirt, was gemacht ist,« (denn um seinet d. i. des vernünftigen Wesens in der Welt willen, so wie es seiner moralischen Bestimmung nach gedacht werden kann, ist Alles gemacht). -- »Er ist der Abglanz seiner Herrlichkeit.« -- »In ihm hat Gott die Welt geliebt« und nur in ihm und durch Annehmung seiner Gesinnungen können wir hoffen »Kinder Gottes zu werden;« u. s. w.

Zu diesem Ideal der moralischen Vollkommenheit, d. i. dem Urbilde der sittlichen Gesinnung in ihrer ganzen Lauterkeit uns zu _erheben_, ist nun allgemeine Menschenpflicht, wozu uns auch diese Idee selbst, welche von der Vernunft uns zur Nachstrebung vorgelegt wird, Kraft geben kann. Eben darum aber, weil wir von ihr nicht die Urheber sind, sondern sie in dem Menschen Platz genommen hat, ohne daß wir begreifen, wie die menschliche Natur für sie auch nur habe empfänglich sein können, kann man besser sagen: daß jenes Urbild vom Himmel zu uns _herabgekommen_ sei, daß es die Menschheit angenommen habe, (denn es ist nicht eben sowohl möglich, sich vorzustellen, wie der von Natur _böse Mensch_ das Böse von selbst ablege, und sich zum Ideal der Heiligkeit _erhebe_, als daß das Letztere die _Menschheit_ (die für sich nicht böse ist) annehme [[und sich zu ihr herablasse).]]{[45]} Diese Vereinigung mit uns kann [62] als ein Stand der _Erniedrigung_ des Sohnes Gottes angesehen werden, (A 68-70). wenn wir uns jenen göttlich gesinnten Menschen, als Urbild für uns, so (B 74-76). vorstellen, wie er, ob zwar selbst heilig, und als solcher zu keiner (R 70-71). Erduldung von Leiden verhaftet, sie{[46]} gleichwohl im größten Maße (Ha 224-25; übernimmt, um das Weltbeste zu befördern; dagegen der Mensch, der nie b 156). von Schuld frei ist, wenn er auch dieselbe Gesinnung angenommen hat, die (K 69-70). Leiden, die ihn, auf welchem Wege es auch sei, treffen mögen, doch als von ihm verschuldet ansehen kann, mithin sich der Vereinigung seiner Gesinnung mit einer solchen Idee, ob zwar sie ihm zum Urbilde dient, unwürdig halten muß.

Das Ideal der Gott wohlgefälligen Menschheit (mithin einer moralischen Vollkommenheit, so wie sie an einem von Bedürfnissen und Neigungen abhängigen Weltwesen möglich ist) können wir uns nun nicht anders denken, als unter der Idee eines Menschen, der nicht allein alle Menschenpflicht selbst auszuüben, zugleich auch durch Lehre und Beispiel das Gute in größtmöglichem Umfange um sich auszubreiten, sondern auch, obgleich durch die größten Anlockungen versucht, dennoch alle Leiden bis zum schmählichsten Tode um des Weltbesten willen, und selbst für seine Feinde, zu übernehmen, bereitwillig wäre. -- Denn der Mensch kann sich keinen Begriff von dem Grade und der Stärke einer Kraft, dergleichen die einer moralischen Gesinnung ist, machen, als wenn er sie, mit Hindernissen ringend, und unter den größtmöglichen Anfechtungen, dennoch überwindend sich vorstellt.

Im _praktischen Glauben an diesen Sohn Gottes_ (sofern er vorgestellt wird, als habe er die menschliche Natur angenommen,) kann nun der Mensch hoffen, Gott wohlgefällig (dadurch auch selig) zu werden; d. i. der, welcher sich einer solchen moralischen Gesinnung bewußt ist, daß er _glauben_ und auf sich gegründetes Vertrauen setzen kann, er würde unter ähnlichen Versuchungen und Leiden (so wie sie zum Probierstein jener [63] Idee gemacht werden,) dem Urbilde der Menschheit unwandelbar anhängig, (A 70-71). und seinem Beispiele in treuer Nachfolge ähnlich bleiben, ein solcher (B 76-77). Mensch, und auch nur der allein, ist befugt, sich für denjenigen zu (R 71-72). halten, der ein des göttlichen Wohlgefallens nicht unwürdiger Gegenstand (Ha 225-26; ist. b 156-57). (K 70-71).

b) Objective Realität dieser Idee.

Diese Idee hat ihre Realität in praktischer Beziehung vollständig in sich selbst. Denn sie liegt in unsrer moralisch gesetzgebenden Vernunft. Wir _sollen_ ihr gemäß sein, und wir müssen es daher auch _können_. Müßte man die Möglichkeit, ein diesem Urbilde gemäßer Mensch zu sein, vorher beweisen, wie es bei Naturbegriffen unumgänglich nothwendig ist, (damit wir nicht Gefahr laufen, durch leere Begriffe hingehalten zu werden), so würden wir eben sowohl auch Bedenken tragen müssen, selbst dem moralischen Gesetze das Ansehen einzuräumen, unbedingter und doch hinreichender Bestimmungsgrund unsrer Willkühr zu sein; denn wie es möglich sei, daß die bloße Idee einer Gesetzmäßigkeit überhaupt eine mächtigere Triebfeder für dieselbe sein könne, als alle nur erdenkliche, die von Vortheilen hergenommen werden, das kann weder durch Vernunft eingesehen, noch durch Beispiele der Erfahrung belegt werden, weil, was das erste betrifft, das Gesetz unbedingt gebietet, und das zweite anlangend, wenn es auch nie einen Menschen gegeben hätte, der diesem Gesetze unbedingten Gehorsam geleistet hätte, die objective Nothwendigkeit, ein solcher zu sein, doch unvermindert und für sich selbst einleuchtet. Es bedarf also keines Beispiels der Erfahrung, um die Idee eines Gott moralisch wohlgefälligen Menschen für uns zum Vorbilde zu machen; sie liegt als ein solches schon in unserer Vernunft. -- Wer aber, um einen Menschen für ein solches mit jener Idee übereinstimmendes Beispiel zur Nachfolge anzuerkennen, noch etwas mehr, als was er sieht, d. i. mehr als einen gänzlich untadelhaften, ja so viel, als man nur verlangen kann, verdienstvollen Lebenswandel, wer etwa außerdem noch Wunder, die durch ihn oder für ihn geschehen,{[47]} zur [64] Beglaubigung fordert: der bekennt zugleich hierdurch seinen moralischen (A 71-73). _Unglauben_, nämlich den Mangel des Glaubens an die Tugend; den kein auf (B 77-79). Beweise durch Wunder, gegründeter Glaube (der nur historisch ist), (R 72-73). ersetzen kann; weil nur der Glaube an die praktische Gültigkeit jener (Ha 226-27; Idee, die in unserer Vernunft liegt, (welche auch allein allenfalls die b 157-58). Wunder als solche, die vom guten Princip herkommen möchten, bewähren, (K 71-72). aber nicht von diesen ihre Bewährung entlehnen kann) moralischen Werth hat.

Eben darum muß auch eine Erfahrung möglich sein, in der das Beispiel von einem solchen Menschen gegeben werde, (so weit als man von einer äußeren Erfahrung überhaupt Beweisthümer der inneren sittlichen Gesinnung erwarten und verlangen kann); denn, dem Gesetz nach, sollte billig ein jeder Mensch ein Beispiel zu dieser Idee an sich abgeben; wozu das Urbild immer nur in der Vernunft bleibt; weil ihr kein Beispiel in der äußern Erfahrung adäquat ist, als welche das Innere der Gesinnung nicht aufdeckt, sondern darauf, ob zwar nicht mit strenger Gewißheit, nur schließen läßt; (ja selbst die innere Erfahrung des Menschen an ihm selbst läßt ihn die Tiefen seines Herzens nicht so durchschauen, daß er von dem Grunde seiner Maximen, zu denen er sich bekennt, und von ihrer Lauterkeit und Festigkeit durch Selbstbeobachtung ganz sichere Kenntniß erlangen könnte).